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Gemeinderat, 32. Sitzung vom 24.09.2003, Wörtliches Protokoll  -  Seite 40 von 63

 

Was mich am meisten aufregt, ist, dass Sie, sehr geehrte Damen und Herren von der Sozialdemokratie, immer so tun, als wäre alles in bester Ordnung, obwohl Sie ganz genau wissen müssen, was wirklich los ist, dass Sie immer diejenigen, die aufzeigen, abtun als Skandalisierer, als Panikmacher und sonst etwas. Sie müssten es wissen, nicht nur weil wir es sagen, Sie müssen es auch wissen, weil es mutige Mitarbeiter gibt, die immer wieder Missstände aufzeigen. Sie sollten es auch wissen, weil es zum Beispiel im Krankenanstaltenverbund vor zwei Jahren eine MitarbeiterInnen-Zufriedenheitsbefragung gegeben hat, in der die wirklichen Probleme ganz klar herausgearbeitet sind. Aber Sie haben vielleicht diese Stellungnahmen von den Mitarbeitern nicht gelesen, darum möchte ich Ihnen heute hier einige vorlesen.

 

Zum Beispiel zur Führung schreibt ein Mitarbeiter: "Die Führung des Hauses ist eine mittlere Katastrophe. Sie schafft Unmut im ganzen GZW. Keiner lacht mehr, egal wen man trifft. Das Management hat alles ruiniert, egal welche Berufsgruppe. Jeder Mitarbeiter verrichtet in Wirklichkeit seine Arbeit positiv. – Danke."

 

Oder Direktion: "Keine Kommunikation, Willkür, chaotische Planung und Geldausgaben, fragwürdige Bauarbeiten, dafür Knappheit bei Budget für Patienten, respektlose Versetzung von Personal, keine Rücksicht auf Alter, Krankheit des Mitarbeiters bei neuen Projekten."

 

Oder: "Mitarbeiter sind Repressalien und willkürlichen Entscheidungen ausgesetzt und haben Angst vor Sanktionen. Gespräche werden nicht in sachlicher und ruhiger Form geführt. Die Mitarbeiter werden abgekanzelt, abqualifiziert und niedergeschrieen. Argumente werden kategorisch abgeschnitten und ignoriert. Die Führung hat nicht erkannt, dass nur motivierte Mitarbeiter, welchen auch entsprechende Anerkennung gezollt und denen auch in Konflikt- und Stresssituationen mit normalen Umgangsformen begegnet wird, anhaltend gute Leistungen erbringen. Es ist faszinierend, dass trotzdem viele nicht resignieren und sich im Sinne der Patienten mit Freude, Ideen und hohem persönlichen Einsatz einbringen. Kurz gesagt: Der Betrieb funktioniert trotz Führung. Diese Mitarbeitbefragung war völlig umsonst. Der ganze Aufwand hat sich nicht gelohnt, da die politisch Verantwortlichen sie ignoriert haben. Eine Befragung der Mitarbeiter als PR-Gag."

 

Sehr geehrte Damen und Herren! Er hat Sie durchschaut.

 

Und was macht eigentlich die Gewerkschaft, Herr GR Hundstorfer? Ich frage Sie auch heute wieder – Sie haben sich dann zu Wort gemeldet –: Warum helfen Sie diesen Menschen nicht?

 

Bei der Befragung des KAV ist auch ein Punkt "Personalvertretung". Da sagt ein Mitarbeiter: "Zu viele Gewerkschaftsfragen. Darüber möchte ich so nicht Auskunft geben. Mich stört starke Freunderlwirtschaft auch bei der Führung, Pflegedirektion, Oberschwestern. Die Gewerkschaft kümmert sich überhaupt nicht um ihre Mitglieder. Wichtig ist nur der Mitgliedsbeitrag."

 

Ich frage Sie – ich hoffe, Sie beantworten mir das in Ihrer heutigen Wortmeldung –: Warum helfen Sie diesen Menschen nicht? Und bei Ihnen sind alles nur Missverständnisse.

 

Ich möchte auch sagen, Sie haben mich gestern missverstanden, denn worauf ich hinweisen wollte, war, dass die Gewerkschaft den Mitarbeitern rechtlichen Beistand versagt hat. Und ich lasse mir von Ihnen auch nicht vorwerfen, dass ich oberflächlich informiert bin, denn ich kenne mittlerweile schon so viele Fälle, wo die Folgen der unmenschlichen Behandlung durch den Dienstgeber, der Gemeinde Wien, vom Herzinfarkt über psychiatrische Behandlung bis hin zum Tod reichen, dass ich hier stunden- und tagelang darüber berichten könnte. Und Sie sagen immer nur, alles ist nicht wahr, alles sind Einzelfälle.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Hundstorfer! Sie können sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen! (Beifall bei der FPÖ.)

 

Eine große Hilfe für das Geriatriezentrum Am Wienerwald, aber auch für andere Einrichtungen wäre in jedem Fall eine Verbesserung der baulichen Strukturen und Renovierung. Das weiß jeder. Das wurde heute auch schon oft gesagt. Vor zehn Jahren, noch unter Generaldirektor Naegler, wurde ein Anstaltentwicklungsplan ausgearbeitet. Aber leider wurde dieser Plan nie zu Ende geführt. Man hat zum Beispiel den Pavillon 13 abgesiedelt für den Umbau. Man hat begonnen, aber dann sind die Raten plötzlich nicht mehr gekommen. Und auch die Folgeprojekte blieben stecken.

 

Sehr geehrte Damen und Herren! Man muss halt für diese dringend notwendigen Sanierungen das Geld in die Hand nehmen, denn unter den derzeitigen Zuständen leiden die MitarbeiterInnen und die Patienten.

 

Eine weitere Hilfe wäre das zügige Absystemisieren von Betten, um den Raumbedarf zu befriedigen. Ein bis drei Patienten weniger, das wäre oft schon eine große Hilfe. Ganz wenig reicht oft schon aus, um eine deutliche Verbesserung zu erzielen. Denn gerade in der Pflege von alten Menschen gibt es so eine riesige Wolke an menschlichen Emotionen. Gerade dort, wo die Zahl der Patienten immer mehr wird und wo der Zustand, in dem die Patienten kommen, immer schlechter wird, wo 70 Prozent dement sind, wo viele Verhaltensstörungen haben, wo sich die Patienten gegen die Pflegehandlungen wehren, bis hin zu tätlichen Übergriffen, besonders dort ist viel Fingerspitzengefühl notwendig und besonders in diesem Bereich muss man investieren. Da nützt es uns nichts, wenn die Generaloberin Staudinger uns immer den Personalschlüssel vorrechnet, wenn dann die Zahlen in Wirklichkeit auf den Stationen gar nicht stimmen.

 

Oder auch die Fortbildung. In der Mitarbeiterbefragung vom KAV schreibt ein Mitarbeiter: "Pflegehelfer wollen Weiterbildung. Aber es scheitert an Plätzen für die Ausbildungen. Titulierungen wie 'die Putzbrigade' sind für die Pflegehelfer leider traurige Realität. Pflegehelfer sind keine dummen Hilfsdiener. Bitte vermehren Sie die Ausbildungsplätze."

 

Sehr geehrte Damen und Herren! Bitte lesen Sie

 

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