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Gemeinderat, 57. Sitzung vom 28.06.2005, Wörtliches Protokoll  -  Seite 81 von 116

 

Ein Schritt in die richtige Richtung ist der verstärkte Ausbau der U-Bahn-Linien. Die U-Bahnen müssen aber bis zum Stadtrand geführt werden. Tendenzen sind vorhanden, aber die Maßnahmen kommen um Jahrzehnte zu spät. Mir ist schon klar, Herr Stadtrat, dass man dies nicht in wenigen Jahren schafft. Darum sollte der Stadtentwicklungsplan alle Erweiterungsmöglichkeiten des öffentlichen Verkehrs beinhalten, und das fehlt in vielen Bereichen, speziell in den westlichen Bezirken: U-Bahn nach Auhof zum Beispiel, oder Vermehrung der S45-Bahnstationen.

 

Herr Stadtrat! Brücken können schön sein. Ich konnte mich vor drei Wochen selbst davon überzeugen, indem ich auf einer Studienreise die Brücken von Le Havre, dem Tor in die Normandie, und die höchste Autobahnbrücke der Welt in Südfrankreich bewundern konnte. Ich habe auch die Brücken über den Golf von Korinth voriges Jahr gesehen. Meisterwerke der Architektur und Statik - ja, Brücken können schön sein.

 

Natürlich sind Sie von der Gestaltung der Wiener Brücken nicht verwöhnt worden, Herr Stadtrat. Reichsbrücke, Brigittenauer Brücke, Floridsdorfer Brücke, um nur einige zu nennen, entbehren jeglichen Charmes. Warum ich das so betone, Herr Stadtrat? Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass bei der letzten Trassenplanung durch die ASFINAG durchaus eine Brückenlösung zwischen den Autobahnen A4 und A22 hinpassen würde. Brücken können ästhetisch sein, sie haben eine lange Haltbarkeit, bessere Erweiterungsmöglichkeiten bei Bedarf, und der Hauptgrund: Sie sind billiger als eine Tunnellösung.

 

Im Übrigen bin ich mit der letzten ASFINAG-Variante hoch zufrieden. Betreffend Tunnel muss ich aber immer an den Elbtunnel in Hamburg denken. Als ich 1957 das erste Mal dort durchgefahren bin, gab es eine Röhre. Vor zwei Jahren wurde bereits die vierte Röhre gebaut, und diese Langzeitbaustellen verursachten jahrzehntelang einen täglichen Verkehrsstau. Auch wegen der Klaustrophobie vieler Menschen unserer Stadt sind lange Tunnel ein Horror. Überdenken Sie das, Herr Stadtrat.

 

Es wird in den letzten Wochen viel vom Feinstaub geredet und festgestellt, wer aller Verursacher ist, aber keiner weiß eine Lösung, um dem Feinstaub Herr zu werden. Ich habe in einem Magazin der Österreichischen Gesellschaft für Straßenverkehrswesen einen interessanten Beitrag aus Salzburg gelesen. Als Überschrift steht dort "Saubere und leise Lösung für den öffentlichen Personennahverkehr". Die Stadt Salzburg baut ihre Obusnetze aus. Dadurch gibt es jährlich eine erhebliche Entlastung bei Kohlenmonoxid, bei Stickoxiden, bei Schwefeldioxiden und bei Kohlenwasserstoff. Weiter steht in dem Bericht, dass die neuen Fahrzeuge, die in den nächsten Jahren ausgeliefert werden, mit einem Hilfsantrieb ausgestattet werden, um im Störfall kurze Strecken ohne Stromversorgung fahren zu können.

 

Das wäre doch auch in Wien eine Lösung, eine saubere Lösung! Ich war immer schon ein Fan von Obussen. Zur Erinnerung: In Wien gab es bis zum Jahr 1958 zwei Linien, eine nach Klosterneuburg und eine nach Salmannsdorf. Die WIENER LINIEN haben sich für Flüssiggasantrieb entschieden, heute haben die WIENER LINIEN die größte Flüssiggasflotte der Welt. Darauf soll man nicht stolz sein, im Gegenteil, es soll uns zu denken geben, dass keine größere Stadt auf Flüssiggasantrieb umsteigt, obwohl diese Fahrzeuge zwar weniger Schadstoffe als Benzin- oder Dieselfahrzeuge ausstoßen, jedoch nur einen geringeren Vorteil bei den CO2-Emissionen aufweisen.

 

Obusse in den Bezirken Transdanubiens wären eine saubere und leise Lösung. Und noch einen Vorteil hätte der Obus: Man kann die tausende Quadratmeter großen Busabstellhallen wie bei den Straßenbahnremisen auch überbauen. Damit kann man das Grundstück auch anders nutzen. Das geht bei Flüssiggasabstellhallen wegen der Explosionsgefahr nicht.

 

Das sind einige Punkte, die ich aufgezählt habe. Wir vom BZÖ lehnen den Rechnungsabschluss 2004 ab. (Beifall beim BZW.)

 

Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer: Wie gesagt, wir sind ein bisschen durcheinander gekommen. Nächster Redner ist Herr StR Herzog. Sie haben auch 25 Minuten - wenn Sie es brauchen.

 

StR Johann Herzog: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Vorsitzender!

 

Ich werde sicher keine 25 Minuten brauchen. Ich möchte den Rechnungsabschluss als Gelegenheit nutzen, in der Abschlussdebatte noch einmal das Wort in dieser Legislaturperiode zu den Themen, die mir wichtig erscheinen, zu ergreifen.

 

Wenn ich hier damit beginnen darf, sind es einmal die Bahnhöfe, die natürlich besondere Fixpunkte einer Stadt sind und deren Neugestaltung den Mittelpunkt von vielen Diskussionen in dieser Stadt ausgelöst hat. Da ist natürlich einmal der Bahnhof Wien - Europa Mitte, bei dem die grundsätzliche Zustimmung unsererseits in Frage gestellt ist, auch was die Umgebung betrifft, von Details wie der Lage von Hochverbauungen abgesehen.

 

Das Stadterweiterungsgebiet von 60 Hektar ist eine gewaltige Chance, keine Frage, und bietet die Möglichkeit zu einer einmaligen städtebaulichen Gestaltung eines großen Areals. Aber, meine Damen und Herren, Sie wissen, hier ist die FPÖ in weiteren Überlegungen, und wir stellen eine Gesamtbetrachtung an, eine Gesamtbetrachtung, die nicht nur den Südbahnhof und das Gebiet des kommenden Zentralbahnhofs umfasst sowie die 60 Hektar dahinter, sondern dieser von uns "Südgürtel-Neu" genannte Arealbereich würde ja vom heutigen Südbahnhof bis hin nach Meidling reichen.

 

Allein am Matzleinsdorfer Frachtenbahnhof - das haben wir schon oft genug gesagt - warten 35 Hektar Stadtentwicklungsgebiet auf eine Verwertung. Dazwischen gibt es dann auch eine Verbindungsbrücke zwischen dem heutigen Südbahnhof und dem Matzleinsdorfer Platz, der sich ebenfalls für Neugestaltungen anböte. Hier bietet sich - wir haben es schon oft gesagt - eine einmalige Chance für die Gestaltung, für die Aufwertung alter und teils abgewohnter Stadtviertel. Es wäre das Ganze ein Magnet der Erneuerung, der weit in diesen

 

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