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Gemeinderat, 14. Sitzung vom 21.11.2006, Wörtliches Protokoll  -  Seite 33 von 91

 

In diesen Jugendzentren toben sich auch eine ganze Reihe von offenkundig sehr weltfremden Soziologen aus. Das merkt man schon an dem Fachchinesisch dieser Broschüren, wenn man etwa liest: „Angebot für Burschen, in einem geschlechtshomogenen Setting Themen der Mannwerdung anzusprechen und aufzugreifen.“ – Was stellen Sie sich darunter vor? Schauen Sie einmal nach! Sie werden sich wundern, was das ist! Das ist sicherlich nicht das, was Sie annehmen! Verstanden wird eine solche Broschüre von einem Jugendlichen aber garantiert nicht!

 

Nun noch zu einem zweiten Bereich meiner Ausführungen, der leider in sehr engem Zusammenhang mit der Schule steht, nämlich zur zunehmenden Gewalt unter den Jugendlichen. Ich habe eingangs schon die heutige Titelseite angesprochen: „Wiener Schüler als brutaler Schläger.“ Untertitel: „Wiens Schulen bisher über 2 400 Mal als Tatort.“ Das war schon vor einem Monat. Jetzt sind es schon fast 2 500 Mal. Da gibt es nicht nur 2 500 Geschädigte, Verletzte, Gekränkte und natürlich die Täter, sondern betroffen sind auch deren Angehörige und Familien. Es gibt also Tausende allein von den erfassten Delikten Betroffene! Und wir kümmern uns nicht darum! Der Herr Direktor sagt: „Das ist Teil des Lebens.“ – Das kann es doch nicht sein! Damit können wir doch nicht so umgehen! Außerdem führt das natürlich zu Gegengewalt, Raub, Mobbing, Diebstahl von Taschengeld und so weiter.

 

Ich war auch in einer anderen Schule auf der Schmelz. Die Schule hat einen sehr guten Eindruck gemacht, das muss ich dazu sagen. Die Direktorin äußerte ihre Meinung, dass es bei ihr Gewalt an der Schule nicht gäbe. In der Pause sind zwei kleine Mädchen zu mir gekommen und haben mir gesagt, dass sie an der Diskussion nicht teilnehmen dürfen, weil sie zu jung sind, dass sie mich aber für die Schülerzeitung interviewen wollen. Und dann kam es aus ihnen heraus: „Auch wir und mein Bruder“ – wie das eine Mädchen sagte – „sind mehrfach bereits überfallen worden. Man hat uns das Taschengeld weggenommen, und man hat uns die Handys weggenommen.“

 

Was glauben Sie, was für eine Vorstellung diese jungen Menschen von der Gesellschaft bekommen? In sehr vielen Fällen haben sich da Banden oder Gruppierungen zusammengeschlossen. Und Sie können sagen, was Sie wollen: Meist sind es ethnisch orientierte Gruppierungen! Und wissen Sie, wie die jungen Österreicher bei uns schön langsam darauf reagieren? Und das ist sehr gefährlich! Sie sagen nämlich: Wir müssen uns auch zusammenschließen, damit wir uns gegen diese Gewalt wehren können! – Das sind die Folgen Ihrer Erziehung! Wollen Sie wirklich, dass wir die Westside Story mit Bandenkriegen auf den Straßen Wiens erleben? Wenn Sie so weitermachen, meine Damen und Herren von der SPÖ, dann bekommen wir das! (Zwischenruf von GR Heinz Vettermann.) Ja, Sie können sich wegdrehen, Sie können vor der Wirklichkeit wegschauen, Herr Kollege Vettermann! Sie haben auch schon weggeschaut, als wir vor zehn Jahre auf entsprechende Fälle hingewiesen haben, und haben gesagt: Das ist unmöglich! Wir wären heute froh, wenn wir die Situation hätten, die wir vor zehn Jahren geschildert haben!

 

Ich sage Ihnen: Es wird noch viel, viel schlimmer kommen! Genügt Ihnen der Zustand nicht, dass Wien jetzt schon 2 400 Mal Tatort war? Frau Brandsteidl sagt: „Was die Integration verhaltsauffälliger Kinder an den Pflichtschulen betrifft, ist Österreich international Vorreiter.“ Der „Kurier“ schreibt unter dem Titel „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ über die Vorfälle, die es hier gibt. – Wollen Sie wirklich, dass es so weit kommt wie bei den Jugendkrawallen in Paris? Wir stehen nur noch wenige Jahre davor!

 

Meine Damen und Herren! Das ist die Realität, vor der Sie hier die Augen verschließen und die Sie nicht sehen wollen, weil Sie nicht in Ihr Weltbild passt! Was Sie unseren Jugendlichen damit antun, das interessiert Sie offenbar nicht, denn dann sind Sie vielleicht zumindest teilweise schon aus der Politik draußen! Soll statt „Brennt Paris?“ einmal „Brennt Wien?" in der Zeitung stehen? In Paris brennen derzeit jede Nacht 130 bis 140 Autos. (Zwischenruf von GRin Nurten Yilmaz.) Ich weiß: Wir sind noch nicht so weit! Gott sei Dank! Aber es wäre höchste Zeit umzuschalten. Darüber muss man einmal nachdenken und sich überlegen, wo die wirklichen Hintergründe liegen!

 

Ich habe auch an einer anderen Schule diskutiert. Dort hat eine junge Ägypterin gesagt, die ausgezeichnet Deutsch gesprochen hat – es gibt davon eine Tonbandaufzeichnung –: „Ich bin in Österreich geboren. Meine Eltern wollten, dass ich mich integrieren kann. Ich habe von Anfang an Deutsch gesprochen, jetzt werde ich aber von meinen Mitschülern gemobbt, weil ich Deutsch und nicht Arabisch oder Türkisch spreche und weil ich keinen Schleier trage.“ – So weit sind wir gekommen! Dann hat sie noch einen interessanten Satz gesagt: „Etwas verstehe ich bei den Österreichern nicht. Ich bin stolz, Ägypterin zu sein. Aber wenn ich in Österreich sage: Ich bin stolz, Österreicherin zu sein, dann sagen sie zu mir: Nazi! – Das verstehe ich einfach nicht!“ – Auch darüber sollten Sie ruhig einmal nachdenken! Sie können sich das anhören! Das gibt es auf Band. Das ist keine Erfindung! Wenn Sie jetzt allerdings dumm über so etwas lachen, dann ist das Realitätsverweigerung, Herr Kollege, und zwar eine gefährliche Realitätsverweigerung! (Beifall bei der FPÖ.)

 

Sie verschließen die Augen und versuchen, alles schön zu reden, wie früher der berühmte Herr Schönfärber im „Watschenmann“.

 

Wenn wir schon bei der Literatur sind, noch ein Wort zu Ihrer Realitätsverleugnung. – Sie tun nichts, und das ist das große Problem. Wer nichts tut, glauben Sie, kann nichts Falsches tun. Das ist aber nicht wahr! An jedem Tag und zu jeder Stunde, die wir versäumen, rennen wir in eine gefährliche Entwicklung, in eine Konfrontation, die wir wirklich nicht wollen! Folglich müssen wir dagegen Schritte setzen. Das geht jedoch sicherlich nicht nur mit der Spaßgesellschaft, die Sie laufend propagieren.

 

Wir haben einen großen Schriftsteller, Grillparzer, der zwar nicht über die Stadtregierung von Wien, aber über die österreichische Regierung gesagt hat:

 

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