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Gemeinderat, 25. Sitzung vom 25.10.2007, Wörtliches Protokoll  -  Seite 53 von 82

 

gemeldet ist Herr GR Mag Ebinger.

 

GR Mag Gerald Ebinger (Klub der Wiener Freiheitlichen): Sehr geehrter Herr Vorsitzender!

 

Ganz kurz. Wir werden diesen beiden Geschäftsstücken nicht zustimmen. Es ist zwar so, dass sich das Kuratorium diese Produktionen anschaut, wir haben aber bei diesen Dingen nicht mitgearbeitet, sind jedoch als Oppositionspartei der Meinung, dass 130 000 und 120 000 EUR viel Geld sind und dass die Akten schon eine gewisse Grundinformation über die Produktion wiedergeben sollten.

 

Ich sage Ihnen kurz, was uns vorliegt. Ich meine, auf Grund dieser Dinge sollen wir jetzt entscheiden, ob das einer Förderung würdig ist oder nicht. Es geht nicht darum, vorher zu beurteilen, ob mir das gefällt oder nicht – das weiß ich schon, dass ich das nicht soll und nicht darf –, aber ich kann doch zumindest versuchen, mir ein Bild zu machen, was ich da fördere. Was dann tatsächlich künstlerisch dabei herauskommt, ist, wie gesagt, nicht meine Angelegenheit, aber wenn ich da bei dem einem Projekt „liquid loft" lese: „Die Posing-Project-Serie ist eine auf längeren Zeitraum konzipierte und beinhaltet verschiedene Stationen eigenständiger Performance im zeitgenössischen Tanz." – Aha! Ich nehme nur wenige Sätze heraus, damit wir nicht zu lange reden. „Das Posieren steht nicht für den Inhalt, sondern für die Methode." – Mhm! „Im Mittelpunkt stehen eindrucksvolle Stereotypen, die für sich werben, um zu verleiten."

 

Das sind so ungefähr einzelne Sätze aus dieser kurzen Beschreibung, aus denen man nichts ersieht. Ich meine, das ist eigentlich überhaupt nichts, wenn es nur darum geht, dass ich jetzt jemandem Geld dafür zahlen muss, dass er eine Pose einnimmt. Unten steht dann auch noch: „Ähnlich einem Such- und Verknüpfungsprogramm können im Posing Project kombinatorisch Begriffe wie ‚Wow' oder ‚Seduction' eingegeben werden." – Also seien Sie mir nicht böse, für 130 000 EUR ist das irgendwie eine Larifari-Beschreibung.

 

Und das zweite Projekt ist noch viel schlimmer, dieses „Mumbling-Fish". Da haben wir überhaupt eine handgeschriebene Projektbeschreibung. Da steht oben: „Wiederaufnahme: Like there's no tomorrow." – Ich würde sagen, take the money now, nimm das Geld jetzt, damit wir die Amtssprache hier wahren. „Like there's no tomorrow" ... (GRin Mag Alev Korun: Das müssen Ausländer sein!) Haben Sie was gegen Ausländer? (GRin Mag Alev Korun: Nein, ich staune nur über Ihre Fremdsprachenkenntnisse!) Na eben! – „Drei Tänzer, ein Choreograph, drei Wochen Probe, eine Woche Aufführungszeit." Mehr steht da nicht. Ich weiß nicht, worum es da geht.

 

Und unter dem zweiten Projekt steht „Gruppenstück". Vielleicht ist das der Titel, ich kann es nicht beurteilen. Da steht „Gruppenstück mit vier Tänzern" und allen möglichen Beteiligten; 20 Wochen wird das dauern. Das ist doch keine Projektbeschreibung, das ist gar nichts, das ist ein Schmierzettel. Das kann man sich, wenn man sich im Kaffeehaus trifft, so aufschreiben.

 

Wenn ich Ihnen zeige, was ein kleiner Verein, wurscht, von welcher Fraktion, ausfüllen muss, um eine kleine Subvention von einem Bezirksbudget zu bekommen: An die Frau Bezirksvorsteherin, beispielsweise des 12. Bezirks, erster Zettel, Bezirksbezug, Zielgruppe, wir haben schon Projektmittel, Projektkosten, Projekteinnahmen, Summe der Projekte. Da wird alles wiedergegeben, auf drei Seiten, für vielleicht 500 EUR Subvention. Aber da geben wir 250 000 EUR Subvention, und auf einer Seite werden Larifari-Begriffe hingeschrieben, und das genügt in dieser Stadt, um eine Viertelmillion Euro beim Fenster rauszuwerfen. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzender GR Dr Wolfgang Ulm: Frau GRin Zankl, bitte.

 

GRin Inge Zankl (Sozialdemokratische Fraktion des Wiener Landtages und Gemeinderates): Herr Vorsitzender! Frau Berichterstatterin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Es ist sehr schwierig, die Phantasie der modernen Kunst, des modernen Tanzes der FPÖ zu vermitteln. (Lebhafte Zwischenrufe bei der FPÖ.) Ich möchte einmal den Akt beschreiben. Dieses Mal hat der Kollege Ebinger nicht die Ausrede zu sagen, das ist ein Rahmenbetrag, wir wissen nicht, worum es geht. Es ist transparent, es ist genau beschrieben, wie das Geld verteilt wird, es ist dokumentiert.

 

Der Kuratoriumsempfehlung wollen wir nicht dreinpfuschen. Das sind die Fachleute, und ich glaube, beim modernen Tanz kann man schwer etwas beschreiben. Ich würde allen empfehlen; Das sind zwei international renommierte Gruppen, die eingeladen werden bei Festivals, die auftreten bei ImPuls-Tanz-Festival. (Zwischenruf von GR Dr Herbert Madejski.) Wenn Sie mir vielleicht ein bisschen zuhorchen, Kollege Madejski, vielleicht können Sie sich auch einmal dazu durchringen, einmal ins Tanzquartier zu gehen und sich so eine Aufführung anzuschauen. (GR Dr Herbert Madejski: Vielleicht könnten die von mir was lernen!) Ja vielleicht, aber nicht modern, sondern Foxtrott oder so irgendetwas. (GR Dr Herbert Madejski: Boogie!) Boogie ist auch okay, aber das ist eine ganz andere Sparte, in der die Künstler da arbeiten, und ich denke, man muss neugierig sein.

 

Man muss neugierig sein, gerade in der Kultur. Man darf den Akt nicht als ein Stück Papier behandeln, sondern man soll die Menschen dahinter sehen. Das sind Künstler, die neue Ideen haben. Und das unterscheidet halt unsere Parteien. Wir sind neugierig, und so lange man neugierig ist, ist man auch nicht alt. (StR Johann Herzog: Wui!) So lange man neugierig ist und sich mit neuen Dingen auseinandersetzt, kann man immer wieder etwas lernen. (GR Mag Wolfgang Jung: Wir möchten uns ein Bild machen!)

 

Egal, wie das Stück heißt, darstellende Kunst, die sich ohne Worte abspielt, ist nicht leicht zu beschreiben. Denn wenn da steht „Posen", dann geht das über einen Zeitraum von eineinhalb Stunden, und das kann man natürlich nicht so beschreiben, das muss man sich anschauen.

 

Ich denke, die Kuratoren, die sich damit beschäftigen, die auch Fachleute sind, haben guten Grund, diese

 

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