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Gemeinderat, 48. Sitzung vom 22.06.2009, Wörtliches Protokoll  -  Seite 117 von 118

 

hätten aber vielleicht am Freitag und am Montag Gelegenheit dazu gehabt! Ich meine, dass vier Tage ausreichen sollten, ein solches Dokument zu studieren, in welchem ja auch einiges steht, was Ihnen nicht völlig unbekannt sein dürfte!

 

Meines Erachtens sind sowohl der Kunst- und Kulturbericht als auch der Wissenschaftsbericht beredte und sehr gut gemachte Dokumente über die kulturelle Entwicklung in dieser Stadt. (Zwischenrufe bei der SPÖ.)

 

Ich bedanke mich auch ganz besonders dafür, dass der Wissenschaftsbericht einmal mehr sehr ausführlich wurde. Es ist dies ein tolles Dokument, das belegt, dass die Stadt Wien in einem Bereich, der ihr eigentlich von der Kompetenzaufteilung gar nicht unmittelbar zustünde, nämlich im Bereich der Wissenschafts- und Forschungsförderung, so ungeheuerlich viel leistet. Ich lege Ihnen, wenn Sie jetzt über den Sommer vielleicht ein bisschen Zeit haben, ein solches Dokument zu studieren, die Lektüre dieses Wissenschaftsberichts sehr ans Herz, weil er sich nämlich, wie ich zu Beginn meiner Ausführungen gesagt habe, dem Prinzip der Aufklärung verschreibt: Es wird darin dargestellt, dass das, was hier in Wien auch im Bereich der Wissenschafts- und Forschungsförderung getan wird, genau diesem Prinzip der Aufklärung, des differenzierten Denkens, des Nachdenkens und nicht der Polarisierung und Vereinfachung das Wort redet. Ich meine, das kommt hier ganz wunderbar zum Ausdruck.

 

Wir haben versucht, meine Damen und Herren, mit unserem Programm der Förderung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaft auch diesen Aspekt zu unterstützen, und ich bedanke mich explizit bei Prof Ehalt. Ich bedanke mich bei dieser Gelegenheit aber auch bei allen, die zu den anderen Berichten beigetragen haben. Diese Berichte sind Ausdruck einer sehr lebendigen und vielfältigen Kulturszene. (Beifall bei der SPÖ. – GR Mag Wolfgang Jung: In welcher Funktion reden Sie jetzt, als Stadtrat oder als Berichterstatter? – GRin Ingrid Zankl: Es gibt keinen Berichterstatter, das ist ja kein Geschäftsstück! )

 

Auch in vielen anderen Bereichen verfolgen wir neue Ideen, um vielen Menschen einen Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Ich möchte Ihnen jetzt nur das Stichwort „Cash for Culture“ in Erinnerung rufen: Im Rahmen dieses Projekts stellen wir ganz jungen Menschen, die kulturbegeistert sind, zusätzliche Mittel zur Verfügung. Und ich meine, wir liegen auch mit einer grundsätzlichen Neugestaltung des Volksbildungswerkes und der Wiener Bezirksfestwochen sehr gut, wie die jetzt zu Ende gehenden Festwochen beweisen. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass wir das im letzten Jahr grundlegend neu konzipiert haben.

 

Meine Damen und Herren! Ich finde, es ist ein bisschen schade, dass die Beiträge, die Sie von Seiten der Opposition geliefert haben, im Grunde nicht besonders gehaltvoll waren. Ich weiß, dass sich die FPÖ grundsätzlich durch alles irgendwie angegriffen fühlt und in ihrem Kulturverständnis sozusagen ängstigt. Ich verstehe, dass die Grünen immer wieder auf diesen im Grunde nicht vorhandenen Gegensatz zwischen groß und klein zurück kommen. Ich möchte aber wirklich darum bitten, einmal ein bisschen genauer zu recherchieren, denn viele Zahlen, die Sie bringen, stimmen halt nach wie vor nicht! So gibt es zum Beispiel nicht 700 000 EUR mehr für die Wiener Festwochen, und ich weiß auch nicht, warum man immer wieder darauf zurückkommt und daran festhält, dass von größeren Institutionen nichts Innovatives komme. Als ob ausschließlich von den so genannten Kleinen das Innovative käme!

 

Dieses Kulturverständnis ist wirklich längst überholt! Letztlich zählt einzig und allein, was eine Kultureinrichtung oder ein Kulturschaffender schaffen kann, ob das innovativ und qualitätsvoll ist und ob es auch einem gewissen Ausmaß an Exzellenz entspricht oder nicht. Ich halte daher dieses Unterteilen und dieses ewige darauf Rekurrieren, dass die Großen zu viel und die Kleinen nichts bekommen, nicht nur für faktisch falsch, sondern auch für die grundlegend falsche kulturpolitische Herangehensweise!

 

Im Übrigen reden sie auch immer mehr einem völlig unverständlichen Kulturbürokratismus das Wort. Die Hauptschwierigkeit, die Kulturschaffende heute haben, Herr GR Schreuder, ist nicht, dass sie nicht wissen, was mit ihren Anträgen passiert. Reden Sie einmal mit den Leuten! Vielmehr macht zum Beispiel das, was die Grünen über Kontrollamtsberichte einzuführen versucht haben, die ganze Abwicklung unendlich viel komplizierter und weniger transparent. Dass man heute genau das angeben muss, was man letztendlich bekommt, dass man nicht mehr angeben darf und dass eine sich über die vielen Jahre hinweg entwickelt habende Partnerschaft zwischen der Kulturverwaltung und den Künstlern immer komplizierter wird, ist allein Ihnen zu verdanken. Daher schlage ich Ihnen noch einmal vor: Reden Sie einmal mit den Leuten, dann werden Sie hören, was diese Ihnen zu sagen haben!

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Selbstverständlich versuchen wir, Transparenz auch umzusetzen. Ich glaube, es gibt in Österreich kaum eine Kulturverwaltung, die so stark kontrolliert und die so sehr öffentlich ist wie die Wiener Kulturverwaltung! Jeder Cent, der hier ausgegeben wird, hat durch mehrere Gremien zu gehen, wird in einem Budget voraus veranschlagt, wird in einem Rechenschaftsbericht nachher besprochen und wird dazwischen in mindestens drei Gremien diskutiert. Auf was hinauf daher hier der Vorwurf mangelnder Transparenz kommt, kann ich nicht nachvollziehen!

 

Eine Kleinigkeit wollte ich noch richtigstellen, weil Herr GR Wolf hier so sehr auf ein Roma-Festival hingewiesen hat. – Sie werden es nicht wissen, aber ich sage es Ihnen gerne jetzt: Selbstverständlich fördert die Stadt Wien über die Kulturverwaltung mehrere Roma-Festivals. Wir fördert regelmäßig insgesamt zirka 20 Roma-Vereine. Heuer gibt es ein gefördertes Festival im Böhmischen Prater und auf dem Mexikoplatz.

 

Das Theaterfestival, das Sie offensichtlich angesprochen haben, hat das Kuratorium in der Tat abgelehnt. Dieses hat dann aber von mir sozusagen außertourlich

 

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