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Gemeinderat, 38. Sitzung vom 22.05.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 25 von 94

 

auch andere Kriterien gibt, die in den Unternehmen wahrgenommen werden, wie zum Beispiel ökologische Kriterien, die dort auch frauenpolitische Themen umsetzen, die den Diversitätsgedanken fördern und die vor allem auch eine regionale Wirtschaftskraft entfalten und dazu führen, dass Arbeitsplätze in der Region bleiben und nicht ausgelagert werden. Das, meine Damen und Herren, ist eine Strategie der Stadt, die voll aufgegangen ist. – Danke. (Beifall bei SPÖ und GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Mag Dietbert Kowarik: Die Aktuelle Stunde ist beendet.

 

11.19.00Die Frau amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung hat sich gemäß § 16 der Geschäftsordnung zu einer Mitteilung betreffend Radfahren in Wien zu Wort gemeldet. Ich erteile ihr das Wort, wobei ich bemerke, dass ihre Redezeit mit 40 Minuten begrenzt ist.

 

11.19.16

VBgmin Mag Maria Vassilakou|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Heute möchte ich mich in Form einer Mitteilung eines Themas annehmen, das regelmäßig und so auch erneut in den vergangenen Wochen in Wien für viel Aufregung gesorgt hat, nämlich das Radfahren in Wien.

 

Vorweg, ich weiß, dass wir auf alle Fälle hier im Gemeinderat, wenn ich mir die Art und Weise anschaue, wie die meisten von uns unsere Alltagswege erledigen, einen höheren Radfahranteil haben als das, was Wien aktuell gesamt hat. Ich weiß auf Grund von Gesprächen, dass etliche von Ihnen nahezu sämtliche täglichen Wege mit dem Rad zurücklegen. Ich weiß auch, dass etliche zumindest gelegentlich mit dem Rad Arbeitswege erledigen, und ich weiß natürlich auch, dass womöglich einige hier sitzen, die vielleicht zuletzt als Kind auf einem Rad gesessen sind.

 

Unabhängig davon, wie man selbst mit dem Verkehrsmittel Rad umgeht, klar ist, dass Radfahren ein Thema ist, zu dem alle eine Meinung haben. Mit dieser Mitteilung möchte ich heute die Gelegenheit ergreifen, Sie alle mit dem Thema Radfahren in Wien zu befassen und vielleicht die eine oder andere Wissenslücke zu schließen beziehungsweise um mehr Verständnis für die eine oder andere Maßnahme zu werben.

 

Sie haben sicherlich die hitzigen Diskussionen rund um 90 m grüngefärbte Radstreifen mitverfolgt, die jetzt getestet werden. Sie wissen, dass die Stadt Wien das Radjahr ausgerufen hat und versucht, die WienerInnen zu motivieren, mit dem Rad zu fahren. Eine eigene Mobilitätsagentur kümmert sich seit einem Jahr um Motivations- und Bewusstseinsbildungsmaßnahmen. Wie immer, wenn viel passiert, trägt es Früchte, aber es löst auch Kontroversen und manchmal auch Verwirrung aus. Ich hoffe, hier mit meinen Ausführungen behilflich sein zu können, und möchte Ihnen anhand einiger Thesen die Grundlagen zeitgemäßer Mobilitätspolitik näher bringen, wie diese aktuell in allen europäischen Hauptstädten, und nicht nur in Wien, umgesetzt wird.

 

Meine erste These, die Bestandsaufnahme: Wien steht verglichen mit anderen Städten Europas erst am Anfang eines Fahrrad-Booms. – 1993 lag der Radverkehrsanteil bei rund 3 Prozent, 2010 hatten wir einen Radanteil von mageren 4,8 Prozent zu verzeichnen. Inzwischen konnte dieser Radverkehrsanteil bis ins Jahr 2012 auf etwas über 6 Prozent gesteigert werden. Wir halten aktuell – 2012 sind die letzten Zahlen, die uns zur Verfügung stehen – bei 6,3 Prozent an Wienerinnen und Wienern, die ihre Alltagswege mit dem Rad zurücklegen.

 

Auch wenn der Trend langsam nach oben zeigt, ist dieser Anteil noch eher gering, um ehrlich zu sein, sehr, sehr gering im Vergleich zu anderen europäischen Städten, wie etwa München, aber übrigens auch zu anderen österreichischen Städten, wie etwa Graz oder Salzburg, ganz zu schweigen natürlich von Städten wie Kopenhagen oder Amsterdam, mit denen wir uns an dieser Stelle nicht messen möchten.

 

Bisweilen, wenn man die Berichterstattung liest, und manchmal auch die eine oder andere Aussendung, die hier im Haus produziert wird, möchte man glauben, dass viele der Überzeugung sind, dass mit einem höheren Radanteil die Welt untergeht. Wer solche Vorstellungen hat, ist wirklich eingeladen, Städte zu besuchen, die etwa 10 oder 15 Prozent Radverkehrsanteil haben. – Ich glaube übrigens, dass das Städte sind, mit denen wir uns messen können, an denen wir uns vergleichen können und die auch verdeutlichen, in welche Richtung dann die Entwicklung auch für Wien geht. Denn das Gegenteil ist der Fall: Die Welt geht nicht unter, sondern im wahrsten Sinne des Wortes, überall dort, wo der Radverkehrsanteil steigt, geht die Sonne auf. Städte mit hohem Radanteil gewinnen an Lebensqualität, gewinnen an Attraktivität, gewinnen an Ruhe und besserer Luft.

 

Wollen wir Wien weiterhin in den Top-Rankings der Städtevergleiche sehen? Und wenn ja – aktuell und in Summe sind wir in den Top-Rankings, wenn es um umweltfreundliche Mobilitätsformen geht –, dann müssen wir auch im Bereich des Radverkehrsanteils nachbessern. Sonst hängen uns London, Paris, München ab und radeln uns im wahrsten Sinne des Wortes davon.

 

Radfahren ist ein weltweiter Trend, der auch in den kommenden Jahren, nicht zuletzt auch auf Grund der technologischen Entwicklung rasant weitergehen wird. E-Bikes erobern den Markt und erobern damit neue Zielgruppen. Es gibt Lastenräder, es gibt Fahrradtaxis, auch in Wien, und es gibt immer mehr Angebote, die auch für Seniorinnen und Senioren sehr attraktiv sind. Dazu kommen andere Rahmenbedingungen, wie steigende Spritpreise, höhere Kosten für die Erhaltung eines PKW und ein allgemeiner Wertewandel, in dem das Auto als Prestigeobjekt keine so zentrale Rolle mehr spielt. Alles Argumente, die für das Fahrrad sprechen. Wenn wir nun diese Bestandsaufnahme zugrunde legen, stellt sich die Frage: Was kann Wien tun, um seinen Radanteil zu heben?

 

Das führt mich zu meiner zweiten These: Wir brauchen den Ausbau der Infrastruktur. – Dies meint nicht nur weitere Kilometer im Radwegenetz. Weil wir derzeit bereits 1 220 km an Radfahranlagen in Wien haben und jährlich 17 bis 20 km neue dazukommen, ist es zum Beispiel von immenser Wichtigkeit, im bestehenden Netz den Lückenschluss voranzutreiben, der oftmals mit rela

 

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