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Gemeinderat, 50. Sitzung vom 26.02.2014, Wörtliches Protokoll  -  Seite 58 von 68

 

Ich sage Ihnen, was ein Hochhaus ist. Nicht weit von dort entfernt ist Alt-Erlaa mit 60 m, ja, mit bis zu 96 m. Das sind Hochhäuser. Die wurden in den 70er Jahren errichtet, zu einer Zeit, wo Wien geschrumpft ist. Und jetzt geht Wien her und baut – oder baut nicht, das ist nicht Wien, das ist in dem Fall die BUWOG, die dieses vormalige Gewerbeareal erworben hat – ein Gebäude mit einer Höhe von 30 m, also genau in der Größenordnung, wie in 200 m ein, ich glaube, Genossenschaftsbau mit 5 oder 6 Bauten dort gegeben ist.

 

Also: Ja, wir haben uns intensiv auseinandergesetzt mit der Bürgerinitiative, wir haben Gespräche geführt in einer Intensität wie mit wenigen. Einige Vertreter der Bürgerinitiative sind nicht zufrieden, das ist ein Ergebnis eines Dialogs. Das Wesen von einem Kompromiss ist immer, dass keiner wirklich zufrieden ist mit dem Kompromiss. Das ist das Wesen von einem Kompromiss, und einmal mehr sage ich, das ist der Kern der Demokratie, dass man aufeinander zugeht. Viele verstehen das, verstehen auch, dass man entlang von U-Bahnen verdichtet bauen muss. (GR Mag Wolfgang Jung: Ich werde Ihnen die Wortmeldungen der Bürgerinitiative zukommen lassen!)

 

Ich frage schon die Leute auch immer: Sagt einmal, wie lange ist denn das her, dass ihr eine Wohnung gesucht habt? Da verändert sich der Blick einen Hauch. Und noch einmal: Angesichts der Tatsache, wie jetzt in Wien die Geburtenrate ist, wie – was ich aus ökologischen Gründen positiv finde – die Suburbanisierung nicht so voranschreitet, wie befürchtet, sondern dass zunehmend Familien auch in der Stadt leben wollen, ist es gut, vernünftig und richtig, entlang von hochrangigen öffentlichen Verkehrsmitteln, insbesondere von U-Bahnen, zu verdichten. Das tun wir dort maßvoll. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Zu dem Projekt: Ob Sie es mir glauben oder nicht, das Urban Gardening dort stammt nicht von uns. Dort gibt es einen wirklich sehr engagierten Beamten, den ich jetzt ausnahmsweise hervorheben will, weil die Geschichte des Projekts älter ist als die Ressortführung der Frau Vizebürgermeisterin, und der vorhergehende Planungsstadtrat Schicker kennt dieses Projekt auch. Es war ein Anliegen dieses Beamten, ich nenne ihn, des Herrn Pamer von der MA 21, zu versuchen, ein Thema aufzugreifen, das auf der gesamten Welt diskutiert wird (Zwischenrufe von GR Mag Wolfgang Jung.) – ja, das auf der ganzen Welt diskutiert wird; ich bemühe mich, das zu ignorieren, ich werde das schaffen; ausatmen, weiterreden –, das auf der gesamten Welt vorangetrieben wird, nämlich dass in Zeiten zunehmenden Klimawandels und zunehmender Überhitzung in der Stadt ein Maximum an Bäumen, an Pflanzen notwendig ist, um die Überhitzung zu reduzieren. Und deswegen wird dort versucht, nicht nur auf dem Dach in Zusammenarbeit mit einer Gartenbauschule Gärtnerei anzubieten, sondern es wird auch versucht, diese sehr großflächige Fassade zu begrünen, um einen Beitrag zu leisten, das lokale Klima im Sommer angenehm zu halten. Hätten Sie einmal Lust, mit dem Rad durch Wien zu fahren oder zu Fuß durch Wien zu gehen, dann merken Sie das. Wenn Sie durch die überhitzte Stadt gehen und Sie kommen an einem Park vorbei, spüren Sie im Moment, dass es dort angenehmer und kühler wird.

 

Wir können nicht überall großflächig Parks machen, was wir aber können oder was die Bauträger können und wo die Politik die Rahmenbedingungen setzen kann, ist, dass Bepflanzungen auch in der Vertikalen funktionieren. Und dafür ist das ein Pilotprojekt, das auch schon auf internationales Interesse stößt und wo ich froh bin, dass das dort über eine klare Vereinbarung mit der BUWOG umgesetzt wird.

 

Ein Letztes: Neue Wohnbauten bieten auch immer die Möglichkeit, neue Schritte im Bereich des Verkehrsverhaltens zu generieren, also der Versuch, U-Bahn, Straßenbahn, Bus, Radverkehr, Fußverkehr zu forcieren. Das passiert dort auch. Nicht nur kommt auch eine Nahversorgungseinrichtung rein, was den Vorteil hat, dass man nicht mehr so weit fahren muss, denn Verkehrsvermeidung heißt auch, dass man unmittelbar dort, wo man lebt, Nahversorgung hat – insofern wird das eine weitere Verbesserung –, sondern es wird auch kostengünstiges Carsharing für die vielen und wachsenden Menschengruppen in Wien angeboten, die gelegentlich eine Autonutzung sehr praktisch finden, sich aber nicht belasten wollen mit den Kosten eines eigenen Autos. Hier werden von Seiten des Bauträgers Carsharing-Autos kostengünstig angeboten, die aber nicht nur den Bewohnern des neuen Baus, sondern auch den Bewohnern der Umgebung zur Verfügung stehen, um hier Anreize zu setzen.

 

In Summe ein maßvolles, ein kluges, ein mit Bürgerkommunikation redimensioniertes Projekt. Ja, mit dem sind nicht alle einverstanden, aber irgendwann muss die Politik Entscheidungen treffen, nicht vertagen, sondern sich hinstellen und sagen, das finden wir klug, das finden wir richtig. Und angesichts des Wachstumsdrucks und insbesondere des Suchens nach leistbaren Wohnungen sind wir aufgerufen, Projekte wie diese noch an sehr vielen Orten in Wien umzusetzen.

 

Deswegen hoffe ich sehr oder weiß ich, dass es heute dafür eine Mehrheit geben wird, aber vielleicht geht noch der ein oder andere von der Opposition auch in sich und kommt nicht nur heraus wie der Kollege Walter, bei dem das jedes Mal so klingt: Wien, bau Wohnungen! Ihr baut zu wenig Wohnungen, ihr baut zu wenig Wohnungen! Das ist die Wohnbaurede des Herrn Kollegen Walter, und wenn es konkret wird, windet sich der Herr Kollege hier geradezu sibyllinisch und sagt: Ja, aber da geht es nicht. Und im nächsten Gemeinderat: Ja, da geht es auch nicht. Und in der übernächsten Gemeinderatsitzung: Ja, aber man sollte. Und was kommt dann immer? Ja, irgendwo anders soll man es bauen. (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Der Herr Kollege Stiftner will immer irgendwo anders bauen. (Widerspruch von GR Dipl-Ing Roman Stiftner.) Herr Kollege Stiftner, machen Sie irgendwo anders Politik! Wir machen es in Wien. – Danke schön. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Vorsitzende GRin Dr Monika Vana: Zu Wort gemeldet ist Herr GR Irschik. Ich erteile es ihm.

 

14.48.05

GR Wolfgang Irschik (Klub der Wiener Freiheitli

 

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