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Gemeinderat, 50. Sitzung vom 26.02.2014, Wörtliches Protokoll  -  Seite 68 von 68

 

wendung dieser 80 000 EUR. Wie gesagt, es ist leider Gottes für uns alle bedenklich. Als dieser Verein im Jahr 2006 gegründet wurde, gab es 9 000 Kulturpassinhaber und 2013 schon 30 800. Das ist, wie wir alle wissen, sehr unangenehm für eine doch reiche Stadt.

 

Es ist allerdings hier auch wunderbar statistisch ausgeführt, was die Frau Wagner da macht. Sie ist offensichtlich den Kulturinstitutionen im G‘nack, wie man auf Wienerisch sagt, und schaut, dass es entweder private Sponsoren gibt oder Sammeltöpfe, wie auch immer, jede Kulturvereinigung macht das anders. Es geht auch nicht mehr um diese 30 Kulturvereinigungen, die am Anfang dabei waren, sondern mittlerweile schon um 200. Ernst wird das sicher noch genauer ausführen.

 

Also für mich sind diese Figuren glaubwürdig. Bei dem Einsatz von 80 000 EUR, den die Stadt dem Verein als Subvention gibt, werden doch an die 80 000 Tickets für Kulturpassinhaber ermöglicht, und das doch, wie ich meine, größtenteils durch private Sponsoren, durch Spenden oder Sonstiges. Wir nehmen zur Kenntnis, dass das offenbar eine treibende Kraft ist, die den verschiedenen Kulturinstitutionen Dampf macht, damit das alles auch wirklich funktioniert. In diesem Sinne werden wir jetzt zustimmen. – Danke schön. (Beifall bei der FPÖ und von GRin Ing Isabella Leeb.)

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Als Nächster ist Herr GR Woller zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihm.

 

15.54.59

GR Ernst Woller (Sozialdemokratische Fraktion des Wiener Landtages und Gemeinderates)|: Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Es wäre jetzt sehr einfach für mich, zu sagen, dass ich nichts mehr zu sagen brauche, aber: Ich bin erstens froh darüber, dass auch die FPÖ dem wichtigen Akt jetzt zustimmen wird, sodass dieser Akt offensichtlich einstimmig beschlossen wird. Ich bin auch froh, dass wir dieses Thema hier im Gemeinderat diskutieren können, weil es ein ganz tolles Projekt und eine ganz wichtige Initiative in unserer Kulturstadt Wien ist.

 

Vor zehn Jahren hat sich das Wiener Schauspielhaus, damals unter der Direktion von Airan Berg gemeinsam mit seiner Marketingmitarbeiterin Monika Wagner, die Idee überlegt, dass man gemeinsam mit der österreichischen Armutskonferenz und Martin Schenk die Aktion „Kulturpass für sozial Bedürftige“ – damals nur für das Schauspielhaus – initiiert hat.

 

Nachdem Airan Berg dann zwei Jahre später aus der Direktion des Schauspielhauses ausgeschieden ist, war die Frage: Was passiert jetzt mit dieser tollen Aktion? Neuer Direktor, neues Profil, neue Aktivitäten. Der Verein „Hunger auf Kunst und Kultur“ wurde von Monika Wagner und Martin Schenk von der Armutskonferenz gegründet, und zwar in Absprache mit der Stadt Wien.

 

Es war damals das erste rot-grüne Projekt. Marie Ringler und ich haben das Projekt damals gemeinsam noch in einer Zeit unterstützt, als es gar keine rot-grüne Koalition gegeben hat. So kam „Hunger auf Kunst und Kultur“ zustande. Monika Wagner macht das jetzt seit 2006 in dieser Organisation, für die wir heute hier die Förderung von 80 000 EUR beschließen. Sie ist heute auf Urlaub, sonst wäre sie hier. Sie macht das wirklich großartig. Man muss vor ihr den Hut ziehen. Man muss ihr danken und sagen: Liebe Monika Wagner – ich sage das jetzt hier vom Rednerpult, auch wenn sie es nicht hören kann –, vielen Dank für dein Engagement! Du hast es geschafft, dass wir nun von 9 000 Kulturpässen auf 30 800 Kulturpässen sind.

 

Einen Kulturpass bekommt man bei einer der Sozialeinrichtungen der Stadt Wien. Wenn man Sozialunterstützung bekommt, bekommt man automatisch, wenn man es will, einen Kulturpass dazu, und dieser Kulturpass berechtigt zum kostenlosen Besuch von Kulturveranstaltungen in dieser Stadt. Es wurde schon gesagt: Es sind jetzt insgesamt nicht 33 Initiativen, die das unterstützen, sondern insgesamt 200 Kultureinrichtungen in dieser Stadt, die sozial bedürftigen Menschen, kulturinteressierten Menschen den kostenlosen Besuch von kulturellem Leben in dieser Stadt ermöglichen.

 

Das ist eine Erfolgsgeschichte der Kulturstadt Wien. Es ist das Musterprojekt Österreich-weit, und es ist das Vorzeigeprojekt international. Viele Bundesländer haben sich daran orientiert und das übernommen. Viele ausländische Kulturverwaltungen sind nach Wien gekommen, haben sich das Modell angeschaut. Ich weiß, dass dieses Modell in vielen Städten, Ländern und Regionen in Europa, insbesondere in Deutschland, übernommen worden ist. Wir können sehr stolz darauf sein.

 

Mit diesen 80 000 EUR, die wir da an Grundförderung für den Verein und für Monika Wagner geben, wird unheimlich viel erreicht. 80 000 Tickets werden dadurch mobilisiert. Wien ist eine tolle Kulturstadt. Wir verkaufen im Jahr 20 Millionen Karten für Kulturveranstaltungen. Das ist international einzigartig; und wir sehen, dass sehr, sehr viele Wienerinnen und Wiener dieses Kulturangebot annehmen.

 

Es ist ganz wichtig, dass sozial Schwächere, die sich sonst den Besuch von Kulturveranstaltungen nicht leisten könnten, mit ihren Kulturpässen, mit der Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“ auch den Besuch von kulturellen Veranstaltungen leisten können. Das muss unser aller Anliegen sein.

 

Die Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“ ist ein ganz wichtiger Meilenstein, um etwas mehr soziale Gerechtigkeit zu erwirken, und um Hilmar Hoffmanns Grundsatz „Kultur für alle!“ zum Durchbruch zu verhelfen.

 

Ich danke Ihnen allen für die Zustimmung zu diesem Akt. (Beifall bei SPÖ und GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Frau Berichterstatterin hat auf das Schlusswort verzichtet.

 

16.00.01Wir kommen nun zur Abstimmung. Wer der Postnummer 9 die Zustimmung gibt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. – Ich danke sehr für die einstimmige Annahme.

 

Damit ist die öffentliche Sitzung erschöpft behandelt.

 

(Schluss um 16 Uhr.)


 

 

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