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Gemeinderat, 61. Sitzung vom 19.12.2014, Wörtliches Protokoll  -  Seite 36 von 147

 

Was wir heute zu beschließen haben, ist das „Fachkonzept Mobilität“, und zwar der Entwurf für die Vorlage im Gemeinderat. Es gibt hier also eine Kontinuität. Die Wiener Stadtregierung – und ich sage es gern noch einmal: früher die rote Stadtregierung und jetzt die rot-grüne Stadtregierung – hat immer Konzepte vorgelegt, und ich werde Ihnen auch noch das eine oder andere Zitat aus diesen Konzepten bringen. Wir haben immer bewiesen, dass wir im Gegensatz zur Opposition, die das leider nicht tut, immer vorausschauend für die Wienerinnen und Wiener da gewesen sind und immer vorausschauend geplant haben.

 

Wir haben in Wien bei der Einwohnerzahl schon einmal die Zwei-Millionen-Grenze überschritten, nämlich im Jahr 1910. Wenn man allerdings in den Geschichtsbüchern nachliest, dann wird sicherlich jeder bestätigen: Solche Zustände des Beisammenlebens wollen wir nicht mehr! Oder jedenfalls wollen das die meisten Menschen in dieser Stadt nicht, ein paar wenige hat es immer gegeben, die es sich auf Kosten der anderen gut gehen ließen. Ein Großteil der Menschen möchte aber heute nicht mehr so leben. In Kürze, etwa 2030 laut Prognosen, werden jedoch wieder zwei Millionen Menschen in dieser Stadt leben, und daher stellen wir jetzt schon die Weichen, dass diese zwei Millionen Menschen in dieser Stadt auch Platz haben.

 

Bei diesen Verkehrskonzepten, die ich vorgelegt habe, gibt es keinen Paradigmenwechsel. Es werden nur jeweils unterschiedliche Methoden angewandt. Die ersten Konzepte wurden ausschließlich von Fachleuten erstellt, dann sind immer mehr Bürgerbeteiligungselemente dazugekommen. Zu Beginn der Dezentralisierung im Jahr 1987 wurden auch die Bezirke immer stärker eingebunden. – Die Methoden haben sich also geändert, die Inhalte sind jedoch in etwa ähnlich geblieben, sie wurden lediglich der jeweiligen Zeit angepasst und haben die jeweiligen Prognosen mitberücksichtigt, die wir von diversen Experten bekommen haben.

 

Manches ist gar nicht neu, auch wenn es neu erscheint. Ich möchte jetzt ein kurzes Zitat aus dem ältesten Papier bringen, das ich mitgebracht habe, und zwar aus dem Jahr 1972. Im Jahr 1972 haben wir uns auch schon mit Fußgeherzonen und Fußwegsystemen beschäftigt – ich zitiere wörtlich: „Die zukünftige Gestaltung der Innenstadt, aber auch anderer zentraler Stadtteile verlangt die Schaffung von Fußgeherzonen und zusammenhängenden Fußwegesystemen, die auf die U-Bahn-Stationen und Knotenpunkte der Massenverkehrsmittel ausgerichtet sind. Sie sollen ferner Hauptgeschäftsstraßen und wertvolle Altstadtteile erschließen. In den neuen Wohngebieten bereits geschaffene, größere zusammenhängende Fußwegesysteme sind so weiterzuentwickeln, dass vom Straßenverkehr möglichst abgesetzte, zusammenhängende Wegesysteme entstehen, die zu den Zentren des täglichen Bedarfs, allenfalls naheliegenden höherrangigen Zentren“ – et cetera, et cetera – „führen. Eine hohe Dichte eigener Fußgängersysteme ist anzustreben.“

 

Das haben wir schon 1972 geschrieben. Jetzt nennen wir diese Zonen, moderner und der heutigen Zeit angepasst, Flaniermeilen, aber das war immer schon in unseren Konzepten enthalten.

 

Es wurde der Vorwurf gemacht, wir hätten den Radverkehr überbewertet. – Auch das ist so nicht richtig! Ich lese Ihnen jetzt ein Zitat aus dem Jahr 1980 aus diesem braunen Papier, das ich hier habe, nämlich den „Leitlinien“, vor. Im Abschnitt „Neubewertung des Radverkehrs“ steht: „Das Verkehrsmittel Fahrrad erfuhr in den letzten Jahren eine Renaissance.“ Das war 1980. „Es ist daher auch seitens der Verkehrsplanung mehr als bisher zu fördern. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Fahrrad über seinen sicherlich primären Freizeitwert hinaus durchaus auch gewisse Chancen im Berufs- und Schülerverkehr, insbesondere im kombinierten Verkehr hat.“ Zitat Ende aus dem Jahr 1980.

 

Zur Erinnerung: Wir hatten 1970 ein Radwegenetz von 11 km. Das ist natürlich nicht sehr viel! 1980 gab es diesen Paradigmenwechsel, den ich Ihnen soeben mit dem Zitat über den Radverkehr dokumentiert habe. 1980 hatten wir ein Radwegenetz von 168 km. Ende 2007 umfasste das Radwegenetz 1 090 km, und heute haben wir bereits Radwege im Umfang von 1 300 km. Das ist nicht eine Verhundertfachung, sondern eine Verhundertdreißigfachung des Betrags von 1970. 55 Prozent davon sind Radrouten, 21 Prozent davon sind bauliche Anlagen, und 24 Prozent sind markierte Anlagen, also Radstreifen, Mehrzweckstreifen und Ähnliches.

 

1972 hatten wir – ich erspare Ihnen jetzt das Zitat, damit ich nicht wirklich auf die 40 Minuten komme – 28 Prozent Autoverkehrsanteil beim Modal-Split, und zwar entfielen 23 Prozent auf die innerstädtischen Bezirke und 33 Prozent auf die Außenbezirke. Bei diesem Modal-Split – Sie erinnern sich sicherlich alle, weil wir erst vor einem Jahr diese Graphik immer wieder ganz groß publiziert haben – betrug leider bis 1995 der Autoverkehrsanteil bis zu 40 Prozent, und das hat natürlich zu sehr vielen Beeinträchtigungen geführt: Man hat überhaupt keine Parkplätze mehr gefunden, das war für die Bewohnerinnen und Bewohner ein großes Problem, Sie kennen das alle.

 

Wir haben dann das Parkraummanagement – früher nannten wir das Parkraumbewirtschaftung – eingeführt. Und dank des guten Ausbaus unserer öffentlichen Verkehrsmittel – Rüdiger hat dazu auch schon ein bisschen etwas gebracht – waren wir erfolgreich und konnten den Anteil des öffentlichen Verkehrs von damals 29 Prozent auf 39 Prozent anheben: 39 Prozent Anteil des Öffi-Verkehrs am Modal-Split!

 

Der Fahrradanteil wurde von 3 auf 6 Prozent bis 2012 angehoben, während der PKW-Anteil in etwa wieder die Zahl von 1972 erreicht hat: Damals waren es 28 Prozent, jetzt sind es 27 Prozent.

 

Wir haben auch ein gutes Ziel: Wir wollen – auch das wurde bereits erwähnt – in den nächsten 10 oder 15 Jahren, wie es sich halt ausgeht, einen Modal-Split von 80 zu 20 erreichen, also 80 Prozent Umweltverbund und 20 Prozent PKW. Das ist die Zielformulierung. Und schon allein deshalb ist es notwendig, ständig Maßnahmen zu setzen, denn die Experten sagen uns, dass auf Grund der Bevölkerungszunahme auf 2 Millionen Bewohnerinnen

 

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