«  1  »

 

Gemeinderat, 5. Sitzung vom 23.02.2016, Wörtliches Protokoll  -  Seite 11 von 114

 

zeln, wenn dann von Seiten der ÖVP hier ausgerichtet wird, was wir falsch machen.

 

Ich komme zurück zum Thema Wirtschaftsagentur und Unternehmensgründungen. Wir haben in den letzten Wochen sehr viel zum Thema Start-up und Start-up-Förderungen gehört, zum Beispiel über die Förderung im Hightech-Bereich, die wir vor einiger Zeit präsentiert haben.

 

Meine Frage zielt jetzt aber auf den Bereich der schon bestehenden Unternehmen ab: Wie kann denn sichergestellt werden, dass schon bestehende Unternehmen auf Förderangebote und Unterstützung zurückgreifen können?

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bitte, Frau Stadträtin.

 

Amtsf. StRin Mag. Renate Brauner: Stimmt, wir haben beides. Wir haben Gründungsberatung für Gründer und Gründungsberatung für Gründerinnen, wobei mir Zweiteres ganz besonders wichtig ist, denn gerade bei den Start-ups haben wir – wenn ich das ein bisserl salopp ausdrücken darf – einen eklatanten Frauenmangel. Das sieht auch die Szene selber. – Das ist jetzt nicht der Platz dafür, aber es wäre auch einmal zu hinterfragen, ob die Wertigkeiten, die für ein Start-up auch international gehypt werden, wirklich das sind, was wir gesellschaftspolitisch wollen. Ich glaube, das wäre einmal eine spannende Diskussion. Diesbezüglich gibt es gerade aus Frauensicht einige Initiativen gerade auch zum Thema soziale Absicherung, Work Life Balance, Vereinbarkeitsfragen beziehungsweise Kinderbetreuung. In diesem Zusammenhang gibt es sozusagen einiges an Veränderungsdiskussionen. Das sollte man aber, wie gesagt, einmal in der Wirtschaftsagentur diskutieren, dafür ist hier jetzt nicht der richtige Platz.

 

Ja. Neben dem, was es an Gründerinnen- und Gründerberatung gibt, gibt es auch sehr viel Beratung für die bestehenden Unternehmungen. Diese sind es nämlich, die unseren Standort prägen und die Vielfalt bewirken. Ich denke, die Wiener Wirtschaft zeichnet sich durch Vielfalt aus, und die Wirtschaftsagentur ist natürlich auch für die Unternehmungen, die es schon gibt, die erste Anlaufstelle.

 

Welche Anforderungen gibt es denn in diesem Zusammenhang? – Es geht um die schon angesprochenen Themen wie monetäre Unterstützung, Immobilien- und Stadtentwicklungsimpulse. Es gibt aber auch kostenlose Service- und Beratungsangebote, und dabei geht es vor allem immer um das Thema Innovation. Es wird gerade für bestehende Unternehmungen in einer sich so stark entwickelnden Gesellschaft und Wirtschaft nicht reichen, nur ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung zu bieten und sich damit zufrieden zu geben, sondern es ist auch eine permanente Veränderung vonnöten, und daher muss die Innovationskraft gestärkt werden. – Das ist mein ganz großes Anliegen gerade auch bei bestehenden Unternehmungen, und das ist ein zentraler Punkt bei allen Förderungen.

 

Damit wir die entsprechenden Informationen näher an die Unternehmungen bringen können, haben wir auch ein eigenes Beraterteam: Das Business-Support-Team ist sozusagen unsere fliegende Beratung. Dieses Team ist zwar natürlich in der Wirtschaftsagentur verankert, aber diese Berater und Beraterinnen gehen hinaus zu den Leuten und bieten Beratung vor Ort an, was, wie ich glaube, ganz wichtig für bestehende Unternehmungen ist. Das Package dieses Teams besteht genau aus all den Angeboten der Wirtschaftsagentur, und zwar natürlich kostenfrei. Dabei geht es darum, wie es mit aktuellen Investitionsmöglichkeiten, Finanzierungen, Förderungen, behördlichen Angelegenheiten ausschaut, und es werden auch allgemeine unternehmensbezogene Fragen von unserem Business-Support-Team beantwortet.

 

Wir stellen fest, dass das sehr gut ankommt. Der Vielfalt an unternehmerischen Ideen in unserer Stadt ist keine Grenze gesetzt, und das ist gut so.

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage stellt Herr GR Handler.

 

9.37.36

GR Klaus Handler (FPÖ): Werte Frau Stadträtin!

 

Es freut mich, dass erkannt wurde, dass enormer Förderungsbedarf besteht und dass es auch Beratung zu der Frage gibt, wie man zu den Förderungen kommt.

 

Wenn man die derzeitige Arbeitslosenstatistik analysiert, dann sieht man, dass es höchst an der Zeit ist, dass die Stadt etwas unternimmt, dass Unternehmer unterstützt werden, damit nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen werden.

 

Daher stellt sich mir die Frage: Wie stellen Sie sicher, dass zukünftige Beratungen über Förderungen so gestaltet werden, dass nachhaltig Arbeitsplätze und nicht Unternehmen geschaffen werden, die von einer Förderung zur nächsten existieren?

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bitte, Frau Stadträtin.

 

Amtsf. StRin Mag. Renate Brauner: Sie haben eine ganz eine schlechte Meinung von der Wiener Wirtschaft! Wenn Sie in Ihrer Frage Unternehmungen ansprechen, die von einer Förderung zur nächsten existieren, dann muss ich sagen: Ich weiß nicht, mit welchen Unternehmen Sie zu tun haben! Das ist jedenfalls nicht der Alltag der Wiener Wirtschaft. Ich weiß nicht, welchen Zugang beziehungsweise welche Vorstellungen Sie da haben!

 

Tatsache ist, dass die Unternehmensförderungen der Stadt – aber vielleicht wissen Sie das nicht! – eben nicht mit der Gießkanne vergeben werden, sondern wir diesbezüglich ganz strenge Qualitätsregelungen haben. Es gibt Förderungen nur nach sogenannten Calls. Das ist ein Förderwettbewerb, die Unternehmen müssen sich bewerben, und das verläuft ganz unterschiedlich. Es gibt Calls, in deren Rahmen sich viele bewerben und nur ganz wenige eine Förderung bekommen. Und es gibt Calls mit einem höheren Anteil. Ab und zu, aber eher selten – das sage ich jetzt aus Sicht der Finanziererin – kann es auch vorkommen, dass so tolle Ideen eingebracht werden, dass wir den Call dann aufstocken. Aber das ist jetzt in den letzten Jahren nur zwei bis drei Mal geschehen.

 

Insofern ist diese Sorge, die Sie hier artikulieren, dass das Unternehmen kassiert, sich dann durchwurschtelt, wieder kassiert und wieder weiterwurschtelt, unbegründet. Das kann nicht vorkommen, weil es ja um ganz

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular