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Gemeinderat, 24. Sitzung vom 01.06.2017, Wörtliches Protokoll  -  Seite 66 von 96

 

wenn wir so, wie es eigentlich prognostiziert ist, in Wien 100.000 Arbeitsplätze, aber Vollzeitäquivalente, mehr brauchen, dann muss ich wirklich Möglichkeiten schaffen, auch dezentrale Strukturen, wo ich diese Arbeitsplätze schaffen kann. Daher ist diese Durchmischung extrem wichtig, damit wir nicht in Richtung von Schlafstätten kommen. Ich weiß schon, dass der Bedarf an Wohnungen entsprechend groß ist. Aber die Durchmischung ist für uns ein sehr wichtiger Punkt. Deswegen bringe ich hier auch einen Antrag betreffend neue Betriebsflächen in Stadterweiterungsgebieten ein:

 

„Der Gemeinderat spricht sich dafür aus, dass ab sofort bei großflächigen Stadterweiterungsgebieten Flächen für industriell gewerbliche Tätigkeiten und dafür notwendige Infrastrukturen auf dafür geeigneten Standorten berücksichtigt werden, um eben diese entsprechenden Zielsetzungen an neuen Produktionsflächen auch tatsächlich erreichen zu können.

 

In formeller Hinsicht wird die sofortige Abstimmung verlangt.“ - Danke schön. (Beifall bei den NEOS.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zum Wort gemeldet ist GR Mag. Chorherr. Ich erteile es ihm.

 

16.02.40

GR Mag. Christoph Chorherr (GRÜNE)|: Herr Vorsitzender! Frau Berichterstatterin! Meine Damen und Herren!

 

Weil Zahlen ein bisschen abstrakt in der Luft stehen, das ist ein Gebiet im 22. Bezirk, das zu den dynamischsten in ganz Wien zählt. Ich würde fast sagen, es ist einer der wirklichen Stadterweiterungsschwerpunkte von Wien, nebenbei 3.500 Wohnungen. Je nachdem, wie viele Menschen pro Wohnung wohnen, reden wir über 7.000 bis 10.000 Leute, wissend auch, dass in der Umgebung die Entwicklung weitergehen wird.

 

Wo ich dem Kollegen Gara recht gebe, ist, dass in der Tat der öffentliche Verkehr dort eine sehr hohe Priorität haben muss und auch hat. Zur Erklärung: Es wird bei der Berresgasse eine Fläche für eine schon geplante Straßenbahnlinie freigehalten, die dann über die Hirschstettner Hauptallee, wie wir sie nennen, bis zur U2 gehen soll. Das ist aber der nächste Schritt. Dann soll dort die Straßenbahn kommen. Das hängt aber mit der weiteren Siedlungsentwicklung zusammen.

 

Ein Mal mehr, damit ich mich nach der Kollegin von der FPÖ nicht noch einmal melden muss, und ich wollte mich auch bei der vorherigen Wortmeldung nicht melden, weil ich die diffuse Ahnung habe, dass die FPÖ auch gegen dieses Widmungsstück wie gegen alle Erweiterungen stimmen wird, wenn wir uns alle Zeitungsartikel ansehen, wo die Wohnungspreise steigen, ist das wirksamste Mittel, mit dem Angebot halbwegs Schritt zu halten, insbesondere dort, wo es auf Grund günstiger Grundstückskosten möglich ist, günstige Wohnungen, heißt, geförderte Wohnungen, die einem langfristigen Deckel unterzogen sind, anzubieten. Das passiert bei der Berresgasse. Wenn wir uns das vorstellen, dort entsteht eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern, die in Summe autofrei ist.

 

Eine Erklärung noch zum Kollegen Gara, was die Stellplatzverpflichtung betrifft: Ein Grund, warum dort die höhere Anzahl als bei der Ziegelofengasse gegeben ist, ist eine große Wohnsiedlung, wo kaum Garagen gegeben sind. Einer der Vorteile war, und es sehen ja nicht immer alle als Vorteil, wenn in ihrer Umgebung gebaut wird, aus Angst, dass man dann dort keine Stellplätze mehr findet, dass dort dieser Stellplatzraum auch für die Anwohner in der Ziegelofengasse ausreichend gegeben ist.

 

Zur Dichte haben Sie recht und nicht nur recht, wenn ich das sagen darf. Sie haben recht, dass Sie sagen, es ist Gründerzeitdichte. Ja, wo gebaut wird. Dazu muss man aber sagen, dass gleich daneben ein riesiger Sww-Streifen von 60 m Breite und hunderten Metern Länge ist. Das sage ich als jemand, der im 6. Bezirk in der Gründerzeit wohnt. Dort ist es auch dicht. Aber nebenbei den Park mit ein paar Hundert Metern Sww vermisse ich. Ich habe das Gefühl, den werden wir auch in den nächsten 100 Jahren nicht kriegen. Also, man soll nicht nur immer bauplatzbezogen die Dichten sehen, sondern von der Grundidee her kompakt bauen, damit Voraussetzungen schaffen, dass sich öffentlicher Verkehr rechnet, dass sich Nahversorgung rechnet, dafür sozusagen ausatmen und Parks und Freiräume in der unmittelbaren Umgebung schaffen.

 

Der letzte Punkt betrifft, wie viele Arbeitsplätze wo wie angeboten werden sollen. Sie waren auch in der Stadtentwicklungskommission. Wir werden dieses Betriebszonenkonzept, über das wir vorgestern gesprochen haben, demnächst auch im Gemeinderat haben. Es konzentriert sich darauf, eine beträchtliche Anzahl an Hektar für betriebliche Nutzungen vorzusehen. Es gibt halt Regionen in der Stadt, die einen höheren Wohnanteil haben. Dann gibt es aber Regionen in der Stadt, die einen geringeren haben. Ich würde sagen, in Grinzing und Döbling, in den Villengegenden, ist der Anteil der Betriebe auch nicht an der Spitze. Was ich damit sagen will, ist, es gibt auch Gegenden, wo der Wohnanteil im Vordergrund steht. Trotzdem ist es wichtig, und das ist auch der neue Weg, den wir mit der Bauordnung beschreiten, dass sehr großzügig im Erdgeschoßbereich Geschäfte, betriebliche Nutzungen verpflichtend sind, dass dort keine Wohnungen angeboten werden, dass wir eine urbane Zone entwickeln. Das ist sehr wohl möglich. Darüber hinaus ist es bei den Vergaben auch möglich, dass eine Genossenschaft bis zu 25 Prozent der Flächen für Betriebe anbietet. Was heißt heute Betriebe? Gerade im 22. Bezirk haben wir viele, die im IT-Sektor tätig sind, dies aber in wohnungsähnlichen Strukturen machen können. Es ist nicht nur so, dass man seine eigene Industriezone bleibt.

 

Es hat sehr lange gedauert, nicht diese Widmung, sondern der Beschluss. Ich möchte erinnern, dass es durchaus eine große Leistung der verschiedenen Dienststellen war, es mit einem städtebaulichen Vertrag und einem Mittragen der Infrastrukturkosten zu einem Abschluss zu bringen. Ich bin sehr froh, dass damit ein Weg gegangen wird, der es möglich macht, dass knappe öffentliche Mittel mit den trotzdem beträchtlichen Infrastrukturkosten umgesetzt werden können.

 

Ein Letztes noch zum Argument mit der Bodenversiegelung, das erst von der FPÖ kam: Bitte schauen Sie

 

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