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Gemeinderat, 35. Sitzung vom 27.04.2018, Wörtliches Protokoll  -  Seite 49 von 124

 

Ich war vor Kurzem in der Otto-Wagner-Ausstellung im Wien Museum. Otto Wagner ist ja ein Architekt, der Wien geprägt hat, auf den wir heute stolz sind, der sich auf Postkarten wiederfindet. Wenn man sich diese Ausstellung anlässlich 100 Jahre anschaut, dann merkt man aber, dass natürlich auch er zu seiner Zeit nicht unumstritten war, dass er beispielsweise auch Bauten gemacht hat, über die man sich nicht drübergetraut hat.

 

Beispielsweise gab es einen Vorschlag für ein Stadtmuseum am Karlsplatz. Der damalige Bürgermeister Lueger hat das dann quasi nicht genehmigt, hat sich dort nicht drübergetraut. Davon gibt es ein Foto, das finde ich auch recht interessant, denn es zeigt einen Entwurf und eine Schablone, wie das ausschauen sollte, in der Vorderansicht. Es zeigt gleichzeitig aber auch, wie damals die Situation an der Karlskirche war, dass es vor 100 Jahren ein Gebäude gab, das direkt an die Karlskirche angeschlossen hatte, sodass wir jetzt eigentlich etwas reparieren oder verändern, was vor 100 Jahren kein Thema war.

 

Es gibt auch eine Karikatur aus dem Jahr 1910, in der man Fischer von Erlach zu Otto Wagner sagen lässt: „Trösten Sie sich, mein lieber Wagner, ich habe die Karlskirche erbaut und das Wiener Stadtbild zu meiner Zeit auch so verschandelt wie Sie. In 100 Jahren gefällt es den Leuten dann ausgezeichnet.“ Ich glaube, das fasst ganz gut zusammen, wie das mit Architektur ist, dass sie auch eine Tochter der Zeit ist und dass man sich manchmal auch Dinge einfach trauen muss und neu gestalten muss, auch in Hinblick auf ein Weltkulturerbe.

 

Ich möchte aber auf das zweite Projekt eingehen. Es sind zwei Projekte, die wir hier gemeinsam diskutieren und dann auch beschließen, zwei wirklich sehr große Projekte für die Stadt, die auch nachhaltig auf die Stadt wirken werden. Auf das zweite möchte ich inhaltlich noch etwas eingehen. Denn es ist jetzt übers Weltkulturerbe anhand des Otto-Wagner-Spitals diskutiert worden, auch darüber, was dort im Mediationsverfahren vereinbart wurde und ob das eingehalten wird.

 

Ich möchte aber auch einmal ein bisschen darauf eingehen, wie großartig es ist, dass wir mit der CEU auch einen neuen Universitätsstandort in Wien bekommen, in einer Stadt, die eine Universitätsstadt ist, die die größte deutschsprachige Universitätsstadt ist, der damit auch ausgebaut wird in einer Stadt, die eine wissensbasierte Stadt ist, und zwar mit einem Projekt, das eigentlich nur Vorteile bietet.

 

Dieses Projekt trägt dazu bei, dass es internationale Studentinnen und Studenten gibt, die für ein Masterstudium oder ein PhD-Studium nach Wien kommen. Ich glaube, das tut dem Standort gut. Wir haben ungefähr 160.000, 170.000 Studenten und Studentinnen in dieser Stadt, das belebt die Stadt, das macht uns zu einer jungen Stadt. Das bringt Weltoffenheit, das bringt auch andere Sichtweisen in die Stadt. Das bringt aber natürlich auch gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, gut ausgebildete Fachkräfte, die eine Großstadt wie Wien braucht, die die Wirtschaft braucht.

 

Es bringt natürlich wirtschaftlich im Sinne der Umwegrentabilität vieles für die Stadt, denn es werden ungefähr 1.500 StudentInnen hier wohnen, essen, konsumieren. Es wird Verwaltungspersonal kommen, auch Lehrpersonal, das in der Stadt leben wird und hier natürlich auch seinen Lebensmittelpunkt hat.

 

Es werden die anderen Universitäten davon profitieren, durch Kooperationen, durch einen Austausch, der zum Teil auch schon jetzt mit Budapest stattfindet, also mit der CEU in Budapest. Es wird einen Schwerpunkt der CEU mit den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften geben, der auch immer ein Schwerpunkt in der Stadt Wien war, der eine lange Tradition in Wien hat und wo es nicht darum geht, sozusagen arbeitslose Akademiker zu züchten, wie Herr GR Fürnkranz das angemerkt hat, sondern es geht darum, quasi auch mit diesem Schwerpunkt, den die CEU nun einmal hat nebst anderen Bereichen, hier auch an diese Tradition, die die Stadt hat, anzuknüpfen.

 

Es ist etwas, wo auch alle Ergebnisse, die das Mediationsverfahren gebracht hat, berücksichtigt werden. Das OWS bleibt im Eigentum der Stadt, es bleibt frei zugänglich. Es werden die Kosten für den Umbau durch die Miete an die CEU wieder hereingebracht, und zumindest 50 Prozent des Areals werden von der CEU genutzt.

 

Wenn die FPÖ jetzt einen Antrag einbringt, wo Sie sagen, es wird sozusagen das OWS aus den Händen gegeben, dann stimmt das zum einen nicht, denn es bleibt ja im Eigentum der Stadt. Es gibt einen, es wird geben - und daran arbeitet man - einen Bestandsvertrag, wo es auf 99 Jahre quasi vermietet wird.

 

Das waren bisher auch nie Ihre Argumente. Ihre Argumente haben Sie ja am Anfang auch durchaus vorgebracht, allerdings ein bisschen vorgeschoben. Das waren die, dass es Gerüchte gibt, dass George Soros gezielt Migrationsströme nach Europa unterstützt. Es war Ihr Bildungssprecher, der von einer höchst umstrittenen Persönlichkeit spricht und von einer nicht objektiven Arbeit im wissenschaftlichen Sinne.

 

Was Sie hier in den letzten Tagen gemacht haben, auch auf Bundesebene, nicht nur hier, ist nicht, Fakten zu bringen, sondern das ist, böse Gerüchte zu streuen. Das heißt, unredliche Behauptungen aufzustellen, die nicht zu beweisen sind, wie dieses „Nicht wissenschaftliche Arbeit“ einer Universität, die auch als Privatuniversität akkreditiert ist. Das ist eine Vorgehensweise, die unserer Demokratie in höchstem Ausmaß auch schadet. Denn der Gründungsauftrag der CEU - und ich finde, das ist etwas, das man auch noch einmal erwähnen muss - ist wahrscheinlich nicht im Sinne, offensichtlich nicht im Sinne der FPÖ. Aber es ist einer, der sehr gut auch die Arbeit des Kulturstadtrates widerspiegelt.

 

Bei ihm möchte ich mich auch persönlich noch bedanken. Denn im Wissenschaftsbereich war es ihm immer ein großes Anliegen, auch die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften zu fördern, nicht quasi aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus Gründen einer Auseinandersetzung mit dem, wie wir mit schnellen Entwicklungen einfach umgehen, mit einer Welt umgehen, die immer schneller wird, die sich immer schneller verändert und wo es auch darum geht, dass Geistes-/Kulturwissenschaften unterstützend sind, sich auch

 

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