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Gemeinderat, 44. Sitzung vom 27.11.2018, Wörtliches Protokoll  -  Seite 74 von 100

 

hoffentlich neue Wege gehen werden. Wir haben sozusagen schon ein erstes Stück mit der Werkstattreise zurückgelegt, die heute schon erwähnt worden ist, wo wir in Belgien waren und uns angeschaut haben, wie Theater noch funktionieren kann, welche Fördersysteme es gibt, wie Kulturstätten anderswo in Europa ausschauen, anders als bei uns. Was wir davon, glaube ich, alle mitgenommen haben, war, denke ich zumindest, zum einen Inspiration. Was ich hoffe, dass wir alle mitgenommen haben, war der Wille, auch gemeinsam Kultur in Wien weiterzuentwickeln. Was wir, glaube ich und hoffe ich auch, alle gesehen haben, ist aber auch, dass trotz dieser spannenden Stätten und Aufführungen, die wir gesehen haben, Wien den Vergleich natürlich nicht zu scheuen braucht, dass es auch hier eine innovative, eine lebendige und eine spannende Kulturszene gibt, auch eine Kulturpolitik, die schon bisher viel Neues möglich gemacht hat.

 

Aber Neues baut natürlich auch sehr oft auf Vorhandenem auf, auf einer Geschichte auf, auf einem kulturellen Erbe. Wo das im wahrsten Sinne des Wortes passiert, ist, wenn es Orte und wenn es Gebäude betrifft. Ein Schwerpunkt dieses Kulturbudgets 2019 wird jedenfalls auch ein Fokus auf Sanierungen, auf Investitionen in die Infrastruktur, in eine moderne Infrastruktur, sein, wo es zum Teil schon Projekte gibt, die im Laufen sind und fortgesetzt werden, wie beispielsweise die Erneuerung der Klimatisierung im Österreichischen Filmmuseum oder im Wiener Metropol eine neue Ton- und Lichtanlage, wo das Josefstadt-Theater natürlich ein ganz großer Brocken ist, von dem wir heute auch schon gehört haben, oder auch die Generalsanierung des Gartenbaukinos, die 2019 startet.

 

Ein ganz wesentliches Projekt unter all diesen wichtigen Projekten ist das Wien Museum Neu, das wir in einem langen Prozess, der jetzt schon ein paar Jahre dauert, gut aufgesetzt haben, gut vorbereitet haben, von der Diskussion über das Winterthur-Gebäude und die Trennung bis zum Architekturwettbewerb, über die Finanzierung bis auch zur Widmung. Im Februar 2019 wird es ernst. Jetzt wird das Wien Museum schließen. Aber schließen heißt nicht, dass das Wien Museum für die nächsten Jahre von der Bildfläche verschwindet, sondern dass es in den vielen Kultureinrichtungen, die zum Wien Museum gehören, unter anderem und vor allem auch im MUSA, weiter präsent sein wird, Ausstellungen präsentieren wird und vor allem aber auch, dass es in die Bezirke und in die Schulen hinausgeht. Angefangen hat es schon in diesem Jahr mit einem Vermittlungsprogramm in den Schulen, das sehr erfolgreich angenommen wurde, wo bisher schon 17 Schulen für das Schuljahr 2018/19 mitgemacht haben, mit einer mobilen Ausstellung, natürlich mit interaktiven partizipativen Elementen - es geht da um Kinder in der Volksschule - und mit einer Ausstellung, die dann am Ende von den Schülerinnen und Schülern konzipiert wird, wo dann auch die Familie und die Eltern dazu eingeladen werden. Ich glaube, das ist ein guter Ansatz, diese Zeit so zu nützen, und ein sehr erfolgreicher Ansatz auch, wie man sieht.

 

Zum Thema Sanierungen möchte ich jetzt noch zwei Bereiche ganz kurz erwähnen, weil diese eigentlich ganz selten erwähnt werden.

 

Das eine ist der Altstadterhaltungsfonds, wo wir jetzt wieder eine Sitzung des Beirates im Dezember haben. Ich habe mir jetzt angeschaut, wie lange es diesen eigentlich schon gibt. Es gibt ihn seit 45 Jahren. Er hat mittlerweile über 4.500 Bauten in der Sanierung mitfinanziert. Über 243 Millionen EUR sind ausgegeben worden, um quasi dieses kulturelle Erbe der Stadt auch zu erhalten.

 

Ein zweiter Punkt sind Denkmäler, Kunstwerke, Ehrengräber im öffentlichen Raum, die in die Zuständigkeit des Ressorts fallen, wo es auch um Erhaltung und um Sanierung geht. Ich habe einmal kurz die Auflistung der verschiedenen Objekte, die es da gibt, zusammengezählt. Da kommen wir auf Zahlen jenseits der 7.000 Objekte, um die es hier geht. Da kommen immer wieder auch neue dazu, wie zum Beispiel die „Steine der Erinnerung“, ein ganz wesentliches Gedenkprojekt. Das zum Thema Sanierungen.

 

Aber ein weiterer Schwerpunkt in diesem Budget 2019 ist Stadtteilkulturarbeit und Kultur in der ganzen Stadt. Man könnte es auch Kultur hoch 23 nennen. Es wird der Weg, der schon begonnen wurde, in die Bezirke hinauszugehen, vor allem auch in die Bezirke jenseits des Gürtels, fortgesetzt. Es wird mehr Geld für Stadtteilkulturprojekte geben. Es wird ein höheres Budget geben, das sich zum einen in höheren Rahmenbeträgen niederschlägt, wo wir das bei der Musik sehen, bei der Stadtteilkultur sehen, also eigentlich eh in jedem Bereich. Es wird vor allem auch so sein, dass große Kulturtanker in die Bezirke gehen, nicht nur, um ihre Arbeit vor Ort zu zeigen, sondern um auch gemeinsam mit Institutionen, mit Vereinen, mit Initiativen vor Ort kulturelle Projekte zu erarbeiten, die Menschen mit einzubeziehen und sie teilhaben zu lassen. Es gibt sehr viele Initiativen. Es gibt die Bezirksmuseen. Es gibt die Volkshochschulen. Ich glaube, da gibt es sehr viele Andockpunkte. Da wird es auch noch neue Ideen geben. Da wird man auch noch schauen, welche Struktur es braucht, sozusagen „work in progress“. Jedenfalls braucht es Orte, Möglichkeiten, Angebote, um Menschen teilhaben zu lassen, um sie nicht nur Kultur konsumieren zu lassen, sondern eben auch aktiv zu werden.

 

Vielleicht lassen Sie mich noch einen Satz zum Kulturfördergesetz und zum Antrag der ÖVP sagen, zu dem grundsätzlich die Frau Stadträtin schon gesagt hat, dass sie bereit ist, darüber nachzudenken, aber sich quasi auch anschauen möchte, wie es denn in anderen Bundesländern ausschaut oder ob es vielleicht eher einen Kulturentwicklungsplan braucht. Ich glaube, das ist etwas, wo man sozusagen noch ein bisschen Zeit braucht, vor allem auch, wenn man diesen partizipativen Ansatz, von dem sie in der Fragestunde gesprochen hat, verwirklichen möchte und sozusagen nichts auf den Tisch legen möchte und dem Gemeinderat vorlegen möchte, sondern etwas miteinander, mit der Bevölkerung, mit den Kulturschaffenden gemeinsam gestalten möchte.

 

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