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Gemeinderat, 55. Sitzung vom 26.09.2019, Wörtliches Protokoll  -  Seite 20 von 95

 

man sich in der Bubbel bewegt, wo der Anteil vielleicht eine Spur höher ist, den Eindruck hat, dass es ist so. Tatsache ist, in der Volksschule sind in Wien jetzt weniger Kinder in einer privaten Schule als vor zehn Jahren und es ist seit zehn Jahren kontinuierlich rückläufig. Insgesamt ist in dem Zeitraum der Anteil an Privatschülern und Privatschülerinnen gleich geblieben. Also diesen Run, alle gehen da hin, den gibt es einfach nicht.

 

Jetzt kann man 1.000 Thesen aufstellen, warum das so ist, aber offensichtlich sind nicht nur die Kinder von Frau Schwarz in der öffentlichen Schule, sondern auch meine drei Kinder, also offensichtlich nutzen auch Kinder von Leuten, die ein Einkommen haben, wie es hier drinnen bei uns üblich ist, die öffentlichen Schulen. Wenn wir wahnsinnig unzufrieden wären, hätten wir uns vielleicht etwas anderes überlegt.

 

Das, was schon stimmt: Die, die können, suchen ein bisschen und nehmen vielleicht nicht genau die Schule vor der Tür, wenn sie ihnen nicht passt. Das öffentliche Schulsystem hat aber sehr viele gute Schulen und vor allem sehr viele engagierte Lehrer und Lehrerinnen, die noch mehr Unterstützung brauchen können, das gilt eh immer. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Und zur Gewalt: Ich möchte Gewalt in der Schule sicher nicht kleinreden, Gewalt ist überall schlecht, aber die fängt natürlich nicht dort an. Wenn bei 600 Schulstandorten 200 Delikte gemeldet werden, und ich auf der anderen Seite schau, wie viel in der Familie passiert, weiß ich, wo man ansetzen muss.

 

Die Kinder, die in der Schule gewalttätig werden, fangen meistens nicht dort an und sind nachher, wenn sie hinausgehen, alle Bambis und da passiert nichts, sondern die kommen üblicherweise leider aus einem Umfeld, das nicht gewaltfrei ist. Da gilt es, in ganz, ganz vielen Punkten anzusetzen. Die Schule kann zwar einen Teil machen, aber nur weil in der Schule zwei Burschen sich noch keine auflegen, sind sie nicht ihren ganzen Tag in einem gewaltfreien Umfeld, leider nicht. Es gilt aber natürlich, das ernst zu nehmen.

 

Die London Challenge, die Christoph Wiederkehr auf ganz Österreich, auf Wien angewandt hat: Mein Gott, in jedem Eck kann man das machen, die schlechtesten Schulen oder die Schulen mit dem meisten Bedarf nehmen und denen am meisten helfen. Das ist eigentlich logisch, dass man nicht dort hilft, wo am wenigsten Bedarf ist. Wenn das Ziel ist - und das habe ich da eh schon einmal gesagt, bei manchen klingt es oft wie eine Sonntagsrede, bei anderen glaube ich das auch -, wenn man wirklich will, dass man jedem Kind hilft, dann muss man natürlich überlegen, was alle sagen. Dazu wäre gut, wenn man faktenbasiert arbeiten könnte.

 

Jetzt gibt es ganz viele wissenschaftliche Erkenntnisse, die sagen, hört auf damit, die Kinder auseinanderzutreiben, Segregation zu machen, so etwas wie Deutschklassen sind schlecht, rückwärtsgewandt. Die Noten in der Volksschule, Sitzenbleiben in der Volksschule: Leute, das hilft nichts. Das sagt dann der Minister, der unter Türkis-Blau zuständig war. Als er es dann nicht mehr ist, kommt auch er drauf und sagt, na ja, das mit den Noten war ein Blödsinn. Also man weiß das und macht es auch ideologischen Gründen. Das ist schade, weil es den Kindern nicht hilft.

 

Man müsste wirklich Interesse haben, das zu ändern, denn es hilft nämlich der Gesellschaft genau gar nichts, wenn wir Leute haben, die 15 Jahre alt sind und ganz, ganz wenig können. Das ist privat für den Einzelnen und für die Einzelne in der Nähe einer Katastrophe, aber es ist für uns als Gesamtgesellschaft auch nicht wahnsinnig schlau. Da muss man nicht einmal sozial sein, da würde es schon genügen, wenn man wirtschaftspolitisch denken würde, sozial wäre es sowieso angebracht.

 

Was brauchen wir? Wir brauchen eine Schule, die zwar auch viel Wissen vermittelt, aber vor allem auch Leute so ausbildet, dass sie selber denken, selber kreativ sind, sich selber etwas trauen. Und das sieht man schon daran, und jetzt gehe ich einmal auf diese „Fridays for Future“ ein, wie viele Leute sich plötzlich nicht nur in Österreich oder in Wien, sondern in ganz Europa für ihre eigene Zukunft einsetzen.

 

Und was würden wir da brauchen? Erwachsene, die so viel naturwissenschaftliches Wissen besitzen, dass sie nicht sagen, ich glaube, das mit dem Klimawandel ist nicht so. Wenn 99 von 100 Experten und Expertinnen, ich glaube, es ist 99 Komma, aber das gibt es nicht auf 100, also wenn 99 von 100 sagen, Leute, das ist so, da vorne ist eine Wand, ihr fährt mit Höchstgeschwindigkeit darauf zu, dann wäre es günstig, wenn ein paar nicht sagen würden, ich kann die Wand noch nicht sehen, das ist vielleicht keine Wand, ich bin eh angegurtet und volles Rohr hineinbrettern.

 

Es nützt auch nichts, nur einen Gang herunterzuschalten, sondern es ist nötig, das zu tun, was die Jugendlichen jetzt jede Woche, jeden Tag von uns verlangen: Die Klimakatastrophe, den Klimawandel ernst zu nehmen und den Jungen, die sich selber für ihre Zukunft engagieren, bei dieser großen Aufgabe zu helfen. - Danke. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag. Dietbert Kowarik: Als nächster Redner hat sich Herr StR Maximilian Krauss gemeldet. Ich erteile ihm das Wort.

 

11.16.12

StR Maximilian Krauss|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Meine sehr geehrten Damen und Herren!

 

Ich möchte vielleicht mit ein paar Worten zur Diskussion rund um Privatschule, öffentliche Schule, Motivation der Lehrer, was ist ausschlaggebend für einen guten Lernerfolg beginnen.

 

Ich habe jetzt schnell gegoogelt und eine Studie vom 16. September gefunden - die in einer Tageszeitung veröffentlicht wurde -, in der verschiedenste Parameter in einem recht großen Sample abgefragt wurden.

 

Wie zufrieden sind die Kinder mit der Schule zwischen 10 und 14 Jahren, zwischen 14 und 18 Jahren, wie die Eltern, wie die Großeltern. Ein ganz interessantes Ergebnis, das bei der Studie herauskommt, ist, dass in Wien 62 Prozent aller Befragten den Standpunkt vertreten, dass eine Privatschule für Kinder besser ist als eine öffentliche Schule, während es in manchen Bundesländern nur 30 Prozent sind, oder in den meisten Fällen die Hälfte glaubt, es ist egal, ob man in eine private oder eine öffentliche Schule geht.

 

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