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Gemeinderat, 9. Sitzung vom 28.04.2021, Wörtliches Protokoll  -  Seite 11 von 114

 

vorstelle. Das ist natürlich ein sehr ambitioniertes Vorbild, denn das ist, glaube ich, der tollste Markt, den es in Europa gibt. Er hat auch ein sehr hohes Renommee. Ich habe mir das einmal angeschaut, und wir haben dort auch mit dem Trägerverein gesprochen. Sie haben dort ein eigenes Konzept. Sie haben wirklich eine Warteliste von Hunderten, die dort gerne verkaufen würden. Man muss sich und seine Produkte dort quasi vorstellen. Es entscheidet dann ein Komitee, und dort kommen tatsächlich nur die innovativsten, neuartigsten Produkte zum Zug, nämlich hauptsächlich, wenn auch nicht nur, regionale und saisonale Produkte. Es ist dies mittlerweile ein unglaublich attraktiver Markt geworden.

 

Ich sehe eigentlich keinen Grund, warum es in Wien nicht auch einen Platz für eine solche Markthalle geben könnte. Wir haben nämlich sehr viele tolle regionale Anbieter. Ich weiß nicht, wer von Ihnen jemals im Stadtpark bei diesem Genussfestival war. Dort sieht man, dass wir schon viele tolle regionale Anbieterinnen und Anbieter in Wien, in Wien-Umgebung, aber auch in Österreich haben. Diese haben in Wien jedoch sozusagen keinen eigenen Platz. Sie sind da und dort auf den Bauernmärkten und auch auf den normalen Märkten verstreut, aber es gibt sozusagen keinen Kristallisationspunkt, wo sie zusammenkommen können.

 

Ich glaube, das wäre eine schöne Vision, die wir hier gemeinsam entwickeln können. Gerade in Zeiten des Klimawandels können wir sozusagen mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wir können einen Schattenbereich und einen Begrünungsbereich schaffen, aber auch regionalen oder saisonalen Anbietern eine größere Bühne verschaffen, die sich diese Leute in dieser Stadt meiner Ansicht nach schon seit langer Zeit verdient haben. Und wir können auch anhand von internationalen Beispielen zeigen, dass das gut funktioniert.

 

Ich höre manchmal das Argument: Warum gerade dort? Ist das nicht schlecht für die anderen Standler? - Jeder, der sich ein bisschen mit der Thematik beschäftigt hat, weiß, dass das auch auf allen anderen Märkten gut funktioniert. Ich nehme jetzt etwa den Kutschkermarkt als Vorbild. Dort gibt es auch einen solchen Marktverein, bei dem man sich genauso im Kleinen wie bei jenem des Borough Market im Großen umschaut, wie man noch andere tolle Standler mit hineinbringen könnte. Je mehr attraktive Standeln es nämlich dort gibt, desto mehr Kunden gehen dort hin, weil sie an einem Platz sehr viele attraktive Angebote finden, sodass sie dort sehr gerne einkaufen gehen.

 

Das wird auch für den Naschmarkt zutreffen. Wir alle wissen, dass der Naschmarkt in den letzten Jahren etwas gelitten hat. Er ist sozusagen vom top-besuchten Markt der Stadt quasi verdrängt worden. Das ist, wenn ich es jetzt richtig im Kopf habe, der Brunnenmarkt. Auch daran sehen wir, dass eine Qualitätssteigerung auch dem Naschmarkt wirklich gut tun würde.

 

Ich komme jetzt zum Bürgerbeteiligungsverfahren. Bis Juni dieses Jahr können die Wienerinnen und Wiener ihre Ideen und Vorschläge einbringen. Es wird über die Aspekte der Neugestaltung der Fläche diskutiert, es wird nach Erwartungen gefragt, und es werden Ideen gesammelt. Es wird aber natürlich auch über Sorgen und Befürchtungen geredet. Das ist ganz normal, speziell in Wien: Wenn es Veränderungen gibt, dann muss man natürlich auch über diesen Bereich reden. Wir haben die NachbarInnen des Markts mit einem Info-Brief per Post mit einer Rückmeldekarte zusätzlich informiert. Da es sich beim Naschmarkt jedoch um ein so zentrales und für die Stadt auch identitätsstiftendes Gebiet handelt, ist es für mich logisch, dass alle Wienerinnen und Wiener hier mitreden können.

 

Logischerweise können wir das auf Grund von Covid nicht so abwickeln, wie wir es sonst abwickeln würden. Ich glaube aber, wir haben hier einen sehr guten digitalen Prozess gestartet, bei dem es wirklich darum geht, möglichst viele Menschen in diesen Prozess mit einzubinden. Es gibt so etwas wie einen wöchentlichen Newsletter, für den man sich anmelden kann. Es gibt die Fragen der Woche, auf welche auch die Bürgerinnen und Bürger antworten können. All das bildet eine wichtige Grundlage für den Gestaltungswettbewerb.

 

Natürlich sind auch die Social Media Facebook und Instagram mit dabei. Wir haben am 19.4. damit begonnen, und es haben sich jetzt schon um die 2.500 Menschen beteiligt. Ich gehe davon aus, dass es bis Juni, weil wir ja bis dahin noch ein bisschen Zeit haben, noch mehr Leute sein werden. Ich freue mich, dass hier wirklich ein so großes Interesse besteht, und hoffe, dass es uns die Corona-Zahlen sozusagen erlauben werden, dass wir dann auch noch andere, gewohntere Formate in Form von „Face to face“-Kommunikation durchführen können.

 

Die Ergebnisse aus der Partizipation werden dann selbstverständlich über den Sommer eingearbeitet, und im Herbst wollen wir dann einen europaweiten Gestaltungs- und Architekturwettbewerb mit dem Ziel starten, dass 2022 die Ergebnisse vorliegen. Architektonisch ist das natürlich ein sensibles Umfeld, das ist mir durchaus bewusst. Daher ist die MA 19 - Stadtgestaltung federführend in diesem Prozess dabei, und ich glaube, es gibt sehr viel Erfahrung in diesem Bereich in der Stadt.

 

Nun noch ein Wort zum Flohmarkt: Das Ziel ist es natürlich, den Naschmarkt-Flohmarkt, der ja auch eine sehr lange Tradition hat, in diesen Bereich zu integrieren. Wie das dann von der Lösung her aussieht, das wird jetzt im Laufe des Verfahrens noch erarbeitet werden.

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank für die Beantwortung. Die 1. Zusatzfrage wurde zurückgezogen. Die 2. Zusatzfrage kommt von den Grünen. Bitte, Herr GR Stark.

 

9.46.25

GR Kilian Stark (GRÜNE): Schönen guten Morgen, Frau Stadträtin! Am tosenden Applaus erkennt man die Begeisterung für die Markthalle in der Fraktion.

 

Meine Zusatzfrage zur Markthalle betrifft ein medial recht kontroversiell diskutiertes Thema. Im Bezirk gab es einen Antrag betreffend eine Potenzialanalyse. Dieser wurde einstimmig auch von Ihren Kolleginnen und Kollegen aus der SPÖ-Fraktion beschlossen. Es wurde ein Antrag betreffend ein Beteiligungsverfahren beschlossen, bei dem die AnrainerInnen und Standler einbezogen werden sollen, um gemeinsam eine Nachnutzung zu

 

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