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Gemeinderat, 24. Sitzung vom 22.06.2022, Wörtliches Protokoll  -  Seite 122 von 126

 

Wenn man mit den Jugendlichen redet, dann hört man, dass man bei den Auseinandersetzungen mit der Polizei ein gewisses Gefühl der Schwäche fühlt. Warum? - Es macht einen Unterschied, wenn das Gegenüber uniformiert und mit der Waffe ist, als jetzt mit SozialarbeiterInnen oder JugendarbeiterInnen zu kommunizieren und Konflikte zu lösen. (GR Maximilian Krauss, MA: Deswegen sind sie ja Polizisten!) Die Awarenessteams helfen daher bei Wertsachenverlusten, Streitschlichtungen, schenken bei Bedarf Wasser aus und sind bei Notfällen an erster Stelle dabei.

 

Das Konzept der Awarenessteams ist nicht neu. Sie existieren in anderen europäischen Städten wie zum Beispiel Berlin seit Jahren und haben sich als Erfolg herausgestellt. Bereits letztes Jahr haben wir von den NEOS gefordert, diese Teams auszuweiten, waren aber dennoch enttäuscht, dass sie am 1. August eingestellt wurden. Die Begründung war, dass die Nachtgastronomie nicht geschlossen hat. Daher sind wir nicht nur verwundert, sondern freuen uns sogar, dass sie jetzt unabhängig von der Nachtgastronomie wieder gekommen sind, weil sie umso wichtiger sind. Das sieht man auch an verschiedenen Standorten in Wien.

 

Wir haben schon betont, dass der Konsumzwang im öffentlichen Raum nicht dazu beiträgt, diesen zu entlasten. Jugendliche gehen dort hin, wo etwas los ist. In vielen Bezirken ist leider wenig los, und daher reichen wir auch einen Antrag ein, dass einerseits konsumfreie öffentliche Orte in Wien ausgebaut werden sollen, andererseits, dass die Awarenessteams jährlich finanziert werden sollen und sie jährlich bei der Stadt Wien keine Bittsteller sein müssen. Und als Drittes fordern wir, dass die Stadt herausfindet, wo sich Jugendliche treffen, indem sie Sozialraumanalysen in den Bezirken durchführt, um eben Probleme von jungen Menschen zu erkennen und zu schauen, wo der Schuh drückt.

 

Wir haben diesen Sommer als GRÜNE ein Projekt laufen, das sich „Reclaim your Space“ nennt. In diesem Projekt gehen wir an neun Standorte in ganz Wien und hören uns an, was die Jugendlichen von uns fordern. 99 Prozent von ihnen sagen genau das, was wir in diesem Antrag stehen haben: mehr Begrünung, mehr Sitzmöbel, kostenlose Klos, die nicht um 22 Uhr schließen. Wer irgendwann einmal jung war und feiern war, weiß, dass die eigentliche Party nach 22 Uhr beginnt.

 

Deswegen bitte ich auch um Zustimmung für alle drei Anträge und wünsche, dass die Sitzung zu einem Ende findet. Danke schön. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Marina Hanke. Ich erteile es ihr.

 

21.55.17

GRin Marina Hanke, BA (SPÖ)|: Sehr geehrte Frau Berichterstatterin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich werde jetzt auch nicht mehr lange auf das Projekt selber eingehen, es ist ja schon ausgeführt worden.

 

Herr Kollege Berger, ich freue mich sehr, dass Sie sich so mit dem Akt auseinandergesetzt haben. (GR Stefan Berger: Immer!) Dass wir, gerade wenn es um pädagogische Ansätze oder den Umgang mit Kindern und Jugendlichen oder viele andere Themen geht, unterschiedliche Zugänge haben, verwundert auch niemanden. Der Ansatz Ihrer Partei ist, Jugendliche hinter Stacheldraht einzusperren, zum Beispiel, wenn wir uns an Kollegen Waldhäusl erinnern. (Zwischenruf bei der FPÖ.)

 

Sie stellen sich immer schützend vor die Polizei, hatten aber, als Sie in Regierungsverantwortung waren, auch nicht mehr zu tun, als irgendwelche Pferde zu kaufen. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Das ist jetzt aber lächerlich! Reden Sie einmal mit einem Polizisten!) Insofern werde ich auch gar nicht näher darauf eingehen, sondern möchte einfach auch sagen, dass ich mich freue, dass wir das Projekt der Awarenessteams auch in diesem Jahr fortsetzen können, weil es ein wahres PionierInnenprojekt ist. (GR Maximilian Krauss, MA: Kennen Sie einen Polizisten?) Ich möchte auch nochmals einen großen Dank an das Kollektiv für Awareness-Arbeit aussprechen, das da wirklich PionierInnenarbeit geleistet hat und auch ein ganz neues Konzept der Vermittlung im öffentlichen Raum geschaffen hat, das mittlerweile international beachtet und auch nachgefragt wird, wo Wien ein Mal mehr eine VorreiterInnenrolle einnimmt. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Ich möchte nur ganz kurz auf einen Punkt von meinem Vorredner eingehen, nämlich die Frage der Sozialraumanalysen, weil ich es nicht ganz so stehen lassen möchte, als wüssten wir als Stadt Wien nicht, wo sich denn die Jugendlichen aufhalten. Ich kann da ein Mal mehr nur auf unser dichtes Netz der offenen Jugendarbeit verweisen, wo natürlich permanent durch herausreichende Arbeit geschaut wird, wo sich die Jugendlichen in unterschiedlichen Bezirken aufhalten, welche Räume sie nutzen können, welche sie auch nicht nutzen können und sie dabei auch bestärkt werden, sich Räume zu nehmen. Es gibt zum Beispiel auch regelmäßige Sozialraum-Checks innerhalb der Jugendarbeit als Methode, aber natürlich hat auch die konkrete Sozialraumanalyse in der Stadt eine ganz lange Tradition. Ich wollte das nur nicht so stehen lassen, dass hier gar nichts passiert.

 

Klar muss sein, Jugendliche haben ein Recht auf öffentlichen Raum, haben in unserer Stadt auch einen Anspruch darauf, ihn zu nutzen. Wir schauen auch immer ganz genau hin, wenn es darum geht, wie sich Nutzungsverhalten ändert und was da passiert. Ich darf noch einen zweiten Hinweis geben: Der Verein Wiener Jugendzentren ist derzeit Leadpartner in einem Erasmus+-Projekt „Youth in Urban Space“, wo wir uns mit Stuttgart, Helsinki und Mailand anschauen, wie sich Nutzungsverhalten von Jugendlichen im öffentlichen Raum ändert und welche Bedarfe es gibt. Über die Ergebnisse werden wir dann natürlich auch gerne informieren.

 

In diesem Sinne hoffe ich auf breite Zustimmung und freue mich auf einen spannenden Sommer mit den Awarenessteams. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Irschik. Ich erteile es ihm. (Ruf bei den GRÜNEN: Na!)

 

21.58.16

GR Wolfgang Irschik (FPÖ)|: Man möchte sich ja auch nicht die eigene Fraktion zum Feind machen. Ich werde mich bemühen, das in aller Kürze abzuhandeln.

 

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