Gemeinderat der Bundeshauptstadt Wien 22. Wahlperiode 6. Sitzung vom 22. Oktober 2025 Wörtliches Protokoll Inhaltsverzeichnis 1. Entschuldigte Gemeinderätinnen bzw. Gemeinderäte S. 3 2. Fragestunde 1. Anfrage (FSP-1381801-2025-KGR/GM) S. 3 2. Anfrage (FSP-1382416-2025-KFP/GM) S. 5 3. Anfrage (FSP-1235970-2025-KSP/GM) S. 8 4. Anfrage (FSP-1384088-2025-KVP/GM) S. 12 5. Anfrage (FSP-1243998-2025-KGR/GM) S. 16 3. ASTTH-1401334-2025-KGR/AGTH: Aktuelle Stunde zum Thema "Ziel- und planloses Kürzen - Rot-Pinker Vorschlaghammer zerstört soziale und ökologische Errungenschaften" Rednerinnen bzw. Redner: StRin Mag. Judith Pühringer S. 20 GR Harald Zierfuß S. 22 GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel S. 22 StR Dominik Nepp, MA S. 24 GRin Mag. Andrea Mautz S. 24 GR Mag. Manfred Juraczka S. 25 GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara S. 26 GRin Theresa Schneckenreither, MSc S. 27 GR Maximilian Krauss, MA S. 28 GR Mag. Alexander Ackerl S. 29 4. MIT-1364465-2025-GGK/MG: Mitteilung von Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky zum Thema "Wiener Demokratie-Strategie" S. 30 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Sabine Keri S. 33 GR Thomas Weber S. 35 GRin Dr. Jennifer Kickert S. 36 StR Dominik Nepp, MA S. 38 GRin Mag. Nina Abrahamczik S. 39 GR Harald Zierfuß S. 41 GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic S. 43 GR David Ellensohn S. 44 GR Maximilian Krauss, MA S. 46 GRin Sara do Amaral Tavares da Costa S. 47 GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc S. 49 GR David Ellensohn (tatsächliche Berichtigung) S. 51 GR Leo Lugner S. 51 GR Armin Blind S. 53 GR Michael Stumpf, BA S. 55 GR Harald Stark S. 56 GR Thomas Mader (tatsächliche Berichtigung) S. 56 GR Clemens Gudenus S. 56 Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky S. 57 Abstimmung S. 58 5. Mitteilung des Einlaufs S. 58 6. Gemäß § 26 WStV ohne Verhandlung angenommene Anträge des Stadtsenates S. 58 7. Umstellung der Tagesordnung S. 58 8. 1254526-2025-GFW; MA 5, P 7: Entwurf einer Verordnung des Gemeinderates, mit der die Verordnung des Gemeinderates über Maßstäbe für die Festlegung und die bezirksweise Aufteilung der durch die Organe der Bezirke verwalteten Haushaltsmittel 2022 (Bezirksmittelverordnung 2022) geändert wird Berichterstatterin GRin Yvonne Rychly S. 58 Rednerinnen bzw. Redner: BV Mag. Mag. Markus Figl S. 58 BV Mag. Markus Reiter S. 61 GR Ing. Udo Guggenbichler MSc S. 62 GR Christian Deutsch S. 65 GRin Theresa Schneckenreither, MSc (tatsächliche Berichtigung) S. 67 GR Hannes Taborsky S. 67 GR Markus Ornig, MBA (tatsächliche Berichtigung) S. 69 StR Dominik Nepp, MA (tatsächliche Berichtigung) S. 69 GR Hannes Taborsky (tatsächliche Berichtigung) S. 70 GR Georg Prack, BA (tatsächliche Berichtigung) S. 70 GRin Dr. Maria In der Maur-Koenne S. 70 GRin Theresa Schneckenreither, MSc S. 71 GR Paul Johann Stadler S. 72 GR Mag. Thomas Reindl S. 73 GR Mag. Manfred Juraczka S. 74 GR Leo Lugner S. 76 GR Markus Ornig, MBA S. 76 BV Mag. Markus Reiter S. 79 Abstimmung S. 79 9. Ordnungsruf an GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc S. 63 10. 1097973-2025-GFW; MA 5, P 4: Förderung an den Verein Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche Berichterstatter GR Mag. Thomas Reindl S. 80 Abstimmung S. 80 11. 1082387-2025-GBI; MA 17, P 1: Wiener Aktionsplan gegen Rassismus 2025 Berichterstatterin GRin Safak Akcay S. 80 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc S. 80 GR Mag. Lukas Burian S. 81 GRin Mag. Berivan Aslan S. 83 GR Armin Blind S. 84 GRin Astrid Pany, BEd, MA S. 86 GR Jaafar Bambouk, MA S. 87 GR Leo Lugner S. 89 GRin Marina Hanke, BA S. 89 GR Michael Niegl S. 91 GRin Mag. Dolores Bakos, BA S. 93 Abstimmung S. 95 12. Ordnungsruf an GR Leo Lugner S. 89 13. 828459-2025-GBI; MA 11, P 2: Förderung an die möwe - Kinderschutz gemeinnützige GmbH Abstimmung S. 95 14. 1034022-2025-GKU; MA 7, P 13: Erhöhung eines Rahmenbetrages für Einzel- und Gesamtförderungen im Bereich Literatur Berichterstatterin GRin Mag. Dr. Ewa Samel S. 95 Rednerinnen bzw. Redner: GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA S. 95 GRin Mag. Ursula Berner, MA S. 97 GR Lukas Brucker, MA S. 99 GRin Katharina Weninger, BA S. 100 GR Paul Johann Stadler S. 101 Abstimmung S. 101 15. 1214029-2025-GKU; MA 7, P 14: Förderung an die TAG - Theater an der Gumpendorfer Straße GmbH für die Jahre 2025 und 2026 Berichterstatter GR Petr Baxant, BA S. 102 Abstimmung S. 102 16. 996721-2025-GGM; MA 21 B, P 20: Plandokument Nr. 8461 im 2. Bezirk, KatG Leopoldstadt Berichterstatter GR Dipl.-Ing. Omar Al- Rawi S. 102 Rednerinnen: GRin Sabine Keri S. 102 GRin Mag. Heidemarie Sequenz S. 103 GRin Ing. Astrid Rompolt, MA S. 104 GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic S. 104 Abstimmung S. 105 17. 977042-2025-GGM; MA 21 B, P 21: Plandokument Nr. 8444 im 20. Bezirk, KatG Brigittenau Berichterstatter GR Dipl.-Ing. Omar Al- Rawi S. 105 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic S. 105 GRin Mag. Heidemarie Sequenz S. 105 GR Filip Worotynski, MA S. 106 Berichterstatter GR Dipl.-Ing. Omar Al- Rawi S. 106 Abstimmung S. 106 18. 1142923-2025-GGK; MA 44, P 8: mehrjährige Vertragsgenehmigung für das Investitionsvorhaben Energie-Einspar- Contracting im städtischen Kombibad Döbling mit der GWT Contracting G.m.b.H. Berichterstatterin GRin Sara do Amaral Tavares da Costa S. 106 Redner: GR Klemens Resch S. 106 GR Thomas Mader S. 108 Abstimmung S. 109 19. 1214262-2025-GGK; MD-BLfK, P 10: Strategiebeschluss "Zirkuläres Wien: Eine runde Sache - Der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft" Berichterstatter GR Mag. Gerhard Spitzer S. 109 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc S. 109 GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara S. 110 GRin Christina Wirnsberger S. 111 GR Michael Stumpf, BA S. 112 GR Mag. Josef Taucher S. 113 Abstimmung S. 114 20. 1222910-2025-GGK; MA 20, P 11: Wiener Demokratie-Strategie Abstimmung S. 114 (Beginn um 9.01 Uhr.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Schönen guten Morgen meine Damen und Herren. Ich darf die Kollegen der Presse bitten, an ihren vorgesehenen Platz zu gehen. Die 6. Sitzung des Wiener Gemeinderates ist eröffnet. Ganztägig verhindert sind GRin Frühmesser-Götschober, GR Mahdalik und GR Kilian Stark. Zeitweise verhindert sind GR Bambouk, GRin Bozatemur-Akdag, GRin Mag. Huemer, GRin Dr. Kickert, GR Mag. Kowarik, GR Löcker, GR Neumayer, GR Felix Stadler, StRin Dr. Greco und GRin Schütz. Wir kommen nun zur Fragestunde. Die 1. Anfrage wurde (FSP-1381801-2025-KGR/GM) von Frau GRin Mag. Huemer gestellt und ist an den Herrn Amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Sport gerichtet. In dieser Anfrage geht es um die Finanzierungs- und Modernisierungspläne der Wiener Spitäler. (Medienberichten zufolge steht der Finanzierungs- und Modernisierungsplan der Wiener Spitäler auf der Kippe: Rund 450 Millionen EUR fehlen im laufenden Investitionsprogramm, wodurch wichtige Sanierungs- und Neubauprojekte auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Das Rahmenbauprogramm (RBP), 2022 einstimmig im Gemeinderat beschlossen, sieht bis 2040 die Modernisierung aller Kliniken sowie den Neubau der Pavillon-Spitäler Ottakring und Hietzing als Zentralkliniken vor. Bis 2030 sollten bereits 3,3 Milliarden EUR investiert sein - ein zentrales Versprechen von Bürgermeister Ludwig im Wahlkampf. Welche konkreten Bauvorhaben bei welchen Spitälern werden nun zurückgestellt?) Schönen guten Morgen, Herr Stadtrat. Ich bitte um Beantwortung. Amtsf. StR Peter Hacker: Sehr gerne. - Schönen guten Morgen, Frau Abgeordnete! Herr Vorsitzender! Zur Frage über die Weiterentwicklung des Bauprogramms im Wiener Gesundheitsverbund in aller Kürze: Wir haben gemeinsam hier im Gemeinderat das Modernisierungsprogramm für unsere Spitäler beschlossen. Wir haben es einstimmig beschlossen, und an diesem Beschluss wird auch nicht gerüttelt. Dass wir angesichts der budgetären Situation und der Herausforderungen, vor denen wir stehen, auch Verschiebungen brauchen ist kein Geheimnis. Ich habe schon vor dem Sommer öffentlich mehrfach bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt - auch, wie ich glaube, hier im Haus -, dass selbstverständlich alle Organisationseinheiten meiner Geschäftsgruppe angesichts der budgetären Situation entsprechende Vorschläge liefern müssen. Das hat auch stattgefunden und selbstverständlich hat auch der Wiener Gesundheitsverbund entsprechende Vorschläge gemacht. Im Zuge der Umsetzung kommt es zu Verschiebungen. Es ist nichts, was wir aus dem gemeinsamen Bauprogramm beschlossen haben, abgesagt worden, und es wird auch nichts abgesagt werden. Es kommt aber zu zeitlichen Verschiebungen. Teilweise stellen wir auch Überlegungen an, wie wir alternative Finanzierungsformen finden können, damit wir nicht mit jeder Investition direkt den öffentlichen Haushalt belasten. Zurzeit gibt es keine Änderungen an den Projektzielen, und es sind auch keine Änderungen an den Projektzielen angedacht. Das sage ich jetzt, bevor da ein Gerücht entsteht. Selbstverständlich finden aber dort Verschiebungen statt, wo es sinnvoll ist, und vor allem dort, wo es angesichts der budgetären Situation in unserer ganzen Republik notwendig ist. Zusammenfassend gesagt betrifft das folgende Projekte: In der Klinik Donaustadt das Projekt zum Neubau der Bettentürme, in der Klinik Favoriten den Neubau der Forensik, und in der Klinik Landstraße wird sich der Start der Planungsarbeiten für den Neubau der Klinik Landstraße nach hinten verschieben. Unberührt von den Verschiebungen bleiben selbstverständlich die schon laufenden Bauprojekte wie etwa das Neubauprogramm in der Klinik Hietzing, das Neubauprogramm in der Klinik Ottakring - und zwar vollinhaltlich, so wie es präsentiert worden ist -, die Errichtung der Produktionsküche und die Fertigstellung der zentralen Notaufnahme in der Klinik Donaustadt. Nicht betroffen sind die Stationssanierungen und die OP-Sanierungen in der Klinik Landstraße. Nicht betroffen ist das Institut für Labortechnik in der Klinik Favoriten. Ich glaube, wir können mit Fug und Recht sagen, dass wir natürlich Verzögerungen durch die budgetäre Situation haben. Ich glaube aber, es war angesichts der Lage in der gesamten Republik eine gute Entscheidung, in diesen Bereichen die Zeitachsen nach hinten zu rücken, das Gesamtprojekt jedoch nicht in Zweifel zu ziehen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 1. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Huemer, bitte. GRin Mag. Barbara Huemer (GRÜNE): Schönen guten Morgen, Herr Gesundheitsstadtrat. Sie sind, ehrlich gesagt, trotz alledem relativ vage geblieben, denn die Anfrage war ganz konkret auf die Frage bezogen: Stimmt der Betrag von 3,3 Milliarden EUR, den Bgm Ludwig bis 2030 in Sanierung und Neubebauung der Gesundheitseinrichtung bei den Spitälern in Wien zu investieren versprochen hat? Stimmt das oder fehlen hier Gelder? Ich habe jetzt leider hier eine schlechte Akustik. Die neuen Mikros sind gewöhnungsbedürftig. Ich werde die Frage noch einmal stellen. - Vielen Dank für die Antwort, wenngleich diese aus meiner Sicht doch recht unpräzise geblieben ist. Es geht nämlich sehr wohl um die Frage, ob diese 3,3 Milliarden EUR bis 2030 zur Verfügung stehen und damit auch gebaut wird beziehungsweise ob diese 3,3 Milliarden EUR nicht zur Verfügung stehen, weil, wie kolportiert, 450 Millionen EUR fehlen? Dass gebaut wird, ist klar, was aber nicht gebaut wird und was insbesondere auf Grund der fehlenden Mittel nicht gebaut wird, bleibt unklar. Wir, Regierung wie Opposition, haben trotzdem gemeinschaftlich hier einen Beschluss gefasst und auch eingesehen, dass laut Expertise, die diesem Bau- und Investitionsplan vorangegangen ist, eine Sanierung dringend notwendig ist. Dieses Nach-hinten-Schieben bedeutet zum Beispiel, den Hitzeschutz nach hinten zu schieben. Es ist dies also, ehrlich gesagt, nicht so banal, wie Sie das jetzt dargestellt haben. Meine Frage lautet aber jedenfalls wie gesagt: Stehen die 3,3 Milliarden EUR bis 2030 zur Verfügung oder nicht? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Stadtrat, bitte. Amtsf. StR Peter Hacker: Rein budgettechnisch ist die Frage jetzt unpräzise, denn die 3,3 Milliarden EUR stehen nicht im Block zur Verfügung, sondern es steht der jährliche Aufwand im Budget zur Verfügung. Das Gesamtvolumen beträgt 3,3 Milliarden EUR - und zwar auf Baupreisbasis 2020. Ich bitte, das nicht zu vergessen! Wir haben das in den Vorbesprechungen zur gemeinsamen Beschlussfassung 2022 oft und oft und oft gesagt. Ich habe hier am Podium oft und oft erwähnt, dass es logischerweise immer um die Preisbasis 2020 geht. Es sind natürlich Unwägbarkeiten mitkalkuliert. Wir haben eine 30-prozentige Spanne mitkalkuliert. Auch das wissen Sie. Das war in der Beschlussfassung 2022 beinhaltet. Laufende Baupreiskostenentwicklungen et cetera sind jedoch natürlich zu berücksichtigen. Grundsätzlich planen und bauen wir aber nach wie vor im Hinblick auf das Gesamtvolumen, das auf der Baupreisbasis 2020 3,3 Milliarden EUR ausmacht. Wir nehmen jetzt Verschiebungen vor, weil wir uns schlicht und einfach budgetären Herausforderungen stellen müssen. Diese haben wir uns nicht ausgesucht, diese finde ich auch gar nicht witzig, ganz offen und ehrlich gesagt. Man kann sich jetzt darüber aufregen beziehungsweise man kann fragen, wer schuld daran ist. Das hilft uns aber überhaupt nichts, sondern wir müssen das operationalisieren. Und deswegen haben wir natürlich Entscheidungen zu treffen, welche Maßnahmen wir nach hinten verschieben können, und ein Nach-hinten-Verschieben auf der Zeitachse bedeutet logischerweise auch, dass das Ganze nicht bis 2030 stattgefunden haben wird. Ich sage also: Nein. Das gesamte Volumen in der Dimension 3,3 Milliarden EUR wird nicht bis 2030 abgeschlossen sein, wenn man Planungsphasen oder auch Umsetzungsphasen nach hinten verschiebt. Ich schätze, wir werden, je nachdem, wie sich die wirtschaftlichen Entwicklungen in den nächsten zwei, drei Jahren zeigt, in den Jahren 2032/2033 so weit sein, dass wir diesen ersten großen Block abgeschlossen haben. Davon gehe ich im Augenblick aus. Das ist jedoch ein bisschen Kaffeesudlesen, denn wir wissen alle, dass die wirtschaftlichen Perspektiven und Skizzen, die wir von den Wirtschaftsinstituten bekommen, auch nicht immer das Gelbe vom Ei sind. Daher bin ich jetzt besonders vorsichtig bei der Fragestellung wie die wirtschaftliche Entwicklung und somit indirekt auch die budgetäre Entwicklung des öffentlichen Haushaltes in den nächsten Jahren sein wird. Im Augenblick haben wir eine Planung, dass wir bis 2032/33 das Gesamtvolumen in der Dimension 3,3 Milliarden EUR abgearbeitet haben werden. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Frau GRin Schütz, bitte. GRin Angela Schütz, MA (FPÖ): Das Wiener Gesundheitssystem hat bis dato einen ausgezeichneten Ruf genossen, in den letzten Jahren ist es aber ziemlich ausgehöhlt worden. Ich erinnere daran: Wir haben sinkende Bettenzahlen in den Spitälern, geschlossene Abteilungen auf Grund von Personalmangel. Wir haben sinkende Zahlen an praktischen Ärzten und Fachärzten. Aktuell sind nur noch 15 Prozent der Ärzteschaft - wie man so schön sagt - eine ausreichende Investition in die Infrastruktur des Gesundheitssystems. Jetzt würde mich konkret interessieren: Welche Maßnahmen wollen Sie konkret setzen, um einerseits das Vertrauen der Ärzteschaft in das System wiederherzustellen und andererseits eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung zu garantieren? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bitte, Herr Stadtrat. Amtsf. StR Peter Hacker: Wie richtig gesagt wird: Das Gesundheitssystem steht vor riesigen Herausforderungen. Das gilt nicht nur für Wien, sondern das gilt für ganz Österreich und für ganz Europa. Wenn wir uns ein bisschen genauer mit den Fakten beschäftigen, dann stellen wir fest, dass wir zu den Bundesländern mit der besten Personalausstattung von allen Bundesländern in unserem Spitalssystem gehören. Das gilt sowohl für die öffentlichen Spitäler als auch für die Fondsspitäler. Gleiches gilt für die Ausstattung mit Pflegepersonal und für die Ausstattung mit medizinisch-technischen Diensten und sonstigen Services, die wir brauchen. Das fängt bei den Technikern an und geht über die AssistentInnen in den unterschiedlichen Bereichen weiter. Grundsätzlich sage ich: Ja. Wir haben fraglos noch nicht alle Probleme gelöst. Das steht zweifelsohne außer jeder Diskussion. Trotzdem sind wir aber im Vergleich zu vielen anderen in einer ganz anderen Situation. Wir brauchen uns das nur anzuschauen: Wo sind nach Abschluss des Studiums die Bewerber für Ausbildungsplätze? - Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann hat man das Gefühl, dass jeder Absolvent eines Medizinstudiums in ganz Österreich sich zuerst einmal in Wiener Spitälern für die Ausbildung anmeldet. Das ist eine Situation, die wir in Wien im Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern haben. In diesem Zusammenhang gibt es ja dann auch Diskussionen über die Frage: Wie kann man überhaupt die Ausbildung in einem gesamten Bereich aufrechterhalten? Eine ganz andere Herausforderung ist aber natürlich die Frage der Wechselwirkung zwischen dem stationären und dem ambulanten System. Und da haben Sie vollkommen recht. In den letzten Jahren hat es da einen dramatischen Rückgang gegeben, das wissen wir aus den Statistiken. Wir können auch nachschauen, wann dieser Rückbau des ambulanten Versorgungssystems in Österreich stattgefunden hat: Wir können sogar die Jahreszahlen festmachen, wenn man sich die Statistik, die von der GÖG jedes Jahr vorgelegt wird, genau anschaut. Dann kommt man nämlich drauf: Dieser Rückbau hat im Jahr 2019 begonnen und hatte dramatische Auswirkungen in Form eines Rückgangs von minus zwölf beziehungsweise in Wien von minus 14 Prozent der niedergelassenen Versorgungsleistungen trotz steigender Bevölkerungszahlen in unserer Stadt. Daran haben wir, glaube ich, sehr intensiv gearbeitet und haben dagegen gelenkt. Wir haben in der Zwischenzeit eine hervorragende Zusammenarbeit sowohl mit der Österreichischen Gesundheitskasse als auch mit der Ärztekammer zum Ausbau der dezentralen Gesundheitszentren unserer Stadt. Wir haben in der Zwischenzeit schon weit über 65 solcher dezentralen Gesundheitszentren quer durch die Landschaft der unterschiedlichen Behandlungsformen. Das gilt für die Kindermedizin - zu diesem Punkt kommen wir bei der nächsten Anfrage -, das gilt für die Frage der Allgemeinmedizin, das gilt aber auch für spezifische Fachthemen, angefangen bei der Diabetes- Ambulanz und all den Bereichen, die gerade in der Entwicklung sind. Das kennen Sie ja aus der Gesundheitsplattform. Ich glaube also, wir können mit Fug und Recht behaupten: Wir stemmen uns dagegen, dass die Versorgungssituation immer schlechter wird. Das haben wir nachweislich schon getan. Wir spüren bereits in etlichen Bereichen, dass die Versorgungsleistungen besser geworden sind, weil wir mit den dezentralen Gesundheitszentren einen ganz wichtigen neuen Player in der Versorgung unserer Bevölkerung geschaffen haben. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Frau GRin Korosec, bitte. GRin Ingrid Korosec (ÖVP): Guten Morgen, Herr Stadtrat! Danke für Ihre bisherigen Ausführungen. Ich würde sagen: Das Spitalskonzept in Wien ist eine unendliche Geschichte, denn wir sind da bereits seit mehr als zwanzig Jahren dran. Das war nicht Ihre Verantwortung. An sich war aber einmal geplant, dass 2030 alles abgeschlossen sein wird, jetzt sind wir bereits bei 2040. Sie haben völlig richtig erwähnt, dass Sie bereits im Jahr 2022 völlig richtig gesagt haben, dass das nicht zu halten sein wird auf Grund der Situation, die ja absehbar war. Im Hinblick darauf frage ich mich allerdings: Warum hat man nicht schon 2022 begonnen, entsprechende Veränderungen vorzunehmen. Inzwischen sind schon wieder drei Jahre vergangen, und inflationsbedingt kostet es natürlich mehr, und organisatorisch kostet es auch wieder mehr. So kommt etwa im 3. Bezirk ein Neubau. Sie haben aber jetzt vor, was natürlich notwendig ist, OP-Säle herzurichten und Stationen zu aktivieren und zu verbessern. Das wird dann aber wieder hinfällig sein, und das verursacht Zusatzkosten. Sie werden nun wahrscheinlich sagen, dass das Kaffeesudlesen ist, ich nehme aber an, in irgendeiner Form wird das jetzt schon berechnet werden, welche Zusatzkosten in den nächsten Jahren entstehen können, weil eben der Bau nach hinten gestellt wird. Kann man das in irgendeiner Form abschätzen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bitte, Herr Stadtrat. Amtsf. StR Peter Hacker: Nein. Die Zusatzkosten durch die Verschiebung könnte man wahrscheinlich mit einer sozusagen high sophisticated Risikoabschätzung theoretisch berechnen. Das bringt uns aber nicht weiter. Faktum ist, wie von Anfang an klar war, dass wir die gesamte Sanierung, die wir in unseren Spitälern vornehmen, bei Vollbetrieb machen. Wir stellen ja nicht neue Spitäler auf die grüne Wiese und übersiedeln, wenn diese fertig sind und reißen die alten Gebäude weg. Vielmehr wissen Sie ganz genau, dass wir diese Transformation bei laufendem Vollbetrieb durchführen. Das ist natürlich doppelt oder dreifach mühsam, doch wir können nicht noch irgendwo ein Spital hinstellen. Die Flächen haben wir nicht, die Anbindung haben wir nicht, die Infrastruktur, die dazu technisch notwendig wäre, haben wir nicht. Das wäre also wirklich ein ziemlich riesiger und am Ende des Tages verlorener Aufwand. Wir führen diese Transformation, wie gesagt, bei laufendem Betrieb durch, und das bedeutet, dass wir innerhalb der Bauphasen auch Zwischenphasen haben. Das zeigt sich in der Detailplanung. Sie kennen diese, denn wir haben das ja präsentiert. Und wenn Sie alle miteinander Lust haben, können wir gerne wieder einmal in einer Zwischenphase im Ausschuss zeigen, wo wir gerade in dieser Transformation stehen. Wir siedeln teilweise Abteilungen ab, die dann in Zwischenbauten untergebracht und in diesen Zwischenbauten zehn Jahre verbleiben werden. Im Lauf dieser zehn Jahre wird in der Zwischenzeit ein neues Gebäude errichtet. Es gibt da teilweise ein richtiges Schachtelsystem wie zum Beispiel in der Klinik Favoriten - und auch in der Klinik Ottakring und auch in der Klinik Hietzing wird das ähnlich sein. Dort haben die Detailplanungen für den Aufbau des langgestreckten Zentralbaus. schon begonnen. Diese Planungsveränderungen finden laufend statt. Wir haben eine eigene Gesellschaft gegründet, die sich mit nichts anderem beschäftigt als mit der laufenden Adaptierung der Planung. Ich habe, wie gesagt, kein Problem damit. Wir haben jetzt Phasen hinter uns, in denen wir uns mit solchen Details nicht im operativen Sinne beschäftigt haben. Wenn es im Ausschuss aber einen Bedarf dafür gibt, bitte ich, die entsprechenden Vorschläge bei meiner Vorsitzenden zu sammeln. Ich habe kein Problem damit, dass wir wieder einen Termin vereinbaren, bei dem der WIGEV die Details der derzeitigen Planungsstände mit Ihnen analysieren kann. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Herr Stadtrat. Damit ist die 1. Anfrage beantwortet. Die 2. Anfrage (FSP-1382416-2025-KFP/GM) wurde von Frau GRin Schütz gestellt und ist ebenfalls an den Herrn Amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Sport gerichtet. In dieser Anfrage geht es um die Schulärzte an den Wiener Schulen. (Die wachsende Versorgungslücke an Wiener Schulen wird zunehmend zum Problem für das Gesundheitswesen. Derzeit teilen sich in Wien gerade einmal 141 Schulärzte die Verantwortung für rund 264 000 Schüler. Mehr als 130 Schulen mit zusammen über 35 000 Kindern sind komplett ohne regelmäßige ärztliche Betreuung. An Bundesschulen ist eine Schularztstunde pro 60 Schüler vorgesehen, in Wiens Pflichtschulen käme man - bei vollständiger Besetzung - gerade einmal auf eine Stunde pro 100 Schüler. Was sind die Gründe für diese Unterversorgung?) Ich bitte um Beantwortung. Amtsf. StR Peter Hacker: Herr Vorsitzender, Frau Abgeordnete! Ich glaube, grundsätzlich gibt es hinsichtlich Ihrer Fragestellung möglicherweise ein Missverständnis. Ich glaube zumindest, dass es ein Missverständnis gibt, weil Ihre Frage lautet, dass die Versorgungslücke an den Wiener Schulen zum zunehmenden Problem für das Gesundheitswesen wird. Auf Grund dieser Frage glaube ich, dass es ein Missverständnis über die Aufgabe und Rolle von Schulärzten gibt. Schulärzte und Schulärztinnen haben eine zentrale Aufgabe: Sie haben zu beurteilen, ob Kinder auf Grund einer Erkrankung oder Behinderung in der Lage sind oder nicht in der Lage sind, am Unterricht teilzunehmen. Das ist die Hauptaufgabe laut Gesetz für Schulärzte. Man kann darüber trefflich diskutieren, ob das noch modern ist. Ich gehöre zu denen, die der Meinung sind: Nein. Das gehört längst verändert. Das wurde aber nicht verändert. Das ist ein Bundesgesetz. Wir können das als Landesgesetzgeber oder schon gar nicht im Wiener Gemeinderat verändern. Es ist nach wie vor die Vorgabe als zentrale Aufgabe für Schulärztinnen und Schulärzte, diese Feststellung zu machen. Daher treffen Schulärzte keine Entscheidungen über Behandlungen, Schulärzte treffen auch keine Entscheidungen über Diagnosen, sondern Schulärzte stellen auf Grund ihres Könnens fest, dass möglicherweise ein Problem besteht, ob gesundheitlicher Natur oder durch eine Behinderung, und sprechen entsprechende Empfehlungen aus. Sie wissen auch, dass es Reihenuntersuchungen gibt. Diese werden statistisch noch nicht österreichweit erfasst, und schon gar nicht erfolgt diese Erfassung zum Beispiel in der elektronischen Gesundheitsakte, damit behandelnde Ärzte weiterarbeiten können. All das findet nicht statt. Ja, wir haben nicht alle Dienstposten besetzt, da stimme ich Ihnen zu. Das ist gar kein Geheimnis, ich mache kein Geheimnis daraus, und es gibt auch kein Geheimnis daraus zu machen. Es gibt zu wenige Ärztinnen und Ärzte, die sich für diese Aufgabe interessieren. Meine persönliche Meinung dazu: Bei diesem Jobprofil wundert mich das, ganz offen und ehrlich gesagt, auch nicht. Wir warten schon seit vielen Jahren auf eine grundlegende Reform dieses gesamten Sektors des öffentlichen Ärztewesens, um es einmal so zu bezeichnen. Eine solche Reform hat aber leider nicht stattgefunden, und daher sind wir ganz einfach in der Situation, dass wir ein Jobprofil haben, das 100 Jahre oder älter ist. Ich schätze, dass es noch auf das Reichshygienegesetz des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Dieses Gesetz ist in einigen Fragmenten skurrilerweise nach wie vor in Kraft, und daher bin ich auch nicht besonders bedrückt durch diese Situation, denn wenn es um die Gesundheit der Kinder geht, geht es um ganz andere Maßnahmen. In diesem Sinn haben wir zum Beispiel gemeinsam mit unserem Koalitionspartner aus einem Modellprojekt, nämlich dem der School Nurses, eine großartige Sache gemacht, bei der wir laufend in der Ausrollung sind und laufend neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult werden, um in diesen School Nurses-Dienst einzusteigen. Und wenn wir sozusagen in die Schulen hineinhorchen, dann hören wir, dass die Lehrerinnen und Lehrer genauso wie die Kinder und die Eltern echt begeistert sind. Mein Problem dabei ist nur, dass der Bedarf wesentlich größer ist, als wir School Nurses produzieren können. Daher muss man viel geduldiger sein, als wir eigentlich auf geduldig sein Lust haben. Das ist aber ein gutes Beispiel dafür, wie wir die Gesundheitssituation, die Beratung, die Unterstützung und die Begleitung von Kindern an unseren Schulen verbessern können. Last not least gehört in diesem Kontext natürlich auch unser - wie ich meine - hervorragendes Projekt für die Begleitung beziehungsweise Unterstützung der Schule als Gesamtsystem durch die multiprofessionellen Teams erwähnt, die wir an vielen Schulstandorten zur Unterstützung bei psychosozialen Krisen und psychosozialen Schwierigkeiten zur Verfügung stellen. Im Rahmen dieses Projekts sind insgesamt 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - fairerweise erwähne ich, dass es 36 Vollzeitäquivalente sind - an vielen Standorten in unseren Schulen unterwegs. Wenn es um die Gesundheitsversorgung, also um die Behandlung von Kindern geht, sollte man eher noch schauen, wie denn die niedergelassene Versorgung ausschaut. Ich mache das jetzt nur ganz kurz, ich habe es bei der vorigen Frage schon gesagt: Wir hatten wirkliche Probleme in ganz Österreich und auch in Wien mit einer ganz schlechten kinderärztlichen Versorgung. Ich glaube, wir können echt stolz sein, dass wir in Wien in der Zwischenzeit neun Kinder-Primärversorgungszentren haben. Wir haben lange gekämpft dafür, dass die Primärversorgungszentren nicht nur für Allgemeinmedizin, sondern auch für Kindermedizin definiert wurden. Wir haben lange darum gekämpft, dass es dafür auch einen Vertrag zwischen der Krankenkasse und der Ärztekammer gibt. All das ist uns in Wien gelungen. Der Grund dafür ist, dass wir in einer guten Kooperation, wie ich vorher schon gesagt habe, mit der Kasse und mit der Ärztekammer beim Ausbau dieser dezentralen Zentrumsstruktur sind. Wir haben in der Zwischenzeit neun Kinder-Primärversorgungszentren in unserer Stadt plus zwei zusätzliche Kindergesundheitszentren, die Ambulatorien sind. Diese neun Zentren sind, wie gesagt, hier in Wien, und insgesamt gibt es 14 in ganz Österreich. Damit komme ich noch einmal ein bisschen zur vorigen Frage. Wir haben neun Kinderambulatorien in Wien, in ganz Österreich gibt es 14. Ich glaube, das ist ein guter Beweis dafür, dass wir uns sehr anstrengen, diese dezentrale Gesundheitsstruktur aufzubauen und dass wir da wirklich erfolgreich sind. Das ist eigentlich der wichtige Teil im Zusammenhang mit der Frage: Wie geht es den Kindern, und haben wir eine gute Gesundheitsversorgung? - Von Mediatoren in den Spitälern höre ich, dass man bereits wirklich spürt, dass wir die Möglichkeit für kindermedizinische Untersuchungen und Behandlungen definitiv verbessert haben in unserer Stadt. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 1. Zusatzfrage kommt von GRin Schütz. - Bitte schön. GRin Angela Schütz, MA (FPÖ): Vielen Dank für die Beantwortung dieser Frage. Ich meine aber, man sollte den Aufgabenbereich der Schulärzte nicht einfach so abtun, weil das eine wichtige Institution ist. Daher sollte man diesbezüglich das Licht nicht unter den Scheffel stellen. Die Schulärzte haben Verantwortung für Untersuchungen und auch für die Beratung von Lehrern in Fragen von Gesundheitsproblemen. Sie schulen die Lehrer in Bezug auf Erste Hilfe. Sie betreuen chronisch Kranke, wenn es notwendig ist. Sie sind oft Ansprechpartner für psychisch kranke Kinder. Gerade in diesem Bereich haben wir einen starken Anstieg, den man nicht leugnen kann. Es geht in diesem Zusammenhang um Bewegungsmangel, um gesunde Ernährung, um den problematischen Medienkonsum, im Hinblick worauf die Zahl der psychisch auffälligen Kinder eher steigt. Daher meine Frage: Welche Maßnahmen werden Sie konkret setzen, damit wieder mehr Schulärzte in den Schulen tätig werden? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bitte, Herr Stadtrat. Amtsf. StR Peter Hacker: Ich glaube, es ist Ihnen jetzt ein rhetorisches Hoppala passiert, denn nicht wegen der Schulärzte steigen die psychischen Belastungen von Kindern. Ich sage es noch einmal, und so war es zu verstehen: Es war das nicht eine Kritik an den Schulärzten, das lasse ich mir nicht unterstellen, aber vielleicht war ich unpräzise oder undeutlich, in diesem Fall nehme ich das auf meine Kappe. Ich kritisiere, dass in der Gesetzgebung hinsichtlich der Definition der Aufgabe von Schulärzten nichts weitergegangen ist. Ich habe schon mit Ministerin Hartinger darüber diskutiert, dass wir eigentlich ein modernes Jobprofil brauchen. Es ist seither aber gar nichts passiert. Wir haben nach wie vor keine Veränderungen der Definition, was ein Schularzt ist. Die Erwartungshaltung der Eltern wäre eigentlich - und ich verstehe das auch -, dass der Schularzt eine ähnliche Funktion hat wie ein Betriebsarzt in einem großen Betrieb. Diese Funktion hat der Schularzt aber nicht. Wir haben nicht einmal eine gemeinsame Datenbank, in welche die Erkenntnisse von Messen und Wiegen einfließen, geschweige denn, dass die Tätigkeit der Schulärzte ans elektronische Gesundheitssystem ELGA angebunden ist. Der niedergelassene Kinderarzt beziehungsweise der niedergelassene Facharzt hat also überhaupt nichts von den Erkenntnissen des Schularztes, außer wenn er einen Zettel bekommt, den die Eltern geschrieben haben oder den der Schularzt den Eltern gegeben hat. Das halte ich für ein System, das zu reformieren ist. So war meine Kritik zu verstehen. Es war dies keine Kritik an den Schulärztinnen und Schulärzten, sondern meine kritische Feststellung, dass wir ein modernes Jobprofil brauchen. Wenn wir wollen, dass in diesem Zusammenhang tatsächlich erste Schritte in Richtung Diagnostik und Behandlung stattfinden, dann wird man darüber diskutieren müssen, das Jobprofil von Schulärztinnen und Schulärzten grundlegend zu überarbeiten. Ich bin froh, dass gerade in Wien die Schulärzte an den Pflichtschulen - im Gegensatz, zu meinem Ärgernis, zu den Schulärzten an den Bundesschulen - wenigstens darauf schauen und sich wirklich großartig dafür anstrengen, dass unsere Kinder in den Schulen gut durchgeimpft sind. Insofern machen sie einen großartigen Job. Dafür haben wir als einziges Bundesland selbst gesorgt. Das ist also nicht geschehen, weil es vom Bund vorgegeben wurde, geschweige denn Vorkehrung dafür getroffen wurden. Wir achten außerdem auch noch darauf, dass alle Impfungen im elektronischen Impfservice, das es in unserer Republik gibt, eingetragen sind. Das, was unsere Schulärzte machen, ist ganz großartig. Ich möchte, wie gesagt, nicht missverstanden werden, und daher sage ich noch einmal in aller Deutlichkeit: Ich vermisse die Weiterentwicklung eines modernen Jobprofils für Schulärztinnen und Schulärzte in unserer Republik. Das ist das, was ich vermisse. Und ich bin überzeugt davon, dass wir, solange es nicht gelingt, ein modernes Jobprofil zu erstellen, nicht genügend Ärzte finden werden, die sagen: Das ist aber ein spannender Job, den möchte ich gerne machen! Das ist unser Problem. Wir haben in diesem Bereich ja unbesetzte Dienstposten. Es könnte jederzeit jemand anfangen, aber das interessiert die Leute nicht. Und ich füge hinzu, dass ich das bis zu einem bestimmten Grad auch verstehe. Es ist cool, mit Kindern zu arbeiten, überhaupt keine Frage. Wenn man aber letztlich eine zehn- bis zwölfjährige Ausbildung als Ärztin oder Arzt hat und dann nur messen und wiegen und in den Mund schauen darf, dann erhebt sich, ehrlich gesagt, die Frage: Was ist an diesem Job prickelnd? Deswegen glaube ich, dass wir eine Veränderung brauchen. Ich würde mich freuen, wenn diesbezüglich ein Ruck durch die Republik geht, weil das eine nationale Aufgabe ist. Das können wir auf Landesebene - wie ich noch einmal betone - leider nicht lösen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Herr GR Zierfuß bitte. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrter Herr Stadtrat! Wir haben jetzt viel gehört über Pilotprojekte mit School Nurses, die an einigen Schulen beziehungsweise an einigen wenigen Schulen, wie man sagen muss, aktiv sind. Wir haben auch viel gehört über die Aufgaben, die Schulärzte haben. Ich möchte aber doch noch einmal hervorheben: Die Aufgabe der Stadt ist nach § 45 Wiener Schulgesetz, dass jede Schule mit einem Schularzt versorgt ist, der für diese Schule bestellt ist. Wir hatten im Jahr 2018 zu Ihrem Amtsantritt 67 Schulärzte, jetzt sind es 42 Schulärzte für 450 Pflichtschulen, also in Wahrheit ist weniger als ein Arzt für zehn Schulen bestellt. Man kann natürlich darüber streiten, welche Aufgaben es gibt und was das Ganze spannender macht. Sie haben jetzt aber die Frage von Frau Kollegin Schütz nicht beantwortet. Welche Maßnahmen setzen Sie konkret hier in der Stadt, dass wir wieder mehr Schulärzte für die Wiener Pflichtschulen haben? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Stadtrat, bitte. Amtsf. StR Peter Hacker: Wenn Sie jetzt schon ganz präzise aus dem Gesetz zitieren, dann sollten Sie aber auch nicht irgendwie vermitteln wollen, dass das bedeutet, dass in jeder Schule ein Schularzt seinen Hauptarbeitsplatz hat. - Okay. Diesbezüglich sind wir uns einig. In aller Klarheit: Alle Schulen in Wien haben einen Schularzt zur Verfügung, ganz im Sinne des Gesetzes, und in allen Schulen stehen die Schulärzte zur Verfügung. Unser Problem ist - das sage ich, wenn ich jetzt auch keine große Schleife ziehen und mich wiederholen möchte -, dass das Jobprofil im Augenblick nicht attraktiv genug ist. Wir bemühen uns, wir geben ständig Ausschreibungen hinaus, das können Sie nachlesen. Gemäß Wiener Dienstrecht werden ständig Schulärztinnen und Schulärzte gesucht. Faktum ist aber: Es meldet sich niemand. Und das können wir jetzt nicht wegdiskutieren mit dem Zitieren von Paragrafen, sondern da werden wir uns der Problemstellung als solcher widmen müssen. Und in diesem Zusammenhang geht es um die Frage, wie interessant der Job einer Schulärztin oder eines Schularztes ist. Und auf Grund dessen, dass wir für die School Nurses ein modernes Profil geschaffen haben, weil das nicht durch den Bundesgesetzgeber definiert worden ist, und weil wir für die psychosozialen Teams keine bundesgesetzlichen Vorgaben hatten, sondern selbst gestalten konnten, haben wir in diesen beiden Bereichen zur Verbesserung der Gesundheitssituation unserer Kinder an den Schulen keine Probleme, Personal zu finden. Ganz im Gegenteil! Bei den Schulärztinnen und Schulärzten haben wir hingegen bundesgesetzlichen Vorgaben. Es ist aber nicht wegzudiskutieren: Man wir an dem Jobprofil arbeiten müssen so wie überall in der ganzen Wirtschaft, wurscht ob in der Profit-Wirtschaft oder in der Non-Profit-Wirtschaft. In Zeiten, in denen sich die Menschen die Jobs aussuchen können, geht es auch um die Frage, wie attraktiv und wie interessant der Job ist, und nicht nur um die Frage, wie viel Gehalt es gibt. Es geht auch um die Frage des Inhaltes. Ich sage es noch einmal: Es handelt sich derzeit um messen, wiegen, in den Mund schauen, ohne auch eine Diagnose stellen zu dürfen. Es geht also nicht darum, eine Diagnose nicht stellen zu können, sondern nicht zu dürfen. Und unter diesem Aspekt kann ich verstehen, dass das für viele Ärztinnen und Ärzte kein attraktives Angebot ist. Daher brauchen wir eine Weiterentwicklung des Jobprofils. Es wird mich freuen, wenn wir hier, vielleicht über die Fraktionen hinweg, einen Schulterschluss für ein neues Jobprofil unserer Schulärztinnen und Schulärzte zusammenbringen. - Danke. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Huemer, bitte. GRin Mag. Barbara Huemer (GRÜNE): Schauen wir, ob ich das Mikro jetzt richtig eingestellt habe. Vielen Dank für die bisherigen Ausführungen. Ich glaube aber, wir sollten uns alle einig sein, dass der Bereich der Schule oder auch des Elementarkindergartens sehr wichtig ist für die Entwicklung der Gesundheitskompetenzen der Kinder - und zwar auch präventiv und vorsorgend. Wir sind jedoch von unserer beziehungsweise von meiner Wunschvorstellung und der Wunschvorstellung der GRÜNEN weit entfernt, dass es überall multiprofessionelle Gesundheitsteams geben soll. Sie haben die School Nurses angesprochen. Wenn ich mich recht entsinne, haben 40 School Nurses im laufenden Schuljahr 2025/26 ihren Dienst angetreten. Sie haben in Ihrer Beantwortung gesagt, dass das laufend ausgebaut wird. Daher frage ich: Was ist denn dann der nächste Benchmark, wenn jetzt schon 40 Personen ihren Dienst machen? Wohin geht die Reise? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Stadtrat, bitte. Amtsf. StR Peter Hacker: Wir müssen jetzt einmal diesen Dienst in dieser Dimension stabilisieren. Es finden ja laufend Ausbildungen statt. Ich glaube, diese Woche hat wieder ein neuer Kurs für zwölf KandidatInnen begonnen, die gesagt haben, dass sie das gerne machen würden. Und sie wissen, dass sie dafür auch eine Ausbildung brauchen. Ich glaube also, es geht darum, in den nächsten ein, zwei Jahren einmal diese Dimension zu stabilisieren und auch zu überprüfen, ob man am Konzept irgendwie nachjustieren muss. Das ist ja ein junges Konzept, und es ist auch ein freches Konzept, das ich cool finde. Und dann werden wir schauen, wie die budgetäre Situation ist, damit wir noch weiter ausbauen können. Da wird es Wechselwirkungen geben müssen. Auf der einen Seite haben wir ein inhaltliches Konzept und brauchen wir inhaltliche Änderungen. Ich bin im Augenblick durchaus überzeugt von dem Konzept, will aber nicht ausschließen, dass man draufkommt, dass man das oder jenes anders machen sollte. Gleichzeitig geht es natürlich auch um die Frage von budgetären Rahmenbedingungen, überhaupt gar keine Frage. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Herr Stadtrat. Damit ist die 2. Anfrage beantwortet. Die 3. Anfrage (FSP-1235970-2025-KSP/GM) wurde von Herrn GR Worotynski gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Kultur und Wissenschaft gerichtet. In dieser Frage geht es um Kulturangebote für Wiener Kinder und Jugendliche. (Sehr geehrte Frau Stadträtin! In Wien hat vor wenigen Wochen die Schule für über 250 000 SchülerInnen begonnen. Welche Kulturangebote finden die Wiener Kinder und Jugendlichen in den Kultureinrichtungen der Stadt Wien und jenen, die von der Gemeinde Wien gefördert werden, vor?) Schönen guten Morgen, Frau Stadträtin. Ich bitte um Beantwortung. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Ich wünsche einen schönen guten Morgen Ihnen allen, die hier analog versammelt sind, allen Kolleginnen und Kollegen, Ihnen, Herr Bürgermeister, Ihnen, Herr Vorsitzender, allen Gemeinderäten und natürlich auch allen, die am Livestream zuschauen. Ich danke für die Frage, Herr Worotynski. Sie dreht sich um die Wiener Kinder. Ich wiederhole diese: "In Wien hat vor wenigen Wochen die Schule für über 250 000 SchülerInnen begonnen. Welche Kulturangebote finden die Wiener Kinder und Jugendlichen in den Kultureinrichtungen der Stadt Wien und jenen, die von der Gemeinde Wien gefördert werden, vor? Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich habe, Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen, denn es gibt eine unglaublich große Fülle an Institutionen die ein ganz starkes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche legen. Zuallererst möchte ich das Wien Museum erwähnen. Dieses ist eine der wichtigsten Institutionen der Stadt Wien. Seit dem Vollbetrieb dieses renovierten und neu gestalteten Museums im Jahr 2024 wurden bereits über 2 100 Führungen und Workshops gebucht - und zwar der Großteil davon für SchülerInnen. Insgesamt wurden 17 000 Kinder und Jugendliche hier betreut. Dazu kommen aber auch Sonderprojekte in Kooperation mit "Jugend am Werk" beziehungsweise ein Projekt, das ich auch für zukunftsweisend erachte. Es nannte sich "Komm mal klar!" Dabei wurden jüdische und muslimische Jugendliche ins Gespräch gebracht. Gott sei Dank geschah das außerhalb aktueller politischer Themen, die alle beschäftigen. Vielmehr ging es da wirklich um Fragestellungen wie: Wie stellst du dir gemeinschaftliches Leben in Zukunft vor? Was ist dir wichtig? Welche Prioritäten setzt du? - Es war dies wirklich ein wunderbares Ereignis, bei dem ich auch dabei sein konnte. Die Jugendlichen haben dann auch gemeinsam eine kleine Ausstellung in diesem Project Space miteinander konzipiert. Natürlich gilt unser Augenmerk trotz Sparthematiken auch ungebrochen der Entwicklung eines zentralen Leuchtturmprojektes in den kommenden Jahren, nämlich des Zentrums für Kinderkultur in Floridsdorf. In dem AMS- Gebäude, das jetzt sozusagen entweidet wurde, wird im Rahmen einer guten Nachnutzung ein zentraler Ort für Kinder entstehen, wo Wissenschaft, Kultur, Kunst aber auch Literatur in verschiedensten Sprachen Platz haben wird. Es wird dies also auch ein Kinderliteraturhaus sein. Wie Sie alle gehört haben, musste die Eröffnung aber etwas verschoben werden, weil es auf Grund der Situation der öffentlichen Verkehrsmittel hier auch zu einem verschobenen Baubeginn kommt und dadurch natürlich der ganze Zeitplan in der geplanten Form nicht gehalten werden kann. Der Baubeginn soll sich jetzt auf das Frühjahr 2026 verschieben, und im Herbst 2028 sollten wir so weit sein, das Zentrum für Kinderkultur auch wirklich eröffnen zu können und die Tore weit aufzumachen. Es gibt nicht nur Projekte für Schülerinnen und Schüler, sondern es gibt auch Projekte für Lehrlinge, zum Beispiel das Projekt GO.FOR.CULTURE von Basis.Kultur, in dessen Rahmen es wirklich maßgeschneiderte Angebote gibt, um Jugendlichen Zugänge und auch Bezüge zu Wiener Kultureinrichtungen zu eröffnen. - Ich glaube, genau diese physische, sinnliche Erfahrung und das Kennenlernen wirken viel stärker als nur eine Lecture oder irgendeine Vorlesung über Einrichtungen, die wir in der Stadt haben. Diese Prozesse setzen sich in vielen Bereichen fort. Es wird auch mit Lehrlingsbetrieben und Wiener Kulturbetrieben zusammengearbeitet. Es gibt Workshops im Bereich des OeAD, der Österreichischen Agentur für Bildung und Internationalisierung. Insgesamt haben wir dort bereits 20 Module mit insgesamt 200 TeilnehmerInnen umgesetzt. 2025 gibt es Arbeiten mit der Künstlergruppe Gelatin, mit den Symphonikern, mit der Musik-Uni, mit dem Fotoarsenal, mit dem Kunsthaus, mit dem Künstlerhaus und mit der Kunsthalle. Es machen sich also alle Institutionen, für die ich verantwortlich bin, auf den Weg, um verstärkt auch Jugendliche und Kinder zu sensibilisieren und ihnen Lust auf Kunst und Kultur zu machen. Aber auch in der Wissenschaft gibt es Modelle, die ich wirklich schön finde. Diese arbeiten seit einigen Jahren fantastisch, etwa der Verein ScienceCenter-Netzwerk. Diese Vereine bringen in ihrem Wissensraum niederschwellig in die Grätzeln kostenlose Angebote zum Ausprobieren von Wissenschaft und Technik direkt sozusagen vor die Haustür - und zwar oft auch in sozial benachteiligten Bezirken. Wir hatten einmal im Donauzentrum mitten in der Einkaufsmeile einen Stand, und es war wirklich erfreulich wie stark das angenommen wurde. Es werden Formate ohne Anmeldung geboten. Man kann dort also wirklich vorbeikommen und daran teilnehmen - und zwar bei der Wissenschaftswerkstatt ab acht Jahren oder bei der DIGI-Werkstatt, wo einfach mit digitalen Medien umgegangen wird, ab zehn Jahren. Ein weiteres Projekt im Bereich der Wissenschaft ist das Vienna Open Lab im Vienna Biocenter. Das ist Österreichs erfolgreichstes Hands-on-Labor. Ich empfehle, dort wirklich einmal einen Besuch zu machen, man kann da nämlich sogar die eigene DNA ermitteln. Es ist wirklich unglaublich, was man dort vor Ort machen kann. Es gibt natürlich Workshops für Volksschulen, Oberstufen und natürlich auch für Lehrkräfte. Man kann dort pipettieren, DNA ermitteln, Mikroskopie erlenen. Dabei gibt es ungefähr 13 000 TeilnehmerInnen pro Jahr und insgesamt 150 000 BesucherInnen. Das war der Stand vom Juni. Für Wiener Schulen ist das auch über die Wiener Bildungschancen buchbar. Ganz neu seit dem 1. Juli 2025 gibt es an der MedUni Wien das LBI SOAP. Dieses betreibt Citizen Science mit jungen WienerInnen und verbindet Forschung, Citizen Science und Wissenschaftsvermittlung - und zwar auch zur Stärkung der Gesundheits- und Wissenschaftskompetenz der Bevölkerung. In diesem Zusammenhang sind auch die Einbindung und das Partizipieren, also das selbstständige Erlernen, eine zentrale pädagogische Säule. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Die 1. Zusatzfrage kommt von der SPÖ. - Herr GR Worotynski, bitte. GR Filip Worotynski, MA (SPÖ): Ich danke schon einmal für die Beantwortung und möchte gerne auch noch weiter nachfragen. Das geschilderte Angebot ist ja recht breit gefächert. Was tut die Stadt Wien, um die Zugänglichkeit für junge Menschen zu gewährleisten? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bitte, Frau Stadträtin. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Neben den bereits besprochenen Konzepten gibt es auch völlig neue Konzepte, die gerade Jugend- und Klubkultur in den Fokus nehmen. Wir haben eine Gruppe, die nach Corona durchaus Schwierigkeiten hatte, wieder in angestammte Orte der Klubkultur zu gehen. Die Jugendlichen haben sich teilweise angewöhnt, sich auf der Donauinsel oder sonst irgendwo hinzustellen und dann halb legale Raves zu planen. Manchmal gab es natürlich von AnrainerInnen Beschwerden, das ist klar. Jetzt haben wir aber etwas gemeinsam gefunden: Wir nennen das "Free Spaces 2025". Das ist ein Projekt der Vienna Club Commission und wurde von der Stadt Wien entwickelt. Es ist dies eine konsumfreie Zone für Klubkultur und auch ohne AnrainerInnen-Beschwerden. Das ist fantastisch. Ich war selbst als quasi den Altersdurchschnitt wesentlich stark hebende Person dort, und ich habe mich darüber gefreut, wie stark der Zulauf war. Es hat um 16 Uhr schon begonnen, und es war wirklich unter dieser Donaubrücke alles gerammelt voll. Das ist ein so ein guter Ort, weil dort eben diese Jugendkultur ermöglicht wird, ohne dass es größere Probleme gibt. Es war dies zuerst einmal ein Pilotprojekt, und dann haben wir das verbessert. Es konnten gemeinsam mit meinem Kollegen Jürgen Czernohorszky auch WC-Anlagen der MA 48 zur Verfügung gestellt werden. Wir konnten die Sperrstunde auf 24 Uhr ausweiten. Es wurden ganz einfach auch behördliche Genehmigungen vereinfacht. Die Stromversorgung wurde von der Stadt zur Verfügung gestellt Dadurch trägt sich das auch. Es gibt sonst keine Fördermittel, sondern diese Klubs sind sehr stark einnahmenseitig ausgelegt. Wir haben eine kleine Förderung von 3 000 EUR sozusagen als Anschub gegeben, das ist aber wirklich pro Klub sehr, sehr wenig. Das ist nicht kostendeckend. Die Verantwortlichen müssen also schauen, wie sie dazu kommen. Man arbeitet mit freien Spenden, das heißt, sie kommen quasi durch. Hätten sie aber die anderen Kosten für Stromversorgung und WC-Anlagen auch noch zu tragen, dann würden sie nicht auskommen. Insofern war das eine gute Aktion, die, wie ich meine, unbedingt weitergeführt werden muss. Als ich dort war, war gerade eine Delegation aus Amsterdam da, und die Leute haben gesagt: So etwas brauchen wir auch in Amsterdam.- Schauen wir einmal, unter welcher Brücke sie das schaffen, denn die haben ja weniger Platz als wir! Dann haben wir auch noch das Popfest. Das ist natürlich ein wichtiges Ereignis im öffentlichen Raum. Auch das ist Teil einer Gratis-Kultur die wir auch in Sparzeiten hochhalten wollen. Warum? - Weil die Menschen, die nicht die nötigen finanziellen Mittel haben, über diese Gratis-Kultur ganz einfach Teilhabe erfahren. Wir haben eigens auch eine Broschüre gemacht für alle, die an Kultur partizipieren wollen: Ob die Veranstaltungen jetzt in den Sommerkinos oder beim Popfest, also in unterschiedlichen Bereichen oder eben auch im Kultursommer, stattfinden: Das ist wichtiger denn je, denn die Leute haben, wie wir wissen, weniger Geld in der Tasche, und im Hinblick darauf muss eine Stadt diese Grundversorgung auch in der Kultur bereitstellen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Die 2. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Herr GR Mahrer, bitte. GR Karl Mahrer (ÖVP): Schönen guten Morgen, Frau Stadträtin. Der Schulbeginn ist ja immer auch ein Anlass, über Defizite im Bereich der Schule nachzudenken - und zwar jetzt ganz konkret in Ihrem Geschäftsbereich in Kunst und Kultur. Vor allem geht es um das Defizit der Musikschulplätze. Ich danke auch für den Überblick über viele, viele Einzelprojekte, den Sie gegeben haben. Sie haben auch das Wort Grundversorgung genannt, und Grundversorgung besteht auch in einer ausreichenden Anzahl von Musikschulplätzen in den Schulen. Sie wissen es - und Studien belegen es ja -, wenn Kinder und Jugendliche in Kunst, Kultur und Musik ausgebildet und gebildet sind, werden sie einen leichteren Zugang zu Engagement in Kunst und Kultur finden. Wien ist ja bekannt für seine großen musikalischen Leistungen. Wien ist Musikweltstadt, manche sagen, dass Wien Musikwelthauptstadt ist. Wir haben aber zu wenige Musikschulplätze. Und wenn Sie die Entwicklung von 2010 bis heute verfolgen, dann sehen Sie, dass das eine dramatische Entwicklung ist. Viele Kinder finden keinen Platz, wenn sie einen Musikschulplatz suchen. Frau Stadträtin! Sie sind zuständig und verantwortlich für Kunst und Kultur. Meine Fragen lauten: Wie erklären Sie sich diesen Rückgang an Musikschulplätzen in Wien? Welche Maßnahmen treffen Sie im Zusammenwirken mit der für Schulen zuständigen Stadträtin, um im Bereich Kunst und Kultur vor allem die Zahl der Musikschulplätze in Wien wieder zu steigern, sodass jedes Kind in Wien auch die Chance hat, einen Musikschulplatz zu bekommen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Danke, Herr GR Mahrer. Sie wissen, diesbezüglich singen wir seit Jahren im Duett oder Terzett beziehungsweise im Quartett oder im Quintett. Wir alle haben das Thema, dass wir es als große Herausforderung in einer Millionenstadt erkennen, das zu gewährleisten. Das ist völlig klar. Das möchte ich auch gar nicht kleinreden. Wir setzen, was meine Zuständigkeit betrifft, natürlich unterschiedliche Initiativen wie etwa SUPERAR. SUPERAR ist eine fantastische Initiative, die zuerst gar nicht und dann ganz klein gefördert wurde. Wir haben das dann aber sehr groß gefördert. Diese Initiative ist in der Ankerbrotfabrik angesiedelt. Und was tut diese Initiative? - Sie laden Kinder aus Haushalten, wo eben nicht unbedingt ein Musikinstrument greifbar ist oder kulturell andere Instrumente gespielt werden - was auch sein kann - ein, miteinander zu musizieren. Den Rahmen dafür haben wir sehr stark angehoben und werden da trotz Sparplänen nicht zurückschrecken. Denn was bewirkt das? - Dieses gemeinsame Musizieren ist etwas anderes als das einsame Musizieren. Ich habe eine Tochter, die drei Jahre lang Geige spielen gelernt hat, und ich kann sagen: Das einsame Quietschen dieses Instruments ist eine Herausforderung auch für Eltern. (Heiterkeit.) Es ist wirklich ein harter Weg, bis man zu dem Punkt kommt, dass das nach Musik klingt. Das wird aber leichter, wenn man mit anderen spielt und plötzlich auch andere Instrumente mit dabei sind. Und diese Initiative geht so vor: Sie setzen die Kinder von Anfang an zusammen. Am Anfang bekommt man eine Holzgeige oder macht nur einen Takt oder spielt nur eine Saite. Das sind Zukunftsmodelle. Musikinstrumente zu spielen soll anders erlernt werden, als es früher war. Ich habe da viele Ideen - und es mangelt nicht an unser aller Willen. Ich glaube, dass auch die Vizebürgermeisterin durchaus ein Interesse daran hat. Es gibt Modelle, über die wir sprechen werden, mit denen wir in Zukunft vielleicht auch diese Versorgung verbessern können. Es gibt aber leider einen Zusammenhang zwischen Finanz und den Möglichkeiten. Dass das aber notwendig ist, da bin ich vollkommen d'accord mit Ihnen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Holzgeige hätte mich auch begeistert. Die 3. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Berner, bitte. GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE): Guten Morgen. Ich danke für die Vorstellung der vielen Projekte für junge Leute in Wien. Wir freuen uns auch, dass es in diesem Zusammenhang viele gute Projekte in Wien gibt. Ich habe eine spezielle Frage zum Thema Junges Theater Wien. Wir finden es natürlich toll, Junges Theater in die Außenbezirke zu bringen. Im Sinne der Sparmaßnahmen lautet jetzt aber meine Frage: Wird angedacht, dieses Projekt Junges Theater Wien, also outreach, irgendwie mit dem Theater der Jugend zusammenzudenken? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Ich denke, diese Gruppen werden, wenn sie ihre Arbeit gut machen, auf jeden Fall miteinander kooperieren müssen. Ich habe der zukünftigen Leiterin Asli Kislal natürlich in unseren Gesprächen auch mit auf den Weg gegeben, dass wir stärker werden, wenn wir alle Synergien, die es jetzt braucht, besser nutzen. So ist ja auch dieses Junge Theater Wien entstanden, indem wir gesagt haben: Wir fördern Gruppen, die vielleicht nach einer langen Probenzeit sehr oft nur vier-, fünf- oder sechsmal spielen. Sie brauchen ökonomische Ressourcen, Materialien, Zeitressourcen, dann haben sie aber oft keine weitere Spielfläche. Und da wir nicht in jedem Bezirk Wiens ein Kindertheater bauen können - das ist einfach unmöglich -, haben wir gesagt: Wir bringen diese Leute in ein Tournee-System unter Ausnützung aller Räume, die wir finden, ob das jetzt die Volkshochschulen sind oder ob dass das Schloss Neugebäude in Simmering ist. Es werden sehr viele Orte miteinander vernetzt, um die Ressourcen der Künstlerinnen und Künstler bestmöglich auszunutzen. Wir in der Stadt Wien haben ja diesen sozialen Kontrakt. Dabei geht es darum, wirklich für Arbeit zu sorgen, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, und es geht darum, von dieser Arbeit auch länger zu profitieren. Gleichzeitig bringen wir dieses Projekt in fünf Bezirke. Wir hätten das auch gerne noch mehr ausgeweitet, das ist aber in der derzeitigen Lage gar nicht möglich. Die Vernetzung von wichtigen Institutionen, auch zur Hebung der Qualität, ist uns aber ein ganz großes Anliegen. Und ich bin mir ganz sicher, dass sowohl Stephan Rabl als auch Asli Kislal daran arbeiten werden, ein neues Programm für die jungen, kleinen Wienerinnen und Wiener möglichst auch mit Feuer und Engagement zur Verfügung zu stellen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Brucker, bitte. GR Lukas Brucker, MA (FPÖ): Schönen guten Morgen, Frau Stadträtin. Die Wiener Festwochen bieten ja ebenfalls neben ihren Hauptproduktionen ein eigenes Programm für Kinder und Jugendliche. Jetzt ist es aber so, dass der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender deutliche Worte zu den Wiener Festwochen gefunden hat. Er sprach von einer fragwürdigen, künstlerisch irrelevanten und nur durch das städtische Budget noch existierenden Einrichtung. Wie bewerten Sie diese Kritik? Sehen Sie angesichts einer solchen Einschätzung Handlungsbedarf, die Förderpolitik der Stadt in Bezug auf die Wiener Festwochen zu ändern? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Kollege Brucker! Diese Anfrage bezieht sich auf das Kulturangebot für Wiener Kinder und Jugendliche. Die Festwochen stehen meines Erachtens in diesem Zusammenhang nicht sehr stark im Mittelpunkt. Es geht hier um die Förderung für Kinder und Jugendliche und nicht um die Wiener Festwochen. Wenn Sie eine solche Frage stellen wollen, dann bringen Sie diese bitte ein! Ich stelle es aber natürlich der Frau Stadträtin frei, darauf zu antworten, auch wenn das nicht im Zusammenhang mit der Hauptfrage steht. Und ich würde Sie bitten, die Geschäftsordnung zu lesen: Eine Zusatzfrage hat in Verbindung mit der Hauptfrage zu stehen. Ich darf also nun die Frau Stadträtin um ihre Entscheidung bitten, ob sie das beantworten möchte oder nicht. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Danke, Herr Vorsitzender. Es macht mir natürlich große Freude, dass im Protokoll dann nachzulesen ist, dass ich auch Entgleisungen der FPÖ positiv beantworte. Ich kann nur sagen: Ich freue mich wahnsinnig, dass dieser ehrwürdige alte Herr lebt und dass er Lebenszeichen von sich gibt. Er war ein wichtiger Kulturschaffender, der die Oper stark geprägt hat. Ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals bei irgendeiner Veranstaltung der Wiener Festwochen gesehen zu haben. Diesbezüglich trete ich aber gerne in einen Dialog und begleite ihn bei den nächsten Festwochen zur der einen oder anderen Veranstaltung. Das ist mir eine große Freude. Vieles an Kritik kommt aber oft auch aus Unkenntnis und nicht auf Grund der Anschauung. Das ist eigentlich alles, was ich dazu sagen kann, und ich würde in dieser Frage auch den Ball flach halten. Es zeigt sich, dass die Kulturlandschaft Wiens eben nicht uniform ist. Das ist doch schön! Das heißt, es gab einen Dialog, es gab Antworten dazu, es gab mittlerweile auch Reaktionen. Und das ist es. Ich bin froh, dass die Kulturlandschaft es selber ohne politische Zurufe schafft, sozusagen diesen Dialog weiterzuspinnen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Damit ist die 3. Anfrage beantwortet. Die 4. Anfrage (FSP-1384088-2025-KVP/GM) wurde von Herrn GR Taborsky gestellt und ist an den Herrn Bürgermeister gerichtet. In dieser Anfrage geht es um die Frage der Ausweitung von Alkoholverbotszonen. (Das Mariahilfer Bezirksparlament hat Sie in einem gemeinsamen Antrag von SPÖ, GRÜNEN, ÖVP, NEOS und KPÖ vom 12. Juni 2025 ersucht, die Schwerpunktmaßnahmen rund um die Drogenberatungseinrichtung Jedmayer zu evaluieren, konkrete Maßnahmen umzusetzen und darauf aufbauend einen Mediationsprozess aller relevanten Stakeholder zu starten. In Ihrer Antwort vom 23. Juli 2025 listen Sie alle getätigten Maßnahmen auf und betonen am Ende, dass 'die durchgeführten Schwerpunktaktionen von der Bevölkerung äußerst positiv aufgenommen wurden' und 'die Kontrollen zweifelsohne zu einer Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls der AnrainerInnen führten'. Der seitens der Mariahilfer Bezirksvertretung geforderte Mediationsprozess wird in Ihrer Antwort mit keinem Wort erwähnt. In den letzten Wochen und Monaten hat sich die Lage rund um die Drogenberatungseinrichtung Jedmayer deutlich verschlechtert, Rückmeldungen der Anrainerinnen und Anrainer zeigen, dass die bis dato gesetzten Maßnahmen definitiv nicht ausreichen. Werden Sie auf Grund aktueller Überlegungen und Pläne im Magistrat eine Alkoholverbotszone im Bereich der U6-Station Gumpendorfer Straße verordnen, um den Wünschen der Anrainerinnen und Anrainer zu entsprechen und die objektive Sicherheitslage und das subjektive Sicherheitsgefühl zu verbessern?) Guten Morgen, Herr Bürgermeister! Bitte um Beantwortung. Bgm Dr. Michael Ludwig: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Mitglieder des Gemeinderates! In Beantwortung Ihrer Anfrage, Herr GR Taborsky, möchte ich festhalten, dass uns Sicherheit in der Stadt Wien etwas ganz Wichtiges ist. Mit diesem Themenfeld beschäftigen wir uns auf allen Ebenen intensiv. In dem von Ihnen angesprochenen Themenbereich geht es uns im Wesentlichen um zwei Bereiche, nämlich zum einen darum, Betroffenen Hilfe anzubieten, zum anderen aber auch darum, deutlich zu machen, dass die öffentliche Ordnung und Sicherheit wichtig für die Menschen ist - und zwar nicht nur für die Anrainerinnen und Anrainer, sondern generell auch für die Stadt. In diesem Zusammenhang arbeiten wir ganz eng zusammen mit der Wiener Polizei. Insbesondere habe ich die Magistratsdirektion, im Speziellen die Gruppe für Sofortmaßnahmen, die regelmäßig kooperative Schwerpunktaktionen in den verschiedensten Bereichen der Stadt Wien durchführt, beauftragt. Im Rahmen der Aktion "Öffentlicher Bereich" nehmen neben der Gruppe für Sofortmaßnahmen und der Landespolizeidirektion Wien auch alternierend die verschiedensten Magistratsabteilungen teil. Das sind die WasteWatcher der MA 48, aber auch die MA 42 beziehungsweise auch die MA 60 und bei Bedarf auch andere Abteilungen unserer Stadt. Das gilt insbesondere für jene Örtlichkeiten, die schlecht einsehbar sind. Das gilt beispielsweise auch für U-Bahn-Stationen sowie für Wohnhäuser, wo insbesondere Kellerräumlichkeiten missbräuchlich verwendet werden, oder auch für Parkanlagen, die intensiv bestreift werden. Dazu kommt, dass das Mobilbüro des Stadtservice Wien bei diesen Schwerpunktaktionen ganz besonders intensiv zum Einsatz gebracht wird. Dieses Mobilbüro hat mehrere Funktionen. Es ist zum einen gedacht als Einsatzzentrale der an den Kontrollaktionen teilnehmenden Dienststellen, aber auch als Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger, die dort die Möglichkeit haben, Beobachtungen zu melden beziehungsweise auch Wahrnehmungen, die mit Missständen in Verbindung stehen, den dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vermitteln. In der Folge werden diese Meldungen natürlich mit den verschiedensten Dienststellen der Stadt Wien, aber auch in Abstimmung mit der Landespolizeidirektion Wien entsprechend behandelt. Im Rahmen der mit Jänner 2025 begonnenen Aktion "Sicheres Wien" fanden bis jetzt 53 Aktionstage statt. Bei diesen kooperativen Schwerpunktaktionen gab es Bestreifungen des Gebietes rund um die U-Bahn-Station Gumpendorfer Straße sowie rund um die sozialmedizinische Einrichtung Jedmayer. Es gab aber auch besondere Schwerpunktaktionen im Fritz-Imhoff-Park. Und wir haben auch mit der Landespolizeidirektion Wien vereinbart, dass es dort eine erhöhte Präsenz zu den verschiedenen Tageszeiten gibt und dass die Bestreifungen, die gemeinsam mit den Einrichtungen der Stadt Wien erfolgen, in einem noch dichteren Intervall stattfinden. Dabei haben wir im Rahmen dieser Aktion verschiedene Magistratsdienststellen angehalten, die Landesgesetze, die wir ja auch gemeinsam beschlossen haben, zu begleiten, beispielsweise das Reinhaltegesetz, die Reinhalteverordnung beziehungsweise das Tierhalte- und Tierschutzgesetz, weil es auch Verunreinigungen des Erscheinungsbildes, insbesondere auch der dortigen Parkanlagen, gibt. Der Schwerpunkt ist aber natürlich die Unterbindung des Drogenhandels. Das ist in diesem Teil der Stadt das Hauptproblem. Es geht insbesondere um die Bekämpfung von Übertretungen des Suchtmittelgesetzes und sicherheitspolizeiliche Maßnahmen, die damit verbunden sind. Das wird von der Sicherheitspolizei im Hinblick auf das entsprechende Aufgabengebiet und die fremdenrechtliche Agenda übernommen und gemeinsam mit der Landespolizeidirektion begleitet. Weiters kommt es auch zu regelmäßigen Aktivitäten des Sicherheitsdienstes der Wiener Linien, die insbesondere auch in der U-Bahn-Station tätig sind, was in Kombination mit der dortigen Videoüberwachung ein wichtiges unterstützendes Maßnahmenpaket für die Tätigkeit der Wiener Polizei darstellt. Die Zielsetzung dieser Aktionen besteht aber nicht ausschließlich im Bereich des Strafens. Gemäß Gespräch mit der Bevölkerung geht es vor allem auch darum, marginalisierte Personengruppen, die es dort gibt und die in besonderer Art und Weise auffällig sind, zu begleiten. Es geht darum, dort, wo es notwendig ist, rigoros zu strafen, gleichzeitig aber auch sicherzustellen, dass diesen marginalisierten Personen auch eine entsprechende Beratung zuteilwird, um sie auch wieder in das gesellschaftliche Leben einzubinden. Ein Bereich, wo es keine Nachsicht gibt, ist der Handel mit Suchtmitteln, und die Hauptaktivität, die wir dort setzen, besteht darin, den Drogenhandel zu unterbinden und zu verhindern, dass es eine verfestigte Drogenszene gibt. Wir haben mit viel Erfolg in anderen Teilen unserer Stadt diese verfestigten Drogenszenen auch wieder auflösen können. Ich möchte nur erinnern an die Situation auf dem Karlsplatz vor vielen Jahren und darauf aufmerksam machen, wie es gelungen ist, durch städtebauliche, architektonische Maßnahmen, vor allem aber auch durch sozialarbeiterische Maßnahmen diesen Platz wieder der Allgemeinheit zurückzugeben. Von daher ist es also wichtig, darauf zu achten, dass sich diese Drogenszene nicht weiter ausweitet und auch regionale neue Möglichkeiten vorgefunden werden. Das ist auch der Grund, dass wir insbesondere den Fritz-Imhoff- Park mit vielen Schwerpunktaktionen lokalisiert haben und sicherstellen wollen, dass die Bevölkerung dort nicht beeinträchtigt wird durch Drogenhandel und Drogenkonsum. Das ist das notwendige Bündel, das wir schnüren wollen. Es geht darum, gemeinsam mit der Landespolizeidirektion und der Stadt Wien infrastrukturelle, sozialarbeiterische, sicherheitspolizeiliche und auch rechtliche Fragen zusammenzufassen. Es haben aber auch die Bezirksvorstehung und die Bezirksvertretung, die sich diesbezüglich ebenfalls sehr stark einbringen, gemeinsam mit uns ein starkes Interesse, den dortigen Anrainerwünschen zu entsprechen. Wir haben, ausgehend von den Anregungen der Bezirksvorstehung, auch weitere Maßnahmen gesetzt, insbesondere zusätzlich zu jenen, die ich schon erwähnt habe - und zwar gemeinsam mit der Magistratsabteilung 42 und der Magistratsabteilung 48. Wir haben beispielsweise insgesamt 18 Sondereinsätze der WasteWatcher bis September 2025 neben den ohnehin schon stattgefundenen Schwerpunktaktionen der Gruppe für Sofortmaßnahmen durchgeführt. Es gibt regelmäßige und konsequente Rückschnitte der Gehölze, was das Sicherheitsgefühl erhöht und auch die Möglichkeit der Beleuchtung wahrnehmbarer macht. Wir sind diesfalls sehr dahinter, dass das auch regelmäßig geschieht, nämlich mindestens zweimal im Jahr, um die Einsehbarkeit beziehungsweise Sichtbarkeit zu gewährleisten. Zuletzt hat das vom 8. bis 10. September stattgefunden. Außerdem arbeiten wir jetzt an einer Demontage eines Teiles der Pergola, um das Verweilen und den Aufenthalt von Personen zu verringern, die dort vor Ort nicht erwünscht sind. Außerdem ist jetzt geplant und bereits in Umsetzung, dass es einen 2,4 Meter hohen Stabilgitterzaun gibt, der die Wohnhäuser entlang der Asphaltkante vom anderen Teil dieses Raumes trennt, um sicherzustellen, dass auffällige Personen nicht zu nahe an die Anrainer und das bewohnte Gebiet herankommen. Von daher ist es wichtig, dass wir auch regelmäßig die erwähnten Bestreifungen vornehmen, um Sauberkeit und Ordnung auch vor Ort zu gewährleisten. Von der MA 42 wird dieses Gebiet jetzt zweimal täglich mit einem Reinigungstrupp begangen, um beispielsweise verunreinigte Kleidungsstücke, aber auch verwendete Spritzen zu entsorgen. Von daher ist wichtig, dass wir diese sicherheitspolizeilichen Maßnahmen - wie ich schon erwähnt habe - auch mit sozialarbeiterischen Aktivitäten kombinieren. Diese begleitende soziale Kompetenz soll auch dazu dienen, diese marginalisierten Personen beispielsweise zu informieren, welche Möglichkeiten es gibt, einen sicheren Schlafplatz zu bekommen - und zwar durch die Vermittlung von Notquartieren. Die allermeisten Menschen, die dort auffällig sind, kommen ja nicht aus Wien, sondern sie kommen entweder aus dem Ausland oder aus anderen Bundesländern. Das zeigt sich insbesondere auch daran, dass jene Drogenabhängigen, die sich verschiedene Drogen beschaffen und diese im Wesentlichen im eigenen Wohnumfeld konsumieren, Wienerinnen und Wiener sind, die im Regelfall mit den verschiedensten Wohnformen wohnversorgt sind. Und von daher kommen jene, die in den Parkanlagen oder auch in Kellerräumlichkeiten auffällig sind, im Regelfall aus dem Ausland oder auch aus den anderen Bundesländern. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Letzteres ist keine erfreuliche Situation. So gibt es beispielsweise den Spritzentausch in vielen Bundesländern nicht. Das ist aber eine wirksame Möglichkeit, um weiteren Drogenkonsum zu unterbinden beziehungsweise zu verhindern, dass Drogenabhängige sich mit anderen Krankheiten infizieren und damit natürlich nicht nur für sich selber, sondern auch für das Gesundheitswesen große Herausforderungen verursachen. Ich will zusammenfassend sagen, dass wir gemeinsam mit der Landespolizeidirektion Wien, die ja auch für die Begleitung dieser auffälligen Persönlichkeiten hauptsächlich zuständig ist, alle nötigen sozialarbeiterischen Maßnahmen setzen, um diese Vorfälle zu begleiten. Abschließend noch ein Hinweis, weil in Ihrer Frage auch betreffend ein Alkoholverbot nachgefragt wird: Darauf kann ich dasselbe antworten wie schon bei Ihrer Anfrage, die Sie an mich im Februar gerichtet haben. Im Wesentlichen ist zumindest dort vor Ort jetzt nicht der Alkoholkonsum das Problem, sondern die unmittelbare Nähe zur Drogenberatungsstelle und damit ein Drogenhandel, der dort die Situation verschlechtert. Die Einrichtung gibt es seit 2012, und die Auffälligkeiten sind jetzt seit etwas mehr als einem Jahr zu beobachten. Prinzipiell ist ja nicht diese Drogenberatungseinrichtung das Problem, sondern der Drogenhandel, der sich dort verfestigt hat. Dagegen muss man in Wirklichkeit auftreten - und das ist auch unser Ziel. Alkoholismus ist dort ein untergeordnetes Problem, vielmehr geht es um den Konsum von illegalen Drogen, den wir mit all unserer Kraft gemeinsam mit der Landespolizeidirektion Wien unterbinden wollen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Herr Bürgermeister. Die 1. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Herr GR Taborsky, bitte. GR Hannes Taborsky (ÖVP): Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Ein herzliches Dankeschön einmal grundsätzlich für die Sicherheitsinitiative in Wien. Wir waren erst diese Woche beim Spatenstich für das neue Sicherheitszentrum in Favoriten gemeinsam mit Frau VBgm.in Gaál. Und auch die Rekrutierungsinitiative, die gemeinsam zwischen Stadt und Innenministerium läuft, ist, glaube ich, durchaus erfolgreich. Auch Sie waren ja persönlich vor Ort und haben diese unterstützt. Trotzdem haben wir zu diesem Bereich eine Zusatzfrage. Abgesehen von notwendigen Sofortmaßnahmen - und wie ich Ihrer Antwort entnehmen konnte, wird die Alkoholverbotszone von Ihnen nicht als eine solche Maßnahme gesehen - ist unseres Erachtens auch eine langfristige Perspektive wichtig. Die Inanspruchnahme der Einrichtung Jedmayer hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Beispielsweise sind die Spritzentauschkontakte von 128 000 auf 169 000 im Jahr 2024 gestiegen. Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen weiter steigen werden und die Konzentration an diesem Standort weiter zunehmen wird. Werden Sie sich für eine Wien-weite Strategie mit einer besseren Verteilung einsetzen, um das Grätzel rund um die Drogenberatungseinrichtung Jedmayer nachhaltig zu entlasten? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Bürgermeister, bitte. Bgm Dr. Michael Ludwig: Wir arbeiten sehr intensiv mit den verschiedensten Sozialeinrichtungen auch daran, dass es dezentrale Angebote gibt. Es gibt insgesamt 50 Möglichkeiten in Wien einen Spritzentausch vorzunehmen. Ich möchte jetzt aber die Gelegenheit gerne benützen, Sie zur Teilnahme einzuladen. Die ÖVP verfügt ja in drei Bezirken über Bezirksvorstehungen, nämlich in der Inneren Stadt, in Hietzing und in Döbling. Ich bin überzeugt, dass es Ihnen gelingen wird, die jeweiligen Bezirksvorsteher dafür zu gewinnen, dass dort bessere, intensivere Möglichkeiten für den Spritzentausch vorgenommen werden. Im Hinblick darauf freue mich sehr auf eine gute Zusammenarbeit. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - GR Mag. Josef Taucher: Bravo!) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Huemer bitte. GRin Mag. Barbara Huemer (GRÜNE): Vielen Dank, Herr Bürgermeister, für die bisherigen Ausführungen. Fast könnte man meinen, dass es auf Grund der Maßnahmen das Problem dort nicht mehr gibt. Es ist aber natürlich vor allem im öffentlichen Raum nach wie vor da, Sie haben es beschrieben. Es ist der Konsumdruck, der bestimmte suchtkranke Menschen dort zu Handlungen treibt, die tatsächlich auch mir nicht gefallen und vielen von uns nicht gefallen. Zu meiner Frage: Was sich die Bevölkerung dort neben einem Zaun und kontinuierlicher Reinigung und Polizeipräsenz wünscht, sind natürlich auch weitere Maßnahmen, um sozusagen die Lebensqualität und Sicherheit der Menschen dort zu erhöhen. Ein Instrument dafür wäre eine Sozialraumanalyse. Was halten Sie von diesem Instrument, um die Lebensqualität der Bevölkerung in diesem Zusammenhang noch zu erhöhen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Bürgermeister, bitte. Bgm Dr. Michael Ludwig: Alles, was dazu dient, die Aufenthalts- und Lebensqualität der Anrainerinnen und Anrainer zu verstärken, ist sicherlich sinnvoll. Es geht auch darum, die Drogenabhängigen so zu begleiten, dass man sie aus ihrer Situation bringt beziehungsweise sie so weit zu begleiten, dass ihre Lebenssituation sich nicht dramatisch verschlechtert. Es gibt da ja im Regelfall eine Kombination aus mehreren Problemsituationen. Sehr oft ist dieser Drogenkonsum verbunden mit Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und psychischen Problemen. Von daher geht es oft um sehr komplexe Materien, und die Sozialarbeiter leisten diesbezüglich wirklich Großartiges in Kombination auch mit den sicherheitspolizeilichen Maßnahmen. Es ist dies aber in der Tat derzeit noch kein zufriedenstellender Bereich. Das sehe ich auch, und darum bemühen wir uns auch weiterhin mit all unseren Einrichtungen, entsprechende Maßnahmen zu setzen. Ich beobachte die Situation in andern Großstädten in diesem Zusammenhang. Wir sehen in anderen Städten eine ungemein starke Zunahme an noch schlimmeren Drogen als denjenigen, die wir jetzt schon kennen, ich nenne zum Beispiel Fentanyl. Das ist erfreulicherweise bei uns noch nicht so stark aufgeschlagen. Wir sind bestrebt, den Drogenkonsum und vor allem auch, welche Drogen verwendet werden, weiterhin zu beobachten. Das ist auch der Grund, dass wir Angebote stellen, freiwillig analysieren zu lassen, welche Drogen genommen werden, um einen Überblick über den Drogenmarkt zu haben. Im Hinblick darauf sehe ich insgesamt große Probleme auf Europa zukommen, die besonders in jenen Städten mit großen Häfen beginnen, weil ein Großteil dieser Drogen auch aus anderen Regionen der Welt angeliefert wird. Und obwohl diesbezüglich verstärkte Kontrollen stattfinden, kann man natürlich immer nur einen kleinen Teil aus dem Verkehr ziehen. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man insbesondere bei Jugendlichen auch durch Informationskampagnen dazu beiträgt, von Drogen überhaupt Abstand zu nehmen. Es offenbaren sich da nämlich furchtbare Schicksale. Wenn man sich die Personen anschaut, die auffällig werden und die wir auch sozialarbeiterisch begleiten, dann sieht man, welche furchtbaren Bedingungen der Drogenkonsum mit sich bringt. Von daher ist sicherlich alles von Vorteil, was dazu dient, Sozialräume und Sozialsituationen zu beobachten, zu begleiten und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Lugner, bitte. GR Leo Lugner (FPÖ): Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Sie haben jetzt hier ausgeführt, welchen enormen Aufwand die Stadt betreibt, um das Grätzel hier sicherer und lebenswerter zu machen. Auf der einen Seite haben Sie über die Sozialarbeiter berichtet, auf der anderen Seite über die enorme Polizeibestreifung, die dort stattfindet. Ich darf Ihnen jetzt als betroffener Anrainer sagen, dass dieses Problem schon sehr lange existiert und nicht erst seit kurzem, wie Sie gerade ausgeführt haben. Vielmehr gibt es dieses schon seit 2012, seit Eröffnung dieser Einrichtung. Es ist tatsächlich für die Anrainer unerträglich, zur U-Bahn-Station zu gehen beziehungsweise die U-Bahn-Station zu passieren. Es kommt regelmäßig vor, dass nicht nur vor Kinderspielplätzen Spritzen liegen. Ein Kind hat sich bereits auf einem Kinderspielplatz mit einer Spritze verletzt. Die Suchtkranken dringen bis in die Wohnhäuser vor, gehen dort in die Keller und lassen ihren Unrat zurücklassen. Die Suchtkranken lassen dort zum Beispiel auch das Spritzbesteck zurück. Jetzt kommt man zu dem Schluss, dass der gesamte Aufwand, den Sie als Stadt in diesem Zusammenhang betreiben, nicht ausreicht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Mit Erstaunen habe ich jetzt vernommen, dass Sie überlegen, ein weiteres derartiges Haus auch im 19. Bezirk zu eröffnen. Das ist wieder eine Wohngegend und ein Gebiet, wo viele Menschen betroffen wären, deren Alltag sich dann unerträglich gestaltet. Herr Bürgermeister, warum verlegen Sie diese Einrichtungen nicht einfach in ein Gewerbegebiet am Stadtrand? Sie haben selbst gesagt, dass die meisten Suchtkranken, die zu diesen Einrichtungen gehen, Menschen sind, die aus dem Ausland beziehungsweise aus den Bundesländern kommen. Das heißt, diese Menschen könnten genauso niederschwellig beispielsweise in ein Gewerbegebiet fahren. Das muss ja nicht unbedingt ein Wohngebiet sein, wo Menschen leben, wo Kinder leben und wo Schulen sind. Dort eine solche Einrichtung zu schaffen ist meines Erachtens verantwortungslos. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, das in die Gewerbegebiete zu verlegen? (GR Mag. Josef Taucher: Sicherlich nicht! Wie gehst du mit uns um?) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Bürgermeister, bitte! Bgm Dr. Michael Ludwig: Es gibt ja auch immer wieder Überlegungen der Expertinnen und Experten der Drogenkoordination und der Drogenberatungsstellen, an welchen Stellen es möglich und auch sinnvoll ist, solche Einrichtungen zu eröffnen. Ich kann mich aus eigener Erfahrung noch an eine Begebenheit gut erinnern. Ich habe als Jugendfunktionär damals in der Großfeldsiedlung im Zusammenhang mit einer Drogenberatungsstelle in der Wassermanngasse informiert. Das ist viele Jahre her, wenn man bedenkt, zu welcher Zeit ich in Jugendorganisationen tätig war! Wir haben versucht, die Bevölkerung dafür zu gewinnen und sie zu informieren, was auf sie zukommt. Damals hat sich nach meiner Erinnerung eine Frau ganz besonders aufgeregt. Sie hat mich beschimpft, als wir die Flugzettel verteilt und entsprechende Informationen gegeben haben. Das hat mich sehr betroffen gemacht, denn ich war damals noch nicht wirklich gewohnt, solche politischen Auseinandersetzungen zu führen. Daher hat es mich dann aber auch mindestens genauso berührt, dass diese Dame mich Wochen später kontaktiert - ich war damals beruflich auch im Bezirk tätig - und sich einen persönlichen Termin geben lassen hat. Sie hat mich aufgesucht, um mir mit Tränen in den Augen zu sagen, wie sehr sie bedauert, dass sie mich damals beschimpft hat. Sie sei nämlich erst jetzt draufgekommen, dass ihr Sohn drogenabhängig ist und daher sei es gut, dass es jetzt eine Drogenberatungsstelle gibt, bei der ihr Sohn beraten werden kann, wie er von den Drogen wieder wegkommt. Was will ich damit sagen? - Im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum gibt es unterschiedliche Ebenen, Stationen und Biografien. Es kann nie ausgeschlossen werden, dass auch Personen aus dem unmittelbaren Umfeld, die man selber kennt, drogenabhängig werden. Es muss also unser gemeinsames Ziel sein, die Menschen, die Gefahr laufen, dem Drogenkonsum zu frönen, entweder im Hinblick darauf, dass sie beginnen oder weil sie nicht wegkommen, zu begleiten. Das, wogegen wir massiv auftreten müssen, ist der Drogenhandel. Das ist ein kriminelles Delikt, das mit allen polizeilichen Maßnahmen unterbunden werden muss. Ich glaube daher, dass es wichtig ist, dass wir sicherstellen, dass wir Örtlichkeiten finden, wo das möglich ist. Es gibt an verschiedenen Stellen in unserer Stadt Drogenberatungseinrichtungen und auch die Möglichkeit zum Spritzentausch, was völlig problemlos verläuft. Das Hauptproblem dort besteht nicht so sehr in der Betreuung der Drogenabhängigen, die in manchen Fällen ein ganz normales Leben führen und durch das Substitutionsprogramm begleitet werden. Das Problem, das wir dort haben und welches, wie ich selbst erwähnt habe, derzeit noch nicht zufriedenstellend gelöst ist, besteht vielmehr darin, dass es dort einen sehr schwunghaften Drogenhandel gibt. Es muss daher unser Ziel sein, dass wir auf der einen Seite die Drogenabhängigen begleiten, versuchen, sie von der Sucht wegzubringen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, dass wir aber auf der anderen Seite mit aller Härte gegen den Drogenhandel vorgehen. Das tun wir von Seiten der Stadt soweit wir das können. Wir brauchen aber ganz stark natürlich auch entsprechende Maßnahmen der Polizei, verbunden auch mit der Hoffnung, dass wir nicht nur die Verkäufer finden, sondern natürlich auch die Hintermänner und die Organisationen dahinter, die finanziell von diesem Drogenhandel immens profitieren. Von daher stellen wir natürlich auch immer wieder Überlegungen an, wo wir Einrichtungen für einen Spritzentausch schaffen. Ich habe schon erwähnt, dass wir etwa 50 Einrichtungen haben, 34 Einrichtungen aus der Wiener Wohnungslosenhilfe, sechs Apotheken, neun Einrichtungen des Sucht- und Drogenhilfenetzwerkes. Diese Einrichtungen befinden sich an verschiedenen Stellen, natürlich in bewohnten Gebieten, doch auch in Industriegebieten, aber jedenfalls hauptsächlich dort, wo sich die Menschen aufhalten. Dabei handelt es sich neben den bewohnten Gebieten vor allem natürlich auch um die großen Verkehrsknotenpunkte beispielsweise entlang der U-Bahnen. Im Hinblick darauf kämpfen wir gemeinsam mit der Wiener Polizei an mehreren Orten, um diesen Drogenhandel zu unterbinden. Das ist auch der Grund dafür, dass wir beispielsweise Videoüberwachung auf dem Reumannplatz und auf dem Keplerplatz eingerichtet sowie verstärkte Einsatzmöglichkeiten gemeinsam mit der Wiener Polizei und der Gruppe für Sofortmaßnahmen geschaffen haben. In diesem Sinne muss auch immer - und zwar auch von jenen, die das abschätzen können - geprüft werden, inwieweit wir den Drogenhandel unterbinden können und an welchen Stellen wir den Drogenabhängigen durch Beratung am stärksten sozialarbeiterische Hilfe angedeihen lassen können. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Herr Bürgermeister. Damit ist die 4. Anfrage beantwortet. Die 5. Anfrage (FSP-1243998-2025-KGR/GM) wurde von Frau GRin Mag. Malle gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Bildung, Jugend, Integration, Transparenz und Märkte gerichtet. In dieser Frage geht es um die Sprachförderkräfte in den Schulen. (Laut der Anfragebeantwortung zur Zahl PGL- 951199-2025-KGR/GF vom 16. September 2025 gibt es in Wiens elementaren Bildungseinrichtungen 16 824 Kinder mit Sprachförderbedarf. Aus der Anfragebeantwortung geht auch hervor, dass 404 Sprachförderkräfte in elementaren Bildungseinrichtungen in Wien tätig waren. Gleichzeitig zeigen die aktuellen Zahlen, dass 258 Kindergartenstandorte keine Sprachförderkraft haben. Daher die Frage: Wie viele der 16 824 Kinder, die einen Sprachförderbedarf haben, haben wegen fehlender Sprachförderkräfte keine Sprachförderung erhalten?) Guten Morgen, Frau Stadträtin, und bitte um Beantwortung. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Einen schönen guten Morgen, liebe Frau Abgeordnete. Vielen Dank für die Frage bezüglich Sprachförderkräften im Kindergarten. Sie stellen die Frage, weshalb wegen fehlender Sprachförderkräfte Kinder keine Sprachförderung erhalten haben. - Ich möchte gleich vorneweg klarstellen, dass jedes Kind im Kindergarten Sprachförderung erhält: Gemäß § 2 Abs. 2 Z 4 des Wiener Kindergartengesetzes ist die Förderung der Sprachkompetenz Aufgabe der Bildungsarbeit im Kindergarten. Das bedeutet, dass Sprachförderung zu den grundsätzlichen Aufgaben elementarpädagogischer Fachkräfte gehört und somit auch jedes Kind Sprachförderung erhält. Das geschieht in Zusammenarbeit mit den pädagogischen Fachkräften an den jeweiligen Standorten und folgt dem Konzept der alltagsintegrierten Sprachförderung, was, glaube ich, ganz wichtig ist, weil Sprachförderung natürlich ganzheitlich gesehen werden muss und im Kindergarten auch über viele Angebote, die von den Pädagoginnen und Pädagogen gesetzt werden, funktioniert. Klar ist aber auch, dass wir gerade in den letzten Jahren eine massive Herausforderung beim Spracherwerb und Sprachstand von Kindern in den Kindergärten dazu bekommen haben. Daher muss man auch sagen, dass die entsprechenden Maßnahmen der Sprachförderung im Kindergarten, so wie er momentan funktioniert - und er verändert sich natürlich über die Jahre und hat sich gerade in den letzten Jahren stark verändert - nicht mehr stemmbar sind, weil nämlich viele Kinder gezielte Sprachförderung brauchen. Aus diesem Grund wurde damit begonnen, Sprachförderkräfte auszubilden und anzustellen, um die Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen im Kindergarten hinsichtlich Sprachförderung der Kinder nochmals besser zu unterstützen. Ich kann die Frage auch hinsichtlich der Anzahl von Standorten konkret beantworten, an denen keine Sprachförderkraft zugeteilt wurde. Derzeit sind es 258 Standorte, wo bist jetzt keine Sprachförderkraft zugeteilt werden konnte - und zwar auf Grund des Abzugs und Zuzugs von Familien und eines Wechsels der Kinder auch in den elementaren Bildungseinrichtungen. Betreffend Gruppengröße gibt es eine sehr hohe Schwankungsbreite, was die Kinderanzahl betrifft. Ich möchte auch prinzipiell noch gern etwas sagen: Mit diesem Regierungsprogramm stellen wir uns als Aufschwungskoalition im Hinblick auf den gesamten Bildungsbereich bewusst unter das Leitmotiv der gemeinsamen Sprache Deutsch. Das heißt, es werden gerade auch in den nächsten Monaten wieder zahlreiche weitere gezielte Maßnahmen gesetzt werden, um den Erwerb der deutschen Sprache von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu fördern. Unser Ziel dabei ist es immer, alle mitzunehmen - und zwar vor allem im elementarpädagogischen Bereich -, möglichst alltagsintegriert zu arbeiten und viele Unterstützungskräfte dazuzuholen. Ich bin nämlich überzeugt davon, dass jedes Kind, das in unserer Stadt aufwächst, die deutsche Sprache auch als Schlüssel für Bildung, Integration und Teilhabe mit auf den Weg bekommen soll. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 1. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. -Frau GRin Mag. Malle, bitte. GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Guten Morgen, Frau Bildungsstadträtin, und vielen Dank für die Beantwortung. Ich möchte allerdings anmerken: Wir haben nicht gefragt, weshalb die Kinder keine Sprachförderung bekommen, sondern wie viele der 16 824 Kinder, die Sprachförderbedarf haben, keine Sprachförderung erhalten. Es ging also nur um die Anzahl, und es ist aus unserer Sicht nicht ganz verständlich, warum das in einer Stadt wie Wien, die auch Smart City-Strategien verfolgt, eigentlich nicht leicht zu erheben ist. Auch wenn Sie natürlich recht haben, dass das Schwankungen unterliegt, müsste man das in einer Stadt wie Wien doch mit einem Knopfdruck feststellen können. Ich frage Sie jetzt aber noch etwas anderes, nachdem wir darauf auch noch keine Antwort bekommen haben. Wir hatten im Juni 404 Sprachförderkräfte in den elementaren Bildungseinrichtungen, das sind zirka 300 Vollzeitäquivalente. Das ist der Ist-Stand mit Juni. Die Herausforderungen werden natürlich mehr. Können Sie den Ist-Stand zum heutigen Tag nennen was die Anzahl der Sprachförderkräfte betrifft? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Ich werde darauf sehr gerne antworten. Ich möchte aber vorher auch auf den ersten Punkt eingehen, weil die Frage lautet, wie viele Kinder keine Sprachförderung erhalten. - Ich glaube, die Antwort war relativ klar, dass nämlich jedes Kind, das in den Kindergarten geht, prinzipiell Sprachförderung erhält und dass Sprachförderkräfte an gewissen Standorten eingesetzt werden, dass aber auch an 258 Standorten keine Sprachförderkraft zur Verfügung steht. Hinsichtlich der Kinderzahl geht es, wie ich auch erklärt habe, um die Schwankungsbreite, die sich auf Grund der Gruppengrößen, aber auch durch den Wechsel der Kinder in den Einrichtungen ergibt. Man könnte eine Hochrechnung anstellen, was aber nicht wirklich seriös wäre. Das kann man aber natürlich anstellen. Zur zweiten Frage bezüglich der Sprachförderkräfte: Ja, das ist richtig, Mit 21.8.2025 hatten wir 402 speziell ausgebildete Sprachförderkräfte in den elementaren Bildungseinrichtungen. Wir werden bis Ende des Jahres zwei Ausbildungslehrgänge abschließen. Einer ist jetzt abgeschlossen und der nächste wird, glaube ich, im November abgeschlossen sein. Das sind dann jeweils 25 Personen ausgebildete Sprachförderkräfte. Wir haben in den letzten Jahren sukzessive aufgestockt. Klar war, dass wir noch lange nicht am Ziel sind. Unser Ziel war wirklich auch für 2025 schon ein größeres, und das Ziel verfolgen wir weiter, aber natürlich hat uns der massive Fachkräftemangel den Weg dorthin erschwert. Wir werden aber, wie gesagt, klarerweise diesen Weg auch weiterverfolgen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Blind bitte. GR Armin Blind (FPÖ): Guten Morgen, Frau Stadträtin. Vielleicht war die Frage der GRÜNEN nach der Sprachförderung unpräzise gestellt. Intentional war aber natürlich - das sieht man, wenn man den Kontext liest - die erforderliche Sprachförderung gemeint. Ich möchte in diesem Zusammenhang anmerken: Von einem normativen Soll auf ein tatsächliches Sein zu schließen, ist - wie ich es jetzt formulieren möchte - auch intellektuell spannend - und zwar vor allem vor dem Hintergrund, dass man sagt, dass alle Kinder, erweiternd ausgedrückt, die erforderliche Sprachförderung bekommen, und man dann den Output hat, dass 44 Prozent aller Erstklässler in Wiener Volksschulen außerordentlich geführt werden, weil sie eben die deutsche Sprache nicht beherrschen. - So toll dürfte die normative Umsetzung des Solls also tatsächlich nicht sein! Nun aber zu den Sprachförderkräften direkt. Sie haben die Anzahl ja bereits angesprochen. Ich entnehme der Anfragebeantwortung, dass wir immer rund 400 Sprachförderkräfte haben. Das schwankt ein bisschen zwischen 395 und 405. Das sind bis jetzt keine großartigen Steigerungen, und auch die Vollzeitäquivalente bewegen sich immer in der gleichen Relation. Es sind ungefähr drei Viertel. Zu meiner Frage: Drei Viertel Vollzeitäquivalent ist nicht sehr viel. Werden Sie den Fokus mehr auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Sprachförderkräfte richten, um die Zahl der Vollzeitäquivalente zu erhöhen, oder werden Sie die Anzahl der Sprachförderkräfte als Ganzes erhöhen? Oder werden Sie vielleicht beides veranlassen? In welcher Form, wollen Sie das umsetzen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Ja, es ist, glaube ich, wesentlich, dass wir die Zahl der Sprachförderkräfte erhöhen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wirklich jeder Standort mit erhöhtem Sprachförderbedarf auch eine fixe Kraft erhält. Das Ziel werden wir in den nächsten Jahren mit eigenen Ausbildungslehrgängen, aber auch dadurch verfolgen, dass zum Beispiel im neuen Curriculum der Studiengänge und auch der Kollegs die Sprachförderung und vor allem die Ausbildung der Sprachförderkräfte bereits enthalten ist. Ich meine, wir haben uns in den letzten Jahren weiterentwickelt. 2020 hatten wir 250 Sprachförderkräfte, und jetzt stehen wir bei über 400. Ich weiß, das ist ein "zacher Weg", wie man so schön sagt, dieser wird aber ganz einfach schrittweise weiterverfolgt. Ich bin überzeugt davon, dass wir ihn weitergehen müssen. Gerade im Bildungsbereich oder im Pflegebereich ist das In-Anspruch-Nehmen von Teilzeitlösungen eher präsent als vielleicht in anderen Berufsgruppen. Das hat mit den Lebensrealitäten der Menschen zu tun, die diesen Beruf ergreifen. Das sind hauptsächlich Frauen. Ich glaube, das ist eine Thematik, die wir alle kennen und auch sehr oft hier diskutieren. Ich unterstütze sehr, dass auch Frauen einer Vollzeittätigkeit nachkommen können. Bedingung dafür ist aber wiederum ein gut geeigneter Betreuungs- oder Bildungsplatz für ihre Kinder. Das geht für mich Hand in Hand. Das Ziel wird aber natürlich weiterverfolgt. Prinzipiell und trotzdem muss man im Hinblick darauf sagen: Es bleibt die individuelle Lebensentscheidung jedes Einzelnen, wie viele Arbeitsstunden geleitstet werden wollen und sollen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der SPÖ. - Frau GRin Anderle, bitte. GRin Patricia Anderle (SPÖ): Schönen guten Morgen, Frau Vizebürgermeisterin. Sie haben eingangs schon einiges ausgeführt, und ich möchte jetzt gerne noch einmal nachhaken. Wie stellen Sie sicher, dass Kinder im Kindergarten optimal beim Spracherwerb unterstützt werden und so die bestmöglichen Entwicklungschancen haben? Welche konkreten Maßnahmen gibt es im Hinblick darauf? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage. Ich habe eingangs erwähnt, dass es wichtig ist, dass Sprachförderung alltagsintegriert stattfindet. Man kann auch sagen: Jeder Kontakt und jede Kommunikation mit einem Kind im Kindergarten erfolgt natürlich in der deutschen Sprache und sollte daher wirklich auch als Sprachförderkontakt verstanden werden. Und das ist eigentlich das Ziel, wohin ich möchte. Klar ist aber auch: So, wie der Kindergarten momentan aufgestellt ist, entspricht das nicht wirklich den Herausforderungen, die wir in der heutigen Zeit haben. Wir sehen, dass wir auch viel mehr multiprofessionelle Teams in den Kindergärten brauchen, und darunter, ganz gezielt, auch Sprachförderkräfte. Daher werden wir die Einrichtung der Sprachförderkräfte weiter ausbauen. Ich habe es ausgeführt: Es ist dies ein schwieriger Weg, aber wir gehen diesen konsequent weiter, weil wir das Ziel verfolgen, dass wirklich jeder Standort mit erhöhtem Sprachförderbedarf auch wirklich fix eine Person am Standort hat. Wir müssen uns momentan noch damit behelfen, dass da und dort die Kinder stundenweise quasi besucht werden. Das geschieht jetzt, doch als Ziel verfolge ich, dass an einem Standort jeweils eine fixe Kraft ist. Ich habe bereits erwähnt, dass jetzt die nächsten Lehrgänge der Sprachförderkräfte abschließen werden. Das heißt, wir werden heuer noch 50 ausgebildete Personen in den Kindergärten einstellen können, was natürlich wiederum ein großer Schritt ist. Wir werden das auch weiterverfolgen, und damit wird zu Beginn des nächsten Jahres auch ein weiterer Schritt gelingen, nämlich dass die ElementarpädagogInnen aus dem Kolleg, die im Februar abschließen, bereits ausgebildete Sprachförderkräfte sind. Es sind doch, glaube ich, 79 an der Zahl, die die bafep 21 abschließen, und diese werden dann, weil sie ElementarpädagogInnen, aber auch ausgebildete Sprachförderkräfte sind, im Kindergarten multiprofessionell agieren können. Einen weiteren wichtigen Punkt möchte ich auch noch erwähnen. Wir sind schon im laufendem Jahr eine Kooperation mit dem Verein STARTKLAR eingegangen, weil wir gesehen haben, dass es im Hinblick auf die Anstellungserfordernisse bei Sprachförderkräften schwierig ist, entsprechendes Personal zu finden. Der Verein STARTKLAR hat uns unterstützt. Das konnte im heurigen Jahr auf zehn Kindergärten ausgeweitet werden, Standorte mit hohem Deutschförderbedarf erhalten zusätzliche Unterstützung. Das ist ebenfalls ein Erfolgsmodell, und ich bin mir sicher, dass wir das in dieser Form auch weiterführen müssen bis wir die wirklich große Anzahl an fixen Sprachförderkräften haben. Eine weitere Maßnahme ist auch die Sprachberatung mit dem Ziel, dass wir das pädagogische Personal an den Standorten zum Thema Sprachförderung beraten, sensibilisieren und den Leuten auch klar übermitteln, wie Sprachförderung im eigentlichen Sinn vor allem für Kinder, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, besser funktionieren kann. Weitere UnterstützerInnen im Kindergarten sind die LesepatInnen. Auch dieses Projekt werden wir weiterführen. Dieses wurde erst in diesem Jahr gestartet. Wir haben momentan rund 84 LesepatInnen, die in den Kindergärten beim Vorlesen unterstützen. Ich halte nämlich das Lesen per se auch für eine ganz wichtige Form der Sprachförderung. Dieses Modell beziehungsweise Projekt beruht auf dem Engagement von Freiwilligen. Ich bin froh, dass sich dazu doch viele melden. Ich wäre natürlich noch froher, wenn es immer mehr werden, weil ich glaube, dass die LesepatInnen neben der Schule, wo sie schon eine ganz wichtige Stütze sind, auch im Kindergarten eine sinnvolle Ergänzung sein werden. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Die nächste Zusatzfrage wird Herr GR Zierfuß stellen. - Bitte, Herr Gemeinderat. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrte Frau Stadträtin! Wir haben jetzt viel über Sprachförderkräfte diskutiert. Ich glaube auch, dass wir uns in diesem Punkt einig sein können, dass, selbst wenn Sie sich bemühen, zu wenige verfügbar sind. Sie haben gesagt, 250 hätten Sie gestartet. Es gab nur eine Steigerung um etwa 100. Im Dezember 2020 waren es 294, damals noch laut Christoph Wiederkehr. Im Wesentlichen beschäftigen Sie dann auch Zusatzvereine, und an zehn Standorten passiert jetzt etwas. Die Grundintention der GRÜNEN ist aber sehr richtig: Wenn nicht jedes Kind, das es braucht, eine Sprachförderkraft bekommt - und die Zahlen besagen ja je nach Jahr, dass rund 45 Prozent sie nicht bekommen -, dann kann das Ergebnis nur sein, dass die Kinder nachher nicht ausreichend Deutsch können. Wir sehen das ja auch an der Zahl der außerordentlichen Schüler. Es ist vorher schon erwähnt worden, dass rund die Hälfte der Schulanfänger nicht Deutsch können, und davon waren zumindest 80 Prozent zwei Jahre im Kindergarten. Dieses Scheitern der Sprachförderung im Kindergarten ist also evident. Ich wollte Sie vor allem auch etwas fragen hinsichtlich einer Anfragebeantwortung zu den außerordentlichen Schülern: Wir wissen von Christoph Wiederkehr, der eine Anfrage beantwortet hat, dass immer der 1. Oktober Stichtag für außerordentliche Schüler ist. Deshalb frage ich Sie, wann damit zu rechnen ist, dass wir wissen, wie die außerordentlichen Schülerzahlen für dieses Schuljahr ausschauen werden. Vorsitzender GR Armin Blind: Bitte, Frau Stadträtin. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage. Ich habe jetzt eigentlich mehrere Fragen mitgenommen. - Ich glaube, die Sichtweise auf den Problemaufriss teilen wir definitiv. Die Probleme bestehen definitiv. Ich möchte aber trotzdem sagen, dass es nicht so ist, dass die Kinder quasi keine Sprachförderung erhalten. Ich weiß, dass sie in vielerlei Hinsicht nicht ausreichen. Und man muss auch ganz klar sagen - das möchte ich hier wirklich betonen -, dass natürlich der Kindergarten eine gute Grundlage bieten kann. Dieser hat, wie ich glaube, einen wichtigen Bildungsauftrag in der Sprachförderung. Wenn es jedoch kein unterstützendes Elternhaus gibt, wenn zum Beispiel auch der Sommer, der nicht im Kindergarten verbracht wird, gar nicht genutzt wird, wenn diese Kinder maximal 20 Stunden oder vielleicht sogar weniger im Kindergarten sind und wochenweise vielleicht nicht da sind, dann reicht das nicht. Dann können wir nicht allein dem Kindergarten und allen Pädagoginnen und Pädagogen überstülpen, dass sie ausschließlich für die Sprachförderung verantwortlich wären. Dafür braucht es nämlich mehr. Dafür braucht es die Einbeziehung der Eltern. Es muss das Bewusstsein bei den Eltern geschaffen werden, was es für ihre Kinder braucht, damit die dann einen guten Start in die Schule haben. Und ich bin vollkommen bei Ihnen. Ja, die Zahlen von außerordentlichen Schülern sind zu hoch. Mein Ziel ist es ganz klar, diese Zahlen mit vielen Maßnahmen, die wir setzen, zu senken. Das geschieht mit dem Ausbau der Einrichtung der Sprachförderkräfte, mit dem Einsatz von LesepatInnen und so weiter, zum Beispiel aber auch dadurch, dass die Kinder länger im Kindergarten behalten werden beziehungsweise vor allem auch die Zeit im Sommer für diese Kinder genutzt wird. Wenn diese nämlich wirklich neun Wochen lang kein Wort Deutsch sprechen - und diese Kinder gibt es -, dann ist ganz klar, dass all das Sprachwissen, das im Kindergarten vielleicht schon erworben wurde, verloren geht und diese Kinder dann als außerordentliche Schülerinnen und Schüler eingestuft werden. Wir haben deswegen im heurigen Sommer schon mit Interface, wo ja wie immer Sommerdeutschkurse angeboten werden, Extralehrgänge für Schulneulinge gestartet, also wirklich für Kinder, die aus dem Kindergarten kommen und in die Schule gehen werden. Das hat sich sehr gut bewährt. Die Resonanz war sehr positiv. Die Lehrgänge gerade für diese Zielgruppen waren zu 100 Prozent ausgelastet. Und wir werden im nächsten Jahr den Weg gehen, die betreffenden Eltern konkret und direkt anzuschreiben und das Angebot vor allem im Sommer noch einmal zu erhöhen. Ich bin mir sicher, dass das ein wesentlicher Baustein sein wird. Ob das ausreichend sein wird, wissen wir nicht, ich vermute aber, dass zwei Wochen im Sommer natürlich nicht ausreichen. Dafür braucht es ein umfassendes Paket. Zu Ihrer eigentlichen Frage bezüglich außerordentliche Schülerinnen und Schüler: Wir haben damals telefonisch mitgeteilt, dass wir mit der Anfrage leider warten müssen. Mit 1. Oktober werden die Zahlen eingemeldet. Sie sind gerade bei der Bildungsdirektion zur Aufarbeitung und quasi auch zur Bereinigung. Ich habe, als ich den Eingang meiner Mails durchgeschaut habe, gesehen, dass ich die Anfragebeantwortung heute bekommen habe. Ich werde mir diese anschauen und vielleicht heute, spätestens morgen freigeben. Vorsitzender GR Armin Blind: Danke, Frau Stadträtin. Die 5. und letzte Zusatzfrage kommt von Herrn GR Ornig. - Bitte sehr. GR Markus Ornig, MBA (NEOS): Schönen guten Morgen, Frau Stadträtin. Beim Thema Deutscherwerb geht es sowohl um das Thema Fördern, aber natürlich auch Fordern. Im Hinblick darauf lautet meine Frage: Welche Maßnahmen setzen Sie bei den Kindern im Kindergarten, damit das Fordern sozusagen ein wenig verbindlicher wird? Vorsitzender GR Armin Blind: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir haben in den letzten Jahren ja viel gefördert und ausgebaut. Dabei spreche ich nicht nur den Deutscherwerb im Kindergartenalter an, sondern auch in der Zeit darüber hinaus. Und wir sehen, dass ein breites Angebot auch gut genutzt wird, dass wir aber oftmals nicht die erreichen, die es besonders brauchen und die es besonders benötigen. Ich habe vorher über die Kinder gesprochen, die vom Elternhaus her keine Unterstützung haben, deren Eltern nicht das Bewusstsein haben, dass sie ihre Kinder über die Kindergärten hinaus zusätzlich unterstützen müssen. Diesen Eltern müssen wir konkrete Angebote machen beziehungsweise nicht nur konkrete Angebote unterbreiten, sondern ihnen auch sagen, dass eine Unterstützung notwendig und klug wäre. Wir haben auch im Regierungsprogramm vereinbart, dass wir an einer Verpflichtung arbeiten, dass Kinder, die Sprachförderbedarf haben, länger im Kindergarten bleiben, und dass wir von 20 auf 30 Stunden erhöhen. Wir arbeiten gerade daran. Gleichzeitig ist der Bund mit der Umsetzung des zweiten verpflichtenden Kindergartenjahrs beschäftigt, im Zusammenhang womit auch diese Frage der Erhöhung von 20 auf 30 Stunden mitbehandelt wird. Wir sind da im guten Austausch. Wir schauen uns das natürlich gemeinsam an. Wir streben diese Verpflichtung zur Erhöhung von 20 auf 30 Stunden an. Wir haben diesbezüglich in diesem Herbst schon einen ersten Schritt gesetzt. Die Eltern jedes Kindes, bei dem in der Sprachstandserhebung im Kindergarten festgestellt wurde, dass es Sprachförderbedarf hat, haben jetzt von der MA 10 einen Brief bekommen, dass die Sprachstandserhebung ein Sprachdefizit festgestellt hat. Und es wurde die dringende Empfehlung an die Eltern ausgesprochen, ihr Kind länger im Kindergarten zu belassen, nämlich statt der 20 Stunden 30 Stunden. Dieser Brief ist vorige Woche an die Kindergärten verschickt worden. Ein Punkt, den ich auch noch ansprechen möchte, ist, dass wir natürlich auch über eine Anwesenheit im Kindergarten in den Sommermonaten nachdenken. Ich habe in dieser Hinsicht die Interface-Kurse erwähnt. Wir werden diese ganz speziell auch für Kinder anbieten, die Sprachförderbedarf haben und gerade am Übergang vom Kindergarten in die Schule stehen. Auch diesbezüglich wird es eine konkrete Ansprache an die Eltern geben. Und in weiteren Schritten ist natürlich zu überlegen, ob auch im Sommer die Besuchspflicht aufgegriffen werden kann. Vorsitzender GR Armin Blind: Danke, Frau Stadträtin. Damit ist die Fragestunde beendet. Wir kommen nun zur Aktuellen Stunde. Gemäß § 39 Abs. 2 der Geschäftsordnung hat der Grüne Klub im Rathaus für die Aktuelle Stunde das Thema "Ziel- und planloses Kürzen - Rot-Pinker Vorschlaghammer zerstört soziale und ökologische Errungenschaften" ordnungsgemäß vorgegeben. Ich bitte die Erstrednerin, Frau StRin Mag. Pühringer, die Aktuelle Stunde zu eröffnen, wobei ich bemerke, dass ihre Redezeit mit zehn Minuten begrenzt ist. StRin Mag. Judith Pühringer: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Wienerinnen und Wiener! Kinder sind immer die Hauptleidtragenden bei Kürzungen im Sozialbereich. Und wir beweisen, dass wir zu unserem Wort stehen. In Wien lassen wir niemanden zurück. Wer hat das gesagt? - Sozialstadtrat Peter Hacker. Das sind Aussagen, die nicht einmal zwei Jahre alt sind. StR Hacker hat diesen Satz gesagt, als die Stadtregierung in Wien den Eltern-Familienzuschlag für Menschen in Mindestsicherung eingeführt hat. Das war notwendig, weil auf Grund der Sozialhilfe-Grundsatzgesetzgebung von ÖVP und FPÖ Härtefälle entstanden waren, die man ausgleichen wollte. StR Hacker hat das VfGH-Erkenntnis, das es damals gab, als sozialpolitisch schmerzhaft bezeichnet. Diese Aussagen gelten heute anscheinend nicht mehr, denn genau jetzt schaffen SPÖ und NEOS diesen Eltern-Familienzuschlag für Kinder in der Mindestsicherung, den sie selbst noch vor zwei Jahren eingeführt haben, einfach wieder ab. Lassen Sie mich jetzt alle Maßnahmen und alle Kürzungen aufzählen, auf die wir uns heute in der Aktuellen Stunde beziehen wollen. Zunächst die Kürzungen bei den Dauerleistungen in der Sozialhilfe. Sie alle wissen, wer gemeint ist, wenn es um Dauerleistungen geht. Dauerleistungen in der Sozialhilfe bekommen die Menschen, die arbeitsunfähig sind, nämlich Menschen mit schweren Erkrankungen, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und ganz vulnerable Personen. Das ist eigentlich die vulnerabelste Gruppe überhaupt, und bei diesen Menschen kürzen Sie. Zweiter Punkt: Abschaffung des Eltern-Familienzuschlags, die ich schon genannt habe. Wen trifft das? - Das trifft Kinder, das trifft Familien und vor allem natürlich Alleinerziehende. Dritter Punkt: Kürzung der Kinder-Mindestsicherung durch Einbeziehen der Wohnbeihilfe. Das Einbeziehen der Wohnbeihilfe führt automatisch zu einer Kürzung der Kinder-Mindestsicherung. Wen betrifft das? - Das betrifft Familien, das betrifft Kinder, und das betrifft Alleinerziehende ganz besonders hart. Weiters wird die Überführung von subsidiär Schutzberechtigten in die Grundversorgung dazu führen, dass viele Betroffene ab 1.1.2026 ihre Miete nicht mehr zahlen können. Und bei den subsidiär Schutzberechtigten trifft das auch 3 000 Kinder in Wien. All diese Kinder werden jetzt anscheinend nicht nur zurückgelassen, sondern diese Kinder werden ganz einfach fallengelassen. Und das ist nichts anderes als eine sozialpolitische Bankrotterklärung, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn Sie jetzt argumentieren, dass das eh nur kleinere Beträge sind und es sich eh nicht um riesige Summen handelt, dann würde ich Sie gerne erinnern an eine Umfrage beziehungsweise Studie, die vor zwei Jahren von StR Peter Hacker in Auftrag gegeben wurde. Dabei ist herausgekommen und wurde zitiert, dass 80 Prozent aller Haushalte, in denen Kinder in Mindestsicherung leben, angeben, dass sie einen Verlust von 100 EUR pro Monat nur sehr schwer verkraften können. Kinder in Mindestsicherung sind Kinder, die am Limit leben. Wenn Sie mir das nicht glauben, dann fragen Sie eventuell NGOs, und wenn Sie den NGOs nicht glauben, dann fragen sie unter Umständen NGOs, die auch Ihnen nahestehen! In Wien sind 29 Prozent aller Kinder armutsgefährdet, und das hat weitreichende Folgen. Das bedeutet, dass Kinder ein höheres Risiko haben, krank zu sein, und ein höheres Risiko haben, später selbst in Arbeitslosigkeit und Armut zu leben. Armut ist vererbbar. Seitens der Volkshilfe Wien hat man gesagt: Wir machen es Kindern in Wien sehr schwer, sich aus der Armut zu befreien. - Das sagt die Volkshilfe. Jetzt, Kolleginnen und Kollegen, machen Sie es Kindern aber nicht nur schwer, sich aus der Armut zu befreien. Sie kürzen nämlich jetzt weiter bei denen, die schon am Limit leben und die es schon am allerschwersten haben. Sie fahren da brutal mit dem Vorschlaghammer hinein. Sie kürzen einfach weg. Sie befreien die Kinder nicht aus der Kinderarmut. Nein, vielmehr verstärken Sie Kinderarmut in Wien, und das werden wir Ihnen ganz sicher nicht durchgehen lassen, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei den GRÜNEN.) Dass die ÖVP und die FPÖ beim Thema Mindestsicherung im Zusammenhang mit Kürzungen applaudieren und ihnen die Kürzungen gar nicht weit genug gehen können, das haben wir erwartet. Damit haben wir gerechnet. Darüber werden Sie wahrscheinlich heute noch reden. Dass die NEOS gleiche Chancen für alle Kinder propagieren und auf ihre Plakate schreiben. jedoch die ersten sind, die sich über eine Kürzung der Kinder-Mindestsicherung freuen, halte ich tatsächlich für einen totalen Skandal. Bei Ihnen gilt also: Gleiche Chancen für alle Kinder, nicht aber gleiche Chancen für alle Kinder in der Mindestsicherung. - Das finde ich skandalös, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich erinnere die SPÖ noch einmal an ihre Zitate vor zwei Jahren, mit denen immer wieder betont wurde, dass man niemanden in Wien zurücklässt - und Kinder schon gar nicht. Ich erinnere auch an den Wahlkampf. Damals hat der Bürgermeister die Kinderarmut zur allerwichtigsten Priorität gemacht. Ich erinnere daran, dass sich Ihr Bundesparteivorsitzender Andreas Babler ans Herz gegriffen und gesagt hat: Kinderarmut ist ein Skandal, der beendet gehört. Ich frage Sie: Was ist von diesen Tönen geblieben? Wie geht sich das aus mit Ihrem Verständnis von sozialer Gerechtigkeit? Wie lässt sich das mit Ihrer Auffassung in Einklang bringen, bei den Allerärmsten hinzugreifen und ihnen das ganz Wenige, das ihnen zum Leben bleibt, noch einmal zu kürzen? Wie geht sich das eigentlich mit Ihren großspurigen Ansagen zur Kindergrundsicherung und zum Kampf gegen Kinderarmut aus? Ist das auch sozialpolitisch schmerzhaft? - Mein Befund heute: Sie haben Ihren sozialen Kompass verloren, Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei den GRÜNEN.) Was Sie hier machen, hat mit sparen und sparsam sein gar nichts zu tun. Das ist kürzen auf dem Rücken der Allerärmsten, und das wird sich bitter rächen, weil wir genau wissen, dass man, wenn man bei den Ärmsten kürzt, nichts spart. Das wird nämlich Folgekosten im Bildungsbereich, im arbeitsmarktpolitischen Bereich und im Gesundheitsbereich verursachen. All diese Kosten werden enorm sein. Und ich frage Sie von der SPÖ Wien: Ist das der von Ihnen so oft propagierte Wiener Weg, den Sie meinen, nämlich bei der Kürzung der Mindestsicherung ohne Not vorauszupreschen? - Genau das tun Sie nämlich jetzt. Sie haben nicht gewartet bis das System vereinheitlicht wird, sondern Sie sind einfach vorausgeprescht. Und ich glaube auch nicht an Zufälle. Die "Krone" bringt zum x-ten Mal den Fall mit der kinderreichen Familie - und am nächsten Tag kürzen Sie die Mindestsicherung. Die SPÖ hat, wie gesagt, den sozialen Kompass verloren. Und ich sage Ihnen noch etwas. Den klimasozialen Kompass haben Sie nie in der Hand gehabt! Es passt eines zum anderen, und das ergibt ein komplettes Bild. 200 Millionen EUR Kürzung für die Mindestsicherung, auf der anderen Seite jedoch 3,7Milliarden EUR an Ausgaben für eine Autobahn in der Lobau. Wie passt das zusammen? Wie geht das zusammen? Es gibt eine Verteuerung der 365-EUR-Jahreskarte, die Parkgebühren werden ungleich viel weniger erhöht, und gleichzeitig wollen Sie den Klimaschutz auf Ihre Fahnen heften. Wie geht das zusammen, Kolleginnen und Kollegen? (Beifall bei den GRÜNEN.) Wir wissen aus dem Einmaleins der Armutsbekämpfung, dass es bei der Armutsbekämpfung immer um drei Dinge geht: um Existenzsicherung, um Zugang zum Arbeitsmarkt und um Zugang zu niederschwelligen sozialen Dienstleistungen. Alles zusammen ergibt immer das Thema Teilhabe. Es geht immer um Teilhabe. Sie schneiden bei der Existenzsicherung überall hinein. Und jetzt erreichen uns seit Wochen täglich neue Hilferufe verzweifelter NGOs, die uns sagen, dass im Zuge der Kürzung bei den sozialen Dienstleistungen Stück für Stück zusammengestrichen wird. Erfolgreiche soziale Projekte und Integrationsprojekte wird es nicht mehr geben, diese werden einfach abgedreht. Dabei geht es um Vorzeigeprojekte wie etwa die Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt. Vorher haben wir gerade über das Jedmayer und über Projekte geredet, bei welchen suchtkranke Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Auch all diese werden gestrichen. Mein Befund lautet daher: Wer so kürzt und jetzt noch in die sozialen Dienstleistungen greift, der geht ziel- und planlos vor. Wer so kürzt, der spart sich nichts. Wer so kürzt, hat seinen sozialen Kompass verloren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich frage Sie, wo jetzt eigentlich die breiten Schultern sind, von denen Sie immer geredet haben. Wo sind jetzt die breiten Schultern, mit denen in Zeiten der Sparsamkeit miteinander der Weg und die Herausforderungen, die vor uns liegen, gestemmt werden sollen? Ich frage Sie: Meinen Sie die breiten Schultern der Suchtkranken, die jetzt die Perspektive auf eine Integration in den Arbeitsmarkt verlieren? Oder meinen Sie die breiten Schultern der AlleinerzieherInnen, die in Mindestsicherung leben? Oder meinen Sie die breiten Schultern von Menschen mit Behinderung, die in Dauerleistung sind und denen jetzt das Wenige, was sie noch haben, weggekürzt wird? Und ich frage Sie: Wie erklären Sie das den Menschen? Ich komme zum Finale. Sparsamkeit und sparen ist immer auch eine Frage der Prioritätensetzung. Wir könnten längst über neue Einnahmemöglichkeiten zum Beispiel über die Leerstandsabgabe oder die Widmungsabgabe in Wien reden oder über eine Vermögenssteuer oder eine Erbschaftssteuer im Bund. Wir könnten längst die Verhältnismäßigkeit von Investitionen in den Straßenbau und den öffentlichen Verkehr ins rechte Licht rücken und dann echte klimasoziale Maßnahmen treffen. Zum Abschluss: "Wir lassen niemanden zurück!" - Das darf kein leerer Appell bleiben. Das dürfen keine leeren Worte bleiben. Das betrifft nämlich Kinder beziehungsweise Menschen am Existenzminimum. "Wir lassen niemanden zurück!" darf also kein Stehsatz sein. In Wirklichkeit muss der Satz "Wir lassen niemanden zurück!" das Credo und auch die Grundlage jeder sozial gerechten Budgetkonsolidierung sein. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Für die weiteren Wortmeldungen bringe ich in Erinnerung, dass sich die Damen und Herren des Gemeinderates nur einmal zu Wort melden dürfen und ihre Redezeit mit fünf Minuten begrenzt ist. Als nächster Redner hat sich Herr GR Zierfuß gemeldet. - Bitte, Herr Gemeinderat. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Kolleginnen und Kollegen! Wer den GRÜNEN gerade zugehört hat, der bekommt den Eindruck, dass es in Wien überhaupt keine Sozialleistungen gibt beziehungsweise dass diese viel zu niedrig seien. Sie haben im Ansatz vorhin schon Einzelfälle genannt, in denen riesige Familien in Wahrheit extrem hohe Beträge - 9 000 EUR netto im Monat - an Sozialleistungen bekommen ohne Arbeiten zu gehen. Und Sie haben gesagt, dass es falsch wäre, im Hinblick darauf zu sagen, dass die Sozialleistungen gekürzt werden sollen. Ich muss Ihnen sagen, die Folge dieser Ansicht ist ja nicht nur, dass die Kosten extrem steigen, nämlich in den letzten fünf Jahren von 700 Millionen EUR auf 1,2 Milliarden EUR bei der Mindestsicherung in Wien. Es wird mittlerweile mehr Geld für die Mindestsicherung als für die Kindergärten in Wien aufgewendet. Eine weitere Folge ist aber auch, dass immer mehr Menschen nur wegen der hohen Mindestsicherung hierherkommen. Wir hören aus anderen Bundesländern und mittlerweile auch aus anderen europäischen Ländern, dass Menschen hierherkommen, weil sie hier durch Sozialleistungen mehr bekommen als durch Arbeit in ihren Heimatländern oder in den Ländern, wo sie sich gerade aufhalten. Und eine weitere Folge ist natürlich auch, dass die Zahl dieser Familien mit extrem vielen Kindern, die Sozialleistung beziehen, immer mehr steigt. Zuletzt ist ja sogar von einer zwölfköpfigen Familie berichtet worden, die nur von Sozialleistungen lebt. Im Hinblick darauf muss ich Ihnen schon sagen: Soziale Politik ist nicht, allen Menschen alles zu geben, egal, ob sie etwas leisten. Sondern soziale Politik ist, den Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen und nicht nur wegen Hilfe hierherkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Es ist ja ohnehin schon das Motto in dieser Stadt von SPÖ und NEOS: Wer arbeiten geht, der soll draufzahlen. Öffis werden teurer, Parken wird teurer, Ortstaxe wird höher - und jetzt wird auch noch der Wohnbauförderungsbeitrag erhöht. Wohnbauförderungsbeitrag klingt einmal sehr technisch, was aber bedeutet das? - Dass jeder Mensch, der hier arbeiten geht, nächstes Jahr um 100 bis 200 EUR netto weniger Gehalt bekommt. Dazu muss ich sagen, ich glaube, es war den meisten Menschen unserer Stadt nicht einmal bewusst, dass die Stadt diesfalls direkt vom Gehaltszettel Geld abzwacken kann. Ich muss Ihnen aber auch ganz offen sagen: Wenn es darum geht, arbeitenden Menschen dieser Stadt etwas abzuziehen, dann werden SPÖ und NEOS ganz besonders kreativ. Ich stelle mir jetzt vor, was für eine Stadt das sein müsste, wenn Sie so kreativ bei den Einsparungen im Zusammenhang mit Ihrer Misswirtschaft wären, wie Sie beim Abzwacken von Geld von Menschen, die arbeiten gehen, sind. Das wäre eine tolle Stadt, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das müsste das Ziel sein! (Beifall bei der ÖVP.) Unternehmer werden zusätzlich belastet, die Arbeitsplätze hier in Wien schaffen. Dieser Wohnbauförderungsbeitrag bedeutet nämlich auch, dass die Unternehmer mehr Geld zahlen müssen, wenn sie Menschen anstellen. Ich habe gesagt, arbeitende Menschen zahlen drauf. Gleichzeitig gibt es hier aber Haushalte, die 9 000 EUR netto im Monat bekommen, ohne dass jemand arbeiten geht. Im Hinblick darauf muss Ich Ihnen sagen: Wer nichts leistet, der wird hier belohnt, und wer arbeiten geht, wird noch einmal mehr zur Kasse gebeten. Das ist ungerecht, das ist falsch, und eine solche Gesellschaft kann nicht funktionieren, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Jetzt müsste man glauben, dass Sie, wenn eh schon alle in der Stadt mehr zahlen müssen, wenn Sie Rücklagen auflösen, also auf die Sparkonten dieser Stadt noch einmal zugreifen, das Budget halbwegs im Griff haben müssten. Trotzdem machen wir aber budgetierterweise nächstes Jahr 2,65 Milliarden EUR neue Schulden. Das ist das höchste budgetierte Minus aller Zeiten in dieser Stadt! Wenn Sie sich an dieses Budgetminus, anders als im Jahr 2025, halten, dann ist es nur das zweithöchste Minus aller Zeiten. Das Minus ist aber immer noch in einem Jahr so viel wie man sonst in fünf oder zehn Jahren in dieser Stadt gemacht hat. Sie sparen also nicht ein, sondern Sie lassen die nächsten Generationen ihre Misswirtschaft auch noch zahlen. Das ist ungerecht gegenüber den jungen Menschen in dieser Stadt, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.) Man muss jetzt auch sagen, dass sich die Jungen bei Ihnen bedanken werden in dieser Stadt, wo es immer mehr Kinder gibt, die zum Schuleintritt nicht Deutsch können, und wo es immer mehr junge Menschen gibt, die keine gescheiten Ausbildungen haben. Von den jungen Männern in Wien im Alter von 20 bis 24 hat sogar schon ein Viertel keinen Sek-II-Abschluss, also keine Matura, keine Lehre, keine Berufsausbildung. Und wir wissen doch alle, was es bedeutet, wenn jemand keine Ausbildung hat. Das wird natürlich in sehr hohe Arbeitslosigkeit münden. In einer Stadt, wo all diese Probleme immer größer werden und ausufern, rühmen sich jetzt SPÖ und NEOS mit einem Budget, bei dem etwas eingespart wird. In Wahrheit wälzt diese Stadtregierung genau die Probleme ihrer Misswirtschaft nur auf die Menschen ab, die arbeiten gehen, nämlich auf die Unternehmer und auf die jungen Menschen, die Ihre Schulden einmal zurückzahlen müssen. Sie haben das Budget nicht gerettet, sondern Sie rauben unserer Stadt die Zukunft, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet hat sich Frau GRin Bernecker-Thiel. Ich erteile es ihr. GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel (NEOS): Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Wienerinnen und Wiener! Seit Wochen schleppen jetzt die GRÜNEN einen Hammer durch die Medien und behaupten, dieser würde im Sozialbereich zum Einsatz kommen. Ein Hammer ist natürlich ein plumpes Werkzeug, und dieses Bild beziehungsweise Gleichnis vom Hammer ist auch plump. Und ebenso plump ist die Politik, die auf diese Weise gemacht wird. (Zwischenruf von GRin Dr. Jennifer Kickert.) Vor allem aber ist die Aussage nicht nur plump, sondern sie ist auch falsch. Sie ist genauso falsch wie andere Aussagen, die die GRÜNEN in der Vergangenheit getätigt haben wie zum Beispiel, dass es den Gratiskindergarten nicht mehr geben würde. Das ist mittlerweile widerlegt. (Beifall bei den NEOS sowie Teilen der SPÖ.) Hat es aber eine Antwort dazu gegeben? Hat es einen Rückruf beziehungsweise Widerruf dieser Aussage gegeben? - Nein, hat es nicht! Und es wird auch in Zukunft noch falsche Aussagen geben. Wird es da eine Antwort darauf oder einen Rückruf geben? - Ich habe nicht das Vertrauen, dass das passieren wird. (Beifall bei den NEOS.) Wenn man ein bisschen genauer hinschaut, dann wird man sehen, dass nämlich nicht der Hammer zum Einsatz gekommen ist, sondern das Skalpell. Man könnte auch sagen: Wir haben nicht auf das Sozialsystem draufgehaut, wie behauptet wird, sondern wir haben am offenen Herzen operiert. Das ist jetzt vielleicht ein etwas kitschiger Vergleich, man kann diesen aber durchaus ziehen. Es hat sich nämlich um eine Operation gehandelt - und zwar um eine schwierige und anspruchsvolle Operation. Und diese Operation wurde an einem Patienten vorgenommen, der schon in einem kritischen Zustand war. Es wurde bereits erwähnt, womit wir in den Wahlkampf gegangen sind und was wir plakatiert haben. Wir sind in diesem Wahlkampf mit dem Thema Ehrlichkeit angetreten. Wir wollen ehrlich sagen, was Sache ist. Wir wollen auch ehrlich darüber sein, wo die Probleme liegen. Wir wollen auch ehrlich sein, wenn wir darüber sprechen, was wir leisten können. Ich möchte deswegen kurz rekapitulieren: Die Budgetsituation in Wien ist dramatisch, und sie ist die ärgste und dramatischste, die wir in Jahrzehnten hatten. (Zwischenruf bei der FPÖ: Wer hat die verursacht?) Das ist ein Faktum, mit dem wir verantwortungsvoll umgehen müssen und das wir nicht wegleugnen können, auch wenn es uns unbequem ist. (Zwischenrufe bei FPÖ und GRÜNEN.) Als Regierungspartei tragen wir die Verantwortung, hier etwas zu machen. Wir haben uns um diese Verantwortung nicht gerissen, weil wir wissen, dass es eine schwierige und undankbare Aufgabe ist. Wir wissen, dass wir es vielen Leuten nicht recht machen können. Wir wissen, dass es keine einfachen Lösungen gibt und dass schmerzhafte Kompromisse gefunden werden müssen. (Beifall bei den NEOS. - Zwischenrufe bei FPÖ und GRÜNEN.) Das haben wir getan, und wir haben es auf eine Weise gemacht, dass das Ergebnis fair und ausgewogen ist und dass die nötigen Einschnitte so gering gehalten werden wie irgend möglich. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Ich postuliere, dass uns da die Quadratur des Kreises gelungen ist. Wir haben vor ein paar Tagen das Budget für das kommende Jahr vorgestellt. Wir haben gesehen, es haben alle Geschäftsgruppen Einschnitte zu verzeichnen, alle Geschäftsgruppen haben gespart. Das Thema Soziales ist natürlich ein besonders großes und muss auch im großen Rahmen zur Budgetkonsolidierung beitragen. Der größte Hebel ist da ganz klar die Mindestsicherung. Rufen wir uns kurz in Erinnerung, was die Mindestsicherung ist: Sie ist ein Notfallnetz für all jene, die es brauchen, die nicht arbeiten können und deswegen auf Unterstützung angewiesen sind. Was ist sie nicht? - Sie ist nicht ein auf Dauernutzung ausgelegtes System. (StRin Mag. Judith Pühringer: Und deshalb reduzieren wir soziale Maßnahmen?) Das ist etwas, was wir NEOS natürlich immer wieder gesagt haben. Es kann nicht sein, dass sich Arbeit nicht lohnt. Wichtig ist uns, dass es Motivationen und Anreize gibt, möglichst schnell wieder in die Erwerbstätigkeit zu kommen. (Zwischenruf bei den GRÜNEN: Das ist zynisch! - GR Mag. Dietbert Kowarik: Das hätte man schon vor fünf Jahren machen sollen!) Wir haben bereits im Wahlkampf darauf hingewiesen, dass es gewisse Schieflagen gibt und dass wir vor allen Dingen auch auf Sachleistungen setzen wollen, um diese Schieflagen zu beheben. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Das Ergebnis der Budgetverhandlungen im Bereich der Mindestsicherung bedeutet unter anderem, dass nicht nur Geld gespart wird, sondern dass wir auch wichtige Schritte in diese Richtung setzen. (Beifall bei den NEOS.) Ich sehe, dass das Licht blinkt, ich mache es ganz kurz. Wir werden sparen, rund 200 Millionen EUR pro Jahr im Bereich Soziales, vor allen Dingen bei der Mindestsicherung, das sind 800 Millionen EUR in vier Jahren. Die drei wichtigsten Punkte: Subsidiär Schutzberechtigte werden aus der Mindestsicherung in die Grundversorgung überführt. Ich will nur sagen, das ist nicht extravagant, es ist nicht, wie es hier dargestellt wird, außergewöhnlich, sondern das passiert in allen anderen Bundesländern bereits jetzt - bis auf Tirol, aber da wird das noch kommen -, und das ist dort eine Selbstverständlichkeit. Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): Frau Gemeinderätin, ich darf Sie bitten, zum Schlusssatz zu kommen. GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel (fortsetzend): Ja, gut, Kürzungen wurden thematisch bereits erwähnt. Ich wollte nur sagen, es ist uns gelungen, eine ganze Reihe von Dingen zu erhalten. Wir stellen nach wie vor das Kindeswohl in den Mittelpunkt. Wir stehen nach wie vor zur Prämisse, dass Bildung das wichtigste Element ist, wenn es um die Armutsbekämpfung geht. Wir behalten also die Gratisganztagsschule trotz Spardrucks. Vorsitzender GR Armin Blind (erneut unterbrechend): Frau Gemeinderätin, bitte, Ihre Redezeit ist vorbei. GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel (fortsetzend): Gratismittagessen, Gratiskindergarten. - Ich danke. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Bevor ich dem nächsten Redner das Wort erteile, darf ich die Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen ersuchen, gerade bei Debatten mit kurzer Redezeit die Redezeit doch streng einzuhalten, da es sonst zu Ungerechtigkeiten kommen kann, die wir sicher alle nicht wollen. Als Nächster ist Herr StR Nepp zu Wort gemeldet, ich erteile es ihm. - Bitte. StR Dominik Nepp, MA: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir reden heute hier und jetzt über das größte Belastungspaket, das von der rot-pinken Regierung geschnürt wird. Wir reden darüber, dass Wien pleite ist, dass Wien bankrott ist, dass das Budget an allen Ecken und Enden kracht und kein einziges Regierungsmitglied ist hier anwesend. (Beifall bei FPÖ und ÖVP. - Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Sorry, hallo, hier!) - Frau Novak ist da, in der zweiten Reihe, nicht vorne. Aber ich sage Ihnen eines, bei einem so wichtigen Thema hat der Bürgermeister hier zu sein. (Beifall bei der FPÖ.) Der kann sich nicht drücken. Das ist ja nach dem Motto, die Ratten verlassen das sinkende Schiff, keiner will mehr etwas damit zu tun haben. Und wenn wir mit Ehrlichkeit beginnen - die NEOS haben den Begriff Ehrlichkeit eingebracht -, dann frage ich mich: Wo war denn diese Ehrlichkeit im Wahlkampf, wo ist das jemals von den NEOS debattiert worden, dass Wien so schlecht dasteht, wie es jetzt bekannt wurde? - Nichts davon war Thema. Frau Arapovic oder auch Frau Emmerling sind in Diskussionen die ganze Zeit herausgegangen und haben gesagt, wir werden uns hunderttausend neue Stützlehrer da und Schulpsychologen dort leisten. Da ist das Geld hinausgeworfen worden. Sie haben von Anfang an gewusst - Sie sind Teil dieser Regierung der letzten fünf Jahre -, wie es um dieses Wiener Budget steht. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Das ist kein hinausgeworfenes Geld!) Und jetzt kommen Sie heraus wie Magnus Brunner. Ich weiß nicht, das dürfte vielleicht irgend so ein Politikerding der Einheitsparteien sein, vorher immer zu sagen, es ist alles gut, und am Schluss ist dann immer alles ganz fürchterlich. Da fehlt eine Milliarde, dort fehlt eine Milliarde, es sind nicht vier Milliarden, es sind sechs Milliarden, zehn, 20, 30. Die Wirtschaft hat sich doch nicht so entwickelt, wie wir gedacht haben, Einnahmen fehlen. All das, was wir vorher schon gesagt haben - wo Sie dann gesagt haben, das ist ein Wahnsinn, die FPÖ redet alles nur schlecht, macht alles nur mies, das stimmt alles nicht -, bewahrheitet sich. Soviel zur Ehrlichkeit der rot-pinken Regierung. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn Sie sich rühmen, dass Sie jetzt 200 Millionen EUR einsparen, weil die subsidiär Schutzberechtigten das nicht bekommen und dieser Mehrkindzuschlag über die Wohnbeihilfe ein bisschen revidiert wird ... Das Gleiche haben wir davor verlangt. Wo war denn da die Zustimmung, apropos Ehrlichkeit? Wir verlangen schon seit langem, dass die subsidiär Schutzberechtigten in die Grundversorgung kommen und eben nicht die Mindestsicherung erhalten. Da hat es geheißen, das geht alles nicht, das können wir nicht machen, der soziale Friede ist dann gefährdet. Darauf habe ich immer gesagt: Aha, der soziale Friede ist gefährdet, wenn die kein Geld bekommen. Anscheinend sind das Schutzgelderpresser oder wie? (Heiterkeit bei GR Mag. Josef Taucher.) Wenn die keine Mindestsicherung bekommen via Schutzgeld, dann legen sie unsere Stadt lahm. Es hat doch geheißen, es ist unmöglich, jetzt auf einmal ist es möglich. Man sieht auch, FPÖ wählen wirkt, weil wir hier Druck ausgeübt haben, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Es geht uns aber nicht weit genug, es fließen ja noch immer hunderte Asylmillionen auch im Bereich der Mindestsicherung hinaus. Darum wollen wir auch, dass die Mindestsicherung an die Staatsbürgerschaft gekoppelt wird. Das ist aber anscheinend von Seiten der roten Stadtregierung nicht gewünscht. Man macht das Andere, man belastet jetzt die Menschen. Was hier passiert - Herr Zierfuß hat es schon gesagt, Wohnbauförderungsbeitrag, das klingt immer so abstrakt -, das ist ein riesengroßer Lohnraub. Sie sind Lohnräuber. Jeder, der arbeiten geht, kriegt am Ende des Monats weniger Geld. Sie greifen direkt in die Taschen der Menschen, die arbeiten. (Beifall bei der FPÖ.) Es sind 100 bis 200 EUR netto weniger, die im Jahr verdient werden, die Sie direkt abkassieren. Sie rühmen sich ja damit, 190 Millionen EUR streifen Sie sich anhand dieser Maßnahme ein, das heißt 95 Millionen EUR auf Seiten der Arbeitnehmer, aber auch der Wirtschaft, diesem zarten Pflänzchen der Wirtschaft, so haben die Spindoktoren das dem Herrn Bürgermeister eingeredet. Er hat in jeder Diskussion gesagt, das zarte Pflänzchen der Wirtschaft darf man nicht abtöten, das muss leben, das müssen wir gießen. Und was machen Sie jetzt? - Jetzt belasten Sie die Wirtschaft, 95 Millionen EUR von der einen Seite, 95 Millionen EUR von der anderen Seite. Jeder, der hier arbeitet oder Arbeit gibt und Arbeit schafft, wird von Ihnen bestraft. Und das ist eine unfaire Politik. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn Sie dann meinen, die Wohnbauförderung wird ja jetzt zweckgewidmet - das beschließen wir morgen im Landtag -, das wird sie eben nicht. Bis jetzt war sie nicht zweckgewidmet und jetzt ist das so schwammig formuliert. Nicht in Wohnungen wird investiert. Sie schreiben sogar noch hinein, in soziale Einrichtungen, Spitäler, Schulen -, das heißt, es ist gar nicht für neuen Wohnraum gedacht. Sie sanieren einzig und alleine das Schulbudget, das Gesundheitsbudget, das Bildungsbudget mit dieser Maßnahme. Sie schaffen keinen einzigen Wohnraum, aber darüber werden wir auch morgen in aller Härte diskutieren. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Mag. Andrea Mautz. Ich erteile es ihr. GRin Mag. Andrea Mautz (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Österreich steht vor dem größten Konsolidierungs- und Sparbedarf in der Geschichte der Zweiten Republik. Wir befinden uns mitten im längsten wirtschaftlichen Abschwung, den unsere Geschichte kennt. Der Gesamtausblick in Österreich ist nicht prickelnd, Sie wissen das: hohe Inflation und das Erbe der türkis-grünen Bundesregierung, die die Teuerung einfach hat durchrauschen lassen; falsche Prognosen, was die Einnahmen der Länder über die Ertragsanteile anbelangt, tun ihr Übriges dazu; die Inflation, die auch die Ausgaben der öffentlichen Hand massiv erhöht hat und das bei sinkenden Einnahmen. Ja, die Zeiten sind nicht gut. In guten Zeiten Politik zu machen, wenn es genug Geld gibt, ist die einfachere Übung. Der wahre Charakter unserer Stadt zeigt sich aber daran, wie wir miteinander umgehen, wenn es schwierige Zeiten gibt. Und da darf ich schon in Richtung meiner grünen KollegInnen sagen: Ein bisschen weniger Tränendrüse, ein bisschen weniger Polemik! (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Ja, es muss gespart werden, da gibt es auch nichts schönzureden. Wir in Wien machen das sozial gerecht und zu einem Drittel einnahmenseitig und zu zwei Drittel ausgabenseitig. Wir setzen auf nachhaltige Konsolidierung, nachhaltiges Sparen, ohne kurzfristige Tricks, keine Einmaleffekte, kein Verkauf des Familiensilbers, keine Privatisierungen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Und ja, da gibt es nichts zu verharmlosen, wir müssen sparen, auch in Wien, auch im Sozialbereich, aber ohne den sozialen Zusammenhalt in dieser Stadt zu gefährden. Wir wollen und wir werden das Auffangnetz Mindestsicherung auf stabile Beine stellen. Und das müssen wir jetzt tun, auch wenn unsere Forderung nach einer bundesweit einheitlichen Regelung der Sozialhilfe aufrecht bleibt. Wir wollen auch, dass alle arbeitsfähigen Menschen in der Mindestsicherung direkt vom AMS betreut werden. Und ja, die Kindergrundsicherung bleibt eine Forderung, eine Vision, an der wir weiter arbeiten werden. Die Wiener Mindestsicherung wird gezielt weiterentwickelt, und wir machen Anpassungen mit sozialem Verantwortungsbewusstsein. Ein wichtiger Schritt dabei ist die bundesweite Vereinheitlichung der Zuständigkeiten für subsidiär Schutzberechtigte. Wien ist das letzte Bundesland, das subsidiär Schutzberechtigten den Zugang zur Mindestsicherung gewährt. Aber auch in Wien werden wir diesen Personenkreis, wie in allen anderen Bundesländern bereits üblich, in die Leistungen der Grundversorgung überführen. Die Mindestsicherung ist nämlich nicht das geeignete Instrument für die Integration und muss das letzte Netz der Existenzsicherung bleiben. (StR Dominik Nepp, MA: Jahrelang haben Sie das ausgezahlt!) Wien kann in diesen Zeiten nicht länger langjährige Versäumnisse der Bundespolitik auffangen. Wir gehen davon aus, dass der Bund rasch die nötigen Schritte unternimmt, um die Grundversorgungsleistung österreichweit in einem existenzsichernden Ausmaß zu gestalten, sodass die Betroffenen auch zukünftig abgesichert sind. Ich möchte betonen: Wien konsolidiert gezielt und gerecht. In Wien fließt mehr als ein Viertel des Gesamtbudgets auch 2026 in den Bereich Soziales und Gesundheit. Wir bleiben also die soziale Stadt, die auf einen schaut, wenn es einmal bergab geht. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Deshalb gibt es die beste Gesundheitsversorgung für alle. Die Kliniken Hietzing und Ottakring werden wie geplant fertiggestellt. Der Ausbau auf einhundert regionale Gesundheitszentren findet statt, und die Behindertenhilfe sowie die psychische Gesundheitsversorgung werden ausgebaut. Das Winterpaket für obdachlose Menschen bleibt bestehen. Die Mindestsicherung bleibt als letztes Sicherungsnetz bestehen und wird zielgerichteter und gerechter. (GR Georg Prack, BA: Was heißt gerechter?) Wien bleibt stabil, und deshalb bleibt der Kindergarten in Wien trotz Konsolidierungsdruck beitragsfrei. Gratisganztagsschule und Schulmittagessen bleiben, Lernhilfe und Summer City Camps werden fortgeführt. Leistbares Wohnen, Wohnbeihilfe und Mietbeihilfe werden fortgesetzt, Neubau- und Sanierungsprogramme bleiben bestehen. Ein Bereich, der mir auch sehr wichtig ist: keine Einsparungen bei Gewaltschutz und Frauengesundheit. Wir müssen sparen. Das tun wir mit sozialer Verantwortung und Blick auf die gesamte Stadt und alle Bereiche, die für ein gutes Leben in Wien wichtig sind. - Herzlichen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Juraczka. - Herr Gemeinderat, Sie haben das Wort. GR Mag. Manfred Juraczka (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine sehr geehrten Damen und Herren! Als ich am Montag in der Früh von meinem Klub informiert wurde, dass die GRÜNEN heute die Aktuelle Stunde haben, dass es wohl über das Budget gehen wird und ich mich vorbereiten möge, bin ich davon ausgegangen, ich werde mich dem widmen, was wir jetzt schon auf Grund der medialen Berichterstattung und der Hintergrundgespräche der Frau Stadträtin und des Herrn Finanzsprechers Ornig über das Budget 2026 wissen. Wir werden das bis Dezember ja noch mehrfach tun. Das dachte ich, bis ich den genauen Wortlaut der GRÜNEN bekommen habe, nämlich: "Ziel- und planloses Kürzen - Rot-Pinker Vorschlaghammer zerstört soziale und ökologische Errungenschaften." Erlauben Sie, vielleicht habt ihr euch das ausgemacht, damit ihr auch einen Teil der Kritik übernehmt, aber ich kann mich gar nicht nur der Stadtregierung widmen, ich muss auch auf dieses Thema eingehen, denn das genau ist das Problemfeld, das wir in dieser Stadt haben und nicht nur hier. Es ist ein Grundübel der Politik, Sparsamkeit als Makel und Brot und Spiele als wünschenswerten Normalzustand zu empfinden. Das geht so nicht mehr. (Beifall bei der ÖVP. - GR Mag. Dietbert Kowarik: ... Brot und Spiele!) Meine Damen und Herren, es haben nicht die Wienerinnen und Wiener über ihre Verhältnisse gelebt, es hat die öffentliche Hand - nicht nur in Wien, aber vor allem in Wien - über ihre Verhältnisse gelebt. Darum ist, wenn man Rot- Pink etwas zugutehalten will - und das ist nicht immer ganz einfach -, die Überlegung, zwei Drittel ausgabenseitig und nur ein Drittel einnahmenseitig zu konsolidieren prinzipiell in Ordnung und richtig so. Der Prozentsatz wäre anders noch besser, wie auch immer. Was mich aber bei dieser Aktuellen Stunde verstört, ist, dass man nicht versteht, dass Effizienz nur durch Wettbewerb entstehen kann und dass beispielsweise private Unternehmen auch besser wirtschaften als die öffentliche Hand. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Nicht, weil es ein Naturgesetz ist, sondern weil sie es einfach müssen, und das ist gut so. Mir fehlt bei den GRÜNEN hier wirklich jede Wirtschaftskompetenz, wenn man auch Entlastungen nicht als etwas versteht, was die Wirtschaft ankurbelt. Wann, wenn nicht jetzt, brauchen wir Dinge, die die Wirtschaft ankurbeln, niedrige Belastungen, jedenfalls Anreize für Arbeit, Investition und Innovation? (Beifall bei der ÖVP. - Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Wir brauchen Haushaltsdisziplin - ich sehe, meine Zeit geht munter dahin -, wir brauchen vor allem Eigenverantwortung statt Abhängigkeit. Dazu ist schon einiges gesagt worden, auch von Kollegen Zierfuß. Die katholische Soziallehre ist ein wunderbares Beispiel dafür: Hilfe zur Selbsthilfe, aber nicht die soziale Hängematte. (Zwischenruf von StRin Mag. Judith Pühringer.) Ich muss ganz ehrlich sagen, es kann nicht sein, dass acht andere Bundesländer in diesem Land keine soziale Kompetenz haben und keine soziale Verantwortung wahrnehmen. Zu Ihnen, Frau Kollegin Mautz, weil ich Ihnen auch sehr genau gelauscht habe: Ich finde es ja sehr nett, wenn Sie heute herausgehen und sagen, wir werden jetzt die subsidiär Schutzberechtigten in die Grundversorgung überstellen, denn dort gehören sie hin. - Ja, eh, aber wie lang diskutieren wir das jetzt? Wie viele Jahre appellieren wir darauf, auch mit Hinweis auf andere Bundesländer, dieses Einsparungspotenzial nicht nur zu heben, sondern vor allem Gerechtigkeit im Bundesländervergleich herzustellen und endlich auch diesen Pullfaktor, der davon ausgeht, für Wien zu beseitigen. Da sind wir aber jahrelang auf taube Ohren gestoßen, aber gut, dass es zumindest jetzt der Fall ist. (Beifall bei der ÖVP.) Der Staat besitzt kein eigenes Geld, er verteilt nur, was fleißige Bürger erwirtschaftet haben. Daher brauchen wir jetzt, das sei nicht nur den beiden Regierungsparteien, sondern vor allem auch den GRÜNEN als Initiatoren dieser Aktuellen Stunde ins Stammbuch geschrieben, drei Notwendigkeiten: Runter mit der Arbeitslosigkeit, um endlich den Sozialstaat zu entlasten; Wachstum, Wachstum, Wachstum noch einmal ganz wichtig - unser Bundeskanzler Stocker hat nicht aus Jux und Tollerei das Ziel von zumindest einem Prozent Wachstum für 2026 ausgegeben. Und der dritte Punkt: Wir brauchen auf Sicht natürlich Haushaltsdisziplin, denn 2,6 Milliarden EUR für 2026, meine Damen und Herren, das ist nichts, ich denke, auch da wird es vielleicht ein Nicken geben, was uns längerfristig glücklich machen kann. Da müssen wir sehr schnell herunterkommen. Ein letzter Satz zum rot-pinken Entwurf, denn ganz ungeschoren kann man diese Stadtregierung nicht lassen: Sie haben von zwei Drittel ausgabenseitiger Konsolidierung gesprochen. Ich sehe sie nur noch nicht. Ich bin sehr gespannt, wenn wir das in den nächsten Wochen erörtern werden - ich weiß, der Herr Vorsitzende schaut genau auf die Uhr! -, dazu nur so viel: Budgetschmähs wie die Erhöhung der Fernwärme, die nicht budgetwirksam wird, um dann in den Koalitionspakt hineinzuschreiben, die Dividende wird erhöht ... Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): Herr Kollege, die Uhr des Kollegen ist bereits abgelaufen. GR Mag. Manfred Juraczka (fortsetzend): Aber die Dividende wird erhöht, das ist nichts, wo wir glauben, dass so eine sinnvolle Budgetkonsolidierung ablaufen kann. - Vielen herzlichen Dank. Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster auf der Rednerliste gemeldet ist Kollege Gara. - Herr Gemeinderat, bitte um Ihr Wort. GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS): Danke, Herr Vorsitzender! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich müsste diese Aktuelle Stunde der GRÜNEN ja "Ziel- und planloses Verunsichern der BürgerInnen Wiens" lauten. (Beifall bei den NEOS.) Sie haben das mit einer Demonstration, also einer sehr kleinen Demonstration vor dem Rathaus gemacht. Ich muss ehrlich sagen, das war eine wirklich sehr unredliche Kampagne von den GRÜNEN. Ganz ehrlich, ich kenne Sie so nicht. Es war eine unredliche Kampagne (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.), die BürgerInnen Wiens, die Eltern von Kindern zu verunsichern und auch Angst auszulösen, indem man sagt, der Gratiskindergarten wird abgeschafft. - Das wird er nicht. (Beifall bei den NEOS. - Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Die kostenfreie Ganztagsschule wird abgeschafft. - Das wird sie nicht. (Beifall bei den NEOS.) Das kostenfreie Mittagessen wird abgeschafft. - Das wird es nicht. (Beifall bei den NEOS. - GRin Dr. Jennifer Kickert: Diese Aufzählung, das ist unredlich! - Weitere Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Ich kann viele andere Punkte aufzählen. Das ist quasi jetzt die eine Seite. Ich kann das natürlich auch noch erweitern, um das, was Sie auch noch in Ihrem Titel dieser Aktuellen Stunde diskutieren wollten - sehr stark haben Sie das noch nicht getan -, nämlich das ganze Thema der ökologischen Errungenschaften. Also davon ist nichts abgeschafft worden. Ganz im Gegenteil, denn wir halten Kurs. (Zwischenruf bei den GRÜNEN: Die Jahreskarte!) Wir halten Kurs, was die Klimaneutralität 2040 betrifft. Wir halten Kurs, was das gesamte Thema "Raus aus Gas" betrifft. Wir halten Kurs, was die Klimagovernance der Stadt betrifft, es wird gerade auch der Klimafahrplan aktualisiert. Also all diese Aspekte, wir halten Kurs, davon wird nichts abgeschafft. Ich verstehe das eigentlich nicht. (Beifall bei den NEOS. - GR Georg Prack, BA: Finden Sie das nicht selber lächerlich?) Ich habe Sie hier schon als etwas redlicher empfunden. Aber ganz ehrlich, das ist für mich unverständlich, denn eines darf man nicht vergessen: Der eigentliche Hammer, der eigentliche Vorschlaghammer, war ja letztendlich die Schuldenpolitik von Türkis-Grün. (GR Georg Prack, BA: Geh, bitte!) Ich finde es ja auch sehr erstaunlich, dass Kollege Zierfuß sich hier herausstellt und über Schulden diskutiert. Ich wäre da etwas vorsichtig. Diese Schuldenpolitik hat uns, und das muss man sagen und das betrifft einfach auch Wien, die höchste Inflation in Europa geschaffen. Das hat mehrere Gründe, aber man muss auch sagen, es wurde da auch sehr viel Geld für sehr, sehr viele Maßnahmen ausgegeben, die nicht treffsicher waren. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Gießkanne!) Und natürlich schauen wir jetzt, dass wir nicht mit der Gießkanne ausgeben, sondern die Maßnahmen treffsicher verankern. (Zwischenrufe bei GRÜNEN und ÖVP.) Das sind wir den Wienerinnen und Wienern schuldig. (Beifall bei den NEOS.) Ich finde es auch immer bemerkenswert, über wie viele Punkte Sie sich beschweren oder sagen, dass da zu wenig gemacht wird. Das war auch in der Anfrage an StR Hacker im Gesundheitsbereich so. School Nurses-Ausbau: Wir halten auch hier an den Plänen fest, auch da machen wir weiter. Ja, wir können das vielleicht nicht in dem Tempo machen, wie wir wollen, aber wir halten daran fest, wir bauen das weiter aus. Wir bauen mit den Kinder-PVEs die Versorgung für Kinder und Jugendlichen weiter aus. Wir halten an den Plänen für dezentrale Gesundheitseinrichtungen fest. All das ist wichtig für diese Stadt. All das ist auch eine wichtige soziale Basis für diese Stadt. Also da gibt es keinen Vorschlaghammer, nein, hier gibt es klare Ziele, klare Verantwortung und dazu stehen wir auch. Wenn Sie über die Öffi-Preise sprechen, vielleicht wird das Thema noch kommen, Sie haben es ja über Ihre Zwischenrufe auch schon öfters gesagt. Ja, Dinge muss man auch anpassen, weil sie über ein Jahrzehnt nicht angepasst wurden. (StR Dominik Nepp, MA: Soviel zur Ehrlichkeit! Der Herr Bürgermeister hat gesagt, es wird nicht angepasst!) Der wichtige Punkt dabei ist, dass die Leistung in diesen zehn, fast 15 Jahren massiv gestiegen ist. Das heißt, hier sind wichtige Maßnahmen getroffen, damit wir auch langfristig zukünftig in den öffentlichen Verkehr investieren können. Das ist wichtig für die WienerInnen, das ist wichtig für eine ökologisch-soziale, verantwortliche Stadt. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Kollegin Schneckenreither. - Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Theresa Schneckenreither, MSc (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Wienerinnen und Wiener! Wir haben jetzt schon sehr viel zum ziel- und planlosen Kürzen der rot-pinken Stadtregierung geredet, teilweise ein bisschen weniger grausig, manchmal ein bisschen mehr. Ganz oft ist auch das Thema Ehrlichkeit und Redlichkeit, gerade von den NEOS-KollegInnen, gekommen. Deshalb möchte ich noch einen weiteren Aspekt herausstreichen, der mir in der Debatte ein bisschen abgeht, nämlich das Wie. Und zwar, wie die Wiener Stadtregierung beim Budget 2026 vorgegangen ist und wahrscheinlich auch noch weiter vorgehen wird, nämlich ganz unter dem Motto Zahlentricks statt Transparenz und Framings statt Fakten. Wir erinnern uns vielleicht, in der letzten Gemeinderatssitzung am 24. September hat die ÖVP eine sehr detaillierte Anfrage an StRin Novak gestellt mit vielen Fragen zum Budget 2026. StRin Novak hat quasi keine einzige davon wirklich beantworten können, am nächsten Tag war dann auch klar warum. In einem Hintergrundgespräch sind JournalistInnen informiert worden, dass der Budgetbeschluss 2026 um ganze drei Wochen verschoben werden muss, scheinbar war man da zu dem Zeitpunkt noch nicht fertig. Somit hat sich auch die Deadline für die Veröffentlichung des Voranschlages 2026 um ganze drei Wochen verschoben. Statt in dieser Woche schon die genauen Zahlen auf dem Tisch zu haben, kriegen wir sie erst Mitte November. Die Opposition hat darüber übrigens aus den Medien erfahren, mit uns ist darüber nicht geredet worden. Letzte Woche dann die nächste Überraschung, wieder in einem geheimen Hintergrundgespräch, ohne Einbindung der Opposition, sind Journalistinnen und Journalisten darüber informiert worden, man sei jetzt plötzlich doch schon fertig, man hat einen ganz genauen Plan, wie man das Budget saniert. Statt aber transparent vorzulegen, wie die Zahlen wirklich ausschauen, also den Voranschlag transparent zu veröffentlichen, hat man den Journalistinnen und Journalisten Framings vorgelegt und keine Fakten, man hat nicht überprüfbare Zahlentricks präsentiert. Am besten haben mir die angeblichen 2 Milliarden EUR, die nächstes Jahr konsolidiert werden sollen, gefallen. Dazu hat man einen ganz einfachen Zahlentrick angewendet: Man hat einfach einen neuen Wert erfunden, den sogenannten Mehrbedarf, einen völlig fiktiven Mehrbedarf von 4,69 Milliarden EUR, den es angeblich für 2026 gibt. Davon ausgehend hat man dann gesagt, da kann man noch ganz viel machen, und kommt dann trotzdem, trotz dieses scheinbar übermenschlichen Konsolidierungsbedarfs, auf das zweithöchste Budgetdefizit der Stadt Wien, gleich nach dem heurigen Jahr. - Ich habe zu Hause ein Buch mit dem Titel "Lügen mit Zahlen" liegen. Es ist ganz interessant, was da so drinnen steht. Ich habe das Gefühl, die Autoren könnten da noch etwas von der Stadtregierung lernen. (Beifall bei den GRÜNEN.) In Wahrheit ist es nämlich so, dass das Defizit - wie gesagt, heuer hofft man scheinbar, dass man bei 3,2 Milliarden EUR zu liegen kommt - lediglich um 550 Millionen EUR für nächstes Jahr reduziert, also weit, weit, weit entfernt von diesen angeblich 2 Milliarden EUR. Ein weiteres Highlight ist in den Unterlagen, die von der SPÖ und den NEOS herausgegeben wurden beziehungsweise es steht auch in der OTS des Rathausklubs, dass Wien sich der angeblichen supertollen Wirtschaftsleistung vor allem im Jahr 2023 rühmt. Wenn man sich das ein bisschen genauer anschaut und nur den ersten Absatz von der Pressemitteilung der Statistik Austria dazu liest, kommt man relativ schnell drauf, dass das einzige Wachstum, das es im Vergleich zu anderen Bundesländern gegeben hat, lediglich darauf basiert, dass es Betriebsumsiedelungen gegeben hat, von Vorarlberg nach Wien. Hätte es diese Effekte nicht gegeben, wäre auch Wien negativ gewesen. Das ein bisschen Dissen der anderen Bundesländer finde ich auch deswegen ganz frech, denn wenn man sich das Gesamtdefizit der Bundesländer und Gemeinden anschaut, dann trägt Wien mindestens ein Drittel, wenn nicht bis zu 40 Prozent dazu bei. Warum ist das jetzt so schlimm? - Wir werden beim nächsten Tagesordnungspunkt über die Demokratie-Strategie der Stadt Wien sprechen. SPÖ und NEOS werden sich - schauen wir dann, ob zu Recht oder nicht - damit rühmen, dass sie diese Strategie vorgelegt haben. Ich bin auch absolut davon überzeugt, dass da sicher ganz schlaue Sachen drinnen stehen. Wenn man aber schon bei dieser Kommunikation zum Budget 2026 so absolut intransparent kommuniziert, dann kann man diese Demokratie-Strategie gleich wieder kübeln, denn dann vertrauen die BürgerInnen einfach nicht. (GRin Mag. Dolores Bakos, BA: Ernsthaft?) Die Leute merken es, wenn sie angeschwindelt werden, sie merken es, wenn ihnen dann etwas Falsches vorgelegt wird (Zwischenrufe bei den NEOS.), wenn intransparent kommuniziert wird, und das schadet unserer Demokratie ganz massiv. (GRin Mag. Dolores Bakos, BA und GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara: Das schadet der Demokratie!) - Danke schön. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächsten auf meiner Rednerliste finde ich GR Krauss. - Ich gebe Ihnen das Wort und bitte darum. GR Maximilian Krauss, MA (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine sehr geehrten Damen und Herren! Es ist gut, dass wir heute über das bevorstehende Budget sprechen. Man muss allerdings vorweg doch festhalten, dass es nur wir Freiheitlichen waren, die seit Jahren davor gewarnt haben, wohin Ihre desaströse Budget- und Finanzpolitik der letzten Jahre in Wien führen wird. Wir haben immer davor gewarnt, Sie haben diese Stadt trotzdem finanziell an die Wand gefahren. Sie haben dafür gesorgt, dass sich auch immer mehr Menschen das Leben in dieser Stadt nicht mehr leisten können und dieses Budget, das in wenigen Wochen von Ihnen vorgelegt werden wird, wird der nächste Anschlag auf die fleißigen Menschen dieser Stadt sein. Und das ist eine katastrophale Politik. (Beifall bei der FPÖ.) Wir Freiheitlichen haben in den letzten Jahren immer gewarnt. Wir haben gesagt, dass Ihre Politik des Verschenkens von hunderten Millionen Euro pro Jahr an Menschen, die oftmals noch nie einen Cent in unser Sozialsystem eingezahlt haben, an Menschen die häufig kriminell werden und an Menschen, die oftmals gar keinen Beitrag zu dieser Gesellschaft leisten wollen, dass diese katastrophale Politik Folgen haben wird. Die Folgen sind jetzt eingetreten: Die Folgen sind Mehrbelastungen für die Steuerzahler, die Folgen sind ein Lohnraub bei allen fleißig arbeitenden Menschen dieser Stadt. Das ist Ihre Politik, die Sie zu verantworten haben. Das ist die Politik, die wir ganz klar ablehnen. (Beifall bei der FPÖ.) Anstatt den Sparstift jetzt einmal auch wirklich dort anzusetzen, wo es nötig wäre - eben bei einem großen Brocken, bei der Mindestsicherung und diese nur noch an Staatsbürger auszuzahlen -, machen Sie auch da keine Schritte, die weit genug gehen, um das Budget entsprechend konsolidieren zu können. Ein Punkt, wo Sie in Wahrheit auch gar nichts angreifen, ist der ganze Förderungs- und Subventionsbereich. Wir als Stadt beziehungsweise Sie als Stadtregierung zahlen jedes Jahr hunderte Millionen Euro an Förderungen aus. Förderungen, die oftmals sehr fragwürdig sind, Förderungen, die oftmals sofort gestrichen werden könnten, ohne dass sie in dieser Stadt fehlen würden. Sie machen da gar nichts. Sie belasten auf der einen Seite weiter und fördern auf der anderen Seite linke Ideologie, woke Vereine und Genderpolitik noch immer mit absurd hohen Beträgen. Auch damit sollte endlich Schluss sein. (Beifall bei der FPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben im Wahlkampf oft über die 700 Millionen EUR gesprochen, die Sie jedes Jahr an Asylanten verschenken. Hätten wir das nicht gebetsmühlenartig getan, dann würden Sie nicht einmal diesen kleinen Schritt in die richtige Richtung setzen, den Sie jetzt vorhaben. Worüber wir allerdings auch sprechen müssen, sind die Folgekosten Ihrer ungezügelten Migrationspolitik nach Wien. Es sind ja nicht nur die 700 Millionen EUR über die Mindestsicherung, die da jedes Jahr ausgezahlt werden, nein, Sie haben ein komplettes Susi-Sorglos-Paket für jedermann aus jeder Welt, der als Glücksritter nach Wien kommen möchte und als Glücksritter nach Wien kommt. Diese Folgekosten sind natürlich auch riesig, und die sind natürlich auch zu thematisieren. Denn was entsteht im Bildungsbereich? - Wir brauchen viel mehr Lehrer, wir brauchen viel mehr Deutschförderpersonal. Was entsteht im Spitalsbereich? - Auch dort enorme Mehrkosten, alleine, wenn ich an die Dolmetscher denke. Ihre Zuwanderungspolitik, Ihre Politik der offenen Türe hat dazu geführt, dass diese Stadt in Wahrheit nahe am Bankrott ist. (Zwischenruf von GRin Mag. Dolores Bakos, BA.) Und das können Sie auch nicht weglachen, denn diese Zahlen picken. (Beifall bei der FPÖ.) Sie haben ja einige Dinge bereits durchsickern lassen, die wir dem Budget werden entnehmen können. Wir können allerdings nur sagen, dass wir schon sehr gespannt sind, welche ideologischen Projekte von Ihnen nicht gestrichen werden, welche Förderungen nicht gestrichen werden oder auch welche unnötigen Fahrrad-Highways Sie trotzdem mit Millionen Mehrkosten durchziehen werden. Meine sehr geehrten Damen und Herren, was diese Stadt endlich bräuchte, wäre eine vernünftige Budgetpolitik. Was diese Stadt endlich bräuchte, wäre eine ehrliche Budgetpolitik. Und was diese Stadt definitiv bräuchte, wäre ein Ende dieser rot-pinken Stadtkoalition, die die letzten fünf Jahre dazu genutzt hat, das Geld zu verschleudern, die vor der Wahl die Menschen belogen und behauptet hat, es gäbe ein konsolidiertes Budget und es gäbe gar keine großen Probleme. Eine Politik, die fünf Jahre Geld verschwendet, dann vor der Wahl die Menschen belügt und nach der Wahl mit einem riesigen Belastungspaket konfrontiert, braucht wirklich niemand. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Letzter dazu zu Wort gemeldet ist Herr GR Ackerl. - Herr Gemeinderat, bitte sehr. GR Mag. Alexander Ackerl (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Stadträtin, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wien ist die Stadt, die Klimaschutz mit sozialer Verantwortung und hoher Lebensqualität verbindet. Unser Budget 2026 beweist: Auch in Zeiten der Konsolidierung investieren wir mit Weitblick in ein klimaneutrales, ein lebenswertes Wien. (Zwischenruf von StR Peter Kraus, BSc.) Die Sozialdemokratie steht für Taten, nicht für leere Versprechen und dafür, dass Wien bis 2040 klimaneutral wird. Wir investieren also weiter in den Klimaschutz und in die Klimaanpassung. Die Entsiegelung und Begrünung der Simmeringer Hauptstraße, des Nordbahnviertels und des Donaukanals machen unsere Grätzel kühler und lebenswerter. Mit "Raus aus Gas" starten wir hundert neue Projekte, um bis 2040 aus den fossilen Brennstoffen auch in der Heizung zu Hause auszusteigen. Der Ausbau der U2 und U5 wird trotz knapper Finanzmittel und entgegen den Gerüchten vollumfänglich fortgesetzt. Dazu kommt der weitere Ausbau der Radwege. 55 neue Radwegprojekte mit 24 Kilometer Radwegen haben wir allein im Jahr 2025 bereits umgesetzt, für ein sicheres, gesundes und nachhaltiges Vorankommen. Und die Investitionen gehen natürlich auch nächstes Jahr weiter. In unserem Budget sind weiterhin fast 2 Milliarden EUR für die Umweltagenden vorgesehen. Von einem Kahlschlag, wie Sie ihn hier düster prophezeien, kann also überhaupt keine Rede sein. Unsere Erfolge sprechen für sich: Mit nur 3,3 Tonnen CO2-Ausstoß pro Kopf sind wir das klimafreundlichste Bundesland. Seit 2005 haben wir unsere Emissionen um 31 Prozent gesenkt. Das ist wesentlich besser als der Österreichschnitt. Wir haben in den letzten Jahren über 500 000 Quadratmeter begrünte Flächen geschaffen und der Ausbau der U2 und der Bau der U5 ersetzt in Zukunft zehntausende Autofahrten und spart der Umwelt so geschätzt 20 000 Tonnen verkehrsbedingten CO2-Ausstoß pro Jahr. Ein Beitrag, den kein anderes Bundesland leistet. (Beifall bei der SPÖ. - Zwischenruf von StR Peter Kraus, BSc.) Wien hat als erstes Bundesland ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, dass Klimaneutralität bis 2040 festschreibt. Bis 2030 senken wir die Treibhausgasemissionen pro Kopf um 55 Prozent und bis 2040 wollen wir den Energiebedarf komplett aus Erneuerbaren decken. Es ist also Fakt, dass man in Österreich als Bürgerin oder Bürger kaum etwas Besseres für den Klimaschutz tun kann, als in Wien zu leben. Das sind die Tatsachen, jetzt kommen wir kurz zu Ihrer Kritik. Sie werfen uns einen Kahlschlag vor und verweisen dabei zum Beispiel auf das 365-EUR-Ticket. Das ist blanker Populismus. Die Jahreskarte bleibt, zwar angepasst an gestiegene Kosten, aber sie ist mit dem neuen Preis, gemessen an der Kaufkraft, immer noch billiger als damals bei der Einführung 2012. Damit ist sie weiterhin eine der günstigsten in ganz Europa. Wenn das also ein Kahlschlag ist, dann wünsche ich Metropolen wie Rom, Berlin oder London einen Kahlschlag nach Wiener Vorbild, denn wir haben weiterhin ein günstiges und großartiges Öffi-Netz, um das uns alle Welt beneidet. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - Zwischenruf von StR Peter Kraus, BSc.) Kurz zum Lobautunnel, weil dieser auch erwähnt wurde. Ihre eigene Bundesministerin Leonore Gewessler hat den Bau des Lobautunnels 2021 blockiert und Alternativen dazu versprochen. Doch bis zum Ende ihrer Amtszeit ist sie diese Alternativen ohne Erklärung schuldig geblieben, zum Nachteil der Menschen in der Donaustadt. (StR Peter Kraus, BSc: Das ist falsch! Die liegen vor! Es gibt Alternativen! - Weitere Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Zur Finanzierung: Der Tunnel würde von der ASFINAG mit eigenem Geld aus Maut und Krediten gebaut werden, die zweckgebunden sind und nicht für Wiener Öffis oder Radwege umgeleitet werden dürfen. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Ich weiß, Sie regt das auf, Sie behaupten das immer wieder sehr gerne. Wenn man sich aber immer über die Polemik in der politischen Debatte aufregt, wie Sie das sehr gerne und zu Recht auch tun, liebe KollegInnen von den GRÜNEN, dann können Sie sich einmal hier an die eigene Nase fassen. Es wäre dringend an der Zeit. (Beifall bei der SPÖ.) Apropos Klimaschutz, Sie gerieren sich als die große Klimaschutzpartei, haben aber in Ihrer Zeit in der Bundesregierung fünf Jahre lang hingenommen, dass die ÖVP einfach auf den Koalitionsvertrag, den Sie beide abgeschlossen haben, pfeift, ihn bricht und das vereinbarte, verbindliche Klimaschutzgesetz mit klaren Zielvorgaben auf Bundesebene blockiert hat. Versprochen war das, umgesetzt haben Sie es aber nicht. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Wir in Wien haben hingegen ein Klimagesetz beschlossen. Sie haben stattdessen die ÖVP-Blockade ruhig akzeptiert, mit einem Achselzucken weiterregiert und binnen fünf Jahren gemeinsam die Staatsfinanzen ruiniert. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): Herr Gemeinderat, ich bitte auch Sie, zum Schlusssatz zu kommen. GR Mag. Alexander Ackerl (fortsetzend): Und für die autofreie Innenstadt, die bis zu 15 000 Autos weniger pro Tag in die Innenstadt bringen wird - was übrigens auch ein riesiger Beitrag zum Klimaschutz ist -, hat es überhaupt erst mit Peter Hanke einen Verkehrsminister aus den Reihen der Sozialdemokratie gebraucht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Stadt beweist, sozialer Zusammenhalt und Klimaschutz sind kein Widerspruch. Wir halten am Wiener Weg fest, für eine Stadt, die leistbar, solidarisch und klimafit ist und das alles mit einem stabilen Budget. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - Heiterkeit bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Die Aktuelle Stunde ist damit beendet. Der Herr Amtsführende Stadtrat der Geschäftsgruppe für Klima, Umwelt, Demokratie und Personal hat sich gemäß § 16 der Geschäftsordnung zu einer Mitteilung betreffend "Wiener Demokratie-Strategie" zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihm, wobei ich bemerke, dass seine Redezeit mit 40 Minuten begrenzt ist. (GR Mag. Josef Taucher: Eigentlich wenig! - StR Dominik Nepp, MA: Ob sich das ausgeht?) - Herr Stadtrat, bitte sehr. Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, sehr geehrte Damen und Herren, die heute vor Ort oder im Internet zuschauen! - Keine Sorge, die 40 Minuten werde ich nicht brauchen. Vielleicht ist es insgesamt ein Appell für die Redezeit aller Rednerinnen und Redner jetzt in den nächsten Debatten, Minuten und Stunden. Vor etwas mehr als zwei Jahren haben sich einige der hier Anwesenden an einer Enquete beteiligt. Die Enquete hatte den Titel "Die Wiener Demokratie im Wandel" oder kurz gesagt die Demokratie-Enquete der Stadt Wien. Gemeinsam mit sehr, sehr vielen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung, der Zivilgesellschaft, NGOs wurde über die verschiedenen Dimensionen von Demokratie nachgedacht und eine Leitfrage diskutiert: Was können wir noch besser machen, wie können wir vor dem Hintergrund vielfacher Krisen die Demokratie in Wien weiter stärken? (GR Mag. Dietbert Kowarik: Die Regeln für die Untersuchungskommission könnte man ändern!) Ein Fundament ist klar und wird immer das zentrale Fundament unserer Demokratie in Wien bleiben, die wir mit all unserer Kraft auch verteidigen, das ist die repräsentative Demokratie. Bei der Demokratie-Enquete ging es daher zuerst auch um die Frage, wie komplementär dazu ein Ausbau gelingen kann, wie viel Macht man auch abgeben kann, um andere zu ermächtigen und wie wir dafür die notwendigen Rahmenbedingungen in Politik und Verwaltung schaffen. Wir haben diese Fragen damals ausgiebig diskutiert und anschließend im Gemeinderat behandelt. Das war im Juni vor zwei Jahren und eben auch Gegenstand einer Mitteilung. Daher jetzt auch der Kreis, der sich schließt, weil in diesen zwei Jahren eben sehr, sehr viel passiert ist. Was waren damals die Empfehlungen an die Politik? - Ich darf das kurz in Erinnerung rufen. Erstens, es braucht ausreichend Ressourcen für diverse Beteiligungsprozesse, um neue Zielgruppen zu erreichen und auch den Leisen eine Stimme zu geben. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Ist bei unserem Budget ja kein Problem!) Zweitens, es braucht eine zentrale Anlauf- und Vernetzungsstelle der Stadt Wien für Demokratie und Beteiligung. Drittens, es braucht Institutionalisierung, Verstetigung und gegebenenfalls auch Standardisierung von Pilotprojekten und innovativen Beteiligungsprozessen. Und last, but not least, es braucht ein langfristiges Commitment, eine Beteiligungsstrategie und eine Demokratie-Strategie. Ich habe damals gesagt, dass die Demokratie-Enquete ein Startschuss für mehr ist, für mehr Demokratie, für Neues auszuprobieren, Bestehendes und Gutes weiterzuentwickeln, einiges besser zu machen. Und ich kann mit gutem Gewissen und Stolz sagen, wir haben geliefert. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Ach so?) Ich möchte aber gleich zu Beginn sagen, bevor diese Frage sich dem einen oder der anderen stellt, das ist ganz sicher nicht das Ende der Fahnenstange, sondern erst der Anfang für viel mehr. Im Sinne der Transparenz dieses Prozesses der letzten zwei Jahre ist es daher jetzt Zeit, mit einer nächsten, der zweiten Mitteilung den Rahmen zu schließen, um zu zeigen, was in den letzten beiden Jahren weitergegangen ist, um mehr Möglichkeiten zur gesellschaftlichen und politischen Teilhabe für Wienerinnen und Wiener zu schaffen, genau so, wie wir es uns vor zwei Jahren vorgenommen haben. Im Frühjahr 2024 ist das Büro für Mitwirkung an den Start gegangen. Es ist quasi die Schaltzentrale der vielen Demokratieinitiativen, die Verortung von Demokratie im Magistrat, man könnte sagen die MA Demokratie. Sie hat in der Zwischenzeit auch schon sehr, sehr viele Schritte gesetzt, beispielsweise die Europäische Demokratiehauptstadt zu koordinieren, bis hin zur Erarbeitung der Wiener Demokratie-Strategie mit vielen Stakeholdern und die Organisation von wirklich großen Tankern im Rahmen des Demokratiehauptstadtjahres, dazu komme ich später noch. Das engagierte und kompetente Team des Büros für Mitwirkung hat aber auch daran gearbeitet, dass sich Demokratie vor Ort abspielt, anfühlen lässt, dass sich Demokratieinnovationen im Grätzel, am Marktplatz, in der Fußgängerzone, im Park, im Bad auch ausprobieren lassen. Das ist sozusagen die Demokratiefitness, dass die Demokratiemuskeln auch vor Ort organisiert und trainiert werden können. Das zentrale Format dazu ist sicherlich die Werkstatt für Mitwirkung, die in mehreren Teilen Wiens in der Zwischenzeit stattgefunden hat. Das Klimateam hat sich in der Zwischenzeit vom Pilotprojekt zu einem fixen Bestandteil der Partizipationslandschaft weiterentwickelt. Im Jahr 2022 gestartet, ist es mittlerweile ein implementierter Schatz an Ideen, Tausenden von Ideen, die die Bevölkerung für ein gutes Klima im Grätzel gehabt hat, und wo es aber nicht nur um diese Ideen geht, sondern um das Umsetzen dieser Ideen. Das ist neu und soll auch, wie man in der Demokratie- Strategie nachlesen kann, ein Gedanke sein, der in Hinkunft bei vielen Projekten probiert wird, nämlich Ideen, die dann gemeinsam mit den Expertinnen und Experten der Stadt und den BürgerInnen umgesetzt werden, wenn man so will in einem gemeinsamen, kollaborativen oder co-kreativen Ansatz. Auch neu sind BürgerInnen-Jurys nach dem Prinzip von Bürgerinnen- und Bürgerräten. Insgesamt ist es daher ein gutes Beispiel dafür, wie wir gezeigt haben, dass Politik die Verantwortung übernimmt, aber in dem Fall für die konkrete Entscheidung der einzelnen Projekte durchaus auch manchmal Macht abgibt, um andere zu ermächtigen, also Selbstwirksamkeit als zentrales, demokratisches Prinzip zu fördern. Was sich auch zeigt, ist, dafür sind die Klimateams ein Beispiel, was sich dann in der Wiener Demokratie- Strategie als grundlegende Herangehensweise abbilden lässt: Wenn wir mit Wienerinnen und Wienern zusammenarbeiten, in dem Fall sind es Multiplikatorinnen und Multiplikatoren wie Hausbesorger, Hausbesorgerinnen, Wirte, JugendarbeiterInnen im Park, et cetera, dann können wir auch viel, viel niederschwelliger mit den Menschen arbeiten. Es ist eine ganz banale Weisheit, aber, wenn man keine Zeit hat, weil man den ganzen Tag arbeitet und am Abend vielleicht noch als Alleinerzieher schauen muss, dass man die Aufgaben seiner Kinder mitmacht und sich Sorgen macht, ob man sich das Leben leisten kann, dann hat man in der Regel keine Zeit für Beteiligungsprojekte. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Bei dem System ist es leider notwendig!) Mit Menschen vor Ort zu arbeiten, im Park, im Grätzel, beim Wirten, im Jugendklub et cetera, ist eine der Grundlagen, die bei den Klimateams ausprobiert worden sind, um die Hürde zu senken, um wirklich laut für die Leisen zu sein. Und ich kann sagen, es hat geklappt. Bei einer Befragung im Jahr 2023 - das war die große Evaluierung, die Ihnen ja auch übermittelt worden ist - haben 60 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesagt, dass sie davor bei keinem Beteiligungsprojekt jemals mitgemacht haben. Ich finde, das ist ein gutes Beispiel dafür, was uns da gelungen ist. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Das Thema Selbstwirksamkeit - also Leuten den Mut und das Werkzeug zu geben, sich in der Stadt selbst zu engagieren und zu beteiligen - ist sicherlich auch ein Handlungsprinzip der Lokalen Agenda 21. Sie ist, das war das Abarbeiten des letzten Regierungsprogrammes, auf neue Beine gestellt worden, wirklich hunderte Stakeholder haben da gemeinsam mitgedacht, wie sich das weiterentwickeln kann. Es wurde weiterentwickelt zu den Grätzellaboren, die die Bezirksagenda-Arbeit abbilden, die wurden auch mit mehr Ressourcen ausgestattet. Bürgerinnen und Bürger arbeiten dort zusammen, um nachhaltige Projekte direkt in ihrer Wohnumgebung zu schaffen. Das ist unbürokratisch, das ist einfach. Ich kann vor allen Dingen aus den Gesprächen mit vielen sagen, es macht Freude und macht das Miteinander in der Stadt besser. Auch das Aktionsprogramm der Lokalen Agenda, die Grätzeloase ist weiterentwickelt worden, mit neuen Schwerpunkten, dem Grätzelleben, dem Jungen Grätzel. Wir haben eine Schallmauer durchbrochen - über tausend Grätzelprojekte seit 2025. Ich möchte das zum Anlass nehmen, weil auch hier im Haus einige mitgetan haben, um wirklich allen, die das mit ermöglicht haben, die an irgendeinem Ort, an einer Bezirksagenda oder einem konkreten Projekt mitgetan haben, zu danken. Sie haben damit, ihr habt damit die Stadt ein Stück offener, ein Stück zugänglicher für alle gemacht. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Apropos für alle zugänglich, 2023 wurde auch das Petitionsgesetz novelliert, das soll an dieser Stelle auch erwähnt werden. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Der Petitionsausschuss hält seitdem öffentliche Sitzungen ab, die in Videoaufzeichnungen nachzusehen sind. Die Novelle sorgt für mehr Transparenz und Beteiligung - und sie wirkt. 2020 wurden noch 17 Petitionen eingebracht, 2023 waren es bereits 48 und im vergangenen Jahr waren es 46. Das auch gleich verbunden mit einem großen Dankeschön für das Engagement der Gemeinderätinnen und Gemeinderäten im Petitionsausschuss als die offene Türe ins Rathaus für die Bürgerinnen und Bürger. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Und wenn ich beim Danken bin im Hinblick auf die letzten zwei Jahre, dann möchte ich das Danke auch an meine Kolleginnen und Kollegen in der Stadtregierung weitergeben. Beteiligungsprojekte, mehr an Demokratie, das ist ganz sicher nichts, was sich nur in meiner Geschäftsgruppe abbildet. Da denke ich zum Beispiel auch an das Demokratie- Café der Wohnpartner oder an die Gebietsbetreuung oder die partizipative Kinder- und Jugendmillion, die Kinder- und Jugendstrategie. Dafür auch ein großes Dankeschön für das gemeinsame An-einem-Strang-Ziehen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Also wir sehen, die Dinge, die wir in den letzten zwei Jahren gemacht haben, können sich sehen lassen. Wir haben viel Neues geschaffen, aber zugleich war der Juni-Gemeinderat der letzten Mitteilung auch der Gemeinderat, wo wir beschlossen haben, dass wir uns doch bitte als Hauptstadt der Demokratie bewerben mögen. Das haben wir nicht aus Jux und Tollerei gemacht, sondern weil wir der tiefen Überzeugung sind, dass Demokratie von der aktiven Teilhabe lebt, dass man das dauernd weiterentwickeln muss und dass Demokratie nur verteidigt werden kann, wenn sie sich als etwas anfühlt, das funktioniert und lebt. Wir haben das geschafft, das ist an dieser Stelle schon oft diskutiert worden. Die zentrale Botschaft der Demokratiehauptstadt wurde auch wirklich im Kern in jeder der vielen einzelnen Maßnahmen, der vielen einzelnen Projekte, der vielen einzelnen Dinge, die passiert sind, umgesetzt: Dass in Wien jede Stimme zählt. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen dort, wo sie sicher sein können, dass ihr Anliegen ernst genommen wird, dass sie gesehen werden, dass sie erfahren, du bist wichtig, du zählst, du bist nicht weniger wichtig oder wichtiger als jemand anderer und du kannst deine Lebensumwelt gestalten, dass diese Menschen an so einem Ort auch gerne leben. Insofern ist es unsere gemeinsame Verantwortung, Wien zu einem Ort zu machen, wo das gute Leben für alle möglich ist und dazu gehört das Mitbestimmenkönnen und das Mittunkönnen bei dem Spiel Stadt. Demokratiejahr heißt 500 Veranstaltungen, große und kleine, das heißt große Flieger wie die Mayors' Conference oder auch die Cities Conference, die Innovation in Politics Awards, das heißt kleinere Dinge wie der Demokratietag, das heißt internationaler Austausch, das heißt ein eigener Fördertopf, der ermöglicht hat, dass Projekte aus der Zivilgesellschaft möglich sind. Es gab über 300 solcher Einreichungen, 34 Projekte sind es geworden, die alle zeigen, dass das kein abstraktes Konzept ist. Demokratie hat man nicht, Demokratie macht man, jeden Tag aufs Neue, im Park, in der Schule, in der Arbeit, im Verein, im Grätzel, in einer NGO, in der Bezirkspolitik oder hier im Rathaus. Insofern ist unsere Arbeit in der Demokratiehauptstadt auch eine Arbeit, die die positive Wirkung von Demokratie, von demokratischem Engagement zeigen soll, etwas, das wir alle auch in uns tragen, sonst wären wir nicht Politikerinnen und Politiker geworden. Damit können wir gemeinsam das Vertrauen in die Demokratie stärken, und das ist nötiger denn je. Dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, dass Demokratie gepflegt werden muss, verteidigt werden muss, weiterentwickelt werden muss, das sehen wir vielfach in Österreich, um uns herum, in den USA. Es sind Parteien im Vormarsch, die die Medienvielfalt angreifen, die die Menschenrechte angreifen. Was das bedeutet, wenn die dann auch den Staat in der Hand haben, das sieht man in Nachbarstaaten, wo Fans der illiberalen Demokratie das ablehnen, was Demokratie im Kern ausmacht, nämlich dass wir alle gleich an Rechten und Würde sind. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Diese Demokratiefeinde haben in der Regel aber auch Feinde, nämlich Kämpferinnen und Kämpfer für das Gemeinsame. Wenn wir uns die USA anschauen, dann lässt sich mit Fug und Recht behaupten, der große Historiker Timothy Snyder hat das auch so formuliert, dass dort ein Staatsstreich im Gange ist, ein Staatsstreich in Richtung einer autoritären Wende. (GR Maximilian Krauss, MA: Das ist der Präsident!) Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verfolgt werden, wenn es brutale Abschiebungen ohne Verfahren gibt, wenn die Nationalgarde gegen DemonstrantInnen vorgeht, dann fühlt sich das nicht nur so an, es ist ein Abbau von Demokratie. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Was heißt Demokratie!) Es ist ein Beispiel dafür, dass wenn man anfängt, genau das in Frage zu stellen, was im Kern von Demokratie steht - wir sind gleich, wir sind gleich viel wert -, dann ist das der Anfang vom Ende. (Weiterer Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) - Ich finde es auch recht interessant, dass genau das Sie besonders stört. Insofern freut es mich auch, wenn man in die USA schaut, etwas zu zeigen, was für Wien genauso behauptet werden kann, der Widerstand wird auch lauter. In hunderten Städten in den USA haben am letzten Wochenende Millionen Menschen demonstriert, unter dem Motto "No Kings" - wir brauchen keine Könige, wir brauchen keinen Autoritarismus, wir brauchen keinen Trump. Quer durch die USA stellen Menschen gerade eines unter Beweis: Ganz besonders in Städten stehen sie einer autoritären Politik entgegen und bringen zum Ausdruck, Demokratie wird mit allen Kräften verteidigt. Städte ticken anders und ganz besonders tickt Wien anders. Wir sehen unsere besondere Verantwortung darin, für Demokratie, für Freiheit, für Vielfalt einzustehen. Jeder trägt dafür Verantwortung, und jeder hat damit selbst die Entscheidung, ob er auf dieser Seite ist oder ist er gegen die Demokratie, so wie wir sie kennen, als Grundlage für Frieden, Stabilität und Gerechtigkeit. Das beginnt mit der Möglichkeit der politischen Partizipation der repräsentativen Demokratie, das soll an dieser Stelle auch gesagt werden. Wir haben einen riesengroßen Missstand in Wien, ein Drittel der Wienerinnen und Wiener sind von der demokratischen Mitbestimmung ausgeschlossen, weil sie kein StaatsbürgerInnenschaftsrecht haben. Das haben sie deshalb nicht, weil das Staatsbürgerschaftsrecht in Österreich ein sehr reaktionäres ist. Man kann die Meinung vertreten, die Staatsbürgerschaft ist ein sehr hohes Gut und es soll nicht leicht sein, sie zu bekommen. Das ist eine legitime Meinung und das möchte ich an dieser Stelle auch anerkennen. Wenn man aber ein bisschen genauer schaut, wer nicht wählen darf, weil er oder sie keine StaatsbürgerInnenschaft hat, dann sieht man schon ein echt großes Problem. (GR Maximilian Krauss, MA: Die wählen ja woanders, die wählen nicht nicht!) Es sind nämlich beispielsweise 60 Prozent der Arbeiterinnen und Arbeiter, es sind 80 Prozent der Hilfsarbeiterinnen und Hilfsarbeiter. Also es ist offensichtlich eine soziale Hürde, die hier besteht, und es ist eine dramatische soziale Hürde. Das ist ein nicht hinnehmbarer Zustand. Und ich werde nicht müde, mich dafür einzusetzen, dass diese sozialen Hürden beim Zugang zur österreichischen Staatsbürgerschaft abgebaut werden. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Jetzt zur Demokratie-Strategie, weil Demokratie beim Zugang zu Wahlen nicht aufhört, sondern genau dort erst zusätzlich angefangen wird. Wie man im direkten Wohn-, im Lebensumfeld mitgestalten kann, wie man demokratische Strukturen insgesamt stärken kann, die das Mittun in der Stadt für alle ermöglichen sollen, dafür gibt es die Demokratie-Strategie. Sie definiert sieben zentrale Handlungsfelder. Das wurde über viele Monate gemeinsam mit sehr, sehr vielen Expertinnen und Experten erarbeitet, auch viele hier im Haus haben mitdiskutiert. Es sind umfassende, klare Zielsetzungen festgelegt, und es ist ein übergreifendes Maßnahmenpaket definiert worden. Kurz gesagt: Die institutionalisierte Verantwortung in der Stadt, die wir mit dem Büro für Mitwirkung geschaffen haben, hat jetzt auch eine To-do-Liste - gesetzt den Fall, Sie beschließen das nachher gemeinsam. Ich möchte jetzt gar nicht auf alle Details eingehen, nur auf die sechs Grundprinzipien. Erstens: Demokratie ist Alltagspraxis. Das heißt, sie ist überall, und sie ist überall zu fördern und zu fordern. Demokratie bedeutet gutes Zusammenleben und gutes Zusammenarbeiten, aufeinander zuzugehen und miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten. Es ist ein gutes Zusammenleben. Zweitens: Demokratie wird von allen gestaltet. Das umfasst politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, aber es umfasst eben auch Expertinnen und Experten in der Stadtverwaltung. Das umfasst eben auch die Menschen vor Ort, die am besten wissen, was in ihrem Grätzel verändert gehört. Es bedeutet ein klares Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit einer aktiven und stabilen Zivilgesellschaft und nicht ein Verunglimpfen von zivilgesellschaftlichem Engagement. Drittens: Zusammenarbeit bedeutet Zusammenarbeit mit Anerkennung, Respekt und Wertschätzung. Alle Menschen sind gleichwertig in jeder Hinsicht. Respekt, Wertschätzung, Empathie und eine konstruktive Gesprächskultur sind die Grundlage für unser Demokratiebild. Viertens: Wir bekennen uns dazu, dass das in den nächsten Jahren auch bedeuten wird - wir haben das mit der Veränderung der Stadtorganisation schon angegangen -, dass sich Strukturen auch verändern können und verändern müssen, um die Verwaltung zu öffnen, um mit Partnerinnen und Partnern aus der Stadt und aus ihrem Umfeld besser zusammenzuarbeiten. Fünftens: Warum das alles? - Wir wären nicht Wien, wenn wir nicht sagen würden, die Grundlage ist ein Grundrecht auf ein gutes Leben für alle, unabhängig davon, woher jemand kommt, wie jemand ist oder wie jemand sein Leben gern gestalten möchte. Es reicht, Wienerin oder Wiener zu sein. Sechstens: Wir übernehmen nicht nur jetzt Verantwortung für das gute Leben, sondern auch in Zukunft, also für das Wohl der Gemeinschaft in zehn, 20, 30 oder 40 Jahren und die Generation unserer Kinder. Das ist der Kompass, das ist die Demokratie-Strategie. Ich freue mich, dass wir das heute als erledigten Prozess diskutieren können und es als Anfang für das, was wir mit der Umsetzung machen werden, und als Blick nach vorn hernehmen können, als Auftrag, die Demokratie genau dort hinzubringen, wo sie hingehört: mitten in die Stadtgesellschaft. Einen Gedanken möchte ich noch mit Ihnen teilen. Am Beginn einer langen Debatte ist das vielleicht ein Mantra, das ich mir gern auch selbst sagen möchte: Demokratie bedeutet Verantwortung - auch Verantwortung von Politikerinnen und Politikern -, weil eine große Gefahr für die Demokratie die Erosion des Vertrauens der Bevölkerung ist. Das hat oft damit zu tun, dass Menschen das Vertrauen darin verloren haben, dass das, was Demokratie in institutioneller Form ist - die Diskussion in Parlamenten, die Arbeit, die manchmal länger dauert, als schnell einmal etwas zu entscheiden, aufeinander zuzugehen, aber auch miteinander etwas auszutragen -, ihre Probleme nicht löst. Daher liegt es an uns. Wir haben es in der Hand, das zu verändern. Wir sind alle hier - ich nehme an, es betrifft jede und jeden Einzelnen -, weil wir davon überzeugt sind, dass wir das Leben der Menschen besser machen können, und weil wir eine fixe Vorstellung davon haben, wie das aussieht. Es ist ganz klar, dass diese Vorstellungen unterschiedlich sind, sonst wäre das hier kein demokratisches Parlament. Es gibt aber, wenn man so will, eine Ethik der moralischen Überzeugung, die wir alle haben. Um mit Max Weber zu sprechen: Es geht darum, die Ethik der moralischen Überzeugung auch mit der Ethik der Verantwortung in Einklang zu bringen, also Redlichkeit, aufeinander zuzugehen, das gemeinsame Finden der besten Lösungen für den Menschen. Noch einmal Max Weber: Es gibt zwei Möglichkeiten, Politik zum Beruf zu machen. Entweder man lebt für die Politik oder von der Politik. Ich gehe davon aus, im Kern würden wir alle gern für die Politik leben und arbeiten. Ich hoffe, die Debatte jetzt ist ein Beispiel dafür, dass wir gemeinsam im Kern das Miteinander suchen, also das gemeinsame Arbeiten für die Wienerinnen und Wiener, das Ausreden-Lassen und das Aufeinander-Hören, um gemeinsam für ein gutes Zusammenleben in einer Stadt zu arbeiten, die stolz darauf ist, dass sie eine Stadt des starken Miteinanders ist. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Ich danke dem Herrn Amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Klima, Umwelt, Demokratie und Personal. Wir steigen jetzt in die Debatte ein. Die Geschäftsordnung bestimmt, dass bei der nun folgenden Besprechung kein Redner und keine Rednerin öfter als zweimal und mehr als insgesamt 20 Minuten sprechen darf. Ausgenommen von dieser Beschränkung sind der Bürgermeister und die zuständigen Amtsführenden Stadträte, die Redezeit ist pro Wortmeldung mit 20 Minuten beschränkt. Als Erste ist Frau GR Keri zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Sabine Keri (ÖVP): Sehr geehrter Herr Stadtrat, sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen, werte Zuseherinnen und Zuseher! Wir haben jetzt viel über das Ziel der neuen Demokratie-Strategie gehört. Ich möchte, bevor ich zu meinem Debattenbeitrag komme, jetzt ein bisschen darauf replizieren. Herr Stadtrat, Sie haben gesagt, es gibt Überlegungen, wie man die Macht abgeben kann, um andere zu ermächtigen, und dass das ein Ziel dieser Demokratie-Strategie ist. Sie haben gesagt, die Umsetzung von Ideen soll ein Gedanke sein, den man in dieser Strategie lesen kann. Das klingt gut. Wenn man aber genau hinhört, sind das schon ein bisschen schwammige Begrifflichkeiten. Denn ich würde mir wünschen, dass drinnen steht - dann redet man auch von einer Strategie: Ziel ist mehr Mitbestimmungsrecht für die Wienerinnen und Wiener in Wien, wenn es um ihren Lebensmittelpunkt geht. (Beifall bei der ÖVP.) Was liegt uns vor? - Es liegen uns 41 Seiten vor, in denen eben sehr oft über Mitwirkung, über Bürgerbeteiligung und über Partizipation zu lesen ist. Es ist eine Aufzählung von allen möglichen Instrumenten, die die Stadt Wien anbietet. Ja, es sind viele. Was aber - das möchte ich jetzt noch einmal fragen - fehlt in dieser Strategie? - Deswegen ist es keine Strategie. Es ist ähnlich wie bei der Jugendstrategie, die wir vor kurzem diskutiert haben. Es gibt keine messbaren Ziele. Wenn man keine messbaren Ziele hat, dann ist es keine Strategie, sondern eher eine Willenskundgebung. Denn dann werden wir nie erfahren, ob diese Strategie auch wirklich erfolgreich ist. (Beifall bei der ÖVP.) Wir lesen von der Vision der Wiener Demokratie und dass sie sehr lebendig, lernend und anpassungsfähig sein soll. Was versteht die rot-pinke Stadtregierung darunter? Ich habe mich wirklich eingelesen und mir bei vielem gedacht: Das haben wir doch schon. Was mir wirklich fehlt, ist der nächste Schritt. So steht zwar zum Beispiel über den Petitionsbericht, dass das eben ein Beteiligungsrecht ist. Wir haben aber selber erst vor kurzem über den Petitionsausschuss diskutiert und gesagt: Der Petitionsausschuss ist zum Beispiel ein Beteiligungsbereich, aber kein Mitbestimmungsbereich. Da kommen die Menschen mit 500 Unterschriften hin, und dann werden sie gehört. Das sollte aber eigentlich selbstverständlich sein. Man bräuchte nicht immer 500 Unterschriften. Meiner Meinung nach ist es unser Job, dass wir jeden hören, der ein Anliegen hat, nicht nur, wenn er 500 Unterschriften hat. Ja, es sind viel mehr Petentinnen und Petenten, als es waren. Die sind aber nicht zufriedener, sondern sie sind eigentlich enttäuscht, weil sie keine Antworten bekommen. Weil es auch so ist, dass viele Empfehlungen, wenn wir sie aussprechen, irgendwo verschwinden und nicht umgesetzt werden. Denn es muss sie ja auch keiner umsetzen. Der Petitionsausschuss ist eigentlich ein sehr zahnloses Gremium. Wir können Stellungnahmen einfordern, aber es ist keiner gezwungen, eine abzugeben. Wir können eine Empfehlung aussprechen. Es ist aber keiner gezwungen, die irgendwie umzusetzen. Das ist sehr zahnlos. Ich möchte nur wieder das Beispiel des 18ers bringen, weil ich echt der Meinung bin, das ist das beste Beispiel, wie es nicht funktioniert, wie Bürgerbeteiligung nicht funktionieren darf. Die Menschen, die es betrifft, haben keine Ahnung gehabt, dass eine Straßenbahn kommt. Die mussten durch Zufall erfahren, dass eine Straßenbahn geplant war. Würde man Partizipation leben, hätte man sie zumindest vorher darüber informiert, dass so etwas geplant ist, oder man wäre hingegangen und hätte gesagt: Wir haben das Problem, das schaut so und so aus. Wie können wir das gemeinsam machen? Ich komme dann noch auf die Stufen der Partizipation zu sprechen. Das ist nicht passiert. Es hat zwei Petitionen gegeben, in denen die PetentInnen davor gewarnt haben und gefragt haben: Was passiert mit uns in der Kleingartensiedlung Wasserwiese, wenn der Umbau ist? - Wir werden vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten sein. Sie haben keine Antwort bekommen. Was ist der Status quo? - Man kann mit dem öffentlichen Verkehr nicht mehr zu- oder abfahren. Auch der 80A wird in kürzester Zeit eingestellt. Ich hoffe, Sie haben einen Flugbus oder sonstiges, sodass die Leute irgendwie einmal aus ihrem Kleingarten herauskönnen und dann auch wieder nach Hause kommen. Es sind Vorschläge genannt worden, was man machen könnte, wenn es das gebraucht hätte, denn das wussten sie ja alles nicht: dass es mehr öffentlichen Verkehr braucht. Es sind Ideen gekommen. Man hat nicht mit ihnen gesprochen. Sie haben keine Antworten bekommen. Man hat nicht mit ihnen gesprochen. Man spricht nach wie vor nicht mit ihnen. Wissen Sie, das geht so nicht. Dann lese ich eine Demokratie-Strategie, bei der ich mir denke, ich sehe nichts. Ich sehe keinen Verbesserungswillen. Ich sehe nichts, wo wirklich klar drinsteht: Wir arbeiten auf Augenhöhe mit den Wienerinnen und Wienern. Ich möchte, dass sie ein Mitbestimmungsrecht haben, wenn es um ihr engstes Umfeld geht, in dem sie leben. Ich möchte, dass wir sie einladen und nicht nur zuhören, nicht nur fragen: Möchtest du eine rote Bank oder eine blaue Bank? - Nein, fragen wir sie: Wollt ihr überhaupt eine Bank? (GR Mag. Dietbert Kowarik: Stimmt!) - Ein bisschen mehr Mut würde ich mir wirklich wünschen. Was wir in der Demokratie-Strategie haben, ist ganz oft das Wort Beteiligung und ganz selten das Wort Mitbestimmung. Ich habe mir das durchgeschaut, ich habe es mir wirklich durchgelesen. Das ist eben schade. Das ist das Tragische. Das Ja mit Beteiligung heißt: Du darfst ein bisschen mitspielen, aber das Schauferl geben wir nicht aus der Hand. Deswegen dürft ihr auch nicht mitbestimmen. (Beifall bei der ÖVP.) Noch ein Beispiel, wie es nicht funktionieren darf - ich hoffe, dass man daraus lernt -, ist die Praterstraße. Das erste Bürgerbeteiligungsverfahren, das es dort gegeben hat, war 2017. Da hat man anhand von Punkterln - ich habe das mitgemacht - sagen können, was man möchte, was man nicht möchte und so weiter. Wissen Sie, was die Leute nicht wollten? - Einen Radhighway. Wissen Sie, was die Leute bekommen haben? - Einen Radhighway. Das ist nicht Bürgerbeteiligung. So schaut sie nicht aus. (Beifall bei der ÖVP. - Zwischenruf von GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic. - GR Mag. Josef Taucher: Die hat ja keine Ahnung von Politik! Das ärgert mich!) Wenn ihr einen Radhighway bauen wollt, dann seid doch so ehrlich und sagt den Leuten: Wir brauchen das, das ist eine Vision von uns. Macht aber keine Punkterl und lasst die Leute darüber abstimmen: Wie hättet ihr es gern, was hättet ihr gern? - Und dann fahrt ihr über sie drüber. So werdet ihr es nämlich nicht schaffen. (GR Mag. Josef Taucher: Die Wahrheit ...!) - Die Wahrheit ist den Menschen schon zumutbar, Joe. Du kannst ihnen sagen: Wir wollen dieses Ziel. Das kannst du ihnen zutrauen. Trauen wir den Menschen ein bissel mehr zu! (GR Mag. Dietbert Kowarik: Zum Beispiel die richtigen Budgetzahlen! Die hätte man ...!) - Meldest du dich? Du nimmst meine Redezeit weg. (Heiterkeit bei der ÖVP und der Rednerin.) Das Zweite ist: Wir haben gehört, es hat diesen ganz langen Prozess gegeben. Man hat viel gesprochen. Wir haben mit vielen Experten und so weiter gesprochen, wie man das am besten ansetzen kann. Es gibt ganz viel zum Thema Partizipation. Es gibt fundierte Anleitungen von Wissenschaftlern, wie Partizipation funktionieren kann. Es gibt zum Beispiel die Stufen der Partizipation von den Sozialwissenschaftlerinnen Straßburger und Rieger. (GR Mag. Josef Taucher: Kennen wir eh!) Das hätte man sich nehmen und mit Leben erfüllen können. Da hätte man nicht ein Jahr lang gebraucht, um viele Gespräche zu führen. Man hätte gesagt: Wir möchten das so machen. Das ist eine Idee. Ich glaube aber, ich weiß schon, warum ihr das nicht so machen wollt. Denn es sind verschiedene Ebenen. Bei der dritten Ebene steht: "Die Adressatinnen und Adressaten" - das sind die Bürgerinnen und Bürger - "kennen ihr eigenes Lebensumfeld am besten. Fachkräfte" - das wäre die Verwaltung in diesem Fall - "lassen sich auf dieser Basis von den Adressatinnen und Adressaten beraten." Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 18 zeigt: Das will man überhaupt nicht. Deswegen bin ich auch der Meinung und davon überzeugt, dass ihr fundierte, wissenschaftlich fundierte Anleitungen deswegen einfach nicht verwendet. Wir haben einen Antrag. Eine Sache, bei der ich euch vollkommen recht gebe, ist, dass wir Demokratie lehren müssen, dass wir unseren Leuten erklären müssen, dass wir - wo ist er denn jetzt? (in ihren Unterlagen blätternd) - den jungen Menschen beibringen müssen, dass das ein Gut ist, ein Wert, und dass man sich das nicht nehmen lässt, von niemandem. Wir bringen dazu einen Antrag betreffend die Demokratiebildung im Wiener Gemeinderat und Landtag ein. Ja, es gibt das Jugendparlament, das stattfindet. Oberösterreich zeigt aber, wie es gehen kann. Ich bin wirklich begeistert davon. Die haben das nämlich so gelöst, dass sich nach den Landtagen von jeder Fraktion zumindest einer Zeit nimmt und man dann mit Schulen, die kommen, vor Ort in einer Debatte diskutiert. Das Interessante für mich ist, dass sie sich die Themen, die sie interessieren, teilweise auch selber aussuchen. Also, es war jetzt einmal etwas zum Thema Kopftuchverbot in Oberösterreich - eine spannende Diskussion, wie man sich vorstellen kann. Es wird auch vor Ort in Workshops erklärt, wie der Prozess der Gesetzesbildung ist. Ich würde mir wünschen, dass wir auch unser Haus ein bissel mehr für die Jugend öffnen. Ja, wir machen viel. Ich würde mir aber wünschen, dass man ihnen wirklich fundiert zeigt, wie Demokratie funktioniert, ähnlich wie es auch das Parlament macht, und dass wir, wenn wir mit unseren Kollegen von anderen Fraktionen debattieren, den Jugendlichen auch zeigen: Die Demokratie kann auf Augenhöhe funktionieren, so wie du es vorhin auch gesagt hast. - Danke schön! (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. - Als Nächster ist Herr GR Weber zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Thomas Weber (NEOS): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen, Herr Demokratie- Stadtrat, liebe Gäste auf der Galerie! Ich möchte einen Satz aufgreifen, den Sie in der Diskussion gesagt haben. Ich glaube, man kann ihn nicht oft genug sagen: "Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit." (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Demokratie hat es an sich, dass sie immer dann stark ist, wenn wir sie leben, und immer dann verletzlich und schwach ist, wenn wir sie nicht leben oder wenn wir sie der Wurstigkeit, der Gleichgültigkeit überlassen. Wenn wir auf die Welt blicken, dann gibt uns der Zustand der Demokratie in vielen Staaten auf dieser Welt einen großen Grund zur Sorge. (GR Maximilian Krauss, MA: Zum Beispiel in Deutschland!) Als der internationale Demokratietag 2008 eingeführt worden ist, haben 50 Prozent der Menschen auf diesem Planeten in Staaten gelebt, die man als demokratisch bezeichnen konnte. Heute ist es gerade einmal jeder vierte Mensch, der in einer Demokratie lebt, und es ist nur jeder achte Mensch ... (Zwischenruf von GRin Sabine Keri.) - Ich weiß nicht, warum es Sie von der ÖVP und der FPÖ so aufregt, wenn man über den Zustand der Demokratie redet. (GR Mag. Josef Taucher: Weil sie keine Ahnung ...!) Es sagt aber wahrscheinlich auch sehr viel über Sie aus, wenn Sie das Thema aufregt, dass man sagt, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und dass der Zustand von Demokratie uns zu denken geben sollte. (Beifall von NEOS, SPÖ und GRÜNEN.) Ja, ich persönlich finde es einen furchtbaren Befund, zu sagen, dass nur jeder achte Mensch auf diesem Planeten in einer Demokratie lebt. Warum Sie das machen, hat ja System. Das hat ja System, dass Demokratie immer scheibchenweise stirbt und in kleinen Schritten immer mehr normalisiert wird, dass man Dinge macht, wie Sie es hier gerade darlegen. (Zwischenruf von GR Clemens Gudenus. - GR Mag. Josef Taucher: ... illiberale Demokratie! - Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Mit dem Leben in einer Demokratie kommt auf jeden Fall auch eines mit sich: eine große Verantwortung, die wir alle haben, sich zu informieren, Fake News entgegenzutreten, sich einzubringen und für Demokratie und Freiheit einzustehen. Denn Demokratie und Freiheit sterben ja nicht mit einem riesengroßen Knall. Demokratie und Freiheit sterben immer in vielen kleinen Schritten - und nicht nur auf der extremen Rechten, nicht nur auf der extremen Linken und nicht nur auf der religiös-fundamentalistischen Seite. Demokratie stirbt vor allem in der Mitte der Gesellschaft - durch Schweigen, durch Nicht-Widersprechen, durch Sich-Zurücklehnen. Genau deshalb ist der Beschluss der Demokratie-Strategie heute so wichtig, weil wir Demokratie in den Mittelpunkt der Debatte stellen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Die Demokratie-Strategie, die wir heute beschließen, ist ein Bekenntnis und auch ein Arbeitsauftrag, sie nicht als selbstverständlich zu betrachten und sie als Verantwortung von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu sehen. Sie ist Ergebnis eines langen gemeinsamen Prozesses mit vielen unterschiedlichen Formaten: Online-Formaten, Offline- Formaten und vielen Feedback-Formaten. Die Grundidee ist relativ einfach erklärt: Demokratie als etwas Lebendiges, etwas Lernendes und etwas Anpassungsfähiges zu sehen. Lebendig, weil Demokratie immer Beteiligung braucht und Menschen, die mitmachen. Lernend, weil sie Wissen, Reflexion und Bildung braucht. Und anpassungsfähig, weil sie Strukturen öffnet und vor allem neue Menschen in demokratische Prozesse einbeziehen muss. Genau das ist das Thema der Demokratie-Strategie, nämlich auf der einen Seite die Handlungsherausforderungen zu benennen: dass wir in einer Gesellschaft leben, in der viele Menschen nicht an demokratischen Prozesse teilnehmen können, weil sie ausgeschlossen sind, weil es ihnen auf Grund des Bildungshintergrunds, des Gesundheitszustands oder des Einkommens nicht möglich ist, sich damit zu beschäftigen und dass es in unserer Gesellschaft vor allem durch Social Media zu Polarisierungen und zu Desinformation kommt. Das Misstrauen in politische Prozesse wird auch auf der politischen Bühne immer mehr angefacht. All dem möchte und wird die Wiener Demokratie-Strategie auch begegnen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Eine Sache ist auch genannt worden. Das ist das Thema Bildung und welchen unglaublichen Stellenwert das Thema Bildung in der Demokratie hat. Wir haben es in der Demokratie-Strategie. Mich persönlich freut es aber auch ganz besonders, dass wir das Thema Demokratie durch Bildungsminister Christoph Wiederkehr jetzt auch auf Bundesebene auf den Lehrplan bringen, indem wir nämlich das Leben in einer Demokratie auf den Lehrplan bringen. Denn Demokratie heißt, Werte zu vermitteln. Das muss auch in den Schulen passieren. (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Das ist der Zustand. Das ist nämlich notwendig, weil wir damit nicht nur Demokratie lernen, sondern weil wir damit auch für eine gute Integration ... (GR Mag. Dietbert Kowarik: Was heißt Demokratie?) - Bitte? Was Demokratie heißt? - Demokratie heißt soziale Kompetenz. Demokratie heißt Konfliktlösung. Demokratie heißt, die Grundlagen von Ethik, Moral, Demokratie, Bürgerrechten und Philosophie zu lernen. All das heißt Demokratie, und all das gehört in ein Schulfach. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Herrschaft des Volkes heißt das!) Ich freue mich, dass wir das auch in ein Schulfach bringen. Ich freue mich auch über den Antrag der ÖVP, der mir aber viel zu eng ist. Denn es geht nicht darum, eine Schulklasse einzuladen und mit dieser Schulklasse darüber zu reden. Es geht darum, Demokratie in die Schulen und in alle Schulklassen zu bringen. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - Zwischenruf von GR Maximilian Krauss, MA.) Mit der Wiener Demokratie-Strategie geben wir einen guten Rahmen für Mitgestaltung, Transparenz und Beteiligung. Weil auch die Frage war, wie es weitergeht, wir richten auch einen Demokratiebeirat ein, einen Demokratiemonitor. Wir schauen uns an, wie man Qualitätsstandards entwickeln kann, um auch wirklich messbar zu machen, was wir uns in der Strategie vorgenommen haben. Es ist wichtig, diesen Satz auch immer wieder auszusprechen: Mit der Demokratie-Strategie machen wir die Weiterentwicklung der Demokratie zu unserem politischen Programm, weil es wichtig ist und Demokratie immer dann stark ist, wenn wir uns darum kümmern. Ich finde die Demokratie-Strategie großartig. Ich finde super, dass wir das gemacht haben. Wie schon gesagt, es ist ein erster Schritt, der einen langen Weg abschließt. Viele weitere werden folgen, um die Punkte, die wir uns vorgenommen haben, auch kontinuierlich umzusetzen. Ich möchte aber meine Zeit hier auch nützen, um den vielen Wienerinnen und Wienern, die sich auf diesen Prozess eingelassen haben und ihre Sicht der Dinge auf das Thema Demokratie gegeben haben, Danke zu sagen. Danke auch an die Partnerorganisationen. Danke auch an die Mitarbeitenden in der Wiener Stadtverwaltung, die diesen Prozess getragen haben, an das Büro für Mitwirkung, an das Kompetenzzentrum Übergeordnete Stadtplanung und an die Kolleginnen und Kollegen der Urban Innovation. Danke an alle Stadtratbüros. Ich bin in der Steuerungsgruppe gesessen. Alle anderen Stadtratbüros sind auch dagesessen und haben viel Input in die Demokratie-Strategie hineingetragen. Ich möchte heute auch der GRÜNEN Fraktion danken, weil wir diese Demokratie-Strategie heute gemeinsam beschließen. Es ist als Oppositionspartei nicht selbstverständlich, einem Regierungsvorhaben mitzustimmen. Ich finde es großartig, wenn uns das bei Themen wie der Demokratie und wie wir Demokratie in dieser Stadt besser, lebbarer und erlebbarer machen, gelingt. Daher auch mein Dank an euch, dass ihr der Demokratie-Strategie zustimmt. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von GRin Mag. Ursula Berner, MA.) Sie ist Einladung und Verpflichtung. Sie ist Einladung, Demokratie zu leben, und sie ist Verpflichtung, Demokratie zu leben. So einfach ist das. Ich wünsche jetzt eine gute Debatte. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste ist Frau GRin Kickert zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Dr. Jennifer Kickert (GRÜNE): Sehr geehrte Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat, werte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte ZuseherInnen auf der Galerie - Hallo! (in Richtung Galerie) - und auch vor dem Bildschirm! Sie haben ja jetzt von meinem Kollegen Weber gehört, dass wir zustimmen werden. Ja, das werden wir. Wir werden zustimmen, weil wir glauben, dass es ausgesprochen sinnvoll ist, eine Demokratie- und Beteiligungskultur aktiv zu unterstützen. Die Zustimmung wäre ein Teil unseres Beitrags dazu. Wir werden zustimmen, weil wir davon überzeugt sind, dass eine breiter beschlossene Strategie - so wenig konkret sie auch sein möge - besser ist als eine weniger breit getragene Strategie. Letztlich stimmen wir zu, weil wir sicher sind, dass politische Parteien und alle politischen Mandatarinnen und Mandatare dabei eine wesentliche Rolle spielen, nämlich in der Frage der Umsetzung der Strategie beziehungsweise in der Frage, wie Demokratiekultur gelebt wird. Was ist aus unserer Sicht gut und wichtig daran? - Einen Teil habe ich jetzt schon gesagt. Was, wie ich glaube, tatsächlich wirklich gut gelungen ist, ist der partizipative Prozess, der Prozess an sich, die Einbindung vieler zivilgesellschaftlicher Vereine, Initiativen und Organisationen. Das ist gut gelungen. Das ist unter anderem einer der Gründe, warum wir zustimmen werden. Ich glaube, eine möglichst ehrliche Debatte sollte aber so geführt werden, dass man auch dazusagt, was schmerzt oder fehlt. Was mich ein wenig schmerzt, ist, dass der Fokus von den demokratiepolitischen Instrumenten so weit erweitert wurde. Wir finden also in den Abschnitten - darauf bauen wir - Kulturankerzentren, wir finden Beratungszentren für Kulturorganisationen oder das Frauenzentrum, wir finden Schulsanierungen - als ob das demokratiepolitische Instrumente wären. Ja, bei manchen Sanierungen mancher, weniger Schulen dürfen sich Schülerinnen und Schüler beteiligen. Die Schulsanierungen an sich sind aber kein Beteiligungsinstrument. Sie sind kein Instrument der Demokratiepolitik. Das heißt, was mich schmerzt, ist, dass der Fokus so weit erweitert wird, dass es bis zu einem gewissen Grad beliebig zu sein scheint, was die Stadt macht und was die Stadt unter Demokratie versteht. Was mich persönlich schmerzt: Im Kapitel "Von der Strategie zur Umsetzung" wird im Absatz "Standards und Wirksamkeit" darauf hingewiesen, dass verbindliche Qualitätsstandards erarbeitet werden. In manchen Bereichen gibt es diese verbindlichen Standards bereits, sie werden nur nicht eingehalten, oder es werden die Prozesse und Möglichkeiten, Beteiligung umzusetzen, ganz einfach nicht gemacht. Das heißt, mein Wunsch wäre in diesem Bereich: Bitte halten wir doch unsere eigenen bereits beschlossenen Beteiligungsmöglichkeiten ein! Arbeiten wir nicht wieder - sozusagen auf der Metaebene - an irgendwelchen Qualitätsstandards, die noch nicht entwickelt worden sind! Also ja, das schmerzt mich persönlich ganz spezifisch und ganz genau im Bereich des Masterplans für Stadtentwicklung. Denn in den letzten Jahren ist sehr, sehr, wenig bei diesen Qualitätsstandards passiert, während es darum gegangen wäre, sie weiterzuentwickeln und zu evaluieren. Was mir auch ein wenig abgeht - obwohl das Wort Information sehr häufig vorkommt -, ist ein Abschnitt oder ein Bekenntnis zu wirklich weiterführender, aktiver Transparenz. Ich weiß nicht, wie oft ich schon darauf hingewiesen habe: Datenbanken allein bringen die Information nicht dorthin, wo sie gebraucht wird. Was wir machen sollten, ist, die Entscheidungsgrundlagen, die uns als GemeinderätInnen oder BezirksrätInnen zur Verfügung stehen, tatsächlich möglichst breit auch den Menschen, die sich für diese Entscheidungsprozesse ... (GR Mag. Dietbert Kowarik: Das muss uns zur Verfügung stehen, Frau Kollegin!) - Auch das. Es steht uns aber immer noch mehr zur Verfügung als allen anderen. Das heißt, ich wäre jetzt einmal davon ausgegangen. Ich will auch mehr Information haben. Es geht aber darum, dass das, was mir mehr als Information zusteht oder was ich schon habe, auch den Menschen, die sich daran beteiligen wollen, zur Verfügung steht. (Beifall bei den GRÜNEN.) Was noch kommen kann, was mir aber auch fehlt: Es wird immer auf die Wissenschaft verwiesen. Was mir aber fehlt, ist genau das: Der Austausch mit Ideen zu - das nehme ich jetzt an - tatsächlich innovativen Instrumenten. Jetzt kann das ein Zufall gewesen sein, aber letzte Woche hat es auf der Österreichischen Akademie der Wissenschaften einen Vortrag eines Wirtschaftswissenschaftlers gegeben. Hans Gersbach heißt er. Nicht dass ich vorher jemals gewusst habe, wer er ist und was er tut, aber seine Ideen dazu, wie man Vertrauen in politische Prozesse wiedergewinnen kann, wie man spannende, unterschiedliche Modelle entwickeln kann ... Da gibt es so etwas wie politische Verträge, die tatsächlich sanktionierbar sind, oder flexible Mehrheiten für besonders umstrittene oder besonders teure Maßnahmen, Co-Voting-Modelle zwischen Organisationen und Einheiten wie wir als Gemeinderat und beteiligten Bürgerinnen und Bürgern, sodass man sozusagen eine gewisse Abstimmung und Möglichkeit hat, das gewichtet zu nehmen. Dann gibt es sogar so etwas wie KI-gestützte Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse. Ich habe dem zugehört und mir wirklich gedacht: An so etwas habe ich persönlich noch nie gedacht. Sie sind wirklich spannend, diese Ideen. Diese Modelle werden auch wissenschaftlich durchgearbeitet. Das heißt, das wird durchprobiert und im Laboratorium nach Fehlern und Möglichkeiten abgecheckt. Davon ist hier zum Beispiel nicht die Rede. Ich würde mir also wünschen - das ist jetzt mehr ein Wunsch als etwas, was mir abgeht -, dass wir uns auch auf dieser Ebene und in diese Richtungen Ideen und Möglichkeiten holen, denn das werden wir brauchen. Dann ein kleiner Sidestep zu meiner Kollegin Sabine Keri, weil sie die Beispiele der Straßenbahnlinie 18 und der Praterstraße genommen hat. Bei all diesen Beteiligungsprozessen, bei denen es um Umgestaltungen geht, die über - so nenne ich es jetzt - die Umgestaltung eines kleinen Beserlparks hinausgehen, gibt es natürlich Anliegen der direkt betroffenen AnrainerInnen - vor allem von denen, die durch den Umbau vielleicht betroffen sind - und übergeordnete Notwendigkeiten und Ziele. Ich finde nicht, dass eine kleine Gruppe von AnrainerInnen das letzte Mandat über die Entscheidung zu einer - sage ich jetzt - Verlängerung einer Straßenbahnlinie hat, die so wie der 18er die halbe Stadt durchquert und daher möglicherweise für wesentlich mehr Menschen notwendig und wichtig ist als für die KleingartenbewohnerInnen der Wasserwiese. In einem gut geführten Beteiligungsprozess werden genau diese Anliegen abgearbeitet und mit den Notwendigkeiten - Wie soll ich sagen? - abgeglichen. Es wird Verständnis geholt und geschaut, was man an negativen Auswirkungen abfedern kann und wie man das gestaltet. So würde ich mir wünschen, dass es passiert. Ja, Sie haben recht: Sie haben es nicht einmal gewusst. Auf der Ebene der Information gebe ich Ihnen also völlig recht. Gegen Ihre Schlussfolgerungen habe ich aber eben einen kleinen Einwand, den ich hiermit angebracht habe. Dann zum Abschluss wie immer mein ceterum censeo. Dieses ceterum censeo betrifft das Petitionswesen. Dass ich es immer noch anbringen muss und es immer noch in einer Strategie steht, hebt meinen Zweifel an diesem Punkt, dass wir ein lernender Organismus sind. Sorry, wer von uns lernt? - Offensichtlich niemand, jedenfalls nicht die PR- Maschine der Stadt Wien. Es tut mir leid. Ich werde da richtig emotional, dass wieder einmal das Petitionswesen als demokratisches Instrument bezeichnet wird. Ein - Wie soll ich sagen? - Prozess, bei dem eine Bürgerin ein Anliegen an ein bestimmendes Organ abgeben darf, ist nicht Mitbestimmung. Das ist nicht Co-Kreation. Das ist nicht Mitentscheidung. (Beifall bei den GRÜNEN und von GRin Ingrid Korosec.) Ich würde uns wirklich bitten, dass wir das endlich einhalten. Das sage ich kurz vor meinem Dank an die zuständigen Stellen, die hier viel Arbeit geleistet haben: das Büro für Mitwirkung, die Urban Innovation Vienna, alle anderen Stellen der Stadt, das Büro des Stadtrats wahrscheinlich auch. Bitte haut das Petitionswesen nicht immer zu Partizipation und Demokratie dazu! Wenn wir lernen sollten, beweisen wir das, indem wir das als eigenes Instrument nehmen, als eine Weiterentwicklung der schon im Staatsgrundgesetz verankerten Möglichkeit, ein Anliegen oder eine Bittschrift an wen auch immer zu stellen, aber nicht als Beteiligungsinstrument oder als Beweis dafür, wie gut unsere demokratischen Instrumente sind. (Beifall bei den GRÜNEN und von GRin Ingrid Korosec.) Nichtsdestotrotz nehmen wir die Verantwortung als politische MandatarInnen wahr, um diese Demokratiekultur weiterzuentwickeln. Eine Ablehnung der Strategie aus der Opposition heraus ist übrigens kein Beweis dafür, dass man nicht auch an der demokratischen Kultur arbeitet. Das möchte ich nur noch einmal hervorheben. Ich habe meiner Fraktion empfohlen, zuzustimmen - hauptsächlich deswegen, weil ich von Anfang an in diesem Prozess beteiligt war und hier und da meinen Senf dazugegeben habe und einen Teil meines Senfes in diesem Papier wiederfinde - abgesehen natürlich von meinem Plädoyer, das Petitionswesen nicht dazu hineinzuschreiben. Nichtsdestotrotz werden wir zustimmen in der Hoffnung, dass die Evaluierung, die Weiterentwicklung und vor allem die Qualitätsstandards endlich eingehalten werden, und in der Hoffnung, dass hauptsächlich diejenigen, die ihre Entscheidungsmacht abgeben müssen, nämlich die amtsführenden Stadträtinnen und Stadträte und die Bezirksvorsteherinnen und -vorsteher, sich dazu bekennen, sich auch aktiv mit Menschen und deren Anliegen auseinanderzusetzen. (Beifall bei den GRÜNEN sowie von GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic und GR Thomas Weber.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. - Als Nächster ist Herr StR Nepp zu Wort gemeldet. - Bitte. StR Dominik Nepp, MA: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn die SPÖ eine sogenannte Mitteilung einbringt und sich dann der Stadtrat zu Wort meldet, dann weiß man eines: Es soll von etwas abgelenkt werden. Diese Budgetdebatte am Vormittag war ja schon sehr unangenehm, weil Wien pleite ist und Sie immer mehr belasten. Davon wollen Sie einfach ablenken, dass die rot-pinkte Räuberbande durch Wien schreitet und die Menschen aussackelt. Jetzt muss halt einmal die Demokratie herhalten. Wir nehmen das hiermit zur Kenntnis, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Es ist aber auch wirklich interessant, was denn unter Demokratie alles verstanden wird oder was man da hineininterpretiert. Herr Weber hat ja wirklich ausdruckstark bewiesen und auch all das beschrieben, was Demokratie nicht ist. (GR Thomas Weber: Auch!) Denn Demokratie bedeutet die Herrschaft des Volkes und nicht einen aufoktroyierten Wertekodex, den man irgendwelchen Kindern in der Schule eintrichtern muss, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ. - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Das stimmt nicht!) Irgendwie treffen sich heute doch die Themen Demokratie-Strategie und diese Budgetabzockerei, die Sie hier betreiben. Denn das, was ja auch die NEOS, die sich die Demokratie immer so auf die Fahnen heften, aber jetzt auch die SPÖ in Wien betreiben, ist klassischer Sozialismus. Sie drängen Menschen in Abhängigkeiten, vor allem auch im finanziellen Bereich. Das ist das Gegenteil von Demokratie, denn sie schaffen Abhängigkeiten. Sie nehmen den Menschen zuerst das Geld komplett weg und verteilen es dann großzügig in dieser Gutsherrenmanier. Da bekommen sie dort ein bisschen einen Gutschein für ein Schnitzerl, dort gibt es einen Gutschein für das, da gibt es eine kleine Wohnbeihilfe und so weiter, statt dass Sie den Menschen die Freiheit geben. Das bedeutet auch Demokratie, den Menschen die Freiheit zu geben und sie nicht dauernd zu bevormunden, was mit ihrem Geld passiert, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ. - GR Thomas Weber: Jörg Haider hat es erfunden!) Herr StR Czernohorszky hat ja auch erwähnt: Man muss aufpassen, die Demokratie wird immer mehr ausgehöhlt. Auch Herr Weber war ganz tief betroffen, dass es früher - ich glaube - 50 Prozent der Menschen waren, die in einer Demokratie gewohnt haben, jetzt sind es nur noch 25 Prozent. Das ist auch schockierend, hat aber, glaube ich, nicht damit zu tun, dass demokratische Staaten zu Diktaturen abgebaut werden, sondern dass in gewissen Gegenden der Welt halt die Kinder sprießen und immer mehr Menschen auf die Welt kommen und dort, wo Demokratie herrscht, vielleicht eher ein Geburtenrückgang erfolgt. Genau deswegen ist es auch fatal zu glauben, dass wenn wir Menschen hierherholen, die in nicht demokratischen Strukturen aufgewachsen sind, wo das tief in den Genen ist ... Ich sage jetzt nicht, dass sie per se böse sind, aber sie sind in einer Gegend aufgewachsen und dort kulturell verfestigt, wo es keine Demokratie gibt, wo es keine Mitbestimmung gibt, wo es keine Gleichberechtigung von Mann und Frau gibt. Sie werden die Demokratie auf europäischem Boden nicht retten, wenn sie solche Menschen zu uns hierher einladen und mit der Mindestsicherung durchfüttern. Das wird nicht gehen. (Beifall bei der FPÖ.) Herr StR Czernohorszky hat mit mahnenden Worten gesagt: Man muss aufpassen, es gibt Nachbarländer - das ist ganz gefährlich - dort wird die liberale Demokratie, wie Sie sie immer nennen, abgeschafft. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Ausgehöhlt!) - Oder ausgehöhlt. (GR Thomas Weber: Das stimmt! Recht hat er!) Ich sage: Ja, man muss wirklich aufpassen. Denn ich finde es schon arg - um das jetzt so salopp zu sagen -, dass Oppositionelle von demokratischen Wahlen ausgeschlossen werden. Ich glaube, jeder, der jetzt sagt, es gibt ein Land, wo Oppositionelle nicht antreten dürfen ... (GR Thomas Weber: Russland!) - Sie nennen es Russland. Es sind Schurkenstaaten. Das würden Sie auch sagen. Das ist ein Schurkenstaat, wenn Oppositionelle nicht antreten dürfen, oder? - Dann darf ich Ihnen gratulieren, denn Sie haben hiermit auch Deutschland als Schurkenstaat bezeichnet. Denn genau das Gleiche war nämlich in Ludwigshafen der Fall, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ. - GR Thomas Weber: Freundschaftsvertrag! Selfie am Roten Platz!) Die Demokratie, wie Sie es sagen, wird in Deutschland also abgeschafft. Denn dort gibt es einen Oppositionellen, Joachim Paul - ich durfte ihn auch kennenlernen - von der AfD, der ein großes Wählervotum zu erwarten hatte. Der ist in Ludwigshafen als Oberbürgermeister angetreten. Was hat man dann gemacht? - Man hat ihn von demokratischen Wahlen ausgeschlossen. Er durfte nicht daran teilnehmen. Die Folge war, dass die Wahlbeteiligung bei 29 Prozent war. Das ist es: Wenn man die Opposition ausschließt, wenn man die Opposition nicht antreten lässt, dann schafft man die Demokratie ab, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Da braucht man nicht bis nach Russland zu schauen, wie Sie gemeint haben. Da reicht schon ein Blick in unser Nachbarland (GR Thomas Weber: Ungarn!) Deutschland, wo ja die Werte der Demokratie hochgehalten werden. Dort darf aber die Opposition nicht antreten, meine sehr geehrten Damen und Herren. Wir kennen das aber schon. Demokratie-Strategie heißt es jetzt. Wir hatten ja schon etwas Ähnliches. Auch damals ist die SPÖ sehr nervös geworden, weil es mit der medialen Berichterstattung vielleicht nicht so ganz gepasst hat. Das war damals, ich glaube, 2015 noch unter Bgm Häupl. Damals hat man groß die Wiener Charta des Zusammenlebens präsentiert. Man hat richtige Festwochen veranstaltet, so wie es ja auch jetzt sein soll, und hat probiert, von den wahren Problemen abzulenken. Was ist aus dieser Wiener Charta des Zusammenlebens geworden? - Gar nichts. Es ist nichts davon umgesetzt worden. Sie haben damals gesagt: Ja, wer hierherkommt, der muss die Sprache lernen, Integrationskurse bla, bla, bla. - Nichts ist passiert. Es steht jetzt schlechter um das Zusammenleben als damals 2015. Das ist deswegen - dabei bleibe ich, ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es deswegen passiert -, weil seit 2015 Menschen vor allem aus dem arabischen Raum hierhergekommen sind, die mit uns gar nicht zusammenleben wollen. Die wollen mit uns nicht zusammenleben. Die pfeifen auf Demokratie. Das brauchen sie nicht. Sie wollen unsere Sprache nicht lernen. Sie wollen nicht arbeiten gehen. Sie könnten ja arbeiten. Nein, sie bleiben in der Mindestsicherung. Solche Menschen holen Sie hierher. Darum sage ich: Mit Ihrer Politik der offenen Grenzen schaden Sie der Demokratie und bauen die Demokratie ab. Das ist das Ergebnis. Das sage nicht nur ich, das sagen auch viele Studien, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Deswegen auch mein Appell an Sie: Wenn Sie es wirklich ernst damit meinen, die Demokratie zu verteidigen, dann müssen Sie aufhören, ständig Menschen hierherzuholen, die mit uns nicht zusammenleben wollen, die eine Demokratie als Herrschaftsform nicht wollen, die sich nicht integrieren wollen, sondern nur ihre Parallelgesellschaften aufbauen wollen. Solche Menschen haben bei uns keinen Platz. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste ist Frau GRin Abrahamczik zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Mag. Nina Abrahamczik (SPÖ): Frau Vorsitzende, sehr geehrter Stadtrat, liebe Kolleginnen und Kollegen, geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Ich versuche jetzt wieder, ein bisschen Ruhe hineinzubringen. Es war dazwischen schon recht laut. Ich glaube, wir beschließen heute etwas, das wirklich sehr wichtig ist. Ich möchte mit dem Zitat eines Mannes starten, der gestern hier im Rathaus war, nämlich dem deutschen Bundespräsidenten Steinmeier, der gesagt hat: "Wir brauchen die Demokratie, aber ich glaube, derzeit braucht die Demokratie vor allem uns." (StR Dominik Nepp, MA: Chef eines Schurkenstaates!) Und bezieht sich einerseits natürlich auf uns GemeinderätInnen hier, wenn wir das jetzt sozusagen im engeren Kreis vor Ort sehen. Da geht es nämlich darum, wie wir Debatten miteinander führen und ob es möglich ist, gemeinsam darüber zu diskutieren, Lösungen zu finden und die Stadt auch konsequent im positiven Sinn für alle Menschen, die hier leben, weiterzuentwickeln - und bezieht sich aber natürlich auch auf all die Menschen, die hier leben, die Teil unserer Gesellschaft sind und für die es sehr unterschiedliche Möglichkeiten gibt, wie sie sich einbringen können. Kollege Weber hat heute schon darüber geredet: Die Demokratie ist leider unter Druck. Das merken wir. Wenn man in der Historie zurückschaut, sieht man: Demokratie ist nicht selbstverständlich. Demokratie musste erkämpft werden. Demokratie wurde auch laufend weiterentwickelt. Auch in unserem Land gab es also Zeiten, in denen man ein Mann sein musste, damit man wählen kann, in denen man noch älter sein musste als heute 16. Es waren auch mehr als 18 Jahre, damit man wählen kann. Man musste ein gewisses Vermögen haben, damit man wählen kann. Das heißt, wir sehen: Demokratie wurde zum Glück weiterentwickelt und entwickelt sich immer weiter. Wir wissen, dass es auch in unserem Land und auch in Deutschland - weil Kollege Nepp hineingerufen hat -, Rückschläge gibt und es wirklich darum geht, die Demokratie zu verteidigen, sie wiederzuerlangen und darum zu kämpfen. Dafür braucht es eben uns alle, die sich damit auseinandersetzen. Ist unsere Demokratie in Österreich perfekt? - Nein, das ist sie natürlich nicht. Es liegt einer Demokratie inne, dass sie sich laufend weiterentwickeln sollte und auch auf aktuelle Herausforderungen eingehen muss. Auch heute gibt es natürlich Menschen, die nicht wählen dürfen, weil sie zu jung sind. Es gibt Menschen, denen das Wahlrecht vorenthalten wird. Es gibt aber auch Menschen, die nicht wählen gehen, weil es vielleicht eine Politik- oder PolitikerInnenverdrossenheit gibt. Wenn wir über verschiedene Maßnahmen der Partizipation und Beteiligung sprechen: Wann immer ich irgendwo zu einer BürgerInnenversammlung und sonstigem einlade, wird schon jemand kommen. Die Frage ist aber: Wer kommt denn? - Ganz oft sind es die üblichen Verdächtigen. Ich mag sie nicht schlechtreden. Ich freue mich über jede Person, die sich einbringt und ihre Ideen, Bedürfnisse und Wünsche äußert. Wir sollten aber vor allem auch gut hinschauen: Wer ist denn nicht dabei? Wer fehlt denn? Da geht es ganz oft darum, dass wirklich noch sehr viele Hürden bestehen. Das mag die Zeitressource sein. Der Herr Stadtrat hat es schon angesprochen. Beispielsweise können Alleinerziehende am Abend nicht einfach die Kinder allein zu Hause lassen. Da wäre es aber vielleicht eine Möglichkeit zu sagen, man bietet Kinderbetreuung an, wenn ich zu einer Versammlung einlade - nur als ein Beispiel. Es geht aber auch darum, zu welchen Tageszeiten das ist. Nicht alle Menschen arbeiten klassisch von 9 bis 17 Uhr. Viele haben Nachtschichten oder 24-Stunden-Dienste. Auch das ist zu beachten. Ich kann mich an den Beteiligungsprozess erinnern, als damals die Mariahilfer Straße diskutiert wurde. Da gab es zwei oder drei Infoveranstaltungen, die unter der Woche von 13 bis 15 Uhr waren. Ich war damals Bezirksrätin in Neubau und konnte selber nicht teilnehmen, weil ich mir hätte freinehmen müssen. Ich möchte nicht sagen, dass das bösartig war, aber wir sehen: Das hat sich weiterentwickelt. Es ist gut, dass wir auch darauf achten, wie die Zeitressourcen der Menschen ausschauen. Vielleicht ist es auch eine Option - das haben wir in den letzten Jahren beispielsweise auch beim Klimateam gezeigt -, dass man sich einbringen kann, ohne vor Ort irgendwo hinkommen zu müssen. Mobilität ist für viele Menschen ein großes Thema, gerade auch für ältere. Dementsprechend muss man auch hierauf eingehen. Das heißt aber auch, dass wir uns die Orte, wo wir einladen, genau ansehen. Denn auch dort können zwei, drei Stufen darüber entscheiden, ob jemand teilnehmen kann oder nicht. Auch da geht es darum: Was ist der Ort, und womit ist er besetzt? - Wenn ich etwas auf einer Universität mache, dann weiß ich, dass viele KollegInnen hier im Haus keine Berührungsängste haben werden. Ich weiß aber auch aus meiner Familie, wie das war, als die erste Person in unserer Familie - mein Bruder damals - ein Studium abgeschlossen hatte und viele aus unserer Familie wirklich Scheu hatten, die Universität Wien auch nur für diese Feier zu betreten, weil das für sie ein völlig fremder Raum war. Deswegen geht es auch ganz stark darum hinzuschauen, wo wir auch Menschen aufsuchend beteiligen können, wo Menschen sich sicher fühlen und wo es für uns als Stadt auch ganz wichtige Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner gibt, weil die dort Sicherheit vermitteln. Kinder und Jugendliche fühlen sich in Jugendzentren sehr wohl und wissen: Wenn es einen gescheiten Prozess gibt und sie sich einbringen können, dann werden sie diese Möglichkeit nutzen. Wenn ich ihnen eine Einladung für eine Informationsveranstaltung am Abend in einer Bezirksvorstehung schicke, dann werden das wahrscheinlich wenige Leute in Anspruch nehmen, wenn sie sich bisher noch nicht dort aufgehalten haben. Das heißt, es ist natürlich für uns eine zentrale Aufgabe, immer genau zu hinterfragen: Wie sehen unsere Prozesse aus? Was können wir noch verbessern? Wie können wir da weiterkommen? Kollegin Keri hat gesagt: Die Leute möchten et cetera. Ich glaube, es gibt "die Leute" nicht. Wir sind eine sehr bunte und vielfältige Stadt. Alle Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse und auch Wünsche. Das ist auch okay. Genau deswegen braucht es diese Räume, wo Menschen zusammenkommen können und wo man auch erfährt, was sich Menschen abseits der eigenen Bedürfnisse wünschen, auch empathisch aufeinander einzugehen, denn das ist ja auch legitim. Ich sage das jetzt auch als Vertreterin eines kleinen innerstädtischen Bezirkes mit weniger Grünflächen, als das in vielen größeren Bezirken der Fall ist. Wenn man dort einen Park umgestaltet, dann gibt es nur eine gewisse Fläche und unfassbar viele Bedürfnisse. Denn die einen wollen dort Ball spielen und kicken, die anderen möchten in Ruhe dort sitzen, die nächsten möchten unbedingt mit dem Kleinkind dort in Ruhe spielen, und andere wollen sporteln. Alles davon sind legitime Anliegen. Das ist völlig okay. Es geht aber darum, gemeinsam zu schauen - es ist unsere Aufgabe, auch aus den verschiedenen Dienststellen - und gute Lösungen zu finden, die zu guten Kompromissen und guten Lösungen für möglichst viele Leute führen, damit das hier genutzt werden kann. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Ich möchte kurz auf das eingehen, was Kollegin Kickert gesagt hat, dass ihr der Fokus zu weit ist. Ich weiß, du bist eine, die für viele dieser Themen absolut und mit vollem Herzen brennt. Das ist mir absolut bewusst. Ich glaube aber, dass es unser Anspruch sein muss, dass wir alle Lebensbereiche mit Demokratie fluten. Dass wir das breitmachen, macht es manchmal auch schwieriger, eine klare Messlatte darüber zu legen. Wenn man aber die Demokratie- Strategie gelesen hat, weiß man auch, dass es einer der nächsten Schritte ist, dass diese messbaren Ziele, die Kollegin Keri auch erwähnt hat, erarbeitet werden sollen, damit es ein Monitoring geben kann. Ich persönlich finde es gut, dass das jetzt nicht direkt in der Strategie ist, denn wir hätten sonst Dinge nicht drinnen, bei denen wir etwas messen. Du hast die KI und aktuelle sonstige Entwicklungen erwähnt. Das wäre sonst nicht drin. Dann müssten wir das ganze Ding wieder angreifen. Wir werden laufend daran weiterarbeiten. Das ist gut so. Weil der Vorwurf der Ablenkung vom Budget gekommen ist, möchte ich kurz zu Kollegen Nepp, der jetzt leider nicht da ist, sagen: Es war ziemlich intensiv. Dass wir uns jetzt auf Grund der Demokratie-Enquete seit zwei Jahren in einem so umfangreichen Prozess befinden und der Herr Stadtrat schon vor zwei Jahren zu einer Mitteilung eingeladen hat, welchen Prozess wir dann aufsetzen, nur damit wir gerade jetzt in diesem Oktober hier nach zwei Jahren mit zig Veranstaltungen und Diskussionsrunden und einer vorliegenden Strategie von etwas abzulenken versuchen, was ohnehin auch im nächsten Tagesordnungspunkt vorkommen wird ... Man kann aber eh auch mit Verschwörungstheorien arbeiten. (Heiterkeit des GR Thomas Weber.) Ich finde es schade, weil ich ehrlicherweise finde, dass wir gerade als GemeinderätInnen sehr gut darauf schauen müssen - da komme ich wieder zurück zu den Demokratien unter Druck -, wie wir miteinander arbeiten, was wir Menschen vermitteln, welche Unsicherheiten wir schüren und welche herbeigeleiteten Theorien wir da verbreiten. Denn wir sehen es weltweit. Kollege Nepp hat gesagt, es gibt Länder, wo so viel mehr Kinder auf die Welt kommen. Es geht nicht darum. Wir reden über die Anzahl von Staaten, in denen es eine Demokratie gibt, die weniger werden. Auch Kollege Weber hat es schon gesagt: Nicht immer stirbt die Demokratie über Nacht, sondern es ist das schrittweise Abbauen von Rechten, die erkämpft wurden. Wir wissen ganz oft, welche Gruppen das betrifft. Ich nenne jetzt eine: Es sind meistens die Frauen. Da brauchen wir nur in die Nachbarländer zu schauen, wo massiv Freiheiten eingeschränkt werden. (Beifall bei der SPÖ. - GR Armin Blind: Das hat der Kollege ...!) Mich persönlich ängstigt sehr, wenn ich in den USA sehe, was in einem halben oder Dreivierteljahr alles an Rechten abzubauen und an Institutionen nachhaltig zu zerstören möglich ist. Ich möchte da auch sagen: Wir reden von Bundesstaaten in den USA, wo Frauen kurz davorstehen, ihr Wahlrecht zu verlieren, wenn sie geheiratet haben, weil republikanische Gesetzesentwürfe vorsehen, dass man dort nicht mehr wählen kann, wenn auf dem Ausweis und auf der Geburtsurkunde nicht der gleiche Name ist. Ich möchte also zu bedenken geben, was in einer der vermeintlich wichtigsten Demokratien dieser Erde in sehr kurzer Zeit umgesetzt oder angedacht wird. Deswegen sollten wir Demokratie immer ernst nehmen. Das heißt nicht, dass wir hier, die wir von verschiedenen Parteien kommen - auch innerhalb unserer jeweiligen Fraktionen befinden sich sehr viele unterschiedliche, großartige Menschen -, alle einer Meinung sein müssen. Nein, das ist nicht Demokratie. Demokratie bedeutet, hier und in dieser Stadt Räume zu schaffen, wo Menschen zusammenkommen können, um gute Lösungen für alle zu finden. Darum bitte ich Sie auch wirklich sehr, gerade was die Diskussionskultur in diesem Haus betrifft, besonders darauf zu achten, wie wir miteinander umgehen. Denn wenn wir im Parlamentarismus nicht mehr miteinander diskutieren und besprechen können, wie wir Entscheidungen und gute Lösungen finden, dann haben wir ein massives Problem. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Weil ich jetzt auch nicht zu lang werden will und auch der Herr Stadtrat schon ausführlich auf den Prozess eingegangen ist, möchte ich allen, die es noch nicht gelesen haben, auf jeden Fall empfehlen zu lesen, was in der Strategie steht. Sie verweist zu Recht auf vieles - liebe Jennifer, du hast es gesagt -, was es schon gibt. Ja, denn wir starten zum Glück nicht von null. Diese Strategie soll andere Strategien wie die Kinder- und Jugendstrategie oder das Programm "Inklusives Wien 2030" auch nicht ersetzen, sondern Hand in Hand damit gehen. Sie soll aber auch weiterentwickelt werden. Dem ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Ich darf eine Sache hervorheben, die ich sehr positiv finde, wissend, wie das im Klimabereich funktioniert, wo wir schon ein tolles Netzwerk über die Stadt aufgebaut haben. Es wird in allen Dienststellen auch eigene Ansprechpersonen zum Bereich Demokratie geben, die ein eigenes Netzwerk bilden, um konsequent daran weiterzuarbeiten, damit diese Dinge auch gut gemessen werden können. Welche Maßnahmen setzen wir in den nächsten Schritten um? Wie kann ein Monitoring ausschauen? Wie werden wir das laufend weiterentwickeln? Weil ich heute schon angesprochen habe, dass es in der Politik auch um Kompromisse geht und darum, wie wir miteinander tun, möchte ich mit einem Zitat von Barbara Prammer schließen, einer Frau, die ich immer sehr bewundert habe und die ich auch noch kennenlernen durfte. Sie war die erste Frau an der Spitze des Nationalrates. Es hat auch gute 90 Jahre gedauert bis es so weit war. So viel zur Gleichberechtigung. Barbara Prammer hat gesagt: "Demokratie bedeutet Bereitschaft zum Kompromiss, der nicht grundsätzlich etwas Faules ist, als das er landläufig oft dargestellt wird. Vielmehr ist der Kompromiss eine demokratische Tugend, Ausdruck des guten Willens, gemeinsam zu vertretbaren, für alle akzeptablen Lösungen zu kommen. Exakt darin liegt für mich der Sinn von Politik, nicht in der Auseinandersetzung, die zum reinen Selbstzweck geführt wird." In diesem Sinn bitte ich Sie um Zustimmung und freue mich, mit den Kolleginnen und Kollegen in diesem Haus und gemeinsam mit allen Wienerinnen und Wienern auch in den nächsten Jahren an der Wiener Demokratie arbeiten zu können und hoffe wirklich auf breite Zustimmung. - Danke sehr. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Zierfuß, und ich erteile es ihm. - Bitte. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat, werte Kolleginnen und Kollegen! Ich kann mich dem, was Frau Abrahamczik vorhin gesagt hat, anschließen, nämlich, dass wir gemeinsam daran arbeiten müssen, wie wir Demokratie weiter aufbauen und wie wir unsere Stadt besser gestalten können. Das setzt aber im Umkehrschluss voraus, dass man die Opposition einbindet. Wenn wir uns die Entwicklung der letzten Zeit anschauen, wo Initiativanträge im Landtag eher schon die Regel sind, wo wir in Wahrheit oft nur ein paar Stunden oder ein paar Tage Zeit haben, uns Gedanken darüber zu machen, geschweige denn, dass wir eingebunden werden, obwohl es durchaus auch Dinge gäbe, die man gemeinsam gestalten könnte, dann muss ich sagen, reicht es nicht, wenn man das so sagt. Man müsste auch die Opposition bei den Themen, die uns betreffen, entsprechend einbinden, und das fordern wir auch ein. (Beifall bei der ÖVP.) Meine Kollegin Sabine Keri hat das vorhin schon richtig ausgeführt: Eine echte Demokratie-Strategie enthielte konkrete Ziele und Maßnahmen, die man messen kann, die die Stadt auch wirklich umsetzen will, und nicht nur schöne Worte oder Exkursionen auf andere Gebietskörperschaften oder bis über den Atlantik, um zu sagen, was man dort anders machen sollte. Jetzt hat Wien sicher kein Problem mit zu wenig Konzeptpapieren. Es sind schon einige genannt worden, die wir ja hier auch in den letzten Wochen diskutiert haben. Aber wir haben ganz einfach zu wenig Umsetzungen von den Dingen, die da wenigstens drinstehen und von dem, was gar nicht darin Einzug findet. Wir wollen keine Strategie, die mehr Demokratie simuliert mit schönen Worten, sondern eine Politik, die auch wirklich mehr Demokratie lebt, egal, ob es bei der Einbindung von Menschen in konkreten Dingen, die sie betreffen, ist - Frau Kollegin Keri hat das vorhin am Beispiel des 18er erklärt, man könnte noch viele andere Beispiele nennen, wo es um Umsetzungen geht, die direkt vor der Haustür passieren, wo man Menschen auch mitentscheiden lassen oder sie zumindest in ordentlicher Art und Weise informieren könnte - oder auch wenn es darum geht, dass die Opposition entsprechende Kontrollrechte hat, um ihre Arbeit leisten zu können. Wir sehen durchaus Beispiele des Gegenteils: Redezeitbeschränkungen, wo in der letzten Periode noch kurz vor Schluss ohne Opposition beschlossen worden ist, dass wir weniger reden können; oder auch in der Umsetzung des Informationsfreiheitsgesetzes, wo wir ganz zu Beginn dieser Periode gleich heftig diskutiert haben darüber, wie unsere Kontrollrechte weiter ausschauen. Es gäbe viele Möglichkeiten, wie man die Rechte der Opposition ausweiten könnte. Zum Beispiel könnte man sich die Notkompetenz des Bürgermeisters näher anschauen, wo es darum geht, welche Begründung man für die Dringlichkeit geben muss. Wir erinnern uns zurück an einen Schnitzel-Gutschein, der eine Notkompetenz war, wo man durchaus sagen hätte können, egal, ob man die Maßnahme gut oder schlecht findet, man diskutiert das hier im Gemeinderat, oder bei der Wien Energie, wo wir mittlerweile wissen, dass es zweimal eine Notkompetenz gab und nie darüber informiert worden ist, oder ganz generell, ob und wann man die entsprechenden Gremien informiert, die es eigentlich beschließen müssten. Frau Kollegin Pany, da muss man nicht den Kopf schütteln, sondern könnte vielleicht auch vor der eigenen Haustür kehren und sich eingestehen, dass in der Vergangenheit Fehler geschehen sind. Nichts davon sieht man bei Ihnen allen in der Regierung. (Beifall bei der ÖVP.) Man könnte sich auch anschauen ... (GR Mag. Josef Taucher: Sie sind ja die Bürgermeister-Partei. Wie sehen das Ihre Bürgermeister?) - Ja, ich würde es Ihnen sagen ... (Zwischenruf von GR Mag. Josef Taucher.) - Auf der anderen Seite, Herr Kollege Taucher, könnte man sich auch die Untersuchungskommissionen und Untersuchungsausschüsse anschauen, wo die SPÖ auf Bundesebene immer gesagt hat, was dort alles nicht funktioniert, und dann vergleichen wir es mit den Untersuchungskommissionen in Wien. Welche Rechte hat denn die Opposition? (Beifall bei der ÖVP.) Wenn wir in der Untersuchungskommission etwas beschließen, muss das dann umgesetzt werden, kann man es einklagen? - Nichts davon. Das sind in Wahrheit alles Bespaßungsgremien! (GR Mag. Josef Taucher: Bespaßungsgremien?) Wenn wir in den Oppositionsreihen darüber reden, ob es Untersuchungskommissionen geben soll, uns überlegen, ob die sich überhaupt auszahlen, weil Sie uns dann eh nichts liefern ... (GR Mag. Josef Taucher: Das halten Sie von diesen Gremien?) Selbst wenn die SPÖ in den Untersuchungskommissionen zustimmt, liefern die Stadträte trotzdem keine Akten - und nichts passiert! So kann Opposition nicht ausschauen in dieser Stadt! (Beifall bei der ÖVP. - Zwischenruf von GR Mag. Josef Taucher. - Erheiterung bei GRin Astrid Pany, BEd, MA.) Sind die Kalender geliefert worden von den Stadträten? - Ich habe das Gefühl, Sie haben zugestimmt, da sitzen ein paar in den Reihen, die zugestimmt haben, dass sie geliefert werden sollen. Sind sie geliefert worden? - Nein, natürlich sind sie nicht geliefert worden! Und dann machen Sie sich darüber lustig! Ganz offen gesprochen, nehmen Sie die Opposition auch ernst, nehmen Sie Oppositionsrechte ernst, liebe SPÖ! (Beifall bei der ÖVP. - GRin Astrid Pany, BEd, MA: Ja, ja.) Schauen wir uns vielleicht noch das Interpellationsrecht an. Weil wir vorher beim 18er waren ... Das ist ja mit den Wiener Linien immer ganz lustig. Immer wenn etwas neu gebaut wird, steht die Stadtregierung dabei, eh klar, man muss ja auch entsprechend dafür sorgen, dass das finanziert wird. Wir beschließen hier auch immer sehr gute Zuschüsse für die Wiener Linien, dass sie weiter funktionieren können. Aber immer dann, wenn die Opposition Anfragen zu den Wiener Linien stellt, egal wie sie geartet sind, gibt es keine Antwort. Das ist nicht vom Interpellationsrecht gedeckt. Überlegen wir uns doch, wie denn das in der Zukunft ausschauen kann, dass wir alles, was diese Stadtregierung hier macht, auch als Opposition kontrollieren können! (GR Mag. Josef Taucher: Wie ist das in Niederösterreich?) Das braucht eine Demokratie und nicht nur Ausreden auf andere. (Beifall bei der ÖVP. - GR Mag. Josef Taucher: Niederösterreich!) Ich weiß, Sie reden gerne auch bei den Wiener Linien über Niederösterreich. Das ist immer ganz nett, wenn man darüber redet ... (GR Mag. Josef Taucher: Na man muss schon mit gleichen Maßen messen politisch!) - Ja, man muss es sich schon auch anschauen, wie das ist, wenn wir über den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel an die Stadtgrenzen reden, sagen wir, das ist ja offenkundig, dass das ein Thema ist, das wir in Wien lösen müssen. Dann sagen Sie nur, dass müsst ihr in Niederösterreich lösen. Also ich weiß schon, dass Sie lieber über andere reden als über die Probleme in Wien, wir haben es ja auch heute wieder gesehen ... (GR Mag. Josef Taucher: Straßenbahn nach Schwechat. Wer hat's verhindert?) Man kann sicher auch Lösungen gemeinsam finden, aber nicht, wenn man sich hier so hinstellt wie die Stadtregierung in Wien und immer nur die Probleme bei anderen sucht. Auch im Gesundheitsbereich - der Peter Hacker ist ja generell ein Paradebeispiel für Demokratieverständnis. 60 Prozent der Anfragen werden nur ordnungsgemäß und rechtzeitig beantwortet. 60 Prozent! In der Schule wäre das ein Vierer, aber ich muss sagen, in der Demokratie ist es ein Fetzen, wenn man die Oppositionsrechte so mit den Füßen tritt! (Beifall bei der ÖVP. - Zwischenruf von GRin Astrid Pany, BEd, MA.) Dann kommen immer nur die Ausreden, was andere machen sollen. Bitte lösen wir hier die Probleme, die wir haben in der Stadt, egal in welchen Bereichen ... (GR Mag. Josef Taucher: Stehen Sie zu Ihrer Partei. Sie müssen schon zu Ihrer Partei stehen!) - Na, ich habe das Gefühl, im Burgenland ist man auch nicht ganz so begeistert von den Vorstößen (Zwischenruf bei der SPÖ.), aber das muss man in der SPÖ intern klären. Wenn wir nicht nur über Oppositionsrechte reden, da gäbe es viel zu sagen, sondern weitergehen, vielleicht zu den Bürgerrechten. Wenn wir bei den Bürgerversammlungen sind, wo noch immer nicht gescheit definiert ist, wie die stattfinden oder wie der Bezirksvorsteher da einberuft und man nicht unbedingt weiß, wie dort der Ablauf sein muss, da muss ich Ihnen schon sagen, da wäre mehr möglich. Oder auch bei Bürgerfragestunden oder ähnlichem - die Frau Kollegin Keri hat schon sehr viel dazu gesagt, wie man mehr Bürgermitbestimmung denken kann. Einer Demokratie-Strategie mit schönen Worten allein werden wir nicht zustimmen. Aber wir hoffen, dass es vielleicht doch ein Anstoß ist, dass wir in Zukunft auch mehr machen, was wirklich mehr Demokratie bringt. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Arapovic, und ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic (NEOS): Werte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuseherinnen und liebe Wienerinnen und Wiener! Ich muss ehrlich sagen, die Debatte ist schon ganz wichtig und ganz wesentlich. Wir beschließen heute einerseits die Demokratie-Strategie der Stadt Wien, aber andererseits habe ich das Gefühl, das wir auch über unser Demokratieverständnis generell zu debattieren und zu reden haben, auch über die Frage, die aus den FPÖ-Reihen gekommen ist: Was ist Demokratie? - Das ist durchaus eine berechtigte Frage. Die Frage des Verständnisses, was Demokratie ist, kann eine sehr unterschiedliche sein. Daher ist es wichtig, dass wir, wenn wir von Demokratie sprechen, auch betonen, dass wir nicht vom Gleichen sprechen. Wir sprechen nicht von der Herrschaft des Volkes in dem Sinne, wie es im antiken Griechenland gewesen ist (Zwischenruf bei der FPÖ.), wo nur männliche Bürgerinnen und Bürger über 18 und nur, wenn die beide Eltern Athenerinnen und Athener gewesen sind, mitstimmen haben müssen. (Zwischenruf bei der FPÖ: Wir wollen nicht das Athener ...) Das Verständnis der Demokratie hat sich im Laufe der Zeit geändert, und wir demokratischen Parteien, sind zum Teil auch zu einem anderen Verständnis der Demokratie gekommen als jenem von damals vor tausenden Jahren im antiken Griechenland. (Beifall bei den NEOS.) Unser Demokratieverständnis ist ein Verständnis der Demokratie als Partizipation, als Mitgestaltung des Volkes. (GR Michael Stumpf, BA: Das ist aber etwas anderes!) - Darüber können wir auch reden. Deswegen sage ich auch, das ist eine gute Debatte. Denn mir geht es auch um dieses Verständnis von Demokratie. Wenn es in der Demokratie-Strategie der Stadt Wien darum geht, wie die Grätzel belebt werden, wie die Bevölkerung einbezogen wird in unterschiedlichen Grätzeln durch unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten, dann sollten wir auch darüber reden, dass das notwendig und wichtig für unsere Demokratie ist und dass wir auch weiterhin daran arbeiten müssen, dass es nicht nur darum geht, wählen zu dürfen oder zu können, sondern dass es auch darum geht, mitreden und mitgestalten zu können. Das ist das Wesentliche. (Beifall bei den NEOS.) Oft reden wir davon, dass man die Demokratie beschützen soll. Ich sehe das nicht so. Demokratie ist nicht etwas, was man besitzt und was man irgendwie schützen kann. Demokratie ist eine Haltung, die Lebenseinstellung, wie wir jeden Tag, jede Begegnung, jede Entscheidung, die wir treffen, machen. Oft sprechen wir davon, dass die Demokratie geschützt werden soll. Aber auch das sehe ich nicht. Ich sehe, dass es ganz wesentlich ist, dass sie wirklich gelebt wird, dass sie verstanden wird, dass sie getragen wird und dass es eigentlich eine Art der Haltung ist. Ich muss sagen, ich weiß zum Teil deshalb auch, wovon ich da rede, weil ich unterschiedliche Demokratien erlebt habe. Ich habe eine Demokratie erlebt, die die Bevölkerung in den Abgrund geführt hat. Ich habe aber auch ein All- Parteien-System erlebt. Ich habe in einer parlamentarischen Demokratie gelebt, die ganz jung war, damals in Spanien. Und ich habe auch in einer autokratischen Demokratie gelebt. Ich weiß - was der Kollege Weber vorher gesagt hat -, dass das Privileg, in einer liberalen Demokratie zu leben, absolut keine Selbstverständlichkeit ist und dass unsere Werte und unsere Art zu leben wirklich einzigartig ist und nicht genug geschätzt werden kann. Sie darf daher aber auch nicht nur sehr hoch oben angehängt sein hier in diesem Haus oder im Parlament oder im EU- Parlament, sondern muss wirklich auf der Straße, vor Ort bei den Menschen im Grätzel, auf der Straße und im Wohnblock, überall sein. (Beifall bei den NEOS, von Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky, von GR Thomas Mader und GR Mag. Josef Taucher.) Da ist ganz wichtig, was die Fachstelle Demokratie leistet, auch die Arbeit mit den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in den unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen, die bei uns auch leben. Sie leisten einen wertvollen Beitrag, gehen in die Communitys hinein und sensibilisieren Menschen für die Werte, die wir haben. Es ist auch vorher schon von jemandem gesagt worden, eher abwertend. Ich weiß schon, dass nicht alle Menschen, die in Wien leben, auch in einer Demokratie groß geworden sind. Ich zähle mich dazu! Ich bin auch nicht in einer Demokratie groß geworden. Umso mehr finde ich es sehr abwertend zu sagen, dass diese Menschen, die nicht ... (Zwischenruf bei der FPÖ.) - War das eine Wortmeldung? - Nein, gut, ist egal. - Aber auf jeden Fall, umso abwertender finde ich es, Menschen, die nicht in einer Demokratie groß geworden sind, das Recht abzuerkennen, an einer Demokratie zu partizipieren, mitzumachen und teilzunehmen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Wir NEOS sagen auch immer, die Demokratie muss wehrhaft sein gegen jene, die sie aushöhlen, sie lächerlich machen, sie spalten und schwächen. Die Demokratie braucht, wenn sie diese Grenzen aufstellt, dafür aber die rechtsstaatlichen Grundlagen. Die Demokratie muss aber auch wahrhaft sein, das ist auch unser Anspruch. Durch Ehrlichkeit, Transparenz und Aufrichtigkeit kann sie von den Menschen, von unserer Bevölkerung als wahrhaftig wahrgenommen werden. Da sind vor allem wir in der Politik gefordert, aber darüber hinaus die Medien und generell der gesellschaftliche Diskurs, für den wir den Rahmen bieten. (Beifall bei den NEOS und von GR Mag. Josef Taucher.) Demokratie kann man auch nicht verordnen, das geht nicht. Sie muss gelebt werden, sie muss geliebt werden - und sie muss auch gelernt werden. Da sind unsere Bestrebungen in Bezug auf die Bildung in der Demokratisierung der Gesellschaft wesentlich, weil es auch darum geht, nicht nur Kinder und Jugendliche auszubilden und zur Teilhabe zu befähigen, sondern es auch darum geht, dass man junge Erwachsene und erwachsene Menschen diesbezüglich bildet, ausbildet und befähigt, teilnehmen zu können an den gesellschaftlichen Entwicklungen, den Entscheidungen, dem Miteinander. Gerade da ist die Wiener Demokratie-Strategie ganz wesentlich, weil es auch darum geht, wie man die Menschen, für die die Hürden der Teilnahme höher sind, mitnehmen kann, wie man die Menschen mitnehmen kann, die über Sprachbarrieren stolpern, die vielleicht Betreuungspflichten haben oder Menschen mit Behinderungen, Jugendliche, aber auch Menschen ohne Wahlrecht. Diese Strategie knüpft auch an ein zentrales Versprechen an, das wir abgeben. Wien ist nicht nur die lebenswerteste Stadt - auch dank der Demokratie, muss man sagen -, Wien ist auch die demokratischste Stadt der Welt oder wird es sein. Das ist möglich durch die Beteiligung und nicht durch die Privilegien einiger weniger. Das heißt, die demokratischste Stadt kann man nur werden, wenn man möglichst viele und im besten Fall wirklich alle Bürgerinnen und Bürger mitnimmt. Demokratie ist kein Zustand. Sie ist ein Prozess, ein gemeinsames Tun. Sie entsteht dort, wo die Menschen Verantwortung übernehmen, auch wenn es mühsam ist, wo sie zuhören, auch wenn es eine andere Meinung gibt, aber auch, wenn man versteht, dass das Gemeinwohl eigentlich größer ist als mein eigenes Interesse. Da entsteht Demokratie. Demokratie wächst auch dort, wo das Vertrauen wächst. (GR Mag. Josef Taucher: Genau!) Das Vertrauen zur Politik, zur Macht, aber auch das Vertrauen bei Menschen untereinander. Darüber hinaus wächst die Demokratie dort, wo Respekt, Neugier und Mut zu vielen Stimmen zulässig sind. Darum ist diese Strategie nicht nur ein Papier. Sie ist eine Haltung. Sie ist eine Einladung, Wien gemeinsam demokratischer zu machen. Denn Demokratie ist auch kein Erbe, das wir verwalten. Es ist etwas, woran wir jeden Tag bauen, miteinander, füreinander und das in Freiheit. - Danke schön. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Ellensohn, und ich erteile es ihm. - Bitte. GR David Ellensohn (GRÜNE): Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren! Jennifer Kickert hat sich für die GRÜNEN sehr genau und kritisch mit der Wiener Demokratie-Strategie auseinandergesetzt. Ich möchte noch ein paar andere Gedanken dazugeben. Wir hatten heute schon Diskussionen über Armut und wie man die Armen noch ärmer machen kann und warum das gerecht ist, dass man den Armen die Mindestsicherung kürzt, den Menschen mit Behinderungen das Leben schwerer macht und so weiter. Ich sage jetzt kurz, was ich davon halte und was das mit Demokratie zu tun hat. Wenn Armut wächst und der Überreichtum explodiert, dann erodiert Demokratie. Nicht ganz laut, aber langsam von Wahl zu Wahl. Dazu gibt es mittlerweile nicht nur Meinungen und Haltungen, sondern ganz viele wissenschaftliche Beweise. Das kann man alles nachlesen. Ich habe den Eindruck, die Progressiven in diesem Land brauchen Nachhilfe in dieser Frage. Nicht weil sie es nicht spüren würden, aber weil die politische Umsetzung nichts macht und weil man dann Reden hört, die nicht mehr sind als: Im Moment ist es sehr schwierig und deswegen machen wir etwas, was gar nicht so leicht ist oder vielleicht falsch. - Da feiert heute die Sozialdemokratie in der Früh, was sie die Weiterentwicklung der Kinder-Mindestsicherung nennt. Da heißt es dann, dass man ihnen ein Viertel wegnimmt. Wenn man das viermal macht, kriegen sie gar nichts mehr. Also, Viermal rot-pinke Weiterentwicklung der Kinder-Mindestsicherung würde heißen: null Euro. Wenn man wenigstens dazusagen würde: Schwierig, Bund, Vermögenssteuern, schwierig. Wir - nämlich die Sozialdemokratie - haben es leider irgendwann in den Zweidrittelrang gehoben und es geht nicht so leicht, wir machen das trotzdem, weil ... Dann könnte ich es wenigstens verstehen. Aber ich habe fast das Gefühl, es freuen sich ein paar, bei den NEOS sowieso, die freuen sich immer wieder einmal zwischendurch, wenn die unten noch mehr strudeln müssen. Mir fehlt aber das Kämpferische der SPÖ. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn der Herr Steinmeier sagt, wie die GRin Abrahamczik hier zitiert hat, die Demokratie braucht uns, dann stimmt das. Was aber die Demokratie nicht braucht, sind irgendwelche Framings von uns und irgendwelche schönen Sätze, die sich Werbeagenturen ausdenken. Wir kämpfen alle für irgendetwas! Wenn wir es nicht tun, dann ist es wertlos! Dann ist es ein Versuch, irgendwie noch fünf Leute zu überzeugen, aber es nützt am Ende nichts. Wenn ich mir die Zahlen anschaue, der StR Jürgen Czernohorszky hat selber auch die Zahlen genannt: 64 Prozent der ArbeiterInnen haben kein Wahlrecht in Wien, 82 Prozent der HilfsarbeiterInnen haben kein Wahlrecht und von den übrigen 18 geht nicht einmal die Hälfte wählen. Von hundert Leuten, die - ich muss das so sagen - die geschissensten Arbeiten für das wenigste Geld machen, gehen ungefähr sieben zur Wahl. Und so werden sie auch behandelt! Weil sie keinen Machtfaktor darstellen, sind sie relativ wurscht. Würden die zu 100 Prozent wählen können und wählen gehen, dann würden wir nicht darüber reden, wie viel Geld man denen wegnehmen kann, dann würde man etwas mehr Zeit dafür verwenden, um über den Überreichtum zu reden. Aber sie sind einfach wurscht, weil sie in der politischen Auseinandersetzung am Wahlsonntag nicht zählen. Je ärmer, desto weniger Wahlrecht sowieso. Aber jetzt reden wir gar nicht von denen, die keines haben, sondern davon, dass es dann auch desto weniger Beteiligung gibt. Je hilfloser die Leute ihrem Leben gegenüberstehen, desto eher sagen sie: There is nothing in it for me. Es bringt mir nichts, wieso soll ich hingehen? - Und wissen Sie was? - Die haben recht! Sie haben recht, wenn sie sagen, mir geht's gschissen, wieso soll ich euch noch helfen! Ich adressiere es jetzt nicht einmal an eine Partei im Speziellen. Aber wieso sollen Leute noch kommen, die zu Hause sitzen und am zwanzigsten den Kühlschrank leer haben, mit der Miete kämpfen, ein Delogierungsangebot kriegen, und sich freuen, juhu, die Kinder-Mindestsicherung wird gekürzt von den NEOS und die SPÖ sagt nichts? Warum sollen die noch kommen? - Sie kommen auch nicht! Die Wahlbeteiligung ist am höchsten in Wien wo? - Im 13., 18., 19. Bezirk. Wo ist sie am niedrigsten? - Im 15., also dort, wo die niedrigste Pension und das niedrigste Einkommen sind, im 10., im 11. und so weiter. Es ist so leicht, das zu sehen: ökonomisch schwächer, Wahlbeteiligung niedriger. So werden sie behandelt. Was passiert dann? - Früher hat man gesagt, dann kommen sie alle eben nicht. Jetzt ist es den Rechten europaweit und vor allem in der USA geglückt, etwas umzudrehen. Früher haben die Leute, die arm waren, wenigstens nicht geglaubt, dass sie von den Millionärsbeschützern irgendetwas zu erwarten haben. Da haben sie wenigstens, wenn sie hingegangen sind, Leute gewählt, die gesagt haben, ich will, dass es dir besser geht, sogar, wenn ich es nicht herbringe. Das hat sich gedreht. In den USA ist das ganz anders. Trump ist 2016 schon der erste Präsident gewesen, wo die unteren 20 Prozent der Einkommen, die, die keine Kohle haben, mehrheitlich republikanisch gewesen sind. Es war nie so vorher. Diesmal war es noch schlimmer. Diesmal haben die unteren 20 Prozent, ich glaube, es waren 75 Prozent, Trump gewählt. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Das ist halt so!) Wer arm ist, fällt auf den Schmäh herein, den ihnen die Rechten erklären: Der, der noch eine Spur ärmer ist, muss etwas verlieren, dann geht es dir besser. Diese Neiddebatte, die geführt wird zwischen den Hilflosen, die nicht mehr wissen, wie sie tun sollen, die gegen die auszuspielen, die noch weniger haben, funktioniert. (GR Mag. Dietbert Kowarik: ... die Wähler mehr ...) Sie funktioniert, weil wir was machen, auf der progressiven Seite? - Weil wir viel zu viel darüber reden, wie wir die Mindestsicherung vielleicht kürzen! (GR Mag. Dietbert Kowarik: Weil wir kein Geld haben! - Heiterkeit bei GR Mag. Josef Taucher.) Bei allem Verständnis für alle Diskussionen - ein Vorschlag, was man tun könnte. (Zwischenruf bei der FPÖ.) - Ich rede nicht mit Ihnen, weil es keinen Wert hat in dieser Frage. (GR Leo Lugner: 20 Jahre die gleiche Leier!) - Ich spreche nicht mit einem Einzelnen, ich spreche zum Gemeinderat, das sagt, das weiß auch die ... (Zwischenruf bei der FPÖ: Missachtung ist das!) Merkt ihr und merken alle, wie sie immer nervös werden, wenn man darüber redet? Worüber wollen die reichen Beschützer nicht reden? - Über den Überreichtum! Worüber wollen sie reden? - Über die Mindestsicherung, nämlich darüber, wie man sie zusammenschlägt! Das immer wieder aufs Neue machen, das ist das Einzige, was die aufregt. Es regt sie nicht auf, wenn wir mit ihnen streiten, was jetzt jemand ohne österreichischen Pass machen darf und was nicht, denn damit gewinnen sie Wahlen. Aber reden über die, die zu viel haben, nämlich so viel zu viel, dass man es nicht einmal mehr fressen, kotzen - ihr kennt diesen Sager - kann, dort müssen wir hin! Was müsse wir also machen? - Mindestens gleich viel Zeit - und das ist wirklich ein Appell an alle, nicht nur an die Sozialen, an alle Progressiven, das gilt auch für uns - verwenden, um in den Reden darüber zu reden, wie man mit Armen umgeht, im Guten wie im Schlechten, wie darüber, was man beim Überreichtum herausholen kann, wer den ... (Zwischenruf von GR Mag. Manfred Juraczka.) - Sozialbetrug ist ein Thema. So viel Sozialbetrug, so viel Steuerbetrug! Nicht bei den mittleren und kleinen Handwerkern, bei den ganz Reichen, dort ist das ganze Geld zu holen! Warum reden wir nicht einmal darüber? (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ. - Zwischenruf bei der FPÖ.) Wer die ... (Zwischenruf bei der FPÖ: Sagen Sie es halt!) - Von mir aus ist es sozial, aber mir ist eigentlich wurscht, wie es heißt, wie es heißen soll. Was ich bin, ist Demokrat. (Heiterkeit bei der FPÖ. - Zwischenruf von StRin Mag. Ulrike Nittmann.) Und was die Demokratie braucht, sonst brauchen wir ja keine, ist mehr Chancen für alle Leute! Sonst ist es keine! Was eine Demokratie braucht, ist nicht der Überreichtum von Leuten, die nicht wissen, wie viele Flugzeuge sie kaufen sollen, sondern Lebensgrundlage und Chancen für jeden Menschen - für jeden, egal wo er herkommt! Wenn nicht einmal die Vierjährigen bei Ihnen eine Chance kriegen, wer soll denn sonst eine kriegen? - Um das geht es! (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.) Wer Informationen haben will: Die Bewegungen, die darüber reden, werden größer. Und es gibt immer mehr, es gibt in Österreich auch einen Haufen guter Seiten: ungleichheit.info, da ist alles drauf, die haben sich wissenschaftlich damit auseinandergesetzt, was es heißt, wenn man irgendwo etwas kürzt. In Deutschland ist das ganz gut zu sehen. Wo steigt die AfD? - Nicht dort, wo die meisten Leute ohne deutschen Pass sind, sondern dort, wo man das Schwimmbad zusperrt, dort, wo das ganze örtliche Leben ausstirbt. Es ist ganz einfach! Die Sozialleistungen sinken um einen Punkt und die AfD steigt um eineinhalb. (Zwischenruf bei der FPÖ: Also doch bei den ... Na was jetzt?!) Das hat man jetzt mittlerweile in hunderten Dörfern gesehen. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Nachlesen! Deswegen sind die für Sozialkürzungen und deswegen wollen die Reichen nicht, dass man darüber redet, und deswegen sind die FPÖ und die ÖVP Reichenschützerparteien! (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und von GR Mag. Lukas Burian.) So, wir wollen ja nicht, dass die armen Leute verzweifeln und zu Hause bleiben, sondern sich beteiligen. Kein Mensch, der wenig Geld hat, hat von Ihnen (in Richtung der FPÖ) etwas zu erwarten. Ich weiß, wo ich herkomme, in meiner Familie gibt es einen ganzen Haufen Leute mit wenig Ausbildung und mit wenig Kohle. Zum Glück wählt keiner Sie. Fertig, aus. Man muss Ihnen nicht noch einmal kommen mit der Korruption und mit den ganzen Verbrechen, die Sie in Ihrer Partei haben - einfach nur, was Sie machen, die Leute gegeneinander ausspielen. (Zwischenruf bei der FPÖ: Was tun die anderen ...) Unser Ding muss sein, möge es reiche Leute geben, soll ein Handwerker, eine Handwerkerin, die sich raufarbeitet, es ein bisschen besser haben als die anderen? - Natürlich. Brauchen wir Leute, die so viel mehr haben als wir, dass wir es nicht sehen würden? (Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Das sind jetzt leider Fakten. (Zwischenruf bei der FPÖ: Demagoge!) - Ich empfehle es noch einmal: Lesen bildet und würde helfen. Aber das ist auch wieder Perlen vor ... (Zwischenruf bei der FPÖ.) - Ungleichheit.info - einfach nachlesen. Der Überreichtum ist ein Übel für die Demokratie und die Verteilungsfrage der Schlüssel, ob wir die Demokratie halten können. Bei allem, was wir machen und was in der Strategie steht, bin ich dafür, wenn das gut aufgeht. Für die zwei Anträge der ÖVP, die Sie gestellt haben, bin ich im Übrigen auch noch. Alles gut. Wenn wir draußen wollen, dass uns der Laden nicht davonrutscht, werden wir schärfer kämpfen müssen gegen die, die alles haben, alles nehmen und die sich einen Dreck darum scheren, wie es den anderen geht, und auch nicht um die Spielregeln. Das ist ja wohl hinlänglich bekannt, dass die Spielregeln quasi nicht mehr gelten in den USA und was das am Ende bedeutet. Die Millionäre werden ja trotzdem reicher. Jedes Jahr mehr Milliardäre, jedes Jahr mehr Arme! Als ob es da einen Zusammenhang geben könnte?! Wenn die einen ganz viel haben und die anderen plötzlich weniger, könnte ja sein, dass das etwas miteinander zu tun hat. So, wir werden weiterhin für die Demokratie kämpfen. Und wer Demokrat ist oder Demokratin, wird auch gegen diese wahnsinnige Ungleichheit, die sich so verschärft hat in diesem Jahrhundert, mit uns gemeinsam kämpfen! - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN sowie von GRin Astrid Pany, BEd, MA und GR Thomas Mader.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Krauss, und ich erteile es ihm. - Bitte. GR Maximilian Krauss, MA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Rede von Kollegen Ellensohn lässt mich in weiten Teilen etwas sprachlos zurück, denn es ist schon interessant, wie Sie sich hier herstellen und davon sprechen, dass man die Wahlbeteiligung in der arbeitenden Bevölkerung heben muss. Das ist ja völlig richtig. Dann sagen Sie aber, das große Problem ist, dass die arbeitende Bevölkerung falsch wählt und nicht versteht, egal ob es in Amerika ist oder in Europa ist, dass die Parteien, die sie wählen, sie in Wahrheit überhaupt nicht wirklich vertreten. Ich glaube, dass in dieser Aussage eine sehr große Arroganz mitschwingt, zu sagen, dass Menschen, die arbeiten, in Österreich die FPÖ wählen, in einem anderen europäischen Land eine rechte Partei wählen oder in Amerika Donald Trump gewählt haben, in Wahrheit gar nicht wissen, was sie da gemacht haben und deswegen Sie oder irgendeine angebliche Demokratieschulung von Ihnen allen braucht, um zu wissen, dass man uns nicht wählen soll! Das ist das Gegenteil von echter Demokratie! Das ist linke Arroganz in Reinkultur! Da gebe ich Ihnen noch eines mit: Auch die DDR hat sich demokratisch genannt und war es trotzdem definitiv nicht! (Beifall bei der FPÖ.) Wenn heute mehrere Redner, sogar der Herr Stadtrat und dann auch die Rednerin von der SPÖ, gesagt haben, in den USA wird gerade die Demokratie abgeschafft und die Institutionen werden zerstört - Wissen Sie, was in den USA gerade eingeführt wird? - Eine allgemeine Ausweispflicht für Wahlen. Bis jetzt war es dort möglich, dass man ohne Ausweisdokument einfach an einer Wahl teilnehmen konnte, wie in vielen demokratisch geführten Staaten. Wenn das Ihr Ziel ist, dass jeder, der da ist, einfach zu einem Wahlamt gehen kann und nicht einmal einen Ausweis dabeihaben muss, na dann gute Nacht Demokratie. Gut, dass das jetzt in Amerika beendet wird. (Beifall bei der FPÖ.) Sie schreiben in Ihrer Einleitung: "Demokratie muss gepflegt werden, muss verteidigt werden und muss weiterentwickelt werden." - Das ist völlig richtig. Das, glaube ich, würde jeder unterschreiben. Tatsächlich ist es auch ein schöner Satz, wenngleich bei Ihnen ein sehr, sehr leerer, denn Demokratie und echte Mitbestimmung und Volkssouveränität werden leider in Wien in vielen Bereichen vermisst. Wenn Sie dann davon sprechen, dass große Probleme eine wachsende Polarisierung sind oder eine Spaltung der Gesellschaft im Raum steht, dann frage ich Sie erstens: Wer hat die Gesellschaft in den letzten Jahren, besonders in der Corona-Zeit, gespalten, und wer ist tatsächlich dafür verantwortlich? Die Parteien, die Missstände herbeirufen, oder die Parteien, die Missstände aufzeigen? - Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie machen es sich hier definitiv viel zu einfach. (Beifall bei der FPÖ.) Denn wer spaltet die Gesellschaft? Sind es eben jene, die die Missstände verursachen oder jene, die die Missstände aufzeigen oder sind es nicht in Wahrheit diejenigen, die ständig mit einem moralisierenden Zeigefinger durch die Medien, durch TV-Diskussionen gehen, durch Parlamentsdebatten und auf alle politisch hinschlagen, die eine abweichende Meinung von ihrer angeblichen Moral haben? Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie reden heute viel über die Situation in Amerika, Sie reden viel über andere Länder, in denen es angeblich nicht richtig zugeht. Warum setzen Sie nicht in Wien demokratische Schritte um, die möglich wären? - Ausbau von Oppositionsrechten, mehr Mitbestimmung für Oppositionsparteien, eine Ausweitung des Interpellationsrechts, eine echte Reform der Untersuchungskommission. Da müssen wir nicht nach Amerika schauen, um abzulenken, da könnten Sie hier im Haus ganz konkrete Maßnahmen beschließen! (Beifall bei FPÖ und ÖVP.) Ich erinnere mich auch noch daran, auch wenn es mittlerweile schon über fünf Jahre her ist, als die NEOS in Wien noch Transparenz gerufen haben. Sie hatten damals ja recht, als Sie gesagt haben, wenn wir einmal etwas zu sagen haben, dann wird in Wien Transparenz einkehren. Sie haben die letzten fünf Jahre mitzugedeckt und Sie wehren sich auch heute gegen den echten Ausbau von demokratischen Kontrollmöglichkeiten in dieser Stadt! Der Kollege Zierfuß hat es angesprochen: Jeder, der in Wahrheit in der letzten Untersuchungskommission zur Wien Energie anwesend war, muss sich die Frage stellen, ob eine Untersuchungskommission unter diesen Rahmenbedingungen in Wien überhaupt noch Sinn macht. Denn Tatsache ist, es gibt keine Aktenlieferungen, es gibt keine Informationen! Sie haben auch im vergangenen Jahr wieder eine Untersuchungskommission in Wien beschlossen, die keinerlei echte Kontrollmöglichkeiten hat. Wenn wir von Scheindemokratie sprechen, dann ist das genauso ein scheindemokratisches Kontrollinstitut, das in Wahrheit überhaupt nichts bewirken kann. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, es gibt vieles, was man zu diesem Punkt noch sagen könnte. Das Staatsbürgerschaftsrecht ist auch ein wichtiger Punkt, den ich vorher bereits angesprochen habe. Auch da muss ich dem Stadtrat massiv entgegentreten, der davon gesprochen hat, dass wir eine Aufweichung des Staatsbürgerschaftsrechts brauchen. Nein, Demokratie geht in Österreich vom Staatsvolk aus, von den Österreicherinnen und Österreichern. Wir brauchen definitiv keine Politik, die unser Staatsvolk ersetzen soll oder die dafür sorgt, dass sich auf kurze Zeit die Zusammensetzung massiv verändert. Nein, einen derartigen Schritt brauchen wir definitiv nicht. (Beifall bei der FPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, abschließend ist zu sagen, echte Demokratie lebt von der Vielfalt der Meinungen, sie lebt nicht vom Gleichschritt. Sie lebt auch vom Vertrauen der Politik ins österreichische Volk und nicht von Misstrauen gegenüber der eigenen Bevölkerung. Sie lebt von der Freiheit und nicht von der Überwachung. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Tavares da Costa. - Bitte, Sie sind am Wort. GRin Sara do Amaral Tavares da Costa (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielleicht kurz zum Kollegen Krauss: Aktuell müssen WählerInnen in den USA sehr wohl ihre Identität nachweisen. Die Frage ist nur, welcher Ausweis wird da verlangt. Aktuell ist es so, dass sich ganz viele schwarze Menschen zum Beispiel keinen Pass leisten können und das automatisch ein Ausschluss der schwarzen Bevölkerung in den USA wäre. Vielleicht einmal kurz dazu als Korrektur. Gut. (Beifall bei SPÖ, GRÜNEN und NEOS.) Nun zur heutigen Demokratie-Strategie, die wir beschließen werden. Ich erinnere mich noch wirklich sehr gut, als ich 2005, damals war ich 16, in Wien das erste Mal wählen durfte. Es war ein sehr ermächtigendes Gefühl, das erste Mal wählen gehen zu dürfen. Wien war in dieser Frage wieder einmal Vorreiterin. Wir, meine Generation WienerInnen, waren die Ersten, die österreichweit, ja sogar europaweit, mit 16 wählen durften. Meine Schulfreundinnen und Schulfreunde, die in anderen Bundesländern gelebt haben, haben erst 2008 bei den Nationalratswahlen wählen dürfen. Rund 36 Prozent der Wiener Bevölkerung darf heute immer noch nicht wählen. Es ist gewissermaßen ein bisschen skurril und ehrlicherweise auch ein bisschen unfair, wenn man sich die gesamte Faktenlage anschaut. Ich bin nämlich eine dieser 40,9 Prozent der Wiener Bevölkerung, die nicht in Österreich geboren wurden. Ich habe halt das Glück, eine österreichische Mutter zu haben. Während ich also seit 2005 ganz selbstverständlich an Wahlsonntagen nicht nur zum Wahlbeisitzen gehe, sondern vor allem ins Wahllokal gehe, um meine Stimme abzugeben, dürfen ganz viele, die in zweiter, dritter oder gar vierter Generation hier geboren wurden, hier leben, hier aufgewachsen sind, hier in die Schule gegangen sind, ihr Studium abgeschlossen haben oder ihre Lehre und jetzt ihr Arbeitsleben hier in unserer Stadt gestalten, nicht wählen. (GR Armin Blind: Was hindert Sie denn, die Staatsbürgerschaft ...?) Sie haben keine Staatsbürgerschaft, und zwar nicht, weil sie kein Deutsch sprechen (Zwischenrufe bei der FPÖ.), und auch nicht, weil sie sich nicht ausreichend einbringen, und auch nicht, weil sie sich nicht für unsere Stadt und für unser Land interessieren, ganz im Gegenteil. (GR Armin Blind: Wenn sie ihr Studium abgeschlossen haben ...) Wissen Sie, woran es scheitert? (Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Es läuft aktuell ein Film, den würde ich Ihnen empfehlen. Er heißt "Noch lange keine Lipizzaner", der würde Ihnen vielleicht Ihren Horizont erweitern. Sie waren zu lange im Ausland, weil sie sich - oh wie frech - herausgenommen haben, Erasmus zu machen während ihres Studiums. Tja, Pech gehabt, sie waren zu lange im Ausland, sie kriegen keine Staatsbürgerschaft. Wissbegierde wird in diesem Fall nicht belohnt, sie kostet Menschen die österreichische Staatsbürgerschaft. (Zwischenruf bei der FPÖ: Das ist ein Scherz, oder? Alle sind Erasmus-Studenten! Das gilt für alle ...) - Das sind keine Erasmus-Studenten, das sind Leute, die hier geboren sind, hier studieren und zu lange auf Erasmus waren, die hier leben. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Wie viele sind denn das? - Ein halbes Promille!) Dramatischer sind aber tatsächlich jene Fälle, die wirklich viele Menschen betreffen, vor allem Frauen. Wir wissen, nach wie vor verdienen Frauen viel weniger als Männer und können sich die Staatsbürgerschaft schlicht nicht leisten. Menschen, die manchmal in einem oder zwei Jobs arbeiten und trotzdem zu wenig verdienen. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Wer setzt die Gebühren fest? - GRin Mag (FH) Susanne Haase: Es geht nicht um die Gebühren!) Besonders spannend wird die Debatte dann, wenn wir uns anschauen, wer die Partei ist, die immer ganz leise wird, wenn es darum geht, Menschen mehr Rechte zu geben. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Sozialistische Jugend!) Mehr Rechte, die für viele Frauen Absicherung und Unabhängigkeit bedeuten würden, beispielsweise, um sich aus patriarchalen Strukturen zu befreien, mehr Rechte für alle Menschen, die sich aktuell gegen Ausbeutung schlecht bis kaum wehren können. Wenn es darum geht, Menschen tatsächlich zu ermächtigen, wird die FPÖ immer sehr leise. Vielleicht ein kleiner Hinweis: Die drittgrößte Gruppe an Menschen, die in Wien lebt und keine österreichische Staatsbürgerschaft hat, sind Deutsche. Vielleicht erwärmt ja diese Information das eine oder andere deutschnationale Herz in Ihren Reihen. (Beifall bei der SPÖ.) Wir beobachten aber nicht nur, dass Menschen, die vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, sich weniger einbringen können. Dazu haben wir ja heute schon sehr viel gesprochen. Wir müssen leider auch feststellen, dass auch ganz viele wahlberechtigte Wienerinnen und Wiener nicht nur nicht wählen gehen ... (Zwischenruf bei der FPÖ: Eine deutschnationale Floskel.) - Sie können, ich kann Sie leider nicht verstehen, wenn Sie da alle durcheinandersprechen, aber Sie können mich auch einfach ausreden lassen. Ich lasse Sie ehrlicherweise auch immer ausreden, egal was Sie sagen. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Sie haben drei Mikrofone. Das wird schon reichen.) Die vielen wahlberechtigten WienerInnen, die tatsächlich nicht nur nicht wählen gehen, können auch einfach nicht so partizipieren. Das hat zahlreiche Gründe, aber der stärkste Faktor in diesem Zusammenhang ist die Armut. Es gilt also daher Plattformen und Methoden zu entwickeln, um möglichst alle, und zwar unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrem Alter und unabhängig davon, wen oder wie sie lieben, welchen Bildungsgrad sie haben, wo sie herkommen und wie viel sie verdienen oder besitzen, einzubinden und ihnen eine Stimme zu geben. Denn das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist die Grundlage unserer Demokratie, dass sich nicht die durchsetzen, die am lautesten schreien oder das meiste Geld besitzen, sondern dass bei Wahlen jeder Mensch eine Stimme hat, nicht mehr und nicht weniger. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: ... habt alle gemacht ...) Als Demokratie müssen wir weiterdenken, wir müssen wehrhaft und resilient sein und gegen antidemokratischen Tendenzen, gerade in diesen schnelllebigen Zeiten. Ich will an dieser Stelle ein paar Worte zur FPÖ sagen. Ich zitiere Art. 9 § 2 des Staatsvertrages von 1955: "Österreich verpflichtet sich, alle Organisationen faschistischen Charakters aufzulösen, die auf seinem Gebiete bestehen, und zwar sowohl politische, militärische und paramilitärische, als auch alle anderen Organisationen, welche eine irgendeiner der Vereinten Nationen feindliche Tätigkeit entfalten oder welche die Bevölkerung ihrer demokratischen Rechte zu berauben bestrebt sind." (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Meinen Sie Antifa?) Die Zweite Republik beruht auf einem klaren antifaschistischen Grundkonsens. Dass Sie sich nicht schämen, sich hier herzustellen in diesem Haus und die Arbeit demokratischer Organisationen, Opferverbände, so zu diskreditieren und sie in ein kriminelles Eck zu stellen, ist wirklich unerhört! (Beifall bei SPÖ und NEOS sowie von GRin Mag. Heidemarie Sequenz.) Gut, ein kleiner Exkurs. Zurück zur Demokratie-Strategie. Sie richtet sich an alle Wienerinnern und Wiener (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: ... schwarzer Block, oder?), sie drückt unseren Anspruch aus, dass wir uns in Wien auf Augenhöhe und respektvoll begegnen wollen, egal, ob Bevölkerung beziehungsweise Zivilgesellschaft, Verwaltung oder Politik. Demokratie wollen wir gemeinsam lernen, wir wollen sie gemeinsam gestalten, und wir wollen sie gemeinsam weiterdenken - und zwar nicht nur zum Selbstzweck, sondern weil die Wienerinnen und Wiener ihr unmittelbares Umfeld bestenfalls gemeinsam mit ihren Nachbarinnen und Nachbarn gestalten können sollen - mit unterschiedlichen Perspektiven, um etwas Besseres für alle herauszubringen, und vielleicht auch mit Streit und nicht immer mit Einigkeit, aber immer mit dem Commitment, trotzdem einen gemeinsamen Weg zu gehen und die Lebensqualität in unserer Stadt für alle zu sichern und auszubauen. Vielleicht noch ein paar Worte zur Entwicklung der Demokratie-Strategie, denn ich finde, es erfordert durchaus einiges an Demut aus unserer Perspektive, weil sich bereits in diese Entwicklung hunderte Wienerinnen und Wiener eingebracht haben, gemeinsam mit dem Wissen der Verwaltung und von Expertinnen und Experten. Das wird hier ja auch immer kritisiert, dass man die nicht eingebunden hat. Man hat sie eingebunden, und mit diesem ganzen Wissen ist diese Strategie entwickelt worden und liegt uns jetzt vor. Es ist eine Strategie, die auffordert, dass wir sie zur Basis nehmen, um in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Demokratie in unserer Stadt immer weiterzudenken. Es gilt wirklich, ein großes Danke zu sagen, dass wir mit diesem Wissen weiterarbeiten können. Und ich kann nur alle hier im Raum einladen, dieser Strategie zuzustimmen. Ich darf noch einen letzten Satz zur FPÖ sagen. Ich wünsche Ihnen wirklich, dass Sie ein Hobby finden, denn so obsessiv, wie Sie sich mit gendern beschäftigen, das macht wirklich niemand. - Danke schön. (Beifall und Heiterkeit bei SPÖ, GRÜNEN und NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Hungerländer, und ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Sehr geehrte Damen und Herren! Ein paar Worte als Replik auf meine Vorredner. Kollege Weber - ich sehe ihn gerade nicht, aber vielleicht hört er über den Fernseher zu - hat sich fürchterlich darüber echauffiert, als wir ihn darauf hingewiesen haben, dass seine Darstellung, wie viele Menschen in demokratischen Ländern leben, keine richtige Analyse ist. So. Wie viele Länder der Welt sind denn ein voll demokratisches System oder teildemokratische Systeme? - Der Prozentsatz hat sich in den letzten Jahren nicht dramatisch verschlechtert. Was sich aber verschlechtert hat - und da hat er in der Sache ja recht, die Zahlen hat er richtig gelesen -, ist die Anzahl der Menschen, die weltweit in Demokratien leben. Aber da muss man sich anschauen: Wie sind die Geburtenraten von Menschen, die in Demokratien leben, und wie sind die Geburtenraten von Menschen, die in autoritären Systemen leben? - Die liegen ganz, ganz, ganz weit auseinander. Deswegen ist es eine völlig natürliche Entwicklung, nämlich eine durch die Geburten natürliche Entwicklung, dass die Anzahl an Menschen, die in nicht demokratischen Systemen leben, zunimmt und die Anzahl an Menschen, die in demokratischen Systemen leben, abnimmt. Ich habe ein paar Zahlen des "Economist" herausgesucht, weil ich es dann ja doch sehr interessant fand: Zentralafrikanische Republik, autoritäres System, Geburtenrate 5,98, Niger 6,82. Bei vollen Demokratien haben wir eine Geburtenrate von unter zwei! Das heißt, das sind von der Bevölkerung her ohne Migration schrumpfende Länder. Ich sage das dem Herrn Kollegen Weber nicht, weil ich rechthaberisch bin, sondern weil ich meine, dass man eine Analyse sehr sauber machen muss, vor allem, wenn man ein Argument darauf aufbaut. Also vielleicht die Zahlen nicht nur anschauen, sondern auch ein bisschen darüber nachdenken. Und wenn wir schon freundlicherweise darauf hinweisen, nicht unbedingt hereinschreien, dass wir Demokratiefeinde sind oder was auch immer er gesagt hat, sondern vielleicht einmal nachdenken, ob das nicht vielleicht stimmen könnte, was wir sagen. (Beifall bei der ÖVP.) Meiner Vorrednerin konnte ich wenig abgewinnen, und ich kann dazu noch mehr sagen. Eine Sache, wo man aber zumindest diskutieren könnte, was wir auch ins Regierungsprogramm genommen haben und was ich durchaus unterstütze, ist der Abbau von Verwaltungshürden am Weg zur Staatsbürgerschaft. Unsere Position ist, dass die Staatsbürgerschaft ein enorm hohes Gut ist. Es muss schwer und langfristig und gut geprüft werden, wer diese Staatsbürgerschaft erhält, aber in der Dimension der Integrationsleistung, nicht in der Dimension von Verwaltungshürden. Die sind teilweise tatsächlich kurios. Es ergibt Sinn, genau hinzuschauen, welche Verwaltungshürden wirklich eine reine Schikane sind. Es ergibt nämlich keinen Sinn - und es ist auch nicht die Aufgabe eines Rechtsstaates -, einen Menschen zu schikanieren. Es ist die Aufgabe eines Rechtsstaates zu sagen, das sind die inhaltlichen Kriterien, nach denen wir einbürgern. Erfüllst du diese Kriterien - Check. Erfüllst du diese Kriterien nicht - kein Check. Aber Verwaltungshürden, die nur noch eine historische Bedeutung haben, aber keinen weiteren Zusammenhang, abzubauen, halte ich für sinnvoll. Ich muss sagen, ich halte das auch für gut, dass wir das ins Regierungsprogramm aufgenommen haben. Wir werden sehen, wie wir es umsetzen werden. (Beifall bei der ÖVP und von Amtsf StR Mag. Jürgen Czernohorszky.) Das auch an meine Vorrednerin gerichtet, Sie waren in der letzten Periode noch nicht im Haus, vielleicht schauen Sie sich diese Studie noch an. Es gibt eine Studie der MA 17, die nachgefragt hat, warum Leute, die eigentlich die Berechtigung hätten, also die Kriterien erfüllen, die Staatsbürgerschaft nicht annehmen. Das ist eine gerechtfertigte Frage. Ich habe mehrere Anfragen gestellt. Wir haben die Summe X an Leuten, die nicht die österreichische Staatsbürgerschaft haben. Wie viele Personen von dieser Summe X sind Expads, wie viele sind Studierende, wie viele sind diplomatisches Personal, also Leute, die per se nur kurzfristig in Wien sind? - Die müssen wir einmal wegrechnen. Wie viele Personen dieser Summe X, die wird an einem Stichtag messen, am 1.1. oder so, sind Asylsuchende? - Auch die müssen wir wegrechnen. Das wird alles nicht gemacht in Ihren Zahlen! Dann müssen wir die nächste Frage stellen. Wie viele Personen von dieser Summe X würden die Kriterien für die Staatsbürgerschaft eigentlich erfüllen und wollen sie einfach nicht haben? - Das ist die relevante Frage! So. Diese Studie der MA 17 hat ein ganzes Bouquet an unterschiedlichen Begründungen zu Tage gebracht, die haben nämlich einfach danach gefragt. Der eine hat gesagt, nein, ich will nicht, weil ich nicht zum Heer eingezogen werden will. Der andere hat gesagt, nein, ich will nicht, denn wir haben zu Hause ein Grundstück. Das sind viele, viele Gründe! Es ist nicht nur der böse österreichische Staat, der sagt, du Migrant wirst nicht Staatsbürger. Es ist sehr wohl eine durchmischte Situation. Es sind sowohl Leute, die nicht wollen, als auch Leute, die die Einkommenshürden nicht schaffen. Ich stimme Ihnen zu, auch darüber kann man diskutieren. Aber es sind auch Leute, die nicht wollen. Wenn wir uns hier gegenseitig dazu aufrufen, Demokraten zu sein und eine gute Diskussion zu führen, dann sage ich, müssen unsere Argumente auch auf tatsächlichen Zahlen, Daten, Fakten basieren. Wenn Sie in Ihrer Demokratie-Strategie daherkommen mit so und so viel Prozent der Arbeitnehmer und so und so viel Prozent der Angestellten haben kein Wahlrecht, dann ist das blanker Populismus. So und so viele Angestellte - was haben Sie gemessen? Haben Sie die Leute gemessen, die am 1.1. in einem Angestelltenverhältnis waren? Haben Sie die Leute gemessen, die ein halbes Jahr angestellt sind? Wo ist die Bezugsgröße? - Das ist irgendeine Zahl, die wahrscheinlich ChatGPT ausgespuckt hat oder die Arbeiterkammer. Ich weiß es nicht. Aber das ist keine realistische Zahl. Und wenn es eine realistische Zahl ist, dann geben Sie die Quelle an, wie Sie das berechnet haben! (Beifall bei der ÖVP sowie von GR Mag. Dietbert Kowarik und GR Maximilian Krauss, MA.) Nun zum Kollegen Ellensohn. Zwei Worte, Kollege Ellensohn. Nun bin ich nicht die Pflichtverteidigerin von Trump, aber das ist eine sehr interessante Sache. Sie haben gesagt, in den USA wählt die sozial unterste Schicht jetzt Trump. Ich weiß nicht, ob Sie die Autobiografie von JD Vance gelesen haben. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Ich glaube, eher nicht.) Die ist eine sehr interessante Sache, ich würde sie Ihnen ans Herz legen. Es ist wirklich ein interessantes Buch. Warum? - JD Vance kommt aus der absoluten amerikanischen Unterschicht, und er beschreibt sein Leben und seinen Aufstieg aus dieser Unterschicht, und das ist echt eine brutale Beschreibung. Die Lösung, die er in seinem Buch vorschlägt, und meines Erachtens auch ein Grund, warum die ehemalige Arbeiterschaft in den USA republikanisch wählt, ist nicht Sozialsystem. Seine Lösung ist Arbeitsplätze schaffen. Damit geht die Republikanische Partei in die sozial unterste Schicht - mit Arbeit schaffen und nicht mit Sozialleistung! Ganz im Gegenteil, er sagt, das Schlimmste, was der amerikanischen Arbeiterschaft, die nach und nach durch die Industrialisierung arbeitslos geworden ist, passieren konnte, ist das Sozialsystem, in dem sie dann gefangen waren. Er sagt: Arbeitsplätze schaffen. Deswegen wählen diese Leute republikanisch! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Auch da rufe ich dazu auf, nicht populistisch zu sein. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Die haben nichts mehr zu sagen, die GRÜNEN!) Machen Sie eine gute, klare Analyse und auf der bauen Sie dann die Argumente anstatt mit Populismus. Seien Sie mir nicht böse, Herr Kollege Ellensohn. Dann sagen Sie, Sie sind Demokrat. Und das Nächste, was Sie sagen, ist, dort sitzen die Reichenschützerparteien FPÖ und ÖVP. Ja wo ist denn das demokratisch? - Das ist eine gruppenbezogene Abwertung von zwei demokratisch gewählten Parteien und sonst nichts! Reißen Sie sich selbst am Riemen, wenn Sie sagen, Sie sind Demokrat! Führen Sie es auch aus! (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Frau Kollegin Abrahamczik - es ist schade, dass sie nicht da ist, ich wollte ihr nämlich zustimmen. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Ich glaube, sie hat richtige Sachen gesagt, ich stimme ihr zu. Die Fragen, wo lassen wir Partizipationsprozesse stattfinden und wann lassen wir sie stattfinden, halte ich für relevant. Also das ist durchaus gut, wenn man darüber nachdenkt. Man muss aber auch darüber nachdenken, was dann mit diesem Partizipationsprozess passiert. Es soll ja keine rein kathartische Versammlung sein, wo jeder erzählt, was er gerne hätte, was ihm auf die Nerven geht, und dann gehen alle nach Hause. Also, wir stellen uns vor, die Leute kommen in dieser Demokratiewerkstatt zusammen, auf der Mariahilfer Straße oder wo auch immer, und jeder darf sagen, was er gerne möchte. Was passiert dann damit? Ich meine wirklich physisch, was passiert damit? Wird das auf Karten aufgeschrieben, wird das in ein Protokoll geschrieben? Was passiert dann mit diesem Protokoll? Kriegen Sie das dann, Herr Stadtrat? - Man weiß es nicht. Es geht aus dieser Demokratie-Strategie nicht hervor. Ich sage ihnen ganz ehrlich, wenn ich mit dieser Demokratie-Strategie in den 22. gehe, wo wir versucht haben, eine Bürgerversammlung zu machen und der Bezirksvorsteher abgehauen ist, wo wir eine zweite Bürgerversammlung hatten, wo der Bezirksvorsteher zugesichert hat, dass eine Kontrolle ergeben wird, wo weitere Parkplätze geschaffen wurden, und nichts ist passiert, wo wir eine Petition unterstützt und eingebracht haben, wo sich Leute in verschiedenen Beispielen enorm viel Zeit und Aufwand auf sich genommen haben, um mitzubestimmen - und jedes Mal enttäuscht wurden. Wenn ich mit dieser Demokratie-Strategie in den 22. Bezirk gehe, dann lachen die Menschen, und das ist schon viel Engagement dafür. (Beifall bei der ÖVP.) Der Punkt ist folgender: Sie können in das Papier schreiben, was Sie wollen, wenn nicht festgelegt wird, wer accountable ist. Was passiert mit den Sachen, die die Leute erarbeiten, was passiert wirklich physisch nachvollziehbarerweise damit? - Wenn ein Petitionsausschuss eine Empfehlung ausspricht, beispielsweise, der Bezirksvorsteher möge sich doch einmal darum kümmern, ob nicht mehr Parkplätze geschaffen werden können, dann muss jemand accountable dafür gehalten werden. Da muss jemand zur Rechenschaft gezogen werden. Das darf nicht einfach auf einem Zettel stehen, und der nächste Schritt ist nichts, weil keiner dafür zuständig ist. Aber selbst, wenn jemand dafür zuständig ist, wird es nicht kontrolliert, und es wird nicht sanktioniert, das ist ein reiner Papiertiger. Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, Herr Stadtrat, dass Sie da ein System finanzieren. Da ist diese Werkstatt, und da wird Geld hineingepumpt, und dann setzt man sich vielleicht auf die Mariahilfer Straße oder sonst wo hin und macht irgendwelche Beteiligungsprozesse. Wozu konnte ich nicht rauslesen, denn ich weiß anhand der Strategie nicht, wozu sich die Leute beteiligen wollen, zu ihrem Grätzel ... (Amtsf StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Dann gehen Sie einmal hin!) - Ja, vielleicht mache ich das. Sie sind nicht dort, wo es wirkliche Konflikte gibt, sonst wären Sie beispielsweise an einer der konfliktären Stellen in der Donaustadt gewesen. Aber das ist nicht der Fall. Ich glaube, Sie geben viel Geld für ein System aus. Und ich sehe nicht, was herauskommen soll. Da stimme ich meiner Kollegin Sabine Keri völlig zu. Sie haben überhaupt keine Messbarkeit in diese Strategie eingebaut und dadurch ist das Ganze eigentlich hinfällig. (Beifall bei der ÖVP.) Ein letzter Punkt zur Frau Kollegin Abrahamczik, sie ist immer noch nicht da. (GR Mag. Josef Taucher: Das ist unnötig, wirklich. Das ist unfair!) Frau Kollegin Abrahamczik hat gesagt, wie wir miteinander umgehen, ist wichtig. Ich halte das für richtig. (GR Mag. Josef Taucher: Die Nina ist eine, die ... - Zwischenruf von GR Dipl.-Ing. Omar Al- Rawi.) - Ja, schade, ich habe ihr einmal zugestimmt, das hätte sie ja sicher gerne miterlebt. Jetzt stimme ich ihr ein zweites Mal zu. Es ist wichtig, wie wir miteinander umgehen, Herr Kollege Taucher, und wie wir miteinander umgehen, ist auch eine Frage, wie wir mit der Meinung von Oppositionsparteien umgehen. Schauen Sie, ich habe mir das jetzt ausheben lassen. Wir haben in der laufenden Periode 60 Anträge gestellt, davon wurde zwei zugewiesen, alle anderen abgelehnt. Also wo ist die demokratische Qualität der SPÖ und der NEOS in diesem Haus? (Zwischenruf: Es ist genauso wichtig, wie Sie mit der Kollegin Abrahamczik umgehen!) Wo ist die Einbeziehung der Opposition in diesem Haus? - Gar nicht da. Also wenn Sie sagen, auch wir in diesem Haus - und das hat die Kollegin Abrahamczik gesagt - sollten uns an der Nase nehmen, wie wir demokratisch miteinander umgehen, sage ich, ja, auch das gehört dazu. Wie gehe ich mit guten, fundierten Anträge der Opposition um, in die viel Zeit geflossen ist? (Zwischenruf: Die Qualität ...) Lehne ich die einfach ab oder schaue ich vielleicht doch ab und zu, sind das schlaue Ideen, und stimme auch zu? - Auch das ist eine Frage der demokratischen Reife. (Beifall bei ÖVP und FPÖ. - GR Mag. Lukas Burian: Die Qualität der Anträge ...) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich GR Ellensohn gemeldet. - Bitte. GR David Ellensohn (GRÜNE): Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren! Ich möchte Frau Kollegin Hungerländer beim Wort nehmen, denn in einer Frage sind wir uns vielleicht einig, nämlich im Text: Fakten, Fakten, Fakten. Daraus folgen dann die Ergebnisse und die Meinungen. Sie würden sich wundern, was ich alles lese, um mich auszukennen, auch bei denen, die politisch weit weg sind von mir - JD Vance. Der Satz: Die USA, die working class wählt republikanisch, weil sie Jobs schaffen, ist historisch falsch, deswegen berichtige ich jetzt tatsächlich, nämlich seit dem Zweiten Weltkrieg. (GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc: Ich habe gesagt: Jetzt!) - Nein, der Unterschied ist der ... (Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc. - Zwischenruf bei der FPÖ: Zwei Minuten, ich sag's nur!) - Der Unterschied ist, Sie sagen es, und das ist ja der Unterschied zwischen Fakten, Fakten, Fakten und Framing. Oh ja. Der Satz hat gelautet: Da drüben gibt es jetzt mehr Jobs, mehr brauche ich auch nicht, deswegen wird anders gewählt. Nur kurz die Zahlen: Truman, Carter, das war die meiste Zeit demokratisch: 5 Prozent. Dann kommen Reagan und Bush, die Arbeitslosigkeit geht hinauf auf 7 Prozent. Dann kommt Clinton und sie geht hinunter auf 4,9. Es kommt wieder Bush, es geht wieder hinauf, es kommt Obama, es geht wieder hinunter. Es kommt Trump, es geht wieder hinauf, es kommt Biden, es geht wieder hinunter. Jedes Mal bei einem Republikaner geht es mit der Arbeitslosigkeit hinauf, jedes Mal bei einem Demokraten hinunter. Logisch, denn die haben Keynesianismus gemacht und aufgepasst, wenn es dem Land schlecht gegangen ist, und die anderen haben das gemacht, was Sie gerne machen. Witzigerweise haben in jeder dieser Phase die Milliardäre zugelegt und die anderen nicht. Der Schmäh, den Sie der working class erzählen, geht für Sie im Moment auf. Das wird sich noch ändern. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Frau Vorsitzende, ... keine Berichtigung ... - Beifall bei den GRÜNEN und von GR Mag. Josef Taucher.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Lugner. - Bitte, Sie sind am Wort. GR Leo Lugner (FPÖ): Werte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat, sehr verehrte Damen und Herren! Ich muss schon eines sagen, bei Demokratie tut ihr GRÜNEN euch wirklich schwer. Es ist so, dass ihr es nicht einmal schafft, bei einer Position wie dem Schriftführer einen Freiheitlichen zu wählen. Ich möchte aber eine Ausnahme positiv erwähnen, das ist der Kollege Arsenovic, der unseren Kollegen Resch sehr wohl gewählt hat. Aber ansonsten ist es beim Thema Demokratie bei den GRÜNEN wirklich sehr schwach bestellt. (Beifall bei der FPÖ.) Frau GRin Kollegin Sara do Amaral Tavares da Costa, Sie haben den Antifaschismus heute hier am Rednerpult bemüht. Da möchte ich Ihnen ein bisschen etwas mitgeben und uns allen hier erklären, was der Antifaschismus, die sogenannte Antifaschistische Aktion in Wien und in Österreich alles an schweren Verbrechen und groben Straftaten begeht. Ich möchte damit anfangen: Am 13. Juli 2016 hat es einen Mordversuch durch einen Steinwurf auf einen jungen Patrioten in Wien gegeben. Bei der Demonstration wurde ein junger Patriot in Wien mit einem Stein von einem Dach schwer verletzt, und die Täter sind bei der antifaschistischen Demonstration zu suchen. Ermittelt wurde - ich glaube, das sind die, denen sie dann noch die österreichische Staatsbürgerschaft schenken wollen (Zwischenruf: Skandal!) - ein deutscher Täter. (Beifall bei der FPÖ. - Zwischenruf: Die Deutschen!) 11. Juli 2020: Mordversuch mit Kantholz in Wien Simmering. In Simmering unweit des Gasometers attackiert ein 41-jähriger Punk mit Verbindungen zur linksextremen Szene und zur Antifa, zum Antifaschismus, einen 44-jährigen Lohnverrechner mit einem Kantholz. Der ist damals aus dem Taxi gestiegen und hat die falsche Jacke angehabt. Der Täter, Ihr Freund, der Antifaschist, hat geglaubt, es handelt sich hierbei um einen Rechtsradikalen. Deshalb hat er von einer Baustelle ein Kantholz genommen und hat versucht, den Herrn umzubringen. Es ist so, dass er so schwer verletzt und dauerhaft gezeichnet wurde, dass er gehen und sprechen neu erlernen musste. Das ist Ihr toller Antifaschismus. Der Täter wurde Gott sei Dank zu 18 Jahren Haft verurteilt und wird jetzt in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsverbrecher eingewiesen. Da gehören so manche Antifanten hin. (Beifall bei der FPÖ.) Am 29. September des vergangenen Jahres haben wir Freiheitlichen in der Stiegl-Ambulanz unsere Wahlfeier gefeiert. Bei dieser Wahlfeier kam es zu Ausschreitungen von sogenannten Antifaschisten. Diese Antifaschisten haben die Gäste unserer Wahlfeier bedroht und nicht nur verbal, sondern auch körperlich attackiert. Es war zeitweise nicht möglich, unsere Wahlfeier zu besuchen. Das ist Ihre gelebte Demokratie, Ihr sogenannter Antifaschismus. Schämen Sie sich! (Beifall bei der FPÖ.) Dann möchte ich einen Fall am 25. Jänner 2025 nennen. Er ist zwar in Graz passiert, aber er ist sinnbildlich für Wien. Beim 70. Akademikerball in Graz kam es zu einem Überfall auf einen Ballgast. Der Ballgast wurde bewusstlos geschlagen. Seine Couleur-Kappe wurde gestohlen, und er wurde schwer verletzt. Was glauben Sie, wer der Täter war? - Es waren Ihre Freunde von der antifaschistischen Aktion, die da einen 60-jährigen Mann überfallen und bewusstlos geschlagen haben. Das ist Demokratie? Ich bin aber noch nicht fertig. Es geht weiter: Am 24. Juli dieses Jahres gab es im 19. Bezirk eine Demonstration für einen gewissen Herrn XXXXXX XXXX. Er ist besser bekannt als XXXX X. Das ist der Hammerattentäter, der in Ungarn wahllos auf Leute eingeschlagen hat, weil er geglaubt hat, dass sie möglicherweise Verbindungen zu einer rechten Gesinnung haben. Er hat mit dem Hammer auf den Kopf von Menschen eingeschlagen. Er wurde mittlerweile festgenommen. Das wird in Ungarn gerade verhandelt. Da hat es eine Demonstration von Ihren Freunden, von den sogenannten Antifaschisten, von den lupenreinen Demokraten, für einen mutmaßlichen Mörder gegeben. Ich meine: Wo sind wir da? Das ist ja unglaublich. (Beifall bei der FPÖ.) Sie (in Richtung SPÖ) brauchen nicht zu lachen. Schämen sollten Sie sich. Sie haben gerade gelacht. Schämen Sie sich! (Beifall bei der FPÖ.) Am 4. Oktober gab es eine Bombendrohung in der Karlskirche, ganz nah, auch mutmaßlich von Antifaschisten begangen. Vor der Karlskirche wurde auf den Boden geschmiert: Nummer eins: Kirk, Nummer zwei seid ihr. Gemeint waren die Besucher einer Demonstration, die sich für den Erhalt des Lebens einsetzen. Die werden von Ihren antifaschistischen Freunden mit Mord bedroht. Das ist in Wahrheit eine unfassbare Sauerei. (Beifall bei der FPÖ.) Auch der Verfassungsschutz hat mittlerweile festgestellt, dass die Straftaten aus dem linksextremen Milieu stark ansteigen, vor allem die Straftaten gegen Leib und Leben. Ich sage Ihnen jetzt allen hier im Haus: Demokratie heißt auch, andere Meinungen zuzulassen. Wenn man Menschen, die eine andere Meinung haben, mit Gewalt bedroht und umzubringen versucht, dann übersteigt man tatsächlich eine rote Linie. Es muss eines ganz klar sein: dass das abgelehnt wird. Leider vermisse ich das bei der Sozialdemokratie und bei der Wiener Stadtregierung. (Zwischenruf von Amtsf. StR Peter Hacker und GRin Sara do Amaral Tavares da Costa. - GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc - in Richtung SPÖ: Nicht so grinsen!) Es werden regelmäßig Vereine gefördert, die im Nahbereich dieser antifaschistischen Aktion stehen. Ich habe hier gerade die Bombendrohung in der Karlskirche erwähnt, bei der auch das Attentat auf Charlie Kirk durch Linksextreme thematisiert wurde. Die Linksextremen freuen sich darüber, dass ein Mann erschossen wurde, der seine Meinung gesagt hat. Diese Morddrohung wurde in Wien vor der Karlskirche auf den Boden geschmiert. Es wurden heute des Öfteren die USA bemüht. Dazu möchte ich eines sagen: Dass ein Mann für seine demokratische Meinung erschossen wird, sind Zustände, die wir hier in Österreich nicht haben wollen. Das sind Zustände, die wir ganz klar ablehnen. Deshalb fordern wir Freiheitliche auch ein Verbot der antifaschistischen Aktion. (Beifall bei der FPÖ.) Es ist eindeutig. Ich möchte es Ihnen noch einmal sagen, Frau Kollegin: Antifaschismus tötet. Bei Charlie Kirk haben wir es gesehen. Die Mordversuche, die hier in Wien und in Graz stattgefunden haben, sind ein Zeichen dafür, dass es sehr wohl auch in Österreich passieren kann. (Beifall und Bravoruf bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert (unterbrechend): Sehr geehrter Herr Gemeinderat! Sie sprechen jetzt sieben Minuten zum Antifaschismus. (GR Michael Niegl: Weil es notwendig ist!) Der Tagesordnungspunkt ist die Demokratie-Strategie Wien. Ich würde mir wünschen, dass Sie zumindest am Ende Ihrer Rede zur Sache kommen. - Danke vielmals. GR Leo Lugner (fortsetzend): Frau Vorsitzende! Ich möchte Sie nicht maßregeln, aber es ist schon so, dass Demokratie mit der freien Meinungsäußerung zu tun hat. Bei allen Straftaten, die in Wien passiert sind und die ich erwähnt habe, ist es schon so, dass Menschen hier in Wien attackiert worden sind, weil sie etwas gemacht haben, was einem anderen nicht passt. Das gehört sehr wohl zur Demokratie. Wir Freiheitliche haben deshalb heute auch einen Antrag eingebracht, auf den ich auch zu reden kommen möchte, und zwar einen Beschlussantrag - ich habe es eh schon vorhin erwähnt: Die Antifa gehört verboten, nicht nur in den USA, nicht nur in Ungarn und nicht nur in den Niederlanden, sondern auch hier in Österreich. Daher haben wir einen Beschlussantrag eingebracht. Der Wiener Gemeinderat bekennt sich uneingeschränkt zu den Grundsätzen der Demokratie, des Rechtsstaates und der Meinungsfreiheit. Ich hoffe, Frau Kollegin am Vorsitz, Sie sehen das auch so wie wir. (Beifall bei der FPÖ.) Zweitens: Der Wiener Gemeinderat steht für Recht, Ordnung und Meinungsfreiheit und verurteilt jede Form von Extremismus und fordert ein entschiedenes Vorgehen gegen jene, die mit Gewaltdrohungen, Sachbeschädigungen und Einschüchterungen versuchen, unsere Demokratie zu untergraben. (Beifall bei der FPÖ.) Der Wiener Gemeinderat bekennt sich zur entschlossenen Bekämpfung politisch motivierter Gewalt in jeder Form. Der Wiener Gemeinderat fordert die Bundesregierung und insbesondere den Bundesminister für Inneres und die Bundesministerin für Justiz auf, folgende Maßnahmen zeitnah umzusetzen: linksextreme Strukturen, die unter dem Sammelbegriff Antifa auftreten, zu verbieten und bis dahin verstärkt durch den Verfassungsschutz zu überwachen und strafrechtlich relevante Handlungen lückenlos zu ahnden, sicherzustellen, dass staatliche oder indirekt geförderte Vereine, Organisationen oder NGOs, die Verbindungen zu gewaltbereiten Gruppierungen aufweisen, keine öffentlichen Gelder erhalten, die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Justiz und kommunalen Sicherheitsorganen in der Extremismusbekämpfung zu intensivieren und auf europäischer Ebene ein abgestimmtes Vorgehen gegen linksextreme Netzwerke zu initiieren, die grenzüberschreitend agieren. In formeller Hinsicht wird die sofortige Abstimmung verlangt. (Beifall und Bravoruf bei der FPÖ. - Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Blind zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Armin Blind (FPÖ): Frau Vorsitzende, Herr Stadtrat, werte Kolleginnen und Kollegen! Ich werde mir anfangs erlauben, vielleicht auch ein wenig auf meine Vorredner einzugehen, insbesondere auf den Herrn Stadtrat, bei dem ich sehr wertschätze, dass er wirklich an der gesamten Debatte hier teilnimmt und ihr auch lauscht. Jedoch unterscheidet uns vielleicht der Ansatz, was wir oder Sie unter Demokratie verstehen. Bei Ihnen wird halt sehr viel vermischt, muss man sagen. Es werden Demokratie und Partizipation in einen Topf geworfen, einmal durchgemischt und dann wieder herausgebracht. Es ist ehrlich gesagt nicht ganz stringent nachvollziehbar, was Sie uns hier darlegen wollten. Was aber hervorgekommen ist, ist, dass Sie vielleicht auch ein Definitionsproblem haben, wenn Sie von der repräsentativen Demokratie sprechen, aber in Wirklichkeit so etwas wie eine Rätedemokratie beschreiben. Das liegt möglicherweise an der Sozialisation, ist aber aufzuzeigen. (Beifall bei der FPÖ.) Das Zweite - auch da gibt es Korrelationen - ist schon erwähnt worden: Länder, die das Wort "demokratisch" in ihrem Namen tragen, sind es meistens nicht. Möglicherweise korreliert das auch mit Parteien. Kollege Ellensohn hat mir, wenn ich kurz darauf eingehen darf, teilweise wirklich nahezu körperliche Schmerzen bereitet. Ich werde trotzdem darauf eingehen, weil es gesagt werden muss. Herr Kollege, zu diesen Demokratieschulungen, wie sie sich die GRÜNEN vorstellen, sage ich Ihnen: "1984" von George Orwell war eine Warnung. Das war keine Anleitung. Bitte tun Sie das nicht. (Beifall bei der FPÖ. - Heiterkeit bei GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Zum Rest der Rede, die wir von Kollegen Ellensohn ohnedies hinlänglich kennen - also dieses laminierte Papier, das bei jeder zweiten oder dritten Sitzung herausgekramt wird, es ist gut für den Umweltschutz, es ist immer das gleiche Blatt Papier -, kann ich Ihnen aber nur sagen, Herr Kollege: Sozialismus wäre so schön, wenn er funktionieren würde. Das tut er aber nicht. Deswegen lassen Sie bitte auch das. Weil wir gerade bei Fake News waren, die der Demokratie tatsächlich schaden, da bin ich voll bei Ihnen, Fake News schaden der Demokratie. Die Frau Kollegin hat gemeint und auch insinuiert, dass die amerikanische Regierung den Frauen quasi in einem sinisteren Plan das Wahlrecht rauben will, indem sie eine demokratische Selbstverständlichkeit herstellt, dass nämlich das Personendokument den gleichen Nachnamen aufweisen muss wie die Eintragung in der Wählerliste. Also, ich hoffe, wir sind alle der Meinung, dass das in den Wiener Wahlsprengeln - wir haben ja auch hier die Verpflichtung als Kommune, demokratische Wahlen durchzuführen - genauso gehandhabt wird, dass das Personendokument, der Reisepass oder womit ich mich auszuweisen habe, hoffentlich auch der Wählerevidenz entspricht und die Leute sonst eben nicht wählen dürfen. Eine letzte Anmerkung zum Herrn Stadtrat, weil er auch die ganze Zeit Demos und Populus verwechselt hat: Demos sind die, die teilnehmen, dürfen, und Populus sind die, die da sind. Wenn Sie - wie gesagt - Demos mit Populus verwechseln, ist das vielleicht weniger demokratisch. Man könnte es dann nahezu als populistisch bezeichnen. (Beifall bei der FPÖ. - Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky - erheitert: Liegt vielleicht an der Sozialisation!) Worüber wir uns heute hier nicht unterhalten haben - daher möchte ich darauf jetzt einmal mein Augenmerk lenken -, ist, wie wir in der Demokratie miteinander kommunizieren. Das ist, finde ich, etwas ganz Wichtiges. Das Ausdrucksmittel dieser demokratischen Kommunikation läuft natürlich über Sprache. Das ist ganz klar. Sie ist Kultur, sie ist Volkstum. Sie ist damit auch eine der hauptsächlichen kulturellen Leistungen eines Volkes. Sie ist nicht nur das Mittel, wie wir denken, sondern sie ist auch Mittel und Werkzeug, wie wir uns anderen gegenüber ausdrücken. Unsere Sprache - das ist, glaube ich, ganz wichtig zu betonen, weil das hier offensichtlich nicht Konsens ist - gehört nicht einer kleinen, lauten, penetranten, arroganten Elite. Unsere Sprache ist Allgemeingut. Unsere Sprache gehört uns allen. Sprache bewegt sich auch nicht im luftleeren Raum, sondern die deutsche Sprache - ich glaube, das brauche ich jetzt nicht weiter auszuführen - ist durch unsere Bundesverfassung Staatssprache der Republik. Es stellt sich jetzt natürlich die Frage: Kann sich jeder seine eigene deutsche Sprache zurechtzimmern? - Die Antwort wird Sie möglicherweise gerade von einem Freiheitlichen überraschen. Sie besteht nämlich in einem vollkommen eindeutigen "Es kommt darauf an". Selbstverständlich kann und soll jeder so sprechen, wie er möchte, wenn er das privat tut, wie er es für an die Situation angepasst hält. Sprache erachte ich für einen unglaublichen Reichtum in ihrer Vielfalt an Dialekten, an Fach- , Szene- oder Milieusprache, an den Idiomen, die unsere Sprache hat. Das soll und darf natürlich auch niemand regulieren. Es kann eigentlich auch niemand regulieren. Ich setze es auch als vollkommen selbstverständlich voraus, dass sich Sprache wandelt. Wir alle sprechen nicht wie in den Zeiten von Maria Theresia oder als Martin Luther die Bibel übersetzt hat. Es kommt natürlich zu diesen Änderungen. Manches kommt, um kurzfristig zu bleiben und dann wieder zu gehen. Manches kommt und bleibt. Manches Alttradierte geht mit der Zeit. All das - da sind wir wieder bei der Frage der Demokratie - geschieht aber in einem - ich betone - nicht-staatlichen sozialen Gefüge, in dem Sprache ausprobiert, akzeptiert oder auch verworfen wird. Es findet da also ein echter demokratischer Prozess statt. Man könnte sagen; Sprache im Alltag ist das größte Partizipationsprojekt, das größte demokratische Projekt, das wir haben. Findet etwas eine Mehrheit, wird es akzeptiert, anderes eben nicht. Sprache verändert sich aus meiner Sicht von unten nach oben. Ich vermeide jetzt diesen Ausdruck Bottom-up. Den erwähne ich nur für den progressiven Sektor hier im Raum, damit er weiß, worum es geht. (GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc: Ich verstehe es auch!) Vor allem im öffentlichen Bereich aber werden - da kommen wir jetzt auf die Stadt Wien zurück - in Personenbezeichnungen neuerdings orthografische Zeichen wie der Doppelpunkt und Sonderzeichen wie der Asterisk, also das Sternchen, der Unterstrich oder andere Zeichen im Wortinneren verwendet. Ich werde das Ganze im Weiteren unter dem Begriff der Gendersprache zusammenfassen. Diese Wortbinnenbezeichnungen - das ist ganz wichtig zu betonen - gehören ganz offensichtlich nicht zum Bestand der deutschen Orthografie. Was damit intentional bezweckt wird, ist klar: Es soll über die formalsprachliche Funktion der Sprache hinausgehend eine sogenannte metasprachliche Bedeutung zur Kennzeichnung von sogenannten Geschlechtsidentitäten bewirkt werden. Damit wird aber natürlich unmittelbar auf die orthografisch korrekte Schreibung von Wörtern eingewirkt, aber das - damit sind ausdrücklich alle Parteien außer der FPÖ hier im Raum gemeint - ist Ihnen vollkommen egal. Die ÖVP darf sich in diesem Zusammenhang ausdrücklich als mitgemeint erachten. Wenn man eine Begründung dafür braucht, dann kann man sich anschauen, was ein gewisser Herr Sobotka mit dem Internetauftritt des österreichischen Parlaments aufgeführt hat. Damit ist jeder Beweis geliefert. Damit kommen wir also zum öffentlichen Sektor. Da wird es auf jeden Fall problematisch. Es besteht - das habe ich anfangs schon gesagt - das uneingeschränkte Recht, sich im Verkehr mit Behörden der deutschen Sprache in allen ihren grammatikalisch korrekten Formen zu bedienen. Einen Zwang zur sogenannten Gendersprache - in welcher Form auch immer - darf es also vor dem Hintergrund unserer Bundesverfassung, vor dem Hintergrund des Artikels 8 B-VG, nicht geben. Es wird gerade von dieser Seite des Auditoriums (in Richtung SPÖ und GRÜNE) immer wieder behauptet, dass seitens der öffentlichen Hand Menschen nicht dazu gezwungen werden, bestimmte Sprachformen zu verwenden. Das ist schlichtweg falsch. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. An einer pädagogischen Hochschule kam es beim sogenannten Nicht-Gendern ab dem fünften Semester zu einer konsequenten Negativbeurteilung. Das Wissenschaftsministerium - da kann sich die SPÖ angesprochen fühlen - hat diesen Standpunkt freilich geteilt. Das war ja auch nicht anders zu erwarten. Nach Einschaltung der Volksanwaltschaft durch eine Studentin ist es dann von diesem Standpunkt abgerückt, sodass diese Ausführungen einer sogenannten Fachstelle für Gender- und Diversitätskompetenz seitens des Ministeriums nicht mehr unterstützt wurden. So kompetent dürften die offensichtlich nicht gewesen sein. Die pädagogische Hochschule hat diese Guidelines dann auch von ihrer Homepage genommen. Spiegelbildlich zum Recht des Einzelnen, sich in korrektem Deutsch an öffentliche Stellen zu wenden, besteht aber auch eine Rechtspflicht. Es besteht eine Rechtspflicht und nicht ein Gutdünken der öffentlichen Verwaltung, sich dem Gesetz entsprechend in korrektem Deutsch auszudrücken. Texte der öffentlichen Verwaltung sollen lesbar und vorlesbar sein. Sie sollen aber vor allem sachlich korrekt und dennoch verständlich sein. Ich gebe zu, Letzteres ist auf Grund der Materie allzu oft schwer zu erreichen - aber das bereits ohne Gendersprache. Sonderzeichen innerhalb von Wörtern - das wird selbst Sie nicht verwundern - erhöhen nicht nur die Textlänge, sondern beeinträchtigen die Verständlichkeit, die Lesbarkeit und die Rechtssicherheit von Begriffen. Der Rat für deutsche Sprache, ein zwischenstaatliches Gremium, das sich ausschließlich mit der deutschen Sprache befasst, hat daher auch festgehalten, dass die sogenannte gendergerechte Schreibweise nicht den Grundsatz des Erlernens der deutschen Sprache erschweren darf. Ich erwähne das gerade vor dem Hintergrund einer desaströsen Bildungspolitik hier in Wien. Da muss ich auch den Herrn Stadtrat ansprechen. Er war ja lang genug für die Bildungspolitik in dieser Stadt verantwortlich. Wir haben es heute schon gehört: 44 Prozent der Erstklassler in der Volksschule sind außerordentliche Schüler, in Margareten übrigens 73,8 Prozent. Ein Viertel aller Volksschüler hat nicht hinreichende Deutschkenntnisse, um dem Unterricht zu folgen. Meine Damen und Herren, sich in einer Situation, in der fast zwei Drittel aller Erstklassler mit einem außerordentlichen Status in Österreich geboren sind und ein Viertel davon bereits die Staatsbürgerschaft besitzt, sprachliche Kuriositäten auszudenken, die selbst einem Muttersprachler nicht verständlich sind, ist das Allerletzte, was wir hier in dieser Stadt brauchen. (Beifall bei der FPÖ.) Der Verzicht auf sprachpolitische Experimente und die Rückkehr zu einer klaren, verständlichen und vor allem der deutschen Rechtschreibung entsprechenden Sprache findet auch immer breitere Zustimmung in der Bevölkerung. Wenn wir hier jetzt also schon wieder von der demokratischen Komponente sprechen, wird diese von Ihnen vollkommen ignoriert. Die Akzeptanz dieser Kuriositätensprache sinkt hingegen. Nur eine Minderheit von 4 Prozent verwendet Gendersprache überhaupt. Wenn man dann bei den sich ganz besonders progressiv Gebenden einmal den Realitycheck macht - ich nehme jetzt das Progressivste, was mir so regelmäßig unterkommt, die Zeitung "Der Standard" als das progressivste Medium, das ich regelmäßig konsumiere, ... (GR Mag. Dietbert Kowarik: Da ist der "Falter" jetzt beleidigt!) - Ja, das mag sein. Das muss der "Falter" aushalten. "Der Standard" verwendet so gut wie keine Wortbinnenzeichen. Warum macht das die Zeitung? - Die Zeitung hat sich ja früher "die Zeitung für Leser" genannt. Man beachte auch da das Generikum. Heute ist er halt nur noch "der Haltung gewidmet". Dennoch ist man der Auffassung, dass diese Zeitung von den Angehörigen dieses wirklich kleinen Biotops, das sich da um diese Zeitung schart, einfach nicht mehr konsumiert werden würde, würde sie mit diesen Binnenzeichen arbeiten - ganz anders als die Stadt Wien, die das ganz konsequent verfolgt. In jeder Presseaussendung, auf jeder Homepage der Stadt Wien, bei jedem Außenauftritt wird auf Teufel komm heraus gegendert. Beim "Standard" kann man sehen, da geht es halt um das eigene Geld. "Der Standard" will - zumindest abseits der Presseförderung - mit seinem Medium Geld einnehmen. Auch beim linkesten Medium schlägt dann offensichtlich das Gewinnstreben die selbst zugeschriebene Haltung. Beim Geld der anderen Menschen ist das im linken Milieu ja meistens genau umgekehrt. Es kann hier also überhaupt nicht von einem demokratischen Konsens zur Verwendung von Gendersprache gesprochen werden. Wie gesagt, die Sprache gehört uns allen. Nicht ohne Grund verzichten auch der Schweizer Nationalrat und der Deutsche Bundestag auf diese künstliche Schreibweise. Was unter Schwarz-Blau in Niederösterreich für Behörden möglich ist, unter Blau-Schwarz in der Steiermark für die Gesetzgebung und neuerdings durch unseren Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz auch für den Schriftverkehr des Parlaments, sollte daher auch in der Stadt Wien wieder vollkommen zur Normalität gehören. (Beifall bei der FPÖ.) In Wien ist es daher an der Zeit, die Verwaltung wieder zur sprachlichen Normalität zurückzubringen, zu einer Sprache, die im demokratischen Zusammenwirken von der überwiegenden Anzahl der Menschen akzeptiert wird, die diese Menschen wollen, die diese Menschen verstehen und die diese Menschen auch in der Kommunikation mit der Stadtverwaltung weiterbringt. Eine Stadtverwaltung, die ihren Bürgerinnen und Bürgern dient, hat sich klarer, verständlicher und einheitlicher Ausdrucksformen zu bedienen. Wir haben daher einen diesbezüglichen Antrag an den Herrn Bürgermeister eingebracht. Ich hoffe, der Herr Bürgermeister wird nach Zustimmung dieses Gremiums dem Vorbild unseres Nationalratspräsidenten Rosenkranz folgen und Wien wieder zu einer klaren, verständlichen und vor allem rechtskonformen Sprache zurückführen. - Danke. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als nächster Redner ist GR Stumpf zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Herr Stadtrat, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir reden ja heute über die Wiener Demokratie-Strategie. Viel ist auf dieses Papier gebracht worden. Ich habe mir das natürlich auch vollumfänglich durchgelesen. Der große Wurf war aber dort nicht zu erkennen. Was dort im Papier zu lesen war, waren ganze Reihen an Offenbarungseiden, die wir heute auch im Zuge der Debatte erleben konnten. Da hätte man sich das Lesen eigentlich fast schon sparen können, denn es wurden die zentralsten Punkte dieser sogenannten Strategie in den Debattenbeiträgen verbal wirklich anschaulich zum Besten gegeben. Angefangen hat es schon beim Herrn Stadtrat, der betont hat, dass er wirklich alle Menschen - vor allem aber auch Menschen, die nicht über die österreichische Staatsbürgerschaft verfügen - in diversen demokratischen Partizipationsprozessen abgebildet sehen möchte. Dann kam eine ganze Reihe an anderen Wortmeldungen, bei denen die Stoßrichtung hinter dieser Strategie absolut glasklar erkennbar war, nämlich die Aufweichung des staatsbürgerschaftlichen Rechts, dass man die Hürden so niedrig setzt, dass man in Wirklichkeit nicht einmal mehr darüber hüpfen braucht. Man muss nur mehr umfallen, und man hat die gleichen Rechte wie die österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger auch. So zitiere ich zum Beispiel von der Demokratie-Strategie auf Seite fünf stehend den Satz: "Alle Menschen, die in Wien leben, sollen die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen, unabhängig von Staatsbürgerschaft, Herkunft" und so weiter und so fort. Dann geht es weiter auf der Seite sechs mit dem Satz - ich zitiere: "Demokratie in Wien soll für alle erlebbar und zugänglich sein, auch für Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft." Auf den Seiten zehn und elf geht es weiter mit dem Zitat: "Langfristig soll der Zugang zur Staatsbürgerschaft erleichtert werden, um möglichst vielen Menschen die volle demokratische Teilhabe zu ermöglichen." Was bedeutet das? - Das bedeutet, dass ausdrücklich Tür und Tor zur politischen Mitbestimmung von Nicht- Staatsbürgern geöffnet werden, dass in diesem Papier ein politischer Aufruf zu einer weiteren, noch hemmungsloseren Einbürgerungspolitik über die Wiener Gemeindeebene hinaus stattfindet. Es bedeutet natürlich, dass in alter SPÖ- und damals grüner Manier und jetzt in SPÖ- und pinker Manier die Staatsbürgerschaft den neu Zugewanderten noch mehr nachgeschmissen werden soll. Denn wenn es keiner Anstrengung mehr bedarf, die Staatsbürgerschaft überhaupt zu erlangen, sondern man sie eh geschenkt bekommt, dann, geschätzte Damen und Herren, verliert diese Staatsbürgerschaft jeden Wert. Das wollen Sie. Das ist politisches Kalkül. Ich habe mir öfter die Frage gestellt: Warum will man sich denn das antun? Was ist der Zweck dahinter? - Der Zweck ist ganz einfach: Der SPÖ laufen mittlerweile die Wählerinnen und Wähler davon. Die autochthonen Österreicherinnen und Österreicher wenden sich mit Grauen von Ihrer Politik ab. Sie brauchen neue Wähler. Dann ist es aus Ihrer Sicht natürlich gut und richtig, wenn man diesen Neuzuwanderern die Staatsbürgerschaft hinterherschiebt. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist in Wirklichkeit ein fatales Signal und eine völlig fehlgeleitete Politik in die falsche Richtung. (Beifall bei der FPÖ.) Im Kapitel "Grundprinzipien der Demokratie-Strategie" steht - ich zitiere: "Wien versteht Demokratie als gelebte Mitgestaltung im Alltag, nicht nur als Teilnahme an Wahlen." Das bedeutet dann wiederum im Konkreten, dass informelle Mitbestimmungsformen geöffnet werden - das ist ja auch das Ziel, darauf sind Sie ja auch stolz -, bei denen dann irgendwelche NGOs oder irgendwelche Migrantenorganisationen Einfluss nehmen können, die wirklich über keinerlei demokratische Legitimation verfügen. Das ist Ihnen aber nur gut und recht, denn damit haben Sie einen weiteren treuen Unterstützer Ihrer unheilvollen Agenda. (Beifall bei der FPÖ.) Auf Seite 13 dieser sogenannten Strategie steht - ich zitiere: "Menschen, die von formaler politischer Teilhabe ausgeschlossen sind, sollen über alternative Beteiligungsformen eingebunden werden." Na ja, das ist das, was ich vorhin gesagt habe: Parallelstrukturen für jene, die kein Wahlrecht haben. Es war in den Wortmeldungen und auch in der heutigen Mitteilung des Herrn Stadtrates viel von Visionen die Rede. Das ist in diesem Kontext offenbar ein sehr geflügeltes Wort. Ja, ich gebe zu, diese Wiener Demokratie- Strategie ist wirklich voll mit Visionen - der Vision von der Einführung des Ausländerwahlrechts und der Vision, die Hürden für die Staatsbürgerschaft so weit zu senken, dass sie letztlich jeden Wert verliert. Das, meine geschätzten Damen und Herren ist kein Fortschritt. Es ist ein visionärer Albtraum für unser Land. (Beifall bei der FPÖ.) Sie alle kennen wahrscheinlich das berühmte Zitat von Altbundeskanzler Helmut Schmidt, der einmal launisch gesagt hat: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Wenn man diese Visionen hat und sie so in die politische Realität umsetzt, wie Sie es ja wollen, dann kann ich sagen: Da hilft dann auch leider kein Arzt mehr. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Harald Stark zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Harald Stark (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, geschätzter Herr Stadtrat, werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Stadtrat, Sie haben in Ihrer Mitteilung zur Demokratie-Strategie erklärt, dass die Bevölkerung mehr mitwirken soll, dass Sie den Leisen eine Stimme geben wollen und viele Bürgerinnen und Bürger erreichen, die sich vorher noch nie an einem Prozess beteiligt haben. Das klingt grundsätzlich alles sehr gut. In der Realität sieht es aber anders aus. Echte Bürgerbeteiligung in dieser Stadt findet nur dort statt, wo Sie es wollen. Ansonsten werden die Wienerinnen und Wiener vor vollendete Tatsachen gestellt und nur informiert. (Beifall bei der FPÖ.) Demokratie ist wichtig, Demokratie ist gut. Wir müssen sie nicht neu erfinden, denn wir haben zum Glück bereits viele Werkzeuge und Mitwirkungsmöglichkeiten: Volksbegehren, Volksabstimmungen, Volksbefragungen, Petitionsrechte, Bürgerinitiativen und so weiter. Wir kennen sie alle. Wenn Sie von mehr Bürgerbeteiligung sprechen, dann nehmen Sie diese Werkzeuge doch endlich ernst. Wenn es eine Bürgerbefragung wie in Döbling zum Radweg Krottenbachstraße gibt, die von einem demokratisch gewählten Bezirksvorsteher initiiert wurde, und sich 72 Prozent der Befragten gegen diesen Radweg aussprechen, dann könnte man dieses Ergebnis auch akzeptieren, anstatt wieder über die Menschen drüberzufahren. (Beifall und Bravorufe bei der FPÖ.) Wenn Sie wie bei der Petition Khleslplatz hier im Gemeinderat eine Abstimmung durchziehen bevor diese Petition im zuständigen Ausschuss überhaupt abschließend behandelt wurde, dann braucht es Sie nicht wundern, wenn die Petitionswerber von einem demokratischen Foul sprechen. So gehen Sie in der Realität mit Bürgern um, die mitwirken wollen. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn Sie so große Angst vor der Meinung der eigenen Bevölkerung haben, dann könnten Sie als SPÖ zumindest einen kleinen Schritt zurückgehen. Hören Sie wenigstens auf, Angst vor Ihrer eigenen Meinung zu haben! Wenn Sie den Wählern versprechen, dass das 365-EUR-Ticket bleibt, dann halten Sie das doch auch! Die Demokratie würde es Ihnen danken. (Beifall bei der FPÖ.) Das, was Sie betreiben, ist reine Demokratiesimulation auf dem Rücken der Bürgerinnen und Bürger, weil am Ende nur Ihre rote Meinung zählt. Bei diesem Spiel machen wir nicht mit. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächstes erfolgt eine tatsächliche Berichtigung. - GR Mader, bitte. GR Thomas Mader (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Zu meinem Vorredner eine tatsächliche Berichtigung zur Umfrage zum Radweg Krottenbachstraße: Dabei durfte nur der oder die Älteste im Haushalt abstimmen und nicht alle Wahlberechtigten. Das ist ein riesengroßer Unterschied. Ich denke, das ist demokratiepolitisch auch sehr bedenklich. Infolgedessen hat man auch immer gesagt, dass diese Umfrage für uns nicht verbindlich ist, aus dem einfachen Grund, weil nicht alle Wahlberechtigten an dieser Umfrage teilnehmen konnten. (GR Michael Stumpf, BA: 72 Prozent!) - Nur der oder die Älteste im Haushalt. (Beifall bei der SPÖ. - GR Armin Blind: Ihr werdet bald ein Minus haben bei der Wahl!) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Gudenus zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Clemens Gudenus (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat! Schön, dass Sie noch da sind. Bitte bleiben Sie! Gehen Sie nicht genau jetzt weg! Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie! Demokratie lebt vom Mitmachen, von Vielfalt und vom Vertrauen der Bevölkerung in faire, transparente Prozesse. Umso wichtiger ist es, dass öffentliche Fördermittel - insbesondere im Namen von Demokratie und Beteiligung - nicht zum Spielball ideologischer und parteinaher Interessen werden. Die Stadt Wien hat im Rahmen des sogenannten Demokratiejahres 2025 insgesamt 300 000 EUR für Kleinprojekte zur Demokratieförderung bereitgestellt. Diese Mittel sollen laut Eigendefinition dazu dienen, das Zusammenleben in der Stadt zu stärken und öffentliche Teilhabe zu fördern. Was auf den ersten Blick begrüßenswert wirkt, wirft bei genauerer Betrachtung viele Fragen auf. Erstens: Wer entscheidet eigentlich, welche Projekte förderungswürdig sind, und nach welchen Kriterien? Zweitens: Welche Organisationen wurden mehrfach gefördert und welche systematisch abgelehnt? Drittens: Wurde bei der Auswahl auf politische und weltanschauliche Ausgewogenheit geachtet oder nur eine bestimmte gesellschaftliche Richtung bedient? Viertens: Wie wird sichergestellt, dass das Steuergeld verantwortungsvoll, zweckgebunden und transparent eingesetzt wird? - Dazu habe ich eine Anfrage eingebracht, welche genau darauf abzielt, diese Punkte aufzudecken und einer notwendigen demokratiepolitischen Kontrolle zu unterziehen. (Beifall bei der FPÖ.) Die Stadtregierung ist in der Pflicht darzulegen, ob und wie der Verantwortung zur transparenten Mittelvergabe nachgekommen worden ist, insbesondere wenn es um Förderungen geht, die sich explizit auf politische Bildung, Jugendprojekte und gesellschaftliche Teilhabe berufen. Wieder einmal heißt es: prüfen, prüfen, prüfen. Wir erwarten uns klare Antworten und vor allem eine umfassende Offenlegung aller relevanten Informationen zu den geförderten Projekten, zur Zusammensetzung der Auswahlgremien und zur tatsächlichen Wirkung dieser Maßnahmen. Wir oder besser gesagt Sie haben ein Ausgabenproblem. Es geht viel zu viel Geld hinaus in Töpfe und Vereine, die man gar nicht definieren kann und das seitens der Stadt auch gar nicht will. Wien hat einen Schuldenhöchststand. Jede Ausgabe ist hinterfragenswert. Nur um es Ihnen nochmals in Erinnerung zu rufen: Der aktuelle Schuldenstand der Stadt Wien beträgt 15 Milliarden EUR. Das geplante Defizit für das Jahr 2026 liegt bei über 2,5 Milliarden EUR. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Diese Zahlen kann man Ihnen nicht oft genug sagen. Demokratie darf kein ideologisches Einbahnprojekt sein. Sie muss offen, kritisch und plural sein - auch und gerade bei Förderungen durch die rot-pinke Stadtregierung. Vieles kann durch den Deckmantel der Demokratie schön dargestellt werden, jedoch gehört der wahre Sinn hinterfragt. Doch Sie hier im ratlosen Rothaus wollen das gar nicht. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zum Abschluss der Debatte hat sich StR Czernohorszky gemeldet. - Bitte. Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren! Zuallererst möchte ich mich sehr herzlich für die Ausdauer und die vielen Redebeiträge bedanken. Die überwiegende Anzahl davon war - ob das eine Kritik an der Demokratie-Strategie, ein Lob, eine Anregung zur Weiterentwicklung oder darüberhinausgehende Fragen beinhaltet hat - jedenfalls ein sehr, sehr wichtiger Beitrag für deren Weiterentwicklung. Denn genau darum geht es uns oder sollte es uns gemeinsam in diesem Haus gehen. Genau das war auch unser Anspruch im Europäischen Jahr der Demokratie: Debattenkultur zu fördern und Räume zu fördern, wo Debatten entstehen, die ein gemeinsames Ziel haben, eine Stadt, die mehr Räume und mehr Austausch für mehr Miteinander und ein starkes Miteinander schaffen. Ich möchte genau an dieser Stelle auch die Grenze gegenüber denjenigen ziehen, bei denen ich mich an dieser Stelle explizit nicht bedanke, weil sie kein Beitrag zu einer starken Gemeinschaft sind. Wenn wir den Grundkonsens nicht gemeinsam ziehen können, dass wir eine stärkere, eine solidarische, eine freie und eine gleiche Gemeinschaft fördern, sondern diese aushöhlen, ziehe ich eine Grenze. Insofern sage ich Nein, egal ob das ein Spalten unserer starken Stadtgesellschaft betrifft, das Geringschätzen einer starken Zivilgesellschaft, das Verunglimpfen einer urbanen Kultur oder den antifaschistischen Grundkonsens in unserer Stadt und in unserem Staat. Alles, was wir in Österreich als Gemeinschaft, als Staat sind, ist auf der Basis eines starken Antifaschismus entstanden und auf den Trümmern einer von Faschistinnen und Faschisten zerstörten Republik aufgebaut worden. Gegen diesen Grundkonsens aufzutreten, heißt zugleich, in Wien ein Nein zu bekommen, eine starke Brandmauer, die wir hier aufstellen und hier verteidigen. (Beifall bei SPÖ und NEOS sowie von GR Theodor Felix Löcker.) Ich sage das auch im Zusammenhang mit meinem Demokratiebegriff. Wer glaubt, es sei demokratisch, gegenüber dem Angriff auf ein starkes Miteinander genauso offen zu sein wie gegenüber all jenen, die in dieser Stadt und in dieser Republik für ein starkes Miteinander eintreten, ist nicht ganz dicht. In diesem Sinne bitte ich um Verständnis, dass ich mich sehr auf die Auseinandersetzung mit den vielen kritischen und sehr, sehr spannenden Wortmeldungen freue, wenn es darum geht, unsere Beteiligungskultur, unsere Demokratie in unserer Stadt, aber auch die Formen in Transparenz und im Schaffen neuer Debatten und so weiter weiterzuentwickeln. Bei allem anderen bitte ich aber um Verständnis. Dazu gibt es in Wien ein Nein. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Bevor wir zu den Abstimmungen über die Anträge kommen, möchte ich darauf hinweisen, dass über die Demokratie- Strategie dann später unter Post 11 abgestimmt wird. Wir kommen nun zu den unter dieser Mitteilung eingebrachten Anträgen. Der erste Antrag ist jener der ÖVP zur Demokratiebildung im Wiener Gemeinderat und Landtag. Wer diesem Antrag seine Zustimmung geben kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP, der FPÖ und der GRÜNEN, womit dieser Antrag in der Minderheit bleibt und abgelehnt ist. Der nächste Antrag ist ebenfalls von der FPÖ (Zwischenruf bei der FPÖ: ÖVP!) - von der ÖVP, Entschuldigung - zur Stärkung der Demokratie in Wien. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe wieder die Zustimmung der ÖVP, der FPÖ und der GRÜNEN. Auch dieser Antrag bleibt in der Minderheit und ist damit abgelehnt. Der nächste Antrag von der FPÖ betrifft das Antifa-Verbot. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Unterstützung der FPÖ allein. Damit ist dieser Antrag ebenfalls in der Minderheit und abgelehnt. Der nächste Antrag der FPÖ betrifft die Ablehnung der geplanten EU-Chat-Kontrolle. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Die FPÖ bleibt mit der Zustimmung gegen die Stimmen aller anderen Fraktionen in der Minderheit. Dieser Antrag ist abgelehnt. Der nächste Antrag der FPÖ bezieht sich auf die Abberufung von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger. Wer diesem Antrag seine Zustimmung geben kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Zustimmung durch die FPÖ allein, womit auch dieser Antrag in der Minderheit bleibt und abgelehnt wird. Der letzte Antrag der FPÖ betrifft das Genderverbot im Magistrat. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP und der FPÖ, womit dieser Antrag ebenfalls in der Minderheit bleibt und abgelehnt ist. Bevor wir zur Erledigung der Tagesordnung kommen, gebe ich gemäß § 15 Abs. 2 der Geschäftsordnung bekannt, dass von den Gemeinderatsmitgliedern des GRÜNEN-Klubs im Rathaus zehn und des ÖVP-Klubs der Bundeshauptstadt sieben schriftliche Anfragen eingelangt sind. Vor Sitzungsbeginn ist von den Gemeinderatsmitgliedern des ÖVP-Klubs der Bundeshauptstadt Wien ein Antrag eingelangt. Den Fraktionen wurde dieser Antrag schriftlich bekannt gegeben. Die Zuweisung erfolgte wie beantragt. Die Anträge des Stadtsenats zu den Postnummern 3, 5, 6, 9, 12, 15, 16, 17, 18 und 19 gelten gemäß § 26 der Wiener Stadtverfassung als bekannt gegeben. Zu Beginn dieser Sitzung hat kein Mitglied des Gemeinderates zu diesen Geschäftsstücken die Verhandlung verlangt. Ich erkläre daher gemäß § 26 der Wiener Stadtverfassung diese als angenommen und stelle fest, dass die im Sinne des § 25 der Wiener Stadtverfassung erforderliche Anzahl von Mitgliedern des Gemeinderates gegeben ist. In der Präsidialkonferenz wurde nach entsprechender Beratung die Postnummer 7 zum Schwerpunktverhandlungsgegenstand erklärt und gleichzeitig folgende Umreihung der Tagesordnung vorgeschlagen: Postnummer 7, 4, 1, 2, 13, 14, 20, 21, 8, 10 und 11. Die Postnummern werden daher in dieser Reihenfolge zur Verhandlung gelangen. Es gelangt daher nunmehr Postnummer 7 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft den Entwurf einer Verordnung des Gemeinderates, mit der die Verordnung des Gemeinderates über Maßstäbe für die Festlegung und die bezirksweise Aufteilung der durch die Organe der Bezirke verwalteten Haushaltsmittel 2022 (Bezirksmittelverordnung 2022) geändert wird. Ich ersuche die Berichterstatterin, Frau GR Rychly, die Verhandlungen einzuleiten. - Bitte. Berichterstatterin GRin Yvonne Rychly: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Herr BV Figl. Ich erteile es ihm und heiße ihn sehr herzlich im Gemeinderat willkommen. (Beifall bei der ÖVP. - Heiterkeit des GR Harald Zierfuß. - Amtsf. StRin Barbara Novak, BA - erheitert: Auftrittsapplaus!) BV Mag. Mag. Markus Figl: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen, vor allem lieber Herr Bezirksvorsteher, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir diskutieren heute über die Änderung der Bezirksmittelverordnung. Das hört sich zuallererst natürlich einmal sehr technisch an. Es ist aber in Wirklichkeit eine hoch politische Frage. Als ich jetzt gehört habe, dass viel über Demokratie und Zusammenhalt in dieser Stadt diskutiert wird, habe ich mir gedacht, dass genau das ein Thema ist, das gerade bei dieser Frage auch eine sehr große Rolle spielt. Die Frau Finanzstadträtin hat festgelegt, dass die Höhe der Bezirksmittel für 2026 auf dem Niveau des Jahres 2025 eingefroren wird. Eingefroren klingt so schön harmlos. In Wirklichkeit ist es aber natürlich eine Kürzung der Bezirksmittel, wie es in dem Antragstext auch selbst drinnen steht. Daher möchte ich es auch gern als das benennen, was es ist, nämlich eine Kürzung. Immer dann, wenn Budgets gegenüber dem, was an Inflation und an faktischen Notwendigkeiten gegeben ist, nicht mitwachsen, dann ist das eben eine Kürzung. Weil wir hier gerade von einem Miteinander gesprochen haben, kann ich nur sagen: Es macht schon auch der Ton die Musik. Ich kann nur sagen, wie ich davon erfahren habe, dass es hier diese Kürzung gibt. Das finde ich besonders bedenklich. Es war ein relativ kurzfristiger Anruf, immerhin auch persönlich mitgeteilt durch die Frau Finanzstadträtin, aber sehr, sehr kurzfristig, bei dem man uns gesagt hat: So, die Mittel schauen jetzt anders aus. Es gab keinen Dialog davor, keine Evaluierung, keine Abstimmung mit den Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorstehern, sondern es ist uns mitgeteilt worden. Es wurde verkündet. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt, obwohl der Budgetfahrplan jedes Jahr der Gleiche ist und sehr, sehr stark strukturiert vorgegeben ist. Es ist einfach so, dass im Juni die sogenannte Budget-Perlustrierung in den Bezirken stattfindet. Das heißt, im Juni wird festgelegt, wie viele Mittel aus Sicht der Bezirke die verschiedenen Budgetbereiche, die Magistratsabteilungen, auf Grund dessen, was an Notwendigkeiten uns als Bezirken mitgeteilt wird, bekommen. Bei der Budget-Perlustrierung lade ich selbstverständlich immer alle Fraktionen ein. Das heißt, es ist besprochen und aus meiner Sicht auch zwischen allen Fraktionen beschlossen. Da gibt es ein Agreement darüber, welche Projekte gemacht werden und wofür das Geld ausgegeben wird. Das Dritte ist, dass es nicht nur den Magistrat oder die politischen Parteien betrifft, sondern sehr wohl auch die Menschen des Bezirkes, weil dort Projekte festgelegt werden, die wir natürlich nicht im stillen Kämmerlein belassen, sondern wir sagen natürlich auch, was wir wollen und was wir mit dem Geld machen. Das heißt, die Menschen erwarten sich das. (Beifall bei ÖVP und GRÜNEN.) Ich kann nur sagen, ich hatte zu Mittag eine Runde von Schuldirektorinnen und -direktoren bei mir, die wegen einer anderen Sache im Haus waren. Da hatte ich gleich einmal - unter Anführungszeichen - "Sprechstunden". Denn natürlich hat mir die eine Direktorin gesagt, sie hätte gern eine Klasse ausgemalt. Eine andere sagt, sie hätte gern den öffentlichen Raum gestaltet, ob wir da nicht noch eine Bank vor der Tür aufstellen könnten, und noch viel mehr Anliegen, die wir versuchen, tagtäglich auch zu erledigen. Ich kann nur sagen: Als ÖVP-Bezirksvorsteher habe ich insofern noch Glück, denn ich kann mich ja wenigstens noch öffentlich aufregen. Ich habe bei Kolleginnen und Kollegen der SPÖ das Gefühl, dass man das dort eher wortlos zur Kenntnis nehmen muss. (Beifall bei ÖVP und GRÜNEN.) Damit Sie mich auch nicht missverstehen: Selbstverständlich sehen wir alle - auch als Vorsteherinnen und Vorsteher und alle, die im politischen Bereich tätig sind - die Notwendigkeit zu sparen und zu konsolidieren. Die Warnung davor, dass das Budget aus dem Ruder laufen könnte, kam aber gerade von uns, der Wiener Volkspartei, nicht nur in den letzten Monaten, sondern schon vor Jahren. Es war absehbar. Es gab in diesem Sommer auch kein Sonderereignis wie ein Hochwasser oder Ähnliches, dass man gesagt hätte: Nein, dafür brauchen wir jetzt mehr Budget. Es war absehbar. Ich finde es eigentlich sehr, sehr schade, dass man offensichtlich auch in einer neuen Koalitionsvereinbarung nicht die Chance genützt hat, dort alles zu fixieren, sondern dass man nicht vor, sondern erst nach dem Sommer draufgekommen ist, was man alles zu tun hat. Auch diese Koalitionsform gibt es ja nicht erst seit gestern, sodass man sagen könnte, da sind jetzt vollständig neue Personen am Ruder, sondern die gibt es bereits seit 2020. Ich verstehe ja noch irgendwie, dass die SPÖ das alles unter den Teppich kehrt. Ich verstehe aber weniger, dass auch die NEOS dabei so brav mitmachen. (Beifall bei ÖVP und GRÜNEN.) Das, was wir in diesen letzten Jahren schon hatten, ist eine große und eigentlich auch tiefgehende Debatte über die Frage der Dezentralisierung. 1998 gab es einen sehr großen, dritten und letzten "riesigen" - unter Anführungszeichen, natürlich für Wiener Verhältnisse - Dezentralisierungsschritt, durch den die Bezirke wesentlich mehr an Kompetenzen bekommen haben. Damals wäre eine Vervierfachung des Budgets notwendig gewesen, um diese Verantwortung, diese Kompetenzen, ausreichend zu erfüllen. Gegeben hat man den Bezirken damals eine Verdoppelung. Dieses Delta zwischen Vervierfachung und Verdoppelung ist nach wie vor nicht aufgelöst. Es gab ja im Jahr 2022 nach einer großen Diskussion der Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorsteher mit der Stadt auch eine eigene Studie. In dieser Studie des KDZ, des Zentrums für Verwaltungsforschung, ist ja analysiert worden, wie es mit den Bezirkskompetenzen steht und wie viele Mittel dafür tatsächlich notwendig wären. Der Sukkus dieser Studie ist eindeutig, dass es für die Kompetenzen zu wenig an Mitteln gibt, das heißt eine notorische Unterdotierung der Bezirke. Es gab ja deswegen im Anschluss an diesen Prozess auch ein bisschen mehr Geld, weil man gesagt hat, es geht sich einfach nicht aus. Sehr viele Bezirke werden regelmäßig in die Verschuldung getrieben, weil es einfach Notwendigkeiten gibt, die die Bezirke leisten müssen, und es sich mit diesem Geld nicht ausgeht. Was aber wird von den Bezirken erwartet? - Schauen wir uns das an! Ich kann nur sagen, was hier in diesem Haus im Dezember 2023 im Festsaal war, die jubilierenden Hochzeitspaare aus allen Bezirken, und jemanden zitieren, der hier eingeladen hat. Ich weiß nicht, ob du (in Richtung BV Markus Reiter) damals im Dezember 2023 dabei warst, Markus. Der Saal war voll. Es waren auch fast alle Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorsteher anwesend. Der Herr Bürgermeister hat den Hochzeitspaaren sehr herzlich gratuliert, hat launig mit seiner Rede angefangen und gesagt, wie schön und großartig diese Stadt ist - was sie natürlich auch ist - und hat dann gesagt: Wenn Sie das alles schön und großartig finden, wenn Sie diese Stadt loben und positive Kommentare abgeben möchten, dann kommen Sie gern zu mir als Bürgermeister. Wenn Sie aber Kritik oder vielleicht sogar Beschwerden haben: Hier sitzen die Bezirksvorsteherinnen und Bezirksvorsteher. Bitte gehen Sie zu denen und sprechen Sie mit denen. (Beifall bei der ÖVP. - Heiterkeit bei GRin Mag. Heidemarie Sequenz und GR Harald Zierfuß.) Da war es auch ein bisschen so wie hier im Saal, ein bisschen Heiterkeit. Der Herr Bürgermeister hatte auch so ein leicht spitzbübisches Lächeln im Gesicht. Das Bonmot hat aber natürlich viel Wahres an sich. Denn es sind die Bezirke, wo die Probleme und Beschwerden landen, wo sich die Bürgerinnen und Bürger hinwenden. Wenn ich in den Supermarkt gehe, habe ich gleich einmal Sprechstunde über alles Mögliche, was sich da nicht alles im Bezirk tut. Das ist gut und richtig. Es ist auch wichtig. Denn das ist die Bürgernähe, die die Menschen haben wollen. Gerade angesichts einer Situation, in der viele Menschen sagen, sie spüren die Politik gar nicht, müssen wir den Menschen genau das bieten: eine Politik, die sich tatsächlich um das kümmert, was die Menschen wollen und brauchen und bei der sie das Gefühl haben, sie können sich dort auch hinwenden. Wir haben einfach Projekte bei uns fixiert. Straßensanierungen müssen wir leisten. Die Sanierungen von Schulen oder Kindergärten sind notwendig, auch die Begrünung von Parkanlagen, das Setzen neuer Bäume und viele andere Projekte, die wir nicht einfach streichen können und die notwendig sind. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass die Lebensrealität der Menschen, das, was sie alltäglich vor der Haustür erleben, auch wirklich funktioniert. Wer hier kürzt, der trifft die Menschen direkt dort, wo Stadtpolitik konkret wird. Die Bezirke dürfen nicht die Leidtragenden einer verfehlten Stadtpolitik sein. (Beifall bei der ÖVP.) Ich kann nur sagen, es gibt hier ein strukturelles Ungleichgewicht. Diese Stadt muss einfach anfangen, auch bei sich zu sparen und sich strukturell die Dinge anzuschauen, bei denen gespart werden kann. Darüber wird auch in diesem Hause viel diskutiert: eine nachhaltige Budgetsanierung, die Wiener Mindestsicherung. Da wird ein erster Reformschritt gesetzt, dank des Drucks von uns, dass es bei den subsidiär Schutzberechtigten Anpassungen geben muss. Es wurde aber jahrelang die Verfassung gebrochen - und dann hat man sich gewundert, dass man ein Sozialhilfemagnet ist. Was wir brauchen, ist selbstverständlich die Hilfe zur Selbsthilfe für die Menschen. Nur dafür müssen ausreichende Mittel da sein. Es ist einfach eine Frage der Prioritätensetzung. Auch bei den Kinderrichtsätzen ist man immer noch nicht so weit. Man könnte sie doch einfach an die anderen Bundesländer angleichen. Man wäre dann nicht mehr Sozialhilfemagnet, könnte Geld sparen und für Leistungsgerechtigkeit sorgen. (Beifall bei der ÖVP.) Auch die Großprojekte verteuern und verzögern sich. Ich erwähne nur den U2-Ausbau. Abgesehen davon, dass es für die Menschen natürlich unangenehm ist, wenn man dort Staub, Lärm und Ähnliches vor seiner Haustüre hat, müssen die Projekte einfach rasch und zügig umgesetzt werden. Bei der Spitalsmodernisierung warnen wir auch schon seit vielen Monaten. Ich darf mich sehr herzlich bei Kollegin Korosec, unserer Gesundheitssprecherin, bedanken, die immer darauf verweist, dass diese Modernisierungen notwendig sind und sie zügig und damit auch kosteneffizient umgesetzt werden müssen. Wir müssen einfach dafür sorgen, dass die Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener bei der Mobilität und im Spital funktioniert. Wir brauchen da die richtigen Prioritätensetzungen. Auch der Wohnbauförderungsbeitrag - auch sehr technisch, wie wir heute schon gehört haben - wird direkt vom Gehaltszettel abgezogen, bis zu 184 EUR. Das trifft die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, trifft aber auch die Unternehmerinnen und Unternehmer dieser Stadt. Man greift da in einer überfallsartigen und relativ dreisten Aktion direkt in die Taschen der Menschen. Es ist schade, dass diese Prioritäten gesetzt werden und man den Bezirken und den Menschen das Geld wegnimmt, gleichzeitig aber bei den Förderungen doch sehr nachlässig ist. Ich nenne nur ein paar Beispiele. Warum muss eine Anti-Muttertags-Lesung in einer anarchistischen Bibliothek unbedingt gefördert werden? - Bei den Wiener Festwochen haben wir dieser Tage die Diskussion gehabt, dass wir einen Intendanten haben, der in Wirklichkeit relativ plumpe politische Agitation macht. Obwohl er sagt, er möchte gerne Basisdemokratie liefern, habe ich eher das Gefühl, das ist eine Form der Selbstherrlichkeit. Ich verstehe auch Elfriede Jelinek und viele andere Künstlerinnen und Künstler, dass sie das mehr als nur kritisch sehen. (Beifall bei der ÖVP.) Bonmot am Rande: Die Wiener Festwochen haben mehr als das doppelte Budget, das ich als Bezirksmittel bekomme. Das ist die Relation, die wir in dieser Stadt haben. (Zwischenruf bei der ÖVP: Einfach unglaublich!) Die Absurdität dieser Budgetpolitik ohne Nachhaltigkeit und ohne Gedanken an die Zukunft ist, dass man das alles auf dem Rücken der Menschen und der Bevölkerung umsetzt. Das sind jetzt keine Einzelfälle, wo man sagen könnte, na ist halt passiert, sondern es ist System und in dieser Struktur. Und deswegen fordere ich echte Reformen. (Beifall bei der ÖVP.) Keine Belastung für die Bürger, kein Stillstand, sondern auch Planungssicherheit und nicht, dass wir im Bezirk im Juni ein fertiges Budget schnüren und man uns im September sagt ätsch, bätsch, es ist alles anders. Was wir brauchen, ist kurzfristig keine Kürzung der Bezirksmittel, sondern eine Anpassung an das, was wir an Notwendigkeiten liefern müssen, sofortige Gespräche mit der SPÖ-NEOS-Stadtregierung und mit den Bezirken, um zukünftig auch eine faire Lösung zu finden. Wir brauchen klare Prioritäten im Budget, strukturelle Reformen. Die Lebensqualität und die Lebenswirklichkeit der Menschen müssen im Mittelpunkt stehen. Wir werden uns auch langfristig anschauen müssen, wie wir die Bezirksmittel erhöhen können, sodass wir das, was wir leisten wollen, auch leisten können, dass wir Projekte auch durchführen können. Wenn Bezirksmittel nicht dazu ausreichen, große Sanierungsprojekte zu machen, sei es in Schulen, sei es im öffentlichen Raum oder wo auch immer, sondern wir immer angewiesen sind auf Fördermittel der Stadt Wien, um uns quasi an der kurzen Leine zu halten und wir diese Prioritäten nicht selbstständig setzen können, dann kann ich nur sagen, es stimmt etwas nicht in diesem System. Bei uns, das kann ich versprechen, wird jeder Cent, den wir ausgeben, genau beäugt, nicht nur von den Magistratsabteilungen, wir bedienen uns ja des Magistrats der Stadt Wien. Ich sage das nur, weil manche glauben, das Bezirksamt untersteht uns als Bezirksvorstehern. Nein, es ist ein Amt der Stadt Wien, es untersteht uns nicht. Und weil immer wieder von Zusammenlegungen der Bezirke gesprochen wurde - das ist von der Struktur her alles zusammengelegt. Es gibt Bezirksreferenten, mit denen wir zusammenarbeiten dürfen, ich darf das so formulieren. Aber was wir haben, sind maximal Mitentscheidungsrechte, sind Informationsrechte, sind aber keine Alleinentscheidungsrechte. Was wir tun wollen, ist, einfach für die Menschen da zu sein. Jeder Cent wird bei uns beäugt, auch von den anderen Fraktionen, weil wir selbstverständlich im Bezirk die Budgetbeschlüsse brauchen. Wir schauen darauf, dass wir einen größtmöglichen Konsens im Bezirk herstellen darüber, was wir tun. Was wir brauchen, ist langfristig auch ein Bezirksfinanzausgleich, um diese Mittel zu bekommen, die wir tatsächlich brauchen, und auch die entsprechenden Bezirkskompetenzen. Bei uns ist das Geld gut aufbewahrt, weil wir diejenigen sind, die sich die Projekte vor Ort auch tatsächlich anschauen. Das ist, was wir leisten wollen, was wir leisten können. Ich halte es für wichtig, nicht nur zu sagen Subsidiaritätsprinzip, sondern dieses tatsächlich auch zu leben, das Geld zu denjenigen zu geben, die tatsächlich die Verantwortung tragen, die angesprochen werden von den Menschen, jeden Tag. Die Studie, die ich vorhin erwähnt habe, zeigt auch einen klaren Weg auf, wie man das tun kann. Wir brauchen ein Budget, das diese Verantwortung wahrnimmt, das Leistung belohnt, die Menschen entlastet und nicht die Bezirke schwächt, Visionen einfriert. Wir brauchen diesen Gestaltungsauftrag an uns selbst, wenn ich das als Politik sagen darf. Die Bezirke sind jetzt keine Nebensache, sie sind das Fundament dieser Stadt, der erste Ort, wo sich die Bürgerinnen und Bürger hinwenden, wenn sie tatsächlich ein Problem vor Ort haben, so wie das der Herr Bürgermeister auch gesagt hat. (Beifall bei der ÖVP und von GR Georg Prack, BA.) Wenn dieses Fundament bröckelt, dann verliert Wien seine Stärke. Wien darf diese Stärke nicht verlieren. Wir brauchen dieses funktionierende Fundament, wir brauchen diese Bürgernähe. Daher werden wir auch als Wiener Volkspartei an der Seite der Bezirke und an der Seite der Menschen stehen. Ich kann nur sagen, wir brauchen auch ein Budget, das an die Zukunft denkt, an Verantwortung, auch an Verlässlichkeit. All das beginnt in den kleinen Einheiten - und das sind die Bezirke. - Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei ÖVP und GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist BV Mag. Reiter, und ich erteile es ihm. - Bitte. BV Mag. Markus Reiter: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Stadträtin, werte Mitglieder des Gemeinderates! Ich spreche heute als Bezirksvorsteher, ich bin heute nicht alleine, sondern mit dem Kollegen Figl da. Aber ich spreche nicht nur als Bezirksvorsteher, sondern auch als Stimme der Perspektive, die unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben, nämlich die Menschen, die in unseren lokalen Grätzeln leben, arbeiten, die Kinder aufziehen, alt werden und auch jener, die nicht wahlberechtigt sind, gleich, ob es die Kinder sind oder auch nicht-österreichische StaatsbürgerInnen. Wenn wir heute über die Bezirksmittel reden, über das Budget, über den Haushalt, dann sprechen wir nicht nur über Zahlen auf dem Papier, sondern - wie es auch Kollege Figl schon ausgeführt hat - wir in den Bezirken sprechen dann zum Beispiel über kindergerechte Schulwege, über sichere Kreuzungen, über kühlende Plätze oder über lebendige Einkaufsstraßen, wo Arbeitsplätze erhalten bleiben und wo Nahversorgung stattfindet. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das sind ja auch Orte, die wir schaffen und um die wir uns kümmern, wo sich Kinder begegnen können, wo NachbarInnen plaudern können, wo das soziale Leben im Grätzel stattfindet und wo Kultur auch auf der Straße stattfindet - über all das, was aus Budgetposten Lebensqualität macht - sozialwirtschaftlich und kulturell. Auch aus meiner Sicht sind die Bezirke unmittelbar die Ebene, wo die Stadtpolitik sichtbar, spürbar und wirksam wird. Ich nehme mir das auch immer zu Herzen und ich schaue mir das mit meinem Team genau an, was Sie als Gemeinderat beschließen - die Stadtentwicklungspläne, die Masterpläne oder auch heute die beschlossene Wiener Demokratie-Strategie. Ich habe daraus auch den Auftrag angenommen und gesehen, dass wir unsere Stadt klimafit, wirtschaftlich stark und sozial stabil machen sollten. Wenn wir heute über die Mittel der Bezirke reden, dann reden wir ja nicht nur über Förderungen und Nice-to-have- Projekte, sondern über die Grundlagen der Lebensqualität in Wien. Ich rede heute auch nicht darüber, welche Projekte gerade beschlossen werden, sondern was in Zukunft nicht mehr passieren wird, wenn diese Mittel gekürzt und wenn auch Mittel komplett gestrichen werden. Ich rede nämlich nicht nur von den Bezirksmitteln, die heute mit der Post eingefroren werden, oder, wie der Kollege Figl sagt, gekürzt werden um ungefähr 17 Millionen EUR, sondern ich rede vor allem über den großen Investitionstopf, der uns in den letzten Jahren geholfen hat, die öffentlichen Straßenräume klimafit und standortfördernd zu gestalten. Ich rede von um die 100 Millionen EUR, die wir Bezirke genutzt haben, mit denen wir Investitionen gemeinsam mit Bundesmitteln ausgelöst haben, ich schätze um die 130 oder 140 Millionen EUR. Es geht darum, 100 Millionen EUR komplett zu streichen. Das sind die Aussagen der zuständigen Stadträtinnen, der Frau Stadträtin für Finanzen genauso wie der Frau Stadträtin für Planung und Mobilität. Das ist meiner Meinung nach keine Frage des Sparens, sondern des Kürzens. Wer kürzt, spart nicht, er gefährdet bereits erreichte Wirkungen. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.) Wir haben mit diesen Investitionen Wirkungen in den letzten Jahren erreicht. Wir haben diese aufgebaut. Wir haben damit auch soziale Stabilität und wirtschaftliche Stärke und lebenswerte öffentliche Räume geschaffen. Diese Wirkungen drohen in den nächsten Jahren Schritt für Schritt verloren zu gehen, sollten wir da eine Pause einlegen. Das Aufholen später wird meiner Meinung nach ungleich teurer werden. Kollege Figl hat die externe Studie vom KDZ über die chronische Unterdotierung von uns Bezirken schon angesprochen. Der Ausgleich der Unterdotierung war auch aus meiner Sicht nicht ausreichend, auch aus Sicht meiner Kolleginnen und Kollegen nicht. Wenn man bedenkt, dass das alles noch vor der Inflation war. Wir haben seither eine 20 bis 30 Prozent höhere Inflation, von der Indexsteigerung der Baukosten rede ich noch gar nicht. Nachdem gerade Bundespräsident Steinmeier in Wien auf Besuch ist, erinnert mich das an Deutschland, wo man jahrzehntelang nicht in die öffentliche Infrastruktur investiert hat und jetzt weiß man, was es da für einen gewaltigen Nachholbedarf gibt, wenn man da eine Pause einlegt, und dass das dann auch ein Mehr an Kosten verursacht und auch einen Verlust an Lebensqualität. Ich glaube, diesen Fehler sollten wir in Wien nicht machen. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.) Als Bezirksvorsteher der Fraktion der GRÜNEN ist mir natürlich auch ein zentrales Anliegen, die Klimaerwärmung, die fortschreitende Erhitzung unserer Gassen und Grätzel anzusprechen. Auch die macht keine Pause und die Verbesserung des Mikroklimas erfordert daher weiterhin gezielte und treffsichere Investitionen. Wir haben einfach nicht die Zeit, um eine Pause einzulegen, wir haben keine Pause beim Erreichen der Klimaziele einzulegen. Dazu brauchen wir auch die von mir angesprochenen Investitionsmittel des Gemeinderates. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich habe die soeben beschlossene Demokratie-Strategie schon angesprochen. Wenn wir die ernst nehmen wollen, dann kommt der Antrieb auf Veränderung oft lokal, nicht nur top down. Der kommt von den Menschen in den Grätzeln, bei mir im 7. Bezirk auch von der lokalen Wirtschaft, von den Verantwortlichen der Nahversorger. Der kommt auch von den engagierten Mandatarinnen und Mandataren der Bezirksvertretungen, auch die sind tagtäglich im Einsatz. Die sagen mir eindringlich: Wenn die Sommer heißer werden, brauchen wir Begrünung und Kühlung, sonst können wir uns weiterhin nicht ganzjährig im Freien begegnen. Wenn wir die Nahversorgung und die kleinen Geschäfte erhalten wollen, dann brauchen wir attraktive Straßenräume. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben bei mir im Bezirk bewiesen, dass diese Maßnahmen, diese Umgestaltungen wirken. Wir haben auf der Mariahilfer Straße und auf der Neubaugasse seit den Umgestaltungen bis zu 30 Prozent mehr PassantInnen. Das sind auch dann die notwendigen Stärkungen in der Krise der lokalen Wirtschaft. Wir haben in den letzten Jahren eine Verdoppelung der Betriebsstätten erreicht. Tausende Arbeitsplätze sind damit entstanden, und das Gute daran ist, wenn ich von Demokratie rede, dann sind das Transformationsmaßnahmen, Umgestaltungen, die auch einen großen Rückhalt in der Bevölkerung haben. Das ist auch der Auftrag, den wir im April wieder mitbekommen haben. Im 7. Bezirk heißt das 80 Prozent Zustimmung aus der Bevölkerung und zwei Drittel Zustimmung seitens der Unternehmen. Das ist dokumentiert in einer Studie, die Sie sich auf unserer Website anschauen können. Das ist eine Studie, wo die Wirkung messbar wird - und das ist Standortpolitik. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn wir in Zeiten der Verunsicherung, die wir täglich erleben, Vertrauen und Sicherheit wollen, dann brauchen wir die Orte, die Gemeinschaft ermöglichen, die Orte, an denen wir den öffentlichen Raum umgestaltet beziehungsweise klimafit gestaltet haben. Wenn wir auch in Zukunft urbanes städtisches Leben führen wollen, müssen wir genau diesen öffentlichen Raum neu denken, ihn als Ort des Begegnens, des Aufenthalts und der Kultur und somit auch als Ort des sozialen Miteinanders sehen. Ich glaube, das ist auch der Stadt bis jetzt ein großes Anliegen. Deswegen investieren wir mit diesen Mitteln gezielt in den Bezirken. Das ist nicht Luxus, das ist Daseinsvorsorge, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.) Ich möchte schon betonen, dass ich glaube, wir sind in Wien immer stark gewesen, wenn wir das gemeinsam gemacht haben, wenn die Stadt, der Gemeinderat und die Bezirke, gemeinsam gehandelt haben. Wir haben gemeinsam auch Krisen gemeistert, wir haben auch bis jetzt gemeinsam diesen Transformationspfad beschritten und gemeinsam gezeigt, dass sozialpartnerschaftliches Handeln wirkt. Wenn man diesen Weg fortsetzen will, dann müssen wir die richtigen Prioritäten setzen, nämlich in die Bezirke investieren und nicht kürzen. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.) Ich ersuche das auch seitens des Gemeinderates zu sehen. Jeder Euro, den wir in unsere Grätzel investieren, in die Parks, in die Straßen, in die Schulerhaltung, ist ein Euro für die Menschen, die im Grätzel leben und mit dem guten sozialen Miteinander für Sicherheit, Zusammenhalt und auch für eine positive Zukunftseinstellung sorgen. Ich habe in der heutigen Erklärung des StR Czernohorszky zur Demokratie-Strategie gelesen: "Wir möchten sicherstellen, dass alle Wienerinnen und Wiener die Möglichkeit haben, ihr Lebensumfeld mitzugestalten und mitzubestimmen." - Ich sehe uns als Bezirk als den ersten Ort, an dem sich die Bevölkerung einbringen kann, wo sie mitgestalten kann, wo sie an der Zukunft mitarbeitet. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich ersuche deswegen zu sehen, dass es diesen Kurs fortzusetzen gilt, nicht durch undurchdachte Kürzungen von gerade wichtigen Investitionstöpfen, sondern mit der klaren Priorität für klimafitte und standortfördernde und lebenswerte Plätze. Investieren heißt Zukunft sichern für die Menschen, für die Wirtschaft und auch für Wien. - Danke. (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Ing. Guggenbichler, MSc, und ich erteile es ihm. - Bitte. GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren! Nach zwei Bezirksvorstehern zu reden, ist für mich eine Wohltat. Ich darf mich bei beiden bedanken, auch beim Kollegen Reiter, in einem sehr großen Teil bin ich Ihrer Meinung, ich habe nicht damit gerechnet, dass ich Ihnen das jemals von hieraus sagen werde. Es ist ganz wichtig, gerade in unserer Demokratie und heute bei der Demokratie-Strategie zu sagen: Wir haben durch die Bezirke, durch die Bezirksvorstehungen, durch die Bezirksräte vor Ort sehr engmaschige demokratische Strukturen. So engmaschig, dass wir über jedes Grätzel reden können, dass wir über Einzelinteressen reden können, die die Bürger vor Ort haben. Was die Frau Stadträtin macht - Sie haben es ja früher selbst gesagt: Wer kürzt, spart nicht -, ist nicht zu sparen. Es ist ja immerhin noch so, dass wir eigentlich nur darüber diskutieren, dass man statt 5 Milliarden EUR Schulden in der nächsten Zeit die Schulden auf 2 Milliarden reduziert, und zwar trotz dieser Sparmaßnahmen am falschen Fleck. Sie sparen nämlich bei den Bürgern, bei den Interessen der Bürger und im Demokratiejahr und am Tag, wo die Demokratie-Strategie beschlossen wird, an den Strukturen der Demokratie. Und das ist eine schändliche Aktion von Ihnen! Sie sparen am falschen Fleck und gleichzeitig bedienen Sie sich bei diesen Bürgern, denen Sie in Zukunft weniger zukommen lassen. Sie bedienen sich bei den Bürgern zum Beispiel - die GRÜNEN haben es ja schon ein oder zweimal angesprochen - mit der Erhöhung der Jahreskarte. Das haben Sie umgesetzt, liebe Frau Stadträtin. Sie reden die ganze Zeit über Klimawandel, über weniger Individualverkehr, aber da haben Sie die erste Chance gesehen, sich bei den Bürgern zu bedienen. Das ist ja sogar ökonomisch nicht klug. Denn wie wir aus den letzten Tagen wissen, sind auf Grund des 365-EUR-Tickets viel mehr Tickets gekauft worden, nämlich viel mehr, wie die Inflation in den letzten Jahren war. Die Einnahmen waren höher. Jetzt arbeiten Sie wieder antizyklisch. Sie arbeiten wieder so, dass sich die Leute das nicht mehr leisten können, öffentlich zu fahren. Das ist wirklich schändlich, wenn man auch bedenkt, dass, wenn wir uns nicht aufgeregt hätten, Sie sogar den Blinden und den Gehörbehinderten die Freifahrt gestrichen hätten, liebe Sozialdemokratie. Das hat nichts mit Demokratie und mit Sozialem zu tun. Das hat einfach mit dem Griff in die Taschen der Bürger zu tun, bei denen Sie sich momentan glauben, bedienen zu können, was das Resultat der Misswirtschaft ist, die Sie in den letzten knapp hundert Jahren in dieser Stadt betrieben haben. (Beifall bei der FPÖ.) Aber auch beim Parkpickerl bedienen Sie sich, bei der Ortstaxe, das ist ein bisschen Voodoo-Ökonomie. Die NEOS sagen die ganze Zeit, ist ja wurscht, das zahlen eh die anderen. Wissen Sie überhaupt, dass der Tourismus eines der wenigen blühenden Wirtschaftssegmente in unserer Stadt ist? - Da erhöhen Sie die Ortstaxe von 3 Prozent am Ende des Tages auf 8 Prozent. Sie wissen aber ganz genau, dass Sie im letzten Jahr dem Tourismusverband von den 40 Millionen EUR Einnahmen nur 30 Millionen gegeben haben. Also wieder keine Zweckbindung seit dem Jahr 2022! Sie erhöhen Ihre Einnahmen von 40 Millionen EUR auf 120 bis 150 Millionen EUR und am Ende des Tages wandert es wieder nur dorthin, wo Sie es brauchen, um Ihre Misswirtschaft zu kompensieren, also wieder ins Zentralbudget. Weil mich der Kollege Meidlinger jetzt sehr kritisch angeschaut hat ... Herr Kollege Meidlinger, auch das hat eine Auswirkung auf die Arbeitsplätze. Natürlich! Wenn wir weniger Hoteliers haben, wenn wir unsere Wirtschaft schwächen, haben wir weniger Personal im Hotelbereich, haben wir weniger Personal in den Küchen und haben wir einfach weniger Wirtschaftskraft in unserer Stadt. Aber das ist Ihnen ja nicht genug! Mit dem Wohnbauförderungsbeitrag holen Sie sich noch einmal knapp 200 EUR von jedem Arbeitnehmer. Liebe Sozialdemokratie, eine Partei, die gegründet wurde, um die Arbeitnehmer zu vertreten, sackelt sie aus! Der Kollege vor mir hat gesagt, ich darf Ihnen nicht sagen, dass Sie die Arbeitnehmer- Verräterpartei sind, aber man hat das Gefühl, wenn man Ihrer Tätigkeit zuschaut. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Herr Kollege, ich darf dich kurz unterbrechen. Du kriegst einen Ordnungsruf für den Ausdruck Arbeiter-Verräterpartei. - Bitte weiterzusprechen. (GR Mag. Dietbert Kowarik - erheitert: Warum? Er hat doch nur zitiert!) GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc (fortsetzend): Ich nehme den Ordnungsruf zur Kenntnis, Herr Vorsitzender. Ich wollte aber nur sagen, dass mir ein Kollege gesagt hat, dass ich es nicht sagen darf und dass ich ein Gefühl habe, also habe ich es nicht gesagt. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Aber ich darf dir auch sagen, mir hat auch ein Kollege gesagt, ich darf dir keinen Ordnungsruf geben und trotzdem habe ich dir einen gegeben, gel? GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc (fortsetzend): Ich habe den Ordnungsruf eh zur Kenntnis genommen, Herr Vorsitzender, aber leider Gottes nicht so demütig, wie Sie es sich vielleicht erwarten würden. Worüber man bei Arbeitnehmer-Vertretungsparteien auch noch sprechen müssen: Ja, was ist mit euch? Wo seid ihr? Welches Förderungsprogramm für Arbeitnehmer habt ihr in den letzten Jahren geleistet? - Nichts, schaut man eure Abschlüsse an! Zum Beispiel jetzt: Wofür ist die Gewerkschaft überhaupt noch gut? - Die Metaller schließen unter der Inflation ab, 2 Prozent, ist das eine sozialdemokratische Leistung? Welche Mehrheit hat die SPÖ beim ÖGB? Wo stehen Sie am Ende des Tages für die Arbeitnehmer zur Verfügung? Sie erhöhen Ihre Gebühren und nebenbei erhöhen Sie nicht nur die Gebühren, was den Wohnbauförderungsbeitrag betrifft, sondern schröpfen die Arbeitnehmer bei Müllgebühren, bei Kanalgebühren, Sie haben in der fast letzten Sitzung, als Sie hier die absolute Mehrheit hatten, ein Valorisierungsgesetz beschlossen, das Jahr für Jahr die Arbeitnehmer schröpft. Nur um Ihre Budgetlöcher zu füllen! Wir können ja darüber reden, wofür das Geld verwendet wird, das jetzt den Bezirken entzogen wird. Zum Beispiel haben wir die Weitsicht am Cobenzl gebaut und 17,8 Millionen EUR versenkt, zwei Verträge, der dritte Pächter weiß auch nicht, ob er dort bleibt. Werbeausgaben: 50 Millionen EUR. Dann Mietbeihilfe für Sträflinge: 54 000 EUR, liebe Freunde von der Sozialdemokratie. Oder die Wiener Festwochen mit ihren ganzen antisemitischen Ausschreitungen: 27 Millionen EUR. Nächstes Jahr 22,5 Millionen EUR für den Song Contest, wo Sie nicht bereit waren, ein Präventionskonzept zu beschließen, damit es keine antisemitischen Ausschreitungen gibt. Sie dürfen nicht abstimmen, Frau Stadträtin (in Richtung der Amtsf. StRin Barbara Novak, MA), aber die Sozialdemokratie hat dagegen gestimmt. Aber wofür brauchen wir das Geld sonst noch? - Wir hatten es im vorletzten Finanzausschuss, da wird nämlich nicht gekürzt: Wir bauen Kindergärten. Aber wir bauen Kindergärten nicht in Döbling, nicht im 1. Bezirk, nicht in Favoriten, sondern wir bauen Kindergärten in Uganda und in Südafrika, sehr geehrte Damen und Herren. Dafür haben Sie Geld übrig. Schauen Sie sich bitte diesen Förderungstopf an. Bitte informieren Sie sich. (Zwischenruf von GRin Mag. Dolores Bakos, BA.) Wenn Sie sich so aufregen, werde ich Ihnen noch ganz genau erzählen, wofür wir nämlich am Ende des Tages Geld übrighaben. (GRin Mag. Dolores Bakos, BA: Ich rege mich nicht auf! Es stimmt so nicht!) Wir machen ein Resozialisierungsprojekt für kriminelle Jugendliche in Bhutan. Da bilden wir Polizisten aus, damit sie Sträflinge zu Schneidern und Tischlern ausbilden können, weil sie in Bhutan das Gesetz geändert und gesagt haben, ungelernte Kräfte dürfen die Häftlinge nicht ausbilden. Also, wir bilden Polizisten in Bhutan aus, damit sie aus Häftlingen Schneider und Tischler machen können. Weiters machen wir genossenschaftliche Imkereien in Burkina Faso. (GR Mag. Josef Taucher schüttelt erheitert den Kopf.) Dafür haben wir auch Geld. Aber für die Bezirke haben wir kein Geld. Dann machen wir in Albanien Schneiderausbildungen, das finde ich besonders toll. Albanien, NATO-Staat - 5 Prozent des BIP investieren die in Waffen, aber wir von der Stadt Wien bilden ihnen ihre SchneiderInnen aus. In Wien selber, muss ich ganz ehrlich sagen, haben wir nichts übrig. Die SchneiderInnen, die in Wien arbeiten, müssen das nämlich finanzieren. Die müssen mit den Gebühren, die Sie am Ende des Tages bei ihnen einziehen, mit dem, was Sie von ihnen abverlangen, die Schneiderausbildung in Albanien finanzieren, damit die Albaner genug Geld haben, um 5 Prozent des BIP in Waffen zu stecken. Liebe Sozialdemokratie, das ist leider Gottes am Ende des Tages die Wahrheit! (Beifall bei der FPÖ. - GR Leo Lugner: So eine Frechheit!) Dann bilden wir noch Jugendliche in Kenia und in Südafrika aus. Ich habe mir ein kleines Projekt angeschaut, ein Projekt aus Uganda, und was wir dort fördern (Heiterkeit bei GR Mag. Josef Taucher.), einen Antrag an die MA 27. Da geht es um ein Projekt der Förderung der Landwirtschaft und der Schneider - weil wir Schneider schon angesprochen haben. Was fördern wir dort? - Unter dem Projekt Landwirtschaft fördern wir 50 Stück Ziegen und 2 Stück Deckbock, jetzt kennen wir die Quote. Wir fördern auch 100 Stück Legehuhn und 8 Stück Hähne. Weiterhin zahlen wir ihnen einen Hühnerstall, Ziegenunterstände - da brauchen sie 500 Stück Bauholz, Palmblätter, ein Bündel mit 25, 50 Meter Seil. Dann zahlen wir ihnen weiterhin Werkzeug, Hammer, Säge, Maßband. Für die Tiergesundheit haben wir Entwurmungsmittel, antiseptische Salben und so weiter und sofort. Was fördern wir dort noch? - Das haben Sie hier beschlossen! Dafür wird das Geld verwendet, das Sie in Wien von den Bürgern abverlangen und das Sie bei den Bezirken kürzen. Dann machen wir noch ein Projekt für Bienenhaltung und Imkereien. Da kaufen wir zehn Bienenstöcke, Schutzkleidung, fünf Rauchgeräte, was das auch immer sein mag, das weiß ich nicht, fünf Stofftücher. Dann machen wir ihnen dort noch einen Bestäubergarten mit Zitronengras, Roselle, Hibiskus und Minze. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich von den Wiener Bauern irgendeiner, der hier die Gebühren zahlt, nur einen Teil dieser Unterstützung gekriegt hat von dem, was wir dort finanzieren. Dann zahlen wir ihnen für das Verpackungsmaterial noch die Etikettenrollen, wir kaufen ihnen noch 200 Honiggläser - also so besonders erfolgreich dürfte diese Imkerei nicht sein. Weil wir über Klimaschutz geredet haben - wir zahlen ihnen auch 50 Stück Kunststoffeierboxen. Das gibt es in Wien nicht einmal mehr, Kunststoffeierboxen, in Wien sind sie aus Karton. Aber dort zahlen wir 50 Stück Kunststoffeierboxen. Dann kaufen wir ihnen fünf Buschmesser, 50 Paar Gummistiefel. Das war das Projekt Landwirtschaft. Ich kenne keinen Wiener Bauern, der nur im Ansatz irgendetwas in der Art und Weise von dieser Stadt bekommen hat. Aber wir haben ja früher auch über Schneider geredet. Schneider bilden wir auch weltweit aus. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie haben in Wien eine Schneiderei, wollen als kleiner Einzelunternehmer aufmachen. Es ist ja auch ganz wichtig, dass wir kleine Einzelunternehmer haben. Wir reden die ganze Zeit davon, dass Einzelunternehmer gefördert werden sollen. Aber wenn ich Schneider bin, kriege ich in Wien wahrscheinlich nicht 200 Spulen Nähgarn, 150 Meter Reißverschluss, 400 Knöpfe, weiterhin kriege ich nicht 20 Bogen Schnittmusterpapier. Dann kriege ich nicht einen Schmuckverschluss und noch einmal 150 Meter Reißverschluss. Für den Textildruck kriege ich nicht einen Hohlrahmen mit Sieb, Farbschalen, fünf Pinseln. Dann kriege ich nicht dazu noch fünf Arbeitstische, einen Schrank, Lernunterlagen für die Ausbildung. Dafür haben wir alle Geld! Dann kriegen die noch zehn Displayständer für Schmuckprodukte. Kann mir das irgendeiner erklären, wofür das gut ist? - Ich habe keine Ahnung. Ich kenne keinen Wiener Schneider, der Displaystände für Schmuckprodukte hat. Dann haben Sie noch für die Präsentation ein Mietzelt. Dann kriegen sie weiterhin 30 Stühle - also so groß dürfte das ganze Unternehmen nicht sein - und 500 Visitenkarten, um ihre Projekte bewerben zu können, meine Damen und Herren. Sie haben über Jahrzehnte die Wirtschaft in Wien heruntergefahren, stehen jetzt vor einer Situation, dass Sie Angst haben, dass Sie Ihr Ranking verlieren, dass Sie Angst haben, dass wenn die Zinsen höher werden, die Schuldenbelastung durch die Zinsbelastung noch viel höher wird als die 400 Millionen, die wir jetzt schon zahlen, weil Sie Angst haben, dass Sie sich nichts mehr leisten können. Sie sparen bei den eigenen Leuten, bei den Bezirken, bei der direkten Demokratie vor Ort - und fördern so etwas! Sehr geehrte Damen und Herren, nein, das ist ein falscher Zusatz. Offensichtlich haben Sie nichts dazugelernt. Sie fördern nicht unsere Unternehmen, Sie fördern nicht unsere Arbeitnehmer, Sie fördern nicht unsere Demokratie, Sie fördern nicht unsere Bezirke - und deswegen ist das abzulehnen. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Deutsch, und ich erteile es ihm. - Bitte. GR Christian Deutsch (SPÖ): Herr Vorsitzender, Frau Stadträtin, Frau Berichterstatterin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Kollege Guggenbichler hat einmal mehr bewiesen, dass er städte- und länderübergreifende Projekte, die natürlich im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe ausführlich begründet sind und die internationale Projekte sind, ins Lächerliche ziehen kann, weil er sich offenbar nicht auf die Debatte selbst vorbereiten will. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Der Wiener Bürger findet das nicht lächerlich! Die Wiener ...) Das ist genau, was die FPÖ kann: dagegen sein. Dagegen sein ist das einzige Projekt, das Sie haben - und auch das eigentliche Geschäftsmodell. Es hat keinen einzigen Vorschlag von Ihnen zur budgetären Situation gegeben so wie auch in der Vergangenheit! (Beifall bei SPÖ, GRÜNEN und NEOS.) Aber wissen Sie, regieren heißt eben auch Entscheidungen zu treffen. Ja, konsolidieren ist nie populär, aber notwendig. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Wien steht 2026 vor einer klaren Aufgabe. Wir müssen die Finanzen stabilisieren und zugleich sichern, was Wien stark macht, nämlich die Daseinsvorsorge: vom leistbaren Wohnen über eine gute Bildung zur sozialen Sicherheit, für hohe Lebensqualität in allen 23 Bezirken. Mit Verantwortung konsolidieren und Wien stark halten, ist das Ziel. Bei einem Konsolidierungsvolumen von 2 Milliarden EUR heißt das ein Drittel einnahmen- und zwei Drittel ausgabenseitig, weil verantwortungsvolles Budgetieren jetzt kluges Gegensteuern verlangt, damit Wien auch in Zukunft in Kindergärten, Schulen, in die Gesundheit der Bevölkerung, in den öffentlichen Raum investieren kann und auch, wie es meine zwei Vorredner, die beiden Bezirksvorsteher, angesprochen haben, in Klimaschutz und Mobilität. (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Dafür werden die Voraussetzungen geschaffen. Die von der SPÖ geführte Stadtregierung mit Bgm Dr. Michael Ludwig und Finanzstadträtin Mag. Novak übernimmt Verantwortung und bekennt sich zur Konsolidierung, aber ohne die Grundpfeiler des Wiener Modells, nämlich die Daseinsvorsorge, den sozialen Zusammenhalt und Zukunftsinvestitionen, zu gefährden. (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist eigentlich ganz einfach. Man kann auf Dauer nicht mehr ausgeben, als man einnimmt. Für die Konsolidierung des Budgets ist daher ein Bündel von Maßnahmen notwendig, das wir ausführlich bei der Budgetdebatte im Dezember auch im Einzelnen diskutieren werden. Eine dieser Maßnahmen ist eben, dass die automatische Erhöhung der Bezirksmittel für ein Jahr ausgesetzt wird und die Bezirksbudgets auf dem Niveau des Jahres 2025 eingefroren werden. Ja, es leisten damit auch die Bezirke einen Beitrag zur Konsolidierung von 17 Millionen EUR, um die Handlungsfähigkeit der Stadt - und die Stadt ist nichts anderes als die Summe der Bezirke - letztendlich zu sichern. Das heißt, wir passen die Bezirksmittelverordnung 2022 für das Finanzjahr 2026 an. Die Maßnahme ist, das wurde auch gesagt, temporär, maßvoll und zielgesichert. Wir sichern damit aber auch die Planbarkeit für Stadt und Bezirke. Daher gilt mein Dank insbesondere auch den Bezirken, die sehr solidarisch diese Anpassung mittragen, die mithelfen und auch das notwendige Verständnis aufbringen, damit wir gemeinsam dafür sorgen können, dass Wien sozial, klimafit und wirtschaftlich stark bleibt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Lassen Sie mich auch kurz auf die Bezirksmittelverordnung eingehen. Es geht im Wesentlichen um zwei Bereiche: einmal um die Aufteilung der Mittel des Investitionsfonds, also für die Finanzierung bestimmter Schwerpunktinvestitionsprogramme. Da sind 40 Prozent für die Umsetzung investiver Vorhaben sowie für Schuldendienstersätze von bereits getätigten Vorgriffen zu verwenden und 60 Prozent für Schwerpunktsetzung investiver Maßnahmen, die durch eine Lenkungsgruppe festgelegt werden. Neu ist jetzt im Vorschlag vorgesehen, dass diese Teilbeträge in den Finanzjahren 2026 bis 2030 jeweils 50 Prozent betragen, sodass also der Gestaltungsspielraum und die Entscheidungsgewalt der Bezirke größer geworden ist durch diese Maßnahme. Es geht um die Aufteilung der Mittel auf die einzelnen Bezirke. Es wurde angesprochen, dass die Höhe der Bezirksmittel für das Jahr 2026 auf dem Stand der Mittel des Finanzjahres 2025 eingefroren wird. Das ist eine Reduktion von 6,13 Prozent. Nach der Verordnung wären sogar 10 Prozent möglich gewesen, aber es ist sehr maßvoll vorgegangen und auf 6,13 Prozent entschieden worden. Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn ich mir insbesondere die Rede des Herrn BV Figl angehört habe, dann muss man schon noch einmal daran erinnern, wer uns denn das alles eingebrockt hat. (Zwischenruf von GR Harald Zierfuß.) Wer hat uns denn das alles eingebrockt, dass wir überhaupt diese Diskussion hier heute führen müssen? - Also noch einmal zur Erinnerung: Es war die damalige schwarz-grüne Bundesregierung, die ein Budgetdesaster, ein Schuldenloch ungeahnten Ausmaßes hinterlassen hat, das dann nach und nach ans Tageslicht kam. (Anhaltende Zwischenrufe von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Ich hoffe, es ist schon alles ans Tageslicht gekommen, was vorher zugedeckt, verharmlos, verheimlicht wurde. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Wenn der Herr BV Figl fragt, warum man nicht 2020 schon darauf hinweisen hat können (GR Mag. Dietbert Kowarik: Fragen Sie den Finanzminister!), dann muss man sagen: Es sind geringere Ertragsanteile, er hätte sich übrigens später beim damalige Wiener Parteivorsitzenden der ÖVP, bei Finanzminister Blümel auch erkundigen können, der es auch entscheidend mitzuverantworten hat. (Zwischenruf von GR Harald Zierfuß.) Also, geringere Ertragsanteile des Bundes, Aufgaben, die den Ländern ohne Gegenfinanzierung übertragen wurden, haben eben für die Länder und Gemeinden den Spielraum eingeengt. (GR Georg Prack, BA: Ihr habt dem Finanzausgleich zugestimmt, oder?) Ich bringe jetzt sehr bewusst ein Zitat, weil es ja alle Bundesländer trifft. Es geht ja nicht nur um Wien, es geht um alle Bundesländer. Das hat vor wenigen Tagen der oberösterreichische Landeshauptmann Stelzer von der ÖVP sehr gut auf den Punkt gebracht. Er hat nämlich gesagt: "Diese Trias, uns weniger Spielraum zu geben, gleichzeitig uns aber nicht an den Einnahmen teilhaben zu lassen und dann auch noch Aufgaben zuzuschieben, passt nicht zusammen." Das kann ich nur unterstreichen. Es wurde den Gemeinden, den Ländern in der historischen Verantwortung, die bei Schwarz-Grün liegt, eine Verlassenschaft hinterlassen, die Österreich ärmer gemacht hat, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ.) Zusätzlich zu den externen Rahmenbedingungen - wir haben ja schon öfters auch hier in diesem Hause die multiplen Krisen diskutiert, Covid-19, der Überfall Russlands auf die Ukraine und vieles mehr -, die in der Folge zu einer höheren Staatsverschuldung, zu hohen Energiepreisen, einer Inflation in exorbitanten Höhen geführt haben, gab es eben diese hausgemachten Ursachen, diese hausgemachten Rahmenbedingungen, die ausschließlich dem Versagen der damaligen schwarz-grünen Bundesregierung zuzuordnen sind. Die Ausgaben- und Steuerpolitik, die massiv zur Staatsverschuldung beigetragen hat, ich habe es schon gesagt, keine Gegenfinanzierung, eine Inflation, die man durchrauschen hat lassen ... Ich erinnere: Anfang 2023 hatten wir die Inflation bei 11 Prozent, und es sind keine Maßnahmen getroffen worden. Wir liegen heute in Österreich noch immer über dem europäischen Schnitt. Deshalb steht Österreich vor dem größten Konsolidierungsbedarf in der Geschichte der Zweiten Republik! Die Verursacher des Budgetdesasters und des Schuldenlochs - Geld spielt keine Rolle, Geld ist nahezu abgeschafft, koste es, was es wolle - sind ganz klar zuzuordnen! Wenn der Herr BV Figl gemeint hat, er freut sich, dass er sich heute hier aufregen kann ... (GR Mag. Dietbert Kowarik: Das gehört auch zur Demokratie, Herr Kollege!) - Ja, dann mag es ihm unbenommen sein. Aber letztendlich geht es darum, dass dieses Schuldenloch die damalige ÖVP-Bundespartei zu verantworten hat mit einem Finanzminister Blümel von der Wiener ÖVP. Also, die Frage, wer nicht wirtschaften kann, ist, glaube ich, auch historisch eindeutig bewiesen. (Beifall bei der SPÖ und von GRin Jing Hu, BA, MPharm.) Daher meine ich, soll man auch nicht Panikmache betreiben. Es wird niemand sagen, dass er zu viel Geld hat, es wird jeder sagen, dass es immer zu wenig Geld gibt. Aber wesentlich ist, dass die Stadt die Bezirke immer unterstützt hat, auch in der Vergangenheit, wenn es um zentrale Leitprojekte gegangen ist. Ich denke an die Schulsanierungsprojekte, an das Radwegeprogramm, an viele Projekte der Klimamusterstadt Wien, und auch Straßenprojekte wie im Bereich der Mariahilfer Straße wurden ja nicht von den Bezirken selbst finanziert. Der BV Reiter hat sich sehr intensiv mit den Bedürfnissen im Bezirk beschäftigt und auch seine Sorgen zum Ausdruck gebracht. Aber auch da muss ich sagen, auch da tragen natürlich die GRÜNEN, die in der Regierung mit dabei waren, eine Mitverantwortung, die dieses Schuldenloch und Budgetdesaster zu verantworten haben. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Die Leidtragenden sind - Sie haben es gesagt -, wenn wir es heute ganz negativ formulieren möchten, die Länder, Gemeinden und manchmal auch ... (GR Georg Prack, BA: Wir sind offensichtlich an allem schuld! Sie haben das Wiener Budget zu verantworten!) - Nein, in der Regierung war damals Schwarz-Grün, du weißt es selbst genau, ihr wart ja die grünen Ministranten der ÖVP! (Heiterkeit bei FPÖ und ÖVP.) Ihr habt alles mitgetragen! Selbst, wie es darum gegangen ist, gut integrierte Kinder abzuschieben, habt ihr nichts dagegen gemacht! Selbst das habt ihr mitgetragen! Wenn wir bei der Verantwortung sind, dann bleiben wir auch dabei! (Beifall bei der SPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, noch einmal kurz zusammengefasst. Warum sind Änderungen und Maßnahmen notwendig? - Ganz einfach aus Verantwortung für die Stadt, für die Bezirke, um die Handlungsfähigkeit zu sichern, weil ohne Konsolidierung das Risiko für stärkere Einschnitte in den Folgejahren steigen würde. Daher muss man jetzt gegensteuern, damit Leistungen auch verlässlich erhalten werden können. Zweitens geht es darum, die Zukunft zu priorisieren, weil Spielraum für Investitionen in Bildung, Pflege, Infrastruktur, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Forschung und Standortpolitik geschaffen werden soll. Es geht auch um den sozialen Zusammenhalt. Da wird kein Kahlschlag betrieben, sondern es werden Prioritäten gesetzt, weil ja an den Investitionen in Schulen, Kinderbetreuung, Pflege, Gesundheit, Infrastruktur auch festgehalten wird. Es geht um eine aktive Steuerung und damit auch um Planbarkeit für die Bezirke. Abschließend darf ich noch darauf hinweisen, dass trotz schwierigster Rahmenbedingungen Wien in den letzten Jahren und auch heuer als einziges Bundesland Wirtschaftswachstum aufweist und weiterhin der Motor für Beschäftigung und Wachstum bleibt. Die Herbstzahlen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen beispielsweise, dass Österreichs Wirtschaft wächst und Wien dabei ganz vorne mit dabei ist. 2025 wird die Beschäftigung deutlich stärker wachsen als im Bundesschnitt, also um 1,1 Prozent gegenüber 0,2 Prozent, und auch die Bruttowertschöpfung, die Wirtschaftsleistung ist 0,8 Prozent, im Bund ist sie einmal mit 0,4 Prozent prognostiziert. Das kommt nicht von ungefähr, sondern ist das Ergebnis einer aktiven sozial ausgewogenen und zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik. Auch für das Jahr 2026 bestätigt das WIFO, dass Wien der Wachstumsmotor bleibt. Das heißt, gezielte Investitionen in Innovation, Digitalisierung, Pflege, Bildung und nachhaltige Stadtentwicklung sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt und damit tausende Arbeitsplätze. - Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich GRin Schneckenreither gemeldet. - Bitte schön. GRin Theresa Schneckenreither, MSc (GRÜNE): Kurz zu einer tatsächlichen Berichtigung. Der Kollege Deutsch hat gerade gemeint, die Stadtregierung würde bei den Bezirksmitteln maßvoll kürzen, weil man nur ungefähr 7 Prozent kürzt, man aber 10 Prozent kürzen könnte. Richtig ist aber, dass dieses 10 Prozent-Kürzungspotenzial, das die Stadträtin zur Verfügung hat, laut der Bezirksmittelverordnung sich rein auf den Topf 1 beziehen, der ungefähr 70 Prozent der gesamten Bezirksmittel ausmacht. Mit dem Einfrieren der Bezirksmittel auf Stand 2025 sind wir sehr knapp dran an diesen 10 Prozent. Ich glaube, man hat es einfach deswegen nicht ausgeschöpft, weil einfrieren besser klingt als kürzen. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die nächste Wortmeldung kommt von GR Taborsky. - Bitte, du bist am Wort. GR Hannes Taborsky (ÖVP): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Jetzt fällt es mir fast ein bisschen schwer, nicht mit einer tatsächlichen Berichtigung zu beginnen, weil der Herr Kollege Deutsch in hier gewohnter Art und Weise grundsätzlich jede Verantwortung auf die Bundesregierung geschoben hat, logischerweise nicht auf diese, sondern auf die letzte, das ist auch klar, denn jetzt wären Sie selbst drin. Aber ich darf kurz schon ein paar Zahlen richtigstellen. Wahr ist natürlich, was er gesagt hat: Wien ist eine schöne Stadt mit tollen Leistungen. Das ist aber meiner Ansicht nach hauptsächlich das Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz einer Stadtregierung aus SPÖ und NEOS, die derzeit in einer Hochgeschwindigkeitsfahrt im Wiener Budgetnebel unterwegs ist. (Beifall bei der ÖVP.) Sehr geehrte SPÖ, ich darf Sie informieren, dass das Defizit für 2025 im Bund bei 4,5 Prozent des BIP liegt, das heißt, das wird vom Bund eingehalten. Das Problem ist, wie Sie richtig gesagt haben, das Budgetdefizit bei Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen. Nur sollte man da auch dazusagen, was der Beitrag von Wien ist. Der Beitrag von Wien ist eben auf Grund dessen, dass 2,3 Milliarden EUR Defizit veranschlagt wurde und jetzt 3,2 Milliarden EUR da sind, es Wien schafft, von den 1,8 Milliarden EUR, die die Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen höher liegen, die Hälfte in Anspruch zu nehmen, nämlich 900 Millionen EUR. Das heißt, das ganze restliche Bundesgebiet plus die Sozialversicherungen bringen genauso viel zusammen an Defizit, wie Sie zusammenbringen. Das ist Ihre hervorragende Eigenleistung, meine sehr verehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP und von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Wissen Sie, ich war 20 Jahre Bezirksrat im 14. Wiener Gemeindebezirk. Sie haben ja gesagt, die Stadt ist die Summe der Bezirke. Wenn es nur so wäre! Wir haben im 14. Wiener Gemeindebezirk - ich kann mich gut erinnern - oft zur Frage debattiert, was würden wir alles gerne im Bezirk tun. Da haben wir anders als hier auch gemeinsam abgestimmt. Da hat es viele Anträge gegeben, die von allen Fraktionen unterstützt wurden, auch welche, die wir gestellt haben. In der Regel ist es dann an irgendwelchen Budgetproblemen gescheitert. Wir hatten immer großen Ärger, wenn dann irgendwelche Prestigeprojekte der Gemeinde oder der Stadt Wien darübergestülpt wurden. Wir haben heute von so einem wunderbaren Demokratie-Strategie-Projekt gehört, das jetzt wahrscheinlich in irgendwelchen Formen in den einzelnen Bezirken aufschlagen wird. Wenn für so etwas Geld da ist, für die Bezirke allerdings nicht, die - und da bin ich beim Herrn Kollegen Guggenbichler - die wahre Basisdemokratie in dieser Stadt darstellen, dann ist das vollkommen unverständlich und auch entsprechend zu kritisieren! (Beifall bei der ÖVP.) Meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist schon eine Zeit her, aber ich habe vor über 35 Jahren eine Dienstprüfung gemacht. Da hat mein Präsidialchef damals in dem Vortrag zu mir als jungen Beamten gesagt: Herr Taborsky, Sie müssen wirklich aufpassen, denn Sie haben jetzt Imperium. Mit anderen Worten: Sie können etwas tun als Beamter. Jetzt war ich selbst Vermessungsbeamter, hatte mit Enteignungen zu tun, mit Betretungsrechten, auch Strafen und so weiter. Aber er hat mir immer gesagt: Passen Sie auf, denn Sie arbeiten für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land. Er hat das deswegen speziell gesagt, weil er gesagt hat: Diese Bürgerinnen und Bürger zahlen mit ihrer Lebenszeit für das, was Sie da machen. Er hat das so gemeint, dass Steuern, Abgaben und Gebühren ja nicht irgendwo am Weihnachtsbaum wachsen, sondern dass Menschen ihre Lebenszeit in der Arbeit verbringen, ihnen allerdings ein Teil dieser Zeit abgezogen wird über Steuern, Abgaben und Gebühren. Er hat gesagt: Seien Sie sehr wachsam und sehr aufmerksam mit dieser Zeit, die Ihnen da geschenkt wird in Form von Geldmittel, und gehen Sie nicht sorglos mit der Lebenszeit von Menschen um, die Ihre hart verdienten Euros - damals waren es noch Schilling - entsprechend abführen. Wenn man das umlegt auf Wien, sich die Steuer- und Abgabenquote anschaut, dann ist es so, dass 50 Prozent der Lohnsteuerzahler, das sind in Wien in etwa 450 000 Menschen, 68 Prozent des Aufkommens zahlen. 34 Prozent zahlen überhaupt keine Steuern - das vielleicht auch als Argument für die Damen und Herren von den GRÜNEN, die da ständig von Steuererhöhungen herumphilosophieren. Wir haben inzwischen eine Abgabenquote, die weit jenseits der 40 Prozent ist, das heißt Menschen arbeiten in dieser Republik und auch in Wien von Jänner bis Mai einmal, ohne dass sie einen eigenen Cent in irgendeiner Form erarbeitet haben. Das sollte uns zu denken geben, wenn wir da so locker über Abgabenerhöhungen sprechen und über die Frage, wie wir Budgets sanieren! Weil wir da ja mit der Zeit der Menschen, die sie nicht damit zubringen können, für ihre eigene Familie oder für ihre eigenen Interessen etwas zu erarbeiten, spielen. Das betrifft Unternehmerinnen und Unternehmer, Bauern, aber ganz speziell auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Also nicht leichtfertig darüber reden. Deswegen haben wir ja auch einen Antrag gestellt, wo wir gesagt haben, zwei Drittel sollte man bei Ausgabenreduktionen einsparen und nur ein Drittel bei entsprechenden Einnahmen. Das wurde uns auch angekündigt von der Frau Finanzstadträtin, die das im "Falter" am 13.8.2025 erfreulicherweise so gesagt hat. Es gibt nur so den Spruch, der da lautet, wenn die SPÖ die Regierung in der Wüste stellen würde, dann würde einmal zehn Jahre nichts passieren, und dann wird der Sand knapp, meine sehr verehrten Damen und Herren. Wir sind in etwa in dieser Situation, glaube ich, wo das Geld knapp wird. Und das ist nicht die Schuld irgendeiner Bundesregierung. Sie werden nicht argumentieren können, wie in der Zwischenzeit über 20 Milliarden EUR Gesamtschulden zusammengekommen sind in dieser Stadt, das hat mit der Bundesregierung überhaupt nichts zu tun. Das hat mir Ihrer Misswirtschaft in dieser Stadt zu tun, meine sehr verehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.) Bundeskanzler Stocker hat in seinem Appell gesagt: 2-1-0. Das ist so ein deutliches Signal, in welche Richtung es gehen sollte: 2 Prozent Inflation, 1 Prozent Wachstum. Jetzt können wir schon darüber reden - Sie haben das angesprochen -, was inflationstreibend ist. Gestern hat es wieder in der ZiB 2 sehr ausführlich behandelt worden. Da gibt es genügend entsprechende Wortmeldungen dazu. Natürlich sind es die Energiekosten, da könnten wir auch einmal darüber reden, wie die Landesversorger das entsprechend befeuern. Der zweite Punkt ist aber auch zweifelsohne, dass es um Abgabenerhöhungen geht, die die Inflation befeuern. Da hat der Bund in unserem Staat natürlich Vorbildwirkung gezeigt, denn die letzten zehn Jahre hat es dort einen absoluten Gebührenstopp gegeben. Meine Dienststelle war davon selbst betroffen. Wir mussten uns überlegen, wie wir permanent mit den gleichen Finanzmitteln auskommen, die es da gibt. Das führt natürlich dazu, dass man sich überlegt, was ist wichtig, was ist nicht mehr wichtig, was machen wir anders, Digitalisierung und so weiter und so fort. Das heißt, das ist ein wesentlicher Punkt. Sie (in Richtung der SPÖ) machen hier das permanente Gegenteil, Sie sind Inflationstreiber in Wien, indem Sie ein Valorisierungsgesetz beschlossen haben, das automatisch entsprechende Erhöhungen vorsieht. Das ist nichts anderes als ein Automatismus in Richtung der Inflation, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Weiter zum Wachstum, naja, Bezirksmittel. Wie schon der Herr Bezirksvorsteher ausgeführt hat und auch der Kollege von den GRÜNEN, die werden ja nicht für irgendetwas ausgegeben. Da geht es um ganz klare Anliegen. Der Herr Bürgermeister wurde heute schon zitiert mit einer Aussage, in der er gesagt hat, man muss das zarte Pflänzchen der Wirtschaft pflegen. Jetzt habe ich eine Information, ich hoffe, sie stimmt nicht, nämlich, dass offensichtlich 2026 die Einkaufsstraßenförderung in Frage gestellt wird. Da frage ich mich: Was ist das für eine Wirtschaftsförderung, wenn weniger Geld ausgegeben werden soll in einem wesentlichen Bereich? Solche Dinge soll es wahrscheinlich viele geben. Wir wissen ja noch nicht, was im Budget 2026 steht, da bin ich natürlich Ihrer Ansicht (in Richtung der SPÖ). Sie haben schon gesagt, Sie werden uns das präsentieren. Ich bin sehr froh darüber, dass wir vielleicht dann irgendwann einmal die Zahlen präsentiert bekommen, denn was die Frau Stadträtin angekündigt hat, dass wir zwei Drittel ausgabenseitig sparen und ein Drittel einnahmenseitig, lässt sich derzeit nicht darstellen. Wie schaut die Stadt Wien aus? - 2025 eine Neuverschuldung von 3,2 Milliarden EUR. (GR Ing. Christian Meidlinger: Du weißt aber schon, wieso das so ist.) Das ist ein neuer Höchststand, meine sehr verehrten Damen und Herren, über 20 Milliarden EUR Gesamtverschuldung! (GR Ing. Christian Meidlinger: Und die Gemeinden in Oberösterreich? Schaffen es auch ned!) Das zweithöchste pro Kopfverschuldungsergebnis aller Bundesländer - übrigens nach Kärnten, das zufällig auch von der SPÖ geführt ist. Das ist ganz ein witziges Faktum. Ich sage es Ihnen vielleicht noch in absoluten Zahlen: Oberösterreich hat eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1 551 EUR, in Wien bringen Sie das Vierfache zusammen, 6 260 EUR. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Das ist das Vierfache der Pro-Kopf-Verschuldung. Vielleicht schaffen Sie 2025 am Ende dann den ersten Platz! Das heißt, Sie produzieren weniger Zukunft für die Wienerinnen und Wiener, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Wie schaut jetzt Ihr Konsolidierungsweg aus? - Im Jänner 2025 haben Sie noch von 3,8 Milliarden EUR gesprochen, im August 2025 von 3,45 Milliarden. Mir kommt das ein bisschen so vor wie Wünsch-dir-was. Wieso sind es plötzlich 3,45 Milliarden EUR gewesen? - Weil es höhere Einnahmen gegeben hat. Ein Plus bei den Ertragsanteilen und mehr bei den Abgaben, meine sehr verehrten Damen und Herren. Ein großes Danke wiederum an die Leistungsbringer dieser Republik. Die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben Ihnen das ermöglicht, dass Sie weniger Budgetdefizit budgetieren können! Am 14. Oktober hat es eine Präsentation gegeben, dass man jetzt mit 3,2 Milliarden EUR rechnet, nicht auf Grund irgendwelcher Maßnahmen, sondern rein auf Grund dessen, dass die Ertragsanteile höher geworden sind, weil die Wirtschaft doch floriert. Zumindest ein bisschen geht dieses Pflänzchens noch nach vorne. Das heißt, außer Schlagzeilen im "Falter" oder sonst irgendwo ist Ihre Bilanz bis jetzt nicht darstellbar! Das heißt, Sie fahren, da bleibe ich dabei, in einer Höchstgeschwindigkeitsfahrt im Budgetnebel spazieren. Sie haben einen Plan für 2026. Den haben wir uns angeschaut: 1,35 Milliarden EUR stehen da drin, weniger Ausgaben, 350 Millionen EUR höhere Einnahmen, 300 Millionen EUR Auflösung von Rücklagen und höhere Beiträge der Beteiligungen, gesamt 2 Milliarden EUR. Dargestellt sind bis jetzt bei den Einnahmen 405 Millionen EUR und Ausgaben von 311 Millionen EUR. Wo bleibt da die Zwei-Drittel-ein-Drittel-Position bei Ihnen? - Sie ist derzeit nicht dargestellt. Aber es war letztes Mal ja auch so, dass wir eine Gemeinderatssitzung hatten, wo debattiert wurde, teilweise auch über Finanzthemen, wo es geheißen hat, wir haben keine Zahlen, und es faszinierenderweise am Tag nach der Sitzung eine Pressekonferenz gegeben hat, wo plötzlich erste Zahlen präsentiert wurden. Vielleicht brauchen wir immer zwei Sitzungen, dass danach plötzlich klar ist, was ist. Ich bin schon sehr gespannt darauf. Jetzt komme ich zur Erhöhung des Wohnbauförderungsbeitrags - ohne Zweckmittel, quasi als Lochstopfmittel. Und das ist, meine sehr verehrten Damen und Herren, eine Erkrankung des gesamten politischen Apparates! Das ist der Griff in die Geldbörse der Bürgerinnen und Bürger! Leistungseinsparungen in Bezirken und ein Valorisierungsgesetz, ein Lohnraub statt Ausgabenperlustrierung, das werden wir als ÖVP in keinsterweise unterstützen. (Beifall bei der ÖVP. - GR Mag. Josef Taucher: Das ist schon fast FPÖ-Jargon!) Vielleicht noch dazu: Wien ist übrigens derzeit das einzige Bundesland, das diese 50-prozentige Erhöhung des Wohnbauförderungsbeitrags beschlossen hat. Sie (in Richtung der SPÖ) reden ja immer von den anderen Bundesländern. Die schaffen das offensichtlich, wie ich auch dargestellt habe bei der Pro-Kopf-Verschuldung, anders und besser. Ich glaube, dieses Budgetdefizit ist wirklich der letzte Weckruf, das muss das Ende der Wiener Geldverschwendung sein. Denn es ist in Wirklichkeit die Verschwendung der Lebenszeit von Menschen und des Geldes von Menschen, die diese ihre hart erarbeiteten Euros den Gebietskörperschaften, der Republik und auch der Stadt zur Verfügung stellen. Es sind die Beitragszahler, es sind die Leistungsträger, die dieses entsprechend hier abliefern. Und da sind wir als ÖVP klar die Anwälte dieser Menschen in dieser Stadt. Es muss ein Ende mit der Hochgeschwindigkeitsfahrt im Wiener Budgetdebakel und Budgetnebel geben, eine klare Ansage und klare Handlungen. Es darf keine Leistungskürzungen bei Bürgerinnen und Bürgern, keine Leistungskürzungen bei Bezirken geben. Wir haben Ihnen, weil wir als ÖVP nicht nur kritisieren, sondern auch sagen, was zu tun wäre, zwei Anträge betreffend Nein zur Erhöhung des Wohnbauförderungsbeitrags, in denen wir ganz klar ausführen, warum das keine gute Idee ist und warum man beim derzeitigen Stand von 1 Prozent bleiben sollte, und weiters einen Beschluss- und Resolutionsantrag betreffend ausgabenseitige Budgetkonsolidierung als Unterstützung des Artikels der Frau Stadträtin zur Verfügung gestellt, in dem sie ja selbst von zwei Dritteln ausgabenseitig, einem Drittel einnahmenseitig spricht. Ich gehe davon aus, dieser Antrag wird eine breite Zustimmung hier herinnen finden, weil ich nicht davon ausgehe, dass die SPÖ jetzt nicht hinter diesem Ziel der Frau Stadträtin steht. - Meine sehr verehrten Damen und Herren, danke. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich GR Ornig zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Markus Ornig, MBA (NEOS): Danke, Herr Vorsitzender! Ich mache es ganz kurz. Ich spreche dann später, ganz am Schluss, eh noch, aber Herr Kollege Taborsky hat hier ein paar Dinge in den Raum geworfen, die ich gerne tatsächlich berichtigen möchte, weil mir einfach sehr wichtig ist, dass diese Diskussion weiterhin sachlich geführt wird. Er hat zum Ersten gesagt, er hat gehört, dass die Einkaufsstraßenförderung abgeschafft werden soll - und er hat Angst davor. Ich darf tatsächlich berichtigen: Die ist bereits vor zwei Jahren abgeschafft worden, und zwar auf Grund einer Intervention der Wirtschaftskammer Wien und des Präsidenten, weil sie nicht mehr zielführend ist. (Beifall bei den NEOS.) Zum Zweiten möchte ich tatsächlich berichtigen, weil Sie hier gesagt haben, der Wohnbauförderungsbeitrag ist nicht zweckgewidmet und dient nur zum Stopfen von Löchern. Ich möchte hier tatsächlich berichtigen, dass der Wohnbauförderungsbeitrag jetzt zweckgewidmet wird (Zwischenruf bei den GRÜNEN: Jetzt!) und auch für soziale Infrastruktur verwendet werden kann. Hier fallen vor allem Bildungseinrichtungen mit hinein. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Und ich denke, es ist vor allem, weil der Herr Prack ... (Neuerlicher Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) - Sie unterbrechen eine tatsächliche Berichtigung? Ernsthaft? Wir diskutieren dann eh noch. Okay. Ja, ich habe es eh gesagt. Wir werden das dann später noch diskutieren, aber offensichtlich haben die GRÜNEN ein Problem damit, wenn man in soziale Infrastruktur investiert. Das müssen wir noch diskutieren. - Danke. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich StR Nepp gemeldet. - Bitte schön. StR Dominik Nepp, MA: Ja, ich möchte tatsächlich berichtigen, nämlich die tatsächliche Berichtigung, ja, denn der Kollege Ornig hat gemeint, dass es jetzt eine Zweckwidmung für die Wohnbauförderung gibt. (GR Markus Ornig, MBA: Für den Wohnbauförderungsbeitrag!) Ich habe den Paragrafen. Wohnbauförderungsbeitrag, ja genau. Aber Sie haben ja am Schluss noch probiert, die Kurve zu kratzen, indem Sie gesagt haben, auch für soziale Einrichtungen, für Schulen, Spitäler. Und dagegen kann man ja nichts haben. Wir haben, im Gegenteil, gar nichts dagegen. Aber es stimmt einfach nicht, dass die Wohnbauförderung für Wohnbau verwendet wird (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Aber es ist zweckgewidmet!), sondern Sie stopfen damit Löcher - da hat der Kollege Taborsky recht - im Bildungsbereich, im Gesundheitsbereich, weil dort auch an allen Ecken und Enden das Geld fehlt. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: So, nun hat sich auch Kollege Taborsky zu einer tatsächlichen Berichtigung gemeldet. Möchte noch jemand? GR Hannes Taborsky (ÖVP): Ja, danke schön. Das wäre das eine gewesen. Der zweite Punkt, sehr geehrter Herr Ornig, war: Die Grundförderung wurde gestrichen, allerdings war die Projektförderung weiter aufrecht. Nach unseren Informationen soll die 2026 gestrichen werden. Ich bin sehr froh, wenn das vielleicht nicht der Fall sein sollte. Da geht es zum Beispiel um die Weihnachtsbeleuchtungen in den Einkaufsstraßen. Ich gehe davon aus, das ist ein großes Anliegen auch der NEOS als angeblicher Wirtschaftspartei. Da werden wir einmal schauen, ob sie sich durchsetzen können. Es wäre toll. - Danke. (GR Mag. Josef Taucher: Das ist die wirkliche Wirtschaftspartei! Genau! Ihr habt das ja alles schon verlernt!) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: So, es hat sich zu einer tatsächlichen Berichtigung der Kollege Prack gemeldet. - Ich darf bitten, den Lärmpegel ein bisschen zurückzufahren. GR Georg Prack, BA (GRÜNE): Ja, wir haben das Gesetz noch nicht beschlossen, das Gesetz wird morgen beschlossen. Der Kollege hat behauptet, dass der Wohnbauförderbeitrag jetzt zweckgebunden verwendet wird. Wohnbauförderbeiträge werden ja zum Zwecke der Wohnbauförderung eingehoben. Ich berichtige tatsächlich: Was die Stadt jetzt dabei ist, zu normieren, ist, dass Wohnbauförderbeiträge nicht nur für Wohnbauförderung, sondern auch für den Ankauf von Grundstücken, für die Errichtung von sozialer Infrastruktur, von Spitälern, ausgegeben werden kann. Das ist die Definition von Zweckentfremdung, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei Grünen, FPÖ und ÖVP.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Es liegt mir keine tatsächliche Berichtigung mehr vor. Daher ist die Frau GRin Dr. In der Maur-Koenne am Wort. - Bitte schön. GRin Dr. Maria In der Maur-Koenne (NEOS): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Frau Stadträtin, sehr geehrter Herr Stadtrat, sehr geehrte Bezirksvorsteher, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, die Zeit des Koste-es-was-es-wolle ist schlicht vorbei. Ist es einfacher, alle Wünsche und Begehrlichkeiten einfach abzunicken und so zu tun, als wäre unendlich viel Geld da? - Wahrscheinlich. Ist es redlich, vor allem der nächsten Generation gegenüber? - Ganz sicher nicht. Und natürlich müssen alle mithelfen, dieses Budget zu sanieren, und daher auch die Bezirke. Was heißt das konkret für die Bezirke? - Wir hatten es jetzt schon mehrfach, die Bezirksbudgets werden schlicht eingefroren, es wird also nicht gekürzt. Die Bezirksmittelverordnung hätte für das Jahr 2026 knapp 289,1 Millionen EUR und somit diese Erhöhung, die wir jetzt schon hatten, um zirka 6,13 Prozent für alle 23 Bezirke vorgesehen. Und tatsächlich sollen die Bezirksbudgets jetzt in der Höhe von 2025, also bei 271,4 Millionen EUR, bleiben. Das Einfrieren dieser Bezirksbudgets führt daher zu einem Beitrag von 17 Millionen EUR zum Stadtbudget. Anders als auf Stadtebene, wo wir tatsächlich sparen müssen, nämlich vom Defizit 2025 von 3,8 Milliarden auf 2,6 Milliarden, wo also tatsächliche Einsparungen von 1,2 Milliarden EUR notwendig sind, wird eben bei den Bezirken nicht gespart, sondern nur eingefroren. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Das stimmt doch nicht, Frau Kollegin! Das sind ... Einsparungen!) - Ja, Sie können so viele Zwischenrufe machen, wie Sie wollen. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Das mache ich eh!) - Ja, ich weiß. Richtig ist: Die Bezirke haben ganz wichtige Aufgaben - die Kulturangelegenheiten, Begrünungen und Instandhaltungen der sozialen Infrastruktur. Und als ehemalige Bezirksrätin im 3. Bezirk weiß ich auch, dass die Bezirke diese Aufgaben mit großer Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit erfüllen. Und Sie können sicher sein, dass die Bezirke diesen wichtigen Aufgaben auch 2026 gut nachgehen können werden, dies nicht nur deshalb, weil sie ihre Bezirksbudgets haben, sondern auch - der BV Reiter hat es schon angesprochen -, weil es eben sehr viel Unterstützung gerade durch die Stadt bei klimaunterstützenden Maßnahmen gibt. In der letzten Legislaturperiode waren das 320 Projekte in allen 23 Bezirken zum Entsiegeln, Begrünen und Kühlen. Der von Ihnen angesprochene 100-Millionen-EUR-Fördertopf "Lebenswerte Klimamusterstadt" hat in allen Bezirken insgesamt 142 Millionen - Sie waren also knapp dran - an Investitionen ausgelöst. Und das waren 243 000 Quadratmeter Grünflächen in Parks und bei sonstigen Grünfeldern, also 34 Fußballfelder, 74 000 Quadratmeter im Straßenraum und auf Plätzen, ganz genau 3 004 Bäume, 2 500 Sitzgelegenheiten und mehr als 1 930 Quadratmeter an neuen Wasserspielen. Und ja, die Stadt wird natürlich auch in den nächsten Jahren weiter mitinvestieren, mitbauen und weiter an der Stadtentwicklung mitteilnehmen. Davon werden - da können Sie ganz sicher sein - auch die Bezirke profitieren. Allein im Rahmen von "Raus aus dem Asphalt" wird es zu einer Umgestaltung der Simmeringer Hauptstraße und - was mir als Bewohnerin des 3. Bezirks, als Landstraßerin, besonders große Freude macht - zu einer etappenweisen Umgestaltung der Landstraßer Hauptstraße kommen. Und auch der Julius-Tandler-Platz im 9. Bezirk wird bald in neuem Glanz erstrahlen. Auch sonst wird es im Bereich Klima und Umwelt einiges geben, wovon auch die Bezirke profitieren. Auch der Biodiversitäts- und Artenschutzkorridor wird sich weiter auswirken. Das ist auch nicht in Ihrem Bezirk, da haben Sie vollkommen recht, das ist beim Nordwestbahnhof, Nordbahnhof, um den Augarten herum. Aber auch beim Verschiebebahnhof Breitenlee wird es dieses Natura-2000-Schutzgebiet geben. Und darüber hinaus haben wir vereinbart, dass in den nächsten fünf Jahren 400 000 Quadratmeter neue und neu gestaltete Park- und Grünflächen, etwa im 11. Bezirk, im 20. Bezirk, im 7. und auch im 3 - im 7. übrigens in der Nähe des Sophienspitals - entstehen werden. (Beifall bei den NEOS.) Auch die Wiener Klimateams werden fortgeführt. Und selbstverständlich profitieren die Bezirke auch vom weiteren Öffiausbau. Sehr geehrte Damen und Herren, konsolidieren heißt nicht, pauschal Leistungen zusammenzustreichen. Konsolidieren heißt, bewusst zu priorisieren, Förderungen treffsicherer zu machen und Strukturen effizienter zu gestalten. Genau das tun wir auf Stadtebene. Und ich weiß, genau das werden auch die einzelnen Bezirke machen. So arbeiten wir als Koalition auf der Stadtebene, und so arbeiten auch die Bezirke: seriös, verlässlich und im Sinne einer Stadt, die auch in Zukunft stark und handlungsfähig sein soll. Und um das zu erreichen, ist es notwendig, dass die heute vorgeschlagene Änderung der Bezirksmittelverordnung beschlossen wird. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Einen kurzen Moment noch! Fürs Protokoll darf ich bekannt geben, dass GRin Haase seit 16 Uhr entschuldigt ist. So, als Nächste zu Wort gemeldet: GRin Schneckenreither. Ich erteile es ihr. GRin Theresa Schneckenreither, MSc (GRÜNE): Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Frauen Stadträtinnen! Ich komme selber aus dem Bezirk, das habe ich, glaube ich, bei meiner ersten Rede schon angemerkt. Ich war in den letzten fünf Jahren Klubobfrau im 5. Bezirk, deswegen ist mir die Bezirkspolitik auch durchaus vertraut. Und ich habe grundsätzlich wirklich größten Respekt vor der Arbeit, die vor allem auch die über tausend Bezirksrätinnen und Bezirksräte großteils ehrenamtlich in diesen Bezirken leisten. Ich finde, die haben sich an dieser Stelle auch einmal den Dank von uns verdient. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS sowie von BV Mag. Mag. Markus Figl.) Und auch die Bezirkspolitik selbst - wir haben es jetzt schon umfangreich gehört - hat wirklich wahnsinnig wichtige Kompetenzen, gerade in dieser Zeit, in der wir leben. Wir haben heute schon über Demokratie geredet, wir haben jetzt auch schon viel über die Klimakrise gehört. Die Bezirke haben da einfach wahnsinnig wichtige Aufgaben zu erledigen, wie beim Klimaschutz, bei den Klimaschutzanpassungsmaßnahmen, um zum Beispiel die Menschen vor den immer heißer werdenden Sommern zu schützen. Da geht es ganz praktisch um Begrünung, es geht um Bäume, es geht um Beschattung, es geht auch um Bankerl, wo sich Menschen hinsetzen können. Es geht aber auch um barrierefreie Wege, es geht um Gehsteige, Radwege, es geht um Spielplätze, es geht um direkte Demokratie, die wir heute auch schon ganz ausführlich besprochen haben. Dort wird ganz viel von dem gelebt, wofür wir da herinnen auch immer wieder kämpfen beziehungsweise worüber auch der ganze Gemeinderat vorher sehr stark diskutiert hat. Gleichzeitig diskutieren wir heute eben darüber, dass diese Mittel, die eh schon sehr beschränkt sind ... Also einmal zum Vergleich: Den Bezirken stehen von einem Gesamtbudget von ungefähr 20 Milliarden EUR pro Jahr ungefähr 280 Millionen EUR zur Verfügung. Wir reden da von unter 2 Prozent, die ihnen zur Verfügung stehen. Davon werden ihnen jetzt noch einmal 17 Millionen weggenommen. Und Markus Reiter, Bezirksvorsteher vom 7. Bezirk, hat vorhin schon einmal ganz eindringlich gesagt, da geht es auch nicht nur um diese 17 Millionen EUR, sondern es geht eben auch ganz stark um diese Förderungen, um die zusätzlichen Förderungen, die vom Zentralbudget den Bezirken direkt zur Verfügung stehen beziehungsweise zugutekommen. Da geht es eben dann noch einmal um 100 Millionen EUR, zum Beispiel für die klimawerte Musterstadt. Wie gesagt: Insgesamt sind die Bezirksmittel ungefähr 280 Millionen. Wenn man dann noch einmal 100 Millionen von den Förderungen wegstreicht, merkt man schon die Größenordnung von diesen Zahlen. Und auch noch eine Anmerkung zum Kollegen Deutsch, der vorhin auch noch einmal den Investitionstopf hervorgehoben hat, den sogenannten Top 5, wie er auch im Gesetz genannt wird: Da möchte ich kurz richtigstellen. Es nervt mich ein bisschen, weil es im Wesentlichen nur eine Herumschieberei von Geld ist. Das hilft den Bezirken im Wesentlichen gar nicht. Die Bezirksmittel bleiben gleich, es werden nur ungefähr 1,5 Millionen EUR von dem einen Topf in den anderen geschoben. Welcher Bezirk davon profitiert, kommt ein bisschen darauf an, in welcher Lage der jeweilige Bezirk ist. Wir haben heute auch schon über die intransparenten Budgetpläne und die Kommunikation dazu von der Stadtregierung gesprochen - ich werde dessen auch nicht müde -, beziehungsweise haben wir es heute schon ein paarmal gehört. Was könnte man sonst tun? - Wie gesagt, ich finde, die Kürzung bei den Bezirken ist wirklich eine Kürzung am falschen Ort. Und gleichzeitig offenbaren eben diese Pläne von der Stadtregierung, dass wieder ganz zentrale Elemente nicht genutzt werden, wie zum Beispiel eben die Leerstandsabgabe, die Zweitwohnsitzabgabe oder die Widmungsabgabe und vieles mehr. Stattdessen kürzt man eben bei den Ärmsten. Wir haben es heute in der Aktuellen Stunde schon öfters gehört. Man bittet die Mittelschicht, noch mehr beizutragen, um das Budgetloch irgendwie zu stopfen - da bin ich auch ganz der Meinung der ÖVP. Und man nützt nicht die Möglichkeit, für das klimaschädliche Verhalten einen fairen Beitrag leisten zu lassen. Und jetzt kürzt man eben auch noch bei den Bezirken. Das kann es meiner Meinung nach einfach nicht sein. Und jetzt auch noch ein Nachsatz zum Kollegen Deutsch. Ich habe es heute in der Früh schon versucht zu erklären. Dieses Framing, die Stadt Wien konsolidiere oder spare nächstes Jahr 2 Milliarden EUR, ist einfach Blödsinn. Es tut mir leid. Sie erfinden da einen fiktiven Mehrbedarf von über vier Milliarden, von 4,6 Milliarden, und sagen dann: Ui, wir sind so super, wir sparen da jetzt zwei Milliarden ein! - und landen dann bei 2,6 Milliarden, dem zweithöchsten Budgetdefizit der Geschichte der Stadt Wien. Ich habe schon gesagt, das höchste wird es wohl heuer geben. Und da ist auch bisschen die Frage an die NEOS. Ihr seid so stolz auf euer Unternehmertum und euer Unternehmerinnentum: Führt ihr eure Unternehmen auch so? Behauptet ihr einfach: Ah, nächstes Jahr könnte ich eigentlich 10 Millionen ausgeben, aber ich gebe dann nur 5 Millionen aus? Dann mach ich nur 5 Millionen Schulden statt 10 Millionen Schulden? Das ist voll super! - Also ich verstehe da einfach die NEOS überhaupt nicht. (GR Markus Ornig, MBA: Ich verstehe Sie auch nicht!) Das ist doch nicht unternehmerisches Denken, wirklich nicht. (Beifall bei den GRÜNEN.) Und einen Punkt von BV Figl möchte ich noch aufgreifen, den ich für sehr zentral erachte: die Kompetenzverteilung und vor allem die Finanzierungsverteilung. Ich glaube, ein zentraler Punkt, wie man auch Geld einsparen könnte, ist eben, diese Kompetenz- und Finanzierungskonstrukte zu entwirren, wie wir es im Wesentlichen auch beim Finanzausgleich bei der Aufgabenverteilung und den Finanzierungszuweisungen zwischen Ländern, Gemeinden und dem Bund fordern. Ein kleines Beispiel dazu, ein, finde ich immer, ganz gutes Schmankerl. Seit der letzten Reform der Bezirksmittelverordnung wurden zum Beispiel die Energiekosten für Schulen, für Kindergärten und so weiter aus den Bezirksbudgets herausgenommen. Die Sanierung bleibt aber weiterhin in den Bezirksbudgets. Wo ist da der Anreiz, dass die Bezirke jetzt zum Beispiel die Kindergärten und Schulen thermisch sanieren, damit die Energiekosten sinken? - Also das wäre zum Beispiel ein guter Ansatz, um CO2, aber vor allem auch Geld zu sparen. Das wäre viel besser für alle Beteiligten, bevor man da die Bezirksmittel, die eh schon viel zu gering sind, kürzen muss. - Vielen Dank. (Beifall bei GRÜNEN, FPÖ und ÖVP.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. - Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Stadler. GR Paul Johann Stadler (FPÖ): Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Frau Vorsitzende, Frau Stadträtin! Wir haben wie immer das Problem mit den Bezirksbudgets. Ich war selbst fünf Jahre lang Bezirksvorsteher, und ich weiß, wovon ich rede. Wir haben ständig mit den Magistraten zu hadern gehabt. Nachdem wir die Perlustrierungsgespräche gehabt haben - Herr Kollege Figl weiß das -, war es meistens so in Simmering, dass wir an die 20 Millionen gebraucht haben, aber wir haben nur 13 Millionen zur Verfügung gehabt, ja. Also ich kann gar nicht sagen, wir haben geprasst, sondern wir mussten schon damals sparen. Und glauben Sie mir, wir Bezirksvorsteher und Ex-Bezirksvorsteher können sparen, weil wir immer zu wenig Geld hatten. Es war nie mehr Geld da. (Beifall bei der FPÖ.) Und wenn Sie jetzt die Bezirksbudgets einfrieren, glauben Sie mir, das ist der falsche Hebel und die falsche Art, zu sparen. Wir müssen mehr auf die Bezirke schauen. Immerhin haben unsere Bezirksvorsteher und unsere Bezirke, die Bezirksvertretungen ja einiges zu leisten. Es ist ja nicht so, dass sie das aus lauter Tollheit heraus machen, sondern, es ist ja eine Verpflichtung von der Stadt Wien, dass die Bezirke diese Aufgabe erledigen und so gut es geht machen. Und da kommt es schon einmal vor, dass man wie gesagt Millionen brauchen würde, die wir nicht haben. Und was machen Sie jetzt? - Die Bezirke kämpfen ums Überleben - und Sie frieren dieses Bezirksbudget ein. Aber dabei bleibt es ja nicht. Das Einfrieren ist einmal eine Geschichte, sie kriegen nicht mehr. Aber die Kosten für die Bezirke bleiben ja nicht gleich, die steigen ja weiter - für die Schulen, für verschiedene Sachen. Also eigentlich wird der Bezirk jetzt zweimal gestraft. Er wird gestraft, indem er nicht mehr kriegt. Auf der anderen Seite werden die Kosten erhöht, und er wird noch einmal gestraft. Das heißt aber im Endeffekt für den Bezirk, dafür, verschiedene Sachen zu tätigen, bleibt immer weniger Geld über. Und überlegen Sie sich das gut! Ich meine, der Bezirk ist der Ansprechpartner der Bevölkerung. Zuerst kommen die Leute zu uns in die Bezirksvorstehung, regen sich auf, weil die Straße nicht passt, weil dort etwas nicht funktioniert, weil hinten und vorne das Ganze nicht okay ist. Ich meine, ich kann nur eines sagen: Ich bin heute um 6 Uhr in der Früh kurz durch Simmering gefahren, weil wir so zeitig schon Finanzausschusssitzung hatten, und mich hat etwas gewundert. Auf der Etrichstraße steht das Unkraut auf dem Mittelstreifen noch immer einen halben Meter hoch. Und jetzt frage ich mich - das steht ja nicht erst seit einer Woche, sondern schon seit einiger Zeit: Wieso wird das nicht umgemäht? - Ich kann es Ihnen sagen, weil zu wenig Geld da ist. Der Gärtner - ich habe mit denen vorige Woche einmal geredet - sagt: Ich kann es nicht machen, weil ich keine Leute habe! Wir müssen sparen, und jetzt lassen wir halt gewissen Straßenzüge solange stehen, bis es nicht mehr geht! Und wenn Sie jetzt einsparen - glauben Sie es mir! -, dann haben wir noch viel ärgere Probleme, überall. Ich weiß, wie es bei den Kindergärten ist. Wir haben zu meiner Zeit mit Kindergärten diskutiert: Können wir den Kindergarten machen oder nicht? Beim Dach regnet es herein. Lassen wir zu, dass die Kinder mit dem Regenschirm im Kindergarten sind? - Nein. Richten wir das lieber! Machen wir das! Aber dafür haben wir die Spielsachen oder in der Gartenanlage von den Kindergärten die ganzen Kletterbänke nicht machen können, weil die natürlich nach gewissen Richtlinien gebaut werden müssen, aber dafür war nicht mehr das Geld da. Und so geht es durch die ganzen Bezirksbudgets durch, und ich kann Ihnen nur eines sagen: Es ist ein Wahnsinn, was sich hier abspielt. Und wenn Sie auf Kosten der Bezirke sparen, sparen Sie am falschen Fleck. Sie sparen wirklich am falschen Fleck. Wir kommen gerade dem nach, was wir in den Bezirken machen können, ja. Wir haben ja nicht einmal Zeit, dass wir mehr machen, dass mehr herauskommt, ja, dass man sagt: Okay, wir nehmen jetzt das oder das in Angriff! Wir können nur sagen: Was streichen wir, damit wir mit unserem Budget nicht drüberkommen? Und was war, wenn es nicht anders gegangen ist? - Dann haben wir das ... bekommen, haben einen Kredit aufnehmen müssen, damit wir das, was ist, vielleicht noch fertigbekommen, und der Bezirk war schon wieder verschuldet, der Bezirk hat wieder für alles rundherum Zinsen zahlen müssen. Und ich kann Ihnen nur eines sagen: Das ist nicht der richtige Weg. Sparen Sie nicht auf Kosten des Bezirks! Der ist der Ansprechpartner für die Bevölkerung. Das ist der falsche Weg. - Danke. (Beifall bei der FPÖ sowie von BV Mag. Mag. Markus Figl.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Reindl. GR Mag. Thomas Reindl (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin, liebe Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, die Arbeit in den Bezirken ist nicht zu unterschätzen, die Arbeit in den Bezirken ist nicht leicht, wenn man in der Bezirksvorstehung oder auch als Bezirksrat tätig ist. Ich war ja selbst zehn Jahre in der Bezirksvertretung Donaustadt. Damals hat die Donaustadt noch ganz anders ausgeschaut, als sie heute ausschaut (Zwischenruf bei der FPÖ: Aha!) - Ja. Es waren ein bisschen weniger Einwohner als heute, würde ich einmal anmerken, und sie war weniger verbaut. Es gab auch keine zwei U-Bahn-Linien und so weiter und so fort. Aber ich verstehe das auch, den Einsatz aller für die Bezirke und dafür, dass es mehr Bezirksmittel gibt und dass wir auch schauen, dass unsere Bezirke eine gute Infrastruktur bekommen, mit der sie gut arbeiten können, und dass auch der Ausgleich zwischen der Stadt und den Bezirken immer gut funktioniert. Ich glaube aber, dass es sich letztlich über die Jahrzehnte hinweg schon bewährt hat, dass man größere Dinge, die für einen Bezirk vielleicht ... - und da spreche ich jetzt Schulsanierungsprogramme oder auch die Kindergartenoffensive oder auch andere Maßnahmen an -, immer gemeinsam als Projekt zwischen der Stadt und den Bezirken oder dem betroffenen Bezirk entwickelt hat und dann gemeinsam auch eine Entwicklung gemacht hat, so wie das halt dann partnerschaftlich über alle Parteigrenzen hinweg auch umgesetzt werden kann. Und diesen Weg werden und wollen wir natürlich auch beibehalten. Ich möchte aber auch sagen, also wir kürzen nicht die Bezirksmittel, sondern sie bleiben stabil für das nächste Jahr. Natürlich ist das nicht erfreulich, und das macht auch keinen Spaß, das sage ich auch ganz ehrlich, ja. Ich hätte gern doppelt so viel draufgegeben, 34 Millionen statt 17 Millionen, aber ich muss halt leider sagen, wir haben sie im Moment nicht. Ich hoffe, dass die wirtschaftliche Entwicklung und die Maßnahmen, die letztlich der große Spieler in Österreich, nämlich die Bundesregierung, setzt, dazu führen, dass auch unser Handlungsspielraum wieder größer wird und wir dann in diesem Spielraum nicht nur unsere eigenen Stadtaufgaben erfüllen können, sondern den Bezirken vielleicht sogar das zurückgeben können, was wir halt jetzt nicht geben konnten. Diese Hoffnung müssen wir haben. Aber es ist sicherlich nicht so, dass wir das aus Jux und Tollerei machen, weil wir den 23 Bezirken und vor allem den vielen roten Bezirksvorstehern eines auswischen wollen - die große Mehrheit sind ja SPÖ-Bezirksräte -, nein, sondern natürlich ist uns bewusst, dass das für die Bezirke nicht leicht zu stemmen ist. Ich bedanke mich jetzt schon bei jedem Bezirk, der nächstes Jahr eine tolle Arbeit leisten wird, auch wenn er die Erhöhung nicht bekommt. - Danke schön. (Beifall bei der SPÖ und von GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara. - Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA schaltet das Mikrofon des Redners aus.) - Ich bin noch nicht fertig. (Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA schaltet das Mikrofon des Redners wieder ein.) Na, so schnell bin ich nicht. Entschuldigung, Frau Vorsitzende! Und weil auch verschiedene Themen angesprochen wurden, habe ich ein bisschen etwas davon mitgenommen. Also zum Kollegen Taborsky: Er hat gemeint Wiens Beitrag zum Defizit 2025 ... Also wir haben jetzt, wenn ich dich recht verstanden habe, 900 Millionen mehr, als wir in der mittelfristigen Budgetplanung haben dürften. Es wird schon stimmen, das bezweifle ich nicht, der Kollege Taborsky ist immer sehr gut vorbereitet, und ich kenne ihn als einen sehr genauen und exakten Menschen. Aber, Kollege Taborsky, ich darf dir sagen, dass die ökosoziale Steuerreform, die Abschaffung der kalten Progression und fünf Jahre Politik gegen Wien durch die schwarz-grüne Bundesregierung schon dazu geführt haben, dass wir bereits 2024 nicht unsere mittelfristige Budgetprognose halten konnten, sondern 1,5 Milliarden EUR weniger Einnahmen vom Bund bekommen haben. (GR Mag. Josef Taucher: Wahnsinn!) Und es ist auch heuer so, dass wir 1,5 Milliarden - in zwei Jahren 3 Milliarden EUR - weniger Einnahmen, als vorher noch prognostiziert, vom Bund bekommen haben. Und das ist das, bei dem ich schon sage, wenn das Problem nur Wien allein hat, dann lasse ich mir den Vorwurf gefallen, dass man sagt, wir haben da schlecht gewirtschaftet, dann lasse ich mir das gefallen. Dann müssen wir uns alle miteinander an der Nase nehmen und sagen, wir haben das Problem verursacht, daher müssen wir das auch lösen. Aber wenn das so wäre, dann frage ich mich, liebe Kolleginnen und Kollegen: Warum sind die Hälfte der österreichischen Gemeinden auf einmal, in den letzten zwei Jahren, Abgangsgemeinden geworden? Warum ist das so? Haben dort alle Bürgermeister - übrigens sind die meisten schwarze - genauso schlecht wie in Wien gewirtschaftet? Warum hat Niederösterreich ein 300-Millionen-Sparpaket beschlossen? (GR Mag. Dietbert Kowarik: ... Wels!) - Ja, es gibt einzelne Städte, die halt etwas anderes gemacht haben, das streite ich nicht ab. Gratuliere! Aber ob es hilft, weiß ich auch nicht. Aber ich will nur mit der Mär aufräumen, dass quasi das in Wien alles hausgemacht ist und wir quasi die Insel der Seligen - Wien ist ja anders - sind und ganz Wien keine Probleme hat. Niederösterreich hat ein 300-Millionen- Sparpaket im Laufenden beschlossen. Wir haben übrigens auch 500 Millionen Einsparungen für heuer und für voriges Jahr schon beschlossen - aber das haben wir ja schon beim Rechnungsabschluss gehört -, und auch für heuer wurde ein 500-Millionen-Sparbudget im Laufenden noch gemacht. Und unsere Stadträtin hat nach einer Zahlendurchschau nach der Angelobung der neuen Regierung gesagt, diese Maßnahmen, die wir jetzt gesetzt haben, nämlich 500 Millionen weniger, sind zu wenig, wir müssen mehr machen. Und das ist das neue Budget. Und ich verstehe schon, dass Sie alle jetzt, genauso wie ich auch, nervös sind und wissen wollen: Na, wie schaut denn das jetzt im Detail aus? Nur: Was passiert? - Seit es die Einigung zwischen SPÖ und NEOS gibt und auch die Eckdaten einmal vorgestellt wurden, werden die Zahlen jetzt in die 150 000 Konten der Stadt Wien eingepflegt. Dann wird das Budget erstellt, dann wird es veröffentlich werden. Dann werden alle miteinander nachschauen können, wie, was, wann die Stadträtinnen und Stadträte hier geplant haben, und dann werden wir auch in der Budgetdebatte noch debattieren. Und zum Argument, Kollege Taborsky - ich schätze dich ja sehr -, zu sagen: Na ja, gut, der Bund hat seine Schulden im Griff. Weißt du, der Bund hat eines - ich meine, er hat sie nicht im Griff, aber das ist ja wurscht -, was wir nicht haben. Er hat zum Beispiel 500 Millionen mehr von den Banken beschlossen. Da hätte ich schon gern einen Anteil für Wien bekommen. Er hat 200 Millionen von den Energieunternehmen beschlossen. Da hätte ich auch gern ein bisschen was für Wien bekommen. Er hat neue Digitalsteuermaßnahmen beschlossen, da weiß man noch nicht, wie hoch das ist. Da hätte ich auch gern ein bisschen für Wien bekommen. Das hätte uns schon geholfen. Es wären wahrscheinlich 80 Millionen, 90 Millionen, 100 Millionen gewesen. Vielleicht hätten wir die Bezirksmittel nicht kürzen müssen. Also jetzt sage ich auch schon kürzen. Vielleicht hätten wir die Bezirksmittel erhöhen können, so, ja. Also es hat der Bund einseitig einnahmenseitig Maßnahmen gemacht - was ich nicht kritisiere, weil der auch sein Budget sanieren muss -, aber die anderen in Österreich hat er nicht bedacht. (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) - Du weiß das ganz genau. Aber der Bund hat in der Finanzpolitik auch an uns gedacht, liebe Kolleginnen und Kollegen. Er hat 18 Maßnahmen beschlossen, die das Einkommensteuergesetz verändern werden. Die größte Maßnahme: Ein Drittel der kalten Progression wird nächstes Jahr ausgesetzt - eine schlechte Nachricht für uns alle. Jede Erhöhung kostet uns mehr Steuer, auch alle anderen Steuerzahler - und, und, und. Ich will das jetzt nicht aufzählen, weil das nicht unsere Aufgabe ist. Ich sage aber, der Bund hat schon auch eine Mischung gemacht, bei der er selbst, nicht zu wenig, würde ich sagen ... Wenn man es zusammenzählt, wird man schon auf 1, 1,5 Milliarden kommen, was ihm in dieser Situation sehr hilft. Und das führt dazu, dass er mehr Einnahmen hat, aber leider nur er und nicht alle anderen, also Länder und Gemeinden in Österreich. Und der Gemeindebund, der Städtebund und auch die Länder fordern ja auch eine Beteiligung an diesen weiteren Dingen. Und ich sage halt schon, man muss schon ein bisschen auch, wenn Strukturreformen verlangt werden ... Also ich sehe es auch so, dass unser jetziges Budget, das für 2026 kommen wird, jetzt nicht das Budget ist, das tief in die Struktur eingreift. Dazu war einfach die Zeit zu kurz, das muss man ehrlich sagen. Man kann nicht erwarten, dass man über den Sommer eine Strukturreform in der ganzen Stadt macht. Aber ich darf Sie schon bitten, wenn Sie in Ihren Anträgen schreiben: eine umfassende Überprüfung der städtischen Ausgabenstruktur, Einsparungen im Verwaltungsbereich, Prioritäten neu zu setzen, Strukturmaßnahmen mit sozialer Ausgewogenheit: Was meinen Sie? - Ich bitte halt schon um konkrete Vorschläge. Was meinen Sie? Meinen Sie, wir sollen es so wie andere Städte machen, die - ich schaue zum Beispiel nach Berlin - halt ihre Bezirke neu aufgestellt haben, die Bezirke fusioniert haben, Bezirksämter fusioniert haben? Meinen Sie das? - Ich glaube nicht, dass Sie es meinen. Ich würde es auch nicht wollen, ja. Aber da können wir Geld sparen, da können wir die Struktur verändern, können wir optimieren, zum Nachteil des einen, zum Vorteil vielleicht des anderen. Ob das gut ist, weiß ich nicht. Das würde sehr in unsere Struktur eingreifen. Vielleicht kann man es auf Verwaltungsebene machen, dass man das eine oder andere Bezirksamt noch mehr zusammenführt, als das eh schon der Fall ist. Also man kann sich verschiedene Dinge überlegen. Aber ich weiß schon, was Sie meinen. Sie meinen halt ... Wir haben von der FPÖ ja heute schon Vorschläge gehört. Nur, wenn wir das alles, was der Kollege Guggenbichler sagt, einsparen, da reden wir über 600 000 EUR. Also da fehlt noch ein bisschen etwas auf die 2,4 Milliarden, sage ich nur. Aber ich bitte auch um konstruktive Vorschläge und auch um realisierbare Vorschläge. Vorschläge zu haben und zu sagen: Also ihr sollt sparen!, oder: Die sollen sparen!, wird nicht funktionieren. Wir müssen alle miteinander sparen. Das ist keine leichte Übung. Und ich vermute, 2027 wird die Übung noch einmal schwieriger werden, als sie jetzt war. Aber ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Ich danke den Bezirken dafür, dass sie ihren Beitrag hier leisten und uns auf diesem Weg unterstützen, indem wir für nächstes Jahr die Bezirksmittel nicht erhöhen können, sondern diese gleich bleiben. Ich hoffe aber weiterhin darauf und bin auch sicher, dass die Stadtregierung bei größeren Projekten oder übergreifenden Projekten weiterhin gesprächsbereit ist. Und wenn es die Budgetlage erlaubt, sind die auch realisierbar. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Juraczka. - Bitte Herr Gemeinderat, Sie haben das Wort. GR Mag. Manfred Juraczka (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich dachte ja bislang immer, dass der Wahlkampf die, wie es so schön heißt, Zeit der fokussierten Unintelligenz sei. Ich muss bei ausgiebigem Genuss dieser Debatte zur Kenntnis nehmen, dass auch die Erstellung von Budgets in Krisenzeiten durchaus dazu angetan ist, die eine oder andere Stilblüte ans Tageslicht zu befördern. Erlauben Sie, dass ich ohne Anspruch auf Vollständigkeit nur zwei, drei davon herausgreife! Der Kollege Guggenbichler ist jetzt leider nicht im Saal, aber ich glaube, wir stimmen fraktionsübergreifend überein, dass, wäre es möglich, das Wiener Budget dadurch zu sanieren, dass wir 50 Kunststoffeierbecher nicht nach Burkina Faso schicken, wir dazu bereit wären, darüber nachzudenken. So einfach ist es leider nicht. (Beifall bei der ÖVP.) Der Kollege Ornig als einer der Regierungspartner ist ja durchaus ein leidenschaftlicher Diskussionsteilnehmer, so wie ich auch. Ich schätze das, aber ich muss schon ein bisschen darüber schmunzeln, mit welcher Verve er gerade in Krisenzeiten, in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten, die Erhöhung von Lohnnebenkosten - denn nichts anders ist der Wohnbauförderbeitrag - hier verteidigt und gutheißt. Ganz ehrlich: Wir haben alle unsere Zwänge, aber jetzt Lohnnebenkosten zu erhöhen, ist natürlich schon ein riskantes Spiel. (Beifall bei der ÖVP sowie von GR Johann Arsenovic.) Besonders beeindruckt haben mich aber die zwei Debattenbeiträge der Sozialdemokratie, von dir, lieber Christian Deutsch, und jetzt von meinem direkten Vorredner, Kollegen Reindl. Ich erwarte nicht - ich kenne die Sozialdemokratie natürlich jetzt auch schon lang genug -, dass man sich hier herstellt und sagt: Mea culpa, mea maxima culpa! Aber wenn der Kollege Reindl uns hier jetzt gerade erzählt, dass der Ertragsanteil im Jahr 2024 um rund 1 Milliarde geringer wäre als prognostiziert, dann sind das - ja, in den USA würde man wahrscheinlich Fake News dazu sagen, aber wir sind in Wien - einfach Gschichtln. Denn wahr ist vielmehr, dass die Ertragsanteile im Jahr 2024 mit 8 095 000 000 budgetiert waren, und gekommen sind 7 976 000 000. Also es geht um ein bisschen mehr als 100 Millionen. Das ist noch immer viel Geld, aber das ist ganz weit von dem entfernt, was du uns hier berichtet hast. Und noch einmal: Ich erwarte nicht, dass man sich jetzt das Büßerhemd anzieht. Aber nur zu sagen, der Bund ist schuld, und zu verschweigen, dass man jahrzehntelang im Partybus Vollgas gefahren ist und die Kurven jetzt fast nicht mehr kriegt, ist unlauter, und das habt ihr nicht notwendig, liebe Freunde. (Beifall bei der ÖVP.) Wir sollten uns auch bewusst sein, dass die Bezirksmittel - wenn man sich die gesamten Budgetzahlen ansieht - nur einen sehr kleinen Teil ausmachen, aber einen sehr wichtigen Teil. Und da haben durchaus berufenere Vertreter, in Summe zwei amtierende Vorsteher und mit dem Pauli Stadler ein ehemaliger Vorsteher, schon ihr Leid aus der Bezirksarbeit erzählt. Und viele von uns haben ja, bevor sie hier in den Gemeinderat kommen, auch schon eine politische Karriere in Bezirksvertretungen erlebt und waren vielleicht dort auch im Finanzausschuss und kennen die Nöte und Sorgen der Bezirke. Ich sage auch ganz offen, dass ich durchaus Verständnis habe, und ich bin ja immer einer, der hier vom Rednerpult aus fordert, dass wir alle sparen und nicht neu belasten. Ja, da muss jeder einen Beitrag leisten. Aber der Grund warum ich diese Situation bei den Bezirken doch so kritisch sehe, liegt auf der Hand und wurde auch schon mehrfach genannt. Einerseits der Zeitpunkt. Nach der Perlustrierung, nachdem eigentlich alles schon auf die Reise geschickt wurde und alles schon in trockenen Tüchern war, musste man hier Bezirksbudgets noch einmal aufmachen. Und man nimmt sich, wenn man die engen Korsette der Bezirksbudgets kennt, wirklich jeden politischen Spielraum. Und darüber, ob sich das für eine Einsparung von - ich will jetzt nicht sagen: gerade einmal; das klingt so lapidar - 17 Millionen dafürsteht, sollten wir nicht nur diskutieren, sondern das tun wir hier auch hinlänglich. Aber diese Diskussion will ich auch noch für was anderes nutzen, nämlich für was viel Grundsätzlicheres. Kollege Figl hat es auch angesprochen, ganz kurz nur, aber es war sehr, sehr wichtig. Ich für meinen Teil bekenne mich zu 100 Prozent zu zwei wichtigen politischen Faktoren, nämlich zum Föderalismus und zur Subsidiarität. Und wenn wir von Dezentralisierung reden, es gab in dieser Stadt drei Schritte. Den ersten gab es damals, 1979, den meisten von uns ist er wahrscheinlich nur historisch bekannt. Und dann gab es zwei größere Novellen, 1988 und - unter ÖVP- Regierungsbeteiligung - 1998. Und da sind - auch das hat Markus Figl schon gesagt - die finanziellen Ausstattungen der Bezirke halt nicht ganz mitgewachsen. Und da bin ich jetzt bei einem grundsätzlichen Thema, das mich auch durchaus von den NEOS unterscheidet. Ihr habt - das ist jetzt überhaupt kein unanständiger Zugang und keine abschätzige Feststellung - eher einen zentralistischen Zugang. Bundespolitiker von euch wollten oft schon Bundesländer abschaffen, ihr wolltet immer wieder Bezirke abschaffen oder zusammenlegen. Ihr habt immer wieder nicht die Vorsteher, aber die Bezirksvorsteher-Stellvertreter, die Anzahl der Bezirksräte und vieles mehr in Frage gestellt. Das kann man tun. Mein Zugang ist ein ganz anderer. Ich halte Subsidiarität, Föderalismus für richtig, für gut, für wichtig. Aber dann muss man ihm auch die Möglichkeiten geben, sich zu entfalten. Das heißt, wir müssen dann dringend darüber nachdenken, wozu die 23 Bezirksvorsteher, die 46 Bezirksvorsteher-Stellvertreter und die etwas über 1 000 Bezirksräte befähigt sind, was sie tun dürfen. Und ich glaube, da gibt es einiges, was diese Leute vielleicht besser und näher an den Bürgern gestalten können als wir hier im Gemeinderat und im Landtag. Aber dazu brauchen wir auch den Mut. Es hat der Kollege Schellhorn, der Franz Schellhorn wohlgemerkt - der Sepp Schellhorn ist derzeit eher seltener in den Medien -, vor wenigen Tagen in einem sehr guten, wie ich meine, Kommentar festgestellt, dass Föderalismus durchaus günstig sein kann. Und das, glaube ich, sollten wir uns auf die Fahnen schreiben. Und ich kann mich gut erinnern - das ist jetzt eigentlich auch schon eine historische Replik -, nach den Wahlen 2020 gab es diese Sondierungsgespräche. Ich war damals Teil unseres Teams, gemeinsam mit der Ingrid Korosec und dem Markus Figl. Wir waren damals mit Gernot Blümel bei der Sozialdemokratie, wussten natürlich, wir werden nicht zusammenkommen, aber wir hatten hochinteressante Gespräche. Und darum appelliere ich heute an die Sozialdemokratie. Wir haben damals sehr gut darüber gesprochen, was man denn bei der Dezentralisierung in dieser Stadt weiterbringen könnte, wo die Bezirke wirklich effektiv sind und wo sie näher an den Menschen dran sind. Leider muss ich sagen, heute, über fünf Jahre später, ist noch immer nichts passiert. Das ist aber für mich ein Herzensthema, wie ich einige habe. Und ich muss ja gestehen, ein anderes Herzensthema für mich hat der Kollege Ackerl heute in seiner Rede bei der Aktuellen Stunde schon gut thematisiert, nämlich den Bau der U5. Als Hernalser ist mir das ein wichtiges Thema. Und da hat es geheißen, ja, bis zum Frankhplatz wird sie gebaut. Er sagt heute in seiner Wortmeldung, sie wird fertig gebaut. Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden. Wer mir ... (GR Mag. Josef Taucher: Bauphase eins!) - Okay, okay. Wir reden doch nur über den Bau bis zum Frankhplatz. Sehen Sie? Da sind wir aber beim Thema. Jetzt Investitionen zurückzufahren, ist vielleicht nicht ganz das Ideale. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Wenn wir kein Geld haben!) - Ja, wenn wir kein Geld haben. Wann trauen wir uns endlich, in die Substanz zu gehen, in die Effektivität? Ich glaube, ich habe es hier am Rednerpult schon mehrfach gesagt: Ich habe einmal betreffend den Betriebskostenzuschuss zu den Wiener Linien mit jemandem gesprochen, der diese Stadt, glaube ich, ganz gut kennt, und habe gefragt - damals waren es rund 700 Millionen Betriebskostenzuschuss per anno: Können wir dieses Unternehmen nicht effektiver führen? Und die Antwort war: Ja! Viel Spaß mit der Gewerkschaft! (Heiterkeit bei der ÖVP.) - Aber den Mut brauchen wir. Ja, der Kollege Meidlinger schaut mich jetzt böse an. Aber es ist wahr, so war das Feedback damals. Und ich glaube, wir müssen uns wirklich Freiräume schaffen. Ob die Bezirke diejenigen sind, die mit ihren Minibudgets unter den ersten Leidtragenden sein müssen, bleibt wirklich dahingestellt. Ich glaube, wir brauchen andere Wege - mutig, innovativ und vorwärtsgewandt. - Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Lugner. Ich erteile es. - Bitte. GR Leo Lugner (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Berichterstatterin, sehr geehrte Damen und Herren! Wenn man nicht mehr weiter weiß, dann gründet man einen Arbeitskreis. Das ist das, was ich mir heute gedacht habe, als ich gesehen habe, dass die ÖVP einen Antrag zum Jedmayer einbringt, über den sie jetzt gar nicht hier sprechen möchte. Vielleicht ist es so, dass die Kollegen von der ÖVP sich mittlerweile für ihren Antrag genieren. Warum? - Wir werden ihm zwar zustimmen, aber er geht nicht weit genug. Ihr dürftet in der Fragestunde draufgekommen sein (Zwischenruf von GR Mag. Manfred Juraczka.), dass der Antrag nicht weit genug geht. Die ganzen Maßnahmen, die ihr da ansprecht, sind richtig. Die werden teilweise vom Bürgermeister ohnedies umgesetzt, wie er uns bereits heute in der Fragestunde erklärt hat. Aber das Problem ist, dass man die Probleme dort nicht in den Griff bekommt. Und aus diesem Grund bringen wir Freiheitliche einen Antrag ein, der die Absiedelung des Jedmayers aus dem 6. Bezirk, von dem neuralgischen Punkt bei der U-Bahn-Station Gumpendorfer Straße, direkt am Gürtel, fordert. (GR Mag. Josef Taucher: Wohin?) Und zwar soll das in ein Gewerbe- beziehungsweise Industriegebiet verlegt werden, dezentral, vielleicht am besten auf mehrere Standorte. Ich möchte noch ganz kurz erklären, warum. Es ist so ... (GR Mag. Josef Taucher: ... Absiedelung!) - Die Unkenrufe habe ich schon vorher gehört. Ich finde es eher tragisch, dass du als Klubobmann hier offensichtlich gegen die Steuerzahler und gegen die, die Arbeitsplätze schaffen, so wie wir als Unternehmer, agitierst. Da solltest du dich ein bisschen an der Nase nehmen und dankbar sein, dass überhaupt in dieser Stadt noch irgendjemand Leute anstellt und dass es Arbeitsplätze in der Stadt gibt. (Beifall bei der FPÖ.) Also spar dir deine Unkenrufe! Hör genau zu, wenn ich zum Jedmayer spreche! Das gehört in ein Industriegebiet, in ein Gewerbegebiet abgesiedelt. Es ist so, dass der Standort dort für die Anrainer gefährlich ist. Wir kennen die Geschichten: Spritzen am Kinderspielplatz, in der Sandkiste, ein Mädchen hat sich verletzt. Wir kennen die Spritzen in den Hauseinfahrten, in den Garagen. Und es gab auch etliche Verkehrsunfälle am Gürtel. Das sind alles große Probleme rund um das Jedmayer, denen man mit einer Absiedelung hervorragend begegnen könnte. (Beifall bei der FPÖ.) Des Weiteren: Unser freiheitlicher Bürgermeister in Wels, der Herr Rabl, hat in seinen Drogenbetreuungszentren eine sehr gute Maßnahme umgesetzt und sogenannte Non-Compliance-Bereiche geschaffen. Diese Suchtkranken, die das Drogenzentrum nutzen, sind auch darauf angewiesen, dass sie irgendwo soziale Kontakte pflegen können, dass sie vielleicht auch das eine oder andere Bier trinken können. Das ist alles im Jedmayer nicht möglich. Es gibt nicht einmal den Platz dafür, weil es viel zu klein ist. Und wenn man diese sozialen Bereiche schaffen könnte, derartige Non-Compliance-Räume schaffen könnte, könnte man den Prozess der Verdrängung von Süchtigen in den öffentlichen Raum, in die Gassen, in die Parks, verhindern. Aus dem Grund beantragen wir auch in diesen Suchthilfeeinrichtungen dementsprechende Non-Compliance-Räume, ja. Wir verlangen in formeller Hinsicht die sofortige Abstimmung. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster und vorläufig letzter Redner hat sich GR Ornig gemeldet. - Bitte, Herr Gemeinderat. GR Markus Ornig, MBA (NEOS): Bei mir läuft noch die Zeit vom Herrn Lugner. Ah, jetzt. - Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Liebe Berichterstatterin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Herren Bezirksvorsteher! Ja, Sie sind noch beide da. Ich habe mich bewusst im Laufe der Debatte ausgemeldet und dann wieder eingemeldet, weil ich mir gerne von beiden und auch vom Herrn Bezirksvorsteher außer Dienst gerne anhören wollte, was die Bedenken sind, was die Sorgen sind bei dem, worüber wir hier in Wirklichkeit heute diskutieren, weil dieses Haus hier tatsächlich etwas beschließt, das direkt eine sehr, sehr starke Auswirkung auf alle Wiener Bezirke haben wird. Das war mir wichtig, und ich möchte auch darauf eingehen. Ich muss aber das große, ganze Bild zeichnen, weil wir am Ende des Tages - und die Diskussion heute hat es großteils gezeigt - alle im selben Boot sitzen. Es bringt meiner Meinung nach - und ich habe das an dieser Stelle schon so oft gesagt -nichts, zu sagen, der Bund ist schuld, die EU ist schuld, die Bezirke sind schuld, die diversen Gemeinden sind schuld. Es sind wahrscheinlich alle ein bisschen an der Situation schuld und wahrscheinlich alle gar nicht schuld, glaube ich. Fakt ist aber: Wir haben die Situation, wir haben einen ganz klaren Stabilitätspakt auf Bundesebene von unserer Bundesregierung, und zu diesem Stabilitätspakt hat sich auch die Stadt Wien bekannt. Und was jetzt hier an Budgetkonsolidierung passiert, ist nichts anderes als der Versuch - und ich sage es bewusst: Versuch. Denn wenn ich mit meinen KollegInnen auf Bundesebene diskutiere, die sind natürlich - wie soll man sagen? - nicht so weit drinnen in der Wiener Stadtpolitik, wie wir es sind. Die haben da noch ganz andere Ansprüche und haben ein Zahlenwerk, das ja auch der Herr Finanzminister im Übrigen vorgegeben hat, und haben Wünsche an die Gemeinden und an die Länder gestellt, bei denen wir - man merkt es ja eh querbeet an den diversen Feedbacks - schlicht und ergreifend sagen, das geht sich nicht aus. Was wir aber alle machen, ist, an einem Strang zu ziehen. Und ich bitte - und jetzt bin ich kurz wieder bei den Bezirken: Ich habe volles Verständnis für jeden einzelnen Wiener Bezirk, der sich vielleicht wieder ein Projekt vorgenommen hat, der sich schon überlegt hat, bevor es jetzt hier zu dieser Ankündigung kommt, was er machen kann, was er machen will und ob er so weitertun will wie in den letzten Jahren, und bei dem das jetzt vielleicht nicht in dem Ausmaß geht, so wie es auch für uns als Stadt Wien nicht in dem Ausmaß geht, so wie es auch für diverse Bundesländer nicht in dem Ausmaß geht und so wie es auch für die Bundesregierung nicht in dem Ausmaß geht, weil wir alle im selben Boot sitzen und dieses Boot in Richtung Sparkurs steuert. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Und mir ist auch wichtig zu sagen ... Und es ist ja die Sehnsucht nach dieser Budgetdiskussion unendlich. Ich glaube, jedes Mal, wenn hier irgendwie irgendwas zum Thema Geld besprochen wird, besprechen wir eigentlich schon die Budgetdiskussion vor. Das verstehe ich auch. Ich empfinde es als eine wahnsinnig spannende Diskussion, bei der auch sehr viel gegenübergestellt wird, was es an Ideen gibt. Wir haben viel gehört. Da gibt es einen breiten Pott an gewünschten Steuererhöhungen auf Seite der GRÜNEN. Die ÖVP hat Sorge - und die verstehe ich auch -, dass wir vielleicht bei den Einsparungen nicht so stark sind wie bei den Mehreinnahmen, wobei wir uns zu dieser Zwei-Drittel-ein-Drittel-Lösung jetzt schon so oft bekannt haben. Es steht im Programm, die Stadträtin hat es schon zweimal gesagt, ich habe es, glaube ich, auch schon zweimal gesagt. Und es ist auch so. Aber die Frage ist ... Und jetzt bin ich bei der Frau Kollegin Schneckenreither. Ich hoffe, sie schenkt mir kurz ihre Aufmerksamkeit, weil sie sich da durchaus, finde ich, ein bisschen in einer Art und Weise geäußert hat: Hi, hi, hi! Ihr habt ja doch alle keine Ahnung! - Da habe ich mir schon gedacht: Aha! Ja, okay, das kann man machen. Also vielleicht reden Sie mit Ihrem Bezirksvorsteher, wie man budgetiert. Und es gibt Mehrbedarf, es gibt Bedarf. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) So, und natürlich geht man in eine Budgetverhandlung, und in Wien haben wir sieben verschiedene Ressorts. Die haben Bedarf, und dieser Bedarf wird eingemeldet. Da gibt es gewisse Phasen. Ich weiß nicht: Vom Kollegen Ellensohn weiß ich es fix, bei den anderen bin ich mir nicht mehr ganz sicher. Ihr wart ja auch schon in Budgetprozessen drinnen. Da gibt es gewisse Phasen, in denen jedes Ressort Bedarf anmeldet, und dann schaut man sich an, ist das umsetzbar oder nicht? Ist das wirklich der Bedarf? Wie hoch ist er, und was braucht man? Und die Schulden, die die Stadt hat ... (GR Georg Prack, BA: Wenn wir das gemacht hätten!) - Herr Prack bitte melden Sie sich ein, Sie haben dauernd die ... offen, wirklich. - Bitte. Danke. (Beifall bei den NEOS. - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Danke!) So, und in dem Prozess ... (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) - Unmöglich? Ja, ich bin unmöglich, okay. Also man meldet Bedarf ein, und auf Grund dieses Bedarfs geht man in der Regel in eine Budgetplanung. In vielen Jahren, in denen der Spardruck nicht so hoch war - da bin ich jetzt einmal so, dass ich sage, vielleicht war es auch auf Bundesebene unter Schwarz-Grün so; ich will nicht urteilen -, hat man auch Bedarfe eingemeldet, und die hat man dann schlicht und ergreifend erfüllt. So, jetzt haben wir hier, finde ich, historisch erstmals die Situation, dass es nicht so einfach war, zu sagen: Okay, wenn man was für die Krankenhausinfrastruktur braucht, wenn man was für den Schulbau braucht, wenn man was für andere Projekte braucht, wenn man was für Infrastrukturprojekte braucht, wenn man was für die Stadtgärten braucht und so weiter ... Jetzt hat man gesagt: Okay, der Bedarf ist da, nur ist das Geld nicht da. Also lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken, wie wir mit diesem Bedarf umgehen, wie wir hier Projekte - und ich spreche jetzt auch durchaus von Investitionen in Stadtentwicklungsgebiete - weiterhin tätigen, wie man dort mit der Infrastruktur umgeht und so weiter! Das heißt, man hat die Möglichkeit, Projekte zu schieben, man hat die Möglichkeit, Projekte einzusparen. Und ich möchte ... Es ist heute auch mehrfach gesagt worden, dass wir noch nichts von den Förderungen mitgekriegt haben. Ich glaube, in jeder Finanzausschusssitzung kam bisher die Frage: Na ja, sind das 10 Prozent, sind das 15 Prozent? Warum ist das so? - Also wir merken ja im laufenden Vollzug schon, dass es passiert, dass wir auch im Förderwesen was machen. Und dass wir auf allen Ebenen etwas machen, war ja auch Teil der ersten Präsentation, als wir einmal das grobe Gesamtbild gehabt haben. So, und von diesem Bedarf ausgehend rechnet man herunter, denn wenn man nicht von dem Bedarf ausgehen würde ... (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) - Reden Sie mit Ihrem Bezirksvorsteher! - Wenn man nicht von diesem Bedarf ausgehen würde, wäre das in Wirklichkeit unredlich. Denn wenn man hergeht und quasi sagt, man geht von einem konsolidierten, bereits budgetierten Budget aus, und geht dann noch einmal und noch einmal hinunter, dann ist das natürlich ein tolles Zahlenwerk. Ich verstehe es total. Wenn man immer so wie ihr - im Moment habt ihr (in Richtung GRÜNE) ja den Populismus für euch entdeckt - argumentieren will, dann argumentiert man so, und genau das machen Sie. Und weil Sie gefragt haben, wie das Unternehmer machen: Die machen es genauso. Man hat einen Bedarf, man weiß, man hat die und die Personalkosten, man muss vielleicht in Maschinen investieren und, und, und. (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) Und dementsprechend budgetiert man auch. Also sich hier herzustellen und sich über ganz normale Finanzgebarung lustig zu machen, finde ich tatsächlich sehr mutig, liebe GRÜNE. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) So, zu dem Zwei-Drittel-ein-Drittel, weil mir das tatsächlich extrem wichtig ist! Und die Wohnbauförderungsdiskussion werden wir morgen führen. Was davon zweckgewidmet ist, was da zweckgewidmet wird und wie das aufgestellt ist, ist tatsächlich, glaube ich, eine spannende Diskussion, die wir morgen führen werden. Aber zum Kollegen Juraczka der gesagt hat, ich hätte das verteidigt: Glauben Sie ernsthaft, dass es so ist, dass ich in diesen Budgetverhandlungen hergegangen bin und gesagt habe: Nein, den Wohnbauförderungsbeitrag will ich unbedingt!? Lohnnebenkosten sind unser Ding!? - Natürlich nicht. Aber wenn man in der Situation ist und sagt, man hat zwei Drittel und ein Drittel, dann muss man sich auch über das eine Drittel unterhalten. Und bevor ich hergehe und Leerstandsabgabe und andere Dinge diskutiere, diskutiere ich etwas, worin ich eine Zukunftsinvestition sehe. Und ich sehe die im Wohnbauförderungsbeitrag. Ich glaube, dass wir mit dem sozialen Wohnbau in Zukunft einen wichtigen Beitrag leisten werden, um auch hier Inflationsbekämpfung zu machen, um Mietpreise zu erhalten, weil die Stadt wächst und wächst und wir Wohnraum brauchen. Ich glaube noch mehr daran - und jetzt kommt der springende Punkt -, dass wir dieses Aufmachen in Richtung Bildungsinfrastruktur, in Richtung Schulbau, in Richtung Kindergartenbau und Investitionen in diesem Bereich, die ich sonst vielleicht auch nicht mehr tätigen könnte - genau die Angst, die die Bezirke übrigens auch haben -, in Zukunft noch viel, viel stärker brauchen werden. Und deswegen ist es für mich ein Mittel, das ich mir niemals wünschen würde. Ich hätte mir das niemals in einer Situation wie dieser auch nur vorstellen können, aber aus dem bunten Mix an Ideen, die so am Tisch liegen, und wir kennen die Ideen von dieser Seite hauptsächlich an Mehreinnahmen, ist das für uns das beste Paket. Zu diesem Paket stehe ich auch, das Paket haben wir uns gemeinsam erarbeitet, und ich glaube, das ist eine wichtige Investition in die Zukunft. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Zurück zu den Bezirksbudgets. Ich fand da am Schluss den Ansatz sehr spannend, wir haben ja - ich weiß gar nicht mehr, wer es gesagt hat - Bezirkszusammenlegungen, Infrastruktur. Eh klar, dass wir da unterschiedliche Ansichten haben. Ich kenne diese Ideen, ich stehe auch zu diesen Ideen, das ist aber nie so gedacht gewesen, dass wir in irgendeiner Art und Weise an Leistung verlieren, sondern es geht tatsächlich um Zusammenlegung und Effizienzsteigerung von Ressourcen. Und you named it, ihr habt es eh aufgezählt. Braucht man so viele Bezirksparlamente, brauche ich StellvertreterInnen? Da haben wir schon gewisse Ideen am Tisch gehabt, die bis jetzt nicht mehrheitsfähig waren, wir werden weiterhin dranbleiben. Da hier heute auch vom 1. und gerade vom 7. Bezirk zwei Bezirksvorsteher vorgetragen haben, es gibt auch Möglichkeiten. Ich habe mir den Voranschlagsentwurf - ich hatte nur den vom 7. Bezirk so kurzfristig vorliegen - genau angeschaut. Ich würde niemals irgendjemanden sagen, dass er das so tun muss, aber wenn ich mir beispielsweise das Kommunikationsbudget im 7. Bezirk anschaue, dann ist das schon eines, das durchaus heraussticht. In Neubau ist es offensichtlich so, dass man, und ich zitiere hier einen Artikel der "Wiener Zeitung", ein Kommunikationsbudget von 17,8 EUR pro Kopf braucht, während - ich wohne auf der Lerchenfelder Straße, also genau zwischen 7. und 8. Bezirk, habe sieben Jahre lang im 7. gewohnt, habe das sehr genossen, wohne jetzt im 8. Bezirk, genieße das auch sehr, aber wenn ich auf die andere Straßenseite gehe -, es im 8. Bezirk plötzlich nur mehr 5,4 EUR pro Kopf sind. Und wenn ich in die Donaustadt gehe, sind es 80 Cent pro Kopf. Da frage ich mich schon, niemand im 7. Bezirk tickt jetzt so anders als in allen anderen Bezirken, dass man so viel mit ihm kommunizieren muss, wie dieser Herr Bezirksvorsteher, der hier heute schon gesprochen hat. Ich kann nur sagen, ich bitte darum, ich glaube, der Herr Bezirksvorsteher kann das sehr gut selber einteilen. Ich glaube, es ist ein bisschen weniger geworden, die Rekordzahl vom 24er Jahr, die in dem Artikel steht, da waren es, glaube ich, 561 000 EUR an Steuergeldern im Bezirksbudget, das geht runter, das stimmt. Aber da kann man vielleicht auch noch ein bisschen nachschärfen und im Laufe des Jahres auch vielleicht ein bisschen weniger intensiv oder vielleicht zielgerichteter kommunizieren. Ich glaube, der Bezirk Neubau wird es auch überleben und sich ein wenig an den anderen Bezirken orientieren. Wir sitzen alle im selben Boot, wir alle müssen (Beifall bei den NEOS.) unsere Beiträge leisten. Ich freue mich wahnsinnig auf die Budgetdiskussion, wo wir dann wirklich alle Zahlen am Tisch haben. Warum das heute so ist, wurde bereits gesagt, es liegt übrigens auch daran, dass wir - und da sitze ich auch im selben Boot - auf Bundesebene beim Stabilitätspakt nicht so gut vorankommen, wie wir das gerne würden. Der Termin ist auch verschoben worden, das hat wiederum Auswirkungen auf das Budget der Stadt Wien. Das heißt, es ist noch wahnsinnig viel in der Luft, aber ich freue mich auf die Diskussion, ich freue mich auf viele verschiedenste Ideen aus vielen Bereichen. Ich bin mir aber ganz sicher, wenn ich auch die hohe Energie hier im Haus spüre, dass wir eine Lösung finden werden und weiterhin in dieser großartigen Stadt und in diesem großartigen Land gut existieren können und weiterhin gut miteinander auskommen werden. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort ist Herr Bezirksvorsteher Reiter gemeldet. - Bitte. BV Mag. Markus Reiter: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Frau Berichterstatterin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Es wurde gerade jetzt die Debatte erweitert, nicht um die wichtigen Zukunftsinvestitionen, nicht um das allgemeine Einfrieren oder um Kürzungen der Budgetmittel, sondern es wurde jetzt schon über einzelne Ausgabenbereiche eines Bezirks ein Beitrag gebracht, nämlich vom Kollegen Ornig. Und genau um diese wichtige Aufgaben, die wir machen, an einem Tag, an dem die Wiener Demokratie-Strategie beschlossen wurde, zu erfüllen, erwarte ich mir, dass auch gesagt wird, was wir mit den Mitteln machen, die zum Beispiel im Postansatz der MA 53 sind. Da geht es nicht per se, wie vermutet wird, um Kommunikation ist gleich vielleicht Werbung, sondern da geht es darum, in die Möglichkeiten, die wir als Bezirk als notwendig sehen, zu investieren, zum Beispiel in Beteiligungsarbeit. Bei mir im Bezirk wird mit den Mitteln am Ansatz der MA 53 sehr viel gemacht. Ja, das ist richtig, ich habe das aber auch schon dokumentiert, das ist auch alles transparent nachlesbar. Gerade von der Fraktion der NEOS wird ja immer die Transparenz eingefordert, wir im 7. Bezirk sind die absolut transparente Partei oder der absolut transparente Bezirk, wie wir arbeiten, und man sollte da echt nicht Äpfel mit Birnen verwechseln. Wir machen im 7. Bezirk Beteiligungsarbeit, wir finanzieren mit diesen Projekten wichtige Demokratiearbeit, das steht hinter diesen Mitteln. Und ja, auch die müssen wir, da ist der Spardruck groß, wahrscheinlich in Zukunft weiter kürzen. Aber genau das, was Sie heute beschlossen haben, steht dem entgegen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Das möchte ich Ihnen mitgeben. Ich lade Sie gerne ein, im Dezember zur Bezirksvertretungssitzung zu kommen, da können wir gerne noch einmal in der öffentlichen Sitzung auch den anwesenden Gemeinderätinnen und Gemeinderäten darstellen, wie das Budget eines 7. Bezirkes zustande kommen wird. Im Postansatz der MA 53, dem Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien, stehen Projekte drinnen, mit denen ich die lokale Wirtschaft unterstütze - und das mit einer großen Mehrheit in der Bezirksvertretung. Da stehen Projekte dahinter, mit denen wir Menschenrechtsarbeit machen, da stehen Projekte dahinter, mit denen wir die wichtige Kulturarbeit unserer Kulturschaffenden sichtbar machen. Da steht kein einziges Inserat dahinter, bei dem es darum geht, vielleicht irgendeinen Bezirksvorsteher in den Vordergrund zu stellen. Darauf möchte ich hinweisen und ich ersuche genau das zu sehen, wenn wir Beteiligungsarbeit machen, dass das auch einen Wert hat und natürlich auch finanziert werden muss. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet, die Debatte ist damit geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen daher zur Abstimmung über die Postnummer 7. Ich bitte jene Damen und Herren des Gemeinderates, die dem Antrag der Berichterstatterin zustimmen wollen, die Hand zu heben. - Das ist mit Stimmen der SPÖ und der NEOS mehrstimmig angenommen. Wir kommen nun zu den vorliegenden neun Anträgen, die zu Postnummer 7 eingebracht wurden. Der erste kommt vom Klub der GRÜNEN im Rathaus, betreffend Kein Kürzen am falschen Platz, ausreichend Budget für die Wiener Bezirke. Ich ersuche um ein Zeichen der Zustimmung. - Zustimmung kommt von Seiten der GRÜNEN, der ÖVP und der FPÖ, ist somit mehrheitlich abgelehnt. Der zweite Antrag kommt vom Klub der ÖVP, betreffend Entlastung des Jedmayer-Grätzels. Auch hier bitte um ein Zeichen der Zustimmung. - Das sind die ÖVP, die FPÖ, daher die Minderheit, der Antrag ist abgelehnt. Nächster Antrag der ÖVP, betreffend Nein zur Erhöhung des Wohnbauförderungsbeitrages, auch hier bitte ein Zeichen mit der Hand. - Das sind wiederum die ÖVP und die FPÖ, auch dieser Antrag ist abgelehnt. Nächster Antrag der ÖVP, betreffend ausgabenseitige Konsolidierung. Bitte um ein Zeichen der Zustimmung. - Auch hier ÖVP und FPÖ, der Antrag ist abgelehnt. Nächster Antrag vom Klub der Freiheitlichen, betreffend Schluss mit Auslandsförderungen durch die Stadt Wien. Auch hier bitte ein Zeichen der Zustimmung. - Zustimmung bleibt bei der FPÖ, der Antrag ist mehrheitlich abgelehnt. Nächster Antrag vom Klub der Freiheitlichen, betreffend, Nein zur Erhöhung der Ortstaxe. Bitte ein Zeichen der Zustimmung. - Ausschließlich die Freiheitlichen, der Antrag ist abgelehnt. Nächster Antrag des Klubs der Wiener Freiheitlichen, betreffend Rücknahme der Erhöhung der Netzgebühren durch die Wiener Netze GmbH. Auch hier bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. - Auch hier die FPÖ, der Antrag ist mehrheitlich abgelehnt. Nächster Antrag des Klubs der Wiener Freiheitlichen, betreffend Stopp den ausufernden Preissteigerungen bei der Fernwärme Wien GmbH. Auch hier bitte ein Zeichen der Zustimmung. - Das sind die ÖVP und die FPÖ, der Antrag ist mehrheitlich abgelehnt. Nächster Antrag des Klubs der Wiener Freiheitlichen, betreffend Absiedelung der Drogenberatungseinrichtung Jedmayer. Bitte um ein Zeichen der Zustimmung. - Das bleibt bei der FPÖ, damit ist der Antrag abgelehnt. Es gelangt nunmehr die Postnummer 4 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Förderung an den Verein Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. Ich ersuche den Berichterstatter, Herrn GR Mag. Reindl, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatter GR Mag. Thomas Reindl: Bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort ist niemand gemeldet. Wir kommen daher gleich zur Abstimmung über die Postnummer 4. Ich bitte jene Damen und Herren des Gemeinderates, die dem Antrag des Berichterstatters zustimmen wollen, die Hand zu erheben. - Das ist einstimmig angenommen. Ich bringe den Beschluss- und Resolutionsantrag des Klubs der ÖVP zur Abstimmung, betreffend Reduktion der durchschnittlichen Zahlungsdauer, und bitte hier um ein Zeichen der Zustimmung. - Ist gegen die Stimmen der SPÖ und der NEOS mehrheitlich abgelehnt. Dann kommen wir nunmehr zur Postnummer 1 der Tagesordnung. Sie betrifft den Wiener Aktionsplan gegen Rassismus. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Akcay, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatterin GRin Safak Akcay: Ich ersuche um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Ich eröffne die Debatte. Als Erste ist GRin Hungerländer zu Wort gemeldet. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste auf der Galerie! Jetzt ist der Klubobmann der SPÖ extra für meine Rede im Raum geblieben und ich kann sagen, es zahlt sich aus. Ich beginne diese Rede nämlich durchaus unkonventionell, ich muss nämlich was zugeben. Ich muss zugeben, ich habe mich geirrt. Ich irre mich nicht selten, aber jetzt ist es passiert. Ich irre mich nicht oft, aber jetzt ist mir (allgemeine Heiterkeit) - ha ha - ein Freud'scher passiert. Ich habe diesen Aktionsplan gegen Rassismus begonnen durchzublättern und unter den vielen, vielen Sachen, die mich, gelinde gesagt, gewundert haben, ist eine Sache herausgestochen, nämlich der implizite Verdacht - der sich gleich auf der ersten Seite findet - gegen die Verwaltung und die Stadt als Dienstgeberin institutionell rassistisch zu sein. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich, das habe ich nicht geglaubt. Ich habe mich gewundert, wie man auf diese Idee kommen kann. Ich war bislang tatsächlich der Ansicht, dass die Stadt Wien eine sehr gute Dienstgeberin ist. Was auch immer ich der Stadt von diesem Rednerpult auch vorgeworfen habe, Rassismus wäre das ganz sicherlich nie gewesen. Deswegen habe ich im Ausschuss auch nachgefragt, was das bedeuten soll, welche Evidenz es denn für den Vorwurf von einem institutionellen Rassismus in der Stadtverwaltung gibt. Und die Antwort war einigermaßen beachtlich. Es gibt keine Evidenz, aber es könnte ja trotzdem sein, dass es einen unsichtbaren strukturellen Rassismus innerhalb der Verwaltung gibt. Und das ist natürlich beachtlich, denn wir suchen jetzt einen institutionellen, unsichtbaren strukturellen Rassismus, den es möglicherweise innerhalb der Verwaltung gibt. Ich sage Ihnen ganz ehrlich, auch das habe ich nicht geglaubt. (Beifall bei der ÖVP.) Ich habe es so lange nicht geglaubt bis ich den Aktionsplan weiter durchgeblättert habe. Und dann bin ich an eine Aufzählung der Arten des Rassismus gekommen, die diesem Wiener Aktionsplan zu Grunde liegen. Und ich bringe jetzt diese Aufzählung von strukturellem und institutionellem Rassismus: Antiziganismus, Anti-Schwarzer Rassismus, Anti-Slawischer Rassismus, Anti-Asiatischer Rassismus, Antisemitismus und Anti-Muslimischer Rassismus. Das ist die vollständige Aufzählung der Formen von Rassismus, die Sie mit diesem Aktionsplan adressieren möchten, so steht es wortwörtlich drinnen. Und alle Leute, die von diesen Arten von Rassismus betroffen sind, sind die Opfer, oder wie Sie sie nennen, sind die Betroffenen von Rassismus. Ich habe diese Liste also durchgelesen, Punkt für Punkt, und wissen Sie was, in diesem Moment ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen: Es stimmt, ich habe mich geirrt, da gibt es tatsächlich einen strukturellen Rassismus innerhalb der Stadtverwaltung. Meine Damen und Herren, in den vergangenen Wochen erreichten die Angriffe an Kirchen und an christliche Einrichtungen einen Höhepunkt. Es ist ein Höhepunkt, aber es ist nicht neu. Den Vandalismus gegen Kirchen kennen wir seit Jahren. Wir hören seit Jahren die Berichte geflüchteter Christen, die sagen, sie werden an Stellen der Stadt Wien ungleich behandelt. Wir hören seit Jahren die Angst von Konvertierten, die ihren Namen ändern müssen, aus schierer Angst vor den Leuten aus ihrer eigenen Herkunftscommunity. Und jetzt frage ich Sie: Wo in diesem Aktionsplan gegen Rassismus ist das adressiert? Wo steht neben institutionellem Rassismus und neben Anti- Muslimischem Rassismus und neben Antisemitismus und allen Formen, die ihre Berechtigung haben, Christenfeindlichkeit? - Meine Damen und Herren, Sie zitieren in diesem Aktionsplan rassistische Vorfälle von Meldestellen, aber die Meldestelle christenschutz.at, die genau gleich arbeitet, nämlich über Selbstzeugnisse, jemand meldet sich und sagt, was ihm passiert ist, wird nicht zitiert, die wird nicht aufgenommen. Und wann, meine Damen und Herren, frage ich Sie, wurden christliche Vereine oder Vertreter zu den Planungssitzungen eingeladen? - Es haben ja hier offensichtlich umfangreiche Planungssitzungen mit Vertretern von Antirassismus-Vereinen stattgefunden, aber wer nicht eingeladen wurde, waren Vereine, die sich mit Christenfeindlichkeit auseinandersetzen. Meine Damen und Herren, es ist ein trauriges Zeichen, aber ich muss es leider so in Worte fassen: Sie blenden Christenfeindlichkeit systematisch aus. (Beifall bei der ÖVP.) Aber wissen Sie was, weil wir schon bei Geständnissen sind, ich habe mich nicht nur einmal geirrt, ich habe mich sogar doppelt geirrt. Am 11.10. berichtete die "Heute"-Zeitung von einer nachbarschaftlichen Auseinandersetzung in Wien. Das ist soweit so unspektakulär. Und im Rahmen dieser nachbarschaftlichen Auseinandersetzung fielen die Worte, ich zitiere: "Ich bring dich um, du Scheiß-Österreicher!" - So, und nun frage ich Sie, wo in diesem Aktionsplan gegen Rassismus findet diese Art von Rassismus Platz? Beim strukturellen Rassismus oder beim Antisemitismus oder beim Anti-Slawischen Rassismus? - Ich weiß es nicht, nirgendwo. Und es ist mir wirklich eine ernstgemeinte Frage. Mit diesem Aktionsplan gegen Rassismus gehen Sie auf Formen des Rassismus ein, die sich nur gegen zugewanderte Menschen richten. Das ist hier per Definition festgelegt. Aus diesem Grund zitieren Sie den Integrationsbarometer, aus diesem Grund zitieren Sie Studien, die Diskriminierung auf Grund des Migrationshintergrundes dokumentieren. Der Punkt ist nur, es ist leider ein unvollständiges Bild. Das ist nicht die einzige Form von Rassismus, mit der wir heute konfrontiert sind, meine Damen und Herren. Wir erleben heute einen Rassismus, der sich auch gegen Österreicher wendet. Ob das nun der Scheiß-Österreicher ist oder ob das blonde Kinder sind, die von anderen Kindern auf Grund ihrer blonden Haarfarbe gemobbt werden - und Angehörige dieses Hauses können davon berichten, meine Damen und Herren. Wohin können sich diese Opfer wenden? An welche Beratungsstelle? Wo in diesem Plan stehen diese Opfer? Wo können diese Opfer sich zu Wort melden, wenn Sie einen neuen Aktionsplan schreiben, meine Damen und Herren? - Überhaupt nicht! Und sehen Sie, das ist die theoretische Schwäche Ihres ganzen Aktionsplans. Dieser Aktionsplan basiert auf einer Dichotomie, auf einer Zweipolarität. Einerseits gibt es die Täter und andererseits gibt es die Opfer. Und die Opfer stellen Sie in einer endenden Aufzählung dar, das heißt, Sie beschreiben genau, wer Opfer ist. Das ist die Liste, die ich Ihnen vorher genannt habe. Und wer sind die Täter? - Die Täter sind implizit die Mehrheitsgesellschaft, die österreichisch und christlich ist. Und das stimmt heute nicht mehr, erstens. Zweitens hindert Sie diese theoretische Einteilung daran, neue Formen des Rassismus zu erkennen. Und das, meine Damen und Herren, ist etwas äußerst, äußerst Bedenkliches, denn Sie schaffen mit diesem Aktionsplan tatsächlich etwas Bemerkenswertes. Sie blenden mit diesem Aktionsplan zwei Opfergruppen aus, und ich habe jetzt nur zwei exemplarisch herausgenommen. Sie haben etwas geschafft, was bemerkenswert ist, Sie haben die Quadratur des Kreises geschafft. Sie haben einen Aktionsplan gegen Rassismus geschrieben, der in sich selber institutionell und strukturell rassistisch ist. (Beifall bei der ÖVP.) Wenn wir nun zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehen, ich fasse sie kurz zusammen, für alle, die den Plan nicht kennen: erstens Sensibilisierungsworkshops und zweitens neue Beauftragte schaffen. Oder wenn ich es noch kürzer zusammenfassen sollte, mehr Geld ins Antirassismus-System. Schauen Sie, die Wahrheit ist, Sie haben ein Biotop an geförderten Vereinen und an finanzierten Stellen, und wenn es darum geht, neue Gründe für Antirassismus- Arbeit zu fassen, dann fragen Sie genau dieses bereits geförderte Biotop. Überraschenderweise ist das Ergebnis: Wir brauchen mehr Geld in diesem System! Das ist ein System, das sich selber am Laufen erhält, das schlau aufgebaut ist. Aber, meine Damen und Herren, in Zeiten eines Sparzwangs, kann das nicht aufrechterhalten werden. Wir brauchen nicht zig verschiedene Opferberatungsstellen, die nebeneinander arbeiten, die unterschiedliche Opfergruppen oder manchmal auch dieselben Opfergruppen adressieren. Wir als Volkspartei bekennen uns zur Antirassismus-Arbeit, verstehen Sie mich nicht falsch. Aber es braucht eine Stelle, die kosteneffizient, effektiv und zielgerichtet arbeitet, und nicht fünf verschiedene Stellen, einen völligen Wirrwuchs von geförderten Vereinen über die Stadt, von stadteigenen Einrichtungen, was alles nur extrem viel Geld kostet. (Beifall bei der ÖVP.) Wenn wir uns den anderen Maßnahmen zuwenden, kann ich ein paar Gustostückerl heraussuchen. Die Gesamtschule soll eingeführt werden, in den privaten Wohnungsmarkt soll eingegriffen werden, ein gefördertes Ansparmodell für Gemeindewohnungen für Grundversorgungsbezieher - finde ich durchaus kurios -, und die Krönung aber ist - und das ist erschreckend und demaskierend zugleich - der Vorschlag einer rassismuskritischen Medienpolitik. Sie finden den Absatz auf Seite 6, und ich zitiere das jetzt, denn das glaubt mir ja niemand: Die Stadt Wien soll im Zusammenhang mit der Auftragsvergabe an externe Medien die Aufnahme einer Forderung nach einer diskriminierungsfreien Blattlinie prüfen und bei problematischen Medienberichten etwa durch Stellungnahmen reagieren. - Zitatende. Ja, wer glauben Sie eigentlich, wer Sie sind? Die Gedankenpolizei, die mit dem Inseratenbudget bestimmen kann, was die freien Medien schreiben dürfen? Und wenn ich Sie dann frage, was wäre denn so problematische Berichterstattung? Ist das die Nennung der Herkunftsländer von Straftätern oder wäre das eine zynische Auseinandersetzung mit dem Fall Waltraud und der Praxis der Geschlechtsumwandlungen durch die Stadt Wien? Oder wäre das vielleicht ein Kommentar pro Kopftuchverbot? - Meine Damen und Herren, Sie beschließen heute einen Aktionsplan, in dem Medienkontrolle vorgeschlagen wird. Das lässt nur zwei Schlüsse zu. Erster Schluss, Sie wissen nicht, was in diesem Aktionsplan steht. Zweiter Schluss, Sie haben jegliche Scham verloren. (Beifall bei der ÖVP.) Wir schlagen daher Folgendes vor: Erstens, Sie überarbeiten diesen Aktionsplan, das ist in seiner Gesamtheit kein gutes Dokument. Es hat eine überholte, theoretische Basis. Zweitens, dieser Absatz über Medienkontrolle muss gestrichen werden. Drittens, ich habe gesagt, wir bekennen uns zu Antirassismus-Arbeit, und das inkludiert auch Schulungen, das inkludiert auch Aufklärung, das inkludiert auch Beratung, aber nicht in diesem Wirrwuchs, in diesem teuren Wirrwuchs, wie wir ihn momentan sehen. Hier muss gebündelt werden. Und viertens, wenn sich Ihr Aktionsplan nicht selber des Rassismus schuldig machen möchte, dann schauen Sie, dass hier auch andere definitive Opfergruppen aufgenommen werden. Dem hier, können wir definitiv nicht zustimmen. - Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster ist Herr GR Burian zu Wort gemeldet. - Bitte, Herr Gemeinderat, Sie haben das Wort. GR Mag. Lukas Burian (NEOS): Herr Vorsitzender! Liebe Frau Stadträtin, herzlich willkommen! Ich habe es bei der Ausschusssitzung schon nicht ganz verstanden, was uns die Kollegin Hungerlänger hier erzählen möchte und wie Christenverfolgung in Österreich jetzt konkret etwas mit Rassismus zu tun hat. Ich bin auf alle Fälle froh, liebe Kollegin, dass Sie sich so sehr mit Rassismus beschäftigen, dass Ihnen neue Arten auch noch einfallen. Das finde ich ganz großartig. (Beifall bei den NEOS.) Der Wiener Aktionsplan für Rassismus steht in einer ganz klaren Tradition. Wien ist seit 2009 Mitglied der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus. Es ist eine UNESCO-Initiative, die Städte dabei unterstützt, Strategien gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung zu entwickeln. Der Wiener Gemeinderat verabschiedete damals den ersten Zehn-Punkte-Aktionsplan zur Prävention und Förderung von Chancengleichheit sowie Zivilcourage. Mit diesem Aktionsplan heute erneuern wir Wiens Bekenntnis dazu, auch im Lichte des EU- Aktionsplans 2020 bis 2025 und des Wiener Menschenrechtsrahmens. Ich möchte mich hierbei vor allem bei all jenen Institutionen und natürlich den Menschen, die hier mitgearbeitet haben, bedanken. Das sind tatsächlich 54 Dienststellen der Stadt, über 20 zivilgesellschaftliche Organisationen. ExpertInnen und Betroffene - so sagt man das nämlich, liebe Frau Kollegin - haben an dieser Neuauflage mitgewirkt. Der Plan rückt tatsächlich strukturellen und institutionellen Rassismus in den Fokus, also jene Routinen und Normen - und darauf kommt es wirklich an - und Abläufe, die Diskriminierung begünstigen, ohne dass sie dies beabsichtigt tun oder täten. Er verfolgt dabei einen intersektionalen Ansatz, der Diskriminierung entlang Geschlecht, Herkunft, Behinderung, Alter oder sexueller Identität gemeinsam denkt. Wien bekennt sich damit einmal mehr klar zu einer Stadt, die die Menschenrechte lebt, Vielfalt schützt und allen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entschieden entgegentritt. Wien ist, wie wir alle wissen, eine Stadt der Vielfalt. Fast die Hälfte aller WienerInnen haben eine ausländische Herkunft. Wien wächst durch internationale Zuwanderung. Laut OECD-Prognose wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2060 um rund 24 Prozent schrumpfen. Und umso wichtiger ist es, dass wir diese Stadt weiter offen, attraktiv und inklusiv halten. Ein kleiner Exkurs in mein etwas länger dauerndes Wirtschaftsstudium. Ich habe 2006 eine Diplomarbeit abgegeben, wo es um den demografischen Wandel und die Auswirkungen auf den Kapitalmarkt geht. Wir haben leider Gottes in den letzten 20 Jahren nicht unbedingt gesehen, dass wir uns mit diesem demografischen Wandel in Österreich wahnsinnig viel beschäftigt hätten. Umso wichtiger ist es auch, dass hier der Aktionsplan ganz klar aufzeigt, dass rassistische Diskriminierung nicht nur das gesellschaftliche Klima mindert, sondern eben auch die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit. (Beifall bei den NEOS.) Ich habe jetzt lange überlegt, ob ich das sage oder nicht, liebe Kollegin Hungerländer, man kann natürlich schon einen kausalen Zusammenhang konstruieren, dass Demokratien überleben, wenn mehr Kinder geboren werden. Aber ich hoffe doch tatsächlich nicht, dass Sie den Frauen in Österreich vorschreiben wollen, ob, wann und wie viele Kinder sie bekommen sollen. (Beifall bei den NEOS.) Beim OECD Talent Attractiveness Index liegt Österreich nun auf Platz 29 von 38. Das ist leider nicht besonders ruhmvoll, vor allem eben wegen schwacher Werte bei Inklusion und Diversität. In Wien geben 28 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund an, im öffentlichen Raum diskriminiert worden zu sein. 23 Prozent haben das auch bei einer Behörde gemeldet. Diese Zahlen zeigen also, Antirassismus-Politik ist kein Nice-to-have, sondern sie ist notwendig. Studien belegen, dass Diskriminierung enorme volkswirtschaftliche Kosten verursacht. Es gibt - ist schon ein bisschen länger her - eine Analyse von France Stratégie, dass der Abbau der Diskriminierung am Arbeitsmarkt das Bruttoinlandsprodukt in ungefähr 20 Jahren um knapp 7 Prozent steigern würde. Das heißt, wir alle, die hier leben, profitieren sozial wie ökonomisch, wenn gleiche Chancen Realität werden. (Beifall bei den NEOS und von GR Mag. Josef Taucher.) Aber wer sind wir eigentlich und wer sind Wienerinnen und Wiener? - Selma Arapovic kommt aus Bosnien, Jing Hu ist in China geboren. Bei Markus Ornigs Großeltern sind im Zweiten Weltkrieg beide Familien vertrieben worden, und er ist in der Südsteiermark auf die Welt gekommen. Dolores Bakos Eltern sind im ehemaligen Jugoslawien geboren. (Zwischenruf bei der FPÖ.) - Vielleicht lassen Sie mich ganz kurz aussprechen, und dann schauen wir, wo wir da hinkommen. - Ich selbst bin wie viele Leute, wie ich annehme, hier in Wien geboren. Meine Familie lebt seit über 100 Jahren im 1. Bezirk, und mein Großvater ist noch direkt aus Brünn hierhergezogen. Das heißt, unser Gemeinderat, unsere Verwaltung und unsere Stadt sind alle voll von Biografien, die eines gemeinsam haben, sie erzählen von Aufbruch, von Neubeginn und Zusammenhalt. (Beifall bei den NEOS sowie von GRin Mag. Berivan Aslan.) And if we kick them all out, wenn wir sie alle rausschmeißen würden, liebe Freunde, haben wir ein Wien, das nur noch ein Schatten seiner selbst ist, keine Kaffeehäuser, keine Kunst, keine Kultur, keine Wissenschaft, mit einem Wort, kein Wien. Und dementsprechend sagen wir heute ganz klar, diese Vielfalt ist einerseits kein Zufall und auch keine Bürde, sondern sie ist das Fundament dieser Stadt. Genau deshalb setzen wir mit dem Wien Aktionsplan gegen Rassismus ein starkes Zeichen. (Beifall bei den NEOS sowie von GR Mag. Josef Taucher und GRin Mag. Berivan Aslan.) Im Wien Aktionsplan selbst geht es einerseits um ein Netzwerk gegen Rassismus. Es gibt ein Beobachtungs- und Solidaritätsnetzwerk, das Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft verbindet. Wir schauen weiters, wie wir mit Daten, Wissen und Monitoring umgehen können. Rassismus kann man nämlich vor allem mit Wissen und mit Bildung bekämpfen, das heißt, Wien verbessert sein Monitoring weiter. Wir unterstützen Betroffene, indem wir bestehende Beratungsstellen wie die WASt oder die Kinder- und Jugendanwaltschaft und erweiterte psychosoziale Angebote stärken. Es geht, wie gesagt, um gleiche Chancen am Arbeitsmarkt. Wir brauchen den Aufschwung. Markus Ornig hat es heute gesagt, wir gehen alle in Richtung Sparen. Das heißt, wir müssen alle Chancen, alles Potenzial, das in der Stadt da ist, auch nutzen. Es geht um Gleichbehandlung bei Dienstleistungen, Verwaltung ohne Barrieren, leichte Sprache, Dolmetschangebote und bürgerInnenfreundliche Kommunikation. Es geht auch um Gleichberechtigung am Wohnungsmarkt. Wien soll hier auch im sozialen Wohnbau Vorbild bleiben. Es soll klare Regeln gegen Diskriminierung geben. Eine geplante Ombudsstelle ist ebenfalls angemahnt. Es geht aber auch um Bildung, Respekt und interkulturelles Lernen. In Schulen und Kindergärten wird Rassismuskritik verankert. Es geht aber auch um Elternarbeit. Es geht darum, dass die Eltern erfahren und wissen, wie sie mit Rassismus umgehen, wie sie dem begegnen und wie sie ihre Kinder dort bestärken können, sich besser auszudrücken. Es geht um Kunst und Kultur. Kunst kann Brücken bauen, wie wir wissen, Wien fördert Kultur, die die Vielfalt sichtbar macht und so zum Friedensprojekt wird. Und es geht zu guter Letzt natürlich immer auch um Konfliktmanagement und den Zusammenhalt in dieser Stadt. Denn wo Menschen zusammenleben, entstehen Konflikte. Das ist leider Gottes ganz normal, das macht uns alle zu Menschen. Wien setzt hierbei auf Mediation, Gemeinwesen und vor allem den Dialog und respektvollen Umgang miteinander. (Beifall bei den NEOS sowie von GRin Ing. Astrid Rompolt, MA und GRin Mag. Berivan Aslan.) Man hat manchmal immer noch das Gefühl, dass im Jahr 2025 Rassismus wie ein Randthema behandelt wird. Aber Rassismus ist allgegenwärtig, immer und überall, beginnt mit einem Vorurteil und endet oft mit Ungerechtigkeit, Gewalt oder Angst. Deshalb braucht es nicht nur Gesetze, werte Kolleginnen und Kollegen, sondern es braucht gerade hier besonders Haltung, nicht nur Strukturen, sondern Menschen, die hinschauen, nicht wegschauen, zuhören, entschlossen handeln und nicht einfach nur blind spalten. Wien steht für Respekt, Chancengleichheit, Solidarität und für die Überzeugung, dass Gleichbehandlung kein Ziel ist, sondern die Basis für ein friedvolles Zusammenleben. - Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS, bei GemeinderätInnen der SPÖ sowie von GRin Mag. Berivan Aslan.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste ist Frau Kollegin Aslan zu Wort gemeldet. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Mag. Berivan Aslan (GRÜNE): Sehr geehrte Vorsitzende, liebe Kolleginnen, Männer mitgemeint! Manche schauen schon jetzt ein bisschen komisch drein. Ich denke, jahrzehntelang waren wir Frauen mitgemeint, und es werden wahrscheinlich manche herinnen jetzt dulden, dass zumindest in einer fünfminütigen Rede die Männer mitgemeint sind. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS sowie von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Damit Sie wissen, was es bedeutet, nicht gesehen zu werden. Wir haben es satt, dass wir nicht gesehen werden. Wir haben es satt, dass die Hälfte dieser Bevölkerung einfach von Ihnen wegradiert und geleugnet wird, liebe Kolleginnen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Es gibt Menschen in diesem Gemeinderat, die ab der Geburt mit Rassismus konfrontiert sind. Es gibt aber auch Menschen in diesem Gemeinderat, die das Privileg haben, dass sie Rassismus nie erlebt haben, aber trotzdem aus dieser privilegierten Situation heraus das Recht sehen, Rassismus zu leugnen und Rassismus auch zu relativieren. Und in einer politischen Funktion finde ich es nicht nur verantwortungslos, sondern ich finde es auch ziemlich gefährlich, liebe Kolleginnen, denn Rassismus ist extrem gefährlich. Im Medizinwesen führt er zu Fehlbehandlungen, im Polizeiwesen führt er zu traumatischen Erfahrungen, im Bildungswesen führt er bei migrantischen Kindern zu schlechten Zukunftschancen. Alles in einem, er verletzt einfach die Menschenwürde. Und noch wichtiger: Er tötet. Ich erinnere an Hanau, an Utoya, an Christchurch. All diese grausamen Taten sind nur deswegen passiert, weil eine Gruppe von Menschen gemeint hat, sie sind noch zivilisierter oder sie sind noch was Besseres als die anderen. (Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Und Rassismus kann auch gefährlich sein, Frau Kollegin, wenn wir hier undifferenzierte Vergleiche machen und auch dieses tödliche Phänomen von Tag zu Tag dann relativieren. (Beifall bei GRÜNEN, NEOS und GemeinderätInnen der SPÖ.) Was für eine intellektuelle Trägheit, liebe Kollegin, in einem politischen Amt - und das haben wir auch im Ausschuss gesehen, wirklich, wir waren schockiert -, wie man versucht hat, Rassismus und Rechtsextremismus zu degradieren, zu relativieren und auch zu leugnen. Das geht gar nicht in einer politischen Funktion. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS sowie von GRin Astrid Pany, BEd, MA.) Das Thema ist wirklich wichtig, weil es Menschenleben fordert. Gerade deswegen haben wir auch in der letzten Legislaturperiode immer wieder Anträge dazu eingebracht, die leider immer wieder abgelehnt wurden. Insofern sind wir trotzdem froh, dass ein Teil unserer Forderungen im Aktionsplan drinnen steht. Ich finde, wir müssen da entschlossen vorgehen, denn ob wir es akzeptieren oder nicht, ich habe in meinem Leben noch nie so viel Rassismus und Rechtsextremismus wie in den letzten Jahren erlebt, in all seinen Facetten, also nicht nur in der Aufnahmegesellschaft, sondern auch in der Migrationsgesellschaft. Und diese Entwicklung ist meines Erachtens sehr, sehr gefährlich. Diese Entwicklung muss uns alle dazu leiten, dass wir entschlossen gegen dieses tödliche Phänomen vorgehen, damit nicht noch mehr gesellschaftliche Spaltungen passieren. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS sowie von GRin Astrid Pany, BEd, MA.) Ja, wir finden es toll, dass es diesen Aktionsplan gibt, aber gleichzeitig sind wir auch ein bisschen skeptisch, weil wir uns denken, warum ausgerechnet jetzt. Denn auf der einen Seite stellt man einen Aktionsplan hin, der hoffentlich dann auch mit vielen Ressourcen verknüpft ist, und auf der anderen Seite wird ausgerechnet in diesen Bereichen gekürzt, wo eh schon Anti-Rassismus-Arbeit betrieben wird. Das passt irgendwie nicht zusammen. Insofern hoffen wir, es bleibt nicht bei einem symbolischen Schritt, sondern es wird tatsächlich konkret politisch gut umgesetzt. Denn was nützen schon die schönsten Bekenntnisse, wenn am Ende des Tages Menschen auf Grund ihres Namens am Wohnungsmarkt dann diskriminiert werden? Was nützt es, wenn Menschen am Ende des Tages schlechte Bildungschancen haben, weil sie eine andere Hautfarbe haben? Oder was nützt es, wenn rechtsextreme Hetze ununterbrochen im Netz ungebremst weitergeht? - Insofern werden wir uns das natürlich genau anschauen und hoffen darauf, dass wir hier auch effektiv alle möglichen Schritte setzen können. Ja, es ist eine gefährliche Entwicklung. Eins ist klar, Rassismus und Rechtsextremismus leben davon, dass sie von manchen einfach nicht wahrgenommen werden. Wir haben auch im Ausschuss gesehen, Sie relativieren, ziehen das Ganze ins Lächerliche, machen undifferenzierte Vergleiche, anstatt die zerstörerische Wirkung von Rassismus und Rechtsextremismus anzuerkennen. Und eines dürfen wir nicht vergessen, dürfen vor allem politische Funktionärinnen in diesem Haus nicht vergessen: Die Geschichte dieses Landes wurde von jenen beschmutzt, die diesen Rassismus, diese Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und jegliche Menschenfeindlichkeit einfach salonfähig gemacht haben, liebe Kolleginnen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Und das darf sich nicht wiederholen. Hier gendere ich nicht. Wir dürfen nicht zulassen, dass diese hetzerischen Jongleure die Gesellschaft spalten. Wir werden es nicht zulassen, und wir dürfen es nicht zulassen. - Danke. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS sowie von GRin Astrid Pany, BEd, MA und GRin Mag. Alexandra Rezaei.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster ist Herr GR Blind zu Wort gemeldet. GR Armin Blind (FPÖ): Frau Vorsitzende, Frau Berichterstatterin, werte Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren heute den Wiener Aktionsplan gegen Rassismus, und Sie werden mir wohl nicht nachsagen, dass ich jetzt immer mit den Aktionen der SPÖ einverstanden war. Ich war vom Jahr 2010 bis zum Jahr 2020 Mitglied dieses Hauses, war dann viereinhalb Jahre nicht hier und habe nun, ehrlich gesagt, einen gewissen Paradigmenwechsel erfahren. Mit der SPÖ-Ausschussführung war es zwar nicht immer einfach, aber man hat prinzipiell alle Informationen bekommen, die man haben wollte. Wenn man eine Frage gestellt hat, hat man eine Antwort bekommen. Die war nicht immer zufriedenstellend oder war vielleicht auch nicht immer gänzlich nachvollziehbar, aber man hat zumindest den Eindruck gehabt, man wird als Mandatar in einem Gremium so serviciert, wie es sich gehört. Nunmehr, aus der letzten Ausschusssitzung kann ich berichten, als wir den Aktionsplan gegen Rassismus debattiert haben - im Übrigen ohne Redebeteiligung der Regierungsfraktionen, auch von Seiten der GRÜNEN war, soweit ich mich erinnern kann, keine Wortmeldung da -, dass im Ausschuss nichts ins Lächerliche gezogen oder irgendwas relativiert worden wäre. Ich weise das erstens einmal auf das Schärfste zurück. Das war weder bei der Wortmeldung der Volkspartei, noch bei den Wortmeldungen der Freiheitlichen Partei der Fall, sondern es sind Fragen gestellt worden, und zwar Fragen, die, wenn man strukturiert an eine Thematik herangeht, geradezu auf der Hand liegen. Fragen, die ins Auge springen aber - und deswegen habe ich so eingeleitet wie ich eingeleitet habe - leider in keinsterweise beantwortet wurden. Und damit entzieht man aber uns Mandataren die Beurteilungsgrundlage, ob man einem Antrag beitreten kann, soll oder eben auch nicht. Wenn man einen Aktionsplan gegen den Rassismus debattiert, dann wird man sich wohl als Erstes die Frage stellen, was mit Rassismus gemeint ist. Wir haben dann, wenn man den Bericht aufmerksam durchliest, einen Verweis auf eine Arbeitsdefinition Rassismus, die aber keine eigene ist. Das hat die Stadt Wien nicht selbst gemacht, sondern sie nimmt eine Definition der deutschen Bundesregierung. Jetzt stellt sich einmal die Frage: Warum bringt Wien das nicht selber zusammen? Brauchen wir das nicht oder ist das, was die Deutschen geschrieben haben, so gut? - Dann fragt man die zuständige Vertreterin des Magistrats, warum man denn diese Definition nimmt. Das ist ja jetzt eine, meines Erachtens, zulässige Frage. Dann kommt die Antwort, Rassismus ist in der österreichischen Rechtsordnung nicht definiert, man wollte dem Gesetzgeber nicht vorgreifen. Deswegen nimmt man eine andere Definition und greift dem Gesetzgeber damit genauso vor. - Also, das ist jetzt nicht so stringent, wie man es sich erwarten würde. Dann habe ich gefragt, warum das jetzt die gute Definition ist, war die Antwort, die haben so lange dran gearbeitet. - Ich darf genau hier in diesem Haus erinnern, lange an etwas zu arbeiten, bringt nicht wirklich ein gutes Ergebnis. Ich erinnere da an Krankenhäuser, ich erinnere an Flughäfen, ich erinnere an U-Bahn-Planungen. Nur weil es lange dauert, kommt noch nichts Brauchbares heraus. Jetzt kann man sich einmal diese Definition anschauen. Rassismus passiert also auf einer - jetzt kommt's - historisch gewachsenen Einteilung und Kategorisierung von Menschen - und dann geht es weiter - tatsächlicher oder vermeintlicher Kultur, Abstammung et cetera. Wenn man sich dieses Wort "historisch gewachsen" anschaut, fällt einem auf, wenn man sich in dieser Materie einigermaßen umschaut, umhört und auskennt, geht der Gedanke so Richtung Postcolonial Studies, es geht Richtung Critical Race Theory. Also alles Dinge, die aus dem angloamerikanischen Raum hier nach Europa rüberschwappen, mit allen ihren negativen Implikationen. Wenn jetzt hier "historisch gewachsen" drinnen steht, passt das möglicherweise auf die Vereinigten Staaten. Dort befinden wir uns aber ganz offensichtlich nicht. Daher stellt sich die Frage, warum steht da historisch gewachsen? Was heißt das? Vielleicht kann es dann eine der Nachrednerinnen oder auch vielleicht sogar die Frau Berichterstatterin aufklären, das wäre ja einmal geradezu ein Diskursbeitrag. Aber "historisch gewachsen" heißt natürlich, und das hat die Kollegin Aslan ja auch schon anklingen lassen, die Mehrheitsbevölkerung oder die Noch-Mehrheitsbevölkerung, Sie erwähnen ja nicht, in welchem Zusammenhang die Mehrheitsbevölkerung von Rassismus betroffen sein kann, denn das ist was Strukturelles. (Zwischenruf von GRin Berivan Aslan.) - Es steht aber in dieser Arbeitsdefinition Rassismus nichts von strukturell, sondern da steht nur was von "historisch gewachsen". Und ich kann Ihnen sagen, in Wien gibt es an unzähligen Orten - und die Kollegin Hungerländer hat einen Teil dieser gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit ja bereits aufgezählt - unzählige Bereiche, wo es zu strukturellem Rassismus gegen die - ich sage es jetzt einmal - autochthone Bevölkerung kommt. Das ist eine Tatsache, Frau Kollegin. Das können Sie von der GRÜNEN-Seite auch nicht wegleugnen, das ist eben so. (Beifall bei FPÖ und ÖVP.) Und wenn man dann die Behördenvertreterin darauf anspricht und fragt, was heißt das, bekommt man die Antwort: Ich werde Ihnen das nachreichen! - Gekommen ist konsequenterweise nichts. (Zwischenruf von GRin Mag. Dolores Bakos, BA.) - Ich habe kein Mail bekommen, ich habe keinen Brief bekommen, ich habe heute extra noch in meinem Postfach nachgeschaut. Es ist gar nichts gekommen. (GRin Mag. Dolores Bakos, BA: Es ist an den FPÖ-Klub gegangen!) - Sie können es mir dann gerne erklären, ich weiß auch nicht, wann es gekommen sein soll. Wann war das? - Wissen Sie auch nicht, na gut. Aber historisch gewachsen heißt auf jeden Fall, dass die Mehrheitsbevölkerung nicht damit gemeint ist. Und das ist schlichtweg falsch, wenn Sie hier den Fokus nicht darauf lenken, gerade auf Grund des demografischen beziehungsweise des ethnografischen Wandels, den wir ja hier ganz augenscheinlich erleben. Und wenn Sie sagen, wir diskutieren nicht darüber: Wir diskutieren in diesem Haus fast überhaupt über nichts anderes als über die Auswirkungen dieses ethnografischen Wandels, wenn wir uns die Schulen anschauen, wenn wir uns die Freizeitanlagen anschauen, wenn wir uns die Verhältnisse von Frauen anschauen, haben wir laufend Themenbereiche, die wir auf diese Entwicklung zurückführen müssen. Und die Rassismus-Formen, die Sie in diesem Aktionsplan erwähnen, beziehen sich eben wie immer nur auf Personengruppen, die Sie - und darauf kommen wir dann nachher - in Ihrem Fokus haben, wenn es in einer sogenannten Intersektionalitätspyramide darum geht, wer darf Opfer sein - Sie würden jetzt Betroffener sagen, ich sage aber trotzdem Opfer - und wer hat nicht Opfer zu sein. Sie blenden Menschengruppen aus. Das ist der große Schwachpunkt dieses Berichtes, dieses Aktionsplans, dass Sie einen großen Teil der Wiener Bevölkerung einfach nicht im Fokus haben, weil er in diese Opferkategorie, in diese Betroffenenkategorie nicht hineinzupassen hat. Und das werfe ich Ihnen vor. (Beifall bei der FPÖ und von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Es war auch nicht möglich, auf direkte Frage zu erfahren, wenn es heißt, die Unterstützung bei Anträgen mehrsprachig, was das in einem Rechtsstaat bedeutet - wir haben es in der vorigen Debatte bereits gehabt -, die dem Artikel 18 der Bundesverfassung verpflichtet ist. Es gibt eben außer den anerkannten Minderheitensprachen keine andere Amtssprache als die deutsche Sprache. Das hat nicht verwendet zu werden, beispielsweise in Formularen, die aber in diesem Bericht explizit drinnen sind. Da bekommt man keine Antwort. Das heißt, Sie haben, wie es ja oft üblich ist, sich hier wiederum ein Biotop geschaffen, mit unzähligen Vereinen. Wir kennen das bereits aus der außerschulischen Jugendarbeit, wo Sie ohne eine zentrale stringente Steuerung einen Wildwuchs fördern. Und Sie fördern diesen Wildwuchs ja nicht ohne Grund, weil er eben für Sie die Möglichkeit bietet, Ihre - sage ich einmal - Umfeld-Klientel mit Aufträgen, mit Jobs, mit Tätigkeit blendend zu versorgen. Übrigens auch einer der Gründe, warum wir finanziell in Wien so dastehen wie wir dastehen. (Beifall bei der FPÖ und von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Und wenn man sich selbst ernstnehmen würde, dann müsste man ja auf Grund des Berichtes bereits selber sagen, dass dieses Aktionsprogramm nicht geeignet ist, umgesetzt zu werden. Wenn Sie sich den Status quo der Wiener Maßnahmen beispielsweise anschauen, sprechen Sie hier von einer Fachtagung - und zwar nicht nur mit Experten, sondern auch Interessierten. Wir reden von einer Stadt mit zwei Millionen Menschen, bitte, die - wir haben es gehört - zu einem erheblichen Anteil Menschen mit Migrationsgeschichte aufweist. Und dann kommen zu diesen Tagungen die Interessierten inklusive der Fachleute 200 Personen. Also 200 Personen sind diejenigen, die sich für dieses Thema offensichtlich interessieren. Das sollte Sie vielleicht eher zum Nachdenken bringen, als hier auf die FPÖ hinzuhauen, wenn wir ganz normale Fragen in einem Ausschuss stellen, weil dieser Bericht vollkommen offen und vollkommen indifferent ist. Was mich auch enorm gestört hat - die Kollegin Hungerländer war vor mir bereits an der Reihe, ich kann die Reihe nicht umdrehen -, aber wenn man bei der Stadt hereinfährt stehen an allen Stadteinfahrten so große Schilder mit "Die Stadt gehört dir". Und offensichtlich haben sich auch die Gemeinderäte der Mehrheitsfraktionen bei so einem Schild gedacht, ja, die Stadt gehört mir. Aber die SPÖ und die Stadt Wien - und das ist ein landläufiger Irrtum - ist nicht dasselbe. Sie können nicht einfach hergehen und sagen, wir als SPÖ legen bei der Inseratenvergabe unsere Weltsicht zu Grunde. Die Medienpolitik - was die Kollegin Hungerländer schon erwähnt hat - wird von der Stadt Wien offensichtlich über - und das geben Sie ja ganz offen zu - Inseratenvergabe gesteuert. Bitte, das ist ein demokratiepolitischer Offenbarungseid, den Sie hier auch noch verschriftlicht haben. Und das Allerschlimmste ist, entweder es fällt Ihnen auf Grund Ihrer Hybris nicht mehr auf oder es ist Ihnen vollkommen wurscht, weil Sie sagen, Sie können das einfach machen. Bei den GRÜNEN hat es das nicht gegeben, das sage ich Ihnen ganz ehrlich. Bei den GRÜNEN hat es das nicht gegeben von 2010 bis 2020, als ich da war. Es hat die NEOS gebraucht, um eine mit Steuergeld gesteuerte Inseratenpolitik der Stadt Wien zu machen, dass Inserate nicht nach Reichweite eines Mediums oder nach Zielpublikum eines Mediums vergeben werden, sondern dass Sie vorhaben, auf Grund der Haltung eines Mediums, auf Grund der Berichterstattung eines Mediums Inserate in Medien zu schalten. Das ist ein Skandal, meine Damen und Herren, der in Wirklichkeit der größte Skandal in diesem Bericht ist, weil er Ihre Schamlosigkeit sogar in Worte fasst und Sie offensichtlich nichts dabei finden, diese Aktion auch noch in irgendeiner Weise zu verstecken. (Beifall bei der FPÖ und von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Ich sage Ihnen, die politische Bekämpfung von Rassismus wird nur dann legitim sein, wenn sie eben nicht selektiv oder auf der Basis einer einseitigen politischen Stimmung ist, sondern umfassend vollzogen wird. Das heißt, auch diese rein historische Argumentation, die Sie da - und da schließt sich der Kreis jetzt für mich - immer wieder ins Treffen führen, stimmt ja in einer derartig sich wandelnden Stadt nicht. Gehen Sie einmal in eine Fußballmannschaft, wo vielleicht ein autochthoner Österreicher genau noch ein Spieler ist. Gehen Sie vielleicht in einen Verein, der eher körperbetonte Sportarten betreibt, da sind Sie in der Minderheit. Und dann sind wir bei der Intersektionalität - Frau Kollegin Aslan, Sie könnten ruhig einmal zuhören -, wenn man dann noch Inländer ist, Christ, weiß und vielleicht gar noch eine Frau, dann ist man dort aber in der Intersektionalitätspyramide das Megaopfer - und das blenden Sie aus. Ein solches Vorhaben, ein solches Maßnahmenpaket kann nicht richtig sein. Sie vergessen hier, wie Sie es in vielen anderen Bereichen auch tun, die Mehrheitsbevölkerung komplett, die aber in vielen Lebenssphären, in Lebensbereichen, in Soziotopen einfach nicht die Mehrheitsbevölkerung darstellt - und das in der eigenen Stadt, meine Damen und Herren. Deswegen können der Bericht und das Vorhaben auf freiheitlicher Seite nur abgelehnt werden. Wir ersuchen Sie recht herzlich, dieses Vorhaben zu suspendieren, noch einmal zu überarbeiten und dann ein seriöses Vorhaben vorzulegen. - Danke. (Beifall bei der FPÖ und von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste ist die Frau Abg. Pany zu Wort gemeldet. GRin Astrid Pany, BEd, MA (SPÖ): Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadträtin, werte Gemeinderäte und Gemeinderätinnen, werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich habe gehofft, dass wir uns auf einen Punkt hier einigen können, den habe ich zumindest bei der ÖVP ganz klar gehört, nämlich, dass Rassismus zu verurteilen ist, dass Rassismus und Diskriminierung etwas ist, was in unserer Stadt keinen Platz haben soll. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Dieser Aktionsplan, und es fällt mir wirklich ein bisschen schwer, diese Aufregung nachvollziehen zu können, stellt oder rückt die Lebensrealität mit Rassismuserfahrungen in den Vordergrund, gibt Empfehlungen aus. Da kann ich auch ein bisschen nachvollziehen, dass das vielleicht sogar mit Sorge verbunden ist, denn er gibt keine klaren Aufträge, es sind Empfehlungen an unsere Dienststellen. Und es ist auch nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden, es ist auch nicht mit Förderungen von Vereinen verbunden. Es ist damit verbunden, dass Dienststellen auf ihre eigenen Abteilungen schauen sollen. Und dieser Aktionsplan geht, und das wurde auch schon ganz richtig gesagt, auf den strukturellen und institutionellen Rassismus ein und auf die strukturelle und institutionelle Diskriminierung, Und das ist ein Unterschied zur individuellen Ebene. Es geht in diesem Plan nicht um die individuelle Ebene. Es geht darum, darauf zu achten, dass in dieser Stadt - und das ist ganz etwas Wesentliches - alle Menschen die gleichen Chancen haben, ungeachtet, woher sie kommen, ungeachtet ihres Geschlechts, ungeachtet ihrer Religion und ungeachtet ihrer geschlechtlichen Identität. Sie sollen dieselben Chancen haben, und auf das soll institutionell hingeschaut werden. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Jetzt muss ich halt einfach dazusagen, dass ich als Frau tatsächlich auch schon Sexismus erlebt habe, aber noch nie in meiner Karriere behindert wurde, weil ich weiß und eventuell christlich bin. Es geht um institutionellen Rassismus, der mich auch behindert in meinem Fortkommen, in meinem schulischen Fortkommen, in meiner Ausbildung, in meinem beruflichen Fortkommen. Das soll verhindert werden, und das ist etwas sehr Wesentliches. Und was dieser Aktionsplan weiters mitnimmt, ist dieser intersektionale Ansatz, dass manche Menschen mehrfach von Rassismus, rassistischen Anfeindungen oder Diskriminierungsanfeindungen betroffen sind. Es ist halt ein Unterschied, wenn ich eine schwarze Frau bin und mich für eine Führungsposition bewerbe, werde ich vermutlich oder vielleicht im bösesten Fall - muss ich sagen - damit konfrontiert sein, dass auf einer Seite der Rassismus da ist, weil ich schwarz bin, und auf der anderen Seite mir womöglich nichts zugetraut wird als Führungsperson, weil ich eine Frau bin. Oder wenn ich ein arabischer queerer Mann bin, werde ich vermutlich auch mit mehreren Vorurteilen konfrontiert sein, mit Sexismus, mit Rassismus, mit Homophobie und kultureller Zuschreibung. Der vorliegende Aktionsplan, und auch darüber wurde schon gesprochen, rückt auch Unconscious Bias in den Vordergrund, nämlich diese unbewussten Vorurteile - für alle, die Anglizismen nicht mögen -, diese Zuschreibungen und Stereotypen, die wir einfach oft nicht bemerken. Und jeder, der nur eine Spur ehrlich zu sich selber ist, weiß, dass auch er oder sie Vorurteile hat, die oftmals einfach auf nichts begründen, zumindest nicht auf Evidenzen, sondern auf Stereotypen und Dingen, die wir uns halt einbilden. Und ich nehme mich da null aus. Ich ertappe mich so oft dabei, dass ich irgendwie so unsympathische Vorurteile habe. Mir ist es gerade erst vorgestern passiert. Ich gehe nach der Arbeit nach Hause und finde auf der Straße eine kleine verletzte Katze. Es war kalt, ich war überfordert, ich habe viel getragen, es hat mir kein Mensch geholfen. Ich wollte dieser Katze helfen, wollte sie da nicht zurücklassen - und die (in Richtung GRin Mag. Nina Abrahamczik) Nina spreche ich jetzt total an, gel -, aber ich war sehr gestresst. Und dann kamen zwei 15-jährige muslimische Mädchen, also wirklich sehr verhüllt, dunkel verhüllt, kommen mit der Facebook-Seite und haben gesagt, ist das die, die gesucht wird - und haben mir geholfen, dort anzurufen. Es war nicht die Katze, aber wir haben eine Lösung für die Katze gefunden. Und als sie gegangen sind, habe ich mir gedacht - und das war ein schircher Gedanke - ich habe nicht geglaubt, dass sich muslimische Mädchen für Katzen oder für Tiere interessieren, weil bei mir dieses unbewusste Vorurteil da ist, quasi nur österreichische Familien wollen Katzen. Es war ein total unsympathischer Gedanke, und es waren zwei entzückende Mädchen. Aber jeder hat sich doch schon einmal ertappt, dass er irgendwie ein Vorurteil gehabt hat, das eigentlich peinlich ist. - Auch auf das muss hingeschaut werden, deswegen muss man sich selber reflektieren. Da braucht es auch keine Evidenzen, denn jeder, der sich selbst hinterfragt, wird draufkommen, dass er da nicht gefeit ist. Keiner von uns ist gegen Rassismus gefeit. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Ich danke daher der MA 17 ausdrücklich dafür, dass sie klare Empfehlungen ausspricht. Was und wie das umgesetzt wird, müssen die Dienststellen sich dann anschauen. Dieser Aktionsplan gegen Rassismus zeigt auch, wie viel Arbeit und Engagement in Wien bereits jetzt investiert wird. Und das wird dann so weggewischt, da gibt es diese vielen Vereine. Ja, Gott sei Dank gibt es diese Anlaufstellen für Menschen, die das benötigen. Aber warum ist es wichtig? - Und auch hier lasse ich die individuelle Ebene jetzt wieder weitgehend aus, denn Rassismus und Diskriminierung wirken sich auf die psychische und physische Gesundheit der Betroffenen aus. Aber ich will jetzt nicht über die individuelle Ebene reden, auch wenn es mich betroffen macht, dass Menschen durch sowas durchgehen müssen. Ich versuche einfach zu erreichen, dass wir ein gemeinsames Commitment haben, dass wir gegen Rassismus sind und warum wir dagegen sein müssen. Und auch das wurde vom Kollegen Burian heute schon erwähnt, wir brauchen - und das ist eine Tatsache - gut ausgebildete Fachkräfte. Die brauchen wir auch aus dem Ausland, weil die OECD-Prognose ganz klar sagt, dass die erwerbsfähige Bevölkerung schrumpfen wird. Wir brauchen gut ausgebildete und gut qualifizierte Menschen, die nach Österreich kommen. Aber viele qualifizierte Menschen überlegen sich sehr genau, in welches Land sie ziehen wollen, denn sie wollen ganz sicher sein, dass sie dort die gleichen Chancen haben, unabhängig ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Leider, leider, leider gelingt es in Österreich ja bisher nicht ausreichend, dieses Vertrauen zu vermitteln, die Attraktivität ist eben zu gering. Das liegt auch am sogenannten Inklusionsfaktor, der misst, wie offen und vielfältig eine Gesellschaft ist und wie sie Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen aufnimmt, sodass sie das Gefühl haben, dazuzugehören und willkommen zu sein. Es hat also auch durchaus sehr wirtschaftliche Gründe, wenn man nicht über die individuellen Menschen sprechen möchte. Der nächste Punkt ist, rassistische Diskriminierung verhindert Integration. Es gibt eine nachweisliche Wechselwirkung zwischen Diskriminierung und Integration - soweit ich das mitbekommen habe, sind die ÖVP und die FPÖ sehr interessiert daran, dass Integration stattfindet -, weil Diskriminierungserfahrungen die subjektive Integrationsbereitschaft unterminieren und die tatsächliche Integration und die Teilhabe negativ beeinflussen. Das heißt, es müsste in unserem aller Sinne sein, rassistische Diskriminierung zu verhindern, weil wir alle gemeinsam wollen, dass Menschen sich hier wohl fühlen und gut integrieren können. Außerdem weiß man, dass rassistische Diskriminierung, vor allem institutionelle - ich rede wieder nicht von der individuellen Diskriminierung - das Vertrauen in den Staat schwächt. Wenn das Vertrauen in den Staat geschwächt wird, ist das auch ganz, ganz schlecht für die Demokratie, und auch darüber haben wir heute schon viele, viele Stunden diskutiert. Und wenn uns das Individuum nicht wichtig ist, dann ist es uns hoffentlich die Demokratie. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Und zu guter Letzt, Diskriminierung kostet, Diskriminierung kostet tatsächlich Geld. In einer französischen Studie aus dem Jahr 2016 ist nachzulesen, dass Diskriminierung am Arbeitsmarkt nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein wirtschaftliches Problem ist. Die haben nämlich herausgefunden, dass Frankreich in 20 Jahren rund 6,9 Prozent mehr Wirtschaftsleistung erzielen könnte, also fast 7 Prozent mehr Bruttoinlandsprodukt, wenn Frauen und Nachkommen von Einwanderern und Einwanderinnen am Arbeitsmarkt weniger Diskriminierung erfahren und dadurch bessere Chancen auf Arbeit hätten. Das zeigt, der Wiener Aktionsplan gegen Rassismus ist nicht nur wichtig, um ein faires und friedliches Zusammenleben in unserer Stadt zu sichern, er ist auch eine Investition in unsere Zukunft, in Fachkräfte und wirtschaftliche Stärke - ich mache jetzt noch einmal diesen Nebensatz - wenn es uns schon nicht wert ist, dass jeder Mensch das nicht individuell erfahren muss. Also langfristig gesehen bedeutet engagierte Antirassismusarbeit nicht nur mehr Gerechtigkeit, sondern auch mehr Wohlstand für alle. Und vielleicht können wir uns darauf einigen, dass das doch in unserem gemeinsamen Sinne wäre. Wir werden uns die blinden Flecken in unserer Stadt genau anschauen. Es geht nicht darum, neue Pflichten zu schaffen, sondern vorhandene Strukturen zu stärken und das Bewusstsein zu schärfen. Und der beste Weg Rassismus zu bekämpfen ist noch immer, ihn ernst zu nehmen, ohne Abwehr und ohne Schuldzuweisungen. Denn diejenigen, die heute hier so laut geschrien haben, sind nicht diejenigen, die von Rassismus betroffen sind. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster hat sich Herr GR Bambouk zu Wort gemeldet. - Ich bitte darum. GR Jaafar Bambouk, MA (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geehrte Frau Berichterstatterin, Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in Österreich nicht nur ein Rassismus-Problem, sondern auch generell ein massives Problem mit rechtsextremen Gedankengut. Und dazu möchte ich ein paar Zahlen aus dem Rechtsextremismus-Barometer 2024 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands erwähnen, in dem das Problem ziemlich deutlich geschildert wird. Denn 10 Prozent der österreichischen Bevölkerung stimmen der Aussage zu, dass das österreichische Volk den anderen Völkern von Natur aus überlegen ist. 16 Prozent der österreichischen Bevölkerung glauben, man könne nicht ein guter Österreicher oder eine gute Österreicherin sein, wenn man keine österreichischen Vorfahren hat. 29 Prozent wollen Musliminnen und Muslimen die Zuwanderung nach Österreich komplett untersagen, 36 Prozent wollen keine Musliminnen und Muslime als Nachbarn haben. 23 Prozent sind der Meinung, dass Jüdinnen und Juden einen zu großen Einfluss haben, 14 Prozent glauben, dass Jüdinnen und Juden mit üblen Tricks arbeiten. (Zwischenruf von GR Mag. Manfred Juraczka.) 42 Prozent sind der Meinung, dass Diskussionen über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust beendet werden sollten. - Und dass Sie da dazwischenrufen, zeigt, dass ich einen Nerv getroffen habe. (Beifall bei den GRÜNEN.) In jeder Hinsicht sind diese Zahlen höchst alarmierend. Es erfordert einen umfassenden politischen Mut aller, dagegen etwas zu unternehmen. Aber noch alarmierender wird es, wenn das Gedankengut sich in Taten umsetzt. Etwa bei teilweise illegalen Waffensammlungen, Waffenfunden, die sich in letzter Zeit gehäuft haben. Ich erwähne hier ein paar Fallbeispiele. 19.09.2025: In der Steiermark werden Wappenträger, achtzehn Schusswaffen, eine verbotene Waffe, unzählige Hieb- und Stichwaffen, Schalldämpfer, mehr als 30 000 Stück Munition, Suchtmittel sowie NS-Devotionalien sichergestellt. 28.11.2024: In Wien werden 200 Langwaffen, mehrere Faustfeuerwaffen, Schwerter, Munitionen, Schwarzpulver gefunden. 03.05.2025: In der Steiermark besaß ein 71-jähriger Verdächtiger ein umfangreiches, teils illegales Waffenlager mit insgesamt 87 Langwaffen, 51 Faustfeuerwaffen, vier verbotenen Waffen und mehreren tausend Schuss Munition. 31.05.2025: In Niederösterreich werden zahlreiche Schusswaffen sichergestellt, darunter ein funktionsfähiges Maschinengewehr, MJ53, samt Zubehör und sieben Kisten Munition, Schusswaffen der Kategorie A, das heißt verbotene Waffen und Kriegsmaterial, sowie Waffen der Kategorie B, das heißt genehmigungspflichtige Schusswaffen, sowie verschiedene Munitionssorten und verbotene Expansivmunition. Das sind jetzt nur vier von 52 Waffenfunden, die es alleine in den letzten fünf Jahren in Österreich gab, die Liste setzt sich leider stets fort. Das ist in einem Land wie Österreich mit seiner Geschichte ein ziemlich krasses Signal. Und auch weil Kollege Lugner von der FPÖ vorhin den Verfassungsschutzbericht erwähnt hat, ich habe mir die Zahlen genau angesehen, Sie wahrscheinlich gar nicht. Jetzt halten Sie sich fest, Kollege Lugner besonders, halten Sie sich wirklich fest. 2024 gab es in Österreich 214 linksextremistische Tathandlungen. Wie viele rechtsextreme Tathandlungen gab es im selben Zeitraum? Wissen Sie das? - Sie wissen es gar nicht. Sie wissen es gar nicht, Sie sagen einfach nur irgendwas. 1 486 Tathandlungen, das sind schon siebenmal so viele wie linksextremistische Tathandlungen. (GR Maximilian Krauss, MA: Da sind viele antisemitische Ausländer dabei!) Rechtsextreme Tathandlungen sind um das Siebenfache mehr als linksextreme Tathandlungen. 745 Anzeigen per StGB und 1 450 Anzeigen per VbtG. Eines möchte ich aus der Debatte von vorhin noch kommentieren. Ich wollte eigentlich darauf gar nicht einsteigen, aber das kann ich nicht unkommentiert lassen. FPÖ und ÖVP trauern seit der letzten Gemeinderatssitzung einem antisemitischen Charlie Kirk nach, der behauptet hat, Zitat: Juden kontrollieren alles. - Dass die FPÖ kein Problem mit Antisemitismus hat, überrascht mich ja überhaupt nicht. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Es überrascht mich überhaupt nicht, dass Sie kein Problem mit Antisemitismus haben, aber dass der politische Katholizismus - Frau Hungerländer ist gerade nicht da, ah, da sind Sie - schon mitten in der Volkspartei angekommen ist, das ist sowas von reaktionär und erinnert mich nur an dunkle Zeiten Ihrer Geschichte. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.) Was soll das für uns als Politik bedeuten beziehungsweise was können wir politisch daraus ableiten? - Rechtsextremismus sowie jede andere Form von Extremismus, und all das, was er an Antisemitismus und Rassismus beinhaltet, ist alles kein rein anthropologisches Phänomen. Menschen sind nicht einfach so rassistisch und als Politik dürfen wir den Rechtsextremismus auch nie als solches verkennen. Sonst würden wir so tun, als könnten wir nichts dagegen machen. Wir dürfen am ökonomischen Auge des Problems, finde ich, nicht blind sein. Und ironischerweise muss ich die FPÖ in einem Punkt ein wenig in Schutz nehmen beziehungsweise aus der alleinigen Verantwortung entlasten, auch, wenn Sie gerne alleine dafür verantwortlich wären. Denn rechtsextremistisches Gedankengut gibt es nicht nur, weil es die FPÖ gibt. Natürlich lebt die FPÖ davon Hetze zu schüren, weshalb Sie alles tun, um extremistische Tendenzen innerhalb der Gesellschaft zu verstärken. Aber rechtsextreme Tendenzen steigen dann, wenn die Antwort auf wirtschaftliche Krisen blanke Austerität ist. Und wenn die Politik, statt den Menschen unter die Arme zu greifen, die am meisten von Teuerung und Armut betroffen sind, diese noch mehr zur Kassa bittet, bei ihnen noch und nöcher kürzt. Extremistische Tendenzen gibt es etwa auch, weil die ÖVP, die seit über 40 Jahren im Bund regiert, nichts für die Menschen macht, die sozial und ökonomisch schlecht dastehen. Und genau da macht die Stadt Wien mittlerweile leider auch zu wenig. Ein Aktionsplan gegen Rassismus ist zwar für sich stehend gut gemeint und heute ein gutes und wichtiges politisches Instrument im Kampf gegen Rassismus, daher werden wir auch dem Aktionsplan zustimmen, aber er ist zu wenig, vor allem dann, wenn ökonomische Lebensrealitäten der Menschen außer Acht gelassen werden. Ein Aktionsplan allein hilft nicht, so gut er ist und so gut er sein kann. So, liebe SPÖ und NEOS, Sie kürzen, kürzen und kürzen dort, wo es den Menschen am meisten weh tut, etwa bei der Mindestsicherung, bei den Kindern. Sie heben die Kosten dort an, wo der Schuh am meisten drückt, etwa beim öffentlichen Verkehr, auf den Millionen Menschen täglich angewiesen sind. Sie werfen uns immer vor, die GRÜNEN in der Bundesregierung haben alles mit dem Gießkannenprinzip gemacht, und so weiter und so fort. Ich sage Ihnen eines, die Preiserhöhung der Jahreskarte ist der größte und ungerechteste Rasenmäher, den es in dieser Stadt überhaupt gibt. Und dafür sind Sie verantwortlich. Sie nehmen allen Menschen gleich viel weg, egal, wie viel sie verdienen. Und dann soll ein Aktionsplan allein das Rassismusproblem lösen. Das wird nicht passieren. Da habe ich einen anderen Vorschlag. Wir sollten anfangen, Politik für die Menschen zu machen, die die Entstehung rechtsextremen Gedankenguts, so auch jeden Rassismus und Antisemitismus schon im Keim ersticken lässt. Machen wir mutige Politik, die den Menschen nah ist, die an ihre Lebensrealitäten anschließt, die ihnen Zuversicht gibt, Hoffnung macht und das Herz erreicht, statt kalter neoliberaler Austerität, bei der Menschen immer weniger zum Leben haben. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster hat sich Herr GR Lugner zu Wort gemeldet. GR Leo Lugner (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin schon erstaunt, welchen Schwachsinn ich hier gerade hören musste vom Herrn Bambouk, von den GRÜNEN (GRin Mag. Berivan Aslan: Ordnungsruf!), dass hier offensichtlich (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Ordnungsruf!), nein, dass hier ... Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): Herr Kollege Lugner, bitte, so Herr Kollege, jetzt bin ich am Wort. Schwachsinn ist eine Pathologisierung. Und das wird vom Vorsitz nicht geduldet, daher erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf. GR Leo Lugner (fortsetzend): Nehme ich gerne an. Und zwar, es ist unglaublich, dass hier ein Freund Israels, einer der größten Unterstützer Israels, Charlie Kirk, als Antisemit bezeichnet wird, von einem, sage ich jetzt einmal, zugewanderten Kollegen, dessen, sage ich jetzt einmal, muslimische Kollegen für den großen Anstieg von Antisemitismus in Österreich und in Wien hauptverantwortlich sind. (Beifall bei der FPÖ.) Wissen Sie nicht, was mittlerweile los ist in Wien? - Die ganzen Demonstrationen für die Hamas, die Demonstrationen für Gaza. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Schämen Sie sich!) - Nein Sie sollten sich schämen! - Diese Demonstrationen wurden nicht von Österreichern oder von rechten Patrioten, wie Sie sie bezeichnen, begangen, nein, das waren Zuwanderer, die hier für den übelsten Antisemitismus, der in den letzten Jahren stattgefunden hat, verantwortlich sind. Und dass dann jemand hierherkommt und einen Unterstützer Israels wie Charlie Kirk als Antisemiten bezeichnet, das ist wirklich das Allerletzte, was ich in diesem Haus hier überhaupt gesehen habe. (Beifall bei der FPÖ.) Aber diese ... (Zwischenruf von GRin Mag. Dolores Bakos, BA.) - Ja, von Demokratie reden wir gleich. - Diese gesamte Debatte zeigt eigentlich ganz genau auf, dass Sie alle hier, von der Einheitspartei, sinnbildlich für den Niedergang der westlichen Demokratien und den Niedergang des christlichen Abendlandes verantwortlich sind. Denn Sie sind es, die hier offensichtlich nur mit dem Finger auf die eigenen Leute, die patriotische, konservative und teilweise Nationalisten sind, hinzeigen, letztendlich jeden Konservatismus kriminalisieren wollen, und dann parallel dazu die gesamte Gesellschaft letztendlich kriminalisieren. Das ist ein richtiges Problem. (Beifall bei der FPÖ.) Dieser gesamte Bericht ist ein Pamphlet an Lächerlichkeiten. Wir haben es mittlerweile mit Problemen zu tun in Wien, wo, wenn ein autochthones österreichisches Kind irgendwo noch in einer Klasse sitzt, es mit Rassismus zu kämpfen hat, weil es vielleicht christlich ist, weil es eine weiße Hautfarbe hat, weil es vielleicht hell ist und aus Österreich stammt. Wir haben Klassen in Wien, wo mehrheitlich Migranten sind, die die Österreicher letztendlich rassistisch diskriminieren. Das ist die Realität, die wir in Österreich mittlerweile haben. (Beifall bei der FPÖ.) Und wenn man dem Herrn Bambouk zugehört hat, dann müsste man ja glauben, das Problem ist, dass irgendwelche Rechtsextreme auf den Straßen Wiens Migranten niederschießen. Nein, so ist es nicht. Es ist so, dass Österreicher niedergestochen werden in Wien, wenn sie in den öffentlichen Nahverkehrsmitteln oder auf öffentlichen Plätzen unterwegs sind. Das sind die realen Probleme, die wir hier haben, das sind die realen Probleme in Wien, dass man als autochthoner Österreicher oder auch als Frau das Problem hat, dass man sich nicht einmal mehr sicher irgendwo im öffentlichen Raum bewegen kann. Und das ist struktureller Rassismus, ja, teilweise von zugewanderten Afghanen, von zugewanderten Syrern, die unsere Mädchen hier vergewaltigen. (Beifall bei der FPÖ.) Und ja, ihr könnt mit eurer depperten Rassismuskeule hier herumschwingen, es ist trotzdem so. Die Menschen, die Österreicher, die kapieren, was los ist, und die wählen immer mehr freiheitlich. Und ja, da kann sich die Einheitspartei jetzt zusammenschließen gegen die FPÖ, bis wir 50 Prozent haben. Ich prophezeie euch, das wird passieren, wenn ihr weiter so Politik gegen die eigene Bevölkerung macht. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste ist Frau GRin Hanke zu Wort gemeldet. - Bitte, Frau Kollegin, Sie haben das Wort. GRin Marina Hanke, BA (SPÖ): Herr Vorsitzender, werte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Frau Berichterstatterin! Es wird immer ein bisschen losgelöster beim Kollegen Lugner, von Wortmeldung zu Wortmeldung. Ich fange vielleicht einmal nicht bei Ihnen an, aber ich komme dann noch dazu. Ich möchte in meiner heutigen Wortmeldung mit einem Dankeschön beginnen, denn in der Debatte sind jetzt sehr viele Themen aufgebracht worden. Nicht immer haben sie auch tatsächlich mit dem Poststück zu tun gehabt, deshalb möchte ich das gleich an den Anfang stellen. Ein Dankeschön an alle, die beteiligt waren an der Erstellung dieses Wiener Aktionsplans gegen Rassismus. Ich möchte mich ganz dezidiert auch bei den hier schon immer wieder angegriffenen Organisationen bedanken, die nicht nur mit ihrer tagtäglichen Arbeit für sehr viele Wiener und Wienerinnen wichtige Ansprechstellen sind, sondern hier auch ihre Expertise eingebracht haben. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle. (Beifall bei SPÖ und NEOS sowie von GRin Mag. Berivan Aslan.) Die Kollegin Hungerländer hat ja mit dieser Kritik an den Vereinen begonnen, die sich hier eingebracht haben, und hat uns an anderer Stelle vorgeworfen, dass uns mit diesem Aktionsplan gegen Rassismus die Quadratur des Kreises gelingt. Ich kann Ihnen das nur zurückgeben, Frau Kollegin Hungerländer, denn, das muss man schon auch schaffen, zu sagen: Immer die Vereine und überall gibt's diese Vereine und Vereine und das ist alles ein Wahnsinn, aber warum war mein Verein eigentlich nicht dabei? (GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc: Weil er nicht gefördert wird, weil er nicht Teil dieses Biotops ist!) - Es ist schön, dass Sie mir das beantworten, aber das war eigentlich auch gar nicht meine Frage. Ich wollte nur darauf hinweisen. - Sie haben gefragt, wo wenden sich diejenigen hin, die von Verfolgung betroffen sind, in Ihrem Fall jetzt ganz konkret Christinnen und Christen, und haben gesagt, da kommt überhaupt nix vor, da gibt es überhaupt nix. Ich darf an dieser Stelle auf Seite 10 im Aktionsplan verweisen, der uns vorliegt, Punkt 3b, wo ganz zu Beginn auf die Stelle zur Bekämpfung von Diskriminierungen hingewiesen wird. Eine städtische Anlaufstelle, wo, wenn man einmal nachschaut und googelt, ganz klar wird, dass das eine Anlaufstelle für alle ist, die von Diskriminierungen betroffen sind. Um das auch einmal an dieser Stelle gesagt zu haben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Der Herr Kollege Blind hat in einer sehr beispielhaften Rede gezeigt, dass die FPÖ eigentlich inhaltlich sehr wenig zu sagen hat, indem er in so einem Whataboutism - und ich weiß, Sie hassen Anglizismen, aber Sie verwenden auch immer das Wort woke, deswegen, glaube ich, ist vielleicht auch die FPÖ da schon angekommen, vielleicht geht sich das schon aus - irgendwelche Sachen zitiert, auf irgendwas hinweist und auch sagt: Ja, was ist das überhaupt für eine Rassismus-Definition, was heißt eigentlich historisch gewachsen, was ist das eigentlich alles? - Sie wissen genau, und da wird Ihnen die Frau Kollegin Bakos dann wahrscheinlich auch noch genauer erklären, auch in ihrer Funktion als Ausschussvorsitzende, dass dem keine Rassismus-Definition zu Grunde liegt. Natürlich gibt es den Bezug auf diese Definition aus Deutschland. Es ist grundsätzlich ja jetzt auch nichts Unübliches, dass man sich bei Definitionen oder Begrifflichkeiten, gerade wenn man damit arbeitet, auch auf andere Stellen oder auch auf andere Länder bezieht. Sie sagen dann, was heißt historisch gewachsen, und was ist das alles. Vielleicht haben auch Sie einfach nicht zu Ende gelesen. Ich darf es kurz für Sie erledigen, vielleicht bringt es noch ein bisschen Klarheit rein. Sie sagen: Was heißt historisch gewachsen? - Das steht tatsächlich in dieser Definition auf Seite 6, eine Seite davor finden wir auch eine Erklärung unter der Überschrift "Historischer Hintergrund und gesellschaftlicher Kontext". Ich werde Ihnen jetzt nicht alles vorlesen, aber vielleicht zwei Sätze zur besseren Erläuterung auch für die Zuhörenden. Ich darf zitieren: "Rassismus in Europa hat seinen Ursprung insbesondere in der Erfindung und im Glauben an eine Überlegenheit weißer europäischer Menschen. Die dahinterliegenden 'Rassentheorien' sind ein wesentliches Kennzeichen von Rassismus" und so weiter und so fort. Sie sehen also, dass wir uns natürlich, wenn wir von Rassismus sprechen, ganz klar auf dieses historisch Gewachsene auch beziehen. Sie wissen ganz genau, woher dieses System kommt, woher die Begriffsdefinition kommt oder unterschiedliche Definitionen kommen. Sie wissen auch genau, was historisch gewachsen heißt. Sie haben trotzdem diese Rede so gehalten, wie Sie sie gehalten haben. Und es ist natürlich eine Strategie, wenn man über was nicht reden will - ich glaube eigentlich schon, dass Sie sich gut auskennen, das würde ich Ihnen gar nicht unterstellen -, dass man dann genau solche Reden hält. Warum? - Weil gerade die FPÖ kein Interesse daran hat, dass es ein friedliches Zusammenleben gibt, weil gerade die FPÖ kein Interesse daran hat, dass man sich mit Phänomenen wie Rassismus oder Sexismus oder Homophobie oder was auch immer auseinandersetzt. Und deswegen machen Sie was, was wirklich sehr gefährlich ist - und wir haben heute schon sehr viel über Demokratie gesprochen -, indem Sie Themen, wie zum Beispiel jetzt gerade Rassismus, in so eine Beliebigkeitsdebatte verschieben, verunmöglichen Sie es auch, dass man eben genau hinschaut. Sie verunmöglichen, dass man hinschaut, wo sind Betroffene, wo sind Täter und Täterinnen. Das verunmöglichen Sie dadurch. Und Sie verunmöglichen dadurch alle Bemühungen an einem friedlichen Zusammenleben, an einem solidarischen Zusammenleben, an einem guten Miteinander zu arbeiten. Das ist eine Strategie. Das hat auch sehr viel damit zu tun, dass Sie dieses Zusammenleben nicht wollen und dass Sie auch Demokratie untergraben wollen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Worum geht es jetzt in diesem Aktionsplan? - Ich möchte nicht mehr alles aufzählen, meine VorrednerInnen haben schon viel dazu gesagt. Es geht natürlich um Themen wie zum Beispiel Gesundheitsförderung, wenn wir von Videodolmetsch reden, wenn wir davon reden, was ist ein niederschwelliger Zugang zu Gesundheit, wie können alle Menschen eine gute Versorgung bekommen - und damit geht es letzten Endes auch um Fragen von Lebensrettung. Es geht um Frauenpolitik, etwas, was, wir hier sehr oft diskutieren, wenn wir zum Beispiel über mehrsprachige Informationen sprechen, wenn es um Einrichtungen des Gewaltschutzes geht. Das findet sich da wieder und um genau solche Sachen geht es. Es geht um Frauenpolitik, wenn wir von Aus- und Weiterbildung reden, von sehr spezifischen Angeboten für Frauen. Es ist auch schon viel über den Wirtschaftsstandort Wien gesprochen worden. Es geht um Bildungspolitik, es geht um Extremismusprävention und vieles andere, was Sie da drinnen finden werden. Dass Sie kein Interesse an einer wirklich ehrlichen und auch sachlichen Debatte zu diesem Wiener Aktionsplan, der uns vorliegt, haben, aber auch insgesamt zu Integrationsthemen oder zu Fragen von Migration, von, wie kann man Menschen gut teilhaben lassen, wie kann man auch tatsächlich Extremismus bekämpfen, ist jetzt auch nichts Neues. Ich möchte aber trotzdem noch zwei Punkte nennen, warum ich es gerade den Kollegen der FPÖ einfach nicht abkaufen kann und auch nicht abkaufen werde. Das erste Beispiel hat der Herr Kollege Lugner gerade vorher gebracht in seiner wirklich unfassbaren untergriffigen Replik auf den Herrn Kollegen Bambouk. Schämen Sie sich, wirklich, es ist unfassbar, wie Sie über einen jungen Kollegen reden. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Es ist unfassbar, wie Sie über eine Person sprechen, die uns in diesem Haus schon mehrfach über seinen Lebensweg erzählt hat, schon mehrfach erzählt hat, was es bedeutet hat, hier anzukommen, was es bedeutet hat, hier eine Ausbildung zu machen, bis hin zum Weg hierher in den Gemeinderat. Das ist nämlich genauso ein Beispiel von Integration. Das ist genau das, was Sie immer sagen, was Sie einfordern: Die müssen Deutsch lernen, die müssen das machen, die müssen sich einbringen. Und dann weisen Sie das nicht nur zurück, sondern sind einfach so untergriffig wie es nur geht. Das ist das erste Beispiel. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Es gäbe noch sehr viele Beispiele, aber lassen Sie mich noch ein zweites bringen. Die FPÖ steht immer da und sagt, es ist alles ein Wahnsinn, Extremismus muss man bekämpfen. Da sind wir uns jetzt grundsätzlich wahrscheinlich schon einig, die Wege dahin sind aber offensichtlich andere, und auch das kaufe ich Ihnen nicht ab. Ich kann es Ihnen nicht ersparen, wenn Sie immer davon sprechen, dass es eine tatsächliche Prävention und Bekämpfung von Extremismus braucht, wenn Ihr ehemaliger Abgeordneter Andreas Mölzer sich mit den Taliban trifft, mit einem Regime - auch der Innenminister Karner, by the way, aber ich richte es vor allem an die FPÖ. Sie treffen sich mit Extremisten (Zwischenrufe bei der FPÖ.), ein ehemaliger Abgeordneter Ihrer Partei trifft sich mit Extremisten, die wirklich die schlimmsten Zustände für Frauen in ihrem Land zulassen. Und es tut Ihnen weh, und deswegen zucken Sie so aus. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Und deswegen kann ich keine einzige Wortmeldung von Ihnen ernst nehmen, wenn Sie sagen, es geht Ihnen darum, für Demokratie und gegen Extremismus einzutreten. An alle anderen: Stimmen Sie bitte dem Wiener Aktionsplan gegen Rassismus zu. Ich glaube, er wird uns gut voranbringen in dieser Stadt. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster hat sich GR Niegl zu Wort gemeldet. - Herr Gemeinderat, bevor ich Sie ans Rednerpult lasse, gebe ich noch zu Protokoll, dass der Kollege Prack sich ab 18.20 Uhr entschuldigt hat. - Herr Kollege, bitte, Sie haben das Wort. GR Michael Niegl (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Berichterstatterin, werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, sehr geehrte Damen der Wiener Stadtregierung, als ich diesen vorliegenden Dienststellenantrag gelesen habe, bin ich mit ein wenig Erstaunen zurückgeblieben. Ich stelle mir die Frage, ob Sie wirklich willens oder fähig sind, eine Beurteilung der Lage der Probleme in Wien zu erstellen, um auf Grund dessen Lösungen im Sinne der Wiener finden zu können. Rassismus ist wohl kaum das brennendste Thema in Wien. Da gibt es vermutlich viel mehr, was die normalen Bürger außerhalb dieser politischen Blase interessiert. Da wäre zum Beispiel das Thema der Teuerung, die Sie jetzt ständig vorantreiben mit Abgaben. Da gibt es das Problem der Mietzinserhöhungen im Gemeindebau, bis zu 70 Prozent, die Sie verursachen. Da gibt es das Problem der Jugendkriminalität. Da gibt es das Problem, dass radikale islamistische Gruppierungen immer größer werden und sich eine Parallelgesellschaft bildet. Da gibt es das Problem mit der Gesundheitsversorgung. Und nicht zuletzt das Problem der Verschuldung der Stadt, das mittlerweile strukturelle Ausmaße angenommen hat. Das sind die Probleme, die die Wiener wirklich interessieren. Ich möchte aber nun zum Grund kommen, warum ich mich überhaupt zu diesem Punkt zu Wort gemeldet habe, da das ja gar nicht meine Geschäftsgruppe ist. Aber in ihrem Bericht unter Punkt 6 liest man "Gleichberechtigung und Chancengleichheit auf dem Wohnungsmarkt". Und als ich das gelesen habe, ist in mir endgültig die Hoffnung gestorben, dass Sie sich nur ansatzweise für die Probleme der Wiener interessieren, denn Sie gehen da auf Probleme ein, die es in Wahrheit gar nicht gibt, die Sie konstruieren. Lassen Sie mich ein wenig auf Ihren Aktionsplan replizieren beziehungsweise ein paar Punkte herausholen, die ich insbesondere im Bereich Wohnen als sehr merkwürdig finde. Ich lese vor: konsequente Reaktionen und Sanktionen gegen rassistisches Verhalten von MieterInnen im kommunalen Wohnbau, Klassifizierung als unleidiges Verhalten und mögliche Kündigung. - Ja, da kann ich Ihnen nur sagen, dass das Hauptproblem nicht ist, dass österreichische oder autochthone oder auch bereits integrierte Mieter im Wiener Wohnen-Segment andere Leute rassistisch beleidigen oder drangsalieren, sondern genau der umgekehrte Fall die Regel ist. Die Menschen kommen zu mir, und wenn wir dann versuchen, über Wiener Wohnen was zu erreichen, werden nur Ausflüchte gemacht. (Beifall bei der FPÖ.) Bekämpfung von rassistischen Belästigungen, Übergriffen und Konflikten im Gemeindebau. - Wenn man das liest, könnte man glauben, dass rotierende rechtsradikale Horden durch den Gemeindebau ziehen, die da irgendwelche Migranten verprügeln. Das ist ja komplett fern jeder Realität. Anwendung und Durchsetzung der Bestimmung der Hausordnung beziehungsweise des Mietrechtsgesetzes. - Ja, da gebe ich Ihnen recht, aber da gibt es keine Verbindung mit Rassismus, denn die Hausordnung gilt ja hoffentlich für alle, für Österreicher und für Nicht-Österreicher. Und genau da krankt es nämlich, dass bei Wiener Wohnen die Hausordnung wohl in den Stiegen hängt, aber niemand willens ist, diese auch durchzusetzen, zu exekutieren. Mietrechtliche, weiterführende Konsequenzen androhen und setzen, wenn Schlichtungsversuche erfolglos bleiben beziehungsweise zu keinen Lösungen führen. - Auch das ist nicht ein Problem, dem hauptsächlich Migranten unterworfen sind, wegen rassistischem Hintergrund, sondern da haben wir es eher damit zu tun, dass ältere Menschen, Jungfamilien, sei es zugewandert und hier integriert oder autochthon das Problem haben, dass hier Menschen aus anderen Kulturräumen sind, die sich nicht annähernd an unsere Regeln halten, nicht annähernd wissen, wie man sich zu benehmen hat, und in keinsterweise bereit sind, auf irgendein Gespräch oder ein Argument zu reagieren. (Beifall bei der FPÖ.) Dann geht es darum, dass offenbar der Rassismus dadurch bekämpft werden muss, dass man noch mehr Migranten in den sozialen Wohnbau bringt. Na bravo, ihr wollt eine Durchmischung haben, mittlerweile sind wir bei fast 60 Prozent Nicht-Staatsbürgern im Gemeindebau, und jetzt wollen wir noch mehr hineinbringen. Das kann einfach nicht funktionieren, denn wenn sich Leute integrieren sollen, dann brauchen sie auch Vorbilder. Und Vorbild ist dann die Mehrheitsgesellschaft. Dieser Mehrheitsgesellschaft können und sollen sich jene anpassen, die zu uns gekommen sind. (Beifall bei der FPÖ.) Sie wollen die Wartefrist der subsidiär Schutzbedürftigen verkürzen. - Na klar, jetzt haben wir eh schon das Problem, dass wir keine Wohnungen haben und dass Sie seit Jahren, Tagen und Stunden Migranten ohne Not und ohne - möchte ich fast sagen - gesetzliche Grundlage in den Gemeindebau hineinbringen, sodass die österreichischen Familien keine Wohnungen mehr finden. Bravo! Das ist Ihre Leistung, und jetzt wollen Sie es noch leichter machen. Das Gegenteil müsste sein! Man müsste einen Österreicher-Bonus machen, man müsste darauf schauen, dass wieder mehr Österreicher in den Gemeindebau kommen, dann können sich auch all jene, die zu uns kommen, etwas anpassen und ankommen in unserem Land. (Beifall bei der FPÖ.) Ihr Antrag unterstellt, dass die Wiener beziehungsweise die Österreicher nichts Besseres zu tun haben, als Menschen mit Migrationshintergrund mit offenem Rassismus zu begegnen. Das ist ja ein vollkommener Wahnsinn, das entspricht ja überhaupt nicht der Realität, dass all den Asylwerbern und Scheinasylanten und Wirtschaftsmigranten, die Sie seit Jahren im Gemeindebau unterbringen, mit rassistischem Hass und Gewalt begegnet wird. Auch das stimmt überhaupt nicht, das ist überhaupt nie der Realität entsprechend. Ich weiß nicht, wo Sie das hernehmen. Die Realität sieht nämlich ganz anders aus. Sie sollten sich eher Sorgen machen, dass die zugewanderten Asylwerber sich an unsere Regeln halten, dass sie unsere Gesellschaft achten, dass sie nicht Frauen mit Gewalt begegnen, dass sie nicht rauben und morden und dass Jugendbanden migrantischer Herkunft nicht ganze Wohnhaussiedlungen in Angst und Schrecken versetzen. Das sollten Sie sich vielleicht einmal zu Gemüte führen. Und ja, Sie werden sich jetzt fragen, was der Herr Niegl da jetzt spricht. Wahnsinn, das hat er sich aus den Fingern gezogen, unglaublich. Nein, es ist mit Fakten hinterlegt. Ich erlaube mir jetzt, Ihnen ein kleines Lageupdate zu geben, weil Sie offenbar nicht sehr oft im Gemeindebau unterwegs sind, weil Sie die Zeit nicht finden, weil Sie da in den Räumlichkeiten des Rathauses irgendwelche geheimen Rassismus-Pläne ergründen und erfinden. Daher erlauben Sie mir ein paar aktuelle Sachen zum Besten zu geben. Am Schöpfwerk in Meidling zum Beispiel versetzt eine migrantische Jugendbande die ganze Siedlung in Angst und Schrecken. Brandstiftung, Vandalismus, Sachbeschädigung im großen Ausmaß, jede Nacht haben Mistkübeln gebrannt, gerade, dass nicht Autos und Reifen angezündet wurden. Die Zustände waren wirklich fast schon verheerend. Und das kommt halt daher, dass diese Leute in Ländern aufgewachsen sind, wo es gang und gebe ist, dass man einfach im Hof ein großes Lagerfeuer mit dem Sperrmüll macht. (Zwischenruf von GR Mag. Thomas Reindl.) - Da gibt es sogar Fernsehberichte, schauen Sie es sich an. Ich kann Ihnen dann gerne den Link zu unserer Berichterstattung mit der "Heute"-Zeitung zukommen lassen. (Heiterkeit bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Na, werden wir schauen, dass man im "Standard" einen Artikel forciert, vielleicht glauben Sie es dann, im lachsgrünen Blatterl. In der Mitterhofer-Siedlung in Floridsdorf herrschen zum Jahreswechsel regelmäßig kriegsähnliche Zustände, weil sich Herrschaften aus aller Herren Welt - sagen wir es einmal so - mit der Pyrotechnik derartig auslassen, dass nicht einmal mehr die Exekutive sich traut, diesen Innenhof zu betreten, weil nämlich extreme Lebensgefahr herrscht. Das sind die Zustände, vor denen sich zum Beispiel Mieter im Gemeindebau fürchten. (GR Mag. Thomas Reindl: Ist das aus der "Bild"-Zeitung?) - Nein, von diesen Sachen habe ich sogar Privataufnahmen, die ich Ihnen gerne vorspielen kann. Das wollen Sie natürlich nicht sehen, weil Sie mit dem Handy beschäftigt sind, aber vielleicht finden Sie es. Im Liebknecht-Hof in Meidling terrorisieren tschetschenische und afghanische Jugendbanden die Mieter. Alle Versuche, die wir mit den Bürgern gemeinsam gemacht haben, um vielleicht einen Zugang zu diesem Gemeindebau zu beschränken, wurden von Wiener Wohnen abgelehnt, obwohl es baulich dort ganz, ganz leicht möglich wäre. Im benachbarten Bad gibt es Messerstechereien, mitten im Stiegenhaus werden die Drogengeschäfte abgewickelt, Drogenbesteck liegt herum, ganz normal. Und ja, es sind migrantische Jugendliche. In der Franklinstraße, Floridsdorf - das war vielleicht das Beispiel, das die Kollegin Hungerländer gebracht hat - sind ältere Personen an mich herangetreten, weil sie von einer Migrantenfamilie terrorisiert werden. Und da sind die Worte gefallen, ich zitiere: "Du Sch ...-Österreicherin, ich bringe dich um, ich töte dich, aber ich töte dich richtig!" - Das waren die Aussagen, die diese Herrschaften zu einer alten Frau mit 72 Jahren gesagt haben, weil sie sich erfrecht hat, den Kindern zu sagen, sie mögen nicht auf ihrer Radbox herumspringen. Und der Vater hat fast aggressiv die Frau geschlagen. Dieser nette Vater, migrantischer Herkunft hat dann auch noch einen anderen, übrigens auch einen Migranten, einen Perser, der ein ganz, ein ganz netter Mann ist, mit "Du Scheiß-Tschusch" geschimpft - Entschuldigung die Wortwahl, ich habe zitiert. Also das sind die Wahrheiten. In der Siedlung am Rennbahnweg in der Donaustadt werden Österreicher von Migranten beschimpft, bedroht, erpresst. Raub und Gewalt ist an der Tagesordnung, Handyraub, Geldraub und, und, und. Ja, das sind teilweise sogar noch sehr, sehr junge Migranten, wo wir ja sagen, da können wir überhaupt nichts machen. Aber das Problem ist, wir müssen vielleicht den Herrschaften einmal etwas vorleben und sie an die Regeln erinnern. Und dann wären natürlich auch noch die ganzen Extremisten und Gefährder, ganz brandgefährliche Terroristen, die Sie so einfach mir nichts dir nichts ins Land lassen und zusätzlich dann im Gemeindebau unterbringen. Bravo, das sind genau die Dinge, die wir brauchen. (Beifall bei der FPÖ.) Nicht zu vergessen der Fall Leonie. Auch hier, Jugendliche, Afghanen und Syrer, die ein 12- oder 14-jähriges Mädchen unter Drogen gesetzt, vergewaltigt und auf die brutalste Weise ermordet haben. In meinen Augen kann man die nur als Bestien bezeichnen. Und diese nette Gesellschaft haben Sie in den Gemeindebau gesetzt unter dem Deckmantel der Humanität. Das ist Ihre Leistung. Bravo, danke. Das sind die Probleme, die die Bevölkerung hat. Sie gefährden die Bevölkerung mit Ihrer fehlgeschlagenen Migrationspolitik, meine Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Die Liste könnte ich noch endlos so fortsetzen, aber wir wollen ja alle irgendwann einmal nach Hause. Die Bedrohung kommt kaum von den Österreichern, die Bedrohung in der Bevölkerung kommt meist von jungen Männern mit migrantischem Hintergrund. Das ist die Wahrheit mittlerweile, das bestätigen auch die Berichte der Exekutive. (Zwischenruf von GRin Mag. Berivan Aslan.) Daher wäre es an der Zeit, dass Sie Prioritäten setzen und sich nicht um Rassismus gegenüber Migranten sorgen, sondern vielleicht einmal all jenen erklären, dass sie, wenn sie sich nicht an unsere Regeln halten wollen, hier bei uns nicht willkommen sind. Das wäre vielleicht Ihre Aufgabe als Politiker. (Beifall bei der FPÖ.) Denn Ihre Aufgabe als österreichische Politiker ist, sich vorrangig für die österreichische Bevölkerung, für die Wiener einzusetzen, und nicht für Gott und die Welt, die jetzt hierherkommen. Das wäre vielleicht einmal interessant. Und dann, in weiterer Folge werden sich die Leute auch integrieren können. Also wachen Sie auf. Ihre linksideologische Politik ist gescheitert. Sehen Sie, wo die wahren Probleme sind, und versuchen Sie wirklich Maßnahmen zu ergreifen, die den Österreichern, der Wiener Bevölkerung unter den Nägeln brennen, die ihre Hilfe brauchen. Wien hat eine traurige Ähnlichkeit mit der DDR, die Realität wird verdrängt, Ideologie wird allem übergeordnet, und die Probleme der Menschen werden den Zielen dabei untergeordnet. - Freundschaft. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste ist Frau GRin Bakos zu Wort gemeldet. GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, werte Kolleginnen und Kollegen, werte vielleicht noch Zuseherinnen und Zuseher! Die Vorredner der FPÖ, glaube ich, zeigen relativ gut, warum es so wichtig ist, über das Thema Rassismus zu sprechen, warum der Kampf gegen Rassismus so wichtig ist, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall NEOS, SPÖ und GRÜNEN.) Ich möchte aber schon auch noch einmal dem Kollegen Lugner eines sagen: Es war bislang schon Usus in diesem Haus, dass wir hart in der Sache miteinander debattiert haben, aber niemals persönlich untergriffig geworden sind. Sie haben damit gebrochen, und dafür haben Sie sich wirklich, wirklich zu schämen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall NEOS, SPÖ und GRÜNEN.) Ich möchte mit ein, zwei Sachen aufräumen, die sich aus unterschiedlichsten OTS speisen, von den Aussagen im Ausschuss bis hin zu Aussagen, die hier getätigt worden sind. Erstens, Herr Kollege Blind, am 14. Oktober um exakt 13.49 Uhr - wenn Sie mir Ihre Aufmerksamkeit schenken - ist eine Nachreichung der Frau Abteilungsleiterin an Ihren Klub erfolgt. Ich habe es Ihnen gerade gesagt, wenn Sie mir die Aufmerksamkeit geschenkt hätten, hätten Sie auch genau das Datum und die Uhrzeit erfahren. Wenn Sie sich nicht organisieren können, uns aber hier gleichzeitig unterstellen, dass wir unserer Arbeit nicht nachkommen, dann ist das gelinde gesagt eine Frechheit. (Beifall von NEOS und SPÖ sowie von GRin Mag. Berivan Aslan.) Ich habe das E-Mail bekommen, als Ausschussvorsitzende, ich kann es Ihnen gerne noch einmal weiterleiten. Ich ersuche Sie aber vielleicht dann auch um Entschuldigung, wenn Sie tatsächlich noch draufkommen, dass ich hier, wie ich es ja gerade gesagt habe, recht habe. Ich möchte mit der Argumentation der FPÖ beginnen, nämlich, es würde mit diesem Plan - und es ist schon sehr viel gesagt worden, deshalb möchte ich diesen Plan auch gar nicht vorstellen, sondern jetzt eher auf die Argumente eingehen, die von meinen Vorrednern gekommen sind - ein linksextremes wokes Projekt vorliegen. Dieser Aktionsplan wurde von den unterschiedlichsten Stellen der Verwaltung, von Fachabteilungen, von Expertinnen und Experten, auch von der Zivilgesellschaft erarbeitet. Er orientiert sich an europäischen und internationalen Standards und ist damit nicht ideologisch, sondern fachlich begründet. Und ich möchte hier eines schon auch ganz klar und deutlich sagen: Wer Menschenwürde, die Gleichbehandlung von Menschen als woke erachtet, hat vielleicht am Ende des Tages weniger ein Problem mit Wokeness, sondern vielmehr mit unserer Verfassung und mit den in unserer Verfassung verbrieften Werten, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall von NEOS und SPÖ sowie von GRin Mag. Berivan Aslan.) Wenn es heißt, dass dieser Plan autochthone, weiße, christliche ÖsterreicherInnen - oder Österreicher, denn mit der Gleichbehandlung haben Sie es auch in anderen Bereichen nicht so bei der FPÖ - ausschließe, dann kann ich Ihnen nur mit einer Metapher sagen, na ja, wenn Feuerwehrleute dort löschen, wo es gerade brennt, heißt das ja nicht im Umkehrschluss, dass sie andere Häuser nicht mögen, sondern es geht darum, dass gerade dort ein Handlungsbedarf besteht. Und seien Sie mir nicht böse, aber wenn hier gesagt wird, wir beschäftigen uns nicht mit den echten Problemen, Sie tun so, als wenn wir jede Woche einen neuen Aktionsplan gegen Rassismus vorstellen. Der letzte ist aus 2007. Es war höchst an der Zeit, einen aktualisierten, an die Gegebenheiten der Zeit angepassten Plan für ein Übel in dieser Gesellschaft erstens vorzustellen und zweitens zu implementieren. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von GRin Mag. Berivan Aslan.) Und nein, dieser Aktionsplan hat nicht zum Ziel, eine Konkurrenz zwischen Religionen herzustellen, eine Religion vor der anderen zu schützen, wenn man das so sagen kann, sondern eines zu schützen. Er schützt vor allen Dingen die Menschenwürde. Er schützt nichts anderes als die Würde des Menschen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Es ist sehr viel über Intersexualität und so weiter auch gesagt worden, das möchte ich jetzt nicht alles wiederholen. Eine Sache, die hier aber ständig unter den Tisch fallengelassen wird, es gibt die nach dem Wiener Antidiskriminierungsgesetz zuständige Stelle für Bekämpfung von Diskriminierung, die jeder und jede anrufen kann, natürlich auch Menschen christlichen Glaubens. Aber hier nur darüber zu sprechen, das ist eine absolute Themenverfehlung. Und ich weiß schon, seien Sie mir jetzt nicht böse, wenn ich das jetzt so salopp formuliere, dass die ÖVP offenbar - (in Richtung GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc) denn Sie sind die Einzige gewesen, die hier einen Redebeitrag gehalten hat - den Weg der Soziallehre verlassen hat. Andere Organisationen, die bei diesem Plan auch mitgemacht haben, haben das nicht, angefangen bei der Caritas bis zur Diakonie, haben diesen Pfad nicht verlassen, sehr geehrte Damen und Herren. Und wenn es hier heißt, das Steuergeld würde verschwendet werden, dann möchte ich das auch zurückweisen. Denn wir sind der Ansicht, es ist keine Ausgabe, wenn man in Menschenwürde investiert, sondern es ist eine Versicherung gegen Spaltung. Und wenn die Gleichbehandlung von Menschen schon als Luxus gilt, dann muss man sich schon auch fragen, wer hier wirklich abgehoben ist. Der Preis für Diskriminierung ist immer um ein Vielfaches höher als der Preis für Prävention. Und mir ist Zweiteres angesichts einer immer größer werdenden Spaltung, einer immer größer werdenden Ausgrenzung auch von Menschen mit Konflikten, sozialen Problemen um einiges lieber, sehr geehrten Damen und Herren. Wir sollten uns lieber auf Integration anstelle einer woken - unter Anführungszeichen - "Parallelrealität" konzentrieren. Das kam von der FPÖ und ist eine äußerst spannende Argumentation einer Partei, die hier jedes Mal gegen jedes einzelne Integrationspoststück stimmt, die sich gegen jedes einzelne Integrationsprojekt stemmt, die von sich aus sagt, dass sie sich nicht für Integration interessiert. Von anderen etwas zu verlangen, was man selbst gar nicht will, ist schon einigermaßen skurril. Auf diese Art und Weise Politik zu machen, ist unredlich, ist nicht konstruktiv und es ist, seien Sie mir nicht böse, auch intellektuell tatsächlich unaufdringlich, so Politik zu machen. Aber wir sind von der FPÖ auch meistens nichts anderes gewohnt, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von GRin Mag. Berivan Aslan.) Weiters war die Argumentation, ich glaube das kam in der OTS vor, Unconscious Bias sei ideologisch. Unconscious Bias, sozusagen blinde Flecken, das hat die Kollegin Pany sehr schön ausgeführt, wie das auch tatsächlich passieren kann und dass das etwas ist, was wir - wissen wir alle - bis zu einem gewissen Grad auch in uns tragen. Es wird sie hart treffen, aber diese Unconscious Bias sind wissenschaftlich belegt. Ich weiß schon, die FPÖ hat es nicht unbedingt so mit der Wissenschaft, aber wer Verantwortung trägt, davon bin ich zutiefst der Überzeugung, sollte bereit sein, seine eigenen Vorurteile zu hinterfragen. Das ist keine Ideologie, das ist schlicht und ergreifend eines, nämlich Reife, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Dann kam die Argumentation, es gäbe ja keinen Beweis für institutionellen Rassismus. Also ganz abgesehen, dass es auch dazu generell Studien gibt, dass dieser Aktionsplan mitunter auch passiert, weil es eben auch internationale, europäische Verpflichtungen gibt, weil wir eben auch an das Gleichbehandlungsrecht gebunden sind, abgesehen von all diesen Dingen. Wer Beweise für Rassismus erst dann akzeptiert, wenn er sozusagen eine Schleife trägt, wenn er ein Aktenzeichen trägt, der hat den Sinn von Prävention nicht verstanden, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) Denn Prävention heißt nicht, warten bis Schaden entsteht, sondern rechtzeitig zu handeln bevor Vertrauen verlorengeht. Darum geht es hier auch mitunter mit diesem Aktionsplan. Zu guter Letzt, auch das habe ich irgendwo aufgeschnappt - ich weiß nicht, ob es heute war, wahrscheinlich im Ausschuss -, der Plan behindere Integration, weil er Leistung als etwas Rassistisches darstellen will. Ich glaube, es war von der ÖVP. Der Plan stellt Leistung nicht in Frage, sondern er fordert faire Bedingungen, gleiche Chancen, damit jeder und jede diese Leistung, wie auch immer diese ausschauen mag, auch entsprechend zeigen kann. Das möchte ich hier schon ganz klar sagen, man kann Integration fordern, man kann Leistung einfordern, man kann klare Regeln in der Integration vorgeben, man kann in der Sache sehr hart sein, wenn es um das Erklären, das Aufzeigen von Problemen im Integrationsbereich geht. Das alles geht. Gleichzeitig geht aber auch, Rassismus zu bekämpfen, diese Menschenwürde, die ich vorhin beschrieben habe, allen Menschen selbstverständlich zukommen zu lassen und einer gewissen ethischen Verantwortung, die wir in dieser Gesellschaft haben, ganz klar nachzukommen. All das geht sich zusammen aus, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) Dieser Wiener Aktionsplan gegen Rassismus ist kein ideologisches Projekt (GR Lukas Brucker, MA: Was denn sonst?), sondern er ist schlicht und ergreifend ein demokratisches Versprechen. Wir haben heute sehr viel über Demokratie gesprochen, sehr viel über Respekt, dass alle Menschen in dieser Stadt, unabhängig davon wie sie aussehen, welche Hautfarbe sie haben, welchen Namen sie tragen, welchen Glauben sie praktizieren, gerechte Chancen bekommen. Wer das bekämpft, kämpft meines Erachtens nicht gegen Wokeness, sondern schlicht und ergreifend gegen Fairness. Die Stadt Wien bekennt sich mit diesem Aktionsplan nachweisbar und proaktiv zu den Werten der Menschenwürde und der Gleichheit. Lassen Sie mich zu guter Letzt noch eines ganz klar und deutlich hervorkehren: Wir begehen im Jahr viele Gedenktage, wo auch ganz viele Sonntagsreden gehalten werden, wo wir vielen Worten lauschen können, wo es darum geht, wir wollen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bekämpfen, Hass gegen Menschen bekämpfen. Diese Worte müssen auch ganz klar mit Leben erfüllt werden. Heute ist dafür wieder eine Gelegenheit dazu, nicht einfach nur Sonntagsreden zu halten, sondern wirklich auch etwas zu tun. Deshalb ersuche ich tatsächlich noch einmal alle Fraktionen, in sich zu gehen und um Zustimmung zu diesem wichtigen Akt. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von GRin Mag. Mag. Julia Malle und GRin Mag. Berivan Aslan.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen daher zur Abstimmung über die Postnummer 1, und ich bitte jene Damen und Herren des Gemeinderates, die dem Antrag der Berichterstatterin zustimmen wollen, die Hand zu heben. - Das sind die Stimmen von NEOS, SPÖ und GRÜNEN gegen ÖVP und FPÖ. Wir kommen zur Abstimmung über die eingebrachten Beschlussanträge und ich darf den ersten Antrag der ÖVP zum Thema Zusammenlegung von Antidiskriminierungsstellen zur Abstimmung bringen. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind ÖVP und FPÖ gegen die Stimmen von SPÖ, NEOS und GRÜNEN. Der nächste Antrag, ebenfalls von der ÖVP, zum Thema Aufnahme von Christenfeindlichkeit in den Wiener Aktionsplan gegen Rassismus 2025. Wer dem Antrag folgt, bitte um ein Zeichen. - Das sind wieder ÖVP und FPÖ gegen SPÖ, NEOS und GRÜNE, und der Antrag bleibt damit in der Minderheit. Letzter Antrag zu dieser Postnummer, ebenfalls eingebracht von der ÖVP, betreffend Christenfeindlichkeit in der Wiener Verwaltung. Wer dem Antrag folgt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind ÖVP und FPÖ gegen SPÖ, NEOS und GRÜNE, und damit bleibt auch dieser Antrag in der Minderheit. Es gelangt nunmehr die Postnummer 2 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Förderung an die möwe - Kinderschutz gemeinnützige GmbH, Ich darf bekannt geben, dass gemäß § 22a der Geschäftsordnung des Gemeinderates GRin Korosec sich für befangen erklärt hat. Es liegen keine Wortmeldungen dazu vor. Deswegen kommen wir gleich zur Abstimmung. Ich darf all jene Mitglieder des Gemeinderates, die dem Antrag der Berichterstattung zustimmen wollen, um ein Zeichen mit der Hand bitten. - Das ist einstimmig. Es gelangt nunmehr die Postnummer 13 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft die Erhöhung eines Rahmenbetrages für Einzel- und Gesamtförderungen im Bereich Literatur. Ich darf die Berichterstatterin, Frau GRin Samel bitten, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Mag. Dr. Ewa Samel: Ich ersuche um Zustimmung zum vorliegenden Poststück. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Herr GR Gorlitzer, und ich erteile es ihm. GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA (ÖVP): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, meine Damen und Herren! Wir haben heute schon sehr viel über Einsparungsmaßnahmen gesprochen, vor allem ausgabenseitig. Und wir kommen jetzt zum Bereich Kultur und einen Rahmenbetrag für ein Förderprogramm von insgesamt 941 000 EUR, also von knapp 1 Million EUR. In diesem Antrag steht, dass durch dieses Förderprogramm die österreichische Literatur an einen breiten LeserInnenkreis zu vermitteln ist und die Tätigkeit der in Wien Ansässigen zu unterstützen ist. Das heißt, breite LeserInnenschaft und die Tätigkeit soll in Wien sein. Jetzt schauen wir uns das einmal an. Übrigens, so schaut das aus, was da im Antrag ist. (Der Redner hält ein Schriftstück in die Höhe.) Also ich bin zwar halbwegs normalsichtig, aber ich kann es trotzdem nicht lesen. Es sind also über 40 Fördernehmer hier, verschiedenste Vereine oder Einzelpersonen, das ist also alles andere als transparent, weil man eigentlich kaum nachvollziehen kann, was da passiert. Jetzt aber zu einem konkreten Beispiel. Es gibt da eine Interessensgemeinschaft feministischer AutorInnen und diese veranstaltete im Mai 2025 eine Anti-Muttertags-Lesung - ich wiederhole, eine Anti-Muttertags-Lesung! - im Rahmen der kritischen Literaturtage. Man kann nun sagen, das ist eine lustige Geschichte. Das Ganze fand dann noch in der Anarchistischen Bibliothek statt, Thema war die Konstruktion von Mutterschaft. Ich möchte meine Frau nicht fragen, ob ihre Mutterschaft konstruiert wurde, sonst kriege ich da einen Ordnungsruf, glaube ich. Kommen wir aber noch zu der Anarchistischen Bibliothek. Also ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, meine Damen und Herren, aber Anarchie ist jetzt für mich eher nicht positiv belegt. In meinem Wortschatz ist das eher so, dass man Anarchie möglichst vermeiden soll. Ich habe mir gedacht, tun wir der Anarchistischen Bibliothek nichts Böses, schauen wir nach, was die unter Anarchie verstehen. Vielleicht ist das ja auch so eine Institution, die ein Mahnmal ist gegen Anarchie. Na, mitnichten, da steht ganz klar - ich zitiere, deswegen auch bitte keinen Ordnungsruf: "Glaubst du, dass die meisten PolitikerInnen selbstsüchtige, egoistische Schweine sind, die sich nicht wirklich um das öffentliche Interesse kümmern? Glaubst du, dass wir in einem Wirtschaftssystem leben, das dumm und ungerecht ist?", dann bist du bei uns richtig in der Anarchistischen Bibliothek. (Zwischenruf bei der FPÖ: Wo ist das?) Das ist ja eigenartig, eine Anti-Muttertags-Lesung in der Anarchistischen, sehr fragwürdigen Bibliothek. Also ich bin dort, glaube ich, nicht gut aufgehoben. Ich habe versucht, den breiten LeserInnenkreis, der dort angesprochen worden ist, zu eruieren. Es gibt Gott sei Dank Social Media, dort gibt es auch schöne Bilder und da sieht man, zehn AutorInnen trugen dort Texte vor und unter den Besucherinnen, Männer waren keine dabei, waren es ungefähr, wenn man sie abzählt, zirka 20. Zehn AutorInnen plus 20 ergibt ungefähr 30, wenn man gut gewillt ist, vielleicht einmal 40 TeilnehmerInnen, die zu diesen feministischen AutorInnen hingegangen sind. Fördersumme: 20 000 EUR für 30 Feministinnen in einer Anarchistischen Bibliothek. (Zwischenruf bei der FPÖ: Das zahlt sich aus!) Also ich gebe zu, Sie werden erlauben, dass wir diesem Antrag nicht zustimmen können. (Beifall bei der ÖVP.) Auf die Anfrage im Ausschuss habe ich die Antwort erhalten, die machen auch ganz viele andere Sachen. Ich habe noch ein bisschen nachrecherchiert, was die sonst noch machen. Sie machen schon auch Lesungen, sie machen Lesungen in Jerewan. Vielleicht für die GRÜNEN zur Nachhilfe, Jerewan ist die Hauptstadt von Armenien. Ich glaube, eure EU-Abgeordnete weiß in ungefähr, wo die Hauptstädte liegen. (Zwischenruf von GRin Dr. Jennifer Kickert.) Sie machen auch Lesungen in Leibnitz und Innsbruck, aber sie machen auch einen Kurs für Feministinnen, einen Schreibkurs, selbstredend in inspirierender Meereskulisse in Mareda, das liegt in Kroatien. Also 20 000 EUR und der Kulturausschuss ist kein Reisebüro (GR Mag. Dietbert Kowarik: ... für uns schon!), das Gratisurlaube buchen soll, das ist einfach zu viel für uns. Wir haben aber auch andere Rahmenbedingungen. Es gibt einen anderen Verein, der heißt Sonntagsloch. Da steht auch, er "leistet einen wichtigen Beitrag in der literarischen Landschaft" - das glaube ich auch. Wo? - "In Graz". - Graz ist eine schöne Stadt. Es geht hier bei diesem Antrag um die Auflösung 2.0. Man findet leider nicht, ob jetzt der Verein aufgelöst werden soll oder ob ein Rätsel aufgelöst werden soll, es ist einfach nicht nachvollziehbar. Wir wissen auch nicht, wen das alles interessiert, wie viele Leute da angesprochen werden sollen, ob die breite LeserInnenschaft hier angesprochen werden soll. (Zwischenruf bei der FPÖ: Der Steuerzahler!) Genauso ist es beim uniT Verein für Kultur, der leistet auch einen wertvollen Beitrag. Aber wo? - In Graz. Ich liebe Graz, eine wunderschöne Stadt, aber in Zeiten der Budgetknappheit ist es nicht wahnsinnig sinnvoll, dass wir Wiener Grazer Kulturvereine fördern. Es gibt auch einen lustigen Blogeintrag dazu. Das Engagement des uniT-Vereins ist in künstlerischen Kreisen relativ unbekannt. Fördersumme übrigens 20 000 EUR. Meine Damen und Herren, Sie sehen also, da bleiben ganz viele Fragen offen. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Die Informationen verschwinden alle im Sonntagsloch!) Die Vergabe von Fördermittel ist mehr als intransparent und nicht nachvollziehbar. Es liegen weder Leistungs- noch Jahresberichte vor. Man kann eigentlich nicht eruieren, ob die geförderten Angebote überhaupt die Wienerinnen und Wiener interessieren oder von ihnen genutzt werden. Es scheint auch, dass einzelne Fördernehmer das Geld zum Selbstzweck - Urlaub in Kroatien - einsetzen. Es hat auch keine Relevanz für die literarische und künstlerische Landschaft von Wien, und das lehnen wir ab. (Beifall bei der ÖVP.) Apropos Relevanz, in Ihren eigenen, den festgeschriebenen Förderrichtlinien der Stadt Wien steht: "Die Kulturförderung dient der gesellschaftlichen Relevanz der Kunst und Kultur" und das soll sichergestellt werden. - Ja, es braucht mehr Relevanz, um ein breites, interessiertes Publikum in Wien mit diesem Angebot anzusprechen und auch zufriedenzustellen und nicht solchen Blödsinn, für den da teilweise Fördermittel vergeben werden. Zu einem Punkt möchte ich noch kommen, weil es einen Antrag der Freiheitlichen Partei dazu gibt, zu Milo Rau, den Intendanten der Wiener Festwochen. Er ist Schweizer, und man weiß, die Schweizer haben die längste Geschichte der Neutralität. Man muss auch wissen, als Neutraler hat man sich bei manchen Aussagen ein bisschen zurückzuhalten, vor allem in einer fragilen Situation, wie sie im Nahen Osten herrscht. Es gibt aber einen offenen Brief von Herrn Rau und darin schreibt er: "Das Verbrechen liegt klar zutage und [...] um [...] das zu verhindern, was in Gaza geschieht, [...] einen unmissverständlichen Namen gegeben: Genozid." - Okay, da kann man sagen, das ist eine Privatmeinung. Er fordert auch andere Künstler auf, sich ebenfalls öffentlich gegen Israel zu äußern und entsprechende Aufführungen an ihren Bühnen und in ihren Veranstaltungen zu planen. Nein, das ist nicht die Privatmeinung, Herr Rau veröffentlicht das auf der von der Stadt Wien geförderten Website festwochen.at und bekommt für die Festwochen in Wien 13,6 Millionen EUR Förderung. Unser Landesparteiobmann und Bezirksvorsteher Markus Figl hat es schon gesagt, das würden sich viele Bezirke nur erträumen und sich wünschen, so viel Geld innerhalb von sechs Wochen auszugeben. Das ist oft viel mehr als ein Jahresbudget eines Bezirks. Frau StRin Kaup-Hasler hat am Montag in einem ORF-Interview gesagt, Herr Rau weiß oft nicht zu unterscheiden, ob das jetzt seine Privatmeinung oder seine Meinung als Künstler oder seine Meinung als öffentliche, wichtige Person in Wien, das heißt, als Intendant der Wiener Festwochen, ist. Also ich habe schon Angst vor den nächsten Wiener Festwochen. (Heiterkeit bei der FPÖ.) Wie viele Terroristen wir da wieder einladen werden oder wie viele antiisraelische oder antisemitische Performances es wieder geben wird. Herr Rau schafft es immer wieder, rote Linien zu überschreiten. Ich bin jetzt der Meinung - und das ist nicht nur meine Meinung, sondern auch die von vielen Künstlern und deswegen werden wir eurem Antrag auch zustimmen -, er betreibt hier Geschichtsrelativierung und politisch motivierte Instrumentalisierung. Er hat da eine klare rote Linie überschritten und es ist - Herr Rau, ich darf es Ihnen hier ausrichten, falls Sie zuschauen! - Zeit zu gehen. Es ist Zeit, diese Meinungen nicht öffentlich preiszugeben. Das kann ja Ihre Privatmeinung sein, aber als Intendant sind Sie nicht mehr zu akzeptieren. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Berner. - Bitte. GRin Mag. Ursula Berner, MA (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen, sehr geehrte Frau Stadträtin in Abwesenheit, sehr geehrte Zusehende und Interessierte via Livestream! Eigentlich geht es bei dieser Postnummer um den Rahmenbetrag für Literatur, und ich werde tatsächlich auch meine Wortmeldung hier beginnen. Seien Sie nicht verwundert, wenn wir zuerst über das Kinderkulturhaus in Floridsdorf sprechen müssen oder warum ich dazu spreche, denn ja, ich habe es auch erstaunlich gefunden, aber die zwei hängen miteinander zusammen. Also warten Sie bitte ab. Wir GRÜNE, das möchte ich an dieser Stelle ganz an den Anfang stellen, begrüßen ausdrücklich die Idee eines Kinderkulturhauses in Floridsdorf. Kinderkultur darf kein Luxus sein, der nur in der Inneren Stadt stattfindet. Gerade im bevölkerungsreichsten Nordteil der Stadt braucht es mehr Orte, wo Kinder Kunst und Literatur früh erfahren können, die ihnen Wissenschaft näherbringen und wo sie auch etwas erleben können. Dieses Ziel unterstützen die Grünen ausdrücklich. (Beifall bei den GRÜNEN.) Was wir aber nicht unterstützen können, ist der Weg, wie dieses Projekt wieder einmal gesteuert und umgesetzt wird. Was als Leuchtturm für Kinderkultur begonnen hat, darf nicht in einem Nebel aus nachträglichen Überschreitungen und unklaren Zuständigkeiten enden. Der Weg, wie dieses Projekt geplant und finanziert wird, gibt uns Anlass zur Sorge. Schon der erste Antrag für die Einreichung zeigte, wie unausgereift die Kostenplanung damals war. Im Jahr 2024 wurden 13,06 Millionen EUR bewilligt, doch schon in der Vorlage war zu lesen, dass mit Mehrkosten und zusätzlichen Anforderungen zur Barrierefreiheit zu rechnen ist. Zu Barrierefreiheit, Inklusion und Gleichstellung möchte ich nur betonen, dass dies in allen neuen Gebäuden stattfinden muss, hat die EU schon 2006 festgestellt. Seither müssen alle Gebäude dem entsprechen. Ich finde es ein bisschen fragwürdig, dass man das nicht von Anfang an in die Planung einbringen konnte. Es war also schon bei der Beschlussfassung klar, das Budget wird nicht reichen. Doch was wir nicht erwartet haben, ist, dass jetzt jedes Monat 2024 ein neuer Finanzantrag zu diesem Projekt kam. Hier ein kleiner Überblick der Finanzanträge in Salamitaktik zum Kinderkulturhaus: Im Dezember 2023 haben wir einmal beschlossen, dass das gebaut werden soll. Im März 2024 hat das ZOOM Kindermuseum im Rahmen seiner Programmplanung - da hat es 1,1 Millionen EUR bekommen - 64 500 EUR für die Planung und Konzipierung bekommen. Das ist noch nicht so auffällig. Im September 2024 wurden 170 000 EUR für das Büro der KWG, also der Kultur Raum Wien GmbH sowie 13 Millionen EUR für Umbau und Einrichtung für das neue Haus beschlossen. Im November 2024 wurden weitere 130 000 EUR als Finanzantrag eingebracht, damit ein Mietvertrag erstellt werden kann, der in diesem Haus stattfinden soll. Im Dezember 2024 wurden weitere 390 000 EUR beschlossen, um die Baubegleitung des KWG für das Jahr 2025 festzulegen, und das war mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr, also 170 000 EUR im Jahr 2024, 390 000 EUR für 2025. Zusätzlich wurden dem ZOOM Kindermuseum 303 000 EUR für Vorbereitungskosten - das ist Organisationsentwicklung sowie Erarbeitung des Gestaltungskonzeptes - gegeben, damit es das machen kann. Das heißt, wir sind schon bei deutlich mehr Kosten als diesen 13 Millionen EUR, die wir ursprünglich beschlossen haben. Im März 2025 haben wir weitere 1,5 Millionen EUR beschlossen und jetzt im Oktober 2025 kommen weitere 70 000 EUR dazu und zwar, und das ist für mich sehr erstaunlich, im Rahmenkosten der Literatur. Das heißt, wir haben einen Rahmenkostenbetrag, wo kleine Vereine gefördert werden sollen, die Literaturveranstaltungen machen. Über die muss man sich auch nicht lustig machen, die können sehr frei sein, das ist ja das Ziel von freien Projektvergaben. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Wir müssen es nur zahlen!) Warum genau aber denkt man nicht von Anfang an, wenn man ein Kinderkulturhaus plant, dass es auch um Gestaltung und Konzept geht? Und warum genau kann man diese Kosten nicht von Anfang an in ein Projekt geben und dann wirklich wissen, was die Stadt für dieses Großprojekt ausgeben muss? Warum wird nun im Rahmenbetrag Literatur versteckt, was offenbar vorher in der Planung vergessen worden war? - Das finde ich nicht besonders vertrauenserweckend. Konkret bedeutet das, dass die Gelder, die eigentlich der freien Literaturszene zukommen sollten, in ein stadteigenes Großprojekt fließen. Diese Art von Querfinanzierung gefährdet langfristig die Vielfalt und Unabhängigkeit von kleineren Literatur- und Kunstinitiativen. Und wir wissen alle, in Wien kämpfen die ohnehin um jeden Euro. Wir haben ein Sparbudget. Jetzt wurden auch die Arbeitsstipendien um die Hälfte reduziert, das heißt, freie Literaturvereine, freie LiteratInnen müssen den Gürtel schon enger schnallen. Und jetzt werden von ihrem Gesamtbudget - der Rahmenbetrag ist ungefähr bei 800 000 EUR - noch 70 000 EUR entfernt. Was ist jetzt die prinzipielle Frage? - Die prinzipielle Frage ist, wie es kommt, dass die Stadt Wien ein 14 Millionen EUR -Projekt plant und nicht einbezieht, dass ein solcher Ort wohl auch ein Gestaltungskonzept braucht. Warum müssen das ZOOM Kindermuseum bisher etwa 360 000 EUR und das Kinderliteraturhaus bisher vermutlich 70 000 EUR, vielleicht kommt auch noch etwas dazu, für dieses Gesamtprojekt zuschießen? Und warum muss von den zwei zentralen Kultureinrichtungen so viel nachgeschossen werden, obwohl schon die Kultur Raum Wien GmbH 560 000 EUR bekommt, um Organisatorisches und Projektplanung zu machen und das Ganze umzusetzen? Wir haben es hier mit wahnsinnigen Kosten zu tun, die zum Teil die Vorstellungskraft überfordern. Zum Teil können wir uns gar nicht so gut vorstellen, wie viel Geld das ist, aber in der Literatur, wo es oft um 5 000 EUR Förderungen geht, ist das ein massiver Betrag, der hier ausgegeben wird. Und darum geht es - um die Größenverhältnisse. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Irgendwer verdient daran!) Wie kann sich die Stadt leisten, immer wieder unendliche Summen nachzuschießen und wie viel müssen Kleine darstellen, dass sie überhaupt auf ihre 5 000 EUR kommen? - Es ist auch nicht das erste Mal so, dass bei Großprojekten in Wien erst dann die Planung beginnt, wenn die Gelder schon bewilligt sind. Das ist nicht gerade verantwortungsvolle Budgetpolitik. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wir GRÜNE fragen also: Warum lagen im Sommer 2024 noch keine belastbaren Planungsunterlagen vor, obwohl die Inbetriebnahme des Kinderkulturhauses schon für 2027 avisiert war? Warum werden zentrale Kostenbestandteile - vom künstlerischen Konzept über Organisationsentwicklung bis Personalaufstockungen - immer erst nachträglich budgetiert und genehmigt? Und warum wird die Öffentlichkeit nicht umfassend darüber informiert, welche Teile der Mittel konkret an welche Institution fließen? So eine Förderpraxis wirkt leider intransparent und verschachtelt. Die Geschäftsführung der KWG, also der Kultur Raum Wien GmbH, erhält Millionen für den Bau und gleichzeitig müssen trotzdem die Kultureinrichtungen dafür Vorbereitungskosten tragen. Die Abgrenzung zwischen Bauträger und Nutzer und Fördernehmer verschwindet total. Das führt zu Intransparenz, zu möglichen Doppelstrukturen, wir wissen es nicht. Auf jeden Fall ist es finanziell sehr komplex und ehrlich gesagt, wenn man nicht ganz genau schaut, kann man nach eineinhalb Jahren nicht mehr genau nachvollziehen, wie viel das Projekt insgesamt gekostet hat, weil sich irgendwo noch ein Antrag versteckt. Wir GRÜNE stellen also klar, wir stehen zu dem Haus, aber nicht zu der Art, wie das abgewickelt wird. Wir wollen Klarheit darüber, welche Gesamtkosten, inklusive der Nachbesserungen bis 2028, zu erwarten sind - 2028 soll das Haus ja dann eröffnet werden -, welche Bau- und Planungsetappen noch offen sind und wie die Finanzierung in Zukunft kontrolliert werden soll. Denn jedes Nachschießen öffentlicher Gelder ohne klare Grundlage schadet wieder der Glaubwürdigkeit der Kulturpolitik. Das wollen wir eigentlich alle nicht, weil wir ja für eine transparente Budgetpolitik einstehen, soweit ich weiß. (Beifall bei den GRÜNEN.) Gerade in Zeiten des großen Sparens braucht es Ansagen, auf die man sich verlassen kann - und gerade im Bereich der Budgets. Wenn wir also in Wien, in Floridsdorf ein sichtbares Zeichen für Kinderkultur setzen wollen, dann brauchen wir transparente, nachvollziehbare, solide Finanzprozesse, keine Stückwerkentscheidungen und kein stillschweigendes Aufblähen der Kosten über mehrere Finanzanträge. Das wünschen wir uns. Nur so kann dieses Haus das werden, was es werden soll, nämlich ein offener Ort des Vertrauens für Kinder und nicht ein Beispiel für undurchsichtige Stadtpolitik. Denn wenn wir von kultureller Bildung reden, dann reden wir auch von Vertrauen, von Vertrauen in die Stadt, in die Institutionen und in die Politik. Zum zweiten Diskussionspunkt: Ich wollte es ursprünglich nicht ansprechen, aber mein Kollege hat das jetzt vorgelegt, also finde ich, muss ich auch noch kurz etwas zu den Wiener Festwochen sagen. Ich gehe davon aus, natürlich müssen Kulturevents Diskussionen eröffnen, das ist ein Teil der Daseinsberechtigung von Kultur - nicht nur, aber auch -, und keine Frage, können da umstrittene SprecherInnen eingeladen oder provozierende Produktionen gezeigt werden. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Umstrittene SprecherInnen!) Das stärkt den Diskurs, und ich finde, das ist auch sehr spannend. (GR Mag. Dietbert Kowarik: ... wenn wir das machen, dass wir Terroristen einladen!) Was heißt, was machen wir dann, wenn Sie was machen? Sie sind nicht Sprecher, Sie sind Politiker, und da geht es um Leute, die als ExpertInnen zu einer Diskussion kommen, warum auch immer. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Scheuklappen!) Als GRÜNE erkennen wir jedenfalls an, dass künstlerischer Protest und humanistische Empörung legitime Formen politischer Kultur sind, das ist auch klar. Trotzdem verfehlt Milo Raus Brief diesen Anspruch, weil er in zugespitzter Sprache sehr ambivalente Botschaften sendet und dabei auch antisemitische Lesarten zulässt. Ich will jetzt bewusst nicht inhaltlich auf die Diskussion einsteigen, ich glaube das ist hier nicht der Ort. Mir geht es da um rein strukturelle Fragen, nämlich warum der offene "Brief an meine FreundInnen" von Milo Rau auf der Startseite der Wiener Festwochen veröffentlicht wird. Darum geht es. Ich glaube, das hat die ÖVP ja auch kritisiert. (Beifall bei den GRÜNEN.) Was das Ganze schwierig macht, ist, dass hier die Rollen verschwinden. Wenn die Person Milo Rau einen persönlichen Debattenbeitrag per Leserbrief liefert, dann ist das okay, dann kann man sich auch dazu beziehen. Wenn er zur Veröffentlichung dessen aber die Startseite der Wiener Festwochen benutzt, dann verschwimmt die Rolle des Intendanten mit der Rolle des Privatmanns Milo Rau. Es ist nicht okay, die Website der Wiener Festwochen als private Blogwebsite zu missbrauchen. Wir GRÜNEN haben deshalb eine Anfrage gestellt, um mehr Licht in diese Causa zu bringen, denn es gilt eine Reihe von Fragen zu klären. Erstens, steht der Brief in einem Zusammenhang mit einer Produktion der Wiener Festwochen? - Das ist noch nicht klar. Zweitens, wer hat den Brief beauftragt, dass er so auf der Startseite steht? Sind Fördermittel verwendet worden, um diesen Brief in ganz Europa öffentlich zu machen? Und in wessen Namen wird in diesem Brief gesprochen? Im Namen der Festwochen, im Namen der Stadt Wien als Hauptsubventionsgeberin oder im Namen von Milo Rau? (GR Mag. Dietbert Kowarik: Wer zahlt die Homepage?) Im Brief wird ein "Wir" bemüht, also welches "Wir" meint er? Wer wird von ihm in Geiselhaft genommen? - Das ist ein schwieriges Wortspiel, merke ich gerade. Es geht uns nicht darum, Hatz gegen eine einzelne Person zu machen, sondern es geht um eine Rollenklärung zwischen Festivalintendant und Privatperson. Es geht darum, wo die Grenze zwischen Inszenierung und Selbstinszenierung endet und die Verantwortung für ein Festival beginnt. Ich freue mich auf die Beantwortung, herzlichen Dank. - Und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Ich darf bekannt geben, dass GRin Hungerländer sich bis zum Ende der Sitzung entschuldigt hat. Nach dieser kurzen Durchsage ist der nächste Redner, GR Brucker am Wort. - Bitte. GR Lukas Brucker, MA (FPÖ): Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bleibe auch beim Thema Wiener Festwochen. Es ist ja wirklich bemerkenswert, dass wir heute hier einen Aktionsplan gegen Rassismus diskutieren, Sie uns auffordern, diesem zuzustimmen, aber gleichzeitig ein Festwochenintendant, der eindeutig antisemitische und antiisraelische Aussagen getätigt hat, von der Rathausmehrheit hier unterstützt wird. Also diesen Widerspruch müssen Sie uns einmal erklären, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Dieser Herr Rau ist ja mittlerweile ein Wiederholungstäter. Er hat schon oftmals für Wirbel in der Wiener Kulturlandschaft gesorgt. Ich glaube, man kann eindeutig feststellen, bei diesem Herrn Rau handelt es sich um einen Selbstdarsteller, der eigentlich nur sich selbst verkauft, und dem die künstlerische Qualität der Darbietung eigentlich ziemlich egal ist. Und er ist ein Intendant, der mit Millionen an Steuergeldern finanziert wird. Er missbraucht diese Bühne für antiisraelische und antisemitische Propaganda und was macht die zuständige Kulturstadträtin? - Gar nichts. Sie schaut dabei einfach zu, gibt nicht einmal wirklich eine öffentliche Äußerung ab, dabei hätte sie eigentlich nur eines zu tun, nämlich diesen Herrn Rau sofort hochkant hinauszuschmeißen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Es wurde von Kollegen Gorlitzer und auch von Kollegin Berner von den GRÜNEN schon erwähnt, Herr Rau hat am 4. Oktober auf der Website der Wiener Festwochen in diesem offenen Brief einen Aufruf zum Widerstand gegen die Kriegsverbrechen von Gaza veröffentlicht. Er spricht wörtlich von Verbrechen des israelischen Militärs und fordert, die Bühnen in Orte des Widerstandes zu verwandeln. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist keine Kunst, das ist politische Agitation auf Kosten der Steuerzahler und wir sprechen hier nicht von irgendeinem privaten Blog oder irgendeinem Leserbrief, wie schon erwähnt wurde, nein, das ist eine Veröffentlichung auf der offiziellen Website der Wiener Festwochen, die 27 Millionen EUR an öffentlichen Mitteln für die Jahre 2025 und 2026 bekommen. Wer so handelt, tritt den Auftrag kultureller Verantwortung mit Füßen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Ich habe es schon erwähnt, die Frau Kulturstadträtin macht eigentlich überhaupt nichts. Sie distanziert sich nicht von diesen Äußerungen, es gibt keinerlei Konsequenzen. Ich sage nur, wenn die Frau Stadträtin glaubt, sie kann das einfach so aussitzen und überhaupt nichts dazu sagen und davon ausgehen, dass das an ihr vorbeigeht, hat sie sich getäuscht. Wir werden sie da nicht aus der Verantwortung entlassen. Es wurde schon erwähnt, es wird im Kulturbereich an allen Ecken und Enden gespart. Vereine, Musikschulen, Bezirkskulturinitiativen müssen um jede kleine Förderung kämpfen und gleichzeitig werden die Wiener Festwochen mit zig Millionen EUR Steuergeld zugeschüttet für eine reine linke Selbstinszenierung und ideologische Programme. Die Frau Stadträtin hat bereits angekündigt, dass es bei den Wiener Festwochen keinesfalls Einsparungen geben wird, da bleibt das Budget so wie es ist. Ganz im Gegensatz zu den Vereinigten Bühnen Wien, da hat sie gesagt, da muss auf jeden Fall gekürzt werden. Da zeigt sich einmal mehr, wo die Priorität dieser Kulturpolitik liegt. Nämlich nicht bei Qualität, sondern bei Ideologie und Agitation. Das ist nicht nur politisch falsch, das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Steuerzahlers in Wien. (Beifall bei der FPÖ.) Nicht nur wir üben Kritik, es hat auch eine Reihe von Künstlern Kritik an den Aussagen von Milo Rau geübt. Da ist kein einziger Künstler dabei, der irgendwie im Verdacht steht, der FPÖ nahezustehen, sondern ganz im Gegenteil. Und wenn sogar diese Kulturszene selbst sagt, dass eine Grenze überschritten wurde, dann sollte man das auch seitens der Kulturpolitik zur Kenntnis nehmen. Ich komme jetzt noch zu jemandem, dessen Wort in der österreichischen Kulturlandschaft wirklich großes Gewicht hat, nämlich zu Ioan Holender, 18 Jahre lang Direktor der Wiener Staatsoper. Die Frau Stadträtin hat in der Fragestunde ein bisschen despektierlich gemeint, sie sei froh, dass dieser alte Mann noch lebt. Also jeder soll sich wirklich selbst einen Eindruck machen, was so eine Aussage bedeutet. Ich finde sie eigentlich wirklich despektierlich und mehr als unangebracht. (Beifall bei der FPÖ.) Ioan Holender nennt den Intendanten Milo Rau einen Intendanten auf Abwegen und wirft auch der Stadträtin vor, durch ihr Nichtstun das Vertrauen in die öffentliche Kulturförderung zu beschädigen. Und da hat er völlig recht. Wenn jemand wie Ioan Holender, der jahrzehntelang für Qualität, Leistung und internationale Anerkennung steht, der SPÖ- Kulturpolitik derart scharfe Worte widmet, dann sollte das die Letzten in der Stadtregierung endlich einmal aufwecken. Sehr geehrte Damen und Herren, was fordern wir? - Wir fordern, dass Milo Rau als Intendant der Wiener Festwochen sofort abberufen wird, dass die Fördermittel für die Wiener Festwochen für das Jahr 2026 sofort gestrichen werden, und wir fordern einen umfassenden Bericht über die Verwendung der bisherigen Mittel. Wir wollen auch neue Förderrichtlinien, die sicherstellen, dass öffentliche Gelder nicht für ideologische oder einseitige politische Zwecke missbraucht werden, sondern wir wollen Verantwortung, Kunst und Kultur, die im öffentlichen Interesse stattfindet. (Beifall bei der FPÖ.) Sehr geehrte Damen und Herren, genug ist genug. Milo Rau muss gehen. Wien braucht endlich wieder eine Kulturpolitik mit Rückgrat, Haltung und Respekt gegenüber den Steuerzahlern in dieser Stadt. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Weninger. Ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Katharina Weninger, BA (SPÖ): Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es ja wirklich schade: Wir beschließen heute die Erhöhung der Förderung in der Literatur, und von der FPÖ wird in der ganzen Rede keine Sekunde darüber gesprochen. Es geht darum, zum Poststück zu sprechen. Sie haben vorher darüber gesprochen, dass überall gekürzt wird. Wir können da wirklich über eine Erhöhung abstimmen, und es ist Ihnen keine Sekunde Ihrer Redezeit wert, darüber zu sprechen. Mir ist es das wert, ich freue mich extrem über die Erhöhung der Literaturförderung, weil das auch wichtig ist. (Zwischenruf von GR Lukas Brucker, MA.) Wir brauchen mehr Geld in der Literatur. 810 000 EUR war der ursprüngliche Rahmenbetrag. Bis zum 28. Juli wurden davon bereits 807 000 EUR an 49 hochwertige Projekte vergeben, und es gibt weiterhin ganz exzellente Ansuchen. (GR Lukas Brucker, MA: Anarchistische Projekte ...!) Die Kultur hört eben nicht am 28. Juli auf, sondern geht weiter, und die Inflation trifft auch die Kulturszene massiv, Fair Pay, Mieten, Betriebskosten, alles steigt. Was wird hier gefördert? - Auch das ist leider in den Reden ein bisschen zu kurz gekommen. Es ist nämlich die ganze Breite der Literaturszene. Es werden immer kleine Projekte herausgestrichen, um zu versuchen, irgendwelche Dinge zu skandalisieren, dabei ist eben gerade in der Literatur die Breite der Veranstaltung, die Breite der Förderungen ganz massiv. Es werden Projekte wie "Writers in Exile" gefördert mit über 70 000 EUR. Es wird das "Internationale Poesiefestival Erich Fried" gefördert, die "Augustin Geschichtenwerkstatt", die Stimme für Menschen am Rand, ganz, ganz viele kleine Projekte um die 1 000 EUR und mehr und natürlich auch das Kinderkulturhaus Floridsdorf - und zwar der literarische Teil. Natürlich ist dieser literarische Teil auch in der Literaturförderung drinnen, genauso wie der Teil des ZOOM Kindermuseums auch dort mitgefördert wird. Denn genau darum geht es bei der Transparenz, dass man nicht alles in einen Akt einpackt, sondern dort fördert, wo es auch hingehört. Und die Literaturförderung für Kinder gehört in die Literaturförderung und ist nichts Verstecktes, sondern ist, glaube ich, hier auch sehr, sehr transparent ausgewiesen. (Beifall bei der SPÖ.) Ja, das ist sozialdemokratische Kulturpolitik, nicht nur Hochkultur zu fördern, sondern die Vielfalt, nicht nur Eliten, sondern alle. Ich möchte aber auch noch kurz auf die beiden Anträge der ÖVP eingehen. Zum einen geht es dabei um mehr Transparenz bei Rahmenbeträgen. Die ÖVP möchte, dass wir als Gemeinderat vorab wissen, welche Projekte gefördert werden. Zum anderen fordert die ÖVP eine detaillierte Abrechnung und einen besseren Zugang zu den Formularen. Das klingt vielleicht beides gut, ist aber leider sehr unpraktikabel. Warum? - Weil Rahmenbeträge Flexibilität bieten, und genauso ist auch die Kultur. Sie ist flexibel, sie ist lebendig, sie ist spontan, und sie reagiert auf aktuelle Entwicklungen. Natürlich ist die Transparenz trotzdem gegeben, weil alle Förderungen nachträglich berichtet werden, wie heute zum Beispiel. Onlineanträge mit allen wesentlichen Informationen liegen vor, und wir können jederzeit nachvollziehen, wohin das Geld fließt. Zusammenfassend möchte ich sagen, ich finde es ein bisschen interessant und weiß nicht, wann die ÖVP die Liebe zur Planwirtschaft entdeckt hat, aber in diesem Fall ist es, muss ich sagen, leider wirklich ein Blödsinn und macht so keinen Sinn. Genauso bin ich versucht, Sie aufzufordern, sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MA 7 zu entschuldigen, weil Sie ihnen offensichtlich nicht zutrauen, ihre Arbeit richtig zu machen. Die MA 7 ist eine wirklich höchst spezialisierte Förderabteilung mit 73 MitarbeiterInnen, dazu kommen noch die Beiräte, die Jurys, die wechselnden ExpertInnen, zirka alle zwei bis drei Jahre, dass man da wirklich auch am Puls der Zeit bleibt. Diese prüfen nicht nur die Finanzen, sondern auch die künstlerische Qualität. Ich möchte nicht, dass die ÖVP bei jedem Antrag über die künstlerische Qualität entscheidet, sondern dass das von Menschen gemacht wird, die sich wirklich mit diesem Thema auskennen. Es sind 6 870 Ansuchen im Jahr 2024 eingelangt. Wollen Sie sich wirklich jeden Antrag im Ausschuss anschauen und dann selbst darauf Bezug nehmen, ob das für Sie künstlerisch wertvoll ist oder nicht? (Zwischenruf bei der ÖVP: Ja! - GR Mag. Dietbert Kowarik: Wir zahlen es ja!) - Ich habe da gerade ein Ja gehört, ja, das ist (Heiterkeit bei der Rednerin.) wahrscheinlich der Unterschied zwischen uns beiden. Wir vertrauen auf Professionalität und Fachexpertise, die ÖVP will anscheinend politische Kontrolle über jeden einzelnen Kulturverein haben. (GR Lukas Brucker, MA: Das ist ja Steuergeld, das hier ausgegeben wird!) Das eigentliche Problem ist, dass Sie Kulturpolitik nach Boulevardschlagzeilen machen. Das ist auch ganz genau das, was Sie mit dem Beispiel der Anti-Muttertags-Lesung versuchen. (Zwischenruf bei der ÖVP.) Worum geht es da wirklich? - Sie skandalisieren das und tun so, als würden dort kleine Kinder davon abgehalten werden, Zeichnungen für die Mamas zu gestalten oder sonstige furchtbare Dinge. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Stimmt's oder nicht?) Und Feministinnen, die sich treffen, das ist wahrscheinlich in Ihren Augen auch etwas ganz Schreckliches. Nein, es geht um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Muttertag. (Zwischenruf bei der ÖVP.) Sie können mir glauben, dass ich als Meidlingerin eine sehr spezielle Beziehung zum Muttertag habe. (Heiterkeit bei der SPÖ.). Statt aber hier Filmzitate wiederzugeben, die aus meiner Sicht wahrscheinlich passend wären, sage ich Ihnen - nicht als Meidlingerin, sondern als Mutter -, dass diese kritische Auseinandersetzung mehr als notwendig ist, dass es notwendig ist und leider immer notwendiger wird, das Frauenbild in unserer Gesellschaft zu diskutieren und zu hinterfragen. (Beifall bei der SPÖ und von GR Thomas Weber.) Wie gesagt, die Aufgabe des Gemeinderates ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, Kriterien festzulegen, die künstlerische Bewertung überlassen wir den Profis, den Fachjurys, den Beiräten der MA 7. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Wo steht das?) Sehr geehrte Damen und Herren, Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt, nicht nur wegen der funktionierenden Infrastruktur, sondern weil hier Kultur atmen kann, weil hier Vielfalt möglich ist, weil hier auch unbequeme Stimmen Gehör finden. Diese 131 000 EUR sind eine Investition in künstlerische Freiheit, in gesellschaftliche Vielfalt, in Wiens Zukunft als Kulturhauptstadt. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Paul Stadler. - Sie sind am Wort. GR Paul Johann Stadler (FPÖ): Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wie Sie wissen, bin ich nicht unbedingt ein Freund langer Reden, aber ich versuche immer, gleich zu dem Punkt zu kommen, wo die Probleme sind. Wir haben im Bezirk ein tolles Schloss, das von der Stadt Wien verwaltet wird. Wir haben einen Kulturverein, der pleite ist, der exekutiert wird, der die Künstler nicht bezahlt. Und jetzt habe ich sogar erfahren, dass die Stadt Wien selbst den Kulturverein klagt, weil er die letzten fünf Jahre die Miete nicht bezahlt hat. Ich muss Ihnen eines sagen, es ist traurig, dass wir die Künstler hier im Regen stehen lassen, denn sie haben ihre Arbeit ja getan. Die Künstler haben ihre Kunst präsentiert, es waren Dichterlesungen dabei, es waren verschiedene Veranstaltungen mit Musik, Kinderveranstaltungen, wie auch immer und sie haben bis heute kein Geld bekommen. 2024 hat der Verein 70 000 EUR bekommen. Mir ist heute Nacht eine Liste zugespielt worden, wer will kann sie dann sehen. (Der Redner hält ein Schriftstück in die Höhe.) Die 70 000 EUR sind die offizielle Förderung, die von der Stadt Wien gekommen ist, aber 120 000 EUR hat der Verein zusätzlich eingenommen, mit Veranstaltungen, mit zusätzlichen Vermietungen, wie auch immer. Ich habe heute noch kurz mit den Rechtsanwälten, die geklagt haben, gesprochen und die haben gesagt, es ist kein Geld da, wir wissen nicht wo das Geld ist. Und jetzt frage ich Sie: Wo ist da die Sorgfaltspflicht der Stadt Wien? Wir haben immer gesagt, super, die Stadt Wien bezahlt das Schloss, die Stadt Wien bezahlt die Heizung, die Stromkosten, die Kanalgebühren, die Müllgebühren. Was hat der Verein noch für Ausgaben? - Dem muss ja das ganze Geld überbleiben, und trotzdem bezahlen sie die Künstler nicht. Und das ist etwas, was ich überhaupt nicht verstehe. Ich kann Ihnen nur eines sagen: Es werden hier noch sehr gravierende Sachen aufgedeckt werden. Vor allem ist das ein SPÖ-naher Verein, das muss man noch dazusagen. Es sitzen hochrangige SPÖ-BezirksvorsteherInnen in diesem Verein noch drinnen und Herr Nauschnigg, der Obmann, das kann man ja sagen, ist Ihnen ja auch nicht unbekannt. Die haben den Künstlern das Gefühl gegeben, wir, der Kulturverein, wir haben sowieso die Unterstützung von der SPÖ, ihr kriegt schon euer Geld, das wird schon alles passen, aber die Künstler haben es nicht bekommen. Und jetzt gibt es die Exekutionen und am 11.11. gibt es sogar schon die Pfändungen. (Zwischenruf bei der FPÖ: Eine Schande!) Ich muss Ihnen eines sagen, ich finde das nicht korrekt. Daher würde ich mir wünschen, dass man diese Künstler, die ihre Tätigkeit schon getan haben, irgendwie unterstützt. Dabei rede ich gar nicht für FPÖ-Künstler, denn es sind meistens sozialdemokratische Künstler, die zu mir gekommen sind und gesagt haben, bitte, Herr Stadler, können Sie uns nicht irgendwie helfen. Wir haben unsere Tätigkeit ja getan, wir haben ja präsentiert, und jetzt lässt uns der Kulturverein sausen. Und die Stadt Wien hat jetzt auch irgendwie das Sausen bekommen und hat jetzt noch schnell - in der Zeitung ist es gestanden - die Mietrückstände eingeklagt. Und das kann es nicht sein. Unterstützen Sie unseren Antrag, dass diese Künstler, die ihre Arbeit getätigt haben, wenigstens irgendetwas bekommen, weil sonst haben sie überhaupt ein Problem. Und das Vertrauen in die Kulturpolitik, die wir derzeit machen, ist dann sehr, sehr gering. - Danke. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Bevor wir zur Abstimmung kommen, darf ich die Kolleginnen und Kollegen vom Gemeinderat bitten, zumindest in einem Einleitungssatz ihrer Rede zum Poststück zu reden. (Heiterkeit bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Das wäre genug, und dann können Sie über Ihre Anträge reden, aber zumindest in einem Einleitungssatz sollten Sie darauf Bezug nehmen, damit ich nicht dauernd überlegen muss, ob ich Sie ermahnen sollte, zur Sache zu reden. Es würde uns allen hier oben wirklich helfen. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN. - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Danke!) Wir kommen jetzt zu Postnummer 13. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe, dass der Antrag der Berichterstatterin mehrstimmig mit den Stimmen der SPÖ, der NEOS und der GRÜNEN gegen die Stimmen der FPÖ und der ÖVP angenommen ist. Zu diesem Poststück liegen vier Anträge vor. Der erste Antrag der ÖVP mit dem Titel Transparenz bei Fördermittelverwendung. Wer für diesen Antrag ist, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP, der FPÖ und der GRÜNEN gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der NEOS, womit dieser Antrag in der Minderheit ist und abgelehnt wird. Der nächste Antrag, ebenfalls von der ÖVP, mit dem Titel Mehr Transparenz bei Rahmenbeträgen. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP und der FPÖ. Auch dieser Antrag bleibt da in der Minderheit und ist damit abgelehnt. Der nächste Antrag der FPÖ betrifft die Einrichtung eines Ausgleichfonds für die Insolvenz des Kulturvereines Simmering. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der FPÖ und der ÖVP gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der NEOS und der GRÜNEN. Dieser Antrag bleibt in der Minderheit und ist abgelehnt. Der nächste Antrag der FPÖ betrifft den Intendanten der Wiener Festwochen Milo Rau. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Zustimmung durch die ÖVP und die FPÖ, womit dieser Antrag in der Minderheit bleibt und abgelehnt ist. Damit kommen wir zu Postnummer 14 der Tagesordnung. Sie betrifft eine Förderung an die TAG - Theater an der Gumpendorfer Straße GmbH für die Jahre 2025 und 2026, und ich ersuche den Berichterstatter, Herrn GR Baxant, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatter GR Petr Baxant, BA: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort gemeldet ist ... (In Richtung des GR Leo Lugner) Sie lassen sich jetzt streichen? - Gut. Damit ist GRin Weninger zu Wort ... (Zwischenruf von GR Katharina Weninger, BA.) Auch da jetzt eine Streichung. Damit ist dazu niemand mehr zum Wort gemeldet. Die Debatte ist geschlossen und auch der Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort. Somit kommen wir sofort zur Abstimmung über die Postnummer 14. - Das geht alles rascher, als ich gedacht habe. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ, der NEOS, der GRÜNEN und der ÖVP, das heißt, dieser Antrag des Berichterstatters ist mehrstimmig gegen die Stimmen der FPÖ angenommen. Wir kommen hiermit zu Postnummer 20. Sie betrifft das Plandokument Nr. 8461 im 2. Bezirk, KatG Leopoldstadt. Ich ersuche den Berichterstatter, Herrn GR Al-Rawi, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatter GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi: Danke, Frau Vorsitzende, ich ersuche um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort gemeldet ist GRin Keri, ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Sabine Keri (ÖVP): Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Berichterstatter, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Damen und Herren! Ich werde mich kurzhalten, ich möchte nur einen Satz zum aktuellen Poststück sagen. Da geht es um den ehemaligen Mistplatz, der umgewidmet werden soll, auch eine der Baustellen, die in der Leopoldstadt für Aufregung bei den Anrainerinnen und Anrainern sorgt - genauso wie das Thema rund um den Busbahnhof, genauso wie das Thema Verlängerung der Straßenbahnlinie 18. Frau Kollegin Kickert hat heute schon gesagt, wir haben während der Demokratie-Strategie darüber diskutiert, alles was die Verlängerung des 18er bei der Stadionallee angeht, betrifft eigentlich nur eine kleine Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern. Dem ist jetzt mittlerweile nicht so, sondern es zieht sich jetzt immer weiter in die Länge, und es nimmt immer größere Ausmaße an. Und zwar betrifft es jetzt auch die Buslinie 80A, die vom Praterstern über das Cottageviertel, Wittelsbachstraße, Lukschgasse, Rustenschacherallee hinauf über die Stadionallee nach St. Marx fährt. Diese Buslinie soll ab Mitte November nicht mehr fahren. Das würde nicht nur für die Kleingartensiedlung Wasserwiese bedeuten, dass sie überhaupt keine öffentlichen Verkehrsmittel hat, nämlich gar nichts mehr, weder in Richtung 3. Bezirk, noch in Richtung 2. Bezirk, sondern es bedeutet auch für weitere über tausend Menschen im Cottageviertel und in dem ganzen Grätzel, dass sie keine gute Anbindung mehr in Richtung 3. Bezirk Schlachthausgasse haben. Und wir wissen, dass das nächste höchstrangige öffentliche Verkehrsmittel die U3 ist, und das ist natürlich nicht tragbar. Interessant für mich war, während ich da so meine morgendliche Hunderunde gemacht habe, dass plötzlich eine Unterschriftenliste aufgelegt ist, wo man sagt, bitte kommt doch unterschreiben, denn wir brauchen eure Unterstützung, weil der 80A eben ab November nicht mehr fahren soll, dass zumindest Wittelsbachstraße bis zur Lukschgasse eine Busverbindung sein soll. Darunter steht, kommt doch am Donnerstag in die Böcklinstraße 43. Ich habe mir gedacht, die Adresse kenne ich von irgendwoher, denn das ist das SPÖ-Sektionsbüro Am Schüttel. Das heißt, die SPÖ sammelt jetzt Unterschriften, dass die Wiener Linien sich etwas einfallen lassen, damit der Bus dort fährt. Für mich war das total interessant, weil es auch noch ganz groß im Schaukasten hängt. Oberhalb prangt das Foto von Herrn BV Nikolai und unterhalb steht, unterschreibt bitte, damit wir diese Buslinie kriegen. Ich bin dagestanden und habe mir gedacht, also okay, entweder ist es ein Marketinggag und die SPÖ braucht Adressen (Heiterkeit bei den GRÜNEN.) oder der Herr Bezirksvorsteher ist so schwach, dass er nicht die Stadträtin oder bei den Wiener Linien anrufen und sagen kann, setzen wir uns zusammen und finden wir eine Lösung. Oder es ist eine Mischung aus beiden. Alle drei Sachen sind ziemlich tragisch. Und ich muss sagen, es hat mich wirklich überrascht. Ich habe mir gedacht, für einen Petitionsausschuss ist es nicht brauchbar, so wie es formuliert ist. Es wundert mich doch sehr, dass sich die SPÖ - die den Bezirksvorsteher dort stellt, die eigentlich bei der Stadtentwicklung dafür verantwortlich ist, wir wissen wo die Wiener Linien angesiedelt sind -gezwungen fühlt, hier jetzt Unterschriften zu sammeln. Und dann habe ich mir gedacht, na gut, dann helfen wir ein wenig und schauen doch, ob man das nicht auf einem kürzeren Weg machen kann und bringen diesen Antrag ein - und zwar dass die Buslinie zumindest bis zur Lukschgasse fahren soll. Ganz toll wäre es, wenn sie überhaupt bis zur Kreuzung Stadionallee, Lusthausstraße, Rustenschacherallee fahren würde, da wäre nämlich auch die Wasserwiese fußwegmäßig zumindest fünf Minuten bis zum Eingang Kleingarten Wasserwiese an ein öffentliches Verkehrsmittel angebunden, aber ja, zumindest bis zur Lukschgasse wäre super. Das ist die Geschichte, warum wir diesen Antrag einbringen. Und ich bitte im Sinne der SPÖ Am Schüttel um Zustimmung. (Beifall bei der ÖVP. - Heiterkeit bei ÖVP und GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Sequenz. - Bitte. GRin Mag. Heidemarie Sequenz (GRÜNE): Liebe Kollegen und Kolleginnen! Ich komme gleich zur Sache: Kein Mistplatz an der Freien Mitte. Damit einmal gleich alle wissen, was hier los ist. Und ich bin mit dieser Meinung nicht alleine. Alle, alle Parteien in der Leopoldstadt wollen nicht, dass der Mistplatz, der jetzt an der Dresdner Straße ist, an die Freie Mitte übersiedelt. Da sind wir jetzt wirklich mitten drin im Thema. Kurz vor der Wahl hat man noch so getan, das kommt sicher nicht, nein, keine Idee. Der Herr Bezirksvorsteher hat sich quasi als Verteidiger der Freien Mitte aufgespielt: Mit mir wird das nicht kommen. Uns GRÜNEN hat man sogar noch unterstellt, wir thematisieren das aus parteipolitischen Gründen direkt vor der Wahl, dabei hat schon wirklich alles, alles darauf hingedeutet, dass das kommen wird. Und es kam. Ich schwöre es euch, ein paar Minuten nach der Wahl ging die öffentliche Auflage für die Widmung dieses Mistplatzes hinaus, ein paar Minuten nach der Wahl. Ein Mistplatz, der jetzt eingepfercht ist zwischen der Dresdner Straße, der Bahn, dort kommt Wohnbau hin - und der Mistplatz soll an die Freie Mitte übersiedeln, an das wunderbare grüne Herzstück des Nordbahnviertels. Warum sind wir gegen diese Umwidmung des Mistplatzes auf Wohnen? - Sie können sich vorstellen, die Qualität der Freien Mitte wäre massivst beeinträchtigt. Ich brauche Ihnen nicht zu erzählen, was sich beim Mistplatz abspielt: Lkws, Autos, Lärm, Staub, Dreck. Man muss dort sogar eine Mauer bauen, um den Mistplatz vom Park abzutrennen. Was das für den Kinderspielplatz dort bedeutet und den Nachbarschaftsgarten, das kann sich jeder vorstellen. Zweitens, die Durchgängigkeit zur Freien Mitte wäre massivst beeinträchtigt und was wirklich, wirklich fies ist: Dieses Filetstück der Freien Mitte wäre für den Wohnbau verloren. Ich verstehe es einfach nicht. Warum will man an einem schirchen, lauten Ort einen Wohnbau widmen und gleichzeitig muss an der Freien Mitte, wo es wirklich schön ruhig ist, der Mistplatz hin? - Deswegen werden wir dieser Widmung auch nicht zustimmen. Ich habe es schon gesagt, es hat 2020 schon einen einstimmigen Beschluss gegeben, dass das nicht stattfinden soll. Es hat auch nicht stattgefunden. Und da zeigt sich, es nicht wurscht, wen man wählt. Unter der grünen Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger wurde nämlich genau das gemeinsam mit einer BürgerInneninitiative verhindert. (Beifall bei den GRÜNEN.) Es wäre ganz einfach. Ich habe Ihnen einen Plan mitgebracht. Das Rosarote ist der Mistplatz, das Blaue daneben die Fläche, um die der Mistplatz vergrößert werden könnte. Denn das Argument für die Schließung und auch dafür, dass er nicht wiedereröffnet wurde, war ja: Er ist zu klein, und außerdem sind die Zufahrten zu gefährlich. Bitte schaut euch das an! Das Grüne ist die Freie Mitte, und da will man den Mistplatz jetzt hinpicken. Also das geht wirklich nicht. Der Mistplatz wurde während der Pandemie geschlossen und dann nicht wiedereröffnet. Jetzt waren die Leute in der Leopoldstadt und in der Brigittenau fünf Jahre lang ohne Mistplatz. Gut, das muss auch gehen. Man hat offensichtlich die Pandemie genutzt, um Tatsachen zu schaffen und das Areal zu verkaufen. Noch einmal: Obwohl alle Parteien im Bezirk 2020 einstimmig gesagt haben, der Mistplatz darf nicht an die Freie Mitte und das Areal des derzeitigen Mistplatzes soll nicht verkauft und nicht verbaut werden und da sich die Meinung aller im Bezirksparlament vertretenen Parteien auch fünf Jahre später nicht geändert hat, lehnen Sie diese Flächenwidmung, die wir heute hier abstimmen, weiterhin ab. Der Widerstand gegen diesen Mistplatz kommt aber auch von Bürgerinitiativen. Es steht jetzt übrigens eine Bürgerversammlung an. Dafür hat es zwei Anläufe gebraucht. Den Antrag auf eine Bürgerversammlung, der im März gestellt wurde, hat der Bezirksvorsteher gleich gar nicht zugelassen. Ein Schelm, wer glaubt, das hat mit der Wahl nichts zu tun. Im Juni wurde die Bürgerversammlung dann einstimmig beschlossen. Die Bürger der Leopoldstadt warten jetzt darauf, dass die Verantwortlichen ihnen dort Rede und Antwort stehen. Ich nehme an, das werden auch die SPÖ- Abgeordneten aus der Leopoldstadt in diesem Raum machen und sich dort erklären. Die gute Nachricht ist aber: Noch ist nicht alles verloren. So wie es heute ausschaut, wird dieser Mistplatz auf Wohnbau umgewidmet. Ich wiederhole es: der am schlechtesten mögliche Ort. Dass der Mistplatz dann die Freie Mitte ruiniert, ist aber noch nicht gegessen. Denn die derzeitige Widmung gibt das nicht her. Die Widmung, die wir heute abstimmen, war zweimal im Bauausschuss des Bezirks. Sie war zweimal in der Bezirksvertretung im Bezirk. Sie wurde jedes Mal abgelehnt. Wir werden die Expertise der BezirksrätInnen respektieren. Ich bin wirklich gespannt, wie sich die SPÖ und alle anderen, die da vielleicht mitstimmen, darüber hinwegsetzen. Wir finden das respektlos den Bezirksorganisationen gegenüber und hoffen, dass Vernunft einkehrt und das Schlimmste verhindert wird, dass nämlich der Mistplatz dorthin übersiedelt. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Rompolt zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Ing. Astrid Rompolt, MA (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Berichterstatter! Ich darf jetzt tatsächlich zum Poststück sprechen. Es geht um eine Flächenwidmung. Es geht um leistbares Wohnen. Ich denke, es ist gerade in diesen schweren Zeiten, in denen viele Menschen mit dem Geld zu kämpfen haben und viele Menschen Probleme damit haben, ihre Miete zu zahlen, eine gute Nachricht, dass wir in dieser Stadt auch weiterhin für leistbares Wohnen sorgen. Das passiert mit diesem Akt. (Beifall bei der SPÖ und Zwischenruf.) Die Dresdner Straße ist absolut zentral gelegen. Sie ist ein guter Ort. Man ist in zehn Minuten im Zentrum. Man ist in zehn Minuten an der Donaupromenade. Man ist mitten in verschiedenen Erholungsgebieten. Gleich daneben ist die Freie Mitte, der größte Park, der in den letzten, ich glaube, 40 Jahren gebaut wurde. Genauso nah, also nur ein paar Meter weiter, ist der Augarten. Ebenfalls sehr gut erreichbar sind der grüne Prater und andere Grünareale. Es ist also wirklich in Grün eingebettet. Die Anbindung ist sehr gut. Mit der Linie 2 ist man auch sofort in der Stadt. Die Linie 12 fährt seit Anfang September und verbindet immerhin drei U-Bahn-Linien. Das Wohnen ist dort also wirklich gut, vor allem für junge Menschen, denke ich. Wie gesagt ist das für Menschen, die leistbaren Wohnraum suchen, ein guter Ort, denn dort werden 200 Wohnungen entstehen, zwei Drittel davon im geförderten Wohnbau. Das neue Grätzel schließt außerdem an den ehemaligen Nordwestbahnhof an, auch ein Stadtentwicklungsgebiet und genauso wie der Nordbahnhof eigentlich ein Hoffnungsgebiet. Dort wird noch sehr viel Wohnbau entstehen. Umso wichtiger ist es, dass diese gute Anbindung und dieser niederschwellige Zugang künftig geregelt sind, denn diese zwei großen Industriebrachen, diese großen ehemaligen Bahnhöfe, haben das Durchqueren des Bezirks in der Vergangenheit eigentlich nicht sehr attraktiv gestaltet. Da sind wir im Bezirk sehr froh, dass wir durch diesen sukzessiven Ausbau mit sehr viel attraktivem Wohnen und sehr großen Grünflächen - denn auch im ehemaligen Nordwestbahnhofviertel werden sehr schöne Grünflächen entstehen - eine derartige Attraktivierung erfahren. Ganz interessant ist in dem Zusammenhang ein besonderes Detail. Am Rand dieser Fläche befindet sich etwas sehr Spezielles, nämlich die historische Leichenhalle, ein Gebäude, das im beginnenden 20. Jahrhundert sozusagen einer der ersten Schritte einer kommunalen Daseinsvorsorge war. Selbstverständlich ist sie schon lang nicht mehr in Betrieb. Diese historische Leichenhalle steht aber unter Denkmalschutz und wird jetzt erstmals als Schutzzone ausgewiesen. Auch dafür ist diese Flächenwidmung ein sehr wichtiger Schritt. Alle Wohngebäude werden selbstverständlich mit Flachdächern und einer Dachbegrünung versehen. Auch da sind wir auch inzwischen schon viel weiter. Es wird eine intensive Dachbegrünung geben, also keine extensive, bei der nur eine sehr geringe Humusschicht aufgebracht wird, sondern eine intensive. Die Dächer, die begehbar sind, sind dann auch tatsächlich Erholungszonen für die Bewohnerinnen und Bewohner. Insofern ist auch das sehr gut für die Lebensqualität und die Wohnqualität. Warum entsteht nun genau an dieser Stelle eigentlich Wohnraum? - Eine gute Frage. Vielleicht kann man sie so beantworten: Der nördlichste Teil an der Ecke Innstraße und Dresdner Straße ist ein Wohngebäude, das im Jahr 2018 gewidmet wurde. 2018 war dort also noch kein Wohngebäude, sondern die grüne Stadträtin damals hat die Widmung vorangetrieben und dort ein Wohngebäude ermöglicht. Auch am südlichen Ende der Fläche wird es Wohngebäude geben beziehungsweise gibt es Wohngebäude. Diese wurden 2020 gewidmet, ebenfalls unter grünen StadträtInnen. Da war es eigentlich naheliegend, dass man diese gesamte Fläche anpasst. Denn wer will schon gern auf einen Mistplatz herunterschauen? - Das gibt es in anderen Gebieten in Wien. Wir wissen, dass es da große Probleme und Proteste von den Anrainerinnen und Anrainern gibt. Wir können uns heute also bei den Vorgängerinnen von Ulli Sima bedanken, dass sie schon in der Vergangenheit die Grundlage für die heutige Widmung gelegt haben. In dem Sinne ersuche ich: Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr und stimmen Sie dem Akt zu, damit wir auch weiterhin leistbares Wohnen in Wien haben! - Danke. (Beifall bei der SPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als nächste Rednerin ist GRin Arapovic zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic (NEOS): Frau Vorsitzende, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Wienerinnen und Wiener! Ich werde mich wirklich ganz kurzhalten. Zur Flächenwidmung hat schon Kollegin Rompolt gesprochen. Es geht mir darum, dass ich ein bisschen darauf repliziere, was Frau Kollegin Sequenz in Bezug auf die Historie beziehungsweise auf den Werdegang dieser Fläche, die wir heute abstimmen, gesagt hat. (Zwischenruf.) - Ich schicke es Ihnen gern zu, Frau Sequenz. Es gibt von den damaligen grünen StadträtInnen aus den Jahren 2014 und 2017 auch für die Stadtentwicklungskommission entwickelte Leitbilder, die gerade auf dieser Fläche, wo jetzt der alte Mistplatz gewesen ist, auch eine Wohnbaubebauung vorsehen. Auf Grund dieser Leitbilder hat sich das dann weiterentwickelt. Dann ist auf Grund dieser Leitbilder auch dieser Flächenwidmungsplan entstanden, der heute zur Abstimmung vorgelegt wird. Das einmal zur Historie dieser Fläche und zu diesem Flächenwidmungsplan. Das heißt, die ganze Idee kommt eigentlich aus der Feder der grünen Stadträtinnen und Stadträte. Ich war lang genug Bezirksrätin im 2. Bezirk. Ich kenne die ganze Debatte. Ich kenne das auch. Ich war auch eine Verfechterin davon, dass der alte Mistplatz wiedereröffnet wird. Das hat nicht funktioniert. Die MA 48, so muss man es sagen, sieht keine technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, das zu machen. Darüber hinaus, das sagen Sie richtig, ist die Bevölkerung zwar für einen Mistplatz. Zum Teil sagen sie auch, es ist egal, wo er hinkommt. Sie sind froh, denn es wird einer gebraucht. Zum Teil sehe ich es auch sehr kritisch, dass ein Mega-Mistplatz, wie wir sie in der Vergangenheit in der Stadt oft entwickelt haben, auch dort entwickelt wird. Deswegen haben wir uns in der Koalition auch darauf geeinigt, dass es einen Grätzel-Mistplatz geben sollte, weil das im Sinne der Kreislaufwirtschaft, im Sinne der Reparaturen und im Sinne der Bewusstseinsbildung darüber, wie wir mit Sachen, die ausgedient haben, umgehen, auch wichtig ist. Daher können Sie auch gern im Koalitionsübereinkommen nachlesen, worauf wir uns geeinigt haben. Wie gesagt ist es ja klar, dass es in diesem Gebiet am Nordwestbahnhof einen Mistplatz braucht, eine Möglichkeit, alte Sachen, die man hoffentlich nicht in den Kellern haben sollte, herzubringen. Unser Wunsch wäre es eh gewesen, dass der alte Mistplatz wiedereröffnet wird. Da haben aber wie gesagt schon die GRÜNEN andere Pläne geschmiedet. - Herzlichen Dank. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Der Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen daher zur Abstimmung über die Postnummer 20. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ und der NEOS, womit diese Postnummer mehrstimmig gegen die Stimmen der FPÖ, der GRÜNEN und der ÖVP angenommen ist. Zu diesem Poststück liegt ein Antrag der ÖVP zur Sicherstellung der Öffi-Anbindung während der Bauarbeiten zur Straßenbahnlinie 18 vor. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP, der FPÖ und der GRÜNEN gegen die Stimmen der SPÖ und der NEOS. Damit ist dieser Antrag abgelehnt. Wir kommen damit zur Postnummer 21 der Tagesordnung. Sie betrifft das Plandokument 8444 im 20. Bezirk, KG Brigittenau. Ich ersuche den Berichterstatter, Herrn GR Al-Rawi, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatter GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi: Lieber Gemeinderat! Auch da bitte ich um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist GRin Arapovic. Ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic (NEOS): Frau Vorsitzende, werter Herr Berichterstatter, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wirklich nur drei Sätze dazu, worum es hier geht. Denn ich finde schon, dass es auch ein wichtiges Gebäude in der Stadt und auch im Stadtgefüge beziehungsweise auch für die Wahrnehmung in der Brigittenau ist. Es geht um das alte - und auch leerstehende, aber auch alte, weil es, glaube ich, 1976 fertiggestellt worden ist - AUVA-Gebäude, wo früher auch die AUVA-Zentrale gewesen ist. Worum geht es in diesem Flächenwidmungsplan? - Es geht darum, dass die Kubaturen des AUVA-Gebäudes auch in Zukunft erhalten bleiben. Es soll ein gemischtes Baugebiet sein. Das heißt, auch eine Anzahl von Wohnungen soll auf dieser Fläche möglich sein - und zwar ist diese auf eine maximale Bruttowohnnutzfläche von 24 000 Quadratmetern beschränkt. Darüber hinaus gibt es meines Wissens auch Untersuchungen seitens des Bundesdenkmalamts, die dahingehend gemacht werden, inwiefern dieses Gebäude, das dort errichtet wurde, auch auf Grund des Erscheinungsbildes, aber vor allem auf Grund der speziellen Tragekonstruktion, die man sich dort überlegt hat, geschützt wird. Daher finde ich es auch sehr speziell, dass man mit diesen Gebäuden zum Teil auch so sorgsam umgeht. Es ist auch sehr umstritten. Dennoch hat das, glaube ich, für den 20. Bezirk auch eine Signalwirkung. Daher bitte ich um Zustimmung. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Sequenz zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Mag. Heidemarie Sequenz (GRÜNE): Wir machen heute ein Duell, wir zwei. Wir haben es eh schon gehört, es geht um das AUVA-Gebäude in der Adalbert-Stifter-Straße. Es werden viele von Ihnen kennen, eine sehr markante Architektur. Das steht jetzt schon seit vier Jahren leer. Die 500 MitarbeiterInnen sind auf den Wienerberg übersiedelt. Dann gab es natürlich ein Gerangel zwischen der AUVA und der Bezirksvertretung darüber, was damit passiert. Der Bezirk hatte Angst, dass die AUVA das verkauft, abreißen lässt und irgendwelche Luxuswohnungen hinbaut, und hat sich an die Stadt gewandt, an die Planungsstadträtin, ob man dort nicht einen geförderten Wohnbau hinbauen kann. Das wurde von der Stadträtin abgelehnt. Sie hat gemeint, die Planungsgrundlagen geben das nicht her. Das ging jetzt sehr, sehr lang hin und her. Es war eine Bausperre darauf. Jetzt haben wir eine Widmung, die sogar Wohnbau erlaubt. Das hat sich die AUVA ausdrücklich gewünscht. Unten sind Geschäfte, aber es ist kein geförderter Wohnbau. Das ist einfach wirklich, wirklich schade. Deswegen werden wir auch nicht zustimmen. Das ist jetzt ein Déjà-vu. Auch bei dieser Widmung haben alle Parteien im Bezirk gegen diese Widmung gestimmt. Wir haben heute zwei Widmungen, bei denen einfach nicht auf die Expertise des Bezirks gehört wird. Ein Satz noch zum Antrag, den ich hier einbringe. Wie Sie vielleicht aus den Medien erfahren haben, soll der WienMobil Hüpfer in Liesing eingestellt werden. Das ist ein On-Demand-Projekt gewesen. Wir fordern in unserem Antrag, dass das nicht passiert. Die Wiener Linien argumentieren die Einstellung ja damit, dass er nicht gut angenommen wurde. Wir glauben, das war vielleicht deshalb, weil er in einer Gegend fuhr, wo es eigentlich einen sehr guten Linienverkehr gab. Deswegen soll der Hüpfer halt in einer Gegend in Liesing weiterleben, die nicht so gut mit dem Linienverkehr erschlossen ist. Das wäre es auch zu meinem Antrag. Ich ersuche um Ihre Zustimmung. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Worotynski zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Filip Worotynski, MA (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Berichterstatter, sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin, wenn Sie so wollen, im Schatten der AUVA aufgewachsen, am Spielplatz Forsthausgasse, und bin heutzutage umso entsetzter, wenn ich vorbeigehe. Das Gebäude steht leer. Es passiert dort nichts. Ich denke, so wie die Stadt nicht möchte, dass das Gebäude weiter verfällt, hat auch der Bezirk Interesse daran, dass dort etwas passiert und es nicht leer steht. Wir nehmen das Areal ernst, weil es auch ein Stück Brigittenau ist, das viele von uns mitgeprägt hat. Der gültige Plan aus dem Jahr 2005 erlaubt im sogenannten gemischten Baugebiet praktisch jede Nutzung bis zu einer Höhe von 75 Metern. Die Stadt hat 2021 dann eine befristete Bausperre verhängt, um alles in Ruhe neu zu ordnen. Parallel dazu - das wurde schon gesagt - läuft auch das Verfahren beim Bundesdenkmalamt. Das muss man noch abwarten. Es liegen noch keine konkreten Projektpläne der Eigentümerseite vor, unter anderem auch deshalb, weil das Verfahren noch läuft. In dieser Lage ist es richtig, gemeinsam ein neues Widmungsverfahren zu starten. Was sieht denn der neue Plan eigentlich vor? - Der Entwurf 8444 passt die zukünftige Bebauung an den Bestand an. Die Maximalhöhe wird gegenüber der bestehenden Widmung um rund zehn Meter reduziert. Das Wichtigste aber: Der neue Plan beschränkt wie schon gesagt das Wohnen auf 24 000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche. Das entspricht rund 240 Wohnungen. Von den vielen Details, auf die ich nicht alle eingehen möchte, möchte ich aber hier hervorheben, dass bei der Bauklasse I zum Beispiel auch bei den Flachdächern eine Begrünung vorgesehen ist. Wir haben dieses Verfahren 2021 mit dem Ziel gestartet, das Gebiet verantwortungsvoll weiterzuentwickeln, sodass auch das Umfeld geschützt bleibt und der Bestand eine sinnvolle Zukunft bekommt. Das ist ein Kompromiss, der Rechtssicherheit in beide Richtungen schafft. Um das noch einmal deutlich zu machen: Im derzeitigen Plan wären 600 frei finanzierte Wohnungen möglich gewesen. Das wären für die Umgebung dort auf einen Schlag 2 000 Bewohnerinnen und Bewohner mehr. Darauf ist die Umgebung nicht vorbereitet. Im neuen Plan liegt die Obergrenze daher bei 24 000 Quadratmetern, wie gesagt 240 Wohnungen. Selbstverständlich würden wir es auch bevorzugen, wenn der Bau erhalten bleiben würde und im Sinne der Kreislaufwirtschaft, was in letzter Zeit auch ein Thema war, wiederverwertet und wiederbelebt werden würde. Dazu können wir aber nur den Rahmen schaffen. Das können wir den EigentümerInnen nicht vorschreiben. Eine Bemerkung, weil das auch gefallen ist: Die Widmungskategorie "Gebiete für geförderten Wohnbau" ist hier fachlich laut Bauordnung nicht anwendbar, weil wir das Wohnvolumen gegenüber der geltenden Rechtslage nicht erweitern, sondern begrenzen. Mit der neuen Widmung, mit dem Plan, schaffen wir somit die bestmögliche Lösung im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten. Wir bauen auch mitten in einer Millionenstadt und nicht auf der grünen Wiese und auch nicht in den blauen Himmel hinein, sondern eben eingeschränkt in die Höhe. Dieser vorliegende Plan ist solide. Er bewahrt Proportionen, nimmt Rücksicht auf das Grätzel, schafft Spielraum für gute Ideen - von Wohnen bis Bildung oder Gesundheit - und wird zum Ort passen. Als Fortschrittskoalition setzen wir auf Fortschritt statt Stillstand, auf Fortschritt statt Leerstand. - Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zum Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Der Berichterstatter hat das Schlusswort. Berichterstatter GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi: Frau Vorsitzende! Ich möchte hinzufügen, dass natürlich, liebe Frau Sequenz, die Bedenken des Bezirkes und die Expertise mit einbezogen werden. Nur wissen wir ganz genau, dass es bei diesem Bauvorhaben sehr viele Grenzen der Realisierbarkeit gibt. Das Problem wird auch noch kommen, falls das wirklich unter Denkmalschutz passiert. Wenn wir nicht nur die Kreislaufwirtschaft, wie Herr Worotynski und auch Selma Arapovic gesagt haben, sondern auch das Bauen im Bestand ... Ich glaube, dass im Gemeinderatsausschuss dann halt auch erklärt worden ist, dass wir hier in diesem Sinne einen Kompromiss suchen. Ich bitte daher unsere Kolleginnen und Kollegen um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Danke. Ich ersuche nun diejenigen Gemeinderäte, die dem Antrag des Berichterstatters zustimmen können, um ein entsprechendes Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ und der NEOS, womit dieses Poststück mehrstimmig gegen die Stimmen der FPÖ, der GRÜNEN und der ÖVP angenommen ist. Es liegt ein Beschlussantrag der GRÜNEN zum Erhalt des WienMobil Hüpfers in Liesing vor. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Es liegt die Zustimmung bei ÖVP, FPÖ und GRÜNEN vor gegen die Stimmen von SPÖ und NEOS, womit dieser Antrag in der Minderheit bleibt und abgelehnt ist. Wir kommen nunmehr zur Postnummer 8 der Tagesordnung. Sie betrifft eine mehrjährige Vertragsgenehmigung für das Investitionsvorhaben Energie-Einspar-Contracting im städtischen Kombibad Döbling mit der GWT Contracting GmbH. Ich ersuche die Berichterstatterin, GRin Tavares da Costa, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatterin GRin Sara do Amaral Tavares da Costa: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist GR Resch. Ich erteile es ihm. - Bitte. GR Klemens Resch (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf heute zu einem sehr schönen Thema sprechen, nämlich zum schönsten Bezirk von Wien, zu Döbling, und konkret zum Döblinger Kombibad, und möchte gleich vorwegschicken, dass wir dieser Sanierung zustimmen. Wir als FPÖ begrüßen ausdrücklich, dass die Stadt Wien jetzt in dieses Döblinger Bad investiert. Denn das Döblinger Kombibad ist ein wichtiger Bestandteil der Lebensqualität in Döbling. Es ist ein Ort, an dem sich junge Menschen, ältere Menschen, Familien, Schulen und Vereine aufhalten und das intensiv nützen. Deswegen ist es nach Jahrzehnten ohne größere Investition wirklich notwendig, dass eine Modernisierung stattfindet. Es geht aber wie so oft in dieser Stadt nicht um das Ob, sondern um das Wie. Denn laut Motivenbericht zu dieser Sanierung soll diese Sanierung von Herbst 2025, also ab jetzt, bis April 2026 stattfinden. Die Inbetriebnahme soll dann im Mai 2026 erfolgen. Das bedeutet, dass das Hallenbad während der gesamten Wintersaison geschlossen bleibt. Das Hallenbad hat üblicherweise von Mitte September bis April offen. Das Freibad hat nur in den Sommermonaten, also von Mai bis September, geöffnet. Da wäre es doch eigentlich nur logisch, wenn man nicht beide Bereiche gleichzeitig saniert. Warum organisiert man die Bauphasen nicht anders? Das Hallenbad soll also im Sommer saniert werden, und das Freibad soll im Winter saniert werden. Das wäre eine Planung mit Hausverstand. Das würde den Badebetrieb zumindest teilweise ermöglichen. (Beifall bei der FPÖ.) Noch entscheidender ist aber natürlich die Frage, ob die Freibadsaison im Döblinger Bad 2026 dann überhaupt rechtzeitig starten kann. Denn wie gesagt steht in diesem Motivenbericht drinnen, dass die Inbetriebnahme im April oder Mai 2026 erfolgen soll. Wir wissen, die Bäder in Wien sperren mit Anfang Mai auf. Das heißt, die Arbeiten sind bis kurz vor Saisonbeginn angesetzt, ohne dass man irgendeinen zeitlichen Puffer für Nacharbeiten oder irgendwelche Probebetriebe eingebaut hätte. Wir wissen, dass Verzögerungen bei Bauprojekten dieser Stadt nicht unbedingt die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel sind. Deshalb halte ich es für sehr unwahrscheinlich oder sagen wir zumindest für äußerst fraglich, ob die Freibadsaison im Döblinger Bad 2026 wie geplant eröffnet werden kann. Dass man bei Bauvorhaben, bei Bauprojekten oder bei Sanierungsarbeiten in dieser Stadt sehr skeptisch sein kann, ob alles nach Zeitplan erfolgt, zeigt auch ein Beispiel, dass sich derzeit wenige hundert Meter vom Döblinger Bad entfernt zuträgt. Dort sind nämlich auf der Heiligenstädter Straße, Ecke Grinzinger Straße, Gleisarbeiten im Gange. Prinzipiell ist natürlich nichts dagegen einzuwenden. Wenn das notwendig ist, dann soll es auch geschehen. Doch man hat dort ein einziges Chaos angerichtet. Man hat relativ kurzfristig eine Bauverhandlung eingesetzt. Die ist auch ordentlich verlaufen. Dann hat man aber einfach vergessen, auszuschildern und die Autofahrer darauf hinzuweisen, dass es jetzt große Umfahrungen benötigt. Man hat ein einziges Chaos angerichtet. Das Absurdeste war, man musste auch den Bus umleiten. Der 38A musste für diese Baustelle umgeleitet werden. Deswegen hat man auch Ersatzbushaltestellen eingerichtet. Die Menschen sind dort gestanden und haben auf den Bus gewartet. Ich habe mich ein bisschen gewundert, dass ich dann sehr viele Anrufe von verärgerten Bürgern bekommen habe, die dort ewig lang auf den Bus gewartet haben. Es kam einfach kein Bus. Ich bin dort hingefahren - das war bereits am zweiten Tag nach Einrichtung der Baustelle - und habe diese Geisterbushaltestellen gesehen. Die ursprünglichen Haltestellen waren aufgelassen. Es ist tatsächlich kein Bus dort gekommen, eineinhalb Tage lang kein Bus. Dort waren dann auch Mitarbeiter der Wiener Linien anzutreffen. Mit denen habe ich mich unterhalten. Die waren nachvollziehbarerweise recht hektisch, weil auch sie schlicht und einfach nicht wussten, wo sich der 38A versteckt. Er ist sehr wohl nach Heiligenstadt hinuntergefahren, aber dort ist er dann anscheinend irgendwo verschwunden. Denn es ist kein Bus mehr zurückgefahren. Es war einfach absurd, dass die Wiener Linien selber nicht wussten, wo dieser Bus unterwegs ist. Man hat also schlicht und einfach vergessen, den Busfahrern zu sagen, dass sie jetzt eine andere Strecke fahren müssen. In Wien wäscht vielleicht die eine Hand die andere, aber die eine Hand weiß nicht, was die andere tut. Das ist ein Muster, dass wir in dieser Stadt des Öfteren erkennen müssen. (Beifall bei der FPÖ.) Leider zeigt diese Baustelle auf der Heiligenstädter Straße auch ein weiteres Beispiel dafür, dass die Stadt wieder eine Chance vertan hat. Seit vielen, vielen Jahren fordern wir als FPÖ Döbling ein Rasengleis auf der Heiligenstädter Straße. Wir haben dazu auch im Bezirksparlament bereits 2020 einstimmig über alle Fraktionen hinweg einen Antrag beschlossen, dass auf der Heiligenstädter Straße genauso wie auch auf der Grinzinger Allee ein Rasengleis errichtet werden soll. 2024 haben wir dann eine Anfrage an den damals zuständigen StR Hanke gestellt, wie es jetzt dort mit dem Rasengleis ausschaut. Denn wir haben immer gesagt, das Rasengleis soll erst dann errichtet werden, wenn dort Gleisarbeiten im Gange sind. Wir wollten nicht, dass da extra etwas gesperrt werden muss, sondern wenn sowieso gesperrt werden muss, soll auch gleich das Rasengleis verlegt werden. StR Hanke hat damals geantwortet, dass keine Gleisarbeiten in diesen Abschnitten auf der Heiligenstädter Straße geplant seien. Jetzt, wenige Monate später, haben wir genau diese Gleisarbeiten, bei denen man die Chance hätte nutzen können, das Rasengleis zu verlegen. Ich war eigentlich der Annahme, dass alle Parteien dafür sind. Da lasse ich auch die Ausrede nicht gelten, die vielleicht im Anschluss kommen könnte, dass das Rasengleis in diesem Abschnitt nicht möglich gewesen wäre, weil es sich um einen Kreuzungsbereich handelt. Das stimmt, aber man musste für die jetzigen Gleisarbeiten einen weitaus größeren Abschnitt sperren. Man hätte das Rasengleis von der Ecke Grinzinger Straße, Heiligenstädter Straße bis zur Diemgasse verlegen können. Es ist einfach sehr schade, dass die Stadt Wien diese Chance liegen gelassen hat. Es ist einfach ein Muster, das sich in dieser Stadt immer wieder zeigt, dass es überall an Koordination fehlt. Es fehlt wie gesagt an Kommunikation. Die Autofahrer und Anrainer wurden nämlich auch nicht über diese Baustelle aufgeklärt. Es gibt einfach nirgendwo einen Gesamtplan. Man hat den Eindruck, dass da sehr chaotisch gehandelt wird. Dennoch spricht man immer von Nachhaltigkeit und von Bürgernähe. In der Praxis läuft es umgekehrt. Baustellen werden eröffnet bevor die Abläufe klar sind und bevor die eine Magistratsabteilung überhaupt mit der anderen gesprochen hat. Projekte werden begonnen, ohne dass man das gesamte Umfeld mitdenkt. Die Menschen und auch wir haben kein Problem mit Sanierungen. Dort, wo sie notwendig sind, sollen sie natürlich auch geschehen. Es wird teilweise auch viel zu wenig saniert. Prinzipiell wäre das also natürlich eine gute Sache. Das Problem ist aber die Planlosigkeit in dieser Stadt. Abschließend möchte ich noch sagen, dass wir noch einmal unterstreichen, dass wir für die Sanierung des Döblinger Bads sind. Wir sagen Ja zur Modernisierung, Ja auch zur Energieeinsparung, aber Nein zur Chaosplanung in dieser Stadt. - Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Mader zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Thomas Mader (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin! Ja, es ist faszinierend, wie weit immer ausgeholt wird, wenn es eigentlich um das Döblinger Kombibad geht und darum, es zu einem modernen Vorzeigebad mit Klimaschutz und einem sogenannten Energie-Einspar-Contracting zu machen, und dass das ein Vorzeigemodell für sparsame Technik, Einbauten und Kosten wird, bei dem mit Einsparungen gerechnet wird, bei denen sich die Investition quasi selbst bezahlt. Kurz aber reflektierend zum Rasengleis. Wir haben dort in diesem Bereich zwischen der Grinzinger Straße und der Diemgasse keinen eigenen Gleiskörper für die Straßenbahn. Das sind zirka 250 Meter, auf denen teilweise auch der motorisierte Individualverkehr die Gleise des 38ers und auch des D-Wagens verwendet. Das möchte ich mir schon anschauen, wenn es da zu den ersten Unfällen kommt. Ich finde das sehr waghalsig und eine Justament- Geschichte und genau in diesem Bereich nicht nachvollziehbar. Wie gut es funktioniert, haben wir ja auch bei der Straßenbahnlinie 37 gesehen, die genau zum Döblinger Kombibad führt, wo die Gleisarbeiten und auch die Erneuerung und der Tausch der Gleise wunderbar funktioniert haben. Schlussendlich möchte ich aber doch zum Kombibad und zu diesem tollen Projekt zurückkommen. Erstens glaube ich, muss man den Fachabteilungen schon die Fachkompetenz und das Know-how zugestehen, so eine Baustelle auch abwickeln zu können. Sie haben gerade einmal vor zwei Wochen mit diesem Bauprojekt begonnen. Es ist symptomatisch für die FPÖ, dieses Bauprojekt schon jetzt madig zu machen. Gibt es eigentlich irgendetwas in dieser Stadt, das Sie gut finden? - Ich glaube nicht. (Beifall bei der SPÖ und Zwischenruf.) Das Energie-Einspar-Contracting ist ein Riesenprojekt mit einer Gesamtsumme von zirka 15 Millionen EUR netto. Dabei reden wir davon, dass die Einsparungen pro Jahr in etwa 616 000 EUR ausmachen werden und sich das im Zuge des Contractings nach 25 Jahren quasi selbst bezahlt hat. Zu den Maßnahmen am Bäderstandort - weil mir das viel wichtiger ist -: Es ist wirklich erst das zweite Bad, das wir klimafit machen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, auf dem Weg "Raus aus Gas" bis 2040 CO2-neutral zu werden. Für Energie- und Wassereinsparungen sind Maßnahmen im städtischen Kombibad vorgesehen. Weil das viel zu lang dauern würde und ich natürlich nicht die Zeit hätte, nenne ich jetzt nur einige Dinge, die hervorstechen, die dort gemacht werden: Austausch der Zirkulationspumpen, Erneuerung der Wasseraufbereitung, Erneuerung der Heizungsumwälzpumpen, Nutzung alternativer Energien, Photovoltaik, Solarthermie, Nutzung und Installation einer Gebäudeleittechnik, die in das bestehende Leitsystem der MA 44 eingebunden wird, Wärmerückgewinnung aus Badewasser, Installationen von Luft-Wasser-Wärmepumpen, Umstieg der Wärmeerzeugung von Erdgas auf ein mehrstufiges Heizkonzept mit PVT-Kollektoren, Wärmepumpen und Pelletkesseln. Es ist also wirklich ein Vorzeigeprojekt, auf das man stolz sein kann. Bevor wir auf den Mehrwert kommen, möchte ich jetzt auch noch kurz auf die Planung des Sommer- und Winterbetriebs eingehen. Das Bad wird als Hallenbad im Sommerbetrieb saniert und umgekehrt. Das möchte ich mir schon anschauen, wenn die Badegäste im Freibad liegen und daneben eine Riesenbaustelle ist - na gratuliere - oder auch den Betrieb im Hallenbad teilweise aufrechtzuhalten, wie es in Ihrem Beschlussantrag steht. Das ist ja lächerlich. Dann schwimmt man auf einer Baustelle, und eine halbe Bahn ist zum Schwimmen für die Kinder, für die Vereine oder für die Klassen. Also manchmal geht es einfach nicht mehr absurder. Das ist einfach nur gedankenlos und nicht nachdenkend und hat einfach nur den Sinn, wieder etwas madig zu machen. Das sage ich ganz offen und ehrlich. Den Mehrwert muss man sich jetzt aber wirklich einmal anschauen. Der ist extrem. Es ist eine innovative Erneuerung der technischen Anlagen und der Infrastruktur. Erstmals kommt die Wärmepumpentechnologie in größerem Umfang zum Einsatz, was für so ein großes Projekt natürlich logisch ist. Was aber passiert? - Verminderung der Umweltbelastung, Finanzierung durch die AuftragnehmerInnen, erfolgsabhängige Rückzahlung und eine Einsparung von Energie und Wasser. Jetzt muss man sich das anschauen. Allein bei Erdgas ist es eine Reduzierung von 80 Prozent. Da reden wir von 2 500 Kilowattstunden. Beim Wasser reden wir von über 41 000 Kubikmeter weniger Wasserverbrauch. Das sind Dimensionen, die wir so noch nicht hatten. Das ist enorm. Allein der CO2-Ausstoß, der jetzt 500 Tonnen ausmacht, wird um 83 Prozent reduziert. Wenn ich mir das ausrechne: fünf Tonnen sind 1 Prozent. Fünf mal 17 sind 85 Tonnen. Es sind also über 400 Tonnen an eingespartem CO2. Dieses Projekt madig zu machen, kann ich nicht verstehen. Wie gesagt, es finanziert sich selber. Die Wiener Bäder sind ein Ort der Erholung für die Wiener und Wienerinnen, speziell das Döblinger Bad, aber natürlich darüber hinaus. Ich weiß, so wie viele Wiener und Wienerinnen das Krapfenwaldlbad besuchen, besuchen sie auch das Döblinger Bad, weil beide eine sehr schöne Lage haben. Es ist ein Ort der Gesundheit und des Miteinanders, den wir Schritt für Schritt klimafit machen. Als Döblinger bin ich stolz, dass dort als zweites Bad nach Floridsdorf dieser Schritt gemacht wurde. Für dieses Projekt in Döbling auch ein herzliches Dankeschön an den Herrn Stadtrat. Denn es macht mir wirklich Freude und macht mich stolz, dass wir das in Döbling auch machen dürfen. Es wird ein Badeerlebnis für die WienerInnen. Es wird noch besser, es wird noch schöner, weil natürlich auch der Außenbereich, das Familienbecken, aber auch die Rutschen und alles Weitere gemacht wird. Da sind ja noch extra Dinge, die wir bereits in anderen Gemeinderatssitzungen beschlossen haben. Dafür ein herzliches Dankeschön. Ich kann nur sagen, diesem Projekt muss man zustimmen. Es war ja auch im Gemeinderatsausschuss einstimmig. Das muss man auch noch einmal sagen. Das muss man hier deponieren. Man muss aber halt immer irgendein Haar in der Suppe finden oder irgendetwas schlechtreden, weil man sich dann am Ende des Tages anscheinend doch besser fühlt. - Danke. (Beifall bei der SPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Daher kommen wir zur Abstimmung über die Postnummer 8. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich stelle die Einstimmigkeit fest. Zu dieser Post liegt ein Antrag der FPÖ zur Sanierung des Döblinger Bads vor. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP und der FPÖ, womit dieser Antrag in der Minderheit bleibt und abgelehnt ist. Es gelangt nunmehr die Postnummer 10 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft den Strategiebeschluss "Zirkuläres Wien: Eine runde Sache - Der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft". Ich ersuche den Berichterstatter, Herrn GR Spitzer, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatter GR Mag. Gerhard Spitzer: Ich ersuche um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist GRin Olischar. - Bitte. GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc (ÖVP): Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Berichterstatter, werter Herr Stadtrat, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Tag hat ja schon mit dem Umweltressort begonnen. Jetzt enden wir de facto - ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft - wieder mit dem Umweltressort. (Beifall bei der ÖVP. - Heiterkeit bei der Rednerin.) Der Anfangsgag. Danke vielmals. Ich hatte heute viel Zeit, mir diesen ersten Satz zu überlegen. Ich komme zum Thema. Ich bin seit 2015 hier im Gemeinderat tätig. Ich glaube, einer meiner ersten Anträge, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, war 2016 einer, der das Thema Urban Mining mit folgendem Gedanken adressiert hat: Damals war das Thema in der Wirtschaft schon durchaus präsent. Ich habe mir gedacht, das wäre doch auch etwas, wo sich die Stadt Wien einbringen und quasi auch eigene Aktivitäten setzen kann. Damals war das noch sehr stark auf den Baubereich fokussiert, weil die Stadt ja doch auch in unterschiedlichen Bauprojekten selber auftritt. Die Grundidee dahinter war, schon frühzeitig in der Planung die Ressourcen mitzudenken und auch zu katalogisieren, welche Ressourcen verwendet wurden et cetera, et cetera. Damals hat das nicht viel Anklang gefunden und wurde eher von der Tagesordnung weggewischt. Manche Themen brauchen aber ein bisschen Zeit. Heute beschließen wir die Kreislaufwirtschaft-Strategie. Ich möchte zu später Stunde vier Gedanken mit Ihnen dazu teilen, was mich bei dieser Strategie beschäftigt hat. Sie können es sich bei der Geschichte meines Antrages, die ich gerade gebracht habe, denken: Das Thema ist etwas, was mich interessiert und ich auch als wichtig empfinde. Ich glaube auch, dass die Stadt Wien einen großen Hebel hätte, da selber wirksam zu sein. Gleichzeitig - ich habe das im Ausschuss auch schon begründet beziehungsweise angekündigt - können wir der heutigen Strategie nicht zustimmen. Das hat mehrere Gründe. Jetzt eben zu diesen vier Gedanken. Ich glaube der wesentlichste Grund dahinter ist, dass die Strategie, so wie sie vorliegt, de facto nicht unmittelbar eigene Ziele mitbringt. Es gibt relativ zu Beginn der Strategie auf Seite 24 eine Auflistung der zentralen Ziele dieser Kreislaufstrategie. Von diesen eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben Zielen sind alle sieben Ziele auch schon in anderen Strategien verankert. Ich habe deshalb auch im Ausschuss die Frage gestellt: Wieso brauchen wir zusätzlich ein Konvolut von mehr als 100 Seiten, wenn es die Ziele, die hier adressiert werden, bereits in anderen Strategien gibt? - Das ist schon ein Punkt, den ich kritisieren möchte, in welche Richtung diese Ziele eigentlich konkret gehen sollen. Was die konkrete Zielsetzung betrifft - das ist der zweite Gedanke und auch ein Thema, das ich in Strategien öfters vermisse -, möchte ich kurz die Messbarkeit von verschiedenen Zielen adressieren. Es wird in der Einleitung von den zu vermeidenden Treibhausgasen gesprochen. Was mich daran interessiert hat, war, dass in der Einleitung steht - Zitat: "Bereits 2022 hat sich die Stadt Wien zum Ziel gesetzt, den Material-Fußabdruck pro Kopf bis 2050 um 50 Prozent zu senken." - 2019 lag der absolute Wiener Material-Fußabdruck zwischen 20 und 32 Millionen Tonnen. Das entspricht zehn bis 17 Tonnen pro Kopf pro Jahr. Die Frage, die mich dann beschäftigt hat, war: Wie ist denn der aktuelle Stand jetzt? - Denn wir sehen eigentlich nur die konkreten Zahlen von 2019. Da ist ja doch eine Zeit vergangen. Vor allem hat mich beschäftigt, was seither passiert ist. Wurde etwas getan, und wenn ja, hat das Wirkung gezeigt? Was bräuchten wir mehr, um in diese Richtung weiterzugehen? Da vermisse ich dann schon ein bisschen etwas, was das Begreifen dieser Strategie auch in der Messbarkeit konkret adressieren soll. Natürlich ist auch die Frage wie werden diese Werte erfasst und evaluiert? - Ich glaube, das ist schon wesentlich, wenn man eine Strategie verabschiedet und auch Ziele setzt, um diese schlussendlich auch messbar zu machen und zu sehen, ob man auf dem richtigen Weg ist. (Beifall bei der ÖVP.) Der dritte Gedanke, der mir bei solchen Strategien kommt oder generell mein Politikverständnis unterstreicht, ist die Frage des eigenen Wirkungsbereichs. Mein Zugang wäre, dass die Stadt Wien - oder die kommunale Hand, wenn man es abstrakter nennen möchte - immer als bestes Beispiel oder Vorbild vorangehen soll. Da würde ich mir halt auch erwarten, dass man, wenn man Maßnahmen setzt und Veränderungen möchte, bei sich selbst ansetzt. Gerade die Stadt Wien ist ja doch ein sehr großer Apparat in unterschiedlichsten Bereichen, sowohl strukturell als auch, wenn es um die Umsetzung oder Bautätigkeiten vor Ort geht. Da hätte ich mir schon gewünscht, dass es konkrete Maßnahmen oder vor allem eine Fokussierung darauf gibt, was das für uns als Stadt Wien konkret bedeutet und welche Hebel wir jetzt bei uns intern ansetzen wollen, und es nicht nur darum geht, wieder neue Maßnahmen für andere zu definieren. (Beifall bei der ÖVP.) Da ist mir diese Strategie ein bisschen aus dem Gleichgewicht geraten. Deswegen sehe ich das auch sehr kritisch. Der vierte und wesentlichste Punkt, den ich einbringen möchte und der uns in Zeiten wie diesen auch am meisten beschäftigen sollte: Nachdem in dieser Strategie ja doch ein paar Maßnahmen und Hebel definiert sind, war meine Frage im Ausschuss, ob diese Maßnahmen auch in Anbetracht der budgetären Situation durchgerechnet wurden. Was bedeutet es für den Kostenpunkt? Was hat das auch auf budgetärer Ebene für Auswirkungen? - Darauf wurde im Ausschuss geantwortet, dass es diese Berechnungen nicht gegeben hat. Ich glaube schon, dass es dann schwierig ist, sich Ziele zu setzen und sich gewisse Maßnahmen zu überlegen, wenn eigentlich keine Messgrundlage zum Status quo vorliegt und wir gar nicht genau wissen: Wo wollen wir hin? Wie machen wir das? Bringt es etwas? Was kostet das überhaupt? Diese vier Gedanken bringen uns leider dazu, diese Strategie abzulehnen, wenngleich Sie inhaltlich mit uns sicher einen Partner haben, wenn es um das Thema Kreislaufwirtschaft geht und darum, das auch in die Zukunft zu bringen. - Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Gara zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS): Frau Vorsitzende, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Zu später Stunde noch eine runde Sache: die Kreislaufwirtschaftsstrategie. Ich muss sagen, ich freue mich sehr, dass wir die heute beschließen können. Ich hoffe, dass hier auch von der ÖVP vielleicht doch noch eine Zustimmung kommt. Denn ich glaube, das ist ein wichtiger Baustein im gesamten System unserer Smart-City-Klimastrategie. So ist es auch zu sehen, und so ist es auch zu lesen. Daher ist das keine isolierte Strategie, wie sie vielleicht auch in anderen Städten vorhanden ist, sei es in Amsterdam, sei es in Zürich et cetera. Wir haben das ja auch anders aufgebaut. Das ist ein sehr umfassendes Paket, auf das ich auch gern eingehen möchte. Vorab möchte ich aber hier ganz besonders meinen Dank an die GesamtkoordinatorInnen ausrichten, an Liisa Andersen und Philipp Preuner aus der Bereichsleitung der Klimaangelegenheiten. Denn die zwei sind doch für einen Prozess verantwortlich, der letztendlich fast über eineinhalb Jahre gedauert hat und der auch - ich glaube, das ist auch ganz wichtig und sicherlich auch ein ganz wichtiger Schritt - ressortübergreifend stattgefunden hat. Es waren sehr, sehr viele verschiedene Magistratsabteilungen eingebunden. Das ist, glaube ich, wichtig. Das macht auch diese Art der Klimagovernance aus, für die wir hier stehen. (Beifall bei den NEOS.) Eine ganz wichtige Abteilung - hier will ich auch nur eine in Person der Bernadette Luger besonders erwähnen - ist die Baudirektion. Denn gerade das Thema des zirkulären Bauens ist eine ganz, ganz wichtige Geschichte. Ja, da geht es um das Thema Urban Mining, wie Kollegin Olischar auch schon erwähnt hat. Bauen ist ganz zentral, denn dabei verbauen wir tatsächlich Rohstoffe und Ressourcen, die wir wiedergewinnen müssen. Vielleicht nur ein ganz kleines Beispiel: Ein solcher Baustoff, den wir überall verbauen, ist Kupfer. Wir brauchen es für Kabel, wir brauchen es für verschiedenste Einrichtungen im Bereich der Netze, für Gebäude und Maschinen. In Europa sind zirka 100 Millionen Tonnen Kupfer verbaut. Das kann man sich schwer vorstellen. Das sind zirka 20 Hanappi-Fußball-Stadien. Das ist also ein recht großes Volumen. Pro Jahr fördern wir in Europa zirka eine Million Tonnen Kupfer. Wir brauchen allerdings vier Millionen Tonnen Kupfer. Das heißt, Europa kann nur 20 Prozent des Kupfers, das wir brauchen, selber aus den Minen gewinnen. Daraus erklärt sich sehr klar: Europa ist massiv von Lieferketten abhängig. Daher ist es so extrem wichtig, diese Produkte im Kreislauf zu führen und sie zum Beispiel aus Gebäuden wiederzugewinnen. Das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema. Wir haben mit der Kreislaufwirtschaftsstrategie dieses dritte K letztendlich verankert. Sie wissen, unsere Klimagovernance besteht aus dem Bereich des Klimaschutzes, dem Bereich der Klimawandelanpassung und dem Bereich der Kreislaufwirtschaft. Das hat in der Form eigentlich keine andere europäische Stadt. Wir haben auch das als Teil des Wiener Klimagesetzes verankert. Das ist eine ganz andere Priorität, als sie vielleicht in anderen Städten oder Regionen Europas etabliert ist. Die Kreislaufwirtschaft ist mehr als eine Strategie. Sie ist für uns auch ein Innovations- und Standortmotor. Denn es bedeutet, dass hier sehr viele Unternehmen Innovationen entwickeln, wie wir Produkte wieder rückführen können und wie wir Produkte neu designen können, sodass sie auch leichter zerlegbar werden. Das bedeutet, wir schaffen damit auch neue Jobs. Das macht die Stadt Wien fit für eine zirkuläre Wirtschaft der Zukunft. (Beifall bei den NEOS.) Ich habe es erwähnt, die Kreislaufwirtschaft ist ein Element in unserem Klimafahrplan. Wir sind ja gerade dabei, den Klimafahrplan zu aktualisieren und zu überarbeiten und dort auch die Kreislaufwirtschaft noch sehr viel stärker zu platzieren und damit auch stärker zu platzieren, was das Thema der Maßnahmen, der Ziele et cetera betrifft, also einen Punkt, auf den auch du eingegangen bist. Ich glaube, es ist wichtig zu sehen, es ist ein großer Puzzlestein in einer übergeordneten koordinierten Strategie und einem Maßnahmenplan, den wir natürlich regelmäßig evaluieren und bei dem wir uns genau anschauen, wie wir diese konkreten Ziele auch erreichen. Daher finde ich, es ist wichtig, dass "Zirkuläres Wien: Eine runde Sache" auch ein Gesamtdokument ist, in dem man nicht einfach nur unsere Ziele sieht, sondern letztendlich auch viele, viele Beispiele, die wir in Wien bereits umsetzen. Es ist ja nicht so, dass wir erst jetzt draufkommen, dass Kreislaufwirtschaft wichtig ist, sondern es gibt sehr viele Projekte, bei denen wir das auch ganz konkret machen. Da möchte ich zwei Beispiele geben. Ein Beispiel ist das Thema Phosphor. Auch Joe will wahrscheinlich darauf eingehen. Phosphor brauchen wir für die Nahrungsmittelproduktion. Wo finden wir Phosphor? - Im Klärschlamm der Abwasseranlage in Simmering. Wir haben dort bereits eine Anlage errichtet - Joe, du kannst ergänzen -, wo wir diesen Klärschlamm trocknen. Der wird verbrannt. Aus dieser Restasche wird Phosphor gewonnen. Man glaubt es nicht, aber allein aus dem Klärschlamm, den wir zurückholen, haben wir so viel, wie wir für die Nahrungsmittelproduktion für Wien und Niederösterreich brauchen, also eine riesige Menge. Wir werden also unabhängig von Phosphorlieferungen und können es so günstiger herstellen. Ein anderes Beispiel: die neue Wiener Sportarena. - Hast du das auch im Programm? - Die finde ich ein wunderbares Beispiel für Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Bauen. Es ist nämlich eine Sportstätte, wo wir letztendlich 80 Prozent des Abbruchmaterials einschließlich Erdaushub und Beton für die neue Sporthalle recycelt haben. Das ist gigantisch. Das ist Abbruchmaterial aus dem alten Ferry-Dusika-Stadion. Die gesamte Anlage als solches ist auch energetisch autonom, also in sich geschlossen. Wir versuchen, dort alles zu nutzen, was geht, und haben auch eine optimierte Flächennutzung. Man kann also entsiegeln und hat trotzdem mehr Fläche für die sportliche Nutzfläche. Auch das ist also ein schönes Beispiel für Kreislaufwirtschaft - etwas, das wir bereits machen. In dieser Kreislaufwirtschaftsstrategie "Zirkuläres Wien" finden sich viele solcher Beispiele, die wir bereits umgesetzt haben. Viele andere werden folgen. Insofern glaube ich, wir können schon sehr stolz sein, dass hier in Wien irrsinnig viel passiert und wir irrsinnig viel umsetzen. Das ist durchaus auch ein Vorbild für viele andere Städte und Länder. Ich danke noch einmal allen, die hier an diesem wunderbaren Produkt mitgearbeitet haben. - Danke schön. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Wirnsberger zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Herr Berichterstatter, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe KollegInnen und auch ZuseherInnen, die zu so später Stunde vielleicht noch vor dem Livestream durchgehalten haben! Am Anfang ein kleines Zitat: "Es muss wohl noch mit Leben gefüllt werden, derzeit klingt das meiste noch ein wenig abstrakt." Das schreibt der ORF am 13. Oktober, als die Strategie den Medien präsentiert wurde. Ich muss leider sagen, das ist eine sehr treffende Zusammenfassung. Lassen Sie mich aber mit dem Positiven beginnen. Die heute vorgelegte Strategie "Zirkuläres Wien: Eine runde Sache" ist ein notwendiger erster Schritt in die richtige Richtung. Die Stadt Wien bekennt sich damit zur Kreislaufwirtschaft - und das ist gut. Die Zielsetzung, unseren Material-Fußabdruck bis 2025 zu halbieren, ist richtig und wichtig. Wir GRÜNE begrüßen ausdrücklich, dass Ressourcenschonung damit als politisches Ziel formuliert wurde. Wir werden der Strategie auch zustimmen, aber - und es ist ein sehr großes Aber - für bloße Absichtserklärungen haben wir keine Zeit mehr. Wir brauchen Taten - und zwar jetzt. (Beifall bei den GRÜNEN.) Diese Strategie ist - das haben wir jetzt schon gehört - eine Zusammenschau. Sie ist ein Bekenntnis auf Papier. Ist sie ein guter Rahmen? - Ja. Reicht das? - Nein. Sie ist kein Werkzeug, sie ist kein Kompass, sie ist kein Fahrplan und ohne messbare Ziele, ohne Zeitplan und ohne lange Zuständigkeiten. So wird sich das wahrscheinlich im Kreis drehen, aber eine runde Sache wird es leider nicht werden. Was wir brauchen, ist nicht noch ein Dokument, sondern was wir brauchen, ist die Umsetzung. Eines ist klar, wir haben heute hier in diesem Haus schon viel über Demokratie gesprochen. Eine Politik, die ihre eigenen Ziele nicht mit konkreten Taten unterlegt, macht sich unglaubwürdig. Das trägt zur Politikverdrossenheit bei. Nicht nur falsche Entscheidungen tragen dazu bei, dass der Vertrauensverlust in die Politik passiert, sondern auch jede Entscheidung, die wir nicht treffen oder die wir hinausschieben. (Beifall bei den GRÜNEN.) Durch das Verschieben und das Vertrösten auf später, auf irgendwann einmal, werden wir bald sehen: Dieses Irgendwann holt uns viel früher ein, als es uns lieb wäre. Wir leben in Zeiten der Klimakrise. Die Tatsache ist: Die Realität da draußen gibt nichts auf Absichtserklärungen. Die Realität da draußen wartet nicht, bis wir uns entscheiden. Der globale Ressourcenverbrauch hat sich seit 1970 mehr als verdreifacht. Bis 2050 droht er sich erneut zu verdoppeln. Nur 7,2 Prozent der verwendeten Ressourcen weltweit werden aktuell im Kreislauf geführt. Das zeigt: Das Ausmaß unserer Wegwerfgesellschaft ist enorm. Wien ist da auch keine Ausnahme. Wir haben schon ein paar Beispielbereiche gehört, wo es dringend notwendig ist. Wir haben es auch hier in der Bauwirtschaft, beim Überkonsum, bei der Lebensmittelverschwendung, in der Beschaffung und ganz besonders beim Thema Fast Fashion. Wir produzieren auf der einen Seite Tonnen an Müll, auf der anderen Seite verlieren wir Rohstoffe - und das täglich. Gleichzeitig wissen wir: Jede Maßnahme, die wir heute verschieben, wird morgen teurer. Jede Tonne Material, die wir heute vergeuden, fehlt uns morgen. Jede Entscheidung, die wir heute nicht treffen, entscheidet auch über die Zukunft unserer Kinder. Für uns GRÜNE ist Kreislaufwirtschaft keine technische Fußnote und auch keine PR-Maßnahme. Sie ist ein gesellschaftlicher Systemwechsel: weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu einer nachhaltigen, gerechten Stadt. (Beifall bei den GRÜNEN.) Kreislaufwirtschaft heißt Ressourcen, Klima und Artenvielfalt zu schützen. Kreislaufwirtschaft heißt regionale Wertschöpfung, soziale Innovation und die demokratische Kontrolle darüber, was wir besitzen, was wir verwenden, was wir weitergeben und auch was wir wegwerfen. Sie ist kein Selbstzweck, und sie ist kein strahlendes Marketingthema. Sie ist Klimaschutz und Biodiversitätsschutz. Sie ist soziale Gerechtigkeit. Denn Ressourcen sind letztlich eine Frage von Macht und Verteilung. Wir können unseren Planeten nicht endlos ausbeuten und auch nicht die Menschen im globalen Süden, von denen wir sehr viele unserer Ressourcen beziehen. Wie wir also mit Ressourcen umgehen, sagt alles über unsere politische Prioritätensetzung. Wir haben es heute vom Kollegen Gara schon gehört, es gibt andere Städte, die vormachen, was möglich ist. Amsterdam hat bereits 2020 einen konkreten Circular Action Plan vorgelegt. Dort gibt es klare Schwerpunkte. Dort wird der Einsatz von Primärrohstoffen bis 2030 halbiert. Dort gibt es ein Circular Monitor Dashboard, das Fortschritte sichtbar macht. Es gibt klare Maßnahme, Etappenziele, Indikatoren und Evaluierung. All das sind Punkte, die Kollegin Olischar angesprochen hat, und die in der hier vorgelegten Strategie fehlen. In Amsterdam wirkt das. Ich frage mich: Wenn Amsterdam das kann, warum können wir das in Wien nicht auch? (Beifall bei den GRÜNEN.) Wir haben die Kompetenz in der Verwaltung. Wir haben innovative Unternehmen. Wir haben eine engagierte Zivilgesellschaft. Wir haben hier in diesem Haus auch viele Parteien, die sich dafür engagieren und da mitziehen wollen. Was aber ein bisserl fehlt, ist der starke politische Umsetzungswille. Wir haben uns gedacht, wir möchten Ihnen heute die Gelegenheit geben, diesen Umsetzungswillen zu beweisen, und werden deshalb einen Antrag einbringen, dass der vorgelegten Strategie auch ein Aktionsplan mit messbaren Zielen und Indikatoren, mit konkreten Maßnahmen und Zeitplänen, klaren Zuständigkeiten, Ressourcen und Budget und einem Monitoring- und Evaluierungssystem folgen möge. Ja, wir wissen Transformation geht nicht auf Knopfdruck. Sie beginnt aber mit dem Willen zur Klarheit und einem Plan, der nicht nur gut klingt, sondern vor allem auch gut wirkt. Daher meine Einladung an Sie alle: Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass "Zirkuläres Wien" nicht nur ein Bekenntnis bleibt, sondern es wirklich ein Motor für Veränderung sein kann. Wir haben für Absichtserklärungen keine Zeit mehr. Es braucht jetzt Taten. Ich bitte deshalb um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag. - Herzlichen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Stumpf zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Die GRÜNEN stehen da und haben immer noch die moralische Oberhoheit gepachtet, wenn es darum geht, den Menschen zu erklären, was ihnen guttut, und das gleichzeitig so stark zu reglementieren oder so stark reglementieren zu wollen, anstatt Anreize zu schaffen, dass die Leute das aus eigenem Bewusstsein und aus eigener Überzeugung erreichen wollen, weil Umweltschutz natürlich auch Heimatschutz ist. Wir haben dieses Gouvernantenhafte heute bei meiner Vorrednerin wieder pathetisch erlebt - was alles gemacht gehört und dass das immer noch nicht weit genug geht. Ich bin so froh, dass die GRÜNEN nichts mehr zu sagen haben, weder auf Bundes- noch auf Landesebene. (Beifall bei der FPÖ.) Ich kann der SPÖ nur gratulieren, dass ihr euch dieses Koalitionspartners entledigt habt. Ihr habt in einigen Ansätzen, gerade im Umweltschutzbereich, ja auch recht. Denn ihr habt in gewissen Bereichen den nötigen Maßstab. Lasst euch aber bitte nicht von den GRÜNEN einkochen! Die GRÜNEN meinen es weder mit euch noch mit der eigenen Bevölkerung noch mit dem Umweltschutz gut. Das ist ein Deckmäntelchen. Wisst ihr, was das ist? - Ihr wisst es aber am besten. Ihr seid leidgeplagt aus der Regierungszeit durch das grüne Moralschmarotzertum. Das ist Moralschmarotzertum. Sie glauben, sie haben die Moral gepachtet. In Wirklichkeit geht das aber völlig an den Interessen der Menschen vorbei. (Beifall bei der FPÖ.) Ich bin wirklich der Meinung, dass auch einer politischen Partei wie den GRÜNEN eine artgerechte Zuführung ihres Schicksals zuteil zu kommen hat. Das ist der Biokomposthaufen. (Beifall bei der FPÖ.) Geschätzte Damen und Herren, wir haben bei diesem Poststück zwei Anträge eingebracht, natürlich mit Bezug zur Kreislaufwirtschaft. Erlauben Sie mir aber - auch wenn es schon spät ist - kurz, eine Anekdote anzureißen. Ich halte mich auch kurz, versprochen. Es gab ja auch vor der Angelobung des neuen Gemeinderates eine lebhafte Zeit. Diese Zeit hat sich vor allem auf der Straße, bei den Bürgern und in den Schulen abgespielt. Ich durfte bei unzähligen Schulpodiumsdiskussionen auftreten. Es war auch immer eine schöne Erfahrung zu sehen, dass die Schülerinnen und Schüler wirklich einen realen Bezug zum Umweltschutz und zu lebendig gelebter Kreislaufwirtschaft haben. Ich habe ein Beispiel genannt. Kollege Ornig war damals bei der Schulpodiumsdiskussion dabei. Er saß links an meiner Seite. Die Schulpodiumsdiskussion wurde von einem gewissen Herrn Oliver Pink moderiert. - Er greift sich schon auf den Kopf, weil er wahrscheinlich weiß, was ich sagen will - oder Kollege Ornig hat es schon vergessen. Vergessen ist auch eine Form der Kreislaufwirtschaft, die die NEOS sehr gut beherrschen. (Beifall bei der FPÖ.) Er schüttelt aber den Kopf, weil er weiß, auf welche Szene ich anspielen will, die gerade diese Thematik betrifft. Ich wurde damals gefragt ... - Kollege Ornig, du kannst dich dann eh zu Wort melden. Dann sagst du uns, wie du das gesehen hast. - Die Schülerinnen und Schüler aber waren Zeugen, und der Herr Pink war Zeuge, als ich als Vertreter der Freiheitlichen Partei gefragt worden bin: Wie stellt ihr euch Kreislaufwirtschaft vor? Ich habe drei Punkte gesagt: Klimaschutz, Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft, ganz wichtig. (Zwischenruf.) - Oh doch, aber vergessen ist auch eine Art Kreislaufwirtschaft der Pinken. Alles gut. Ich habe gesagt - das ist bei mir gelebte Praxis und dazu bekenne ich mich und meine Fraktionskollegen natürlich auch. Die Verschwendung ist ein Problem in unserer heutigen Zeit. Wenn meine Hose kaputtgeht und ein Loch bekommt oder mein Anzug nicht mehr gut sitzt - und leider Gottes bin ich oft genug davon betroffen, dass er nicht gut sitzt -, dann laufe ich nicht gleich zum nächsten H&M, C&A oder sonst irgendeinem Herrengewandausstatter und auch nicht zur Lugner City. Da gehe ich lieber gern essen, aber nicht um mich anzuziehen, Frau Kollegin. Wissen Sie, dann gehe ich zu meinem Schneider. Der macht es mir günstig, repariert mir mein Gewand, und ich bin wieder gut angekleidet. Ich kaufe nicht gleich den nächsten Anzug, die nächste Jeans oder die nächste Stangenware. Kollege Ornig, lächerlich, Wahnsinn! Er hat nur den Kopf geschüttelt. Nach der Schuldiskussion habe ich ihn gefragt: Was war denn eigentlich dein Problem mit meiner Aussage? - Nein, das ist einfach nur lächerlich, weil Neoliberalismus genau darauf abzielt: Konsum, Konsum, Konsum, noch mehr wegwerfen, noch mehr wegwerfen, noch mehr wegwerfen, Verschwendung im höchsten Stil. (Zwischenruf.) Das ist jetzt euer neuer Koalitionspartner. Also überlegt euch einmal: In welche Richtung geht eigentlich die Kreislaufwirtschaft? In welche Richtung soll Umweltschutz gehen? In diese Richtung oder in diese Richtung oder in eine normale, vernünftige Richtung, geschätzte Damen und Herren? (Beifall.) Import ist auch ein wichtiges Thema. Kreislaufwirtschaft beginnt zum Beispiel auch bei der Lebensmittelfrage. Einer unserer Anträge behandelt zum Beispiel die Lebensmittelpolitik gerade in Schulen, wo jetzt heimische Lebensmittel von den Menüplänen gestrichen werden - aber nicht aus Umweltschutz- oder aus klimapolitischen Gründen. Denn es geht um Schweinefleisch. Das ist vielmehr wiederum ein Bekenntnis in eine gewisse Richtung jener, denen es nicht passt, dass Schweinefleisch auf dem Menüplan steht. Stattdessen importieren wir irgendwelche künstlich erzeugten pflanzlichen Produkte wie Tofu, Soja oder sonst irgendetwas. Der CO2-Ausstoß ist enorm, aber es ist unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern genüge getan, wenn sie dafür kein Schweinefleisch auf dem Menüplan haben. Na, herzlichen Glückwunsch zu dieser Kreislaufwirtschaft, geschätzte Damen und Herren. Denn unsere heimischen Landwirte, unsere Bäuerinnen und Bauern, wollen, dass ihre regionalen Produkte in den Schulen angeboten werden. Das ist auch ein Thema auf bundespolitischer Ebene, Herr Stadtrat. Das sollte natürlich erst recht auch auf Wiener Gemeinde- und Kommunalebene ein Thema sein. (Beifall bei der FPÖ.) Kreislaufwirtschaft darf auch nicht zur Ausrede werden, um neue Abgaben oder Steuererhöhungen zu rechtfertigen. Diese Gefahr sehe ich. Da sind die GRÜNEN Spezialisten. Die Roten sind gerade noch in einer guten Ausbildungsphase. Das haben sie sich von den GRÜNEN abgeschaut: Wie können wir die Leute noch mehr schröpfen et cetera. In dieser Hinsicht zielt unser zweiter Antrag auf ein Bekenntnis ab. Wir wollen ein Bekenntnis, dass es zu keiner Abgabenerhöhung kommt, zum Beispiel bei der Hundeabgabe. Jetzt werden Sie mich fragen: Was hat das mit der Kreislaufwirtschaft zu tun? - Nun ja, neue Abgaben, neue Steuererhöhungen, Kreislaufwirtschaft und eben das Bekenntnis, dass alles zusammenhängt, ob das Lebensmittel, Konsumprodukte, die Nutztierhaltung oder auch die normale Tierhaltung betrifft. Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Viele Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer haben wirklich Angst davor, dass auch da die Gebührenspirale zuschlägt, die von der SPÖ-pinken Stadtregierung aufoktroyiert wird. Da müssen wir jetzt schon sagen: Bitte, beruhigt euch! Es wird alles gut. Ihr könnt euch eure Hunde weiterhin leisten. Denn Kreislaufwirtschaft ist mehr als nur Konsum. Kreislaufwirtschaft ist auch ein Gedanke des sozialen Miteinanders zwischen Mensch und Tier, Herr Stadtrat. (Beifall bei der FPÖ.) In diesem Sinne ist für den heutigen Abend alles gesagt. Ich freue mich auf die weitere Debatte im Zuge des morgigen Tages. - Herzlichen Dank. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Klubobmann Taucher zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihm. - Bitte. GR Mag. Josef Taucher (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Berichterstatter, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe noch verbleibende Menschen vor den Bildschirmen! Ich darf hier heute die letzte Rede der heutigen Gemeinderatssitzung halten. Ich habe mir viel vorbereitet, aber ich darf Entwarnung geben. Ich werde nur ein paar Sätze dazu sagen, weil mein Kollege Gara schon sehr, sehr gut ausgeführt hat. Wir beschließen heute die Wiener Kreislaufwirtschaftsstrategie, eine runde Sache. Das klingt immer kompliziert. Es geht einfach nur darum, Waren, die wir verwenden und aus der Natur nehmen oder irgendwo abbauen, so lang wie möglich zu nutzen und sie nicht abzubauen, etwas daraus zu bauen, sie dann wegzuschmeißen und irgendwo zu deponieren, sondern sie so lang wie möglich zu nutzen. Das heißt, sie auch zu reparieren oder Teile daraus später zu entnehmen, die wir dann upcyceln und weiterverwenden. So ist es zum Beispiel bei meiner Obstschale im Klub - die ist das Bullauge einer Waschmaschine, wunderschön - oder bei Planentaschen. Beim Reparaturbon geht es darum, dass man die Dinge nicht wegschmeißt, sondern zum Reparaturbetrieb geht und sie dort wieder herrichten lässt. Das alles ist Kreislaufwirtschaft. Die Dinge also lang in Gebrauch zu halten. Ein schönes anderes Beispiel für die Kreislaufwirtschaft ist unser Kompostwerk in der Lobau - da werden 100 000 Tonnen Grünschnitt, Fallobst und Gras verarbeitet -, das größte in Mitteleuropa, wenn nicht in ganz Europa. Dort produzieren wir aus diesem Grasschnitt Biokompost und Bioerde höchster Qualität mit europäischem Gütesiegel, die wir dann wieder in der Landwirtschaft einsetzen, um zu düngen und die Böden aufzuwerten, damit wieder etwas Gutes wächst, was wir dann wieder kompostieren können und auf die Felder aufbringen. Das ist also Kreislaufwirtschaft im schönsten Sinne. Das passt auch zur Donut-Ökonomie. Wir schauen bei der Kreislaufwirtschaft darauf, dass ein unteres Niveau eingezogen wird, sodass niemand dadurch ein schlechteres Leben hat. Es soll jeder in Wien ein gutes Leben haben. Es gibt eine Untergrenze. Die Obergrenze ist einfach: Jeder, der schon einmal die Fotos vom Mondflug aus den 1960er-Jahren gesehen hat, weiß, dass die Erde eine Kugel ist und natürlich beschränkte Ressourcen hat und dass wir nicht mehr nehmen können, als da ist. Auch das wird berücksichtigt. Schlussendlich, warum ist das Wort Wirtschaft in dieser runden Sache der Kreislaufwirtschaft drinnen? - Weil das natürlich auch ein Impuls für die Wiener Wirtschaft ist, weil damit Jobs geschaffen werden und man mit Kreislaufwirtschaft natürlich auch Geld verdienen kann. Das ist gut so, denn das sind die Jobs der Zukunft. In diesem Sinne schließe ich schon ab. Ich ersuche Sie um Zustimmung zu diesen paar Projekten, die ich jetzt genannt habe. Weil Sie, liebe KollegInnen der Opposition, sagen, wir sollen nicht nur anfangen und ankündigen, sondern tun: Wir tun schon sehr, sehr viele Jahre und fassen das jetzt im Klimafahrplan zusammen. Das ist nach Klimaschutz und Klimawandelanpassung jetzt unser drittes K: die Kreislaufwirtschaft. - Ich bitte um Zustimmung. (Beifall bei der SPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Der Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen daher zur Abstimmung über die Postnummer 10. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ, der NEOS und der GRÜNEN, womit diese Postnummer mehrstimmig gegen die Stimmen von FPÖ und ÖVP angenommen ist. Es liegen drei Beschlussanträge vor. Antrag der GRÜNEN zum Wiener Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP und der GRÜNEN. Dieser Antrag ist damit in der Minderheit und abgelehnt. Der nächste Antrag von der FPÖ betrifft regionale Lebensmittel in Wiener Schulen. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP und der FPÖ. Auch dieser Antrag bleibt damit in der Minderheit und ist abgelehnt. Der letzte Antrag des heutigen Tages der FPÖ betrifft keine Erhöhung der Hundeabgabe. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe auch hier die Zustimmung der ÖVP und der FPÖ, womit dieser Antrag in der Minderheit bleibt und ebenfalls abgelehnt ist. Damit gelangen wir zum letzten Tagesordnungspunkt, zur Postnummer 11. Sie betrifft die Wiener Demokratie- Strategie. Die Debatte darüber haben wir bereits bei der Mitteilung geführt, daher ist niemand zu Wort gemeldet. Wir kommen daher gleich zur Abstimmung über die Postnummer 11. Wer der Postnummer 11 zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ, der NEOS und der GRÜNEN, womit diese Postnummer mehrstimmig angenommen ist. Damit haben wir die Tagesordnung des heutigen Gemeinderates abgearbeitet. Ich danke für die Teilnahme und die Konzentration bis zum Schluss. Wir sehen uns morgen beim Landtag. Ich schließe die Sitzung. (Schluss um 21.18 Uhr.) Gemeinderat, 22. WP 22. Oktober 2025 6. Sitzung / 53