Gemeinderat der Bundeshauptstadt Wien 22. Wahlperiode 7. Sitzung vom 18. November 2025 Wörtliches Protokoll Inhaltsverzeichnis 1. Entschuldigte Gemeinderätinnen bzw. Gemeinderäte S. 3 2. Bekanntgabe, dass die mündlichen Anfragen (FSP-1507808-2025-KFP/GM) von GR Michael Stumpf, BA an die amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke sowie (FSP-1507346-2025-KVP/GM) von GRin Ingrid Korosec an die amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke nicht zugelassen wurden S. 3 3. Fragestunde 1. Anfrage (FSP-1384054-2025-KFP/GM) S. 3 2. Anfrage (FSP-1377153-2025-KSP/GM) S. 6 3. Anfrage (FSP-1506140-2025-KVP/GM) S. 8 4. Anfrage (FSP-1507754-2025-KNE/GM) S. 10 5. Anfrage (FSP-1504995-2025-KGR/GM) S. 12 4. ASTTH-1520426-2025-KFP/AGTH: Aktuelle Stunde zum Thema "Wien hat seine Finanzen nicht im Griff - Sparmaßnahmen treffen die Wienerinnen und Wiener in allen Lebensbereichen!" Rednerinnen bzw. Redner: GR Maximilian Krauss, MA S. 14 GR Harald Zierfuß S. 16 GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic S. 17 StR Peter Kraus, MSc S. 18 GR Christian Deutsch S. 19 StRin Dr. Katarzyna Greco, MIEM S. 19 GR Markus Ornig, MBA S. 20 GRin Theresa Schneckenreither, MSc S. 21 StR Dominik Nepp, MA S. 22 GRin Katharina Weninger, BA S. 23 5. Mitteilung des Einlaufs S. 24 6. Mandatsverzicht Karl Mahrer; Angelobung GRin Ing. Judith Edelmann S. 24 7. Gemäß § 26 WStV ohne Verhandlung angenommene Anträge des Stadtsenates S. 24 8. Umstellung der Tagesordnung S. 25 9. 1389466-2025-GBI; MA 13, P 4: Förderung an den Verein WIENXTRA, ein junges Stadtprogramm zur Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familien Berichterstatterin GRin Mag. Nina Abrahamczik S. 25 Rednerinnen bzw. Redner: GR Harald Zierfuß S. 25 GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic S. 26 GR Felix Stadler, BSc, MA S. 27 GR Maximilian Krauss, MA S. 28 GR Nikola Poljak, BA, MA S. 29 GRin Sabine Keri S. 30 GR Mag. Lukas Burian S. 31 GRin Mag. Mag. Julia Malle S. 32 GR Michael Stumpf, BA S. 34 GRin Safak Akcay S. 35 Abstimmung S. 36 10. 1341213-2025-GBI; MA 10, P 1: Förderung an die Therapieinstitut Keil GmbH Abstimmung S. 36 11. 1376621-2025-GBI; MA 13, P 2: Förderung an den Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien Berichterstatterin GRin Mag. Stefanie Vasold S. 36 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Mag. Dolores Bakos, BA S. 36 GR Theodor Felix Löcker S. 37 GR Mag. Bernd Saurer S. 38 GRin Mag. Dolores Bakos, BA (tatsächliche Berichtigung) S. 39 GRin Mag. Alexandra Rezaei S. 39 GRin Mag. Dolores Bakos, BA S. 40 GR Harald Zierfuß S. 40 Abstimmung S. 40 12. 1404350-2025-GBI; MA 13, P 5: Förderung an den Verein COURAGE - Österreichisches Institut für Beziehungs- und Sexualforschung Berichterstatterin GRin Mag. Stefanie Vasold S. 41 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc S. 41 GR Leo Lugner S. 43 GRin Mag. (FH) Susanne Haase S. 43 GRin Dr. Jennifer Kickert S. 45 GR Thomas Weber S. 45 GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc S. 47 GRin Jing Hu, BA, MPharm (tatsächliche Berichtigung) S. 47 GR Leo Lugner S. 48 Abstimmung S. 48 13. 1328440-2025-GGK; MA 48, P 15: sachliche Genehmigung für die Planung Neubau Mistplatz Innstraße Berichterstatter GR Mag. Gerhard Spitzer S. 48 Rednerin bzw. Redner: GR Kilian Stark S. 48 GR Michael Stumpf, BA S. 50 GRin Patricia Anderle S. 51 GR Kilian Stark S. 53 GR Michael Stumpf, BA S. 54 Abstimmung S. 54 14. 1306996-2025-GWS; MA 34, P 29: Sachkreditgenehmigung für die Kühlung des Amtshauses in Wien 1, Rathausstraße 9 mittels Fernkälte Berichterstatter GR Thomas Mader S. 54 Redner: GR Michael Niegl S. 54 GR Roland Guggenberger S. 55 Berichterstatter GR Thomas Mader S. 55 Abstimmung S. 55 15. 1255611-2025-GGS; MA 24, P 21: Bedeckungsänderung für die außerplanmäßige Überschreitung auf Gruppe 753, Transfers an Sozialversicherungsträger, Ansatz 5006, Gesundheitsplanung Berichterstatterin GRin Dr. Claudia Laschan S. 55 Rednerin: GRin Mag. Barbara Huemer S. 55 Abstimmung S. 56 16. 1257803-2025-GGS; MA 15, P 23: Festsetzung der Tarife für die Leistungen des Hygienezentrums der Stadt Wien ab 1. Jänner 2026 Abstimmung S. 56 17. 1395349-2025-GKU; MA 7, P 17: Förderung an die Stadt Wien Kunst GmbH für die Jahre 2025 und 2026 Abstimmung S. 56 18. 1396439-2025-GKU; MA 7, P 20: Förderung an die Koproduktionshaus Wien GmbH Berichterstatterin GRin Mag. Dr. Ewa Samel S. 57 Rednerin bzw. Redner: StR Stefan Berger S. 57 GRin Katharina Weninger, BA S. 58 Abstimmung S. 58 u. S. 62 19. 1386140-2025-GGM; MA 28, P 12: Sachkreditgenehmigung für die Radwegherstellung in Wien 3, Landstraßer Hauptstraße (Juchgasse - Schlachthausgasse) Berichterstatterin GRin Cornelia Sucher, BA S. 58 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA S. 58 GR Michael Stumpf, BA S. 59 GRin Ing. Astrid Rompolt, MA S. 60 GR Johann Arsenovic (tatsächliche Berichtigung) S. 60 GR Kilian Stark S. 61 Abstimmung S. 62 20. 1386331-2025-GGM; MA 28, P 13: Sachkreditgenehmigung für Straßenbauarbeiten und Nebenarbeiten für das Stadterweiterungsgebiet 21.20.02, Wien 21, Donaufeld Südost - Quartier an der Schanze Berichterstatterin GRin Cornelia Sucher, BA S. 62 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Mag. Heidemarie Sequenz S. 62 GR Thomas Kreutzinger S. 63 GRin Ing. Astrid Rompolt, MA S. 64 Abstimmung S. 64 21. 1404808-2025-GFW; MD-EUI, P 6: Beendigung der Mitgliedschaft im internationalen Netzwerk Organization of World Heritage Cities (OWHC) mit Ablauf des Jahres 2025 Berichterstatterin GRin Martina Ludwig- Faymann S. 64 Rednerin bzw. Redner: GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc S. 64 GR Andreas Bussek S. 65 GR Dr. Sascha Obrecht S. 65 Abstimmung S. 66 22. DRI-1521270-2025-KGR/GF: Dringliche Anfrage von GR David Ellensohn, GRin Mag. Barbara Huemer, GR Georg Prack, BA, GRin Mag. Berivan Aslan, GRin Theresa Schneckenreither, MSc und GRin Dr. Jennifer Kickert betreffend "drastische Kürzungen im Sozial- und Gesundheitssystem dieser Stadt stoppen" Begründung: GR David Ellensohn S. 66 Beantwortung: Bgm Dr. Michael Ludwig S. 70 Rednerinnen bzw. Redner: StRin Mag. Judith Pühringer S. 73 GRin Ingrid Korosec S. 76 GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel S. 77 GR Lukas Brucker, MA S. 78 GR Mag. Dr. Michael Trinko S. 79 GRin Jing Hu, BA, MPharm S. 81 GRin Mag. Barbara Huemer S. 83 GR Klemens Resch S. 86 GRin Mag. Stefanie Vasold S. 86 GR Georg Prack, BA S. 89 GRin Mag. Heidemarie Sequenz S. 91 Abstimmung S. 91 23. 1337248-2025-GFW; MA 5, P 7: 4. periodischer Bericht im Jahr 2025 über zusammengefasste Überschreitungen für das Finanzjahr 2025 Berichterstatter GR Mag. Thomas Reindl S. 92 Rednerin: GRin Angela Schütz, MA S. 92 Abstimmung S. 92 24. DRI-1519728-2025-KVP/GAT: Dringlicher Antrag von GR Harald Zierfuß, GR Hannes Taborsky, GR Mag. Manfred Juraczka, GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA, GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc und GRin Ingrid Korosec betreffend "Transparenz und Kostenkontrolle bei Großprojekten der Stadt Wien" Begründung: GR Harald Zierfuß S. 93 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc S. 94 GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA S. 95 GRin Mag. Heidemarie Sequenz S. 95 GR Klemens Resch S. 97 GR Christian Deutsch S. 98 GRin Ingrid Korosec S. 99 GR Markus Ornig, MBA S. 101 GRin Mag. Barbara Huemer S. 102 GR Filip Worotynski, MA S. 103 GR Hannes Taborsky S. 104 GRin Angela Schütz, MA S. 107 Abstimmung S. 108 (Beginn um 9.03 Uhr.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Einen schönen guten Morgen, meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich darf alle bitten, die Sitzplätze einzunehmen und die Türen zu schließen. Die 7. Sitzung des Wiener Gemeinderates ist eröffnet. Ganztägig verhindert sind GR Dipl.-Ing. Al-Rawi, GRin Mag. Berner, GR Ing. Guggenbichler, GR Mag. Juraczka. Zeitweise verhindert sind GR Arsenovic, GR Bambouk, GRin Dr. Laschan, GRin Mag. Malle, GRin Ing. Meidlinger, GR Neumayer, GRin Ing. Rompolt, GR Felix Stadler, BSc, MA, GRin Wirnsberger, StRin Dr. Greco. Gemäß § 33 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Gemeinderates der Stadt Wien gebe ich bekannt, dass folgende mündliche Anfragen in der Präsidialkonferenz nicht zugelassen wurden: Anfrage von GR Michael Stumpf an die amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke. Die Anfrage lautet: In den Wintermonaten kommt es in U-Bahn- und Straßenbahngarnituren regelmäßig zu einer spürbaren Überheizung. Fahrgäste steigen mit dicken Jacken ein, Türen öffnen und schließen im Minutentakt und dennoch sind die Innenräume oft so warm, dass viele ins Schwitzen geraten und sich an- und ausziehen müssen. Das mindert den Fahrkomfort, ist energieineffizient und führt zu vermeidbarer Belastung für die Fahrgäste. In welcher Art und Weise werden Sie sich als Eigentümervertreterin bei den Wiener Linien dafür einsetzen, um sicherzustellen, dass die Heizstrategie in U-Bahn-, Bus- und Straßenbahngarnituren für die Wintersaison auf ein konstant niedriges, komfortorientiertes Temperaturniveau umgestellt, anstatt hoher Spitzen, und dieses einheitlich umgesetzt und sichergestellt wird? Die zweite Anfrage war von Frau GRin Ingrid Korosec an die amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke. Sie lautet: Ab 1. Jänner 2026 sollen bei den Wiener Linien Einzelfahrten für Seniorinnen und Senioren ab 65 statt bisher 1,50 EUR stolze 3,20 EUR kosten. Werden Sie sich auf Grund der aktuellen Überlegungen als Eigentümervertreterin der Gemeinde Wien bei den Wiener Stadtwerken GmbH dafür einsetzen, dass deren Geschäftsführung auf die Leitung der Wiener Linien einwirkt, den gegenüber dem normalen Einzelfahrschein-Ticket deutlich reduzierten Seniorenfahrschein wie bisher beizubehalten? Wir kommen nun zur Fragestunde. Die 1. Anfrage (FSP-1384054-2025-KFP/GM) wurde von Herrn GR Blind gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Bildung, Jugend, Integration, Transparenz und Märkte gerichtet. In dieser Anfrage geht es um die Teilnahme an den Deutschkursen. (Die Stadt Wien ermöglicht neben dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) die Teilnahme an Deutschkursen für anerkannte Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigte. Doch aktuelle Berichte zeigen, dass von vielen diese Möglichkeit nicht entsprechend genützt wird. Offenbar fehlen effektive Kontrollmechanismen und Sanktionen. Welche Maßnahmen werden Sie setzen, damit Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigte an Deutschkursen erfolgreich teilnehmen.) Guten Morgen, Frau Vizebürgermeisterin, bitte um Beantwortung. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Einen wunderschönen guten Morgen, sehr geehrter Herr Abgeordneter, vielen Dank für die Frage! Es geht um Deutschkurse und auch um fehlende effektive Kontrollmechanismen und Sanktionen, die Sie hier benennen. Die Frage, die Sie stellen, ist: Welche Maßnahmen werden Sie setzen, damit Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigte an Deutschkursen erfolgreich teilnehmen? Ich muss vielleicht vorwegstellen, dass hier politische Zuständigkeiten ein bisschen vermischt werden. Angebote in meinem Ressort und ganz konkret auch der MA 17 werden für Zugewanderte nach dem Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz oder für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte gemacht. Nicht umfasst in meinem Ressort sind Asylwerber und -werberinnen. Das heißt, alle Zahlen dazu kann ich quasi nicht geben, die resultieren bei StR Hacker im Bereich der MA 40. Zusätzlich möchte ich auch festhalten, da die Frage auch hinsichtlich der ÖIF-Deutschkurse geht, dass die Stadt Wien beziehungsweise auch die MA 17 auf die Kursangebote des Österreichischen Integrationsfonds keinen Einfluss haben. Wir setzen uns zwar dafür ein, dass es vor allem in Zukunft eine engere Abstimmung zwischen unseren unterschiedlichen Kursangeboten gibt, aber wir haben keinen Einfluss auf das Kursangebot des ÖIF. Und es bestehen in meinem Ressort weder eine Kooperationsvereinbarung noch irgendwelche Förderverträge mit dem ÖIF. - Das vorangestellt. Ja, ich glaube, der Deutscherwerb ist ein wesentlicher Faktor, um sich in die Gesellschaft zu integrieren, da sind wir uns einig. Vor allem aber auch für Kinder und Jugendliche ist das extrem wichtig und Voraussetzung dafür, dass sie auch in der Schule zu einem dementsprechenden Erfolg kommen. Die Stadt Wien fördert daher Deutschkurse und deckt damit den Sprachförderbedarf für verschiedene Zielgruppen ab. Das ist das, was wir hauptsächlich über die MA 17 bewerkstelligen. Es gibt also in meinem Ressort keine speziellen Kurse nur für Asylwerbende, subsidiär Schutzberechtigte oder Menschen mit positivem Asylbescheid, sondern die Teilnehmenden besitzen verschiedenste Aufenthaltsberechtigungen, und es nehmen auch Menschen, die zum Beispiel in Österreich geboren sind, an den von uns angebotenen Sprachkursen teil. Was wir seitens der MA 17 zusätzlich anbieten, muss man wirklich getrennt sehen von der bundesgesetzlichen Vorgabe über Integrationsvereinbarung, Integrationsgesetz, aber auch dem ÖIF. Die Deutschkurse der MA 17 sind vollständig ausgebucht. Wir haben bei den geförderten Kursplätzen also keine freien Plätze und darüber hinaus leider auch Wartezeiten. Das Angebot kann man natürlich immer ausweiten, aber es wird sehr gut angenommen, auch deswegen, weil wir Kurse für die unterschiedlichsten Zielgruppen und deren Bedürfnisse anbieten, das heißt, unterschiedliche fachspezifische Deutschkurse. Wir bieten auch für TeilnehmerInnen, die zum Beispiel Kinderbetreuungspflichten haben, kursbegleitende Kinderbetreuung an, zusätzlich Sozial-, Lern- und Bildungsberatung, die natürlich auch eine große Rolle spielt, und vor allem passen wir die Kurszeiten auch an Lebensrealitäten an, und da vor allem an Familien, die Betreuungspflichten haben. Was unsere Kurse betrifft, kann ich sagen, dass wir quasi keine Abbrüche haben, aber auch Wartezeiten, und dass auch die Kooperationspartner, mit denen diese Kurse abgehalten werden, sehr darauf schauen, dass das Kursangebot perfekt passt, auf jeweilige Personengruppen zugeschnitten ist und es hier zu keinen unvorhergesehenen Abbrüchen kommt. Das ist immer möglich auf Grund Erkrankung, auf Grund Schwangerschaft - etwas, was in der letzten Zeit durchaus auch aufgetreten ist - kann es natürlich zu Abbrüchen kommen, aber wir können unsere Kurse auch immer jederzeit nachbesetzen. Hätten wir hohe Abbruchquoten und würden das in unserem System oder in unseren Angeboten merken, dann würden wir auch Gespräche mit den Anbietern führen, um die Ursachen zu identifizieren und dementsprechend entgegenzuwirken. Ich möchte trotzdem noch darauf eingehen - denn ich glaube, Ihre Frage zielt eigentlich ganz woanders hin -, auch wenn es jetzt nicht mein Ressort und eine sehr komplexe Materie ist, wie das mit den Deutschkursen, Integrationsmaßnahmen bund-/länderseitig gestaltet ist, da Sie vor allem auch die Sanktionsmöglichkeiten ansprechen. Es gibt auf Grund der Integrationsvereinbarung auf Bundesebene, die Sie wahrscheinlich kennen, und wo jetzt auch eine Verschärfung in dem Sinn, dass man hier das Angebot ausweitet, vorgesehen ist - und das kann ich aus der Wiener Perspektive sagen - auch Sanktionsmöglichkeiten. Wir waren gerade erst vorletzte Woche auf der Landes-IntegrationsreferentInnen-Konferenz, wo wir noch einmal festgehalten haben, dass wir uns genau anschauen, ob die Sanktionsmechanismen, die momentan bestehen, also von Verwaltungsstrafen bis zur Reduktion von Sozialleistungen, auch zielführend sind, und wenn nicht, kann man hier an einzelnen Stellen sagen, es braucht strengere Sanktionsmöglichkeiten. Das ist gerade seitens des Bundesministeriums und der zuständigen Bundesministerin in Ausarbeitung, und es wird hier sicher weitere Schritte geben. Aber vielleicht auch zu den Zahlen der Wiener Kurse. Wir haben im Jahr 2024 - und das sind Kurse, die eben über das Ressort Peter Hacker angeboten werden - Sanktionen in der Zahl von 3 567, wenn quasi im entsprechenden Ausmaß der Kurs nicht besucht wird, abgebrochen wird, wie auch immer. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, die 1. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - GR Blind. GR Armin Blind (FPÖ): Danke, Frau Stadträtin, für die Beantwortung. Ich darf gleich vorausschicken, wir haben ja auch von anerkannten Asylwerbern gesprochen und nicht nur von Asylwerbern. Man könnte auch von Asylberechtigten sprechen. Asylwerber wird man ja durch Selbsterklärung, da braucht es ja keine Anerkennung, also ich glaube, wir reden eh vom Selben. Die Frage, die sich jetzt mir stellt: Sie haben eine Zahl von rund 3 000 in den Raum gestellt, was 2024 an Sanktionen ausgesprochen wurden, können Sie quantifizieren, wie viele Personen jetzt Kursabbrüche gehabt beziehungsweise sonstige Tatbestände gesetzt haben, die zu diesen Sanktionen geführt haben? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielleicht nur vorweg, ja, es ist schon ein Unterschied, ob Asylwerber oder subsidiär Schutzberechtigte oder Asylberechtigte, das ergibt sich leider aus der Komplexität und der Kompetenzverteilung, die im Fall der Asylwerber eindeutig nicht in meinem Ressort beheimatet ist. Die Zahl, die ich Ihnen genannt habe, ist das, was ich über ÖIF und MA 40 herausgefunden habe, da ja die Frage nach Sanktionen war. Daher hat es mich selbst interessiert, was da pro Jahr zusammenkommt. Und das ist die Zahl, die hier recherchiert wurde, wie viele Personen wirklich in den Abbruch gehen, kann ich so nicht festmachen beziehungsweise habe ich die Zahl nicht. Ich habe Ihnen von den MA 17-Kursen gesagt, dass wir hier kaum Abbrüche verzeichnen, es aber natürlich immer wieder auch vorkommen kann, dass ein anderes Kursangebot angenommen wird, aber auch, dass zum Beispiel eine Schwangerschaft oder eine Krankheit vorliegt. Aber bei den Kursen, die über die MA 17 angeboten werden, haben wir momentan quasi keine Abbruchquote, weil sie wirklich maßgeschneidert und vor allem auch auf die Lebensrealitäten zugeschnitten sind. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von der SPÖ. - GR Mag. Ackerl, bitte. GR Mag. Alexander Ackerl (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, vielen Dank für Ihre bisherigen Antworten. Sie haben Basisbildung beziehungsweise Deutschkurse für Jugendliche und junge Erwachsene bereits erörtert. Je früher man anfängt, umso besser ist es ja. Welche Maßnahmen haben Sie gesetzt, um Kindern den Erwerb der deutschen Sprache zu erleichtern? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage. Ich glaube, das ist wesentlich, dass wir vor allem bei den Kindern und Jugendlichen ansetzen, die ohne ausreichende Deutschkenntnisse zu uns gekommen sind, aber natürlich vorhaben, ihr Leben mit ihrer Familie hier aufzubauen. Da ist es ganz wichtig, dass wir immer auf die nächste Generation schauen, weil wir hier die höchste Erfolgsquote und natürlich das meiste Potenzial für gelingende Bildungserfolgskarrieren haben, aber auch Arbeitskarrieren. Das heißt, Sprachbildung beginnt natürlich möglichst früh im Kindergarten. Und da ist es mir ein besonderes Anliegen, im Kindergarten die Sprachförderung noch einmal viel stärker aufzustellen, mit der Erhöhung der Sprachförderkräfte, auch, dass Kinder, die unzureichende Kenntnisse in der deutschen Sprache haben, länger im Kindergarten verbleiben, aber auch, dass zum Beispiel ein Sommer genutzt wird. Wir dürfen nämlich eines in dieser Diskussion nie vergessen - und das werde ich nicht müde zu betonen -, die Kindergartenpädagoginnen und Kindergartenpädagogen leisten enorm Großartiges. Man weiß, wenn man selbst Kinder hat, aber ich glaube, darüber hinaus, viele, die sich damit beschäftigen, wie Kindergarten funktioniert, wie verantwortungsvoll diese Aufgabe ist und wie verantwortungsvoll diese Aufgabe von allen, die im Kindergarten arbeiten, auch wahrgenommen wird. Es kann aber nicht sein, dass wir sagen, das Kind geht x Jahre in den Kindergarten und dann muss es perfekt Deutsch sprechen. Das werden wir nicht erreichen, wenn wir die Eltern nicht an Bord haben, wenn der Kindergartenbesuch nur gering stattfindet, wenn es abseits des Kindergartens keine weiteren Fördermaßnahmen gibt, wenn es kein wie immer geartetes deutschsprechendes Umfeld gibt, auch in der Freizeit, wenn aber auch zum Beispiel im Sommer neun Wochen in keinem deutschsprachigen Umfeld verbracht werden. Und das müssen wir immer differenzieren. Wir versuchen alles, um im Kindergarten die Sprachförderung verstärkt aufzustellen, aber wir dürfen nie vergessen, dass es natürlich auch an den Eltern und dem ganzen Umfeld liegt. In Wahrheit kann man sagen, es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diesen Kindern gut Deutsch beizubringen. Wir haben im Jahr 2022 mit den Sommerdeutschkursen angefangen. Das ist ein Angebot, das sehr gut angenommen worden ist. Heuer im Sommer gab es das erste Mal Extrakurse für Schulneulinge, das heißt Kinder, die vor dem Übertritt vom Kindergarten in die Schule stehen, denn wir sehen vor allem hier, dass wir auf Grund des Alters des Kindes relativ viel bewirken können. Das Angebot ist super angenommen worden. Das ist auch der Grund, warum ich gesagt habe, wir werden genau dieses Angebot noch einmal massiv ausbauen, weil wir sehen, hier haben wir einen großen Hebel in der Hand, wenn die Kinder vor Schuleintritt noch einmal sehr intensiv mit der deutschen Sprache in Berührung kommen. Aber auch wie diese Kurse aufgestellt sind, sehr alltagsintegrierte Sprachförderung, wir sehen einfach, das wirkt und das ist ein Weg, den wir sehr konsequent aber auch verstärkt weitergehen wollen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Frau GRin Mag. Hungerländer. - Bitte. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Danke schön, Frau Stadträtin, auch für die Klarifizierung, dass die zwei Ressorts und die Zuständigkeiten auseinandergehalten werden. Wir hatten das Thema Sanktionen bei Nichteinhaltung der Integrationsmaßnahmen laut Integrationsgesetz - darunter fallen ja die Deutschkurse - bei der letzten Fragestunde bei Herrn StR Hacker und ich meine, dass er eine andere Zahl der Sanktionen nach Integrationsgesetz gesagt hat. Sie meinen jetzt nur die Deutschkurse, aber wir werden das nachprüfen. Es wird schon stimmen, aber vielleicht sind es unterschiedliche Mengenangaben oder Sie sprechen von Personen, und wir haben uns die Sanktionen nach Höhe angeschaut, alles möglich. Bei Ihnen liegt ja eine relativ komplexe und umfangreiche Anfrage von mir, und ich bin schon sehr gespannt, was da herauskommen wird. Der Kern in dieser Anfrage ist ja die Frage, wie Sie das Deutschkursangebot zwischen den Ressorts koordinieren. Gibt es da eine Kommunikationsstelle, die einheitlich für die ganze Stadt agiert oder sind da die Ressorts eher getrennt? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage, auch zur Anzahl an Sanktionen. Ich kann dem auch selbst noch einmal nachgehen, das ist das, was wir jetzt für diese Beantwortung recherchiert haben. Zur einheitlichen Vorgangsweise: Wir haben uns in den letzten Jahren, aber auch vor allem nochmal ganz konkret auch bei der Erstellung dieses Regierungsprogramms damit beschäftigt, wie gelingender Deutscherwerb über die Stadt wirklich vernetzt betrachtet am besten gelingen kann. Und wenn Sie wahrscheinlich das Regierungsprogramm kennen, natürlich gibt es auch jetzt die Kooperation und Vernetzung. Wir haben uns aber vorgenommen, wirklich eine Koordinierungsstelle für den Spracherwerb zu schaffen, denn es gibt nicht nur die zwei Ressorts, sondern viele Vereine, die wir fördern. Es gibt auch die VHS mit vielfältigen Angeboten und natürlich die ganz extrem wichtige Koordination und Vernetzung mit dem ÖIF, der eigentlich ausschlaggebend dafür ist, dass wir auch ein gelingendes System haben. Zum ÖIF habe ich vorhin ausgeführt, dass wir dieses Thema auf der Landes-IntegrationsreferentInnen-Konferenz sehr genau im Blick hatten und auch aus Wien heraus schon länger sagen, wir brauchen hier eine bessere Koordination und Vernetzung. Wir wollen das beste Angebot machen, aber auch eines, das sehr leicht angenommen und erfolgreich durchgeführt werden kann. Die Sprachkoordinationsstelle ist, wie gesagt, im Regierungsprogramm verankert. Hier versuchen wir - und das ist ein Prozess, der ein bisschen länger dauert, weil das relativ komplex ist und es vielfältige Angebote gibt, die in den letzten Jahren sehr stark ausgebaut wurden -, das alles zusammenzuführen und wirklich vernetzt zu denken, und auch, was wir im Regierungsprogramm vereinbart haben, einen Integrationsbericht zu erstellen, der dann auch genau darstellen soll, welche Maßnahme, welche Förderung, welcher Verein wirkt wie, um Menschen zu integrieren, aber vor allem auch, um den Spracherwerb und Deutscherwerb konkret nachvollziehen zu können und vor allem Erfolgsfaktoren herauszuziehen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 4. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Aslan, bitte. GRin Mag. Berivan Aslan (GRÜNE): Mein Papa hat immer gesagt: Deutsch ist ein Führerschein zur Selbstständigkeit, zur Freiheit! Und deswegen war ich immer wirklich davon überzeugt, wenn es die besseren Rahmenbedingungen für einen Spracherwerb gibt, dann kann man eine Sprache besser lernen als durch Sanktionen. Und das sieht man auch, wenn genug Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung stehen, wenn es den Lebensrealitäten angepasste Deutschkurse gibt, dass die Menschen dann sehr wohl dieses Angebot in Anspruch nehmen. Denn ich glaube, jeder, der zum Arzt gehen will, will einfach nicht auf eine dritte Person angewiesen sein. Insofern würde ich gerne wissen, da ja im Moment auch sehr viele Kürzungen im Raum stehen, sind die Deutschkurse von den Kürzungen betroffen? Und wie schauen die Rahmenbedingungen dann für berufsspezifische Kurse aus, denn die sind ja sehr wichtig für die Integration in den Arbeitsmarkt? Diesbezüglich würde ich gern eine Antwort haben. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage und danke auch für die Bestätigung. Ich glaube, das, was wir über die MA 17 an Deutschkursen anbieten, ist auch deswegen erfolgreich, weil es eben an die Lebensrealitäten vor allem auch von Frauen, Müttern, Familien angepasst ist, immer mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten, immer mit Kurszeiten, die familienfreundlich sind. Dann wird das auch gerne angenommen. Ich glaube, das bestätigt sich ganz schön. Zu Ihrer Frage, ob Deutschkurse gekürzt werden: Nein, ganz im Gegenteil, es ist uns sehr bewusst, dass wir im Bereich der Integration, des Spracherwerbs, vor allem auch, was Kinder und Jugendliche betrifft, Aufholbedarf haben. Das hat einfach die Entwicklung der letzten Jahre ganz klar gezeigt. Wir haben eine hohe Zuwanderung erlebt. Alleine, wenn man in die Schule schaut, haben sich die Zahlen der außerordentlichen Schülerinnen und Schüler auf Grund dessen erhöht, und daher müssen wir hier mit aller Kraft dagegenwirken. Das heißt, alle Angebote zur Integration, seien es Basisbildungsangebote, aber auch Deutschangebote werden weiter erhöht. Vielleicht auch als Beispiel noch einmal angemerkt, die Sommerkurse für Schulneulinge, weil ich glaube, dass das wirklich ein wichtiger Hebel ist. Ich habe gesagt, wir haben das in diesem Sommer das erste Mal stattfinden lassen. Es wurde gut angenommen. Wir wollen hier noch gezielter vorgehen und werden das Angebot im nächsten Jahr verdreifachen. In diese Richtung soll es weitergehen, weil wir hier nicht nur Aufholbedarf haben, sondern auch wirklich jedem, der sich integrieren will, aber vor allem jedem Kind die Chance geben möchten und wollen und müssen, dass es sich in diese Gesellschaft integriert und alle Chancen für ein gelungenes Leben, für eine gelungene Schullaufbahn hat. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, damit ist die 1. Anfrage beantwortet. Die 2. Anfrage (FSP-1377153-2025-KSP/GM) wurde von Frau GRin Mag. Seidl gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit und Internationales und Digitales gerichtet. In dieser Anfrage geht es um den Einsatz der Fördermittel für Berufsausbildung. (Sehr geehrte Frau Stadträtin! Die Stadt Wien stellt dem Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (waff) jährlich ein Förderbudget zur Verfügung, um Projekte und Initiativen zu unterstützen, die zur Stärkung des Wiener Arbeitsmarktes beitragen. Könnten Sie uns bitte beispielhaft erläutern, wie diese Fördermittel in den letzten Jahren eingesetzt wurden, um insbesondere die Zielgruppen aus dem Qualifikationsplan Wien 2030 anzusprechen und welchen Mehrwert die Programme für diese Zielgruppen haben?) Guten Morgen und bitte schön, Frau Stadträtin. Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Wunderschönen guten Morgen, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Frau Gemeinderätin, vielen herzlichen Dank für diese Frage. Vielleicht darf ich zu Beginn ein paar grundsätzliche Ausführungen zu dieser Thematik machen. Tatsächlich ist es so, dass wir ja in einer öffentlichen Debatte über die Frage des Wirtschaftsstandortes zu Recht sehr oft über die Themen Fachkräftemangel und insbesondere, in welchen Branchen Fachkräfte dringend gesucht werden, diskutieren. Da wird auch sehr berechtigt immer wieder die Verantwortung der öffentlichen Hand angesprochen. Ich denke, dass wir einerseits natürlich mit dem Arbeitsmarktservice, dem AMS, hier eine Stelle haben, die maßgeblich auch für die Frage der Fachkräfteausbildung nicht nur österreichweit, sondern auch in dieser Stadt verantwortlich ist, sowie vor allem auch für die eigentlich reguläre duale Berufsausbildung. Die ist mir auch ein besonderes Anliegen und wir sehen, dass vor allem auch die Stadt Wien selbst mit den Unternehmungen eine sehr große Rolle bei der Ausbildung von Fachkräften, nämlich bei der Lehrlingsausbildung spielt. Wien hat seit nunmehr 30 Jahren mit dem Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds ein sehr gutes Werkzeug in der Hand, um Fachkräfteausbildungen zu forcieren und im Rahmen des Qualifikationsplanes Wien 2030 auch ganz gezielt Zielgruppen anzusprechen und auch sehr flexibel Programme aufzusetzen, um neue Zielgruppen oder Zielgruppen, die sich auch auf Grund der Entwicklungen am Arbeitsmarkt und der wirtschaftlichen Entwicklungen als besonders ansprechbar oder förderungswürdig herauskristallisieren, zu erreichen. Dem waff stehen 157 Millionen EUR im Jahr zur Verfügung, um diese Programme umzusetzen, die tatsächlich sehr unterschiedlich gefächert sind, aber alle einen gemeinsamen Fokus haben. Das ist die Aufqualifizierung - manchmal sogar die Erstqualifizierung - von Wienerinnen und Wienern, um am Arbeitsmarkt einen besseren Arbeitsplatz zu bekommen und dann auch in der beruflichen biografischen Karriere einen Schritt weiterzukommen. Von diesen Maßnahmen profitieren jährlich 43 000 TeilnehmerInnen. Es sind insgesamt 1 400 Unternehmen, die in Wien situiert sind, die auch von diesen Maßnahmen profitieren, die hier auch teilweise in sehr guten Kooperationen einen wichtigen Beitrag leisten. Sehr oft sind diese Programme in enger Abstimmung einerseits mit dem Sozialministerium und andererseits natürlich auch mit dem AMS, nicht nur in der Abwicklung, weil es natürlich auch ums Matching geht, sehr oft die Personen, die arbeitssuchend sind, die Qualifikation benötigen, dann auch in den waff in das dazugehörige Programm zu bringen, und da muss sehr eng zusammengearbeitet werden. Und andererseits sind wir hier auch in sehr guter Abstimmung mit den Sozialpartnerinnen und Sozialpartnern, die für das eine oder andere Programm auch finanziell einen Beitrag leisten. Fachkräftemangel ist jedenfalls etwas gegen das man gezielt vorgehen kann und auch Maßnahmen setzen kann, um damit aktiv einen Beitrag für die Wirtschaftsentwicklung am Standort Wien zu leisten. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 1. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Herr GR Taborsky, bitte. GR Hannes Taborsky (ÖVP): Sehr geehrte Frau Stadträtin, ein herzliches Dankeschön für die Zahlen und Fakten, die Sie uns da geliefert haben. Investition in Bildung ist immer etwas Positives, denn grundsätzlich ist das einer der Indikatoren dafür, dass wir auch Wirtschaftswachstum erreichen. Sie haben sehr viel über verschiedene Programme des waff gesprochen, wie viele Wienerinnen und Wiener davon profitieren. Faktum ist, dass jedoch laut Prognose Wien 2025 eine Arbeitslosenquote von 11,8 Prozent und Österreich von nur 7,5 Prozent aufweist. 40 Prozent aller Arbeitslosen österreichweit befinden sich in Wien. Meine konkrete Frage: Wie hoch ist die Erfolgsquote der waff- Programme, das heißt, wie viele Personen haben zu welchem Zeitpunkt einen Job bekommen und wie viele davon befinden sich nach welchem Zeitraum noch in Beschäftigung? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Sehr geehrter Herr Gemeinderat, ich kann Ihnen in dem Zusammenhang, da Sie auch die österreichweite und die Wiener Entwicklung sehr deutlich angesprochen haben, berichten, letzte Woche hat in Bregenz die Konferenz aller Landesräte stattgefunden, die für Arbeit und Wirtschaft zuständig sind. Wir haben uns da sehr eng ausgetauscht. Es zeigt sich tatsächlich, dass wir in Wien auf der einen Seite ein Beschäftigungswachstum haben und so viel Beschäftigte wie noch nie, und auf der anderen Seite auch die Arbeitslosigkeit gestiegen ist, nicht so ganz so stark wie in anderen Bundesländern im Moment die Arbeitslosigkeit steigt. Das hat vor allem etwas mit der Entwicklung der Industrie und der Industriestandorte zu tun. Wir haben uns da sehr eng ausgetauscht. Gemeinsam sehen wir jedenfalls, dass wir vor allem bei den jungen ArbeitnehmerInnen in der Lehrlingsausbildung und bei den EinsteigerInnen in den Beruf eine Steigerungsquote haben, die wir alle gemeinsam beobachten können, und auch bei den älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zeigen sich in den Evaluierungsmaßnahmen die Erfolgsquoten. Alle waff-Programme werden laufend evaluiert, das heißt, wenn Sie dann noch Detailfragen haben, die ich heute wahrscheinlich so nicht beantworten kann, kann ich diese gerne nachliefern. Aber der Mehrwert für die KundInnen ist ganz deutlich. Über 80 Prozent der KundInnen, die hochgeschult werden, tun dies auf Grund des waff und haben auch einen Erfolg. Wobei, was heißt Erfolg? Manche sind ja im Beruf, im Job und bekommen eine Weiterbildung während des Jobs. Die haben sowieso immer Erfolg, da sie sich in der Regel innerhalb des Unternehmens oder innerhalb ihrer Branche dann in einen höheren Berufsstand, wenn man so will, weiterentwickeln. Und dann haben wir natürlich sehr viele Programme, die sehr erfolgreich sind, weil sie direkt in die Berufsausbildung hineinzahlen. Ich nennen da zum Beispiel alles, was wir zum Bereich Pflege haben. Wir wissen, dass über zwei Drittel aller Pflegebeschäftigten in Wien in den letzten Jahren aus den waff-Programmen kommen. Das heißt, jeder, der im waff-Programm mit Pflegeausbildung-Ausbildungsgeld-Kombination im Programm ist und das auch abschließt - und das tun so gut wie fast alle -, sind dann auch fix im Job. Also die haben eine, wenn man so will, Jobzusage, weil wir hier natürlich viel Bedarf haben. Und überall dort, wo wir aus dem Pflichtschulabschluss dann überhaupt in eine Erstqualifikation gehen, haben wir 80 Prozent der TeilnehmerInnen, die dann auch einen guten Arbeitsplatz finden. Aber Sie sagen das vollkommen richtig, die Bildung ist das zentrale Thema. Deshalb war es mir auch wichtig, dass wir diese Form von Ausbildungsprogrammen im waff auch in den nächsten Jahren weiter so ausfinanzieren, damit wir hier in die höhere Beschäftigung kommen und aktiv etwas gegen die Arbeitslosigkeit unternehmen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Huemer, bitte. GRin Mag. Barbara Huemer (GRÜNE): Vielen Dank, sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, für die bisherigen Ausführungen! (Zwischenruf.) - Entschuldigung, Finanzstadträtin, sorry! Wir haben ja aktuell eine sehr interessante Entwicklung was Arbeitsmarktpolitik betrifft, einerseits auf der Bundesebene doch etliche Verschärfungen, gleichzeitig beobachte ich in Wien, dass hier unterschiedliche Strategien gefahren werden. Im Bereich des waff, den Sie jetzt ausgeführt haben, ganz klar weiterhin für Integration in den Arbeitsmarkt, für Bildung, Ausbildung, und auf der anderen Seite, wenn wir in den Bereich der suchterkrankten Menschen sehen, zieht sich die Stadt Wien aus der arbeitsmarktpolitischen Unterstützung zurück und Arbeitsmarktintegration für suchtgefährdete, ex-süchtige oder suchtkranke Menschen wird an den Bund delegierte. Das finde ich einmal grundsätzlich interessant. Meine Frage ist, ob Sie eine Chance für Personengruppensehen sehen, die es an sich schwer haben, im waff neue Programme zu schaffen, damit tatsächlich die arbeitsmarktpolitische Integration, die ja für alle Wienerinnen und Wiener gelten soll, beispielsweise auch für suchtkranke Menschen zur Verfügung steht. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Danke, Frau Gemeinderätin für diese Nachfrage. Tatsächlich ist es auch jetzt schon so, dass wir im waff sehr viele Programme haben, die auch Menschen betreffen, die es - sagen wir es einmal so - nicht ganz so leicht haben. Und damit meine ich zum Teil auch Personen mit psychischen Erkrankungen. Wir haben insbesondere auch in der Facharbeit der Intensivausbildung ein sehr erfolgreiches Programm, das einerseits in der Ausbildung auch über betriebliche Werkstätten für die Jungen, aber dann auch in Kooperation mit Jugend am Werk, Wien Work et cetera sehr gezielt gerade auch für jene Menschen offensteht, die in einem normalen Betrieb keine Ausbildung finden können. Das sind zum Teil auch schon durchaus junge Erwachsene, Mitte 20, die in 18 Monaten eine sehr gute Ausbildung bekommen - ich konnte mich unlängst erst persönlich auch davon überzeugen -, und die unterschiedliche körperliche wie psychische Voraussetzungen mit sich bringen. Zur Frage, wie es mit Programmen aus dem Sozialbereich weitergeht, habe ich im Augenblick keine Informationen, weiß aber, dass der waff und grundsätzlich auch das AMS Wien immer für Gespräche zur Verfügung stehen, wie wir auch Arbeitssuchende oder noch nicht in Ausbildung befindliche Zielgruppen erreichen können. Grundsätzlich steht der waff allen Zielgruppen offen, aber natürlich, je stärker der Unterstützungsgrad für diese Zielgruppen ist, umso spezifischer wird er. Ob der waff dann tatsächlich die Stelle ist, die das leisten kann - jetzt nicht in finanzieller Hinsicht, sondern bezogen auf die notwendige Qualifikation -, wird man sich anschauen müssen. Da braucht es sicher Partnerinnen und Partner. Das wird der waff per se wahrscheinlich alleine auch von der Kompetenz, die notwendig ist - ich nenne da zum Beispiel auch die psychosozialen Qualifikationen, die es in der Ausbildung brauchen würde -, nicht leisten können. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Frau GRin Schütz, bitte. GRin Angela Schütz, MA (FPÖ): Frau Stadtrat, vielen Dank für die bisherige Beantwortung. Es ist ja so, dass immer wieder Kritik kommt, was die praktische Wirksamkeit der Angebote des waff betrifft, die intransparente Informationspolitik, die unklare Kommunikation sowie die bürokratischen Hürden. Faktum ist auch, dass die Mitarbeiter ziemlich unter der hohen Belastung und auch unter verbesserungswürdigen internen Abläufen leiden. Der Verbesserungsbedarf wird vor allem bei förderwürdigen Zielgruppen gesehen und dem folgt der Wunsch nach mehr Information, Praxisnähe sowie Rücksicht auf die Bedürfnisse der Antragsteller, denen halt auch nicht immer Folge geleistet wird. Meine konkrete Frage an Sie: Werden die gewährten Fördermittel immer zielgerecht genutzt, um einerseits richtige Zielgruppen zu erreichen und andererseits die gewünschten Qualitätssteigerungen zu bewirken? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Herzlichen Dank, Frau Kollegin, für diese Frage, wobei ich vielleicht vorweg berichten darf, ich bin in diesem letzten halben Jahr in sehr vielen waff-Programmen unterwegs gewesen, auch mit MitarbeiterInnen, habe auch sehr viele Zielgruppen getroffen und von Menschen, die in diesen Programmen sind, ein durchaus positives Feedback bekommen - und auch die KundInnenumfrage des waff zeigt dies. Alle Unterlagen sind übrigens auch in den zugehörigen Gremien des waff jederzeit zu bekommen und daraus ist ersichtlich, auch was die Evaluierungen betrifft, dass der waff hier wirklich vorbildhaft ist. Wir haben in meinem Ausschuss auch schon in der Vergangenheit immer wieder bei den dazugehörigen Anträgen den Geschäftsführer des waff zu Gast gehabt, der dann auch im Detail sehr genau Fragen beantworten kann. Ich erinnere da zum Beispiel an die Joboffensive 50plus, wo auch eine große Evaluierung stattgefunden hat, insbesondere, was die Vermittlungsquoten dieser TeilnehmerInnen betrifft. Diese sind sensationell hoch und damit zeigt sich auch, dass die zu fördernden Zielgruppen gut erreicht werden. Über die Frage, welche Zielgruppen in welchem Förderprogramm unterstützt werden, entscheidet in der Regel der Wiener Gemeinderat, weil hier ja auch die Förderprogramme mit der dazugehörigen Dotation abgestimmt werden. Das ist dann auch der Auftrag für den waff, genau für diese Gruppen Programme umzusetzen und sie laufend einer Evaluierung zu unterziehen. Und ich freue mich, dass diese Programme sehr effizient durchgeführt werden. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Frau Stadträtin, damit ist die 2. Anfrage beantwortet. Die 3. Anfrage (FSP-1506140-2025-KVP/GM) wurde von Frau Gemeinderätin Dipl.-Ing. Olischar gestellt und ist dann die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke gerichtet. In dieser Anfrage geht es um die Parkraumbewirtschaftung und die Tarifgestaltung nach Fahrzeuggröße. (Im Wien-Plan (STEP 2035) wird im Zusammenhang mit der Parkraumbewirtschaftung ausgeführt, dass eine Anpassung der Tarifgestaltung unter anderem auch an die Fahrzeuggröße geprüft werden soll. Nach welchen konkreten Kriterien auf Grund aktueller Überlegungen soll die Fahrzeuggröße im Prüfverfahren eingeordnet werden?) Bitte um Beantwortung und guten Morgen. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Einen wunderschönen guten Morgen auch von meiner Seite. Sie haben die Frage im Zusammenhang mit dem Stadtentwicklungsplan gestellt, wo wir ja grundsätzlich einmal die Weichen dafür gestellt haben, dass wir uns die Parkraumbewirtschaftung noch einmal genauer daraufhin anschauen, wo es noch Optimierungsmöglichkeiten gibt. Ich bitte aber um Verständnis dafür, der STEP ist ja ein grundsätzliches Steuerungsinstrument für die Stadt, wo wir plakativ ein paar Punkte als Beispiele aufgezählt haben, damit man sich ungefähr vorstellen kann, in welche Richtung die Überlegungen gehen. Aber die Legislaturperiode ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass ich jetzt so kurz nach dem STEP-Beschluss schon konkrete Ergebnisse vorlegen kann. Wie Sie wissen, haben wir uns ja jetzt sehr intensiv mit dem Budget beschäftigen müssen auf Grund der allgemeinen Wirtschaftslage, die ja keine einfache ist. Es ist natürlich auf der Agenda in dieser Legislaturperiode, aber nicht im ersten Halbjahr. Nur noch einmal zur Erinnerung: Wir haben in der letzten Legislaturperiode in Sachen Parkraumbewirtschaftung, glaube ich, wirklich einen großen Wurf geschafft, weil wir einen gordischen Knoten, der über zehn Jahre sehr intensiv geknüpft worden ist, auflösen konnten, indem wir im März 2022 die flächendeckende Parkraumbewirtschaftung für ganz Wien eingeführt haben, in allen Bezirken gleiche Bedingungen, gleiche Zeiten. Das hat dann dazu geführt, dass wir wirklich mehr Platz bekommen haben, um Bereiche und Plätze zu gestalten, um Straßen zu gestalten. Wir haben allein in den letzten fünf Jahren über 320 "Raus aus dem Asphalt"-Projekte auf den frei gewordenen Flächen umsetzen können. Von den vielen Radwegen, die wir dadurch umgesetzt haben, will ich gar nicht reden, die sind da noch gar nicht miteingeschlossen. Und gerade in den neuen Parkpickerl-Bezirken hat sich dadurch die Gelegenheit ergeben, dass wir eben viele zusätzliche Radwege bauen konnten. Ich denke nur an die Donaustadt, denke aber auch an Floridsdorf, wo wir wirklich große Würfe in diesem Bereich zusammengebracht haben. Ich glaube, dass das schon wirklich spürbar war, nicht nur für die BewohnerInnen, sondern wir haben auch gesehen, dass auch der Parkplatzsuchverkehr in dem Sinn zurückgeht, dass es auch eine spürbare Reduktion der Beparkung gegeben hat. Gerade bei den Fahrzeugen, die kein Wiener Kennzeichen haben, war der Rückgang in einigen Bezirken wie etwa in Liesing um 89 Prozent, in den anderen Bezirken war er ähnlich hoch. Das heißt, wir haben wirklich auch eine spürbare Verbesserung bei den Problemen gemerkt, die wir vorher hatten, weil ja oft in den Bezirken, wo es keine Parkraumbewirtschaftung gegeben hat, sehr viele Bundesländerkennzeichen gestanden sind, sehr viele sogenannte Wochenparker gestanden sind, die am Sonntagabend kommen und bis zum Freitag bleiben. Die haben viel Platz in Anspruch genommen, dieser Platz ist frei geworden, und den haben wir auch wirklich gut genutzt. Jetzt gilt es in dieser Legislaturperiode weitere Schritte zu setzen, ich sehe das eher als Feintuning, also in welche Richtung wir jetzt weitermachen, dass wir uns noch verschiedene Modelle aus anderen Städten anschauen, um das noch zu optimieren und verbessern zu können. Dass unsere Anstrengungen auch im Sinne einer Mobilitätswende Früchte tragen, sieht man, glaube ich, auch sehr gut beim Modal Split, weil die WienerInnen drei Viertel ihrer Wege klimafreundlich zurücklegen. Der Autoverkehrsanteil ist mittlerweile auf 25 Prozent gesunken. Wenn man die Menschen fragt, sagt nur mehr ein Viertel, dass sie ihren täglichen Weg ins Büro oder ihre täglichen Hauptfortbewegungswege mit dem Auto zurücklegen. Ich finde, das ist eine schöne Zahl, aber ich glaube, da geht auch noch mehr. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, die 1. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Frau GRin Dipl.- Ing. Olischar. GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc (ÖVP): Guten Morgen Frau Stadträtin, danke für die bisherigen Ausführungen. Ich möchte trotzdem noch einmal auf die ursprüngliche Frage zurückkommen, und Sie haben es ja auch schon ein bisschen angeteasert. Im Stadtentwicklungsplan findet sich die von mir angesprochene Formulierung, dass sich die Stadt Gedanken darüber macht, und Sie haben jetzt auch gerade gesagt, das war jetzt ein Drop, ein Themenpunkt, den Sie eingebracht haben, wo man gewisse Überlegungen mitbringt. Und genau das würde mich jetzt auch interessieren: Was waren denn die grundsätzlichen Überlegungen dahinter, dass sich dieses Beispiel im STEP wiederfindet? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Ich glaube, die grundsätzlichen Überlegungen waren, wie auch in anderen Städten, dass es eigentlich von der Stadtverwaltung nicht unbedingt das Ziel ist, dass besonders große Autos in der Stadt verwendet werden, da normalerweise die sogenannten SUVs ja nicht unbedingt für ein städtisches Umfeld gedacht sind, sondern eher für dort, wo man das wirklich braucht, um auf einen Berg raufzufahren oder andere Dinge. Diese haben aber sehr überhandgenommen. Ich nehme an, das war eine der Überlegungen, warum wir das so ins Regierungsprogramm hineingeschrieben haben. Jetzt muss man sich einfach anschauen, gibt's Best-Practice- Beispiele, funktioniert das überhaupt, wie kann man das differenzieren, ist das eine sinnvolle Maßnahme, bringt das was. Aber, wie gesagt, wir stehen da noch sehr am Anfang unserer Überlegungen in diese Richtung, und ich kann Ihnen da leider noch nichts dazu sagen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GR Mag. Sequenz, bitte. GRin Mag. Heidemarie Sequenz (GRÜNE): Wunderschönen guten Morgen, Frau Stadträtin. Nicht nur im STEP kommt die Parkraumbewirtschaftung vor, sondern auch in unserem wunderbaren Klimafahrplan wird die Parkraumbewirtschaftung erwähnt, um dabei zu helfen, die städtischen Mobilitätsziele zu erreichen. Konkret wird da zum Beispiel von Zonenmodellen gesprochen, und auch von Preis- und Berechtigungsstaffelungen. Ich habe mir jetzt das Budget angeschaut und da steht unter anderem auch etwas zur Parkraumbewirtschaftung, nämlich, dass das Zonenmodell weiterentwickelt wird. Es steht aber weder ein Betrag dort, noch ein CO2-Ziel. Es ist jetzt nicht unbedingt meine Frage, dass Sie das jetzt beantworten, sondern eher: Was plant das Magistrat genau dazu, wenn es auch schon im Budget steht? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Meine Antwort ist jetzt eine Variation zur Antwort der Frage der Kollegin. Es ist einfach noch early days. Ich kann Ihnen wenige Monate, nachdem wir die Regierung konstituiert haben, noch kein fertiges Modell auf den Tisch legen, vor allem, weil wir auch mit anderen Dingen sehr beschäftigt sind und das ja auch ein gewisser Prozess ist, den wir überhaupt erst beginnen müssen. Wir haben mit diesem Prozess noch nicht begonnen, da wird man auch mit den Bezirken reden müssen, und so weiter. Da wird es, wie Sie das ja aus der Vergangenheit kennen, einfach einen gewissen Entwicklungsprozess geben, und da stehen wir jetzt ganz am Anfang. Ich kann Ihnen dazu nichts Konkretes sagen, leider. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Resch. GR Klemens Resch (FPÖ): Guten Morgen, Frau Stadträtin. Die Bezirksvorsteher aus dem 7. Bezirk und aus dem 5. Bezirk fordern die Einführung der Parkraumbewirtschaftung auch an Samstagen. Laut Medienberichten befürworten auch Sie diese zusätzliche Belastung der Wienerinnen und Wiener, Sie wollen nur keinen Fleckerlteppich. Daher meine Frage: Planen Sie aktuell die Einführung der Wien-weiten Parkraumbewirtschaftung an Samstagen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Ich kann Ihnen die gleiche Antwort geben, die ich auch bei der Medienanfrage gegeben habe, nämlich, dass in unserem Regierungsübereinkommen steht, dass wir die Parkraumbewirtschaftung weiterentwickeln wollen, dass zurzeit noch keine konkreten Weichen in irgendeine Richtung gestellt sind, dass alle Vorschläge jetzt einmal auf den Tisch gelegt werden und dass ich zu diesem Vorschlag weder ja noch nein sagen kann, weil ich da gar nichts präjudizieren will. Es wird jetzt einmal alles auf den Tisch gelegt und alles mit Experten diskutiert. Es ist wie immer ein längerer Prozess, weil wir da wirklich nichts aus der Hüfte schießen werden, und dann wird man sehen, was das Ergebnis ist. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Damit ist die 3. Anfrage beantwortet. Die 4. Anfrage (FSP-1507754-2025-KNE/GM) wurde von Frau GRin Mag. Pipal-Leixner gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Bildung, Jugend, Integration, Transparenz und Märkte gerichtet. In dieser Anfrage geht es um das neue Kinderschutzzentrum. (Vor kurzem hat ein neues Kinderschutzzentrum für Wien eröffnet. Wie wirkt sich das auf den Kinderschutz in Wien aus?) Bitte um Beantwortung. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Sehr geehrte Frau Abgeordnete, vielen Dank für die Frage. Ja, ein neues Kinderschutzzentrum wurde in Wien eröffnet, was natürlich eine großartige Neuigkeit ist, ganz besonders, weil uns in der Stadt Wien Kinderschutz ein besonderes Anliegen ist und wir seit einigen Jahren auch das strengste Kinderschutzgesetz haben, auf das ich sehr stolz bin. Die Eröffnung des zweiten Zentrums ist natürlich ein sehr begrüßenswerter Schritt und erweitert unsere Angebotslandschaft in Wien. Die MA 11 kooperiert bereits seit Jahren mit dem Kinderschutzzentrum, unterstützt auch mit einer Förderung und ist Kooperationspartner in Bezug darauf, dass wir die Leistungen des Kinderschutzzentrums in vielerlei Hinsicht in Anspruch nehmen. Mit der Eröffnung des zweiten Kinderschutzzentrums ist jetzt auch eine Intensivierung dieser Kooperation möglich. Mit beiden Standorten werden erweiterte Angebote für Kinder und Jugendliche gesetzt, aber auch für deren Eltern oder Familienangehörige sowie für das HelferInnen-System. Das Angebot der beiden Standorte im Kinderschutzzentrum ist die erste Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die Gewalt vor allem als Beziehungsmuster in unterschiedlichen Formen - sei es psychisch, physisch, auch sexuell - und in unterschiedlichen Kontexten erleben. Dort gibt es rasche Unterstützung in Form von Gesprächen, Krisenintervention und bei Bedarf auch Psychotherapie. Das Kinderschutzzentrum ist sehr niederschwellig, kann telefonisch, persönlich kontaktiert werden, ist kostenlos. Durch eine rasche Unterstützung ist eine erste Entlastung möglich, die in diesen Fällen so wichtig ist. Durch die psychotherapeutische Begleitung kann den Kindern und Jugendlichen, aber auch einem gesamten Familiengefüge längerfristig geholfen werden. Von Gewalt ist meistens nicht nur eine Person betroffen, sondern ein ganzes System, beziehungsweise ist diese auch Symptom des Umfeldes einer Person. Es ist ein ganz wichtiger Aspekt in der Arbeit des Kinderschutzzentrums, dass sie das anerkennt und die Beratung auch auf Familienangehörige ausweitet. Das Team des Kinderschutzzentrums arbeitet multiprofessionell, das heißt, in unterschiedlichen Fachrichtungen, mit klinischen PsychologInnen, mit PsychotherapeutInnen, FachärztInnen für Kinder und Jugendpsychiatrie, aber auch mit SozialarbeiterInnen, und hat unterschiedlichste professionelle Zugänge. Die Angebote des Kinderschutzzentrums können in einem Gesamtkontext der Stadt Wien für den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die Gewalt in spezieller Form erleben, als beispielhaft genannt werden, denn Gewalt findet ja meistens im Verborgenen statt. Daher ist das Kinderschutzzentrum als niederschwellige und kostenfreie Anlaufstelle ein wichtiger Parameter. Vielleicht auch noch ergänzend zum Kinderschutz, ich habe vorhin damit begonnen, dass wir ein sehr strenges Kinderschutzgesetz haben - und das ist wirklich ein ganz wichtiges Thema. Wir haben natürlich neben dem Kinderschutzzentrum noch andere Institutionen der Stadt, die hier ihren Beitrag leisten, neben Schulen, Kindergärten, Vereinen, außerschulischer Bildungsarbeit natürlich auch die Kinder- und Jugendanwaltschaft und die Wiener Kinder- und Jugendhilfe, die in ihrer Arbeit immer den Aspekt des Kinderschutzes im Fokus haben. Dazu gehören auch Kinderschutzkonzepte in all diesen Institutionen und darüber hinaus auch die Beratung für weitere Organisationen im Bereich von Kinderschutzkonzepten und dem Kinderschutz im Allgemeinen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 1. Zusatzfrage kommt von den NEOS. - Frau GR Mag. Pipal-Leixner, bitte. GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA (NEOS): Vielen Dank für die Beantwortung. Wie wird der Kinderschutz jetzt konkret in elementarpädagogischen Einrichtungen sichergestellt und kontrolliert? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Kinderschutz ist natürlich allumfassend und sollte ein Gesamtsystem betreffen. Das heißt, alle Organisationen, alle Institutionen - zumindest kann ich es für die Stadt Wien sagen -, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sind sehr stark im Bereich des Kinderschutzes verankert, haben die notwendigen Kompetenzen, sind entsprechend ausgebildet, weisen Kinderschutzkonzepte vor und gehen systematisch und vor allem auch sehr verankert in diesem Bereich vor. Wir haben mit der Novelle des Wiener Kindergartengesetzes im Jahr 2022 den institutionellen Kinderschutz in den elementarpädagogischen Einrichtungen verankert und gleichzeitig in der MA 11 auch eine Kompetenzstelle für Kinderschutz in der Elementarpädagogik aufgebaut. Diese Kompetenzstelle arbeitet auch multiprofessionell - ein ganz wichtiger Faktor in Bezug auf Kinderschutz -, nämlich mit ElementarpädagogInnen und SozialarbeiterInnen, die die Einrichtungen unterstützen und sie auch bei möglichen Gefährdungsmeldungen begleiten. Wenn irgendwo eine Kindeswohlgefährdung vermutet wird oder ein Verdachtsfall besteht, ist die Kompetenzstelle, die neu eingerichtet wird, zur Stelle, um hier auch mit der Organisation selbst zu arbeiten. Sofortiges Reagieren auf die Meldungen ist natürlich das A und O, aber auch eine gute Vernetzung mit den KooperationspartnerInnen, wie beispielsweise eben die Kinderschutzzentren, aber auch "die möwe", die somit sicherstellen, dass in den elementarpädagogischen Einrichtungen der Kinderschutz gewährleistet ist. Zudem hat im elementarpädagogischen Bereich jede Trägerorganisation einen Kinderschutzbeauftragten oder eine Kinderschutzbeauftragte, die zur Unterstützung beigezogen werden. Sie müssen verpflichtend ein Kinderschutzkonzept erarbeiten, um auch die Risiken im pädagogischen Alltag zu definieren. Die Kompetenzstelle unterstützt dann auch zum Beispiel bei der Erstellung eines Kinderschutzkonzeptes. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch dazu da, die jeweiligen Kinderschutzbeauftragten zu unterweisen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Erkennung von Kindeswohlgefährdungen sind gesetzlich zu Fortbildungen verpflichtet und auch hier bietet die Kompetenzstelle Kinderschutz Elementarpädagogikworkshops und Vorträge an. Sie ist also nicht nur in der Präventionsarbeit tätig, sondern übernimmt auch eine Kontrollfunktion hinsichtlich der Umsetzung. Durch diese Maßnahmen der Unterstützung, der Beratung und der Kontrolle können wir Kinderschutz in Kindergärten, Kindergruppen, aber auch bei Tageseltern gut sicherstellen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - GR Ellensohn, bitte. GR David Ellensohn (GRÜNE): Frau Stadträtin, natürlich ist es gut, wenn sich möglichst viele Leute um Kinder und Jugendliche bemühen, die es sehr schwer haben. Die Maßnahmen, die in der Stadt geplant sind, um das Budget in Ordnung zu bringen, nehmen nicht sehr viel Rücksicht darauf. Die Situation für Kinder und Jugendliche wird sehr viel schwerer werden. Die Arbeit für Menschen in den entsprechenden Einrichtungen wird sehr viel schwerer werden. Alles, was die Volksanwaltschaft kritisiert hat, was nicht funktioniert, wo das Personal, das sich wahnsinnig bemüht, überfordert ist, kaum mehr nachkommt, wird verschärft. Was glauben Sie, wie viel Kinderschutzzentren werden Sie benötigen, auf Grund der vielen Maßnahmen, die unter "sparen" laufen, aber Kürzungen sind? Sie werden mehr Betroffene haben, es wird in den nächsten Jahren mehr Kindern und Jugendlichen schlechter gehen, es werden mehr Familien betroffen sein, es wird die Arbeit schwieriger werden für alle, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern. Glauben Sie, dass Sie nach dem zweiten ein drittes und viertes Kinderschutzzentrum benötigen werden? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Ich glaube, es kann nie genug Kinderschutzzentren geben und nie genug Kinderschutz, der vor allem institutionell verankert ist. Das ist es, worauf wir setzen müssen und wir tun das auch, wie gerade ausgeführt, im elementarpädagogischen Bereich, aber auch bei weiteren Organisationen, Institutionen der Stadt mit den genannten Maßnahmen, Kinderschutzkonzepten, Kinderschutzbeauftragten, Kompetenzstellen, die wirklich in enger Abstimmung miteinander arbeiten, die nicht nur Präventionsarbeit anbieten, sondern auch Kontrolle für die jeweiligen Institutionen, die mit Kindern zu tun haben. Kinderschutz ist ein hochrelevantes Thema, gerade in Situationen, wo Kinder vermehrt unter Druck stehen. Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Genauso wichtig ist es mir aber in meinem Verantwortungsbereich, den Kinderschutz aufrecht zu erhalten, sicherzustellen, aber auch weiter aufzubauen. Die MA 11 ist dabei natürlich ein ganz wichtiger Partner, nicht nur was den Kinderschutz per se betrifft, sondern auch in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen, die unsere Unterstützung und Hilfe brauchen, wie Sie auch im Regierungsprogramm sehen können. Wir sehen es ja auch aus aktuellen Zahlen und Entwicklungen, dass wir da einen großen Mehrbedarf haben und dieser auch über die nächsten Jahre erfolgen soll und erfolgen muss. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Mag. Saurer, bitte. GR Mag. Bernd Saurer (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vizebürgermeister! Sie haben es bereits erwähnt, neben den Kinderschutzeinrichtungen wie "die Boje", die Kinder- und Jugendanwaltschaft, MA 11, Rat auf Draht, dem Psychosozialen Dienst und "die möwe" gibt es noch unzählige weitere - und jetzt auch noch einen zweiten Standort des Kinderschutzzentrums. Meine Frage dazu, zumal das auf der Homepage nicht zu eruieren ist: In wie vielen Sprachen werden Beratungen angeboten? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Die Arbeit, die in diesen Kinderschutzzentren und -organisationen angeboten wird, funktioniert auf Deutsch. Das ist unsere gemeinsame Bildungssprache, aber auch im Bereich des Kinderschutzes die wesentliche Alltagssprache. Dementsprechend kann ich hier Ihre Frage so nicht beantworten, sondern begleitende Angebote, vor allem wenn es um die Beratung geht, finden auf Deutsch statt. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 4. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. Frau GRin Keri. - Bitte. GRin Sabine Keri (ÖVP): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Kinderschutz ist wichtig, das wissen wir alle, und das tragen wir auch alle gemeinsam. Es wird Sie nicht verwundern, dass ich natürlich jetzt kurz auf die SOS-Kinderdorf-Thematik zu sprechen komme. Wie viele Betroffene haben sich seit der Kooperation mit SOS-Kinderdorf bei der MA 11, bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft, beim Krisenschutzzentrum gemeldet? Also ich meine auch die Zeit, bevor wir ein eigenes SOS-Kinderdorf hatten, weil wir ja auch wissen, dass Kinder in den SOS-Kinderdörfern in den Bundesländern untergebracht wurden. Danke. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Das ist ein höchst brisantes und aktuelles Thema, das allgemein schockiert und eine Systematik darlegt, der wir sehr geschlossen entgegentreten müssen. Das ist auch der Grund, warum wir nicht nur mit diesem, sondern natürlich mit allen Trägern regelmäßige, aber auch scharfe Kontrollen durchführen. Zum SOS-Kinderdorf: Die MA 11 kooperiert unter anderem mit dem SOS-Kinderdorf im Rahmen von ambulanten Angeboten, konkret in der mobilen Betreuung von Familien, in der sozialpädagogischen Begleitung von Familien, im Rahmen der Unterstützung der Erziehung. Aber auch im stationären Angebot betreibt SOS-Kinderdorf mehrere sozialpädagogische Einrichtungen, mit denen ein Vertrag mit der MA 11 besteht. Die MA 11 bezahlt dann dem SOS-Kinderdorf einen Tagsatz, der alle Kosten für die Betreuung der Kinder vollständig abdeckt. Prinzipiell ist SOS-Kinderdorf einer der Träger, der von der MA 11 in Anspruch genommen wird. Er wird und wurde auch im gleichen Ausmaß kontrolliert. Es greifen natürlich die gleichen Mechanismen wie bei anderen Trägern. Was die Anzahl von möglichen Fällen oder Meldungen von Kindeswohlgefährdungen von SOS- Kinderdorf betrifft, ist mir ein Fall aus 2024 bekannt. Das ist damals auch medial berichtet worden. Daraufhin wurden im Jahr 2024 alle zwanzig SOS-Wohngemeinschaften einer Revision unterzogen. Das wird sowieso jährlich gemacht, aber man hat auf Grund des aufgetretenen Falls im Jahr 2024 noch einmal an allen Standorten eine Revision durchgeführt, was bei Anlassfällen natürlich einfach häufiger der Fall ist. Der Fall aus 2024 ist der einzige, der mir bekannt ist, der auch wirklich zur Anzeige gebracht wurde. SOS- Kinderdorf hat diesen Fall damals selbst auch zur Anzeige gebracht, woraufhin auch die Mechanismen zu greifen begonnen haben. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft wie auch die Wiener Kinder- und Jugendhilfe sind natürlich tätig geworden, und SOS-Kinderdorf hat selbst fachgerechte Aufarbeitungsmaßnahmen in die Wege geleitet. Welche davorliegenden Meldungen es gegeben hat - die Kooperationen mit SOS-Kinderdorf und vor allem ihre Tätigkeiten passieren ja schon seit mehreren Jahren, wahrscheinlich Jahrzehnten hinweg -, könnte ich mir, wenn es gewünscht ist, noch einmal darlegen lassen. Wie gesagt, im Fall, der mir bekannt ist, und diese eine Meldung war aus dem Jahr 2024, sind wir noch einmal in eine zusätzliche Revision gegangen. Vielleicht auch auf Grund der aktuellen Ereignisse bezüglich SOS-Kinderdorf: Da bestehen natürlich weiterhin Kooperationen, weil sie auch wichtige Vertragspartner in vielen Bereichen sind. Es sind aber auch gerade jetzt in dieser Zeit verstärkte Kontrollen durchgeführt worden. Natürlich muss trotz der aktuellen Lage das Wohl der betreuten Kinder und Jugendlichen im momentanen Fall im Fokus stehen. Es finden hier in enger Kooperation die Kontrollen statt, aber dass auch auf allen Ebenen geschaut wird, dass hier die kinderschutzkonforme - was ich sowieso außer Frage stelle - Betreuung der Kinder und Jugendlichen gewährleistet ist. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Damit ist die 4. Anfrage beantwortet. Die 5. Anfrage (FSP-1504995-2025-KGR/GM) wurde von Herrn GR Kilian Stark gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke gerichtet. Die Frage lautet, wann der BürgerInnenbeteiligungsprozess für die Gestaltung der 2er-Linie startet. (Die Baustelle auf der 2er-Linie neigt sich dem Ende zu. An der Oberfläche wird Stück für Stück Asphalt wieder dem Autoverkehr übergeben. Die letzten öffentlichen Informationen zur Gestaltung der 2er-Linie seitens der Stadt stammen aus der Aktuellen Stunde der GRÜNEN im Gemeinderat im Februar 2023, dort haben die GRÜNEN ihre diesbezüglichen Vorschläge präsentiert. Es ist schwer vorstellbar, dass die Neuentwicklung eines so zentralen und wichtigen öffentlichen Raumes in Wien ohne Beteiligung der WienerInnen passieren soll. Für wann ist der Start des BürgerInnenbeteiligungsprozesses über die zukünftige Gestaltung der 2er-Linie geplant?) Ich bitte um Beantwortung. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Es ist so, dass wir uns eigentlich dazu entschieden haben, und ich glaube, dass das eine gute Entscheidung ist, sämtliche Oberflächengestaltungen dann zu machen, wenn auch sämtliche Flächen zurückgegeben worden sind. Wir haben das auch bei der Universitätsstraße anders gemacht, als es ursprünglich geplant war. Ich habe damals das Projekt übernommen, da war noch eine Gesamtbauzeit von zwei Jahren geplant, weil eben meine grüne Vorgängerin den Plan hatte, das immer quasi kleinweise über die Bühne zu bringen. Wir haben das dann zu einem Projekt zusammengefasst und in sechs Monaten über die Bühne gebracht, was, glaube ich, für alle Beteiligten von Vorteil ist. Genauso wird das auch bei der U-Bahn-Baustelle sein, die sich vor dem Rathaus schon des Längeren abspielt und auch noch länger abspielen wird. Wir sind mit den Bauzeiten gut im Zeitplan, das heißt, 2030 rechnen wir mit der Fertigstellung des baulichen Teils, eben der U-Bahn. (StR Peter Kraus, MSc: Ich dachte, 2026!) 2026 ist der Frankhplatz, der wird auch, weil das sozusagen ein isoliertes Ding ist, natürlich hergerichtet. Der restliche Teil kommt zizerlweise Ende 2028, 2029 und 2030 und wird dann in einem hergestellt, weil das sonst aus meiner Sicht wenig Sinn macht. Die Frage war ja bezüglich Bürgerbeteiligung. Wir haben dort relativ spezielle Voraussetzungen, es ist einerseits eine Durchgangsstraße, andererseits die U-Bahn wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Das heißt, all die schönen Renderings, die Sie gemacht haben, werden sich so nicht umsetzen lassen, weil sonst müssten wir die Bäume in die U-Bahn hineingraben - und ich glaube, das will wirklich niemand. Vom Zeitplan her ist es so, dass wir generell bei jedem Projekt, das wir machen - wirklich bei jedem! -, immer eine Involvierung der Bürgerinnen und Bürger haben. Das ist uns sehr, sehr wichtig. Wir haben jetzt mittlerweile sogar schon eine eigene Publikation gemacht, wo wir nur einen ganz kleinen Ausschnitt aller unserer Bürgerbeteiligungsverfahren veröffentlicht haben. Eine sehr schöne Publikation der MA 21, die ich Ihnen gerne zukommen lassen kann. Wir machen das nicht nur bei Stadterweiterungsthemen, bei Planungsthemen, sondern selbstverständlich auch bei allen Gestaltungsthemen in allen Bezirken. Das ist eigentlich ein Standard, dass wir die Bürgerinnen und Bürger wirklich gut in diesen Bereichen integrieren. Also wir haben einerseits die Flächen beim Landesgericht, die 2028, 2029 kommen. Dazu kommt jetzt aber, dass es eine zehn Jahre dauernde Baustelle des Landesgerichts gibt, die auch nach langen zähen, mühsamen Verhandlungen nur sehr wenige Flächen braucht. Die haben sich das ganz anders vorgestellt, die wollten viel mehr Flächen in Anspruch nehmen, dass sie nach der U-Bahn-Baustelle dann diese Flächen quasi nahtlos übernehmen werden und dort für ihre Baustelle gebrauchen. Es ist uns Gott sei Dank gelungen, sehr viel davon von der 2er-Linie wegzubekommen, denn sonst wäre der Effekt nur ein sehr, sehr geringer gewesen, weil dann nur die eine Baustelle die andere ersetzt hätte. Den Friedrich- Schmidt-Platz bekommen wir als letztes, das wird um 2029, 2030 herum sein. Dann steht aus meiner Sicht einer Oberflächengestaltung nichts mehr im Wege. Was für mich jetzt aber schon klar ist, dass es hier Radwege geben wird. Also das ist eine klare Vorgabe, die ich auch schon an die Abteilungen weitergegeben habe. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 1. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Herr GR Kilian Stark, bitte. GR Kilian Stark (GRÜNE): Danke für die Antwort. Ich muss zugeben, da haben sich jetzt einige Fragen für mich ergeben, und ich darf ja nur eine Zusatzfrage stellen. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nutzen, auch darauf hinzuweisen, vielleicht können Sie es sich noch einmal genauer anschauen, dass in unserem Vorschlag für die 2er- Linie die Baumpflanzungen bewusst abseits der U-Bahn-Trassen geplant waren. Das haben wir uns ja auch sehr genau angeschaut. Sie haben jetzt gesagt, dass das Ganze erst bis 2029, 2030 übergeben wird. In den letzten Informationen, die wir haben - auch von Ihnen - aus 2023, wurde gesagt, dass 2027 mit der Übergabe der Oberfläche gerechnet werden kann. Daher jetzt auch die Frage. Es scheint mir jetzt eine Verzögerung gegeben zu haben. Sie haben jetzt angekündigt, es gibt bei allen Gestaltungen im öffentlichen Raum ein Beteiligungsverfahren und eine öffentliche Beteiligung. Jetzt haben Sie gesagt, es verzögert sich im Vergleich zu unseren letzten Informationen. Dennoch die Frage: Wann müsste das denn starten, damit man da noch möglichst viele Wünsche der Anrainerinnen und Anrainer, der BürgerInnen von Wien inkludieren kann? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Also ich kann da heute keinen konkreten Zeitplan nennen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir mit dem Bauprojekt im Plan sind. Es hat sich natürlich nach dem großen Hochwasser im Wienfluss für die Wiener Linien in dem Bereich der Gesamtbaustelle einiges verändert, aber ansonsten sind wir in dem vorgegebenen Zeitplan gut drinnen. Ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht genau, worauf Sie sich da jetzt beziehen. Aus meiner Sicht war das schon länger der Projektstand, weil es ja für die Wiener Linien keinen Sinn macht, Baustelleneinrichtungen sozusagen mutwillig durch die Gegend zu schieben. Sondern es ist gescheiter, man belässt es an einer Stelle, baut nicht die ganze Zeit auf und ab, zieht die komplette Baustelle so durch und macht dann auch die Wiederherstellung in einem. Das heißt, man beginnt mit der Fläche, die man als erste bekommt und zieht das dann in einer Baustelle durch bis zum Schluss. Denn sonst haben wir wirklich diese Stückelung, die a) viel teurer ist und b) dann auch länger dauert und eine größere Beeinträchtigung ist. Ich glaube, unser aller Ziel ist es, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Ich kann Sie aber wirklich beruhigen, ich glaube, Sie können mir kein Projekt nennen, das wir umgesetzt haben, wo es nicht in der einen oder anderen Form eine Involvierung der Anrainerinnen und Anrainer gegeben hat. Das zählt eigentlich mittlerweile zum Standard, wenngleich die Wünsche der Anrainerinnen und Anrainer grundsätzlich immer in die gleiche Richtung gehen: Begrünung, Aufenthaltsflächen, wo man sitzen kann, das sind die Hauptdinge, sowie Radwege, Kühlung, Wasser. Ich würde einmal sagen, das sind die Top Five, egal, in welchem Bezirk, egal, bei welchem Projekt. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bevor ich die nächste Zusatzfrage weitergebe, darf ich noch bekannt geben, dass GR Prack von 10 Uhr bis 12 Uhr entschuldigt ist. Die 2. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Resch, bitte. GR Klemens Resch (FPÖ): Sehr geehrte Frau Stadträtin, auf der 2er-Linie befindet sich eben auch die U2-Station Rathaus, und diese U2-Station ist aktuell nicht barrierefrei zugänglich. Daher meine Frage: Ab wann wird diese U- Bahn-Station barrierefrei zugänglich sein? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Das kann ich jetzt leider auswendig nicht beantworten. Wir können das aber gerne nachliefern, bevor ich da jetzt irgendeinen Blödsinn sage. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Frau GRin Dipl.-Ing. Olischar, bitte. GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc (ÖVP): Frau Stadträtin, danke für die Ausführungen. Wir werden auch in der Dringlichen Anfrage am Nachmittag noch einmal ganz intensiv über das Thema Großbauprojekte und U2/U5 sprechen, aber vorweg schon eine Frage, die sich im Zuge der Verlautbarung letzte Woche bei mir ergeben hat. Die Station Frankhplatz wird zwar fertiggestellt, wie Sie schon gesagt haben, aber voraussichtlich für die nächsten vier Jahre nicht in Betrieb genommen. Woran ist denn gedacht, wie man diese Station betreut, wie sollen sich diese vier Jahre gestalten? Denn alles, was, sage ich jetzt einmal, längere Zeit leer steht, vor allem auch in Kontext einer U- Bahn-Station, ist vielleicht schon eine Situation oder ein Plätzchen, das nicht unbedingt Freude erweckt in den nächsten vier Jahren, wenn das eine Geisterstation ist. Was sind da die Pläne der Stadt? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Ich fange vielleicht einmal grundsätzlich an. Mir ist nicht ganz klar, wie Sie sich vorstellen, dass U-Bahnen gebaut werden. Offensichtlich herrscht der weitverbreitete Irrglaube, wir kommen in den letzten fünf Monaten mit dem Zauberstab und wie magic, sind alle Stationen gleichzeitig fertig. So funktioniert es aber nicht, das ist ja ein großes Projekt und irgendeine Station wird immer als erste fertig sein und längere Zeit nicht in Betrieb gehen, weil man noch die anderen fünf Stationen und die Strecken dazwischen bauen muss. Genauso ist es auch bei diesem Projekt. Es gab von den Wiener Linien den Plan, eine Teilinbetriebnahme zu machen, die sich aus meiner Sicht finanziell nicht darstellen lässt und auch logistische Probleme mit sich bringt. Denn wir haben durch die Schnellbahnsperre das Problem, dass die U2 - da hätte es ja einen Parallelbetrieb gegeben, U2 und U5 hätten die gleiche Strecke bis Karlsplatz bedient - in einem derart dichten Takt fahren muss, um die Schnellbahnsperre abzufangen, dass die U5 dazwischen keinen Platz gehabt hätte. Daher haben die Wiener Linien, aus meiner Sicht sehr nachvollziehbar, gesagt, gut, die eine Station werden wir halt in dieser Zeit nicht anfahren, weil das gute Abfangen der Schnellbahnsperre hier Priorität hat. Das kann ich nachvollziehen, und das verstehe ich auch. Ich halte das auch aus finanziellen Gründen für eine gute Entscheidung. Wir werden den Frankhplatz fertigstellen, die Wiener Linien werden sich Konzepte überlegen, darum habe ich sie auch schon gebeten, wie man diese Station dann auch sicherhalten kann, aber dieses Thema werden wir auch bei anderen Stationen haben. Es wird eine Station geben, die in einem Jahr fertig ist und die nächste in zwei Jahren. Also das ist nun einmal einfach so bei einem so großen Bauprojekt, dass man halt nicht alles gleichzeitig fertig bekommt und auch nicht alles gleichzeitig in Betrieb nehmen kann. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Damit ist die 5. Anfrage beantwortet und die Fragestunde beendet. Wir kommen nun zur Aktuellen Stunde. Gemäß § 39 Abs. 2 der Geschäftsordnung hat der Klub der Wiener Freiheitlichen für die Aktuelle Stunde das Thema "Wien hat seine Finanzen nicht im Griff - Sparmaßnahmen treffen die Wienerinnen und Wiener in allen Lebensbereichen!" ordnungsgemäß vorgegeben. Ich bitte den Erstredner, Herrn GR Maximilian Krauss, die Aktuelle Stunde zu eröffnen, zehn Minuten Redezeit. - Bitte schön. GR Maximilian Krauss, MA (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Voranschlag für das Wiener Budget 2026 liegt uns nun offiziell schwarz auf weiß vor. Er bringt all das, was wir Freiheitlichen seit Jahren prophezeit haben und wovor wir seit Jahren gewarnt haben. Denn diese rot-pinke Stadtregierung hat Wien finanziell an die Wand gefahren, und das, was uns nun als Budgetentwurf präsentiert wurde, ist in Wahrheit nichts anderes als das Dokument eines schleichenden Staatsbankrotts auf Gemeindeebene. (Beifall bei der FPÖ.) Die Gesamtschulden unserer Stadt sollen, von Ihnen veröffentlicht, auf nahezu 15 Milliarden EUR steigen und das von Ihnen prognostizierte Defizit soll wieder einmal über 2,6 Milliarden EUR betragen. Wer weiß, wie gut Sie rechnen können, der weiß, es wird nicht bei diesen 2,6 Milliarden EUR bleiben, haben Sie doch bereits im laufenden Vollzug in diesem Jahr über 3,2 Milliarden EUR an Neuverschuldung aufgenommen. (Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Stimmt ja nicht!) Und diese Neuverschuldung in diesem Jahr und die prognostizierte Neuverschuldung im nächsten Jahr, mit insgesamt 6 Milliarden EUR in zwei Jahren, sind nicht nur ein Warnsignal, nein, das ist die Bankrotterklärung Ihrer linken Politik. (Beifall bei der FPÖ.) Was ein weiteres Warnsignal für jeden hier sein muss, ist, dass sich die Stadt Wien mittlerweile nicht mehr auf dem Bankenmarkt finanzieren kann, was über Jahre und Jahrzehnte funktioniert hat und auch ein guter Weg war. Sie aber haben es geschafft, die Kreditwürdigkeit dieser Stadt derart an die Wand zu fahren, dass es mittlerweile für Sie nur noch möglich ist, sich über die OeBFA zu finanzieren. Die OeBFA wäre eigentlich nicht dafür gedacht gewesen, einer völlig verantwortungslosen Stadtregierung in Notsituationen aus der Patsche zu helfen. Denn wenn ein Bundesland und die Stadt Wien sich nur noch über staatliche Strukturen finanzieren kann, weil das über private Institutionen nicht mehr möglich ist, dann befindet sich dieses, unser Bundesland in Wahrheit im Vorfeld der Zahlungsunfähigkeit und das ist das Ergebnis Ihrer sozialistischen Politik. (Beifall bei der FPÖ.) Nicht nur das nackte Zahlenwerk ist schockierend und wirft ein furchtbares Licht auf Ihre politische Arbeit, auch wer einfach mit offenen Augen durch Wien geht, erkennt, dass diese Stadt von Ihnen abgewirtschaftet wurde. Es wurde gerade in der Fragestunde über den U-Bahn-Bau gesprochen, und die Stadträtin hat lapidar gesagt, na, U- Bahn-Bau geht halt nicht in fünf Monaten. Ein normaler U-Bahn-Bau dauert aber auch nicht 20 Jahre und der hat nicht Kostenüberschreitungen von hunderten und hunderten Millionen Euro. Das ist nicht der Normalzustand. Sie haben es geschafft, dieses so wichtige Infrastrukturprojekt für unsere Stadt kaputt zu machen. Auch das ist eine Bankrotterklärung Ihrer Politik. (Beifall bei der FPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, gerade bei dem von Ihnen angesprochenen U-Bahn-Ausbau hat auch der Bürgermeister noch im Wahlkampf den Menschen den großen Wurf versprochen. Er hat gesagt, dieses Herzstück unserer Infrastrukturpolitik ziehen wir durch, und das werden wir trotz einer schwierigen Gesamtsituation definitiv umsetzen. Die Wahrheit ist, Baustufen werden gestrichen, verschoben, vertagt und Probleme kleingeredet. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Das stimmt ja nicht!) Der U-Bahn Ausbau - dieses Herzstück unserer Infrastruktur in Wien - hat Sie völlig übernommen, und es wird zu verwaisten Stationen kommen, wie Sie mittlerweile zugeben müssen. Es werden Stationen gar nicht gebaut werden, und diese verwaisten und inexistenten Stationen sind in Wahrheit ein Mahnmal Ihres Versagens in der öffentlichen Infrastruktur. (Beifall bei der FPÖ.) Sie stehen auch heute noch hier und versuchen, das Ganze schönzureden, so wie die Stadträtin zuvor, die sagt, na, das geht halt nicht in fünf Monaten, dann dauert der U-Bahn-Bau halt doch fünf Jahre oder zehn Jahre länger und kostet 1 Milliarde EUR oder 2 Milliarden EUR mehr, ist doch egal. So versuchen Sie, Ihr Versagen schönzureden und wegzureden und versuchen, dieses Versagen auch noch mit politischer PR und gekaufter Berichterstattung zu übertünchen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist hier ein Skandal rund um diesen U-Bahn-Ausbau, der die Stadt, die Kontrollgremien und am Ende wahrscheinlich auch noch die Staatsanwaltschaften auf lange Jahre beschäftigen wird müssen. Während Sie da in der Kerninfrastruktur unserer Stadt komplett versagen - komplett versagen! -, die Kosten explodieren, das alles viel länger dauert, schnalzen Sie gleichzeitig die Preise für die öffentlichen Verkehrsmittel und für den öffentlichen Personennahverkehr massiv in die Höhe. Das 365-EUR-Jahresticket gibt es in dieser Form nicht mehr, alle Einzelfahrscheine werden teurer, sogar den Menschen mit Sehbehinderung, den Blinden, wollten Sie die Vergünstigung streichen bis wir öffentlich darauf hingewiesen haben. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Stimmt ja gar nicht!) Sie kassieren die Menschen im öffentlichen Verkehr schamlos ab und schaffen es gleichzeitig nicht einmal, die U-Bahn auszubauen, die U-Bahn- Stationen fertigzustellen. Und dann stellt sich die Stadträtin auch noch her und sagt, na, das geht halt nicht in ein paar Monaten. So eine Verhöhnung der Wienerinnen und Wiener habe ich wirklich selten gesehen. (Beifall bei der FPÖ.) Und dieses Abkassieren ist nicht nur bei den Öffi-Tickets bei Ihnen in Mode, das ist selbstverständlich auch bei den Parkgebühren so, die jedes Jahr in den vergangenen Jahren massiv erhöht wurden, wo Sie auch dieses Jahr wieder mit 30 Prozent und mehr zugeschlagen haben. Das zieht sich durch, die Kanalgebühren, die Wassergebühren, die Müllgebühren, das zieht sich durch alle Bereiche des täglichen Lebens. Wo Sie von Rot und Pink die Möglichkeit haben, den Menschen in die Tasche zu greifen, dort tun Sie es. Aber all diese Maßnahmen, die Sie setzen, um die Menschen auszusackeln, reichen nicht mehr aus, um Ihr riesiges Budgetloch zu stopfen. Sie reichen auch nicht einmal mehr im Ansatz aus und das, obwohl Ihre Abgabenpolitik zu Lasten der arbeitenden Bevölkerung in dieser Stadt geht. (Beifall bei der FPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Wahrheit ist, die Stadt Wien und Ihre Versagerkoalition hat nicht nur die Wahlversprechen gebrochen, die Sie den Menschen gegeben haben, Sie haben auch niemals ernsthaft vorgehabt, ein echtes Konsolidierungsprogramm vorzulegen. Denn sparen, das gibt es bei Ihnen in Wahrheit gar nicht. Ihr einziges Konzept ist das Abkassieren der Menschen, die in dieser Stadt noch fleißig sind, die in der Früh aufstehen und die einen Beitrag leisten. Und was haben Sie weiterhin ungeniert in den letzten Monaten gemacht, was dazu geführt hat, dass wir 3,6 Milliarden EUR Neuverschuldung haben? Sie haben das Geld weiter in illegale Massenzuwanderung gesteckt. Sie haben weiter dafür gesorgt, dass Wien bis heute ein Magnet für Menschen ist, die oftmals überhaupt nichts in unser Sozialsystem einzahlen wollen, die oftmals nur in unsere soziale Hängematte zuziehen wollen, und die überhaupt nicht die Absicht haben, einen positiven Beitrag in dieser Stadt zu leisten. Während Sie dafür gesorgt haben, auf der einen Seite die Fleißigen abzukassieren, haben Sie gleichzeitig weiter hunderte Millionen Euro umverteilt zu den Menschen, die gar nichts beitragen wollen - und das Ergebnis ist 3,6 Milliarden EUR Neuverschuldung allein in diesem Jahr. Sie sollten sich wirklich schämen für Ihre Politik. (Beifall bei der FPÖ.) Und wo gibt es natürlich auch keinen echten Reformwillen, sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene, die man heute selbstverständlich auch ansprechen muss? - In Ihren Kammern. Die Arbeiterkammer der Stadt Wien, Ihr Gut Aiderbichl für viele gescheiterte Funktionäre, oder auch auf schwarzer Seite die Wirtschaftskammer, wo jetzt Herr Mahrer zurückgetreten ist. Er ist zurecht zurückgetreten, aber wird sich mit seinem Rücktritt irgendetwas ändern? Wird sich in diesen Privilegienstadln von Arbeiterkammer und Wirtschaftskammer irgendetwas ändern? Werden die monströsen Rücklagen von Milliarden, die sie dort gehortet haben, um ihre Funktionäre zu versorgen, jetzt aufgelöst, um die Unternehmen oder die Arbeitnehmer zu unterstützen? - Nein. Dort wo sie die Möglichkeit hätten, in ihrem ausgegliederten Bereich etwas für die Arbeitnehmer oder die Unternehmer zu tun, da sitzen Sie auf Ihren Privilegien, da wird weiter abkassiert. Und nur weil Herr Mahrer weg ist, wird sich an diesem Bonzensystem von Rot und Schwarz überhaupt nichts ändern. (Beifall bei der FPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, was Wien jetzt bräuchte, sind keine weiteren Belastungen und keine weiteren PR-Shows von Ihnen. Was Wien jetzt bräuchte, wäre eine echte Kurskorrektur, ein echter Kurswechsel. Wien braucht eine Politik, die sich endlich an den Interessen der Wienerinnen und Wiener orientiert und nicht an den Interessen eines kleinen, ideologisch verkrusteten Funktionärskörpers der SPÖ, der GRÜNEN und der NEOS. Diese linke, woke Förderungs- und Subventionspolitik, die uns auch jedes Jahr hunderte Millionen Euro kostet, muss endlich abgestellt werden. Wir brauchen die Gelder, Ihr Budget beweist das mehr als deutlich, dringend an anderer Stelle. (Beifall bei der FPÖ.) Meiner sehr geehrten Damen und Herren, Bgm Ludwig hat diese Stadt finanziell an die Wand gefahren. Wenn man die NEOS nicht kennen würde, dann könnte es einen überraschen, dass sie als angebliche Wirtschaftspartei da derart mitmachen. Wer sie jetzt allerdings nach zehn Jahren hier im Rathaus kennt, der ist auch davon nicht überrascht, dass sie diese finanzielle Katastrophe mit herbeigeführt und den Bürgermeister immer unterstützt haben. Er hat den U-Bahn-Ausbau verspielt. Er hat die Verschuldung explodieren lassen. Er hat die Abhängigkeit von der OeBFA verschuldet. Er hat Wien zu einem finanziellen Risikoland gemacht - und das Budget 2026 ist der beste Beweis dafür. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir Freiheitlichen werden diese Stadtregierung für ihre Fehler zur Verantwortung ziehen. Wir werden in der Budgetdebatte - die sie ja auf Grund ihrer eigenen Unfähigkeit auch ein Monat nach hinten verschieben mussten - noch genau auf die Zahlen, auf die Probleme eingehen. Wir werden definitiv nicht zusehen, wie Sie diese Stadt weiterhin in den Bankrott führen. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Als nächster Redner ist GR Zierfuß gemeldet. Ich darf auch mitteilen, dass ab jetzt eine Redezeit von fünf Minuten gilt. - Bitte schön. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Stadträtin, werte Kolleginnen und Kollegen! Rekordschulden statt Reformen ist scheinbar das neue Motto dieser SPÖ-NEOS-Abwärtskoalition. Wenn der Bürgermeister zuletzt bei der Landeshauptleutekonferenz war, hat er sich vielleicht über die Schuldenstände der anderen Bundesländer ausgetauscht. Alle acht anderen Bundesländer gemeinsam machen 3,2 Milliarden EUR neue Schulden, Tirol wohlgemerkt gar keine. Darüber kann die Wiener Stadtregierung nur lachen, die 3,2 Milliarden schaffen Sie ganz alleine, so viel wie alle anderen Bundesländer gemeinsam. (Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Mit oder ohne Gemeinden?) Das ist eine Schande, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Nehmen wir die Gemeinden dazu, dann ist es immer noch so, dass 20 Prozent der Einwohner - Wien - 40 Prozent der Schulden machen. (Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Die Gemeinden!) - Viel besser macht es das nicht, Frau Stadträtin. Das ist zynisch, Frau Stadträtin. (Beifall bei der ÖVP. - Amtsf. StRin Barbara Novak, MA: Wie ist die Pro-Kopf-Verschuldung?) Und jetzt werden wir heute noch sehr oft von Ihnen hören, aber der Bund, aber die Lage, aber pro Kopf, aber die ÖVP, aber die Abschaffung der kalten Progression, aber, aber, aber. Aber bitte erklären Sie mir, wie es sein kann, dass 20 Prozent der Einwohner in Wien hier 50 Prozent der neuen Schulden der Bundesländer machen. Das können Sie nicht erklären. Die Antwort ist sehr simpel: SPÖ und NEOS können nicht wirtschaften, sie suchen Ausreden und Schuldzuweisungen. Das ist zu wenig. (StR Dominik Nepp, MA: Oida!) Wir brauchen Reformen statt Rekordschulden, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Jetzt werden wir wahrscheinlich hören, dass Sie im laufenden Jahr ja eingespart haben. Im Jänner hat es noch geheißen, 3,8 Milliarden EUR neue Schulden. Im Voranschlag ein paar Wochen davor war es überhaupt noch viel weniger, aber gut. Jetzt gehen Sie von 3,25 Milliarden EUR aus, in Ihrer Logik wurden 550 Millionen EUR eingespart. Schauen wir uns an, wo die 550 Millionen EUR eigentlich herkommen. Die Ertragsanteile sind um 200 Millionen EUR höher als Sie geplant haben, die Abgaben sind um 100 Millionen EUR mehr als geplant, und Sie haben bis Juni 2025 Rücklagen von 260 Millionen EUR aufgelöst. Also diese 550 Millionen EUR Einsparungen sind in Wahrheit neue Abgaben und Rücklagen, die Sie aufgelöst haben. Wenn das Ihr Einsparen ist, meine sehr geehrten Damen und Herren, dann gute Nacht. So kann es ja nicht weitergehen. (Beifall bei der ÖVP.) Von den Großprojekten, die jedes Mal mehr kosten und länger brauchen als geplant - wir werden heute in unserem Dringlichen Antrag noch näher darauf eingehen -, über die Rekordmindestsicherung, wo Ihr eigener Finanzdirektor schon sagt, dass sich die Stadt das nicht mehr leisten kann, bis hin zu Anti-Muttertags-Lesung und anderen skurrilen Projekten, die die Stadt finanziert, wo überall eingespart werden kann, ohne dass für die Menschen in der Stadt eine Leistung wegfällt. Statt bei dieser Misswirtschaft einzusparen, ist Ihre Antwort neue Abgaben für die arbeitenden Menschen in der Stadt. Ab Jänner zahlt jeder, der in Wien arbeiten geht, mehr Steuer als zuvor. Beim Steuererfinden sind Sie nämlich wirklich kreativ. Mit diesem Wohnbauförderungsbeitrag, den Sie im letzten Landtag eingeführt haben, der erhöht worden ist, 0,25 Prozent für beide Seiten, führen Sie über die Hintertür eine neue Leistungssteuer für alle Leistungsträger in der Stadt ein. Wer arbeiten geht, zahlt in Wien ab Jänner mehr. Wer Arbeitsplätzte schafft, zahlt in Wien ab Jänner mehr. Diese neue Leistungssteuer ist ungerecht, sie ist falsch, und sie ist nicht nötig, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Schauen wir uns vielleicht auch einmal an, was mit diesen 200 Millionen EUR mehr eigentlich finanziert wird, die Sie den Menschen aus der Tasche ziehen. Sie sprechen von Schulen, Spitälern und Wohnbau, also Zukunftsinvestitionen, die Sie damit bauen wollen. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Richtig!) Jetzt sind diese 200 Millionen EUR aber eine sehr spannende Zahl. Das ist nämlich genau der Betrag, den Sie mittlerweile an Zinsen für Ihre Rekordschulden zahlen. Das heißt, Sie führen eine neue Steuer ein, nicht um etwas Neues zu bauen, sondern um die Zinsen dieser Rekordschulden der Stadt zu bezahlen. Das ist doch schäbig, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Es werden die Öffis teurer, es wird das Parken teurer, die Fernwärme, die Nächtigungen, das Arbeiten, ja, das Arbeitsplätze-Schaffen, alles wird teurer in dieser Stadt. Das sind die Auswüchse dieser Misswirtschaft. Das einzige, was wir hier noch an Rekorden sehen, sind neue Rekordschulden, neue Rekordabgaben, die die Menschen leisten. Wir von der Volkspartei sagen, Schluss mit dieser Misswirtschaft, endlich Reformen statt Rekordschulden in dieser Stadt. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet ist Frau GRin Arapovic. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic (NEOS): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Liebe Stadträtin, werte Kolleginnen und Kollegen! Schönen guten Morgen aus dem Gemeinderat! Es ist wirklich ein wichtiges und dringliches Thema, und wir werden das Budget im nächsten Monat auch ausführlich diskutieren. Diese fünf Minuten hier sind tatsächlich eine kurze Zeit. Ich habe zwar eine Rede vorbereitet, aber ich möchte schon auch auf FPÖ und ÖVP eingehen und darüber hinaus noch ein paar Punkte sagen. Wir haben es nie geleugnet, wir haben es immer gesagt, dass diese Jahre und diese Budgetverhandlungen, die wir jetzt haben, die anspruchsvollsten seit Jahrzehnten sind. Wir haben das in unseren Koalitionsverhandlungen auch schon zum Thema gehabt, bei den Projekten, auf die wir uns geeinigt haben. Wir haben da wirklich sehr darauf geachtet, dass wir das Budget nicht überstrapazieren, voll in dem Wissen und Gewissen, dass es ernst ist. Wo die Gründe dafür liegen, darüber werden wir im nächsten Monat vielleicht auch länger reden, aber die sind nicht nur selbst verschuldet. Das sind die Herausforderungen, die wir generell in Österreich haben. Der Kollege von der ÖVP hat vorhin die Länder verglichen. Was er vergessen hat zu sagen, ist, dass wir von den Gemeinden gar nichts wissen. (GR Harald Zierfuß: Das habe ich ja ergänzt!) Und das ist eigentlich auch nicht gerade der Beweis dafür, dass die ÖVP in der Vergangenheit beziehungsweise auch jetzt wirklich gut mit unserem Geld umgehen und gut wirtschaften kann. (Beifall bei den NEOS. - GR Harald Zierfuß: Das ist falsch!) Die ÖVP hatte sehr, sehr lange auch das Vergnügen und die Gelegenheit, uns zu beweisen, wie man es gut machen kann. Ich glaube, diese Gelegenheiten versäumen Sie immer wieder. Schauen wir was diesmal herauskommt. Wir haben bei den Budgetverhandlungen wirklich Kompromisse ausverhandelt, Kompromisse, auf die wir uns geeinigt haben. Kompromisse, wo wir aber auch immer schon gesagt haben, dass wir das alle spüren werden. Wir haben auch gesagt, wir werden sparen. Die Wienerinnen und Wiener werden das spüren, wir alle werden das spüren. Es ist aber auch wichtig, dass wir uns auch darauf geeinigt haben, dass wir auch investieren, dort wo es möglich ist, damit wir auch den Wirtschaftsstandort aufrechterhalten. Zwei Punkte waren uns bei diesen Budgetverhandlungen wirklich ganz wichtig. Einerseits war es uns wichtig, den Standort Wien so gut wie möglich abzusichern und um einen Aufschwung zu ermöglichen. Und andererseits war es uns auch wichtig, dass wir bei der Bildung nicht sparen. Warum? - Weil wir generell sagen, generell in Österreich, aber vor allem in Wien, dass Bildung und Ausbildung unserer Kinder die wichtigste Investition in die Zukunft ist, und diese Investition muss gesichert werden. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Wir haben auch immer schon ganz ehrlich gesagt, dass diese Einsparung, diese Konsolidierung zu einem Drittel aus Mehreinnahmen kommt und zu zwei Dritteln aus Einsparungen. Wir sparen bei den Förderungen ein, wir reformieren die Mindestsicherung, wir sparen bei der Parteiakademieförderung ein. Wir haben strukturelle Reformen, die am Laufen sind, und wir haben eine Neuausrichtung in der Medienpolitik. Das ist eine Verantwortung, der wir uns stellen. Darüber hinaus haben wir auch immer ganz ehrlich gesagt, dass ein Drittel der Budgetkonsolidierung aus den Einnahmen kommt. Und ja, Kollege Zierfuß hat es zuvor gesagt, auch den Wohnbauförderungsbeitrag, den haben wir nicht eingeführt, den haben wir erhöht, weil wir durchaus sehen, dass die Investitionen in diesem Bereich, beim Wohnungsausbau, bei der Infrastruktur, beim Ausbau der sozialen Infrastruktur, notwendig sind. Und was wir da auch geschaffen haben, im Gegensatz zu dem, was Sie gesagt haben, dass wir Budgetlöcher stopfen wollen, wir haben hier die Zweckwidmung eingeführt. Die Zweckwidmung, die Sie auf der Bundesebene abgeschafft haben, möchte ich auch sagen. (Zwischenruf von GR Harald Zierfuß.) Warum uns diese Zweckwidmung wichtig ist, ist, dass wir wissen, dass wir dieses Geld einfach für diese zukunftsträchtige und wichtige Infrastruktur in unserer Stadt absichern. Einerseits das Wohnen, aber andererseits, dass mit dem Wohnen gemeinsam auch die begleitende Infrastruktur und die sozialen Infrastrukturen abgesichert sind. Das sind die Schulbauten, das sind die Kindergärten, das sind aber auch Sozial- und Gesundheitsinfrastrukturen, wofür wir auch das Budget ganz sicher vorsehen möchten. Die FPÖ hat auch bei dieser Debatte natürlich wieder über die Zuwanderung gesprochen. Wien und Hängematte und Ähnliches, das kennen wir schon alles, darauf werde ich jetzt auch nicht näher eingehen. Ich habe nicht mehr viel Redezeit. Was ich aber sage, es ist einfach so: Die FPÖ hat nie einer Integrationsmaßnahme in Wien zugestimmt, und das ist falsch. (StR Dominik Nepp, MA: Das ganze Integrationskonzept funktioniert nicht!) Es sind natürlich Kosten, es ist auch etwas, was wir im Budget vorsehen wollen, aber, liebe FPÖ, was noch mehr kostet, ist eine fehlende Integration. Das müssen Sie wissen (StR Dominik Nepp, MA: Das sehen wir ja!), und das darf nicht sein. - Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr StR Kraus. - Bitte, Herr Stadtrat, Sie haben das Wort. StR Peter Kraus, MSc: Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, ich glaube, wo wir uns einig sind, ist, dass beim Budget der Handlungsbedarf riesig ist - und er ist gegeben. In diesen Zeiten zeigt sich dann aber auch, welche Prioritäten jemand hat und wie man mit diesem Handlungsbedarf umgeht. Wenn wir uns ansehen, wie die Stadtregierung im Moment mit diesem Sanierungsbedarf umgeht, dann zeichnet sie ein ganz tragisches Bild. Sie kürzt nämlich ziel- und planlos. Die SPÖ ist dabei, das soziale Erbe dieser Stadt zu verspielen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn wir uns nämlich die Kürzungen und vor allem die Kürzungen im Sozialbereich anschauen, dann trifft es vor allem drei Gruppen. Es trifft Kinder, es trifft Menschen mit Behinderung, es trifft chronisch Kranke. Es trifft die, die ohnehin schon am schwächsten sind in unserer Gesellschaft, in unserer Stadt, die schon am verletzlichsten sind. Die SPÖ hat ihren sozialen Kompass hier in dieser Stadt eindeutig verloren, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Es ist kein Zufall, dass es heute und auch schon in den letzten Tagen Demonstrationen gab, Demonstrationen von Betriebsräten aus den sozialen Organisationen, Demonstrationen von den Menschen, die sich Sorgen machen, dass dieses soziale Zusammenhalten, dieses soziale Gefüge unserer Stadt verloren geht. Ich kann Ihnen sagen, und darum haben wir heute später auch eine Dringliche Anfrage, wir stehen Seite an Seite mit den Menschen, die sich gegen diesen sozialpolitischen Kahlschlag der Stadtregierung wehren, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Gleichzeitig hätte die Stadtregierung nämlich eine ganze Reihe an Dingen in der Hand, die man auch machen könnte, um ein Stadtbudget zu sanieren, die nämlich dazu führen, dass auch Menschen, die mehr haben, die es besser haben in unserer Stadt, einen Beitrag leisten. Von einer Leerstandsabgabe oder irgendwie bei den Widmungsgewinnen etwas zu machen, davon aber lässt die Stadtregierung, davon lässt die SPÖ die Finger. Was hier fehlt ist die Gerechtigkeit, die ist offenbar vom Tisch gefallen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ein zweiter Punkt, wo die Stadtregierung sich seit Jahren weigert einzugreifen oder hinzugreifen, ist der Bereich der Fernwärme. Ich spreche den heute an, weil ich finde, das wäre ein Bereich, wo man die Wienerinnen und Wiener direkt entlasten kann und einen positiven Beitrag für den Standort, für die Kaufkraft in unserer Stadt machen könnte. Wir haben seit drei Jahren Rekorde bei den Fernwärmepreisen, seit der 92-prozentigen Erhöhung, die der Bürgermeister durchgewunken hat. Die Fernwärme als Monopolist verlangt immens hohe Preise, die die Wienerinnen und Wiener spüren, und gleichzeitig macht die Wien Energie über 1 Million EUR Gewinn pro Tag, und die Stadtregierung schaut seit drei Jahren zu anstatt einzugreifen. Wir bringen heute später einen Antrag ein, der die Stadtregierung auffordert, endlich bei den Fernwärmepreisen einzugreifen. Die Stadtregierung kann das nämlich tun, und jetzt ist es Zeit, Farbe zu bekennen, ob man weiterhin diese hohen Preise durchrauschen lässt oder endlich die Wienerinnen und Wiener entlastet und die Kaufkraft stärkt. Das wäre ein positiver Impuls für unsere Stadt, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) In die Ziel- und Planlosigkeit dieser Stadtregierung reiht sich auch noch die ganze Posse um die U2 und die U5 ein. Wir vergessen immer wieder, dass diese U-Bahn, über die wir hier gerade reden, nicht zum ersten Mal verschoben wurde. Seit Mai 2021 war die Strecke gesperrt, dann ist sie auf 2024 verschoben worden, die Eröffnung dann auf Herbst 2024, dann erinnern Sie sich an das ganze Chaos mit den Türen, das es gab. Also wir reden von einer U-Bahn, die schon mehrfach verschoben wurde. Und jetzt wird uns seit Tagen die Absurdität eingeredet, es wird zwar 2026 alles im Plan fertig - was nicht stimmt, denn es wurde ja schon alles verschoben -, und außerdem verschiebt man die Eröffnung auf 2030. Und das heißt dann, dass alles im Plan ist. Ja, sagen Sie einmal, wollen Sie die Wienerinnen und Wiener eigentlich veräppeln? Die bekommen doch mit, dass das nicht stimmt, was hier gesagt wird. Zeitgleich dann auch noch die Preise für die Tickets zu erhöhen, das ist einfach eine Verhöhnung der Fahrgäste, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wir haben es heute auch wieder in der Fragestunde gehört, was sich die Stadt davon verspricht: Einsparungen bei den Betriebskosten in der Höhe von 16 bis 20 Millionen EUR, wenn ich das richtig im Kopf habe, für die vier Jahre, das heißt 4 bis 5 Millionen EUR pro Jahr. Das klingt viel, aber die Liste von Dingen, die man sonst einsparen könnte, ist ziemlich lang. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Setzen Sie einfach für vier Jahre die Zeitschrift "Mein Wien" aus, eine Zeitschrift der Stadt, in der man sich selbst beweihräuchert - ich glaube, kein Wiener und keine Wienerin hat einen Mehrwert davon -, und nehmen Sie dafür die U-Bahn in Betrieb. Das bringt den WienerInnen wirklich etwas, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Deutsch. - Bitte, Herr Gemeinderat. GR Christian Deutsch (SPÖ): Herr Vorsitzender, Frau Stadträtin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das Budget 2026 heißt "Konsolidieren mit Verantwortung". Es ist aber gleichzeitig auch ein Zukunftsbudget, das Wohlstand sichert und den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt stärkt, trotz der schwierigsten Rahmenbedingungen seit vielen Jahren. Finanzstadträtin Barbara Novak hat hier einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der auf der einen Seite konsequent konsolidiert, rund 2 Milliarden EUR, und auf der anderen Seite genau das schützt, was Wien stark macht und für soziale Ausgewogenheit steht. Wir investieren rund 22 Milliarden EUR. Der größte Teil dieser Ausgaben geht genau in jene Bereiche, setzt jene Schwerpunkte, die den Alltag der Menschen betreffen, nämlich ein Drittel in Gesundheit und Soziales, ein weiteres Viertel in Bildung und dazu Mittel für Umwelt, Wohnen, Frauen, Mobilität und Kultur. Das heißt, wir investieren in leistbares Wohnen, die Wohn- und Mietbeihilfen werden fortgesetzt, der Wohnbauförderungsbeitrag wird moderat erhöht und zweckgewidmet für Wohnen und Soziales, also genau für jene Bereiche, in denen die Wienerinnen und Wiener auch Unterstützung brauchen. Das heißt, die Stadt schützt Familien und unterstützt auch ArbeitnehmerInnen. Wir investieren in Bildung und in die Zukunft unserer Kinder. Der beitragsfreie Kindergarten bleibt, die Gratisganztagsschule bleibt, das kostenlose warme Mittagessen, die Lernhilfe, die Summer City Camps, all das bleibt. Das sind in anderen Städten Wahlversprechen, in Wien ist es Realität, und dieses Budget sichert das auch ab. Wir stärken die Gesundheitsversorgung und bauen Primärversorgungszentren und regionale Gesundheitszentren aus, bis auf die Zahl von 169. Das Spitälerbauprogramm wird fortgesetzt, von der Klinik Ottakring und Hietzing über das Eltern-Kind-Zentrum und die Ausbildungsoffensive "Pflege Zukunft Wien" wird weiter vorangetrieben, weil eine immer älter werdende Gesellschaft auch mehr Pflegekräfte braucht. Wir kürzen nicht bei den Frauenhäusern, nicht beim 24-Stunden-Notruf, nicht bei den Gewaltschutzprogrammen, sondern investieren in Frauengesundheitszentren und in die Umsetzung der Frauenarbeitsstiftung. Wien bleibt aber auch auf Kurs betreffend Klimaneutralität 2040. Wir entsiegeln, begrünen und investieren und weitere hundert Projekte "Raus aus Gas" werden auf den Weg gebracht. So viel zum sozialen Kompass der GRÜNEN, der für Sie offenbar mehr ein politischer Slogan für eine Pressemeldung ist. Das Erbe des Roten Wiens, von dem Sie immer sprechen, ist der Gemeindebau, die kommunale Daseinsvorsorge, die starke öffentliche Gesundheitsversorgung, der gebührenfreie Kindergarten und die soziale Infrastruktur, die wir gerade in diesem Budget verteidigen. Also da brauchen wir von Ihnen keine oberlehrerhaften Belehrungen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Es ist aber schon auch eine besondere Chuzpe, wie hier die ÖVP und die GRÜNEN insbesondere auf den Putz hauen, die ja für den Schuldenberg und für das gesamte Budgetdesaster in der Republik verantwortlich sind. Die ÖVP sagt ja nicht, wo sie kürzen will, wo sie Einsparungen vornehmen will. (GR Harald Zierfuß: Doch!) Will die ÖVP bei den Kindergärten kürzen, bei den Spitälern, bei der Pflegeoffensive? - Wir sagen, was wir schützen. Wir sagen, wo wir sparen. Oder will die ÖVP privatisieren? - Dann sprechen Sie es bitte auch aus. Wir wollen nicht die Unternehmen der Stadt privatisieren, sondern die Daseinsvorsorge und die hohe Lebensqualität absichern. (Beifall bei der SPÖ.) Was die wirtschaftspolitische Kompetenz der FPÖ betrifft, ja, da braucht man nicht lange schauen. Es war die FPÖ, die das Land Kärnten in den Ruin getrieben hat. (StR Dominik Nepp, MA: Geh, bitte!) Und wäre damals nicht der Bund eingesprungen, hätten die Menschen auch noch ihre Sparguthaben verloren. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) Wir werden nicht zulassen, dass Sie die Stadt zerstören, sondern wir werden das Budget konsolidieren. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir sparen mit Augenmaß. Wir reduzieren auch die Förderungen für Parteiakademien. Wir strecken Bauprojekte, aber ohne die medizinische Versorgung und die Qualität der Pflege zu gefährden. Wir sparen bei Projekten, die zeitlich verschiebbar sind. Und ja, bei der nächsten Ausbaustufe der U2/U5 haben wir etwas mehr Zeit eingeplant, aber die Bevölkerung profitiert weiter von einem der besten und billigsten Verkehrsmittel weltweit. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir konsolidieren mit Verantwortung, wir drehen jeden Stein um. Wir lassen aber die Grundpfeiler dieser Stadt nicht einstürzen. Wir stehen zu unserer Verantwortung für diese Stadt und sichern den Wohlstand mit einem Budget ab, das durch schwierige Zeiten führt. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau StRin Greco. - Bitte, Frau Stadträtin, Sie haben das Wort. StRin Dr. Katarzyna Greco, MIEM: Vielen Dank, sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Frau Stadträtin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen hier heute einmal mehr aus einem Grund - und zwar hat Wien seine Finanzen nicht wirklich im Griff. Ich darf nur ganz kurz auf Herrn Kollegen Deutsch eingehen und wirklich nur drei Schlagwörter sagen, nämlich fragwürdige Förderungen, Mindestsicherung, Großbauprojekte, vieles wurde schon erwähnt. Hier gibt es durchaus Potenzial in dieser Stadt, was verbessert werden kann. Die Anklage an den Bund ist in dieser Hinsicht wirklich nicht nötig, denn hier gehören Aufgaben zuerst in Wien gelöst. (StR Dominik Nepp, MA: Ihr seid eh gemeinsam im Bund!) Der Bund macht seine Aufgaben, Wien muss das auch machen, und so können wir das in Zukunft gemeinsam machen. (Beifall bei der ÖVP. - StR Dominik Nepp, MA: Schmusepartner! Schattenboxen!) Wir haben hier heute keine theoretische Debatte über das Budget, über die Budgetzahlen, das ist leider Gottes eine Realität, und die Menschen in unserer Stadt spüren das leider Gottes täglich. Bei Großbauprojekten bröckelt das Vertrauen, nehmen wir, wie heute auch schon mehrfach zitiert, den Ausbau der U2/U5. Abgesehen von den Verzögerungen ist es die Frage der Kosten, aus 2 Milliarden EUR wurden ganz schnell einmal 6 Milliarden EUR. Manche Schätzungen deuten darauf hin, dass es noch viel mehr wird. Bei Großbauprojekten der Stadt stellt sich leider Gottes nicht nur die Frage, wann sie fertig sind, was sie kosten werden, sondern wann die nächste Verzögerung kommt, wann das nächste Projekt wieder einmal stecken bleibt und wie viel es diesmal teurer wird, zweimal, dreimal oder gar noch viel mehr. Wir reden hier nicht über Peanuts, wir reden genau über Milliardenbeträge, die wir an anderer Stelle brauchen. Wir brauchen sie in der Pflege, in der Gesundheit, wir brauchen sie in der Bildung, bei der Infrastruktur, im Grätzel. Das Problem scheint längst systemisch zu sein, denn jedes große Projekt dieser Stadt läuft nach demselben Muster ab: große Ankündigungen, dann die Verzögerungen und dann eine Kostenexplosion. Das ist leider Gottes kein Einzelfall, das ist ein System, ein System, das sich Wien nicht mehr leisten kann. (Beifall bei der ÖVP.) Und während die Großbaustellen wachsen, werden die WienerInnen weiter zur Kassa gebeten. Die Tickets werden teurer, Parkgebühren, vieles wurde schon angesprochen, die Preise der Fernwärme, StR Kraus hat dies auch bereits ausgeführt. Wen trifft es? - Es trifft die Wiener Haushalte, die ohnehin schon jeden Euro zweimal umdrehen müssen, und dann die Wirtschaft; die Wiener Betriebe, steigende Abgaben, lange Wartezeiten, Bürokratie, die nicht entlastet, sondern immer mehr belastet. Wir dürfen auch nicht vergessen, wenn ein Arbeitnehmer 2 500 EUR netto verdient, dann kostet das seinen Arbeitgeber über 5 000 EUR. Das ist kein Vorwurf an die Sozialpartnerschaft, sondern vielmehr ein wake-up call. (StR Dominik Nepp, MA: Wake-up call, nur weil's Englisch ist, wird's nicht gescheiter!) Diese Betriebe, unsere Wiener Betriebe leisten Großartiges, sie sind mutig und müssen mit der Realität leben, dass sie da jeden Tag kämpfen, um überhaupt weitermachen zu können. Diese Belastungen treffen vor allem jene, die wir am dringendsten brauchen. Nämlich gerade diese Wiener Betriebe, Menschen, die mutig und mit Verantwortung hier für Wien arbeiten, Arbeitsplätze schaffen. Wenn wir so weitermachen, dann werden wir eher weniger als mehr Gründungen haben, dann schwächen wir das Unternehmertum noch einmal. (Beifall bei der ÖVP.) Was fehlt, ist ein Zukunftsbild, eine Vision, ein Plan, wie Wien in fünf, in zehn, in 20 Jahren aussehen soll. Wo ist die Strategie, wie unsere Wirtschaft wieder fit wird, um Innovationen zu fördern, um Forschung und Zukunftsbranchen nach Wien zu holen? Wir brauchen das für den Standort. Wir haben so viel Potenzial, aber Potenzial alleine reicht nicht, man muss es auch nützen. Wir als konstruktive Opposition wollen nicht nur kritisieren, wir wollen mitgestalten. Wir haben Vorschläge und bringen auch tatsächliche Erfahrungen aus der Wirtschaft mit. Lassen Sie uns also gemeinsam daran arbeiten, nicht irgendwann, sondern jetzt, denn genau hier schließt sich der Kreis. Sparen heißt nicht automatisch kürzen, sparen heißt, Strukturen ordnen, Projekte sauber planen, und die Menschen entlasten statt sie zu belasten. - Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Armin Blind: Bevor ich GR Ornig das Wort erteile, gebe ich bekannt, dass GRin Kickert ab sofort bis zirka 13 Uhr entschuldigt abwesend ist. - Herr Gemeinderat, Sie haben das Wort. GR Markus Ornig, MBA (NEOS): Vielen Dank. - Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, eine neuerliche Budgetdebatte, diesmal mit mehr Zahlenwerk unterlegt, wobei wir eigentlich die Budgetdebatte immer noch erst führen werden. Deshalb werde ich jetzt nicht wahnsinnig auf das Zahlenwerk eingehen, das werden wir uns alle gegenseitig im Dezember noch vorlesen und unsere jeweiligen Interpretationen. Ich finde aber die Diskussion tatsächlich faszinierend, weil wir jetzt mehrfach das Spiel spielen. Ich halte es, das habe ich das letzte Mal schon gesagt, für grob fahrlässig, hier mit unterschiedlichen Wahrnehmungen umzugehen und quasi die Bundesländer, den Bund, die Gemeinden gegenseitig auszuspielen. (StR Dominik Nepp, MA: Meinl-Reisinger will aber die Länder an die Kandare nehmen!) Es ist Fakt, auch wenn offensichtlich Herr Zierfuß der einzige Mensch ist, der weiß, was die Gemeinden in Österreich für einen Schuldenstand haben. Dann wünsche ich mir sehr, was Ihr ehemaliger Finanzminister nicht geschafft hat, nämlich da Zahlen klar vorlegen zu können. Wenn Sie es wissen, bitte erzählen Sie es uns. Laut der Informationen, die ich habe, weiß im Finanzministerium niemand, wie stark die Gemeinden in Österreich im Moment verschuldet sind. Die einzige Gemeinde, von der wir das wissen, ist die Gemeinde Wien, weil Wien sowohl eine Gemeinde als auch ein Bundesland ist und weil wir hier sehr transparent mit den Zahlen umgehen. Ich glaube, es ist schleunigst an der Zeit, damit wir eine Kostenwahrheit in Österreich haben, dass alle Bundesländergemeinden auch ihre Schuldenstände einmelden (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) und wir endlich vernünftiges Zahlenmaterial haben, denn wir brauchen das dringend für den Stabilitätspakt in allen Bundesländern und auch auf Bundesebene. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - Weitere Zwischenrufe von StR Dominik Nepp, MA.) Herr Nepp schreit dauernd herein. Ich hoffe, Sie haben die Zahlen. In der Steiermark hört man ja, dass das Sparen nicht so gut läuft, da sperren Sie Krankenhäuser zu und machen andere Wahnsinnigkeiten. Das machen wir in Wien Gott sei Dank nicht. (StR Stefan Berger: Das ist eine glatte Lüge! - Weiterer Zwischenruf des StR Stefan Berger.) Sie haben dort einen Landeshauptmann, das ist richtig, und genau der macht diese Maßnahmen. Ich weiß auch nicht genau, wie viel in der Steiermark eingespart wird. Ich weiß nur, dass wir auch hier das Problem haben, dass wir keine Zahlen aus den Gemeinden haben, und ich weiß auch nur, dass wir hier keine Maßnahmen haben. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Vielleicht wissen Sie gar nichts! - Zwischenrufe bei der FPÖ.) Auch wenn die FPÖ jetzt wahnsinnig hektisch dazwischenschreit, ich werde trotzdem nicht davon abgehen - und ich gehe auch nicht auf euch ein im Moment. Ich möchte zurück zu Kollegen Zierfuß. Es ist faszinierend, ich frage mich tatsächlich: Müssen Sie das? Müssen Sie in der Früh in den Spiegel schauen, üben Sie da Ihre Rede und blenden alles aus, was in der Vergangenheit passiert ist? (Zwischenruf bei der ÖVP.) Haben Sie völlig ausgeblendet, wer in Wirklichkeit verantwortlich ist für dieses riesige Schuldendefizit, mit dem wir alle konfrontiert sind? (GR Mag. Dietbert Kowarik: Das können wir Sie genauso fragen!) Es ist wirklich lustig, denn der ganze Stabilitätspakt und das, was wir aus der EU an Vorgaben bekommen, basiert ja nur auf der Misswirtschaft der letzten Bundesregierung. (GR Harald Zierfuß: Geh, bitte!) Das kann man nicht wegleugnen, und das kann man nicht ausblenden, so sehr Sie es auch versuchen. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - Zwischenrufe von GR Harald Zierfuß.) Wir haben in Wien riesige Herausforderungen, und denen stellen wir uns auch. Das zeigt auch der gesamte Prozess, den wir durchlaufen, das zeigt auch, wie wir mit dem derzeitigen Schuldenstand auf Bundesebene - und auch in Wien - umgehen. Das zeigt auch, wie wir versuchen, hier Schritt für Schritt zu konsolidieren. Ist das einfach? - Nein. Gelingt das uns das perfekt? - Natürlich nicht. (GR Harald Zierfuß: Stimmt ihr dem Antrag zu?) Natürlich ist es einfach, wenn Sie sich hier herausstellen und alle sagen, ich hätte gerne, ich hätte gerne und dort wird zu viel gespart und dort wird zu wenig gespart. Ich sehe es ja in Ihren Anträgen heute auch. Wo sind denn Ihre Vorschläge, wo sind denn konkrete Vorschläge? Sie machen Anträge, das ist total absurd. Die Stadt Wien soll bei den Großprojekten besser wirtschaften, und die Stadt Wien soll mit der Verwaltung besser umgehen. Wie denn? (GR Harald Zierfuß: Ja, macht es einmal!) Das Einzige, was Sie können ist: "Macht das doch einmal!", ohne einen einzigen konstruktiven Vorschlag vorzubringen. Zeigen Sie mir eine einzige Stadt, zeigen Sie mir ein einziges Großverkehrsprojekt in den Bundesländern, das in den letzten Jahren fertiggestellt wurde, wo sie im Budget geblieben sind. Sie werden kein einziges finden. Warum? - Weil wir Inflation haben und durch die Inflation bei all diesen Projekten die Baukosten ansteigen. (Zwischenruf von GR Harald Zierfuß. - Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.) Nennen Sie Beispiele. (GR Harald Zierfuß: Legt die Kosten offen! Stimmt dem Antrag zu!) - Ich lade Sie ein, stellen Sie sich hier heraus und nennen Sie Beispiele aus Ihren Bundesländern. Sie können es schlicht und ergreifend nicht, deshalb schreien Sie da nur polemisch herein, ohne sachlich auch nur irgendetwas beizutragen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Das finde ich schade. Das finde ich schade, denn ich finde, wir gehen hier sehr reflektiert mit dem Thema um. Ich wünsche mir diese reflektierte Haltung ein wenig auch von Ihnen. (Heiterkeit bei der ÖVP.) Ein Wunsch ans Christkind ist ja immer leicht in der Opposition. Ich will das, ich will das, ich will das. Sie sind sich alle nicht einig, was Sie wollen. (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Das zeigt leider, wie wir hier damit umgehen, denn bei den Ausgaben wart ihr alle dabei. Was ist denn das größte Problem? (Zwischenruf bei der ÖVP.) - Die Personalkostensteigerung. Und überall habt ihr zugestimmt. Ich habe es ja schon einmal vorgelesen, von mir aus mache ich es noch einmal. (Zwischenruf bei der ÖVP: Geh, bitte!) Wo bei der Stadt Wien und wo auf Bundesebene habt ihr "Nein" gesagt bei den großen Dingen, beim Geldausgeben? Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): Herr Gemeinderat, ich bitte um einen Schlusssatz. GR Markus Ornig, MBA (fortsetzend): Da wart ihr überall dabei, und das blendet ihr leider komplett aus. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Schneckenreither. - Bitte, Frau Kollegin, Sie haben das Wort. GRin Theresa Schneckenreither, MSc (GRÜNE): Sehr geehrte Damen und Herren! Die schwarz-grüne Bundesregierung sei schuld am Defizit der Stadt Wien. Ich kann es einfach nicht mehr hören. Das hat schon so einen Bart, wie wir bei mir daheim sagen. (Beifall bei den GRÜNEN und von GR Harald Zierfuß.) Das stimmt einfach nicht, es ist falsch, und das möchte ich jetzt einmal kurz vorrechnen. (Zwischenruf von GRin Mag. Stefanie Vasold.) Was war die Ausgangslage? - Die rot-pinke Stadtregierung hat Ende 2023 den Voranschlag für 2025 beschlossen und hat damals schon ein Defizit von 2,3 Milliarden EUR einkalkuliert. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Das haben Sie damals schon gewusst, dass es arg wird, sagen wir einmal so. Sie haben das eben mit dem Beschluss bewusst in Kauf genommen. Tatsächlich reden wir jetzt aktuell von einem wahrscheinlichen Defizit für 2025 von 3,25 Milliarden EUR. Wir haben also eine Differenz von knapp 1 Milliarde EUR vom Voranschlag zu den aktuellen Zahlen, die man irgendwie erklären muss. Wenn Sie jetzt sagen, der Bund ist schuld, vor allem halt die schwarz-grüne Bundesregierung aus der letzten Periode, dann muss man sich die Ertragsanteile anschauen, das ist quasi der größte Brocken von den Einnahmen, die vom Bund an die Stadt Wien gezahlt werden. Wenn man sich die Ertragsanteile anschaut, hat man also mit 8,5 Milliarden EUR für 2025 gerechnet, und die aktuellste Prognose vom Oktober 2025 spricht jetzt von 8,3 Milliarden EUR, eine Differenz von 0,2 Milliarden EUR. (GRin Mag. Stefanie Vasold: ... Kosten, Inflation, die letzten drei Jahre! - GR Mag. Thomas Reindl: Die Inflation! - Zwischenrufe bei der SPÖ.) - Ja, aber das haben Sie kalkuliert. (Zwischenruf des GR Mag. Thomas Reindl.) Ich komme gleich noch einmal dazu, ich komme gleich noch zu den steigenden Kosten. Also, 0,2 Milliarden EUR von 3,2 Milliarden EUR, das sind 6 Prozent von dem Defizit. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Jetzt erzählen Sie uns nicht, dass da nur die Bundesregierung schuld ist. Bitte nehmen Sie endlich Ihre Verantwortung wahr, und seien Sie ehrlich mit sich selber. Sie haben den absoluten Großteil, 94 Prozent, von diesem Defizit zu verantworten. (GR Harald Zierfuß - in Richtung SPÖ: Mit 2 Millionen begründet ihr 3 Milliarden?) Ja, genau. Also noch einmal, Sie haben beim Beschluss schon ein Defizit von 2,3 Milliarden EUR in Kauf genommen. Sie verantworten ein außerplanmäßiges Defizit von 0,8 Milliarden EUR, und eben diese 0,2 Milliarden EUR kommen von den geringeren Steuereinnahmen des Bundes. Und jetzt kann ich mich auch noch einmal wiederholen: Als die SPÖ noch in Opposition war, war ihr nichts gut genug, was die GRÜNEN in der Bundesregierung gemacht haben. Sie haben immer nur mehr gefordert. (Zwischenruf von GR Mag. Thomas Reindl.) Ich habe es auch schon einmal gesagt, wenn man allein Ihre Forderungen zur Pensionsreform umgesetzt hätte, hätte der Bund ein Defizit, das noch einmal um 5 Milliarden EUR höher gewesen wäre. (GR Mag. Thomas Reindl: Das ist ja unerhört eigentlich!) Und da sind alle anderen Vorschläge noch nicht einmal dabei, also bitte, wirklich, bleiben Sie bei den Fakten. (Beifall bei den GRÜNEN und von GR Harald Zierfuß.) Wir haben mittlerweile November. Die neue Bundesregierung, in der SPÖ und NEOS gemeinsam mit der ÖVP sind, gibt es jetzt schon seit über acht Monaten. Sie hätten jetzt also schon seit über acht Monaten dieses Wunderwerk vollbringen können, das Sie von uns immer eingefordert haben. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Stattdessen hört man jeden Monat noch höhere Zahlen bei der Inflation und vor allem noch höhere Zahlen bei den Defiziten der Bundesländer. Also hören Sie endlich auf, die Schuld bei den anderen zu suchen, und stellen Sie sich Ihrer eigenen Verantwortung. Ich komme noch kurz zum Budget 2026, das jetzt mit Verspätung endlich auch veröffentlich worden ist. Dort kürzen Sie bei den Ärmsten und Schwächsten. Wenn dann Kollege Deutsch von "Wohlstand sichern" redet, stellt es mir alle Haare auf, wirklich. Sie kürzen, mein Kollege Peter Kraus hat es vorhin schon gesagt, bei Kindern, bei Menschen mit Behinderungen und bei den Ärmsten. Zusätzlich belasten Sie dann noch durch die Erhöhung des Wohnbauförderbeitrages die Leute, die arbeiten gehen, gedeckelt mit dem SV-Beitrag - also das erwischt auch nicht die mit den besonders hohen Einkommen am stärksten, sondern die mit dem unteren Einkommen -, und Sie bestrafen klimaschädliches Verhalten. Trotzdem kommen Sie auch 2026 zu einem prognostizierten Defizit von 2,6, 2,7 Milliarden EUR. Damit sind wir dann Ende 2026 wahrscheinlich bei einem Defizit, einem Gesamtschuldenstand von über 17 Milliarden EUR - und das ist einfach verantwortungslos. Wir fordern auf jeden Fall, Armut darf es in Wien nicht geben, Leistung muss belohnt werden, und Vermögen, hohe Einkommen und klimaschädliches Verhalten müssen einen fairen Beitrag leisten, damit man in dieser Stadt gut leben kann. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr StR Nepp. - Bitte, Herr Stadtrat, Sie haben das Wort. StR Dominik Nepp, MA: Herzlichen Dank, sehr geehrter Herr Gemeinderatsvorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, es gibt das psychologische Phänomen der Verdrängung. Es ist wirklich unpackbar, wie fest dieses Phänomen der Verdrängung bei der Einheitspartei (Oh-Rufe bei SPÖ und NEOS.), bestehend aus ÖVP, NEOS, SPÖ und GRÜNEN verankert ist, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ. - Zwischenrufe bei SPÖ und NEOS.) Man muss sich nur die Vorredner anhören. Kollege Deutsch von der SPÖ bleibt noch immer dabei, dass alles nicht schlimm ist, es ist alles gut. Er folgt irgendwie diesem Wahlkampfslogan, der von Bgm Ludwig ausgebracht wurde, dass in Wien mit den Finanzen alles solide wäre, alles stabil wäre. Also die klassische Verdrängung. So lange man nicht über das Problem redet, gibt es dieses Problem gar nicht. Es gibt aber nicht nur die Verdrängung eines Problems, sondern auch eine Verdrängung der Tat - und das kann ich nur der ÖVP zurückwerfen. Denn ich sage Ihnen, Sie kommen hierher, das ist wie Schattenboxen mit der SPÖ. Sie sind gemeinsam in einer Koalition mit dieser SPÖ und mit den NEOS. (GR Harald Zierfuß: In der Stadtregierung?) Sie regen sich auf, dass hier schlecht gewirtschaftet wird, sind aber selbst verantwortlich, dass wir den höchsten Schuldenstand in der Zweiten Republik haben, weil Sie das Geld hinausgeworfen haben. Da gab es keine Budgetkontrolle (Zwischenruf bei der ÖVP.), da gab es keine Durchforstung von Förderungen. Sie haben in den letzten Jahren so viele Milliarden Schulden gemacht, wie keine andere Partei zuvor. (Beifall bei der FPÖ.) Zu den Vorrednern der NEOS. Sie müssen die Begrifflichkeiten wirklich richtig verwenden. Sie reden dauernd davon - auch übernommen, wahrscheinlich vom Büro der Finanzstadträtin Frau Novak vorgeschrieben -, dass wir sparen. Ja, wir sparen, wir haben ohnehin etwas eingespart. Sie müssten schon wissen, was sparen heißt. Wenn ich spare, bleibt mir am Ende des Monats mehr auf meinem Konto übrig, ich habe ein größeres Plus. Was Sie machen, ist nicht sparen, was Sie machen, Sie kürzen gezwungenermaßen Ausgaben, weil Sie kein Geld mehr zusätzlich bekommen. Und Sie verschieben Projekte, wie wir schon gehört haben, Ausbau U2/U5 um vier Jahre verschoben, das heißt, die Kosten fallen irgendwann später an, aber die Kosten werden anfallen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus dem Leben. Stellen Sie sich einmal vor - auch gezielt an die NEOS gerichtet, weil bei der SPÖ, glaube ich, ist ohnehin schon Hopfen und Malz verloren -, Ihr Bankberater ruft Sie an und sagt, ich habe mir jetzt Ihr Konto angeschaut, da gibt es ein Problem. Die klassische Verdrängung: Problem? - Nein, ich sehe kein Problem. Ist ja alles gut. Der Bankbeamte sagt, na, kommen Sie einmal vorbei und schauen wir uns das einmal an. Dann sagt Ihnen der Bankbeamte, Sie haben ein riesiges, fettes Minus auf Ihrem Konto, ein riesengroßes, fettes Minus, und mit Ihren Einnahmen - also jetzt im privaten Bereich mit Ihrem Gehalt - geht sich das nie mehr aus, dass Sie dieses fette Minus abdecken. Und dann sagen Sie, Herr Bankbeamter, alles kein Problem, denn im Endeffekt wollte ich eigentlich mehr überziehen, nämlich das Doppelte, und das habe ich jetzt eingespart, also bin ich ohnehin der Sparefroh. (Heiterkeit bei der FPÖ.) Ich hätte mehr ausgeben wollen, das gebe ich nicht aus und bin der Sparefroh - und so funktioniert die Wirtschaft. Aber wenn man so ein Denken hat von Wirtschaft, von Haushalt und Finanzen, dann kommt man eben zu dem Punkt, an dem die Stadt Wien jetzt steht, nämlich dass man pleite ist und das Schuldenmachen immer mehr wird, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Darum reißen wir jetzt ein Defizit allein in diesem Jahr von 3,6 Milliarden EUR auf, nächstes Jahr sind es 2,7 Milliarden EUR. Nach Ihrer Rechnung haben wir quasi 0,9 Milliarden EUR gespart. Das wäre nämlich Ihre Rechnung. In Wirklichkeit haben Sie allerdings nur Ausgaben gekürzt - und so kommt es zu einem Gesamtschuldenstand von 15 Milliarden EUR. Wenn man noch die Schulden der ausgelagerten Betriebe und Unternehmen der Stadt Wien zusammenrechnet - diese Zahl wird ja immer verschwiegen -, kommt man auf eine Gesamtverschuldung von 40 Milliarden EUR. Das ist dieser Schuldenrucksack, den Sie den Wienerinnen und Wienern umhängen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Genau deswegen braucht es in Wien einen Wechsel, einen Wechsel im politischen Handeln. Die NEOS, die immer angetreten sind mit Wechsel und wir machen alles besser, sind in Wien und im Bund kläglich gescheitert. Sie sind nicht die Partei des Wechsels. Ich sage Ihnen aber eines: Das ist jetzt doch das letzte Mal, dass Sie auf Bundesebene herumpfuschen oder auch in Wien herumpfuschen. Dann wird das Budget repariert, und dann wird das Geld wieder zu denen verteilt, die etwas leisten, die die Stadt am Laufen halten und nicht an irgendwelche Völkerwanderer, für die Sie Milliarden rausgeschossen haben in den letzten Jahren, die hier herkommen, nichts leisten wollen und nicht Teil unserer Gesellschaft werden wollen. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Weninger. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Katharina Weninger, BA (SPÖ): Vielen Dank, sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Nein, ich werde Ihnen jetzt nicht erzählen, dass alles super ist. Das ist es nicht. Es sind schwere Zeiten, die wir momentan haben. Unsere Budgetzahlen sind sicher nichts, über das wir uns freuen können, aber ich will Ihnen auch nicht zuhören, wenn Sie hier über Pleite oder Bankrott sprechen und so tun, als wäre Wien als einziges Bundesland in dieser Lage. Ich möchte kurz rekapitulieren, was während der letzten Jahre passiert ist. Erinnern wir uns an 2020, fünf Jahre her, Pandemie, Lockdown, Wirtschaft am Boden. Haben wir gesagt, Pech gehabt, schaut selber wo ihr bleibt? - Nein, natürlich nicht, wir haben geholfen, für die Gesundheit, für die Wirtschaft, für die Menschen. (StR Dominik Nepp, MA: Ihr habt die Wirtschaft abgedreht! Das habt ihr gemacht!) Dann 2022, drei Jahre her, Ukrainekrieg, Energiepreise so hoch wie nie, Inflation bei 11 Prozent. Hat die damalige Bundesregierung auf uns gehört, als wir gesagt haben, so darf das nicht weitergehen, wir müssen jetzt etwas gegen die Inflation tun, wir dürfen nicht nur zuschauen? - Nein, nichts, ganz im Gegenteil. Das müssen Sie sich leider anhören: ÖVP und GRÜNE haben Steuergeschenke verteilt. Ich meine, es ist super, wenn Menschen mehr Geld haben, als sie vorher hatten, aber doch bitte nicht auf Kosten der Länder und Gemeinden. In Wirklichkeit hätte man gleich sagen können, hier haben Sie ein bisschen mehr Geld, damit Sie sich das leisten können, was sich die Gemeinden später nicht mehr leisten können. Das ist zynisch. (Beifall bei der SPÖ.) Ja, das sind die Fakten, nicht schön, aber wahr. Fassen wir aber einmal zusammen, was in dieser österreichweiten, finanziell sehr angespannten Lage die Situation in Wien ist. Wien ist das einzige Bundesland mit Wirtschaftswachstum, Wien hat mehr Arbeitsplätze geschaffen, als der Rest des Landes gemeinsam. (StR Dominik Nepp, MA: Die meisten Arbeitslosen!) Wir haben die höchste Innovationskraft, die größte Branchenvielfalt, für die wir in Wien die Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen. (StR Dominik Nepp, MA: Die meisten Insolvenzen! Die meisten Konkurse!) Auch wenn die Wirtschaftszahlen in Wien viel, viel besser sind als im Rest Österreichs, bei unseren Budgetzahlen kann man sich natürlich nicht zurücklehnen. Ganz im Gegenteil, auch wenn es wehtut, jetzt heißt es sparen. Wir verschieben Projekte, wir haben es schon gehört, beim Bäderbau, beim Straßenumbau, bei der Amtshaussanierung. Ja, das ist schade, weil wir wissen, dahinter stehen auch Menschen, die genau darauf warten. Wir kürzen Förderungen, auch bei uns selbst. Wir reformieren die Mindestsicherung, das ist Konsolidierung, nicht angenehm, aber notwendig. Aber - und jetzt kommt's - wir geben nicht auf, was diese Stadt ausmacht. (StR Dominik Nepp, MA: Rotes Bonzentum!) Kindergarten bleibt beitragsfrei, nicht weil wir großzügig sind, sondern weil Bildung für uns keine Frage des Geldbörsels sein darf. Ganztagsschule kostenlos, warmes Essen für jedes Kind, weil Kinder mit leerem Magen nicht gut lernen. Gesundheitsvorsorge für alle, nicht nur für die, die es sich leisten können. 16 000 neue Pflegekräfte bis 2030, weil wir wissen, die Babyboomer werden älter, und auch sie haben einen Anspruch auf Würde im Alter, regionale Gesundheitszentren, weiterer Ausbau, weil Gesundheit nicht nur im Spital stattfindet. Das sind keine Geldgeschenke, das sind Investitionen in die Menschen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Es wäre einfach zu sagen, wir sparen überall, genau hier, beim Kindergarten, bei der Pflege, auch bei der Gesundheit, da steckt das meiste Geld drinnen. Die Zahlen würden besser aussehen, aber nur kurzfristig, denn dann hätten wir eine Stadt, wo nur noch die Reichen ihre Kinder in die Betreuung geben könnten, wo sich nur GutverdienerInnen Gesundheit leisten könnten, wo Pflegekräfte fehlen und alte Menschen leiden. (StR Dominik Nepp, MA: Das ist jetzt schon der Fall!) Das ist nicht die Stadt, die wir wollen. Wir sparen dort wo es vertretbar ist und nicht dort wo es Menschen trifft, die keine Alternativen haben (StR Peter Kraus, MSc: Menschen mit Behinderung!) und im schlimmsten Fall suchen wir Alternativen. Das ist keine naive Sozialromantik, das ist kein blinder Sparwahn, das ist Realismus. Denn eine Stadt, die ihre Grundversorgung oder ihre Daseinsvorsorge opfert, zahlt später dreifach, mit sozialen Problemen, mit höheren Gesundheitskosten, mit verlorenem Potenzial. Eine Stadt ist kein Unternehmen, eine Stadt ist eine Gemeinschaft. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Eine Gemeinschaft misst man nicht nur am Kontostand, sondern auch daran, wie man miteinander umgeht. Ja, wir haben ein Defizit, das ist real. Ja, wir müssen konsolidieren, das ist schmerzhaft, aber Wien funktioniert, Wien wächst, Wien hält zusammen, wir sparen nicht am Zusammenhalt, nicht am Notwendigen, nicht an der Zukunft. (Zwischenruf bei den GRÜNEN: Doch!) - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Ich gebe noch bekannt, dass Herr GR Kowarik ab sofort bis zirka 15 Uhr entschuldigt ist. Die Aktuelle Stunde ist beendet. Bevor wir zur Erledigung der Tagesordnung kommen, gebe ich gemäß § 15 Abs. 2 der Geschäftsordnung bekannt, dass von den Gemeinderatsmitgliedern des Klubs der sozialdemokratischen Fraktion des Wiener Landtags und Gemeinderates keine, des NEOS Rathausklubs keine, des Klubs der Wiener Freiheitlichen 101, des Grünen Klubs im Rathaus sieben, des ÖVP-Klubs der Bundeshauptstadt Wien vier schriftliche Anfragen eingelangt sind. Von den GemeinderätInnen Ellensohn, Huemer, Prack, Aslan, Schneckenreither und Kickert wurde eine Anfrage an den Herrn Bürgermeister betreffend "drastische Kürzungen im Sozial- und Gesundheitssystem dieser Stadt stoppen" gerichtet. Das Verlangen auf dringliche Behandlung dieser Anfrage wurde von der notwendigen Anzahl von Gemeinderatsmitgliedern unterzeichnet. Gemäß § 36 Abs. 5 der Geschäftsordnung wird die Beantwortung der Dringlichen Anfrage vor Schluss der öffentlichen Sitzung erfolgen. Ist diese um 16 Uhr noch nicht beendet, wird die Gemeinderatssitzung zur tagesordnungsgemäßen Behandlung der Dringlichen Anfrage unterbrochen. Vor Sitzungsbeginn sind von den Gemeinderatsmitgliedern des Klubs der sozialdemokratischen Fraktion des Wiener Landtags und Gemeinderates keine, des NEOS Rathausklubs keine, des Klubs der Wiener Freiheitlichen acht, des Grünen Klubs im Rathaus zwei, des ÖVP Klubs der Bundeshauptstadt Wien ein Antrag eingelangt. Den Fraktionen wurden die Anträge schriftlich bekannt gegeben, die Zuweisungen erfolgen wie beantragt. Von den Gemeinderäten Zierfuß, Taborsky, Juraczka, Gorlitzer, Olischar und Korosec wurde ein Antrag an den Herrn Bürgermeister, an die Frau amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales, an die Frau amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke sowie an den Herrn amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Sport betreffend "Transparenz und Kostenkontrolle bei Großprojekten der Stadt Wien" gerichtet. Das Verlangen auf dringliche Behandlung dieses Antrags wurde von der notwendigen Anzahl von Gemeinderatsmitgliedern unterzeichnet. Gemäß § 36 Abs. 5 der Geschäftsordnung wird die Besprechung des Dringlichen Antrages vor Schluss der öffentlichen Sitzung erfolgen. Herr Karl Mahrer hat mit Ablauf des 10. November 2025 auf die Ausübung seines Mandats im Gemeinderat der Stadt Wien verzichtet. Der Herr Bürgermeister hat gemäß § 92 der Wiener Gemeindewahlordnung 1996 auf das dadurch frei gewordene Mandat nach Verzicht der vorgereihten Ersatzwerber, die an zwölfter Stelle auf dem Stadtwahlvorschlag der Wiener Volkspartei Karl Mahrer (ÖVP) gereihte Wahlwerberin, Frau Ing. Judith Edelmann, in den Gemeinderat berufen. Gemäß § 19 der Wiener Stadtverfassung ist das Gemeinderatsmitglied anzugeloben. (Die GemeinderätInnen erheben sich von ihren Plätzen.) Ich bitte die Schriftführerin zu meiner Linken, die Gelöbnisformel zu verlesen und das neue Gemeinderatsmitglied, auf meinen Aufruf hin das Gelöbnis mit den Worten "ich gelobe", zu leisten. Ich bitte um Verlesung der Gelöbnisformel. Schriftführerin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc: Ich gelobe, der Republik Österreich und der Stadt Wien unverbrüchliche Treue, stete und volle Beachtung der Gesetze sowie gewissenhafte Erfüllung meiner Pflichten. Vorsitzender GR Armin Blind: Frau GRin Edelmann. GRin Ing. Judith Edelmann (ÖVP): Ich gelobe, so wahr mir Gott helfe. Vorsitzender GR Armin Blind: Danke, die Angelobung ist somit vollzogen. (Allgemeiner Beifall und Beifall auf der Zuschauergalerie.) - Frau Gemeinderätin, ich darf Ihnen vom Vorsitz aus gutes Gelingen im gemeinsamen Wirken für die Interessen dieser Stadt wünschen. Die Anträge des Stadtsenats zu den Postnummern 3, 8, 9, 10, 11, 14, 16, 18, 19, 22, 24, 25, 26, 27, 28 und 30 gelten gemäß § 26 der Wiener Stadtverfassung, als bekanntgegeben. Bis zu Beginn dieser Sitzung hat kein Mitglied des Gemeinderates zu diesen Geschäftsstücken die Verhandlung verlangt. Ich erkläre daher gemäß § 26 der Wiener Stadtverfassung diese als angenommen und stelle fest, dass die im Sinne des § 25 der Wiener Stadtverfassung erforderliche Anzahl von Mitgliedern des Gemeinderates gegeben ist. In der Präsidialkonferenz wurde nach entsprechender Beratung die Postnummer 4 zum Schwerpunktverhandlungsgegenstand erklärt und gleichzeitig folgende Umreihung der Tagesordnung vorgeschlagen: Das sind die Postnummern 4, 1, 2, 5, 15, 29, 21, 23, 17, 20, 12, 13, 6 und 7. Die Postnummern werden daher in dieser Reihenfolge zur Verhandlung gelangen. Es gelangt nunmehr die Postnummer 4 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Förderung an den Verein WIENXTRA, ein junges Stadtprogramm zur Förderung von Kinder, Jugendlichen und Familien. Zu diesem Tagesordnungspunkt gebe ich bekannt, dass sich die Gemeinderätinnen Bakos und Vasold für befangen erklärt haben. Ich bitte nun die Berichterstatterin, Frau GRin Abrahamczik, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Mag. Nina Abrahamczik: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Ich eröffne die Debatte und zu Wort gemeldet ist Herr GR Zierfuß. - Bitte. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Frau Stadträtin, werte Kolleginnen und Kollegen! Vor allem auch liebe Frau neue Gemeinderätin, liebe Judith, herzlich willkommen! Es ist das ein gutes Projekt, das sich auch auf die Schulen positiv auswirkt. Wir haben viele Rückmeldungen bekommen, die positiv sind, es sind gute Projekte dabei. Ich nehme auch wahr, dass hier ein gewisser Prozess ist, dass man auch wieder Projekte herausfiltert, also "COURAGE" zum Beispiel habe ich gesehen, ist nicht mehr drinnen, vielleicht auch das eine Entwicklung der letzten Zeit. Wir werden diesem Projekt also zustimmen. Ich möchte, bevor ich dann noch näher darauf eingehe, einen kurzen Exkurs zu vorhin wagen. Herr Kollege Ornig, Sie haben vorhin die Möglichkeit gehabt, inhaltlich auf die Kritik einzugehen, auf die Taschenspielertricks bei der Budgetsanierung dieses Jahr oder wie Sie das bei den Großbauprojekten machen oder bei der Mindestsicherung oder, oder, oder. (GR Markus Ornig, MBA: In fünf Minuten! - Weitere Zwischenrufe von GR Markus Ornig, MBA.) Das haben Sie alles nicht gemacht. (GR Markus Ornig, MBA: Fünf Minuten!) Es ist in Ordnung, wenn Sie nicht inhaltlich auf die Kritik eingehen wollen und nur polemisch sein wollen, aber dann braucht Sie halt auch keiner in der Stadtregierung, liebe NEOS. (Beifall bei der ÖVP.) Wenn wir jetzt bei diesem Projekt bleiben, dann fällt einem auf, dass gute Projekte dabei sind, aber dass auch 1 Million EUR übrig geblieben ist. Also ich glaube, dass es schade ist, wenn das übrig bleibt. Das liegt nicht an Ihnen, sondern an den Projekten, die nicht abgerufen worden sind. Da gilt es noch nachzubessern, dass dieses Geld, das da für die Schulen vorgesehen ist, in Zukunft auch tatsächlich abgeholt wird. Ich glaube, Sie arbeiten daran. Wenn wir uns die Probleme anschauen, die wir tatsächlich in den Schulen in Wien haben, dann sind diese vielschichtig. Da ist das Thema Deutschförderung, wir werden viel drüber diskutieren, ich werde das heute nicht noch einmal machen, obwohl es viel zu sagen gäbe. Die Hälfte der Schulanfänger versteht ja nicht einmal den Lehrer und muss als außerordentliche Schüler geführt werden. Gewalt an den Schulen ist ein großes Thema, wo die Zahlen sehr deutlich ansteigen, von einem Jahr auf das andere hat es sich verdoppelt, seitdem weiterhin auf einem sehr hohen Stand. Unsere Familiensprecherin Sabine Keri wird später noch näher auf das Thema eingehen. Wenn wir uns die Schulpflichtverletzungen anschauen, die extrem angestiegen sind, von 3 000 vor Corona auf 6 000 Anzeigen wegen Schulpflichtverletzungen, die jetzt mittlerweile pro Jahr stattfinden. Das sind also sehr viele Schüler, die einfach so viel in der Schule fehlen, dass Anzeigen folgen. Das ist nicht, dass man einmal den Turnunterricht am Nachmittag schwänzt oder einmal einen Tag zum Lernen, so wie das vielleicht einige hier im Saal schon einmal gemacht haben, sondern wirklich ein so eklatantes Fernbleiben von der Schule, dass Anzeigen folgen. Das ist ein riesiges Feld, wo man tatsächlich entsprechende Maßnahmen setzen muss, damit auch hier Schule wieder funktioniert. Wenn man sich anschaut, was diese Dinge sind, die man als Stadt im Bereich Gewalt tun kann oder im Bereich der Schulpflichtverletzungen, um da vielleicht auch Abhilfe zu leisten, dann wird man sehr schnell auch auf das Feld Schulsozialarbeit kommen, wo wir uns alle einig sind, dass dort mehr passieren muss. Ich habe auch einen NEOS- Antrag aus der Vergangenheit mitgebracht, der unserem sehr ähnlich ist. (Der Redner hält ein Schriftstück in die Höhe.) Frau Kollegin Emmerling, da waren Sie noch Kollegin und noch nicht Stadträtin, ein Antrag von Ihnen, 2020, vor Regierungseintritt, eingebracht, wo Sie gesagt haben, jede Schule braucht einen eigenen Schulsozialarbeiter. Ich hoffe, Sie sehen das noch immer so. (VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Das sehe ich immer noch so!) Es ist nur bei den Zahlen nicht sehr spürbar. Bei den 500 Pflichtschulen, die wir in Wien haben, gibt es 58 Vollzeitkräfte, also gibt es in Wahrheit nur einen für jede zehnte Schule. (VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: I know!) Wenn man sich anschaut, wie viele Schulen gar keine Versorgung durch Schulsozialarbeiter haben, dann sind es 400 der 500 Schulen. Da gibt es also noch einiges zu tun. Wenn man dann noch zum Themenfeld Schulärzte weiterschaut, wo es ja auch um Unterstützung geht, um in verschiedenen Bereichen mitzuhelfen, dann ist die Zahl sogar gesunken, von 58 auf 42. Es ist richtig, dass Kollege Hacker als Gesundheitsstadtrat dafür zuständig ist, aber auch da haben wir in der Vergangenheit nicht wirklich sehr ergiebige Antworten gehabt. Vielleicht setzen Sie sich auch beim Koalitionspartner ein, dass es in dem Themenfeld zumindest nicht zurückgeht, wenn es schon nicht nach oben geht. Da werden die multiprofessionellen Teams, die es ja nur an19 Schulen gibt, nicht helfen. Wir werden also diesem Projekt heute zustimmen, weil es ein gutes ist. Wir hoffen aber auch, dass bei allen Herausforderungen, die wir im Bildungsbereich sehen, vor allem auch in den Schulen, nicht ein Projekt, das gut ist, dann darüber hinwegtäuscht, dass es viele andere große Baustellen gibt: Gewalt an Schulen, Schulpflichtverletzungen, Schulsozialarbeiter, die fehlen, Deutschprobleme und vieles mehr. Wir wollen noch einmal darauf hinweisen - obwohl wir zustimmen -, dass es auch noch viele andere Baustellen gibt. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Arapovic. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic (NEOS): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Werte Vizebürgermeisterin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Schule, das ist mehr als Abarbeiten des Lehrplans. Die Schule ist mehr als eine Abfolge von Fächern, Kapiteln, Tests und Schularbeiten. Die Aufgaben der Schulen sind aber heute auch ziemlich weitreichend und weit über den Lehrplan hinaus vorgesehen. Der Lehrplan ist durchaus wichtig, weil er Struktur, Ordnung und eine gemeinsame Zielvorgabe gibt, aber der Lehrplan ist so wie jeder Plan, ein Dokument seiner Zeit und die Zeit selbst, das wissen wir alle, dreht sich schneller als wir das im Alltag mitbekommen und wahrnehmen. Ich habe es mir herausgesucht: Die Erde dreht sich wirklich ganz schnell. Wir in Wien drehen uns jetzt in diesem Moment mit 1 000 Kilometern in der Stunde um die eigene Achse, mit 100 000 Kilometern rasen wir - also in dieser Schnelligkeit - um die Sonne herum, und wir nehmen das hier und jetzt nicht wahr. Genauso schnell verändert sich der Alltag unserer Kinder und genauso oft leise. Es entstehen neue digitale Räume, bevor wir die alten noch verstanden haben. Es entstehen gesellschaftliche Herausforderungen, bevor sie im Lehrbuch stehen. Psychische Belastungen werden sichtbar, lange bevor es dafür einen Begriff gibt, geschweige denn, dass sie im Lehrbuch stehen. Und die Fragen der Demokratie, des Klimas, der Vielfalt stellen sich ständig und auf eine immer neue und andere Art und Weise. Kein Lehrplan, egal wie oft er aktualisiert wird, kann mit diesem Tempo mithalten. Er kann nicht jede Schule, jede Klasse, jede Lebensrealität abbilden, mit denen unsere Kinder täglich konfrontiert sind. Daher ist es wichtig, dass es hier gerade die Bildungschancen gibt, denn gerade die Bildungschancen spicken, bereichern diesen Lehrplan so, dass man in der Schule den Anforderungen der Kinder, der Klasse, der Lehrerinnen und Lehrer auch entsprechen kann. (Beifall bei den NEOS.) Uns NEOS ist die Chancengerechtigkeit tatsächlich ein großes politisches Anliegen und mir auch ein sehr persönliches, weil ich weiß, dass Kinder nicht mit den gleichen Voraussetzungen ausgestattet sind. Viele kämpfen mit der Sprache, andere mit sozialen Hürden, aber auch mit Unsicherheit oder fehlender Unterstützung. Mit den Bildungschancen schaffen wir, dass es eine Plattform, dass es Angebote für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrenden, aber auch für die Schulen gibt, die diesen Anforderungen entsprechen können und die Workshops, Kurse, Ausflüge und Ähnliches anbieten, um diesen Anforderungen zu entsprechen. Seit dem Schuljahr 2023 haben fast eine halbe Million Schülerinnen und Schüler an diesen Angeboten teilgenommen und davon profitiert. Allein im letzten Schuljahr waren es über 280 000 Kinder aus mehr als 12 000 Klassen. Ich meine, das sind wirklich Zahlen. Von 480 Schulen in Wien haben 475 daran teilgenommen. Allein das zeigt, was für ein immenser Erfolg diese Bildungschancen sind - und wir sind wirklich sehr stolz darauf. Wie Kollege Zierfuß vorher auch gesagt hat, gibt es Kurse und Workshops, die mehr in Anspruch genommen werden und andere vielleicht weniger. Man muss schon erwähnen, dass laufend Kurse und Angebote entstehen und sich der aktuelle Stand ständig verändert. Manche Kurse sind gerade hochgeladen worden, andere gibt es seit drei Monaten. Daher gibt es keinen Gleichstand, damit man auch vergleichen kann, wie oft und wie intensiv manche Kurse beansprucht werden. Das ändert sich ständig. Deswegen freue ich mich auch, dass wir für das kommende Jahr 2,7 Millionen EUR für die Wiener Bildungschancen vorgesehen haben. Grundsätzlich sind es immer 4 Millionen EUR, die wir in einem Schuljahr vorsehen. Diesmal aber ist es zu einem Überhang gekommen, und daher ist diese Summe auch reduziert worden. Jede Klasse in Wien wird ungefähr 615 EUR zur Verfügung haben, die sie für die eigene Klasse einsetzen kann, aber auch klassenübergreifend für schulweite Projekte. Das stärkt aber schon auch die Autonomie, die Autonomie der Schulen, der Klassen und überhaupt unseres Bildungssystems in Wien. Die gesamte Abwicklung erfolgt über WIENXTRA, und ich muss sagen, vorgestern bin ich auf der Plattform gewesen. Ich habe mir auch angeschaut, wie diese Plattform aufgebaut ist, und es ist wirklich sehr niederschwellig, sehr übersichtlich. Die Angebote kann man wirklich sehr gut sortiert herausfinden, je nachdem, wo welcher Bedarf in einer Klasse, in einer Schule ist, kann man wirklich gezielt dieses Angebot finden. Was mir aber auch wichtig ist, ist zu sagen, dass die Kurse, die da angeboten werden, auch alle geprüft sind, dass es auch laufend Feedbackrunden gibt, dass eigentlich alle Kurse den Qualitätskriterien entsprechen müssen und vom unabhängigen Beirat sind die Kursanbieterinnen und -anbieter akkreditiert. Was auch wichtig ist in dieser Zeit, das ist jetzt auch sehr oft in den Medien, dass es verpflichtende Kinder- und Jugendschutzkonzepte dafür gibt. Ich muss ehrlich sagen, ich kann mich auch an meine Schulzeit erinnern. Ich weiß, gerade diese außerordentlichen Kurse, Workshops, Ausflüge, die wir unternommen haben, haben unseren Schulalltag schon sehr belebt, lebendiger gemacht, greifbarer gemacht, haben Abwechslung hineingebracht. Gerade diese Workshops haben sich auch in die Erinnerung so stark eingeprägt und haben uns als Klasse sehr gestärkt. Daher bin ich wirklich sehr froh darüber, dass diese Chancen auch Kinder haben, unabhängig davon, aus welchem Haushalt sie kommen, unabhängig davon, wie stark die Schule ist, wie stark die Klasse ist, wie stark der Elternverein ist. Diese Kurse sind wirklich für alle zugänglich, unabhängig auch davon, mit welchen Herausforderungen sich die Kinder im Alltag beschäftigen müssen, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen. Es ist einfach weit über Wien und wie vorher gesagt, 475 von 480 Schulen haben daran teilgenommen. Das ist wirklich ein Megaerfolg und von dem her bitte ich um breite Zustimmung. - Danke schön. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Felix Stadler. - Bitte Herr Kollege, Sie haben das Wort. GR Felix Stadler, BSc, MA (GRÜNE): Vielen Dank, sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Auch wir GRÜNE werden dem vorliegenden Poststück der Wiener Bildungschancen von WIENXTRA zustimmen. Ich kann als Lehrer, aber auch als Politiker sagen, es ist ein ganz gutes Programm, es ist ein nettes Programm. Wir können als Lehrerinnen und Lehrer wirklich aus einer Fülle an Angeboten auf einer wie schon erwähnt gut übersichtlichen Homepage mit auch qualitätsgeprüften Angeboten etwas aussuchen, was wir dann an unseren Schulen, in unseren Klassenzimmern tatsächlich verwenden können, anwenden können und die Workshops auch genießen können. Das ist für die Lehrerinnen und Lehrer, aber auch für die Schülerinnen und Schüler ein gutes Angebot und deswegen stimmen wir hier zu. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS.) Ich möchte aber auch gleichzeitig sagen - und diese Kritik kam schon öfter -, es ist nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein, es verfehlt den heißen Stein sogar. Den heißen Stein greifen Sie nämlich nicht einmal an. Die Basics des Bildungssystems, die Basics dessen, was wir tagtäglich an den Schulen machen müssen, die tägliche Arbeit von hunderten und tausenden Unterrichtsstunden, die an den Schulen, an den Volksschulen, Mittelschulen in dieser Stadt passieren, werden durch dieses Programm nicht einmal im Ansatz berührt. Daher ist die Kritik, dass Sie ein schönes Add-on an das Bildungsprogramm machen, das man auch irgendwie gut herzeigen kann. Die wirklichen Basics und das Fundament des Bildungssystems lassen Sie aber liegen, und dort greifen Sie auch als angebliche Bildungspartei die Probleme nicht einmal wirklich an. So zu tun, wir haben das vorher von Kollegin Arapovic gehört, als würde das Programm der Bildungschancen die Bildungschancen einzelner Kinder tatsächlich verbessern, ist absolut vermessen. Ich sage das vielleicht auch aus der Praxis. Wir haben diese Workshops, sie dauern zwei, drei Stunden an einem Tag in einer Klasse, im Verhältnis zu über 1 300, 1 400 Unterrichtsstunden, die diese Klasse im Jahr hat. Das sind also zwei, drei nette Stunden, verändern die Bildungschancen der Kinder an den Schulen aber wirklich nicht weitgehend. Dafür müssen Sie sich tatsächlich andere Dinge einfallen lassen als so ein Programm der Wiener Bildungschancen. Ich möchte, nachdem ich schon die eine Metapher gebracht habe, bei einer anderen Metapher bleiben. Wenn man sich das Wiener Bildungssystem als Haus vorstellt - und man will da irgendwie ein solides, schönes Haus hinstellen -, dann sind die Wiener Bildungschancen vielleicht so etwas wie ein netter Blumentopf, den man an das Fenster hängt und dann irgendwie ein nettes Add-on am Haus hat. Währenddessen bricht Ihnen aber bei Ihrem Haus des Wiener Bildungssystems das Fundament völlig weg. Während Sie also jetzt hierher zeigen und sagen, wir haben nette Programme für unsere Schulen, bricht Ihnen das Eigentliche, nämlich das Fundament des Wiener Bildungssystems weg, um das Sie von den NEOS sich auch als angebliche Bildungspartei leider nicht kümmern. (Beifall bei den GRÜNEN.) Was wäre dieses Fundament des Wiener Bildungssystems? - Das wären genug Lehrerinnen und Lehrer, das wären genug Direktorinnen und Direktoren an Wiens Schulen. Ich möchte nur noch einmal daran erinnern, wir hatten letztes Jahr an der Hälfte aller neu besetzten Schulen keine einzige Bewerbung für den DirektorInnenposten. Es wären genug Lehrerinnen und Lehrer, genug Direktorinnen und Direktoren, gescheit renovierte Gebäude. Es ginge darum, eine effiziente Verwaltung zu haben, dass die LehrerInnen rechtzeitig ihre Verträge bekommen, dass die LehrerInnen richtige Verträge bekommen, dass die LehrerInnen rechtzeitig ein richtiges Gehalt bekommen. Oder auch im Elementarbereich, was wäre dort das Fundament? - Dass es genug PädagogInnen gibt, dass es genug KindergartenleiterInnen gibt, dass es genug AssistentInnen gibt, dass diese AssistentInnen und KindergartenpädagogInnen ihren Job ordentlich machen können, dass die Gruppen nicht übergroß sind. All das wäre das Fundament eines Bildungssystems, das Lehrerinnen und Lehrern und Kindern tagtäglich etwas bringen und die Chancen verbessern würde und nicht ein Add-on-Programm, das ganz nett ausschaut, für das wir auch sind, aber das mit Sicherheit nicht die tagtägliche Arbeit und die Bildungschancen tatsächlich verbessert. Kümmern Sie sich wirklich lieber um das Fundament des Bildungssystems, um das Fundament der Schulen und der Elementarbildung, als nur schön ausschauende Programme in die Welt zu setzen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich möchte noch auf einen Aspekt dieses Fundaments ein bisschen näher eingehen - wir haben schon oft darüber gesprochen, Kollege Zierfuß hat es vorher auch erwähnt - und das ist das Sprachenlernen oder in unserem Fall natürlich auch ganz oft das Lernen der deutschen Sprache. Wir haben es in den letzten Jahren leider hier sehr oft diskutieren müssen, die Zahlen kennen Sie alle. Es ist knapp die Hälfte aller ErstklässlerInnen an Wiens Volkschulen, die nicht ausreichend Deutsch kann, um den Unterricht folgen zu können. Sie sind sogenannte außerordentliche SchülerInnen, die in die Schule kommen, in eine Wiener Volkschule kommen und zu einem Großteil in Wien in einem Kindergarten waren. Bis zu 80 Prozent dieser SchülerInnen, die außerordentlich sind in der ersten Klasse Volksschule, waren in Wien in einem Kindergarten - und das bis zu zwei Jahre lang. Das zeigt uns, dass die Sprachförderung an den Kindergärten Wiens leider systemisch versagt. Es wird diesen Kindern systemisch versagt, die Sprache ordentlich zu lernen und daher Bildungschancen zu haben. Wenn Sie ein Programm Bildungschancen nennen, dann wäre es angemessener, ein Programm so zu nennen, das die Sprachförderung im Kindergarten auf ordentliche Beine stellt und wirklich allen Kindern die Chancen gibt, ordentlich Deutsch zu lernen, das den Namen auch verdient hätte. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn wir in den letzten Wochen auch hören mussten, dass Ihre Sprachförderprogramme endlich greifen, weil es weniger außerordentliche Schülerinnen und Schüler gibt, muss man schon dazusagen, dass es fast nur in den Mittelschulen weniger außerordentliche SchülerInnen gibt. Dort gibt es deshalb weniger, weil die einfach die Schule verlassen, weil sie alt genug sind, um in eine höhere Schule zu gehen. An den Volkschulen gibt es kein einziges Zehntelprozent weniger außerordentliche SchülerInnen. Also so zu tun, als wäre die Sprachförderung, die die Stadt Wien macht, in den Kindergärten und Volkschulen effektiv, weil es weniger außerordentliche SchülerInnen gibt, ist einfach eine Augenauswischerei. Es gibt in der Volkschule genauso viele außerordentliche SchülerInnen wie noch vor einem oder zwei Jahren. Wir schlagen daher vor, was wir schon oft gesagt haben: Es braucht endlich eine effiziente und effektive Deutschförderung im Kindergarten. Wir werden dann auch bei den nächsten Poststücken Anträge dazu einbringen. Derzeit gibt es an 258 von 622 Kindergartenstandorten, die einen Bedarf an Deutschförderung hätten, keine einzige Stunde Deutschförderung. Das sind über 40 Prozent aller Kindergartenstandorte in dieser Stadt, die den Bedarf hätten, aber keine einzige Stunde Sprach- und Deutschförderung bekommen. Das ist tatsächlich ein systemisches Versagen, das nicht länger hinzunehmen ist. Wir stellen daher wieder den Antrag, dass alle Kindergartenstandorte, die den Bedarf haben, endlich auch eine Deutsch- und Sprachförderkraft bekommen sollen, damit diese Kinder bessere Lebens- und Bildungschancen später im Leben haben. Wir werden, wie gesagt, dem vorliegenden Poststück zustimmen, plädieren aber schon sehr dafür: Kümmern Sie sich um das Fundament des Bildungssystems, nicht um nette Programme, die gut herzuzeigen sind. Kümmern Sie sich darum, dass LehrerInnen, PädagogInnen, KindergartenleiterInnen und DirektorInnen ihren tagtäglichen Job jeden Tag in der Klasse, in der Kindergartengruppe ordentlich machen können. Dann kann man über Zusatzprojekte reden, aber vor allem braucht dieses System einmal ein ordentliches Fundament. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Krauss. - Bitte, Herr Gemeinderat, Sie haben das Wort. GR Maximilian Krauss, MA (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren! Gehen wir kurz gedanklich zehn Jahre zurück, damals 2015, die NEOS mit sehr vielen Versprechungen. Die NEOS haben damals versprochen, wenn sie einmal in Verantwortung kommen, dann werden sie den Kindern die Flügel heben, dann werden die Schulen Paläste werden, dann wird alles besser werden. 2020, fünf Jahre später, haben sie dann diese Verantwortung im Bildungssystem bekommen, die sie immer wollten und jetzt fünf Jahre später, würde ich Sie fragen: Können Sie mir drei Dinge nennen, die messbar besser geworden sind, seitdem Sie Verantwortung haben? - Nein. Ich könnte es auch nicht. Da ist Schweigen im Walde, weil einfach wirklich alles noch einmal schlechter geworden ist - und das von einem niedrigen Niveau. Und wenn man als Partei angetreten ist, um genau im Bildungsbereich Verbesserungen zu bringen und dann nach fünf Jahren konkreter Verantwortung die beiden Spitzenrepräsentantinnen hier in der ersten Reihe kein einziges Projekt nennen können, wo irgendetwas messbar besser geworden ist, dann ist das eine echte Bankrotterklärung für das Bildungssystem in Wien, und das haben in Wahrheit Sie zu verantworten. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn man sich dann umgekehrt anschaut und sich dabei einfach nur an die Fakten hält, was schlechter geworden ist im Bildungsbereich, von dieser rot-pinken Koalition verursacht, dann sieht man, dass sich das in Wahrheit quer durch alle messbaren Parameter zieht. Wir haben jetzt mehr Schulabbrecher als vor fünf und vor zehn Jahren, wir haben jetzt schlechtere Zahlen im Deutschbereich, wir haben größere Probleme, Lehrer anzuwerben, wir haben riesige Probleme, die ganze Schulinfrastruktur aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Alles was messbar ist, hat sich in den letzten fünf Jahren unter Rot-Pink verschlechtert. Und daran wird auch diese Subvention, die Sie heute wieder einmal beschließen, um einem privaten Verein Geld zuzuschießen, überhaupt nichts ändern. (Beifall bei der FPÖ.) Die NEOS haben damals auch versprochen, im Bildungsbereich müssen die Klassenzimmer ausgelüftet werden, die Parteipolitik muss raus aus diesen ganzen Vereinen und aus dieser ganzen Misswirtschaft, wie Sie es damals auch genannt haben. Was ist in Wahrheit passiert nach fünf Jahren? - Es hat sich überhaupt nichts in der Struktur geändert. Es sitzen jetzt halt auch ein paar NEOS-Politiker in den Vereinen drinnen, die massiv dotiert und massiv gefördert werden, so wie auch im heutigen Fall. Das heißt, auch im ganzen strukturellen Bereich, wo Sie viel versprochen haben, haben Sie überhaupt nichts gehalten, sondern sind in Wahrheit mit der SPÖ im Vereinssystem aufgegangen und haben keine Verbesserungen qualitativer Art herbeiführen können. (Beifall bei der FPÖ.) Es wurde heute schon angesprochen, die Zahlen der außerordentlichen Schüler sind in Wahrheit so schlecht wie noch nie und schockierend, die allermeisten sind bereits in Wien in den Kindergarten gegangen. Das zeigt, dass Ihr System des Gratiskindergartens, das grundsätzlich ja ein gutes ist, überhaupt nicht funktioniert, weil die Qualität der Kindergärtnerinnen, der Pädagogen beziehungsweise das Deutschniveau in vielen Fällen nicht funktioniert, oftmals sogar auch noch ein Kopftuch getragen wird von den Pädagoginnen und damit auch gleich eine gewisse negative Vorbildrolle eingenommen wird und ihr ganzer Bildungsweg im Kindergarten einfach dazu führt, dass am Ende die Pädagogen nicht gut Deutsch können, die Kinder nicht Deutsch lernen und wir dann die höchsten Zahlen an außerordentlichen Schülern in Wien haben, in vielen Bezirken über 50 Prozent bei der Einschulung. Eine größere Bankrotterklärung, als dass die Kinder nach dem verpflichtenden Kindergarten, die diesen oftmals auch länger als ein Jahr besuchen, nicht einmal genug Deutsch verstehen, um überhaupt benotet werden zu können, gibt es, glaube ich, nicht. Auch das zeigt, wie Rot mit pinker Unterstützung unser Bildungssystem bereits bei den Kleinsten kaputt gemacht hat. (Beifall bei der FPÖ.) Unser freiheitlicher Vorschlag liegt am Tisch. Was wir bräuchten, sind endlich Sprachstands-Screenings ab dem dritten Lebensjahr, um herauszufinden, in welchen Familien überhaupt nicht Deutsch gesprochen wird, welche Kinder ein wenig Deutsch können, wo es noch Förderung braucht, wo es aber vielleicht auch noch Druck braucht und wenn der Druck nicht erfolgreich ist, das Streichen von Sozialleistungen. Mit Ihrer Politik, den Kindergarten vielleicht ein bisschen zu verlängern, ein paar Millionen Euro an private Vereine zu verschieben, wo Ihre Funktionäre drinsitzen, mit dieser Politik wird sich in Wien nichts verbessern. Deswegen werden wir auch den heutigen Subventionen nicht zustimmen. Der Verein WIENXTRA hat über die letzten zehn Jahre gerechnet übrigens weit über 100 Millionen EUR erhalten - weit über 100 Millionen EUR für einen privaten Verein! Offenbar hat es nichts gebracht, sonst wären die Zahlen nicht so wie sie sind. Was wir bräuchten, wären Verbesserungen in der Struktur, was wir bräuchten sind Sprachstands-Screenings ab dem dritten Lebensjahr, und was wir brauchen, ist ein Wegkommen von Ihrer linken Wegschau- und Laissez-faire-Politik. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Poljak. - Bitte, Herr Gemeinderat, Sie haben das Wort. GR Nikola Poljak, BA, MA (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe eigentlich eine Rede vorbereitet, aber jetzt muss ich zuerst ein paar Sachen korrigieren. Zum Vorredner sage ich gar nichts, da habe ich nicht viel Inhalt erkannt. Also Sprachscreenings bei Dreijährigen, ich weiß nicht, welchen Sinn das hat, denn die Sprachentwicklung beginnt erst da. (GR Maximilian Krauss, MA: Das überrascht mich nicht, dass Sie das nicht wissen!) Das ist einmal das Eine. Dann möchte ich den GRÜNEN ein Zitat mitgeben, das ich von einem Geschäftsführer von "Rettet das Kind" vor kurzem gehört habe. Er hat gesagt, im Endeffekt arbeiten wir viel in der Jugendarbeit und auch bei solchen Workshops mit Kindern und Jugendlichen, investieren viel hinein und meistens sehen wir den Output nicht sofort. Das heißt, selbst der Drei-Stunden-Workshop kann einen Effekt haben, also lieber tun, als nicht tun. (Zwischenruf von GR Felix Stadler, BSc, MA.) Zur Schulsozialarbeit - Kollege Zierfuß ist jetzt natürlich nicht da. (Zwischenruf bei der ÖVP: Oh ja, da steht er!) - Aber er hört nicht zu. Zur Schulsozialarbeit, das betrifft nämlich die ÖVP und die GRÜNEN, muss ich zwei Korrekturen von mir geben. Immer zu sagen, das ist nicht genug, das ist nicht gut genug: Ja, Sie haben recht, es ist nie genug Schulsozialarbeit, aber es gab in der letzten Bundesregierung zwei Ankündigungen, und es gab keine einzige Person mehr. Beim ersten Mal haben wir uns gedacht: Wow, was passiert jetzt, wir werden aufgedoppelt, wie viele kommen jetzt? - Gekommen sind null! Und beim zweiten Mal haben wir nur noch gelacht, weil das ein Witz war. (Zwischenruf bei den GRÜNEN: Ist das nur Ländersache?) - Nein, ist es nicht, darüber können wir einmal extra diskutieren. Es ist Länder- und Bundessache, weil es fifty-fifty finanziert wird. Sie können mich gerne korrigieren, aber es ist beim Bundesministerium angesiedelt. So aber nun zum Thema. Zunächst einmal möchte ich Danke sagen zu WIENXTRA und zu diesem phänomenalen Projekt. Ich muss ehrlich sagen, ich war wahnsinnig skeptisch gegenüber dem Projekt, weil ich mir gedacht habe, dass das zu bürokratisch für die Schulen wird. Sie haben es aber so niederschwellig geschafft, das wirklich fast jede Schule das abgeholt hat. Es ist nicht viel Budget übrig geblieben. Ich bin mir sicher, heuer wird es auch aufgebraucht werden, weil der Bedarf einfach da ist. Vielen Dank an WIENXTRA, an die MitarbeiterInnen, dass sie das so schnell aus dem Boden gestampft haben, so ein geiles Programm aufgestellt haben für unsere Kinder. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Nun zu meinem vorbereiteten Text, den (erheitert) muss ich auch noch ablesen. Wenn wir über Wien sprechen, dann sprechen wir über eine vielfältige, eine starke und stolze Stadt, das Herz von Österreich, über die Stadt von arbeitenden Menschen, Familien, Hoffnungen, Träume und dem wichtigsten Punkt, der Jugend, die sich Tag für Tag ihren Platz erkämpft. Wenn wir heute über Jugend sprechen, dann reden wir nicht nur über eine Altersgruppe, wir reden über die Zukunft der Stadt, über jene, die morgen entscheiden werden, wie Wien aussieht, wie wir hier leben und wofür Wien steht. Deshalb braucht unsere Jugend Perspektive, ein Sprungbrett, sie braucht Bildung, und sie braucht diese Workshops. Sie braucht Orte, an denen sie gehört und gesehen wird. Die Wiener Bildungschancen öffnen unsere Schulen dafür, sie öffnen Türen für Kultur, für Demokratiebildung, digitale Kompetenz, Kinder- und Jugendarbeit, kreative Entfaltung und soziale Teilhabe. Was für mich das Wichtigste ist - ich bin ein Favoritner Kind -, im 10. Bezirk haben nicht alle die Ressourcen, sich so etwas leisten zu können, und es ist wahnsinnig wichtig, dass das kostenlos ist. Das heißt, es ist egal, wo ich wohne, es ist egal, wie groß das Einkommen meiner Eltern ist, ich habe die Möglichkeit etwas Neues auszuprobieren, mich zu entfalten und weiterzuentwickeln. Und das ist unsere Pflicht. Ja, das Projekt kostet etwas, aber es wäre wahrscheinlich teurer, das nicht zu tun. Wir als SPÖ sagen klar, wir investieren mit diesem Projekt nicht nur in einen Verein, nein, das ist eine Investition in jedes einzelne Kind unserer Stadt und genau deshalb - die FPÖ ist wieder einmal weg! - richte ich heute einen deutlichen Appell an alle Fraktionen, insbesondere an jene, die sich immer als Leistungspartei, als Partei der Verantwortung und Zukunftssicherung darstellen. Wenn Sie es ernst meinen mit der Leistung, dann sorgen wir dafür, dass jedes Kind eine faire Möglichkeit bekommt und überhaupt eine Leistung erbringen kann. Wenn wir es ernst meinen mit Verantwortung, dann tragen wir jetzt hier im Gemeinderat bei und stimmen dafür, anstatt später auf Mängel zu zeigen. Und wenn wir es ernst meinen mit der Zukunft, dann stimmen wir dem Projekt zu, das Kindern ermöglicht, eine Zukunft selber zu gestalten. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Zum Schluss habe ich mir noch etwas Lustiges einfallen lassen. Ich würde gerne ein paar Workshop-Themen vorlesen, denn es gibt ein paar Workshops, die einige Parteien vielleicht ein bisschen bräuchten, denen sie auch nicht schaden würden. Da würde ich gerne ein paar hier einfach salopp vorlesen. Ein Thema ist "Verschwörungsnarrative und Extremismusprävention" (Beifall bei SPÖ und NEOS), ein anderes "Gemeinsam stark gegen Gewalt", super wichtig, weil lieber vorher agieren und die Kids wegbringen davon als später, wenn es zu spät ist. Dann ein super Workshoptitel: "Extrem ist nie gut" (Beifall bei SPÖ und NEOS), weil wir immer hören, was die Kinder alles falsch machen. "Respekt ist keine Einbahnstraße" (Beifall bei SPÖ und NEOS), "Vorurteile, Antidiskriminierung und Solidarität" (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Gibt es so etwas für den Gemeinderat auch?) und das letzte Zuckerl habe ich mir natürlich für die Blauen aufgehoben: "Rollen hinterfragen und Geschlechter verstehen". (Beifall und Heiterkeit bei SPÖ und NEOS.) - Danke schön. Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Keri. - Bitte Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Sabine Keri (ÖVP): Danke schön. - Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Berichterstatterin, sehr geehrte Frau Stadträtin, werte Damen und Herren! Grundsätzlich finden wir das Projekt nicht schlecht. Wir finden es auch gut auf Grund dieser Vielfalt, die hier angeboten wird. Ich möchte aber schon auch ein bisschen auf meine Kollegin Arapovic von den NEOS eingehen. Sie haben gesagt, der Lehrplan kann nicht alles abdecken und die Bildungschancen sind dazu da, den Speed, den die Kinder brauchen, abzudecken, so in dieser Art. Da muss ich Ihnen absolut widersprechen, denn die Bildungschancen, da muss ich Herrn Kollegen Stadler von den GRÜNEN recht geben, sind ein Goodie. Das Budget von 600 EUR pro Klasse, das haben Sie auch selber gesagt, ist ein Workshop im Jahr pro Klasse. Da gibt es nichts zum Auffangen, es ist ein Goodie, aber bitte hören Sie auf, die Bildungschancen immer wieder dafür in die Verantwortung zu nehmen, dass eigentlich die Stadt Wien die Verantwortung für ein ordentliches Bildungssystem hat. (Beifall bei der ÖVP.) Die Bildungschancen bieten viel an, viele Workshops, viele Vorträge, viele Ausflüge. Die Schulen und die Klassen können aussuchen, was sie brauchen, was sie gerne hätten, wo sie die Kinder stärken können, wo die Gemeinschaft gefördert wird und wo die Interessen sind. Das ist gut, so soll das Bildungssystem auch funktionieren, und wie gesagt, es ist wichtig, dass man eigentlich diese Goodies auch hat. Gleichzeitig brauchen die Lehrerinnen und Lehrer auch die Sicherheit, dass die Anbieter seriös sind, Stichwort Kinderschutz, und auch das wird hier gewährleistet. Wir haben uns die Top 4-Workshops angesehen und Platz 1 sind die Buchungen zum "Pädagogischen Entlastungsprogramm", Platz 2 und Platz 3 sind Sportangebote und Platz 4 ist "Handy und Internet sicher nutzen". Ich bin eine Freundin des Über-den-Tellerrand-Schauens und des Hinterfragens. Ich denke mir schon, dass wir in der Politik jetzt daraus sehen, was dort gebucht wird, wo eigentlich die Bedürfnisse liegen. Damit müssen wir uns auch auseinandersetzen und besonders auch die Stadt Wien sollte sich damit auseinandersetzen. Denn wenn man sich den Sieger ansieht, das "Pädagogische Entlastungsprogramm", das fördert entspanntes Lernen, entlastet die Lehrkräfte, bietet alltagstaugliche Werkzeuge für eine stressfreie und motivierte Wissensvermittlung. Die Lehrkräfte buchen das wirklich sehr gerne, weil sie selbst auch entlastet werden beziehungsweise man ihnen auch Werkzeuge zur Entlastung gibt. Das zeigt, dass Lehrerinnen und Lehrer wirklich Entlastung brauchen. Mein Kollege Harald Zierfuß hat heute auch betont, dass die Herausforderungen im Schulalltag ständig wachsen. Deswegen muss die Stadt Wien hier auch endlich tätig werden. Denn ist es gut, dass sich die Lehrkräfte die Hilfe holen und diesen Workshop buchen? - Ja, natürlich, aber ist es nicht die ureigenste Aufgabe der Stadt Wien, Lehrer und Lehrerinnen zu entlasten und für Unterstützungspersonal zu sorgen und nicht mit einem Workshop im Jahr? (Beifall bei der ÖVP.) Denn - ich möchte es jetzt noch einmal wiederholen -, denn vielleicht kommt die Zahl irgendwann einmal an: 58 Vollzeit-Schulsozialarbeiter gibt es für 500 Wiener Pflichtschulen; das heißt, 400 der Wiener Pflichtschulen haben keinen Schulsozialarbeiter, und das ist schon etwas, wofür die Stadt Wien die Verantwortung hat - nicht der Bund, nicht die Bildungschancen, nicht die Eltern. Es ist die Stadt Wien. (Beifall bei ÖVP und GRÜNEN.) Ich möchte jetzt gerne auch noch auf Platz 2 und 3, Sport- und Bewegungsangebote, eingehen. Da sieht man so richtig, dass die wirklich viel gebucht werden. Das zeigt aber, dass die Kinder wirklich ein Bedürfnis nach Bewegung haben. Eine Schule kann aber nicht alles abdecken, das müssen wir jetzt auch einmal ehrlich sagen. Das heißt, es braucht schon eine gute Zusammenarbeit mit den Sportvereinen, die es in dieser Stadt gibt. Und da muss man sich wirklich anschauen, wie man zusammenarbeiten kann. Ja, viele Vereine brauchen mittlerweile Unterstützung bei der Instandhaltung ihrer Anlagen. Aber wenn man sich anschaut, wie der Trend ist, wenn man sich anschaut, wie die Bedürfnisse nach Bewegung sind, dann hat auch da die Stadt Wien die Verantwortung, mit diesen Vereinen eng zusammenzuarbeiten. Denn das ist schon wichtig, Sport ist etwas für Teambildung, Sport ist eine Gesundheitsprävention, Sport bildet das Selbstbewusstsein und fördert die Klassengemeinschaft. Er ist wirklich ein wichtiges Tool, mit dem man arbeiten muss. Es ist auch wirklich wichtig, dass wir die Sportvereine hier unterstützen. Es braucht aber nicht nur die Zusammenarbeit mit den Sportvereinen, sondern man muss sich auch ein bisschen überlegen, was die Stadt Wien denn sonst noch im Sportbereich machen kann. Die Sportarena im 2. Bezirk zeigt so richtig, wie sehr die Bedürfnisse da sind und wie schnell die Sportarena ausgebucht war. Jetzt sind es nicht nur die Vereine - und es sind viele Vereine, die nach wie vor Stunden brauchen, in denen sie in Hallen trainieren können, es haben aber leider nicht alle Vereine in der Sportarena Platz. Unabhängig von der Sportarena sieht man immer, wie die Besucheranzahlen steigen. Erst vor kurzem, und da wird mir Herr Kollege Löcker von den GRÜNEN wahrscheinlich recht geben, waren die Qualifikationsspiele des österreichischen Damennationalteams in Basketball für die FIBA - und die waren so gut wie ausverkauft. Deswegen sage ich immer: Man sieht so richtig, bei den Sportbedingungen braucht es wirklich noch Unterstützung. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder gesund bleiben, dann müssen wir auch in den Sport investieren. Wir haben dann als Platz 4 eben die Handy- und Internetsicherheit. Dieses Thema wird immer größer und wird eine immer größere Herausforderung, denn es geht dabei nicht um die tägliche Diskussion, die wir Eltern mit unseren Kindern über die Handyzeit haben, sondern es geht auch um Cyberkriminalität. Besonders in der 5. Schulstufe ist es wichtig, wie sich sowohl die Kinder als auch die Eltern mit diesem Thema auseinandersetzen können. Wir haben heute auch schon gehört, dass es Gewaltprävention braucht. Ja, es gibt das Programm "Respekt: Gemeinsam stärker", und dazu möchte ich auch noch kurz einen Punkt anbringen. Insgesamt haben mittlerweile 30 Schulen dieses Programm durchlaufen, seit September sind es zehn weitere. Das ist gut, aber damit sind es 40. Das sind 40 Schulen von 500. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen, brauchen wir noch weitere 50 Jahre, um eine flächendeckende Gewaltprävention an Schulen zu schaffen. Das ist nicht wirklich flott. Und weil ich auch immer eine sehr große Freundin von Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit bin: Es gibt sehr wohl ein weiteres Programm, nämlich das "UNDER18" des Bundeskriminalamtes. Dieses kostet den Schulbetreibern und der Stadt Wien keinen Cent. Es ist in den Jahren 2018 und 2019 präsentiert worden, es gibt 23 Präventionspolizistinnen und -polizisten. Ich würde mir da wirklich eine vertiefende Zusammenarbeit mit der Stadt und mit den Schulen wünschen, und dass man da nicht immer nur die Augen verschließt. Abschließend, ja, die Bildungschancen sind ein gutes Projekt, und ja, wir werden es unterstützen. Aber die Bildungschancen haben nicht die Aufgabe, die Verantwortung der Stadt Wien zu übernehmen. Und ein Workshop pro Klasse und Jahr spricht eben die Stadtregierung nicht von der Verantwortung in vielen anderen Bereichen frei - nicht im Bereich der Schulsozialarbeit, nicht im Bereich der Sportförderung, nicht im Bereich der Gewaltprävention und nicht im Bereich der Entlastung von Pädagoginnen und Pädagogen. - Danke vielmals. (Beifall bei der ÖVP und von GR Johann Arsenovic.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. Als Nächster zum Wort gemeldet ist Herr Abg. Burian. Ich erteile es ihm. GR Mag. Lukas Burian (NEOS): Vielen herzlichen Dank. Das ist ja mit dem Mikrofon immer so eine Sache. Ja, die Wiener Bildungschancen, und das lassen wir uns als Aufschwungskoalition nicht kaputtreden, sind in Wirklichkeit eine einzige Erfolgsgeschichte. (Beifall bei den NEOS.) - Danke schön. - Da könnt ihr so viel motschgern, wie ihr wollt, liebe Kolleginnen und Kollegen, aber das pickt! Die Wiener Bildungschancen sind ein echtes Erfolgsmodell. Was als Idee begann, nämlich Schule gezielt und auch unbürokratisch bei ihrer Arbeit zu unterstützen, ist heute ein zentraler und lebendiger Bestandteil der Wiener Bildungslandschaft. Und, liebe Sabine Keri, wer 15 Jahre im Bund das Bildungsministerium besetzt und nicht weiß, dass die Lehrer schon Bundessache sind - da bin ich jetzt relativ überrascht (Zwischenruf von GR Harald Zierfuß.), wenn du uns sagst, die Stadt Wien soll mehr Lehrer anschaffen. Was machen wir denn, bitte? - Wir holen die administrativen Unterstützungskräfte, wir haben die multiprofessionellen Teams hierhergebracht. Wir machen alles, um jede einzelne Lehrerin und jeden einzelnen Lehrer in Wien zu unterstützen. Und ihr stellt euch hier her und sagt, wir machen nichts. Das ist ja wirklich eine bodenlose Frechheit. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - Zwischenruf von GR Felix Stadler, BSc, MA.) Zurück zum Thema. Über die Plattform WIENXTRA können Lehrerinnen und Lehrer rasch und einfach jene Workshops finden, die ihre SchülerInnen stärken, sei es durch soziales Lernen, kreative Projekte, Medienkompetenz und - mir ja ein besonderes Herzensanliegen - die Demokratiebildung und Gewaltprävention. So wird Bildung konkret erlebbar gemacht, ohne Hürden, ohne finanzielle Barrieren. Es geht aber immer auch darum, dass man natürlich auch die Schülerinnen und Schüler mit an die Hand nimmt und in den Entscheidungsfindungsprozess miteinbezieht. Dieses Programm stärkt also auch wie kaum ein anderes die Unabhängigkeit der Schulen. Nicht wir entscheiden, welche Workshops ausgewählt werden, sondern es wird in den Schulen von den Menschen vor Ort - inklusive der PädagogInnen, der Schulleitungen, der SozialarbeiterInnen und eben auch der SchülerInnen selbst - entschieden. Das zeigt den jungen Menschen schon sehr früh, was Partizipation bedeutet und wie wichtig das für ihren eigenen weiteren Lebensweg ist. Meine Klubobfrau Arapovic hat schon gesagt, jede Schule ist anders, die Welt dreht sich immer schneller fort. Kollegin Hungerländer hat ein bisschen komisch dreingeschaut, weil sie sich wahrscheinlich an das galiläische Weltbild noch nicht wirklich gewöhnt hat. (Heiterkeit und Beifall bei den NEOS.) Genau deshalb sind die Wiener Bildungschancen kein starres Modell, sondern eine Plattform für Individualisierung, Kreativität und echte pädagogische Freiheit. Und das ist genau das, was wir unserer nächsten Generation mitgeben können, damit wir - ehrlicherweise - später einmal auch selber etwas davon haben. Diese Entwicklung der Prozesse ist also kein Top-down-Projekt, sondern Schulen, Lehrkräfte und ExpertInnen werden eingebunden und gestalten laufend mit. Wo man Beteiligung ernst nimmt, dort entsteht Qualität - und Wiener Bildungschancen ist der beste Beweis dafür. Es geht um Empowerment, Persönlichkeitsbildung, soziale Kompetenz, das alles findet Eingang in dieser Plattform. Das heißt, es geht nicht nur ums reine Konsumieren, es geht nicht um eine bezahlte Nachhilfe, sondern um das berühmte Lernen fürs Leben. Das versteht nicht jedes schulpflichtige Kind so, bei mir war es zumindest nicht der Fall. Aber heute hier kann ich euch nur sagen: Es ist das Beste, was uns passieren kann. Wir haben also knapp 4 Millionen EUR für das kommende Schuljahr zur Verfügung. WIENXTRA ist aber eben nicht nur ein Bildungspartner, sondern, wie es Klubobfrau Arapovic schon richtig gesagt hat, es geht um Chancengerechtigkeit. Ich möchte sogar sagen, es ist ein Chancengerechtigkeitsmotor. Wie man sieht, wenn man sich die Zahlen anschaut, man kennt das aus unserer Regierungskoalition, auch ein Monitor. Das heißt, ich kann euch nur sagen, seitdem ich Gemeinderat bin, habe ich ein paar großartige andere außerschulische Tätigkeiten von WIENXTRA kennengelernt: Wienopolis als barrierefreien Begegnungs- und Erlebnisort, den Wald der jungen WienerInnen - dort habe ich endlich zwei Bäume pflanzen dürfen -, die Kinder- und Jugendstrategie der Stadt Wien, Kinder- und Jugendparlamente. Das alles sind niederschwellige, kostenfreie oder zumindest kostengünstige Angebote für Familien in ganz Wien. Das heißt, es geht immer noch um mehr als um Bildung, es geht auch um einen Beitrag zum sozialen Frieden. Ja, die Bildungschancen ermöglichen es allen Leuten, gratis an Workshops teilzunehmen. Und dort, wo Kinder eben lernen, Unterschiede als Stärke zu begreifen, wächst das, was uns in Wien bitte immer ausmachen soll, nämlich Respekt, das Miteinander und der Zusammenhalt für Generationen. Wenn ich jetzt noch ganz kurz auf die Kritik von der Opposition eingehen kann - und da waren ja tatsächlich ein paar interessante, aber durchaus auch witzige Themen dabei. Zum Allerersten: Das hier nicht zu unterstützen, liebe FPÖ, bedeutet, dass ihr Jugendliche und junge Kinder ausgrenzt. Es bedeutet aber auch, dass ihr genau das verhindert, wozu ihr euch dann in Zukunft zynisch ausreden werdet, wenn nämlich einmal etwas passiert, besonders was das Thema Prävention und Gewaltprävention betrifft. Es kann nicht sein, dass ihr euch jedes Mal hinstellt und sagt: Nein, das machen wir nicht!, weil es vielleicht etwas verhindern könnte oder etwas Gutes für die Stadt sein könnte. Und dann, wenn etwas passiert, stellt ihr euch hin und sagt: Na ja, ihr habt es aber nicht gemacht, und das ist passiert! - Das ist zynisch und ziemlich traurig, ehrlicherweise. (Beifall bei den NEOS und von GRin Astrid Pany, BEd, MA.) Zu den Lehrkräften habe ich eh auch schon ein bisschen was gesagt, aber es geht vielleicht generell auch darum, zu sehen, was in letzter Zeit passiert ist. Wir haben einen Bundesminister von NEOS, wir haben eine Stadträtin von NEOS; was ist in der Zwischenzeit passiert? - Es ist der Deckel für die Deutschförderkräfte gefallen. Wir haben LesepatInnen in den Kindergärten integriert, gerade weil wir noch dabei sind, hier nachzujustieren. Es werden jetzt gerade zwei Lehrgänge mit jeweils 25 PädagogInnen für Sprachförderung fertig. Das heißt, wir in dieser Stadt machen alles, was wir aktuell tun können, um hier nicht nur das Limit zu halten, sondern auch noch nach oben aufzustocken. Was bleibt am Ende eigentlich von so einem Projekt, das seit 2022/2023 funktioniert? - Ja, wir evaluieren immer, ja, wir justieren nach, und ja, wir schauen uns natürlich auch an, liebe Sabine, welche konkreten Workshops genommen werden, um natürlich hier auch etwas ausbauen zu können und hier umschichten zu können. Das ist, glaube ich, auch eine sehr klare liberale Handschrift, denn bei uns geht es nicht immer nur darum, starr etwas weiterzuführen, was immer schon so war, sondern jedes Mal aufs Neue zu adjustieren und an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Die Wiener Bildungschancen sind also kein PR-Projekt, sondern sie sind ein langfristiges Versprechen an die nächste Generation und damit ja immer auch an uns selbst. Ein Versprechen, dass wir in Wien und wir als Fortschrittskoalition niemanden zurücklassen, dass jedes Kind in dieser Stadt Potenzial hat, dass wir das fördern wollen und dann auch fordern wollen, wie es sich im Leben eigenständig und gut entwickeln kann, weil wir auch weiterhin alles daransetzen, dass wir, soweit es möglich ist, immer "sowohl als auch" sagen können - sowohl individuelle Förderung als auch gemeinsame Verantwortung, sowohl Freiheit als auch Fairness. Wieder zeigt Wien: Chancengerechtigkeit ist machbar. Ich bitte daher die FPÖ, hier ihre Haltung zu überdenken und trotzdem zuzustimmen. - Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS, von GR Mag. Alexander Ackerl sowie von GRin Mag. Andrea Mautz und GRin Astrid Pany, BEd, MA.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. Als Nächste zum Wort gemeldet ist Frau Abg. Malle. GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Bildungsstadträtin, sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Zunächst möchte ich ganz kurz auf Kollegen Burian eingehen. Sie wissen schon, dass es auch LandeslehrerInnen gibt? - Bevor Sie einer Kollegin oder den KollegInnen hier bodenlose Frechheiten unterstellen, möchte ich Sie gerne auch an dieses Faktum erinnern. (Beifall bei den GRÜNEN sowie von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Ich finde es gut, dass wir in diesem Haus wieder einmal über Bildung als Schwerpunktthema reden, und auch die Bildungschancen finde ich als Lehrerin tatsächlich gut. Das ist wirklich ein niederschwelliges Projekt, das wir gerne unterstützen. Es ist wenig bürokratisch, es ist eine super Möglichkeit, sich in dem ganzen Angebotsdschungel der Workshops in der Wiener Bildungslandschaft gut zurechtzufinden. Insofern hat dieses Projekt natürlich unsere totale Zustimmung, weil - und das hat auch eine Kollegin vorhin schon gesagt - es natürlich mit einer Klasse auch etwas macht und das natürlich auch immer eine gute soziale Aktivität ist, an die man sich natürlich erinnert. Das ist ja keine Frage. Nur ist das Projekt Bildungschancen vom Titel her schon eine Irreführung - Kollege Stadler hat das auch angesprochen -, weil es die Bildungschancen in dem Sinn natürlich in keinster Weise erhöht. Und die Zahlen in Wien sprechen da ja auch eine ganz klare Sprache, wenn wir an die mangelnde Deutschkompetenz denken, wenn wir an die vielen Schulabbrüche denken, wenn wir auch an überforderte LehrerInnen denken, die aus dem System aussteigen, weil sie es nicht mehr schaffen. Wenn nicht ausgebildete LehrerInnen es sind, die dieses System überhaupt noch aufrechterhalten, dann stimmt da etwas nicht, dann brauchen wir auch von Bildungschancen in diesem Kontext nicht zu reden. Wir haben übrigens bezüglich der Inhalte und der Themen - ich glaube, der Kollege von der SPÖ hat die Workshops noch einmal zitiert - diese Möglichkeit auch schon im Lehrplan. Der Lehrplan deckt alle diese Themengebiete grundsätzlich ja gut ab. Das wissen alle, die unterrichten, dass der Lehrplan auch diese Themen beinhaltet. Dann frage ich mich: Wenn Sie also kritisieren, dass diese Unterrichtsinhalte zu wenig vorkommen, warum schauen Sie dann nicht, dass es zu einer besseren Evaluierung der Unterrichtsinhalte in den Schulen kommt, wenn anscheinend nicht gemacht wird, was gemacht werden müsste? - Das verstehe ich nicht. (Beifall bei den GRÜNEN.) Also Workshops schön und gut, super, wir unterstützen sie weiterhin, aber es ist natürlich richtig, dass das Fundament nicht passt: zu wenig Autonomie, zu viel Bürokratie, kaum mehr Bewerbungen für DirektorInnenstellen - manchmal null Personen oder eine Person, die sich für so einen wichtigen Posten überhaupt noch interessiert, es ist wirklich ein Trauerspiel -, die fehlende Schulsozialarbeit - es sind 122 von 500 Standorten, die das überhaupt haben. Und das ist in Landeskompetenz, das ist Fakt, auch das ist eine Kompetenz, die von Wien aus geregelt werden könnte, wenn Sie es wollten. (Beifall bei den GRÜNEN.) Abgesehen von nicht gut ausgestatteten Arbeitsplätzen für die LehrerInnen und vielen, vielen Baustellen in der Bildungsdirektion, über die wir in der Vergangenheit auch schon umfassend gesprochen haben: Wo übernehmen Sie für diese Baustellen, bitte schön, die Verantwortung? - Wir sehen es in Wien überhaupt nicht. Was wir sehen, ist, wo SPÖ und NEOS seit Jahren zuständig sind, kommen wir nicht voran - und zwar auch schon nicht im Kindergarten, wo es eigentlich ja schon beginnt mit der frühkindlichen Sprachförderung. Wir reden immer über dieses wichtige Fundament, heute in der Früh auch schon wieder. Die Frau Bildungsstadträtin hat es selbst gesagt, Sprachförderung beginnt im Kindergarten, und Sie haben die Erhöhung der Sprachförderkräfte angesprochen. Was Sie aber nie dazusagen, ist, dass es nur 40 Prozent der Standorte betrifft, beziehungsweise dass 40 Prozent der Standorte - Entschuldigung - null Sprachförderkräfte haben. Also wo sind die angesprochenen Sprachförderkräfte? - Wir finden dazu nicht einmal mehr eine Zahl oder eine Absichtserklärung in Ihrem Regierungsprogramm. Die Realität der Sprachförderung schaut nämlich faktisch so aus: Es springen meist Frauen, schlecht bezahlt, von Standort zu Standort, sind wenige Stunden an einem Standort fix. So schaut die Sprachförderung im Kindergarten aus. Dazu muss man sagen, dass die sprachliche Kompetenz der Sprachförderkräfte selbst auch nicht immer ausreichend ist und dass es da einige gibt - neben denen, die wirklich einen guten Job machen -, die dringend auch eine bessere Qualifizierung bräuchten. Und das könnten Sie machen, kostenneutral im Übrigen. Fakt ist, wir haben in Wien zu wenige qualifizierte Sprachförderkräfte. Wir haben mangelnde Qualität im Kindergarten, fehlende Qualitätsstandards und Kinder in Gruppen, die viel zu groß sind. Das wissen Sie, wir reden immer wieder darüber. Dort ist es natürlich noch schwieriger, überhaupt Sprachförderung zu leisten. Frau Kollegin Emmerling hat auch davon gesprochen, dass es wichtig sei, Eltern ins Boot zu holen. Das unterstützen wir sehr gerne und mit Nachdruck, das sehen wir nämlich auch so, denn die PädagogInnen alleine werden das nicht schaffen, das ist keine Frage, aber wir sehen auch keine Anstrengung der rot-pinken Stadtregierung in diesem Bereich, die Eltern, die so wichtig wären, ins Boot zu holen. Wir warten also auf diesen Vorschlag, freuen uns, dass Sie das auch so sehen, aber wir sehen es bei Ihnen bislang überhaupt nicht. Ich möchte noch einen Punkt ansprechen, weil Sie immer wieder sagen: Wien jetzt Hand in Hand mit dem Bund. Das höre ich ganz oft von Ihnen. Man wundert sich immer über Schulabbrüche, und dann wird gleichzeitig gekürzt - und zwar genau beim Jugendcoaching, einer sinnvollen Maßnahme, die die Schulabbrüche quasi ein bisschen hintanhalten würde. Während wir im Kindergarten zu wenig investieren, kürzen Sie beim Jugendcoaching. Genau dort, wo Jugendliche zum ersten Mal auch an ihre Grenzen stoßen, machen Sie das. Und dass das eine Maßnahme ist, die in der Praxis gut funktioniert, sagen uns DirektorInnen, sagt uns die Gewerkschaft. Die beklagt sich jetzt auch über diese Maßnahme, denn die fühlt sich von Ihrer Politik überhaupt nicht an die Hand genommen, ganz im Gegenteil. Also wir verstehen diese Einsparungen nicht. (Beifall bei den GRÜNEN.) Beim Jugendcoaching ist es uns völlig unklar, weil Jugendliche das bräuchten, weil die Coaches ja wirklich hervorragende Arbeit leisten im Sinne von Schulabbrüche verhindern, im Sinne von Hilfe bei Krisen, die mannigfaltig sind und in denen sie Orientierung geben. Und was passiert jetzt auch in diesem Bereich, bei den Schwächsten im Grunde genommen? - Man nimmt genau diesen Menschen, diesen jungen Personen wieder die Chancen. Das ist bildungspolitisch unverständlich, das ist sozialpolitisch kurzsichtig, und langfristig ist es auch teuer, finanziell und gesellschaftlich. Deshalb ist es mir wichtig, zu betonen - weil mir zwar klar ist, dass das mehr vom Bund kommt als von Ihnen, aber wenn Sie sich immer rühmen und von "Wien Hand in Hand mit dem Bund" sprechen, dann schauen Sie bitte einmal genau dorthin, denn ich verstehe nicht, warum Sie Ihre Verantwortung in diesem Bereich nicht ernst nehmen. Wer bei Kindern und Jugendlichen spart, zahlt später doppelt und dreifach. Deshalb, setzen wir endlich Prioritäten dort, wo sie hingehören! Unterstützen Sie unsere Anträge! Ich habe nicht viel Hoffnung, muss ich ehrlicherweise sagen, aber möglicherweise passiert es irgendwann. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zum Wort gemeldet ist Herr Abg. Stumpf. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Frau Berichterstatterin, geschätzte Damen und Herren! Es kommt nicht oft vor, dass ich auch den GRÜNEN recht gebe, und das tue ich jetzt. Also es stimmt, dass das Fundament - wenn wir sinnbildlich über das Schulsystem sprechen und es mit einem Haus vergleichen -, dass die Fassade bröckelt, dass dringende Instandsetzungsmaßnahmen notwendig sind. Hier stellen sich die NEOS mit den Roten heraus und feiern einen Blumentopf ab, einen Blumentopf, den in Wirklichkeit keiner braucht und der an den wahren Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler völlig vorbeigeht. Es handelt sich nämlich um eine sehr hohe Fördersumme. Kollege Maximilian Krauss hat heute schon gesagt, allein in den letzten zehn Jahren waren es, zusammengerechnet, über 100 Millionen EUR. Das ist wirklich, wirklich viel Geld. Das ist Geld, das natürlich an anderen Stellen fehlt. Wir reden da gerade vom Bereich der Deutschförderung oder von der Sonderpädagogik, von infrastrukturellen Angelegenheiten. Überall hören wir, dass das Geld knapp ist. Bei WIENXTRA nicht, da ist Geld da. Es ist auch beachtlich - wie man sieht, wenn man sich den Akt anschaut und ein bisschen in die Vergangenheit blickt -, dass Restmittel von WIENXTRA - wo sehr großzügig ausgeschüttet wurde - immer von Jahr zu Jahr ins nächste Jahr mitgenommen und mitgeschleppt worden sind, anstatt dass man das Budget an den realen Bedarf angepasst hat. Auf der Homepage, wo die Kursangebote oben stehen, wird immer dazugeschrieben, diese können kostenlos in Anspruch genommen werden. Ja, sie sind kostenlos, aber letzten Endes zahlen wir ja trotzdem für diese Kursangebote. Wenn man sich die Statistik anschaut, wie viele abgerufen werden, ist wirklich beachtlich, wie viele nicht abgerufen werden, wo eine Nullstelle vermerkt ist (Zwischenruf von VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Aber es ist ein Angebot!), wo es Angebote mit Nullverrechnungen gibt, und das bei einem riesigen Angebot. Macht nichts, ist aber teilweise auch nachvollziehbar, denn ein Blick auf diese Kursangebote reicht mir, um festzustellen, dass diese Kursangebote beziehungsweise jene Menschen, die sich diese Kursangebote ausdenken, eine ideologisch-politische Schlagrichtung haben und dass die Schülerinnen und Schüler das auch nicht wollen und deswegen ablehnen. So trägt beispielsweise ein Workshop, der von WIENXTRA für die Schulstufen 9 bis 12 angeboten wird, den Titel "Rechtsweg Asyl". Also gratis, steht da wieder einmal, kann man diesen Workshop besuchen, einen Einblick in das Thema Asylrecht und Asylverfahren bekommen, und dann können die Schüler da sozusagen durch Planspiele dieses Verfahren durchlaufen und quasi auch einen Einblick in unsere bösen Asyl- und Fremdengesetze bekommen. Also eine eindeutige politische Schlagrichtung, denn wer macht das? - Natürlich der Veranstalter Asylkoordination Österreich. Das braucht kein Schwein, deswegen steht dort auch eine Null. (Beifall bei der FPÖ.) Oder, der nächste Workshop - wird auch nie abgerufen, vielleicht ändert sich das jetzt nach der grandiosen Rede des Herrn Kollegen Lukas Burian. Ein Workshop, der nie abgerufen wurde, trägt den Namen "queerfacts Workshop". (GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara: Uh! Uh, das ist ...!) Das ist also ein Bildungsprojekt. Wo da die Bildung ist, weiß ich nicht, denn da steht nämlich, LGBTIAQ+-Themen werden "als Extremismus- und Sexismusprävention" aufgegriffen. Den Kindern wird erklärt, dass das Geschlecht frei wählbar ist. Das ist ein soziales Konstrukt, das kann man sich aussuchen, je nach Belieben, je nach Fasson. Das steht alles da. Dazu kann man sich natürlich auch die Bildungsmaterialien für die Schulen bestellen. Dann bestellt man sich das. Dann gibt es da mehr Regenbogenfahnen, als überhaupt die UN Fahnen aufweist. Alles kein Problem! Herr Burian erzählt uns, das ist super, das schützt nämlich die Jugendlichen von morgen davor, dass sie radikalisierte Attentäter werden! Genau solche queerfacts schützen sie. Also, Kollege, ich weiß nicht, wo Sie leben, aber das passt gut in diese Argumentationslinie von damals. Als das Krankenhaus Nord erbaut worden ist, ist ein sündteurer Schutzring um das Krankenhaus errichtet worden. Und so ist es auch mit Ihrem Schutzring (Heiterkeit bei den NEOS.), diesen queerfacts Workshops und WIENXTRA - beides nützt nichts, kostet aber jede Menge Geld. Das ist die Wahrheit. (Beifall bei der FPÖ.) Die nächste ideologische Schlagrichtung hat ein Workshop mit dem Titel "Argumentationshilfe gegen KlimawandelleugnerInnen". Also jeder, der über den Klimawandel beziehungsweise die Auswüchse, über die Probleme, über die Ursachen, über die Bekämpfung allein nur laut reflektiert und nachdenkt und vielleicht sogar eine gegenteilige Position von der Meinung der Einheitsparteien einnimmt, wird wahrscheinlich zwangsverpflichtet. Da kommt dann irgendeine NEOS-Tante daher und sagt: Du musst jetzt in diesen kostenlosen Workshop, damit du morgen kein Klimawandelleugner wirst und nicht radikalisiert wirst! Wir erzählen dir die Welt, wie sie uns gefällt! - Das ist NEOS, SPÖ und GRÜNE. Gratuliere! (Beifall bei der FPÖ.) Dann gibt es da einen Kurs - dazu kann man sich über WIENXTRA auch Materialien bestellen - "Was kostet die Welt? Alles, was du über Geld wissen musst". Da würde ich Sie gerne hinschicken - Sie, Sie und Sie -, damit Sie ein bisschen eine Finanzbildung erfahren. Was WIENXTRA kostet, das wissen wir sehr genau. Und schlägt man das dann auf, liest man auf Seite 19 eine Belehrung zum Thema Mindestsicherung. Da steht - ich zitiere: "Manche Menschen denken, dass man sich mit der Sozialhilfe ein schönes Leben machen kann. Wenn du den Haushaltsplan (siehe links) mit der Mindestsicherung vergleichst, siehst du, dass das definitiv nicht möglich ist. Zudem kann es sein, dass man die Mindestsicherung später zurückzahlen muss, zum Beispiel, wenn man Geld erbt." - Das ist so nah an der Realität! Wir denken da an eine syrische Großfamilie, die insgesamt 6 000 EUR Mindestsicherung kassiert, zuzüglich 3 000 EUR Familienbeihilfe, also auf 9 000 EUR kommt, und deren Kinder lesen dann wahrscheinlich dank WIENXTRA: Aber manche Menschen glauben, dass du mit dem Geld nicht auskommst, du Armer! Und wenn du dann das große Geld erbst, dann musst du vielleicht sogar zurückzahlen! - Also wenn das kein ideologisch getriebenes Blendprojekt ist! Eine Blendgranate nach der anderen, koste es, was es wolle! Wie gesagt, besucht einmal den Kurs, da lernt ihr vielleicht etwas über das Budget, das wir alle blechen müssen. An allen Ecken und Enden fehlt das Geld, für das aber ist Geld da. Mit uns nicht! (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zum Wort gemeldet ist Frau Abg. Akcay. GRin Safak Akcay (SPÖ): Vielen Dank, Frau Vorsitzende! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir investieren heute in das Wertvollste, das wir haben, meine Damen und Herren, in unsere Kinder und in den Zusammenhalt dieser Stadt - und nicht in Symbole, nicht in Unterschriften, sondern in echte Zukunft. WIENXTRA, meine Damen und Herren, ist seit Jahrzehnten ein verlässlicher Partner der Stadt Wien, eine Einrichtung, die mit unglaublich viel Engagement und Herzblut arbeitet, die nicht nur nicht ausgrenzt, sondern stärkt, die nicht spaltet, sondern verbindet. Dort lernen Kinder und Jugendliche, wie man Verantwortung übernimmt, wie man Konflikte löst, wie man miteinander wächst. Kurz gesagt, WIENXTRA baut jeden Tag das Wien der Zukunft, ein Wien, das Platz für alle hat, die hier leben. Gerade als Integrationssprecherin, meine Damen und Herren, weiß ich, wie entscheidend genau solche Orte sind, denn Integration passiert nicht in Parolen und nicht in Wahlkampfreden, sondern Integration passiert im Alltag, im direkten Kontakt, im gegenseitigen Vertrauen. Wenn Kinder erleben, dass sie dazugehören, dass ihre Stimme zählt, dann entsteht das, was keine Partei künstlich herstellen kann, nämlich echter Zusammenhalt und echte Zugehörigkeit. (Beifall bei der SPÖ.) Deswegen, meine Damen und Herren, ist es natürlich enttäuschend, aber nicht gerade überraschend für uns alle, dass die FPÖ diese Förderung abgelehnt hat. Denn immer, wenn es um Bildung, um ein offenes Miteinander, um Chancen für junge Menschen geht, kommt rechts reflexartig das große Nein. Das große Nein zu Wiener Werten, ein großes Nein zur Vielfalt, ein großes Nein zu jeder Zukunft, die unsere Stadt ausmacht. Was sagen wir ganz klar, meine Damen und Herren? - Wir sagen: Wir investieren in Kinder, wir investieren in Perspektiven, wir investieren in das Miteinander - und nicht in Angst, nicht in Vorurteile und nicht in Spaltung. Wir alle kennen die rhetorischen Muster der FPÖ, das pauschale Misstrauen, die ständigen Unterstellungen, das Bild einer angeblichen, drohenden anderen Gruppe, das immer wieder neu gezeichnet wird. Da werden Muslime, da werden Geflüchtete, LGBTIQ-Communitys und, und, und kollektiv abgestempelt, als wären sie ein Problem und nicht Menschen mit Geschichten, Hoffnungen und Talenten. Aber das ist nicht die Realität dieser Stadt, und das wissen Sie auch. Das ist eine politische Erzählung, die Angst verkauft, weil Sie sonst nichts anderes anzubieten haben. WIENXTRA zeigt uns tagtäglich, zeigt uns jeden einzelnen Tag, wie erfolgreiche Integration wirklich aussieht. Kinder verschiedenster Herkunft spielen, lernen und wachsen gemeinsam auf. Sie interessieren sich nicht für die Konflikte, die Erwachsene künstlich schaffen. Für sie zählt nicht, wer wo geboren wurde. Für sie zählt, wer man ist. Die allermeisten Menschen wollen sich integrieren, wollen Teil dieser Gesellschaft sein, wollen ihren Beitrag leisten. Ich weiß, das wollen Sie nicht hören, aber so ist es. Integration kann nicht durch Anschuldigungen gelingen und nicht durch Schlagzeilen. Sie gelingt durch Angebote, sie gelingt uns durch echte Arbeit. Und lassen Sie mich eines sagen: Wer einzelne Verbrechen nimmt und sie bewusst nutzt, um ganze Gruppen zu diffamieren, der führt in meinen Augen keine Sicherheitsdebatte, sondern der betreibt Stimmungsmache auf Kosten von Kindern und Familien. Das ist verantwortungslos und hat in einer ernsthaften Diskussion einfach keinen Platz. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Wir hören ja im Gemeinderat immer wieder, wer denn nicht alles schuld ist. Wir hingegen setzen dort an, wo Veränderung tatsächlich entsteht - bei Bildung, Begegnung und frühzeitiger Unterstützung. Darum investieren wir dort, darum stärken wir diese Strukturen, und darum stehen wir auf gegen Einschüchterung, gegen Misstrauen und gegen jene, die Angst zu einem politischen Werkzeug machen wollen. Wie schon gesagt, meine Damen und Herren, diese Förderung ist keine bloße Ausgabe, sondern sie ist eine Investition in ein Wien, das sich nicht spalten lässt, ein Wien, das sich nicht kleinreden lässt, ein Wien, das stolz auf seine Kinder ist und ihnen etwas zutraut. Wien bleibt die Stadt, die auf die Jugend schaut, die Zukunft baut und niemanden zurücklässt. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist somit geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 4. Und ich darf all jene Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, die der Postnummer 4 zustimmen, um ein Zeichen mit der Hand ersuchen. - Das ist mit den Stimmen von ÖVP, NEOS, SPÖ und GRÜNEN mehrheitlich so angenommen. Es liegen zwei Beschlussanträge vor, die ich nun zur Abstimmung bringen darf. Ein Antrag der ÖVP: ein Schulsozialarbeiter pro Pflichtschulstandort in Wien. Wer diesem Antrag Folge leistet, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind die Stimmen von ÖVP, FPÖ und GRÜNEN gegen die Stimmen von SPÖ und NEOS. Zweiter Antrag von der ÖVP betreffend umfassendes Kinder- und Jugendschutzpaket. (GR Wolfgang Irschik: FPÖ! Von uns, bitte!) - Von der FPÖ, Entschuldigung. Wer diesem Antrag zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind die Stimmen von ÖVP und FPÖ gegen die Stimmen von NEOS, SPÖ und GRÜNEN. Das ist damit nicht die Mehrheit. Wir kommen zur Postnummer 1. Es ist niemand zu Wort gemeldet, deswegen kommen wir gleich zur Abstimmung. Wer der Postnummer 1 zustimmen kann, den bitte ich um ein Zeichen. - Das ist mit den Stimmen von ÖVP, FPÖ, NEOS, SPÖ und GRÜNEN einstimmig angenommen. Es liegen Beschlussanträge vor: Antrag der GRÜNEN zum Thema Neuaufstellung der Sprachförderung in Wien in elementaren Bildungseinrichtungen. Wer dem Antrag zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das sind die Stimmen von ÖVP und GRÜNEN gegen die Stimmen von FPÖ, NEOS und SPÖ. Nächster Antrag, ebenfalls von den GRÜNEN, betreffend Qualität der Sprachförderung in Wiens elementaren Bildungseinrichtungen nachhaltig verbessern. Wer zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das sind die Stimmen von ÖVP, FPÖ und GRÜNEN. Das bleibt in der Minderheit Letzter Antrag, von der ÖVP, betreffend verpflichtende Deutschfördermaßnahmen in Wiens Kindergärten umsetzen. Wer dem Antrag zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das sind die AntragstellerInnen alleine, das bleibt somit in der Minderheit. Wir kommen nun zur Postnummer 2. Ich darf die Berichterstatterin, Frau Mag. Vasold, bitten, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Mag. Stefanie Vasold: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Zum Wort gemeldet hat sich Frau Abg. Bakos. Ich erteile es ihr. GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuseherinnen und Zuseher! Bei diesem Poststück, bei diesem Akt heute geht es um ein Thema, das, davon sind wir zutiefst überzeugt, ein Thema ist, das vom Rand unserer Gesellschaft ganz in die Mitte gerückt gehört, nämlich ein Thema, das vor allen Dingen noch vor der Corona-Zeit, also bis dahin von vielen sträflichst vernachlässigt wurde, das aber bis heute sehr stark von Stigmatisierung, von Tabuisierung betroffen ist. Das ist das Thema Mental Health und psychische Gesundheit, ein Thema, bei dem wir, vor allen Dingen hier in diesem Akt, vor allen Dingen Kinder und Jugendliche unterstützen wollen. Es ist ein Thema, dem mittlerweile wahrscheinlich jede Schule, jede Lehrkraft und - ich bin zutiefst davon überzeugt - wahrscheinlich wir alle in unserer Umgebung zumindest einmal schon begegnet sind. Wenn man mit Jugendlichen spricht, dann hört man ganz oft Aussagen wie: Ich weiß nicht, wie ich das alles noch schaffen soll!, oder noch viel schlimmer, wenn man das überhaupt werten möchte: Ich traue mich nicht, jemandem zu sagen, wie es mir wirklich geht! - Das sind Aussagen, die zutiefst wachrütteln müssen. Das ist ein Thema, bezüglich dessen wir gerade auch mit diesem heute vorliegenden Poststück, mit den Mental Health Days, nicht nur eine Enttabuisierung und auch Entstigmatisierung herbeiführen wollen, sondern vor allen Dingen auch einen Raum schaffen wollen, wo jeder junge Mensch über seine Sorgen, über seine Ängste sprechen kann, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) Der Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien, der diese Tage umsetzt, setzt eben genau dort an, wo vielleicht viele wegschauen: bei der Verbindung von Mediennutzung, psychischer Gesundheit und dem enormen Druck, dem Jugendliche teilweise auch ausgesetzt sind. Das Thema psychische Gesundheit ist nicht einfach nur ein Randphänomen, es ist ein entscheidender Faktor für Wohlbefinden, natürlich, aber auch für Bildungserfolg, für Teilhabe, für Chancen und ganz generell für Zukunft. Es geht also um die Entstigmatisierung eines Themas, bei dem man noch immer ein bisschen das Gefühl hat, es ist mit Scham behaftet. Es geht um Stabilität, um Resilienz und darum, jungen Menschen ihre Stimme zu geben, bevor es zu spät ist. In diesem Schuljahr - und damit werde ich jetzt auch konkreter - werden 125 Projekttage durchgeführt, was rund 600 Workshops an unseren Mittelschulen und weiteren Schulen bedeutet. Und jeder dieser Workshops öffnet einen Raum. Er öffnet einen Raum, den Jugendliche ganz dringend brauchen. Dieses Poststück ist aber nicht nur für die Jugendlichen im Speziellen als Zielgruppe relevant, sondern man muss ja auch immer ein bisschen über den Tellerrand hinausschauen und sich anschauen: Welche Zielgruppen braucht ein solches Projekt denn auch, um diese Entstigmatisierung herbeizuführen? Und das ganz Besondere an diesem Projekt ist, dass unterschiedliche Zielgruppen definiert werden und mit einbezogen werden, weil es um schulische Lebenswelten geht, angefangen natürlich bei den Eltern. Es geht darum, mehrsprachige Materialien und Videos zu schaffen, damit Familien einen niederschwelligen Zugang zu diesen wichtigen Themen bekommen, um Elternabende mit Dolmetsch, mit Kinderbetreuung, damit niemand außen vor bleibt oder aber auch die PädagogInnen, die Workshops bekommen, die Sicherheit im Umgang mit Krisen, mit Warnsignalen und Hilfswegen bekommen. Aber - und das ist etwas, das uns auch ganz besonders wichtig ist - diese Dinge dürfen ja nicht von oben herab passieren, sondern partizipativ. Deshalb gibt es einen Jugendbeirat mit 30 Jugendlichen, der auch sicherstellt, dass dieses Projekt gemeinsam mit dieser Zielgruppe auf die Beine gestellt wird - und natürlich die Expertise, die es ja gerade in diesem sensiblen Bereich ebenso braucht, nämlich multiprofessionelle Teams, die sicherstellen, dass hier psychosoziale Fachkräfte auch die entsprechende Qualität liefern, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS und von GR Mag. Josef Taucher.) Es ist auch ganz besonders wichtig, gerade in diesem Bereich, Evidenz zu liefern. Deshalb möchte ich auch nicht unter den Tisch fallen lassen, dass dieses Projekt auch wissenschaftlich begleitet wird von ExpertInnen der Kinder- und Jugendpsychiatrie des AKH, Safer Internet, der Telefonseelsorge - ich habe mir da vieles aufgeschrieben -, der GÖG, dem ÖBV Psychotherapie. Was natürlich ebenso Evidenz schafft, ist die jährliche Studie der Uni Wien und der Uni Zürich, die da gemeinsam arbeiten. Worum geht es bei diesem Akt? Und ich möchte, dass das von meiner Rede auch hängen bleibt. Worum es hier geht, ist, dass Kinder und Jugendliche lernen, über ihre Gefühle zu sprechen. Es geht bei diesem Akt darum, dass Lehrkräfte nicht allein sind, wenn Krisen auftreten. Es geht bei diesem Akt darum, von dieser Stadt auch ein klares Signal zu setzen, nämlich dass eine gebrochene Seele genauso wehtut wie ein gebrochener Arm, sehr geehrte Damen und Herren, und das dementsprechend genau denselben Stellenwert auch in der Politik zu haben hat. (Beifall bei den NEOS und von GR Georg Niedermühlbichler.) Denn es gilt ja auch in diesem Bereich: Jede Präventionsmaßnahme erspart eine Interventionsmaßnahme, erspart Leid, erspart Druck und erspart Krise. Wenn wir wollen, dass diese Stadt eine Stadt bleibt, in der junge Menschen in ihre Zukunft mit Zuversicht blicken können, dann müssen wir genau da investieren. Wir setzen dafür mit diesem Poststück einen ganz wichtigen Schritt. Ich ersuche dazu um Zustimmung - für Kinder und Jugendliche. - Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS sowie von GR Mag. Josef Taucher und GR Georg Niedermühlbichler.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zum Wort gemeldet ist Herr Abg. Löcker. GR Theodor Felix Löcker (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuseherinnen und Zuseher! Lassen Sie mich gleich am Anfang sagen: Wir finden, das ist ein super Projekt, wir werden dem Ganzen zustimmen. Ich möchte mich besonders beim Verein und beim Initiator Golli Marboe dafür bedanken, dass dieses tolle Projekt auf die Beine gestellt wird - und dafür bedanken, dass die Stadt Wien es mitfinanziert. Wir haben in Wien eine interessante Ausgangslage, was Mental Health betrifft. Ich habe im Zuge meiner Recherchen einen Bericht über die psychosoziale Gesundheit in Wien aus dem Jahr 2023 gefunden und möchte die Passage für die jungen WienerInnen daraus zitieren: "Auch die psychische Gesundheit der jungen WienerInnen hat in den vergangenen drei Jahren stark gelitten. Zu allen vier Befragungszeitpunkten haben sie von mehr Symptomen als die älteren WienerInnen berichtet, und nach wie vor sind sie von jedem einzelnen Symptom häufiger betroffen." - Man muss sich in Erinnerung rufen: Das war kurz nach der Pandemie beziehungsweise die Befragung ist zum Zeitpunkt der Pandemie durchgeführt worden. - "Im Zeitverlauf sind die Symptome bei den 16- bis 29-Jährigen von 2021 auf 2022 - im zweiten Jahr der Pandemie - besonders stark angestiegen, aktuell haben sie sich auf dem hohen Niveau des Vorjahres eingependelt. Die Pandemie hat dabei das soziale Umfeld der jungen WienerInnen besonders stark durcheinandergebracht - mit nachhaltigen Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit: Nach wie vor berichten junge Menschen wesentlich häufiger als ältere von schwerwiegenden Konflikten in ihrem Zuhause, von Einsamkeit und von starken Belastungen durch fehlende soziale Kontakte. Auch an Unterstützung fehlt es ihnen häufiger: JedeR Dritte hat kaum oder gar keine Menschen, an die sie/er sich wenden kann, wenn es ihr/ihm schlecht geht. Junge Frauen berichten in diesem Zusammenhang nicht nur häufiger als junge Männer von einer Verschlechterung ihrer sozialen Gesundheit, sie leiden auch unter mehr Symptomen. Daran anschließend nehmen die jungen WienerInnen häufiger als die älteren Schlaf- oder Beruhigungsmittel sowie Medikamente gegen Müdigkeit oder Depressionen zu sich. Seltener als bei den älteren findet diese Medikation jedoch unter professioneller Begleitung statt." So, das war die Ausgangslage nach der Pandemie. Die betrifft nicht nur Wien, aber wir haben hier eine wissenschaftliche Lage, eine Ausgangslage, mit der wir arbeiten können, mit der wir wissen, den jungen Menschen in der Stadt geht es so, und wir müssen etwas tun, um sie zu erreichen. Jetzt haben wir auf der einen Seite das Netz an psychologischer Betreuung in der Schule, das ausgebaut gehört - ich bin mir sicher, da sind wir fast alle einer Meinung -, aber dieses Angebot der Mental Health Days kommt eben gut ergänzend hinzu. Was ich nicht verstehe, ist, wieso ÖVP und FPÖ diesen Antrag ablehnen. Ich habe im Vorfeld gehört, dass es darum geht, dass die Angebote auch in den jeweiligen anderen Muttersprachen der Kinder zur Verfügung gestellt werden. Ich muss ehrlich sagen, das verstehe ich nicht ganz, denn wir können an einem anderen Punkt über Deutschförderung streiten, aber wenn es beim Thema psychische Gesundheit um Kinder und Jugendliche geht, dann müssen wir die doch erreichen. Und wenn ich ein Kind oder einen Jugendlichen habe und ich merke, es geht ihm oder ihr psychisch schlecht, dann ist mir egal, ob mich der auf Deutsch oder auf Arabisch oder auf Englisch versteht, denn dann muss ich in erster Linie schauen, dass dem Kind geholfen wird, das steht für mich im Vordergrund. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ein weiterer Punkt, auf den ich eingehen möchte - keine Sorge, ich nutze nicht die ganzen 20 Minuten meiner Redezeit -, ist der spezifische Punkt der Einsamkeit bei Kindern und Jugendlichen. Es gibt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung aus Deutschland, aktueller als die vorige von 2024, in der man sich angeschaut hat, dass Kinder und Jugendliche im europäischen Durchschnitt sehr stark unter Einsamkeit leiden. Man hat das verknüpft mit einer Gefahr für unseren demokratischen Zusammenhalt, denn wenn Kinder und Jugendliche unter Einsamkeit leiden und sozial isoliert sind, dann stellt sich natürlich auch ein Gefühl ein von "ich werde alleingelassen, die Politik hört mich nicht". Das untergräbt dann in weiterer Folge das Vertrauen in unsere Institutionen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir dem hier etwas entgegensetzen. Wir als Gen Z haben uns vor kurzem in den Parks getroffen und haben Pudding mit Gabel gegessen. Und das ist ja kein Zufall. Ich weiß nicht, wer von Ihnen das auf Social Media mitbekommen hat. Das mag auf den ersten Blick vielleicht lächerlich klingen, aber dahintersteckt ja eigentlich etwas. Ich habe auch nicht gedacht, dass ich im Gemeinderat einmal über "Pudding mit Gabel" reden werde, aber dahintersteckt, dass wir uns als Gen Z wünschen, tatsächliche Begegnungen zu haben, weg von Social Media und so weiter. Und auch da setzt das Projekt Mental Health Days in den Schulen wieder an. Deswegen finde ich es so wichtig. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ceterum censeo: Schulsozialarbeit sollte natürlich ausgebaut werden. Wir werden nicht müde, hier Druck zu machen, aber Sie haben natürlich in uns auch immer einen verlässlichen Partner, eine verlässliche Partnerin, wenn es darum geht, hier konkrete Maßnahmen auf den Boden zu bringen. Danke an den Verein, an den Initiator und an alle Personen, die sich da beteiligen. Es ist wirklich eine super Sache. Und wer einmal mit mir Pudding mit Gabel essen gehen möchte - ich lade alle herzlich ein. Es geht auf mich. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zum Wort gemeldet ist Herr Abg. Saurer. GR Mag. Bernd Saurer (FPÖ): Ja, Pudding mit Gabel - diese Einladung nehme ich gerne wahr. Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen! In einem möchte ich meinem Vorredner auch noch beipflichten, nämlich was die psychischen Erkrankungen betrifft, die durch die Corona-Zeit hervorgerufen und verstärkt wurden. Wer war daran aber schuld? Wer hat die Schulschließungen und die Dauer-Lockdowns zu verantworten gehabt? - Das waren schon Sie, meine Damen und Herren, außer die FPÖ. (Beifall bei der FPÖ.) Jetzt klingt der Titel des Vereins, so wie er firmiert - Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien -, ja auf den ersten Blick nett: psychische Gesundheit, die im Vordergrund steht, Medienkompetenz - die kommt nämlich im Antrag sonst nirgends vor -, Prävention und Chancengleichheit. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, worum es tatsächlich geht: um ein weiteres kostspieliges Projekt, das in Wahrheit nichts anderes darstellt als eine teure Reparaturmaßnahme für eine integrationspolitische Katastrophe, für die Sie, werte SPÖ, in Wien verantwortlich zeichnen. (Beifall bei der FPÖ.) Deshalb lehnen wir Freiheitliche dieses Poststück auch ab. Man braucht aber, wenn man den Antrag durchliest, auch gar nicht zwischen den Zeilen zu lesen, um zu sehen, wer die eigentliche Zielgruppe ist. Jugendliche mit mangelnden Deutschkenntnissen - also nicht, so wie Sie sagen, eine breite Bevölkerungsgruppe - aus herausfordernden Bezirken mit hohem Migrationsanteil. Also genau dort, wo Ihre Integrationspolitik seit Jahren versagt. (GRin Mag. Dolores Bakos, BA: Ich glaube, Sie haben den Akt verwechselt!) Anstatt das Grundproblem endlich anzugehen, werden Gelder, die Sie den Wienerinnen und Wienern vorher aus dem Säckel gezogen haben, in die x-te Präventionsmaßnahme gesteckt, diesmal mit Therapiehunden und bunten Workshops. Was aber haben die Jugendlichen in Wien heute am dringendsten nötig? - Einen funktionierenden Deutschunterricht, klare Regeln, Vorbilder, Wertevermittlung und Perspektiven. Was bekommen sie stattdessen? - Workshops mit Mentimeter-Umfragen, Graphic Protocols, Snags und Dolmetscheroptionen in fünf oder mehr Sprachen. Wenn aber Jugendliche nach Jahren in Wiener Schulen noch Dolmetscher brauchen, ist das sehr wohl ein Eingeständnis eines totalen Integrationsversagens. Therapiehunde und mehrsprachige Elternabende sind keine Lösung für eine tiefgreifende gesellschaftliche Problemlage, sondern sie sind das Feigenblatt einer Politik, die sich weigert, das eigentliche Problem zu benennen, nämlich die Massenzuwanderung und das Scheitern der Integration. (Beifall bei der FPÖ.) Die psychischen Belastungen vieler Jugendlicher sind real und nicht wegzuleugnen, aber sie sind auch nicht zufällig entstanden. Lockdowns und Schulschließungen habe ich schon erwähnt, aber wenn Kinder auch in Familien aufwachsen, in denen kaum Deutsch gesprochen wird, in denen kulturelle Parallelwelten herrschen und Werte wie Respekt, Disziplin und Eigenverantwortung keine Rolle spielen, dann sind Konflikte, Überforderung und Zukunftsangst wohl vorprogrammiert. Anstatt das zu ändern, finanziert die Stadt Wien Projekte, die das Problem noch verfestigen. Jugendlichen wird durch ein Susi-Sorglos-Paket - ich möchte mich jetzt bei allen mit Namen Susi entschuldigen - eine heile Welt vorgegaukelt, anstatt dass man sie auf die beinharte Arbeitswelt vorbereitet. Je mehr Integrationsprobleme es gibt, desto mehr Förderungen werden ausgeschüttet. Das ist ein System, das sich selbst erhält, ein milliardenschwerer Kreislauf aus Sozialromantik und Förderbürokratie. (Beifall bei der FPÖ.) Und wer zahlt das alles? - Die Wiener Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Die Eltern, die selbst kaum wissen, wie sie die nächste Stromrechnung bezahlen sollen, finanzieren über ihre Abgaben eine Sozialindustrie, die scheitern zur Daueraufgabe gemacht hat. Solange in den Schulen Dolmetscher gebraucht werden, solange Kinder nach Jahren in Österreich kein ausreichendes Deutsch sprechen, ist Ihre Art der Förderung hinausgeworfenes Geld. Natürlich sollen Kinder, die Hilfe brauchen, Unterstützung bekommen, aber diese Hilfe muss zielgerichtet sein, nicht ideologisch motiviert und nicht uferlos. Wir müssen unsere eigenen Kinder, unsere eigenen Familien, jene, die sich anstrengen und unsere Werte leben, in den Mittelpunkt stellen, nicht jene, die Integration verweigern. Dieser Verein mag zwar gute Absichten haben, aber er ist Teil eines Systems, das auf falschen Prämissen beruht. Unsere Jugend braucht keine inhaltsleeren bunten Workshops. Sie braucht Chancen, und diese Chancen gibt es nur, wenn endlich Leistung und Verantwortung wieder Vorrang haben. Wir Freiheitlichen stehen dafür auf jeden Fall - klar, konsequent und ohne ideologische Scheuklappen. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Frau Abg. Bakos zum Wort gemeldet. GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS): Vielen Dank. - Sehr geehrter Herr Kollege Sauer! Ich meine, ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, und das ist selten der Fall - also so verwirrt wie jetzt war ich schon lange nicht mehr, das möchte ich damit ausdrücken -, ob Sie den Akt erstens gelesen haben und, zweitens, ob Sie ihn nicht vertauscht haben. Ich möchte jetzt noch einmal vorlesen, worum es bei diesem Poststück geht. Es geht um den Fokus auf präventive Maßnahmen zur psychischen Gesundheitsförderung von Jugendlichen, es geht um die Sensibilisierung für die Wechselwirkungen zwischen Mediennutzung und psychischem Wohlbefinden - natürlich für alle Kinder und Jugendliche. Es geht hier nicht um Integration, es geht hier um die Stärkung von Resilienz und - ich habe vorhin davon gesprochen - um Enttabuisierung und Entstigmatisierung von psychischen Problemen. Sie könnten sich hier herausstellen und sagen: Wir wollen das nicht, es interessiert uns nicht, wie es unseren Kindern und Jugendlichen geht! - Stattdessen halten Sie eine Rede, die absolut unangebracht ist, weil sie eine vollkommene Themenverfehlung ist ... (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Frau Kollegin, Sie haben sich zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Wort gemeldet. Sie können sich sonst noch einmal zu einem Redebeitrag zu Wort melden, aber ich glaube, es wurde jetzt schon berichtigt. GRin Mag. Dolores Bakos, BA (fortsetzend): Ich bin schon am Ende. - Herzlichen Dank. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zum Wort gemeldet ist Frau Abg. Rezaei. Ich erteile es ihr. GRin Mag. Alexandra Rezaei (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe ZuseherInnen, liebe KollegInnen hier im Gemeinderat! Also manche Aussagen lassen mich wirklich fassungslos zurück. Ich verstehe nicht, wie man das Thema Mental Healthcare so ideologisch konnotieren kann und das eigentlich nur immer auf den Integrationsbereich und auf die Deutschkurse und auf den Deutscherwerb schiebt. Ich verstehe es nicht. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Sie haben offensichtlich den Akt tatsächlich nicht gelesen. Wir haben in den vergangenen Jahren - und da muss ich jetzt meinen VorrednerInnen zur Gänze zustimmen - enorme Zuwächse von Krisen gesehen, sowohl bei den Kindern als auch bei den Jugendlichen. Psychische Erkrankungen gehören heute zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Österreich. Ich habe mir im Zuge der Vorbereitung für diesen Redebeitrag auch die aktuelle Datenlage angesehen. Derzeit sind rund 28 Prozent der Bevölkerung von Depressionen oder depressiven Symptomen betroffen. In einer Studie rund um die Mental Health Days geben 67 Prozent der Jugendlichen an, in den letzten zwei Wochen Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit empfunden zu haben. 27 Prozent der Jugendlichen haben daran gedacht, sich selbst auch Schaden zuzufügen. Das sind meines Erachtens keine Randerscheinungen, das sind wirklich sehr alarmierende Warnsignale. Ich bin der Meinung, dass die Tage der psychischen Gesundheit absolut die Chance bieten, diese Warnsignale auch ernst zu nehmen - und zwar insofern ernst zu nehmen, dass wir einen Raum für Aufklärung und Prävention schaffen. Genau da setzt auch diese Förderung an. Wir investieren damit in eine Initiative, die die Menschen erreichen soll, bevor es zu spät ist. Worum geht es dabei konkret? - Es wurde von meinen Vorrednern ohnedies schon erwähnt. Es geht um 125 Projekttage an den Wiener Sekundarschulen mit über 600 Workshops. Die Kinder und die Jugendlichen sollen dabei Strategien gegen Mobbing, Leistungsdruck und digitale Überlastung lernen. Es soll auch Raum geboten werden, um schwierige Themen anzusprechen, wie Depressionen, Suizidprävention und Resilienz. Das alles wird auf evidenzbasierter Basis vermittelt. Evidenzbasiertes Wissen wird verwendet zu psychischer Gesundheit und auch zu Verhaltens- und Krisenbewältigungsstrategien. Flankierend dazu wird es auch Workshops für die PädagogInnen geben, auch das finde ich super, und dazu kommen auch noch die Angebote für die Eltern. Es ist also auch ein ganz wichtiges Instrument, die Eltern hier mit ins Boot zu nehmen, insbesondere wenn es um die emotionale Begleitung der Jugendlichen geht, aber auch in Bezug auf die Rolle der Eltern bei der Entwicklung von sozialen Kompetenzen. Wichtig ist natürlich auch, dass die Eltern wissen, wo sie Hilfsangebote in Anspruch nehmen können, wo man diese findet, am besten auch wohnortnah. Wie Kollegin Bakos schon erwähnt hat, wird dieses gesamte Projekt wissenschaftlich aufbereitet und auch evaluiert. Für die Qualität und für die wissenschaftliche Fundierung ist natürlich gesorgt, insbesondere auch durch die Teilnahme von ExpertInnen, insbesondere von ExpertInnen von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Psychische Gesundheit ist definitiv kein Privatproblem. Sie betrifft uns alle. Sie betrifft uns in den Schulen, in den Betrieben, aber auch in den Familien. Ich glaube, wer hier spart, der spart wirklich an der Zukunft unserer Kinder. Diese Mental Health Days stehen für mich für eine Politik, die die Menschen stärken möchte. Wir wissen, eine Gesellschaft ist immer nur so stark wie die Schwächsten ihrer Glieder. Deshalb wünsche ich mir, dass wir hier heute ein Zeichen setzen, dass nämlich psychische Gesundheit ein Grundrecht ist und die Mental Health Days auch ein geeignetes Instrument sind, dieses Recht sichtbar zu machen. Denn jede Investition in mentale Stärke ist auch eine Investition in die Demokratie, in den Zusammenhalt und auch in die Zukunft. Deswegen bitte ich jetzt auch die ÖVP und die FPÖ, dieser Förderung heute zuzustimmen. Senden wir damit ein ganz klares Signal: Wir lassen in Wien niemanden zurück. Wir geben auch notwendige Antworten auf stille Krisen. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. - Zum zweiten Mal ist Frau GRin Bakos zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS): Damit halte ich auch die GO ein. Das ist mir natürlich auch ein Anliegen. Ich möchte aber schon noch ein, zwei Worte sagen - nicht mehr zur FPÖ, denn das habe ich schon vorhin gemacht. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mein Bedauern auszudrücken, dass sich die ÖVP hier nicht zu Wort gemeldet hat. Ich habe jetzt von Kollegen Löcker - vielen Dank - erfahren, warum erstens im Ausschuss nicht zugestimmt wurde und dass zweitens höchstwahrscheinlich auch hier nicht zugestimmt wird, sondern der Akt abgelehnt wird. Wenn tatsächlich die Mehrsprachigkeit in den Broschüren für die Eltern der Grund ist, warum man diesem wichtigen Poststück nicht zustimmt, dann bin ich zutiefst fassungslos über eine ÖVP, die auch eine Schülerorganisation hat, die Mental Health - ich sage als Stichwort nur Schülerparlament - stets für wichtig befunden hat und auch stets betont hat, wie wichtig dieses Thema auch an den Schulen ist. Ich nenne da als Stichwort nur die angenommenen Anträge des SchülerInnenparlaments. Ich gebe jetzt auch noch einmal kurz eine Korrektur. Es geht nicht darum, dass Kinder diese Workshops in anderen Sprachen erleben und daran partizipieren, sondern es geht um die Eltern, die teils neu in dieser Stadt sind. Da kann ich mich dem Kollegen Löcker nur anschließen. Mir ist es grundsätzlich wichtig, dass diese wichtigen Infos zu den Eltern gelangen. Sich hier gar nicht dazu zu äußern, warum Sie dagegen sind, macht mich auch zutiefst emotional, weil ich diese populistische Manier einfach nicht nachvollziehen kann, warum einem das so viel wichtiger ist als die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und ein Zeichen an Wiens Schulen zu setzen und diesen wichtigen Schritt tatsächlich auch mit diesem Poststück und der Zustimmung dazu auszudrücken, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS und von GRin Safak Akcay.) Ich habe es aber schon gesehen und nehme das natürlich gern zurück, sofern Sie sich jetzt zu Wort melden und dementsprechend auch eine Erklärung dazu abgeben. Ich bin sehr gespannt. (Beifall bei den NEOS und von GRin Safak Akcay.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster ist Herr GR Zierfuß zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Frau Kollegin Bakos, es darf nicht überraschend sein, wenn wir dagegen stimmen. Wir stimmen heute zum dritten Mal ab. Wir sind, glaube ich, die Einzigen, die schon im Ausschuss dagegen waren. Der entscheidende Punkt ist aber schon: Was sind die Signale, die wir als Stadt aussenden? Welche Angebote macht man in welcher Art und Weise? Für uns ist vollkommen klar, dass dieses Projekt wichtig ist. Wenn wir hier sagen, dass es notwendig ist, dass Programme der Stadt vor allem auf Deutsch angeboten werden, dass Programme, die in Schulen stattfinden, auf Deutsch angeboten werden und dass auch die Info-Broschüren dazu auf Deutsch sind, dann ist es aus unserer Sicht auch notwendig darauf hinzuweisen, dass das in Zukunft so ist. Ich kann Ihnen auch sagen, dass jemand, wenn er in die Schule geht, Deutsch können muss. (GRin Mag. Dolores Bakos, BA: Es geht nicht um die Kinder! - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: ... Eltern!) Ja, es ist auch eine Entscheidung, dass wir entsprechend sagen, dass Menschen, die hier in dieser Stadt leben, das Angebot auch verstehen müssen, wenn es auf Deutsch ist. Ich möchte Ihnen schon sagen, dass dieses Projekt kommt, halten wir für gut. Dass Sie hier wieder einmal Angebote in anderen Sprachen anbieten wollen, ist aus unserer Sicht falsch. (Beifall bei der ÖVP. - VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: ... unser Angebot!) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Die Debatte ist somit geschlossen. Wir kommen zur Abstimmung über die Postnummer 2. Wer der Postnummer 2 zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das ist mit den Stimmen von NEOS, SPÖ und GRÜNEN angenommen. Es gelangt nunmehr die Postnummer 5 zur Verhandlung. Sie betrifft eine Förderung an den Verein COURAGE - Österreichisches Institut für Beziehungs- und Sexualforschung. Die Frau Berichterstatterin ist schon hier. Ich darf sie bitten, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatterin GRin Mag. Stefanie Vasold: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Hungerländer. - Bitte. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren! Eine altbekannte Diskussion. Damit es nicht langweilig wird - denn wir haben ja schon öfter Argumente ausgetauscht -, habe ich heute neue Argumente und neue Studien mitgebracht. Ich hoffe, wir kommen in der Debatte ein bisschen weiter. (Heiterkeit bei VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc und GR Mag. Josef Taucher.) Der Grund warum wir ablehnen - das ist tatsächlich eine Wiederholung -, ist unter anderem die Vermischung von Aktivismus und Beratung, die bei COURAGE passiert. Ich habe Ihnen ein Beispiel dafür mitgebracht, was ich unter Aktivismus verstehe. Ich habe das aus dem Akt herausgenommen. Hier steht - das ist nur ein Zitat aus vielen: Es geht darum, "dass die Transidentität oder Nicht-Binarität neben der Cis-Geschlechtlichkeit durch eine LGBTIQ*-affirmative Haltung als eine gleichwertige Normvariante verstanden und die Binarität der Geschlechter überwunden wird." - Das ist eine aktivistische Aussage. Nähern wir uns dieser Aussage! Was bedeutet das? - Erstens bedeutet es, es gibt mehrere Geschlechter. Diese Diskussion hatten wir schon. Ich suche Frau Kollegin Kickert mit den Augen. - Ich habe mir Ihre letzte Rede zu dem Thema herausgesucht. Sie haben damals nämlich gesagt - das war für mich etwas Neues - es gibt ja auch andere Arten des Geschlechtes, zum Beispiel das neuronale Geschlecht. Das fand ich interessant. Das habe ich nicht gewusst. Deswegen dachte ich mir, ich gehe dieser Spur einmal nach. Was könnte das sein? Ich habe einen an der Universität Wien lehrenden Evolutionsbiologen kontaktiert - denn der muss es ja wissen - und habe ihn tatsächlich völlig ergebnisoffen gefragt: Ich wurde damit konfrontiert. Gibt es unterschiedliche Arten von Geschlecht, die sich zum Beispiel neuronal oder muskulär oder wie auch immer Sie das gemeint haben ausdrücken? - Er hat milde gelächelt und gesagt: Das ist nicht der Fall. Was es gibt, nicht nur XX- oder XY-Chromosom. Das war bis jetzt unsere Debatte. Nein, der Unterschied ist Eizelle oder Samenzelle. Das gibt es in jeder Spezies, so auch beim Menschen. Das ist binär. Innerhalb dieser zwei Geschlechter gibt es unterschiedliche Normverteilungen, zum Beispiel bei der neuronalen Ausprägung, bei der muskulären Ausprägung und bei zig anderen Ausprägungen. Das bedeutet aber nicht, dass es dadurch eigene Geschlechter gibt. (GR Georg Prack, BA: Das passt halt alles nicht in eure Glaubensgemeinschaft!) Es gibt zwei Geschlechter: Mann und Frau. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen der Merkmale dieser Geschlechter. Es gibt aber keine Begründung, dass man mehrere Geschlechter zulässt, gesellschaftlich mehrere Geschlechter akzeptiert oder einen Verein fördert, der meint, es gäbe mehrere Geschlechter. (Beifall bei der ÖVP und von StRin Mag. Ulrike Nittmann.) Zweiter Punkt: der Wechsel des Geschlechts. Auch das haben wir schon öfter diskutiert. Es geht dabei um die Vergabe von Pubertätsblockern und in weiterer Folge um die Hormonvergabe. Da wird oft argumentiert, dass dadurch die psychische Gesundheit der sich selber als trans identifizierenden jungen Menschen - denn mir geht es um junge Menschen - gestärkt wird. Auch da habe ich versucht herauszufinden, auf welche Studie das zurückgeht. Das gängige Argument ist ja bekanntlich, dass die Suizidgefahr bei sich selber als trans identifizierenden Jugendlichen gesteigert ist. Das ist natürlich ein wichtiges Argument. Das muss man ernst nehmen. Ich habe nur keinen Beleg dafür gefunden, weil ich keine Differenzierung gefunden habe, dass diese gesteigerte Suizidgefahr auf Grund der Transidentität und nicht auf Grund einer anderen psychologischen Belastung besteht. Das gibt es nicht. Es gibt keine Differenzierung. Deswegen meine ich, dass dieses Argument, so wie ich es verstehe - vielleicht habe ich eine Studie übersehen -, nicht zulässig ist. (Neuerlicher Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Ich habe Ihnen eine zweite Studie mitgebracht, ganz neu von April 2025, von der Oxford University. Ich meine, die ist anerkannt. Ich zitiere: Von 107 583 Patienten - es ist auf Englisch, ich übersetze es - "matched cohorts demonstrated that those undergoing surgery were at significantly higher risk for depression, anxiety, suicidal ideation and substance use and dissociative disorders than those without surgery". (Zwischenruf bei der FPÖ.) Okay, was bedeutet das? - Es gab zwei Gruppen. Beide Gruppen haben sich als trans identifiziert. Eine Gruppe ist durch geschlechtsangleichende Behandlungen gegangen, die andere nicht. Was hat diese Studie mit 107 583 Patienten gezeigt? - Dass nach zwei Jahren diejenigen, die durch die Maßnahmen gegangen sind, ein signifikant höheres Risiko hatten, psychische Krankheiten - Mental Health - zu entwickeln, und ein deutlich höheres Risiko hatten - ich gebe es Ihnen dann, Sie können es selber herauslesen -, Drogenmissbrauch zu betreiben. Diesen Menschen ist es schlechter gegangen. Das ist die Aussage dieser Studie. Das müssen Sie auch ernst nehmen. Wenn also Ihr Hauptargument ist, dass sich selber als trans identifizierende junge Menschen auf Grund ihrer Transsexualität eine Suizidgefahr haben, dann frage ich erstens: Wie beweisen Sie das? Zweitens sage ich: Offensichtlich sind es nicht die kurzfristigen Effekte, aber die langfristigen Effekte, dass es diesen Menschen nicht besser geht oder dass es den Menschen sogar psychisch schlechter geht. Damit muss man sich ernsthaft auseinandersetzen, bevor man einen Verein fördert, der genau solche Leute berät, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP und von StRin Mag. Ulrike Nittmann.) Dritter Punkt aus dem Zitat: "Transfrauen sind Frauen." Das ist ja auch etwas, was wir hier öfter diskutiert haben. Das lässt sich aus der Positionierung von COURAGE ableiten. Meine Damen und Herren, ich erinnere daran, dass eine bekannte Transfrau von COURAGE beraten wurde, nämlich Frau Waltraud. Frau Waltraud ist eigentlich das Kind, das schreit: Der König ist nackt. Frau Waltraud zeigt uns allen im Konkreten auf, wie absurd dieses System ist, meine Damen und Herren. Frau Waltraud ist kein Betrug. Frau Waltraud ist kein Sonderfall. Frau Waltraud hatte nichts mit diesem Thema zu tun. Frau Waltraud hat das durchgespielt, was rechtlich möglich ist. Frau Waltraud zeigt, dass es ausreichend ist zu sagen: Ich bin eine Frau, also bin ich eine Frau. Sie wird das rechtlich durchsetzen. (GR Thomas Weber: Das stimmt nicht!) - Na, selbstverständlich stimmt das. Wenn ich sage, dass ich eine Frau bin, dann bin ich eine Frau. Jeder von uns denkt: Ihr Erscheinungsbild ist unterschiedlich. Das mag ja sein. Wenn sie aber sagt, sie ist eine Frau und rechtlich die Transition gemacht hat, dann ist sie eine Frau. Genau das zeigt uns der Fall Waltraud, meine Damen und Herren. Diese Frau Waltraud wurde von COURAGE beraten. (Beifall bei der ÖVP.) Ich wende mich jetzt dem zweiten Teil von COURAGE zu. Neben dem Aktivismus machen sie dort ja auch Beratung, unter anderem Elternberatung. Diese Elternberatung soll ja jetzt auch ausgebaut werden. Ich glaube, ich habe es schon einmal erwähnt: Es haben sich Eltern an uns gewandt und erzählt, was bei dieser Elternberatung passiert. Ich habe Ihnen jetzt auch Bilder mitgebracht, damit Sie sehen, was in der Elternberatung, wo Eltern von Trans-Jugendlichen sitzen, so gesagt wird. Ich zitiere (ein Schriftstück in die Höhe halten): "Argumente für eine Pubertätsunterdrückung: Jugendliche sind entlastet. Irreversible körperliche Veränderungen finden nicht statt. Die Behandlung ist jederzeit reversibel." - Das sind Fake News. Das ist falsch. Es ist falsch, was dort gesagt wird. "Argumente für einen früheren Beginn der gegengeschlechtlichen Hormonbehandlung: Das Selbstvertrauen wird gestärkt. Die Aufnahme von romantischen Beziehungen wird erleichtert." Frau Kollegin Kickert, geschätzte Damen und Herren von der SPÖ und von den NEOS, die Sie das heute beschließen werden: Wo steht drinnen, dass es gesundheitliche Risiken gibt? Wo wird erwähnt, dass Hormonbehandlungen und die Gabe von Pubertätsblockern irreversible Folgen haben? Wo wird darüber aufgeklärt? Dann dachte ich mir, vielleicht auf der Website. Dann habe ich mir die Website durchgelesen. Ich habe mir alles über Hormonbehandlungen und Pubertätsblocker durchgelesen. In keinem einzigen Absatz steht, dass es Gefahren gibt. Es steht nirgendwo, dass es irreversibel ist. Es steht nirgendwo, dass das zur Fortpflanzungsunfähigkeit führen kann. Das ist gefährlich. Es ist gefährlich, wenn Sie junge Menschen in eine Beratung schicken und diese Beratung öffentlich bezahlen, wo sie nicht fair beraten werden, wo sie nicht objektiv beraten werden und wo ihnen niemand sagt: Wenn du Pubertätsblocker nimmst, dann kann das irreversible Folgen haben. Wenn du eine Hormontherapie machst, dann wird das irreversible Folgen haben. Was tun Sie den jungen Menschen an, wenn Sie nur diese Art von Beratung zulassen? Das hat nichts mit Verantwortung zu tun, meine Damen und Herren. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Ich habe mir diese Website noch weiter angesehen. Es ist sehr interessant, was ich alles gelernt habe. Ich habe gelernt, zu welchen Ärzten ich gehen sollte. Ich habe gelernt, zu welchen Psychotherapeuten ich gehen sollte, die LGBTIQ-affin sind. Ich habe diverse Links zu Vereinen gefunden, wo man lernt, wie das Brustabbinden funktioniert, wo man lernt, wie der Weg in die Hormontherapie ist, wo man lernt, wie der Weg zu Pubertätsblockern ist - wunderbar aufgearbeitet. An keiner Stelle wird auf Gefahren hingewiesen. Das, meine Damen und Herren, sind Informationen, die sich junge Menschen aus dem Web von einem öffentlich geförderten Verein holen. Ich habe über Verantwortung geredet, meine Damen und Herren. Ich sage Ihnen, was zu tun ist, damit wir unsere Verantwortung als Politik, aber genauso als erwachsene Menschen wahrnehmen. Erstens: Nehmen Sie die Evidenz wahr! Es gibt inzwischen Studien, die zeigen, dass der Weg der Transition bei Kindern und Jugendlichen nicht richtig ist. Er geht auf das sogenannte Dutch-Protokoll aus den 1990ern zurück. Das ist widerlegt. Es ist widerlegt. Es gibt meines Wissens momentan keine Evidenz, die zeigt, dass das psychische Wohlbefinden durch die Transition langfristig besser wird. Die gibt es nicht. Es gibt immer mehr Detransitioner. Es gibt diese neue Studie, die zeigt, dass es den Menschen zwei Jahre nach der Transition schlechter geht. Das ist Evidenz, die Sie nicht einfach vom Tisch wischen können. Nehmen Sie also erstens Evidenz wahr. Zweitens: Hören Sie sich auch kritische Experten an! Sie melden sich zu Wort. Hören Sie sich Biologen an, Evolutionsbiologen! Ich kann Ihnen gern den Kontakt vermitteln. Hören Sie sich Ärzte an! Hören Sie sich TherapeutInnen an! Hören Sie sich PsychologInnen an! Hören Sie sich Detransitioner an! Hören Sie sich Eltern an, die von einem Leidensweg erzählen! Hören Sie sich das an, und bieten wir dann gemeinsam als Stadt auch alternative Beratungsformen an. Denn alles, was es jetzt gibt, ist die Beratung, die durch Aktivisten passiert. Es ist falsch. Wenn ich falsch sage, dann meine ich nicht politisch falsch, wie wenn ich über Integrationsmaßnahmen oder über andere Dinge rede, die weniger konkreten Niederschlag haben. Das, was hier falsch passiert, hat eine Auswirkung auf die körperliche Integrität von jungen Menschen. Das ist eine ernste Sache. Es ist Teil unserer und vor allem Ihrer Verantwortung. Denn Sie beschließen das. Sie tragen das mit. Sie fördern das seit Jahren. Es ist Teil Ihrer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass hier nicht leichtfertig mit der körperlichen Gesundheit junger Menschen umgegangen wird. Diese Verantwortung müssen Sie wahrnehmen. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Hören Sie auf, diese Lobby zu finanzieren! Bauen wir eine zweite Möglichkeit auf, damit junge Menschen nicht affirmativ beraten werden. Hören Sie sich die Experten an! Hören Sie sich Erfahrungsberichte an, und dann rollen wir dieses ganze Thema noch einmal im Sinne der körperlichen Integrität junger Menschen auf. - Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster ist Herr GR Lugner zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Leo Lugner (FPÖ): Werte Vorsitzende, meine sehr verehrten Damen und Herren! Auf der Besuchertribüne möchte ich jetzt Frau Waltraud begrüßen, jene Dame, die dieses gesamte absurde System, das Sie hier mit dem Steuergeld der Wiener und Wienerinnen veranstalten, aufgezeigt hat. (Beifall bei der FPÖ.) Es war ja fast amüsant, wie die Transaktivisten des Vereins COURAGE gekreischt haben, als Frau Waltraud selbst an die Öffentlichkeit getreten ist, um aufzuzeigen, was hier in dieser Stadt mit unserem Steuergeld passiert. Es war insofern spannend, als der Rechtsberater, Herr Graupner, vom Verein COURAGE an die Öffentlichkeit gegangen ist und gesagt hat, das ist ein Betrug, das ist ein Scheingutachten, das, was hier passiert, stimmt alles nicht, und das alles kriminalisiert hat. Ich habe mich gefragt: Warum weiß das dieser Rechtsberater vom Verein COURAGE? - Es ist so, dass Frau Waltraud von dem Verein beraten worden ist und dort auch Tipps bekommen hat, wie sie vorzugehen hat. Ein normaler Mensch weiß ja auch nicht, wie das funktioniert. Sie hat dort dann auch Psychologen bekommen, von denen sie sich Gutachten hat anfertigen lassen. Hier wird durch die Hintertür mit Steuergeld ermöglicht, dass Menschen frei entscheiden können, ob sie Mann oder Frau sind, und dazu nichts anderes beitragen müssen, als eben eine Beratung zu konsumieren, dann noch irgendwo Geld für neue Ausweise auszugeben und einen Psychologen zu konsultieren. Das ist das, was Sie hier in dieser Stadt mit dem Steuergeld der Wiener und Wienerinnen veranstaltet haben. (Beifall bei der FPÖ.) Bei all diesen Argumenten, die jetzt auch im Nachhinein immer wieder kommen werden - Frau Waltraud schaut ja nicht aus wie eine Frau - muss ich Sie fragen: Wie hat eine Frau auszusehen? Wie hat sich eine Frau zu verhalten? Wie hat sich jemand zu kleiden, der weiblich ist? Muss eine Frau einen Rock tragen? Tragen alle Damen hier herinnen einen Rock? Haben alle Damen, die hier sind, eine lange Haarpracht? Schminken sie sich? Machen sie sich die Nägel? - Nein, natürlich nicht. Es gibt keine Vorgaben, wie sich eine Frau zu verhalten hat, und auch keine Vorgaben, wie sich eine Frau zu kleiden hat. (GRin Mag. Dolores Bakos, BA - erheitert: Das wäre gut! Danke dafür!) - Ja, das ist auch eine Debatte, die Sie hier vorangetrieben haben. Da sieht man: Es beißt sich letztendlich wieder der Fuchs in den Schwanz. Sie stolpern am Ende über Ihre eigene Ideologie. (Beifall bei der FPÖ.) Ich kann jetzt hier nur noch einmal an die Vernunft aller appellieren. Lehnen Sie die Förderung von 40 000 EUR für diesen Verein ab. Ich möchte noch sagen: Wir reden hier über 700 000 EUR, die der Verein bereits in der Vergangenheit bekommen hat. Das sind 10 Millionen Schilling, damit der Verein im Endeffekt so einen Unsinn veranstaltet. (VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Also bitte!) Da passiert nichts Produktives. Da passiert nur Unproduktives. Wir sehen es. Es ist jetzt öffentlich geworden. Anstatt den Fehler einzugestehen, wollen Sie diesen absolut unproduktiven Unfug jetzt noch weiter subventionieren. (Beifall bei der FPÖ.) Vielleicht jetzt noch abschließend an die ÖVP: Du hast sehr viel Richtiges gesagt, liebe Caroline. Dennoch ist es, glaube ich, notwendig, dass ihr auch innerparteilich ein bisserl darüber sprechen müsst. Es ist so, dass gerade die ÖVP in erster Konsequenz auf den Instagram-Seiten der Bundespartei genauso in die Kerbe geschlagen hat, dass das alles ein Betrug ist und man das Geschlecht nicht frei auswählen kann. (Zwischenruf von GR Thomas Weber.) Frau Waltraud hat gezeigt, man kann es. Das liegt vielleicht daran, dass ihr selbst Transaktivisten bei euch in der Partei habt. Hier (ein Foto in die Höhe haltend, auf dem Nico Marchetti mit einer Regenbogenfahne zu sehen ist) euer Generalsekretär Nico Marchetti mit der Transfahne. Klärt also intern einmal ab, welche Parteilinie ihr überhaupt habt! (Beifall bei der FPÖ. - Heiterkeit bei GR Lukas Brucker, MA.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste ist Frau GRin Haase zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Mag. (FH) Susanne Haase (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren, liebe KollegInnen, liebe Frau Vorsitzende, liebe ZuschauerInnen via Livestream! Vor allem liebe Community! Falls Leute aus der Community heute zugehört haben, möchte ich vorab betonen: Wien ist nicht so, wie meine Vorredner das gerade gezeigt haben. Wien liebt euch. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Wien liebt euch so, wie ihr seid - und das in aller Vielfalt. Nicht ihr seid das Problem. Ich wundere mich schon immer sehr, wie viel gezielter Hass, wie viel grobes Unverständnis und wie viel wirkliche Falschinformationen hier über eine so kleine und verletzliche Minderheit verbreitet werden. (GR Wolfgang Irschik: Wo war Hass?) Denn um auch einmal die Dimensionen ein bisserl festzuhalten, worüber wir hier reden: Laut Studien und je nach Definition machen Transpersonen ungefähr 0,5 bis 1 Prozent der Bevölkerung aus. (StR Dominik Nepp, MA: Never!) Das sind bei zwei Millionen WienerInnen gerade einmal 10 000 - ein bisserl mehr - Personen. Das ist nicht einmal das Rapid-Stadion. Es stellt sich für mich schon die Frage: Warum macht man Stimmung gegen eine kleine Gruppe von Menschen, die kaum Macht haben und jeden Tag in Ablehnung, Angst und Diskriminierung leben müssen? - Es ist ganz klar, es ist ein ganz gezielter Angriff auf unser queeres Leben, auf unsere Menschenrechte, auf die Frauenrechte und auf alle Rechte von Minderheiten. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN. - StR Dominik Nepp, MA: Frauenrechte? Das ist stark!) Wer mit solcher Vehemenz gegen die Selbstbestimmung und Minderheitenrechte auftritt, der betreibt keine Wertepolitik, sondern er macht sich zum Sprachrohr eines rechten Kulturkampfes gegen alles, was unsere Demokratie ausmacht. Ein Steigbügelhalter zu dieser rechten Ideologie ist hier in diesem Haus leider auch immer die ÖVP. Das möchte ich hier auch betonen. Denn das Christlich-Soziale ist bei diesem Thema schon völlig verloren gegangen. Ich weiß, dass das nicht die durchgängige Meinung der ÖVP ist. Ich kann euch da aber leider nicht aus der Verantwortung nehmen, weil es gefährlich ist. Es ist gefährlich für unsere Demokratie, für unsere Vielfalt und auch für das soziale Klima in unserer Stadt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Deshalb ist es mir wichtig, heute auch ein paar Dinge klarzustellen, ganz sachlich und faktenbasiert, aber schon auch unmissverständlich. Erstens: Es gibt mehr als zwei Geschlechter. Der Verfassungsgerichtshof hat das 2018 eindeutig entschieden. Intergeschlechtliche Personen haben das Recht auf einen passenden Geschlechtseintrag. Seit 2019 ist das im Personenstandsgesetz verankert. Das heißt, der Staat darf niemanden zwingen, sich als männlich oder weiblich zu deklarieren, wenn das nicht seiner Realität entspricht. Wer heute noch behauptet, es gäbe nur zwei Geschlechter, ignoriert absichtlich oder unwissentlich sowohl die Rechtsprechung als auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - GR Wolfgang - Daumen und Zeigefinger aneinander reibend: Außer wenn es um die Pensionen geht!). Zweitens: Trans sein ist keine Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Transgeschlechtlichkeit aus der Liste der psychiatrischen Erkrankungen gestrichen. Sie gilt seither als eine Variante der menschlichen Identität und nicht als Störung. (StR Dominik Nepp, MA: Variante!) Das eigentliche Problem ist nicht das Transsein an sich. Das Problem ist die Ablehnung durch die Gesellschaft. Diskriminierung macht krank und nicht die Identität. Wer Transpersonen krankredet, arbeitet nicht an Lösungen, sondern an neuen Traumata. Drittens: Der Weg in das andere Geschlecht ist ein langer und mühsamer, den niemand leichtfertig geht. Schon die Diagnose ist ein aufwendiger Prozess und setzt eine klinisch-psychologische, eine psychotherapeutische und eine psychiatrische Diagnose voraus. Erst wenn diese drei Diagnosen vorliegen, braucht es einen Konsensbeschluss, damit es überhaupt in einen weiteren therapeutischen Prozess geht. Viertens - an Kollegin Hungerländer: Transaffirmative Beratung schützt, sie manipuliert nicht. Organisationen wie die COURAGE leisten seit Jahren professionelle Arbeit. Sie unterstützen, begleiten und stärken. (StRin Mag. Ulrike Nittmann: Wahnsinn!) Sie drängen niemanden, sie hören zu. Transaffirmativ heißt, Personen werden in ihrer Identität ohne Wertung und ohne Vorurteile ernst genommen. Ich erinnere daran: Noch vor wenigen Jahrzehnten galt hier in Österreich dasselbe für schwule, lesbische und bisexuelle Menschen. Sie wurden als pervers und als heilbar eingestuft. Heute erleben Trans- und nicht binäre Menschen denselben Hass. Genau deshalb braucht es Formen der Beratung: affirmativ, zugewandt und respektvoll. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Fünftens - auch eine Botschaft an die ÖVP: Konversionstherapien sind keine Therapien, sie sind Gewalt. Sie versuchen, die Identität einer Person zu brechen, weil sie voraussetzen, dass Transsein wegtherapiert werden kann. Durch diese unmenschlichen Umpolungsbehandlungen erleiden Menschen unfassbare und in diesem Fall teilweise tatsächlich irreversible Schäden. (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) Die UNO bezeichnet diese Methoden mittlerweile als Folter. In immer mehr Staaten sind sie verboten. Das ist gut so. Es wird Zeit, dass dieses Verbot endlich auch in Österreich kommt und die Blockade der ÖVP hier im Bund endlich aufhört. Wir als Stadt Wien setzen uns in der rot-pinken Regierungskoalition für dieses Verbot ein - und zwar für alle Menschen, für sexuelle Orientierung und für Geschlechteridentität, weil niemand in dieser Stadt gezwungen werden darf, sich selbst zu verleugnen. Damit komme ich zum fünften Punkt: Transsein ist keine Modeerscheinung. Mehr Sichtbarkeit bedeutet nicht, dass es plötzlich mehr Transmenschen gibt. Es bedeutet, dass Menschen sich trauen, sichtbar zu sein, weil sie weniger Angst haben - auch dank der Community, der langjährigen Arbeit aller AktivistInnen, engagierter LehrerInnen und ÄrztInnen und eben auch Beratungsstellen wie COURAGE. Transsein ist eine Realität, die es seit Jahrtausenden und in allen Kulturen gibt. Transsein ist kein Trend. Das Gegenteil ist der Fall. Fakt ist - das ist auch mit Studien belegt -, dass Jugendliche, die sexuellen Minderheiten angehören - vor allem Transgender-Jugendliche im Vergleich zu ihren heterosexuellen Cisgender-Altersgenossen - ein deutliches Risiko von Selbstmord und Selbstmordversuchen haben. Das können Sie nicht leugnen, Frau Hungerländer. So zeigt eine kanadische Studie, dass Transgender-Jugendliche und junge Erwachsene fünfmal häufiger Suizidgedanken haben und das Risiko eines Suizidversuchs 7,6-fach erhöht ist. Umso wichtiger sind Einrichtungen wie das erste queere Jugendzentrum und gerade auch Beratungsstellen wie COURAGE, um diese Kinder gut und sicher durch die Pubertät zu bringen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Jetzt noch ein paar Worte zum Fall Waltraud. Ganz ehrlich, es ist ein Fall von versuchtem Sozialbetrug. Man kann es nicht anders sagen. Das wird mittlerweile gerichtlich überprüft und wird ein Nachspiel haben. Genau das ist der Punkt. Das System funktioniert. Das Wiener Standesamt hat reagiert. Die Justiz prüft - und es wird rechtliche Folgen geben. (StR Dominik Nepp, MA: Erst nach öffentlich werden! Erst nachdem es in der Zeitung war!) Mir ist es an dieser Stelle wichtig zu sagen, dass Herr Walter P. von COURAGE niemals eine Bestätigung für seine fälschlich vorgegebene Transsexualität bekommen hat. Alle Behauptungen in diese Richtung sind falsch. Wenn man die Presseaussendung von COURAGE einmal gelesen hätte, wurde dort auch entsprechend richtiggestellt, was dort passiert ist. (GR Leo Lugner: Kindesweglegung!) - Ja, ja. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Liebe Kolleginnen, wir konnten in den letzten Wochen zwei Studien präsentieren, die die Stadt Wien in Auftrag gegeben hat, die unseren Wiener Weg auch bestätigen. (Neuerlicher Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) Letzte Woche wurde die umfassende Studie "Queer in Wien II" im Rahmen der großen Konferenz der WASt, der Wiener Antidiskriminierungsstelle, präsentiert, eine umfassende Studie, durchgeführt vom IHS, zur Lebenssituation von LGBTIQ+-Personen, an der fast 5 000 Personen teilgenommen haben. Bei dieser Studie kommt neben vielen anderen wichtigen Erkenntnissen - sie ist über 200 Seiten lang und geht wirklich sehr stark in die Tiefe -, eines ganz klar heraus: Trans-, Inter- und nicht binäre Menschen gehören zu den am stärksten diskriminierten Gruppen in unserer Gesellschaft. Es liegt an uns, einen Schutzschirm aufzuziehen und dieser Gruppe einen besonderen Schutz zukommen zu lassen. Die zweite Studie konnten wir vor wenigen Wochen gemeinsam mit der Wiener Wirtschaftskammer präsentieren: "Diversity Management in der Dimension LGBTIQ in Wiener Unternehmen". Diese Studie bestätigt wissenschaftlich, was wir politisch schon längst wissen: Vielfalt und Diversität zahlen sich aus. Unternehmen, die LGBTIQ+-Diversity ernst nehmen, schaffen ein besseres Arbeitsklima, zufriedenere MitarbeiterInnen, weniger Fluktuation und mehr Innovationskraft. Vielfalt macht Unternehmen krisenfester und ökonomisch menschlicher. Liebe KollegInnen, wir, die queere Community, fordern nicht mehr als das, was andere schon längst haben: Rechte, Würde, Sicherheit, Sichtbarkeit, eine gerechte Gesundheitsversorgung, ein Familienleben, eine Zukunft ohne Angst und dass unsere queeren Kids die Pubertät überleben und gesund erwachsen werden dürfen. Wir haben schon viel erreicht, aber noch nicht genug. Wir gehen nicht zurück, keinen Schritt. Wir lassen uns nicht einschüchtern - nicht von rechten Ideologien, nicht von Hetze und auch nicht von jenen, die sich christlich nennen, aber nur menschenfeindlich argumentieren. Transrechte sind Menschenrechte. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu diesem Akt. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste ist Frau GRin Kickert zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Dr. Jennifer Kickert (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren vor den Bildschirmen, oben auf der Galerie und auch hier, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich werde dem, was ich vor zwei Jahren gesagt habe, nicht viel hinzufügen, weil ich immer noch glaube, dass das, was ich damals gesagt habe, ziemlich richtig ist. Ich möchte aber auf zwei Punkte eingehen, die Frau Hungerländer erwähnt hat, nämlich dass eine Hormonbehandlung selbstverständlich Auswirkungen auf die körperliche Integrität hat und dass solche Entscheidungen nicht leichtfertig gefällt werden sollten. Das ist ja der Grund, warum wir solche Organisationen wie COURAGE fördern, weil in diesen Institutionen eine ausführliche Beratung stattfindet. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS. - Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer und von StR Dominik Nepp, MA.) Frau Hungerländer, Sie zitieren hier immer Eltern, die das eine sehen und das andere nicht. Interessanterweise kenne ich viele Betroffene, die durch die COURAGE-Beratung gegangen sind und mir genau das Gegenteil erzählen. Sie sagen, es war eine ausgesprochen langwierige Beratung - manchmal länger, als sie es haben wollten oder sich zu Beginn vorgestellt haben -, dass aber eine Therapie halt länger braucht, als man vielleicht manchmal annimmt, und dass sehr wohl über Vorteile und auch Nachteile gesprochen wird. Denn genau das ist es ja, was die Grundlage für eine Entscheidung ist. Man muss gut informiert sein. Meines Wissens und erstaunlicherweise auch meiner persönlichen Erfahrung nach passiert genau das bei den Beratungen in der COURAGE. Wenn man sich auf Zeitungsberichte stürzt - das kann man machen. Ich habe heute beim Warten auf einen HNO-Termin, den ich vorher hatte, einen Post von Armin Wolf gelesen, der die Definition von Gerhard Bacher genommen hat: "Journalismus ist die Unterscheidung zwischen wahr und unwahr, zwischen wichtig und unwichtig und zwischen Sinn und Unsinn." Ich würde sagen, das, was die "Kronen Zeitung" oftmals macht, ist nicht Journalismus in der Definition von Gerhard Bacher. Sich daher auf solche Artikel zu berufen, ist aus meiner Sicht auch nicht die beste Voraussetzung für eine halbwegs evidenzbasierte politische Entscheidung. (StR Dominik Nepp, MA: ... Politik vom "Standard"!) Ich werde Sie offensichtlich nicht davon überzeugen. Sie wollen es auch nicht. Sie haben auch nie - wie soll ich sagen? - das Angebot angenommen, COURAGE zu besuchen und sich vor Ort ein Bild zu machen. Sie sind sich Ihrer Sache sicher. So soll es sein. Ich bin mir meiner Sache ebenso sicher. Nur schaffe ich es, nicht menschenverachtend zu argumentieren. Ich schaffe es, Personen, die davon betroffen sind, nicht herabzusetzen, was ich nicht von allen Kollegen in diesem Saal behaupten kann. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster ist Herr GR Weber zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Thomas Weber (NEOS): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, Frau Berichterstatterin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste auf der Galerie! Ich glaube, wenn wir der heutigen Diskussion zuhören, dann zeigt die Art und Weise, wie heute von der FPÖ, aber auch von Teilen der ÖVP argumentiert, diskutiert, skandalisiert und kampagnisiert wird, wie wichtig die Beratungsstelle COURAGE in unserer Stadt ist. (Beifall bei den NEOS.) Denn in einer Zeit, in der queere Themen bewusst verzerrt, aufgeheizt und immer wieder als Bedrohung dargestellt werden, braucht es eben Orte, an denen Fakten, Expertise und professionelle Unterstützung im Vordergrund stehen. Genau so ein Ort ist die Beratungsstelle COURAGE. (Beifall bei den NEOS.) Seit 25 Jahren ist COURAGE eine der wichtigsten psychosozialen Anlaufstellen für queere Menschen, für ihre Angelegenheiten und für ihre Angehörigen. Der Bedarf ist tatsächlich enorm. 2024 gab es über 3 800 Beratungen und über 1 200 Klientinnen und Klienten. Fast die Hälfte davon betraf Transmenschen, viele davon in psychischen und familiären Konflikten mit Diskriminierungs-, aber auch mit Gewalterfahrungen. Gleichzeitig gibt es eine Warteliste von bis zu vier Monaten. Das zeigt auch sehr schön, wie sehr dieses Angebot von COURAGE in Wien gebraucht wird. Die Qualität der Beratungsstelle COURAGE ist sehr hoch. Es gibt qualifizierte Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Supervision, strukturierte Fallkonferenzen - es gibt nie Einzelentscheidungen - und vor allem eine enge Vernetzung mit dem Wiener Gesundheitsverbund. Wichtig ist - obwohl wir das in der politischen Debatte ja immer wieder anders hören -, es geht nicht um Aktivismus. Es geht um professionelle psychosoziale Versorgung, die Menschen schützt, Familien stärkt und Krisen verhindert. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.) Ein bisschen zur Evidenz, weil das Wort heute sehr strapaziert worden ist: Die Evidenz ist eindeutig. Menschen mit Geschlechtsinkongruenz, wenn also das empfundene Geschlecht nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, gehören zu den vulnerabelsten Gruppen im Gesundheitssystem. (GR Armin Blind: Das ist nicht ...!) Die Zahlen sind sehr klar. 60 bis 70 Prozent dieser Menschen leiden an Depressionen, oft mit erhöhter Suizidalität. Rund die Hälfte dieser Menschen kämpft mit Angststörungen. Das sind Menschen in realen und teilweise lebensbedrohlichen Krisen. Alle führenden Fachgremien, etwa der deutsche Ethikrat oder die nationale Ethikkommission in der Schweiz, betonen auch eines übereinstimmend: Jugendliche brauchen Respekt. Sie brauchen Schutz. Sie brauchen eine sorgfältige, fachlich fundierte Begleitung. Sie brauchen keine politische Vereinbarung. Weder ist Geschlechtsinkongruenz eine Mogelpackung oder ein Modephänomen, noch sind medizinische Maßnahmen automatisch die einzige richtige Antwort. Eines zeigt die Evidenz sehr deutlich: Eine unterstützende und nicht pathologisierende Begleitung verbessert die psychische Gesundheit und Lebensqualität ganz signifikant. Wichtig dabei ist: Es zählt immer der individuelle Fall, wissenschaftlich, therapeutisch und ethisch verantwortet. Genau diese Form der professionalisierten und professionellen Begleitung liefert auch die Beratungsstelle COURAGE. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Kommen wir aber nun zum politischen Befund. Ich möchte meine Worte zuerst an die ÖVP richten. Ich sage es ganz offen: Als vor einigen Wochen Markus Figl aufgetreten ist und angekündigt hat, der ÖVP eine neue Zukunftsvision zu geben, habe ich mich ja wirklich ehrlich gefreut. Es wäre ja dringend notwendig - eine konservative Partei, die im 21. Jahrhundert angekommen ist und die gesellschaftlichen Realitäten anerkennt. In dieser Debatte heute und in all diesen Debatten in der Vergangenheit sehen wir aber wieder etwas komplett anderes. Es ist genau jene alte, klerikal konservative Linie, die seit Jahren gegen alle queeren Beratungsstellen, gegen die Regenbogenparade und gegen das queere Jugendzentrum hetzt. Es ist die gleiche Ideologie, die sich in bestimmten Kirchenkreisen, in Freikirchen und in Opus Dei-nahen Milieus wiederfindet. Eine Ideologie, die vorgibt, Familien schützen zu wollen, gleichzeitig aber jene Einrichtungen attackiert, die genau das machen, nämlich Familien unterstützen. Eine Ideologie, die vorgibt, Kinder zu schützen, aber wissenschaftliche Evidenz ignoriert und die Bedürfnisse von vulnerablen Menschen kleinredet, und bei der immer wieder versucht wird, queere Themen zu moralisieren, zu skandalisieren und politisch auszuschlachten, statt sich mit Fakten auseinanderzusetzen. Genau diese Debatte heute ist auch ein Lackmustest. Wie sehr nimmt es die ÖVP ernst mit ihrer inhaltlichen Neuausrichtung? - Denn wer von Zukunft spricht, der muss einmal die Gegenwart anerkennen. Die Beratungsstelle COURAGE macht in Wirklichkeit das, was konservative Politik an dieser Stelle eigentlich tun müsste, nämlich Menschen stärken, Familien unterstützen, Krisen abfedern und Leid verhindern. Das ist professionelle und verantwortungsvolle Arbeit. Sie verdient Unterstützung statt politischer Kampagnisierung. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - Zwischenruf von StRin Mag. Ulrike Nittmann.) Zum Schluss noch ein Wort zur FPÖ. Die FPÖ versucht ja seit Tagen, einen einzelnen Fall von jemandem, der offenbar gezielt provozieren wollte, um in ein Frauengefängnis zu kommen, politisch auszuschlachten, einen Fall, der in Wirklichkeit so wirkt, als ob er für die freiheitliche Erzählung bestellt worden wäre. Daraus konstruiert die FPÖ nun den Beweis, dass das gesamte System der Geschlechtsänderung und jede Form professioneller LGBTIQ-Beratung aus den Fugen geraten sei. Nur ist das falsch. Sogar die Förderhöhe, die in der Presseaussendung der FPÖ über den Verein drinnen steht, ist falsch. So viel zu den Fakten. (StR Dominik Nepp, MA: ... hat sich erhöht!) Die Beratungsstelle COURAGE - darauf legt sie Wert - hat dieser Person weder eine Stellungnahme noch irgendeine Unterstützung für eine Personenstands- oder Vornamensänderung gegeben. Es gab ein einziges Informationsgespräch. Danach ist diese Person nie wiedergekommen, und der Fall war für die Beratungsstelle COURAGE beendet. Die Darstellung der FPÖ und jener Medien, die hier ungeprüft aufspringen, ist falsch. Der entscheidende Punkt ist: Würde jemand versuchen, ein System zu missbrauchen oder ein Gefälligkeitsgutachten zu erstellen - übrigens nicht COURAGE, sie hat kein Gutachten erstellt -, dann ist das kein politisches Argument. Dann ist das ein Fall für die Justiz. Das klären die Gerichte, nicht der Gemeinderat und schon gar nicht die Schlagzeilenpolitik. (Zwischenruf von GR Leo Lugner.) Eines, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist aber sicher: Die FPÖ nutzt einen mutmaßlichen Missbrauchsfall, um eine ganze Gruppe von Menschen zu diffamieren und eine Einrichtung anzugreifen, die korrekt, professionell und gesetzeskonform arbeitet. Was die FPÖ hier macht, ist keine Kritik. Es ist eine politische Kampagnisierung. Es ist die bewusste Verzerrung eines Einzelfalls, um Stimmung gegen eine Minderheit zu machen. Es zeigt vor allem eines: Die FPÖ hat kein Interesse an Fakten. Sie hat nur Interesse an Feindbildern. Wer Politik auf Feindbildern aufbaut, der beweist vor allem eines: dass er für nichts eine Lösung hat. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist Frau GRin Hungerländer zu Wort gemeldet. - Es sind sechs Minuten Restredezeit, die ich Ihnen einstelle. - Bitte. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Sehr geehrte Damen und Herren! Nehmen Sie meine zweite Wortmeldung als Ausdruck dessen, wie wichtig mir das Thema ist, und zwar dann, wenn es um Jugendliche geht, die in Richtungen beraten werden, die irreversibel sind. Lassen Sie mich aber ein paar Antworten zu den Vorrednern geben! Dieser Fall Waltraud ist erst durch die Selbstveröffentlichung zutage gekommen. Wäre Frau Waltraud nicht an die Öffentlichkeit gegangen, wäre alles problemlos durchgegangen, weil es systemisch möglich ist. Das hat Frau Waltraud gezeigt. Ich würde Ihnen raten, nicht von dieser Person zu sprechen oder den männlichen Namen zu benutzen. Frau Waltraud ist eine Frau, also bitte nicht missgendern. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.) Zum Thema transaffirmativ und zu Konversionstherapien. Ich erinnere an den inzwischen sehr bekannten Fall Bell gegen Tavistock. Darin geht es genau um das Thema, dass junge Menschen geklagt haben, dass sie - das war in Großbritannien - nicht richtig beraten wurden. (Zwischenruf von StR Peter Kraus, MSc.) Junge Menschen wurden falsch beraten, nämlich affirmativ, haben sich einer Behandlung unterzogen und sind dann draufgekommen, sie sind doch nicht in dem Geschlecht, sondern hatten andere psychische Probleme oder waren homosexuell, standen aber mit einem Körper da, der verändert war - und zwar irreversibel. Sie erinnern sich daran, wie der Fall Bell gegen Tavistock ausgegangen ist? - Die Klinik wurde geschlossen. (StR Peter Kraus, MSc: In England! Das ist ja ganz ...!) Also, ja, es gibt berechtigte Kritik an affirmativen Behandlungsmethoden. Es gibt einen Grund, warum wir Konversionstherapien für Transjugendliche ablehnen, weil der Frage, wie man jemanden berät und eruiert, ob diese Person tatsächlich transident ist oder vor einer anderen Herausforderung steht, bei einer affirmativen Behandlung nicht nachgegangen wird. Das kritisiere nicht ich, denn ich bin keine Jugendtherapeutin, sondern das kritisieren PsychologInnen und JugendtherapeutInnen, die mit uns zusammenarbeiten, die uns das erklären und die wir fragen. Auch das sind ExpertInnen, die genau so recht haben oder nicht recht haben, Frau Kollegin Kickert, und die genauso angehört werden müssen. Sie hören sich eine Seite an. Seit Jahren erzählen wir Ihnen hier, es gibt eine zweite Seite. Es gibt Evidenz für andere Meinungen von anderen Experten. Sie blenden das einfach aus. Was mich am meisten ärgert - das geht jetzt in Richtung Frau Kollegin Haase und Frau Kollegin Kickert -, ist, uns zu unterstellen, wir hätten rechte Rhetorik (GR Georg Prack, BA: Ja!), die antidemokratisch ist, weil ich mich hier herstelle und sage, dass ich es falsch finde, dass Jugendliche affirmativ beraten werden, und dass ich es falsch finde, dass auf der Seite von COURAGE an keiner Stelle aufgeklärt wird, dass Hormontherapien irreversibel sind. (Zwischenruf bei den GRÜNEN. - StR Peter Kraus, MSc: Gehen Sie einmal hin!) - Das stimmt sehr wohl. Ich habe mir die gesamte Seite Wort für Wort durchgelesen. An keiner Stelle wird darüber aufgeklärt, dass Pubertätsblocker irreversible Folgen haben. Das kritisiere ich. Sie kommen heraus und sagen, das ist antidemokratisch. Das ist Ihr Beitrag zu einer demokratischen Debatte? Das ist Ihr Beitrag zu einer sachlichen Debatte hier, meine Damen und Herren? - Sie sprechen von Frauenrechten. Frauenrechte sind für mich Rechte biologischer Frauen, meine Damen und Herren. (StR Peter Kraus, MSc: Für Sie, okay!) Ich weise es von mir, dass unsere Meinung und meine Rede, die von Studien, von Evidenz und von sachlichen Argumenten getragen war, als menschenverachtend, als rechts und - besonders interessant - als antidemokratisch und als Personen herabsetzend geframt wird. Das ist Ihrerseits kein sachlicher Beitrag zu einer Auseinandersetzung. Ich erwarte aber, dass Sie evidenzbasiert argumentieren. Denn hier geht es um ein ernstes Thema. Hier geht es um die körperliche Integrität von jungen Menschen und besonders von jungen Frauen, denn sie sind die Hauptbetroffenen. Diese Debatte muss ernsthaft geführt werden. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich GRin Hu gemeldet. - Bitte. GRin Jing Hu, BA, MPharm (NEOS): Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Frau Vorsitzende! Ich möchte nur tatsächlich berichtigen. Ich habe mir auch die Homepage angesehen. Hier (die Rednerin zeigt eine Grafik auf ihrem Notebook, die mit den Überschriften "Diagnostischer Prozess" und "Therapeutischer Prozess" beschriftet ist) sieht man, wie kompliziert es eigentlich ist, eine Geschlechtsumwandlung zu vollziehen. Man wird schon vor Gefahren gewarnt. Einen Moment. Hier steht: "Die im Handel verfügbaren Arzneimittel, die zur Behandlung von Trans- und nicht binären Personen eingesetzt werden, sind für diese Behandlungen nicht zugelassen." - Hier steht also, dass sie darauf hinweisen, dass sie nicht zugelassen sind. Das nennt man einen medizinischen Off-Label-Use. Das bedeutet, wenn ein Arzt oder eine Ärztin einen medizinischen Off-Label-Use verordnet, muss das streng dokumentiert werden, weil die zugelassenen Medikamente dafür einfach nicht vorsehen sind. (Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Da sind die Regeln sehr streng. Wenn man also einem Arzt oder einer Ärztin jetzt vorwirft, dass sie ihre Arbeit nicht tun, dann rege ich mich als Gesundheitssprecherin wirklich auf. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - GR Harald Zierfuß: Das hat keiner gemacht!) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Lugner zum zweiten Mal zu Wort gemeldet. Die Restredezeit beträgt 16 Minuten. - Bitte. GR Leo Lugner (FPÖ): Werte Vorsitzende! Ich darf Sie beruhigen. Diese 16 Minuten werde ich nicht brauchen. Frau Hu, vielleicht noch eines: Es ist nicht so kompliziert, wenn man eine Frau werden will. Frau Waltraud hat es aufgezeigt. Ein kurzes Beratungsgespräch bei COURAGE und ein psychologisches Gutachten reichen, und am Ende des Tages kann man schon seinen Geschlechtseintrag ändern lassen. So funktioniert das in dieser Stadt. (GRin Jing Hu, BA, MPharm: Sie sind aber nicht ...!) Kollege Weber hat den Aktivismus angesprochen. Eine Kampagne wird gegen eine vulnerable Gruppe gefahren. Herr Weber, es ist so, dass von Seiten der Stadt Wien eine Kampagne gefahren wird und Aktivismus hier im großen Stil mit Steuermillionen unterstützt wird. An jeder Ecke hat man eine Transgender-Fahne. Überall wird man mit dieser Ideologie belästigt. In den Kindergärten treten Dragqueens auf. Kindern wird erklärt, sie können sich das Geschlecht frei aussuchen. Kollege Weber hat überhaupt vom zugewiesenen Geschlecht gesprochen. Es wird ja immer absurder und abstruser, was Sie hier von sich geben. Sie merken gar nicht, auf welchem Irrweg Sie sich hier bewegen und in welche Sackgasse Sie die Wiener Gesellschaft mit dieser Politik geführt haben. (Beifall bei der FPÖ.) Vielleicht noch ein letzter Satz zu Frau Haase, die im Zusammenhang mit Frau Waltraud hier von Sozialbetrug gesprochen hat. Wenn man nach Ihrer Logik geht, ist dann jede Person, die sich das Geschlecht umändern lässt, automatisch ein Sozialbetrüger, weil bei uns in Österreich Frauen natürlich zu einem anderen Zeitpunkt in Pension gehen als Männer. Vor dieser Logik warne ich. Das halte ich für besonders gefährlich. Dennoch ist es sehr wichtig, Frauenrechte zu schützen. Ich halte es für problematisch, wenn Männer behaupten, sie seien eine Frau, sich Frauenkleider anziehen oder auch nicht und dann Frauenschutzräume besuchen wollen. Das ist tatsächlich ein großes Problem. Ich glaube, da sollte man Frauenrechte ernst nehmen. Das tun Sie offensichtlich nicht mehr. Um Ihre Transgender- und Homo-Ideologie zu fördern, vergessen Sie Frauenrechte total. Das ist ablehnenswert. (Beifall bei der FPÖ. - GRin Martina Ludwig-Faymann: ... überhaupt nicht!) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen daher zur Abstimmung über die Postnummer 5. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ, der NEOS und der GRÜNEN, womit dieser Antrag mehrstimmig gegen die Stimmen der FPÖ und der ÖVP angenommen ist. Es liegen zwei Beschlussanträge vor, beide zur sofortigen Abstimmung. Der erste kommt von der ÖVP zu einem "Red Wednesday". Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP und der FPÖ. Dieser Antrag ist mit den Stimmen der SPÖ, der NEOS und der GRÜNEN abgelehnt. Der nächste Antrag stammt von der FPÖ zum Stopp geschlechtsideologischer Maßnahmen in Kindergärten. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der FPÖ und der ÖVP. Damit bleibt dieser Antrag ebenfalls in der Minderheit und ist abgelehnt. Wir kommen somit zur Postnummer 15 der Tagesordnung. Sie betrifft eine sachliche Genehmigung für die Planung Neubau Mistplatz Innstraße. Ich ersuche den Berichterstatter, Herrn GR Spitzer, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatter GR Mag. Gerhard Spitzer: Ich ersuche um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort gemeldet ist GR Stark. Ich erteile es ihm. - Bitte. GR Kilian Stark (GRÜNE): Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute über die Freigabe von 10 Millionen EUR an Planungskosten nur für die Planung eines Mistplatzes, den dort im Bezirk niemand möchte. 10 Millionen EUR für einen Mistplatz direkt am Park des Nordbahnhofs der Menschen im Nordbahnviertel an der Freien Mitte. Insgesamt soll dieser Mistplatz einmal 40 Millionen EUR kosten. In einer Zeit, in der das Budget kracht und in der an allen Ecken und Enden bei sozialen Einrichtungen, bei Kindern, Jugendlichen und armutsbetroffenen Familien gekürzt wird, sollen zig Millionen Euro für einen völlig neuen, autozentrierten Megamistplatz ausgegeben werden. Diese Schieflage können wir heute nicht kommentarlos durchwinken, meine Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Lassen Sie mich vorweg sagen, ich glaube, wir sind uns fraktionsübergreifend einig, dass die Menschen im 2. und 20. Bezirk dringend einen Mistplatz brauchen. Vielleicht für alle, die das nicht wissen: Seit 2020 werden die Menschen dort vom Umweltstadtrat in Geiselhaft gehalten, weil der alte Mistplatz während Corona sang- und klanglos geschlossen und nie wieder geöffnet wurde. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Dümmer geht's nicht mehr!) Man hat diese Gelegenheit genommen - juhu, jetzt haben wir Corona-Maßnahmen -, und gesagt, wir machen dort den Mistplatz zu, und er bleibt einfach zu. Der 2. und 20. Bezirk sind keine kleinen Bezirke, das sind bevölkerungsreiche Bezirke. Die Bevölkerung dort hat seit über fünf Jahren keinen Mistplatz mehr. Was passiert jetzt? - Nachdem man sich dort jahrelang unter der GRÜNEN-Bezirksvorsteherin, aber auch jetzt unter dem Nachfolger, dem SPÖ-Bezirksvorsteher, gegen diese Fehlplanung stemmt, drückt man das jetzt einfach durch. In Wirklichkeit war das wahrscheinlich etwas innerhalb der Koalitionsverhandlungen. Ich weiß nicht, wem dieser Standort eines Mistplatzes direkt am Park so ein großes Anliegen ist. Jedenfalls finden sich im Koalitionsprogramm viele allgemeine Aussagen, aber nichts in diesem Koalitionspapier ist so konkret drin wie, dass ausgerechnet am Park im Nordbahnviertel an der Freien Mitte dieser Mistplatz hinkommen muss. Wem bitte ist das so ein großes Anliegen? Die Parteien im Bezirk sind sich einig, das ist keine grüne Agenda, da hat wahrscheinlich auch die Klubobfrau der NEOS damals mitgestimmt, als sie noch Bezirksrätin im 2. war, dass der 2. Bezirk diesen Mistplatz dort nicht haben möchte. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Die Abstimmung war eine andere.) Ich nehme an, dass die Kollegin Rompolt, als sie noch Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin war, wahrscheinlich sich auch (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Abfallwirtschaft!) im Bezirk gegen den Mistplatz an diesem Standort ausgesprochen hat. Es geht nicht darum, dass die dort keinen Mistplatz wollen. Es gibt ja einen Mistplatz, einen Grätzel-Mistplatz, einen kleinen, feinen Mistplatz, den man erweitern und modernisieren kann. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Da spricht der wirkliche Profi jetzt.) Das sagt auch der Bezirksvorsteher Nikolai so. Aus irgendwelchen Gründen möchte man aber diesen Standort durchdrücken. Wie passiert das? Was wissen wir überhaupt? Warum das so ist? - Wir wissen in Wirklichkeit nichts über die Entscheidungsgrundlagen. Wir wissen nicht, wie viele Alternativen geprüft wurden. Wir wissen nicht, wer das gemacht hat. Wir wissen nicht, welche Standorte da geprüft wurden und nach welchen Kriterien. Es gibt einzig die apodiktische Aussage: Das ist die einzige Alternative für einen Mistplatz. Bitte, das können Sie doch den Menschen nicht erzählen, dass Sie im ganzen 2. und 20. Bezirk keinen einzigen geeigneten Ort finden. Wir reden ja jetzt nicht vom Rathausplatz, wo man sagen kann, da findet man keinen anderen Ort. Im ganzen 2. und 20. Bezirk hat es keinen anderen geeigneten Standort gegeben für einen Mistplatz? - Das ist einfach unglaubwürdig, meine sehr geehrten Damen und Herren. Es gab dort, direkt um die Ecke, schon einen Mistplatz in der Dresdner Straße. Den wollen die Menschen zurück. Da wird gesagt, das geht nicht, da ist das Tor zu eng, der ist zu klein. Wenn dann Lösungsvorschläge auf den Tisch gelegt werden, weil es da direkt daneben mögliche Erweiterungsflächen gibt und es auch die Möglichkeit einer anderen Ausfahrt gibt, sagt man: Das geht nicht. Warum? - Weiß ich nicht, schmeck's, wird nicht auf den Tisch gelegt! Das alles, wie gesagt, ist keine grüne Agenda, das war einstimmig im 2. Bezirk - und auch die Menschen wollen das nicht. In einer großen Umfrage haben sich 83 Prozent der Menschen für die Wiedereröffnung des alten Standortes und gegen den Neubau ausgesprochen. Das so intransparent ohne öffentliche Information einfach vom Tisch zu wischen, ist eine undemokratische Vorgangsweise. (Beifall bei den GRÜNEN.) Jetzt sind wir ja schon lange gegen diese Standortentscheidung sturmgelaufen, und jetzt ist dieser Akt auf den Tisch gelegt worden. (Zwischenruf von Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky.) Da habe ich gelesen: 10 Millionen EUR für die Planung. Da habe ich mir gedacht, das klingt viel. Dann schaut man einmal nach, was Mistplätze in Wien so kosten. Was kostet der Mistplatz in Wien? - Man findet wenig Daten, muss man dazusagen, aber man findet zum Beispiel einen Medienbericht über den praktischen Neubau des Mistplatzes in Stammersdorf. Das war ein alter Standort, den gab es schon, aber der ist komplett neu gebaut worden. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Neue Rampe!) Das können Sie sich anschauen, da ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Was hat der, zugegeben 2017, gekostet? - 4 Millionen EUR. 4 Millionen EUR für die Renovierung eines bestehenden Standortes, 40 Millionen EUR soll der Bau des neuen Standortes kosten. Jetzt lasse ich mir ja einreden, dass es in acht Jahren Inflation gegeben hat, und die Baukosten sind noch mehr gestiegen, also sollen sich die Kosten meinetwegen verdoppeln. Aber wir sprechen ja von einer Verzehnfachung! - 4 Millionen EUR für die Adaptierung, 40 Millionen EUR für den neuen Standort. Da muss man wirklich sagen, in einer Zeit, wo bei Sozialorganisationen der Rotstift angesetzt wird und sogar die U-Bahn um vier Jahre nach hinten verschoben wird wegen 20 Millionen EUR, baut man einen Mistplatz um 40 Millionen EUR an einem Standort, der eigentlich für geförderten Wohnbau vorgesehen ist? - Ich verstehe es nicht. Wir wollen wissen, warum wollen Sie das machen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Bei den finanziellen Dimensionen zieht es einem die Schuhe aus, aber auch bei der Fläche: 6 600 Quadratmeter groß soll der werden. Solche Größenordnungen sind immer schwer zu fassen. Ich wohne in Hütteldorf, da gibt es einen der größten Mistplätze dieser Stadt, im Auhof. Das ist ein Mistplatz, der - wie sagt man - ein autogerechter Erlebnisspielplatz ist. Da darf man gar nicht mit dem Rad und zu Fuß hinkommen. Da ist nämlich rundherum Autostraße. Der hat ungefähr diese Größe, er ist ein wenig größer, ich glaube, 7 000 Quadratmeter sind es. 6 600 Quadratmeter soll dieser Mistplatz werden, den Sie uns als Grätzel-Mistplatz verkaufen. Ich kann Sie alle nur einladen: Fahren Sie mit dem Auto in den Auhof, das ist ein richtiges Erlebnis, da gibt es ein Ringelspiel fürs Auto. Alleine auf dem Grund des Mistplatzes fährt man dort einen halben Kilometer von der Einfahrt bis zum Ende. Das ist kein Grätzel-Mistplatz, das ist einfach autogerechte Planung, wie wir sie jetzt schon bei vielen Mistplätzen gesehen haben. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Du würdest es gern in eine Mulde werfen. Oder in eine Deponie vielleicht?!) - Da gibt es Zwischenrufe vom Umweltstadtrat. Sie können das ja auch in den Akt hineinschreiben. Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass die Leute mit dem Auto hinkommen, aber Sie verkaufen uns das als einen Grätzel-Mistplatz und planen um 40 Millionen EUR einen 6 600 Quadratmeter großen Mistplatz, den dort niemand haben will. Das müssen Sie erklären, warum Sie das machen. (Beifall bei den GRÜNEN. - Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Sinnlos, wenn man es erklärt, oder?) Wir sind ja für einen Grätzel-Mistplatz. Wenn man sich anschaut, was es für andere Mistplätze gibt, die weiterhin im Betrieb sind in dieser Stadt, dann ist das zum Beispiel Hetzendorf, 3 000 Quadratmeter, also weniger als die Hälfte der Fläche; Fultonstraße, ebenso 3 000 Quadratmeter, weniger als die Hälfte. Das sind die Mistplätze, die die Menschen brauchen, die auch die Menschen im 2. und 20. Bezirk brauchen. Da können sie mit der Bim hinfahren, mit dem Auto, mit dem Rad, da können sie zu Fuß hingehen, das ist mir vollkommen wurscht. Aber wir brauchen nicht diesen Megamistplatz an einem Standort, der, wie gesagt, direkt am Park liegt und eigentlich für geförderten Wohnbau vorgesehen ist! (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Er liegt direkt am Umspannwerk. - GR Mag. Josef Taucher: Genau.) Es ist ja nicht nur eine Planung, die jetzt rein das Recycling und die Mistplätze angeht, da geht es um Stadtentwicklungspolitik. Für welche Nutzung verwende ich das Filetstück, das letzte schöne Grundstück am Nordbahnhof, das direkt am Park liegt, an der Freien Mitte? - Lege ich dort einen Mistplatz hin, den man auch um die Ecke bauen könnte, oder lege ich dort geförderten Wohnbau hin, der auch die anderen Menschen, die jetzt da rundherum schon wohnen, sicher nicht so belästigen würde wie ein Mistplatz? - Die Dimensionen passen nicht zur Fläche, sie passen nicht zur Umgebung und sie passen auch aus unserer Sicht nicht zu einer modernen und klimafitten Stadtplanung. Damit komme ich auch zu unserem Antrag. Heute wird die Planung beschlossen. Sie werden ermächtigt, 10 Millionen EUR für die Planung dieses Mistplatzes auszugeben. Erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass die Tagesordnungspunkte, die da hereinkommen, immer mit Regierungsmehrheit durchgedrückt werden. Also der Illusion, dass Sie zur Besinnung kommen, gebe ich mich gar nicht hin. Aber dass wir jetzt beginnen zu planen, heißt nicht, dass man das auch bauen muss. Und das ist unser Appell: Wir finden, dass der Beginn der Planung und die Diskussion heute nicht das Ende, sondern der Anfang der Debatte sind. Denn de facto hat es noch keine seriöse, transparente Standortalternativenprüfung gegeben. Wir wollen, dass auf den Tisch gelegt wird, was da überhaupt passiert ist, dass alle geprüften Alternativen offengelegt werden, dass offengelegt wird, nach welchen Prüfkriterien die angeschaut wurden, warum sie alle ausgeschlossen wurden und wer diese Prüfung durchgeführt hat. Und vor allem, wir wollen einen seriösen Vergleich, was die Adaptierung des bestehenden Standortes kosten würde. Wie gesagt, wir haben da Vergleichswerte von 4 Millionen EUR für die Adaptierung und 40 Millionen EUR für den Neubau, das muss man sich seriös anschauen. 10 Millionen EUR Planungskosten dürfen nicht das Ende sein, wir wollen eine echte Transparenz und eine echte Abwägung der Standorte. Damit möchte ich noch auf einen Punkt eingehen, dann muss ich mich nicht nachmelden. Es hat heute eine OTS der SPÖ gegeben. Zur Verteidigung des Mistplatzes an der Freien Mitte sind gleich drei Abgeordnete der SPÖ ausgeritten und haben mehrere Dinge behauptet. Darauf möchte ich kurz eingehen. Das Erste ist, dass die klimafitte Bauweise hervorgehoben wird. Da kommt dann Dachbegrünung und so weiter. Das ist eh total okay, wenn man schon neu baut, dann soll man es bitte nach dem Stand der Technik machen. Aber es soll mir bitte niemand verkaufen, dass der Neubau an einem Standort klimafreundlicher ist als die Adaptierung eines bestehenden Bauwerks! Das können Sie uns nicht verkaufen, und das können Sie auch den Wienerinnen und Wienern nicht verkaufen. Zweitens sprechen Sie davon, dass dieser Mistplatz eine Entlastung für tausende Haushalte bringt. Ja, die Menschen wollen endlich ihren Mistplatz, die wollen nicht so weit fahren. Ich bin mir sicher, dass die Adaptierung eines bestehenden Standorts wesentlich schneller geht als der Neubau eines neuen Standorts, der in der Planung schon 10 Millionen EUR kostet und von dem uns bis jetzt niemand einen Zeitplan vorlegen konnte, wann die Menschen endlich wieder einen Mistplatz haben werden. Auch den dritten Punkt möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: "Ein Mistplatz dieser Größe ist kein Nice-to-have, sondern ein unverzichtbarer Anker für ein dicht bewohntes, dynamisches Grätzel." - Unserer Meinung nach brauchen dicht bewohnte, dynamische Grätzel natürlich einen Grätzel-Mistplatz, das geht auf der Hälfte der Fläche - und sie brauchen vor allem geförderten Wohnbau, Arbeitsplätze und Grünraum. Das alles wird aus unserer Sicht durch diesen Standort und durch diese Planung gefährdet. Ich hoffe, dass das nicht das Ende der Debatte ist. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Stumpf. - Bitte, Sie sind am Wort. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe auch noch nie erlebt, dass bei einem Projekt dieser Größenordnung und dieser Dimension so wenig Information da ist. Wenn man sich den Gesamtakt bei Digipol herunterlädt, reden wir von fünf Seiten - und in den fünf Seiten ist die Titelseite dabei und eine leere Deckseite. Da hast du eine eineinhalbseitige Projektbeschreibung. Das kann ich dir per SMS auch schicken, Joe. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Das ist alles erst in Planung! Könnt ihr alle nicht lesen?) Aber bei einem Projekt dieser Dimension, dieser Größenordnung, Herr Stadtrat, bei 10 Millionen EUR, das noch als Grätzel-Mistplatz zu verkaufen ... Ein Headquarter soll dort entstehen. Es gibt so viele Bürgerinitiativen und so viele betroffene Menschen vor Ort. Erklären Sie ihnen bitte, dass Sie sie falsch verstehen. Sie kommunizieren von oben herab an den Menschen vorbei. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Die Basis, die Menschen, die betroffen sind, die diesen Mistplatz ablehnen, die sagen, es gibt Möglichkeiten, einen Mistplatz an einem früheren Standort auf den wirklich besten und aktuellsten Stand der Dinge zu heben, die wollen das dort nicht, weil das für sie eine Lebensqualitätsfrage ist - zurecht. Ich glaube, Sie würden das auch nicht vor der Nase haben wollen, so ein Headquarter auf, weiß ich nicht, wie viel tausend Quadratmetern. 10 Millionen EUR und 24/7. Das ist unglaublich. Dann gibt es diese Willensbekundung auch auf Bezirksebene, wo es einen einstimmigen ... (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Wir stehen am Anfang der Planung, deshalb beschließen wir das ja!) - Es ist unhöflich, wenn man die ganze Zeit hereinruft, aber okay. Ich kann es ja dann bei Ihnen auch machen. Ich bin gut im Nehmen. (Heiterkeit bei GRÜNEN und NEOS. - Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Ich nehme es zur Kenntnis.) Wenn es einen einstimmigen Bezirksbeschluss gibt, wo alle Parteien der Meinung sind, dass das wirklich nicht standardadäquat ist, dass das an den Interessen der Menschen vorbeigeht, und es dann beim Rathaus ankommt und sogar der eigene rote Bezirksvorsteher sagt, ich wurde von denen oben nicht informiert, ich werde nicht involviert in diesen Prozess et cetera, dann ist das traurig. Wenn man mit den eigenen Genossen, Kollegen so umgeht, dann darf sich die Bevölkerung noch weniger erwarten. Das ist traurig. Das ist eigentlich nicht akzeptabel, weil die Politiker für die Menschen da sind und deren Bedürfnisse im Fokus ihrer Arbeit haben sollten. (Beifall bei der FPÖ.) Also nicht einmal der eigene Bezirksvorsteher wird gehört - die Menschen, die Bürgerinitiative auch nicht. Ich habe mir gerne die Mühe gemacht und mich mit den Bürgerinitiativewerbern zusammengesetzt, auch mit ihnen telefoniert. Ich begrüße sie an der Stelle auch ganz herzlich, weil sie via Livestream zuschauen; ich weiß, dass sie zuschauen. Sie haben gesagt, sie werden mit großer Spannung dann auch den Ausführungen des Herrn Stadtrats lauschen. Ich hoffe, sie bekommen die Möglichkeit dazu. Auch diese Leute sagen: Es wurden ihnen von Anfang an überall Steine in den Weg gelegt, eigentlich sogar geschmissen. Sie haben in Eigeninitiative angefangen, eine Petition zu starten. Die Stadt Wien hat gesagt, naja diese Petitionsseite openPetition akzeptieren wir nicht. Bitte beschreiten Sie den normalen Weg der Stadt Wien. Dann haben sie in letzter Sekunde auch noch geschafft, den normalen Petitionswerberweg der Stadt Wien erfolgreich zu passieren mit über 500 - wenn ich richtig im Kopf habe, 577 oder 578 - Unterschriften innerhalb weniger Stunden, Tendenz steigend, wahrscheinlich werden nach der Debatte noch einmal etliche mehr unterschreiben. Alle wollen einen standortadäquaten Platz, nicht den in der Innstraße. Vor allem wollen sie Volksvertreter, die auf diese Sorgen, Bedenken eingehen. Hier sitzen zwei Volksvertreterinnen direkt aus der Leopoldstadt. Ich nenne sie namentlich, denn sie haben bestimmt mit ihrer Bezirksgruppe und gemeinsam mit ihrem Bezirksvorsteher der Leopoldstadt auch die Meinung geteilt, dass dieser Mistplatz dort in der Form nichts verloren hat. Sie heißen Akcay und Rompolt. Heute werden sie für dieses Projekt stimmen, und die Menschen werden sich das merken. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Anderle. - Bitte, Sie sind am Wort. GRin Patricia Anderle (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, lieber Herr Stadtrat, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich frage mich wirklich, was die GRÜNEN für eine politische Agenda verfolgen, weil sie mit Halbwahrheiten arbeiten. Es kommt dann nachher auch noch die Landstraßer Hauptstraße als Thema. Sie arbeiten nicht nur in der Stadt, sondern auch in den Bezirken mit Halbwahrheiten und Unterstellungen. Ich möchte auf jeden Fall jetzt einiges geraderücken, auch etwas, was im Antrag der GRÜNEN steht und so einfach schlicht nicht stimmt. Es wird auch nicht richtiger, wenn Sie hundertmal betonen, dass die Planung 10 Millionen EUR kostet. Tatsächlich sind 8 Millionen EUR veranschlagt und keine 10 Millionen EUR. Warum braucht es einen neuen Mistplatz und warum geht das nicht mit dem alten Mistplatz in der Dresdner Straße? - Ganz einfach, denn an der Dresdner Straße kann man nicht nur ein bisschen so umbauen, weil er so lieb ist. Die Realität ist eine völlig andere. Die Gutachten und Prüfungen haben ergeben, dass er sicherheitstechnisch und baulich nicht mehr geeignet ist. Die Einfahrts- und Verkehrssituation lässt sich dort nicht lösen. Man kann auch bei diesem Tor nicht mehr hineinfahren. Der Mistplatz ist einfach wortwörtlich am Ende. Er ist zu klein, es sind dort eben nur 3 200 Quadratmeter vorhanden, das ist nicht mehr zeitgemäß. Die Müllarten haben sich auch vervielfacht. Da geht es um Metallbaustoffe, Bio- und Sperrmüll, Reifen, Matratzen, Holz, Elektrogeräte, Tandlerware, Kunststoffe, Hartkunststoff, Textilien, Kühlschränke, Problemstoffe, Folien, Styropor, Erde und so weiter. Ein moderner Mistplatz braucht einfach viel mehr Platz. Auch die Frequenz ist wahnsinnig gestiegen, fast um das Doppelte in den letzten zehn Jahren. Heute hat man auf den Mistplätzen bis zu 400 KundInnen pro Tag, manchmal können das auch 600 werden. Durch den Zuzug am Nordbahnhof und Nordwestbahnhof wird der Bedarf noch weiter steigen. Außerdem haben wir in der Dresdner Straße auch mit der alten Leichenhalle den Denkmalschutz zu bedenken. Das sind alles Dinge, die einfach nicht lösbar sind. Wenn Sie den Bericht des Stadtrechnungshofes von 2019 lesen, steht da auch in der Empfehlung drin: "ein nicht geeigneter Mistplatz ist auf einen anderen Standort zu verlegen". Das kann man dort nachlesen, es steht dort eindeutig. Ein Umbau ist nicht möglich, ein weiterer Betrieb wäre unverantwortlich. Warum dann die Innstraße? - Die Standortuntersuchung ist kein Geheimnis, sie war auch nie eins. Die Standortfrage ist auch nicht aus dem Bauch heraus entschieden worden. Es wurden acht potenzielle Flächen bewertet. Diese Bewertung hat die Stadt extern beauftragt, sie ist durch ExpertInnen gemeinsam mit der Baudirektion und mit ganz vielen Magistratsabteilungen, der MA 21 et cetera, durchgeführt worden. Ich finde, genau das ist seriös und der Sinn einer Planung. Man muss das nach transparenten Kriterien beurteilen, nach Grundstücksgrößen, Zuschnitt, Verkehrsanbindung, Erreichbarkeit, Abstand zu den Wohngebieten - dort in der Innstraße sind es, glaube ich, 100 Meter, in der Dresdner Straße wäre es quasi genau vor der Haustür -, die Widmung, Eigentumsverhältnisse, die Sicherheitsbetriebsanforderungen und natürlich ökologische und lärmtechnische Auswirkungen. Das Ergebnis war ganz eindeutig. Nur ein einziger Standort erfüllt all diese Betriebssicherheits- und raumplanerischen Kriterien, nämlich die Fläche in der Innstraße. Der Müllplatz soll also genau dorthin kommen, wo laut städtebaulichem Leitbild Infrastruktur auch hingehört. Seit acht Jahren gibt es auch einen Gemeinderatsbeschluss dazu. Da ist beschlossen worden, dass der Standort als Teil des Vertrages mit der ÖBB für diesen Mistplatz als Infrastrukturplatz ausgewiesen wird - und diese Entscheidung war einstimmig. Nachdem es als Infrastrukturplatz bewertet worden ist, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Kosten, dadurch wird es günstiger. Ich glaube, dass Sie (in Richtung der GRÜNEN) im Antrag sagen, es sei unglaubwürdig, dass es keine anderen Standorte gebe. Ich finde, unglaubwürdig ist, wenn man sich gegen eine professionelle Standortanalyse stellt. Fakt ist, die Stadt wächst gerade rund um dieses Gebiet. Heute sprechen wir von knapp 200 000 Menschen. Es werden aber insgesamt fast 250 000 Menschen sein, und diese Menschen brauchen einen funktionierenden Mistplatz, der nicht genau in der Mitte eines Wohngebietes liegt. Dieser Mistplatz liegt jetzt eben neben dem Park, neben dem Umspannwerk, neben der Bahn. Die Freie Mitte - das möchte ich auch noch einmal betonen, weil es von der FPÖ angesprochen worden ist - bleibt wie sie ist, da wird nicht ein Millimeter weggenommen. Zur Kostenfrage, weil der Kollege Stark den Vergleich mit Stammersdorf gebracht hat: Das kann man überhaupt nicht vergleichen, das ist ein Vermischen. Den Platz in Stammersdorf gibt es seit 30 Jahren, der Grund gehört der Stadt Wien. Der Mistplatz dort ist stetig saniert und erneuert worden und ist auch viel kleiner. Es hat dort keinen Neubau gegeben, es gibt dort auch viel, viel weniger MitarbeiterInnen, es gibt dort eine bestehende Unterkunft der 48er, eine viel geringere Frequenz. Letztens sind einfach noch Rampen gebaut worden, damit die Menschen leichter Zugang haben. Also es geht dort nicht um einen völligen Neubau wie in der Innstraße, und es ist auch von der Fläche her überhaupt nicht zu vergleichen. Die Innstraße ist eben ein völliger Neubau. Es geht um 6 600 Quadratmeter Fläche und 26 Mulden modernster Trennung und um einen zusätzlichen Stützpunkt für 120 MitarbeiterInnen. Es werden dort Solaranlagen kommen, Begrünung, Recycling, eine Fahrzeughalle, Infrastruktur, Schallschutz, ein Grätzel-Mistplatz mit einem Multifunktionsraum, ein Repaircafé, damit man auch Schulungen durchführen kann, Tandlerveranstaltungen und so weiter. Ich möchte nochmals betonen, es geht nicht um 10 Millionen EUR, sondern um 8 Millionen EUR. Ich weiß nicht, warum diese Zahl immer von Ihnen (in Richtung des GR Kilian Stark) genannt wird. Das Gesamtprojekt ist aus heutiger Sicht mit 40 Millionen EUR geschätzt worden. Wenn man das hernimmt, mit Rücklagen und Sicherheitsfaktoren, und es valorisiert, dann sind die Kosten für die Planung nichts Ungewöhnliches und auch nichts Skandalöses, sondern etwas Notwendiges, um ein sicheres, nachhaltiges und rechtssicheres Projekt auf den Weg zu bringen. Falls der falsche Eindruck entstanden ist, möchte ich auch nochmals betonen, dass wir heute nur die Kosten für die Planung beschließen und nicht für das Projekt. Die Planung muss dann erst in die Baudirektion, dann braucht es eine Realisierungsfreigabe, und dann kommt das Ganze nochmals in den Gemeinderat. Wenn man den Antrag der GRÜNEN liest, dann möchte man glauben, dass wir heute gleich alles abstimmen. Dann noch zum Abschluss, weil in dem Antrag auch steht, dass soziale Angebote gekürzt werden, aber für den Mistplatz Geld da sei. Das finde ich politisch sehr billig, dass Daseinsvorsorge gegen soziale Leistungen ausgespielt wird. Es sind auch zwei unterschiedliche Budgettöpfe, das kann man überhaupt nicht vermischen. Das eine tun wir, das andere lassen wir nicht. Ein Mistplatz ist nicht glamourös, aber er ist ein Fundament unserer Daseinsvorsorge - und Daseinsvorsorge ist der Grundstock für alles. Ohne sie gibt es keine Gesundheitsversorgung, keine Pflege, keine gescheite Wasserversorgung, keinen gut ausgebauten öffentlichen Verkehr, keinen leistbaren Wohnraum und so weiter. Die Alternative dazu wäre, wir wohnen irgendwann in der Tetrapack-Straße, in der Konservendosen-Gasse oder am Restmüllsperrplatz. Ich glaube nicht, dass das das Zukunftsbild der GRÜNEN ist. Wenn wir schon bei Einsparungen sind - bei der Frage, warum wir in manchen Bereichen sparen müssen, würde ich den GRÜNEN empfehlen, bei den ParteikollegInnen im Bund nachzufragen. Ein funktionierender Mistplatz ist jedenfalls soziale Infrastruktur. Gerade Menschen mit geringem Einkommen profitieren davon, wenn sie ein sauberes Grätzel haben, eine verlässliche Entsorgung, und wir als Stadt somit niemanden zurücklassen. Es ist unsere Verantwortung, jene Infrastruktur zu schaffen, die das Leben aller Menschen erleichtert. Wir investieren damit in Wien, das wächst, aber so, dass die Lebensqualität mitwächst. Wir investieren in Abfalltrennung, Wiederverwertung, Wiederverwendung und Recycling, damit sie einfach möglich sind für jede und jeden. Wir investieren, weil eine moderne Stadt nicht durch Prestigeprojekte stark wird, sondern durch eine funktionierende Infrastruktur für alle. Das ist Wirtschaft mit Haltung, da stehen die Menschen im Mittelpunkt. - Herzlichen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich GR Stark. Das ist die zweite Wortmeldung, es bleiben sieben Minuten Restredezeit. - Bitte. GR Kilian Stark (GRÜNE): Sehr geehrte Kollegin, ich bemühe mich jedenfalls, wenn ich Ihnen vorwerfe, dass Sie mit falschen Zahlen operieren, dass sie stimmen, und ich bitte Sie, dass Sie das auch tun. In dem Akt stehen ganz klar Netto- und Bruttozahlen. Mir ist nicht bekannt, dass die MA 48 ein Privatunternehmen ist und daher Nettopreise zahlen kann. Es sind 9,7 Millionen EUR. Man kann jetzt darüber streiten, ob man da 10 Millionen EUR sagen darf, am Ende wird es irgendwo in der Mitte liegen. Dass Sie die niedrigere Zahl von 8 Millionen EUR netto nennen, die wir aber wahrscheinlich nicht ausgeben werden, weil wir wahrscheinlich Steuer auch zahlen werden müssen, ist genauso legitim wie dass ich die höhere Zahl wiederhole. Wichtig ist am Ende: Was zahlen die Wienerinnen und Wiener? - Das ist für mich wichtig. Wie viel müssen wir ausgeben? - Punkt eins. Punkt zwei: Ich finde das wirklich unerhört - das betrifft nicht Sie, sondern vor allem den Stadtrat und die Magistratsabteilungen -, dass Sie offensichtlich als SPÖ-Abgeordnete, die an und für sich gleichberechtigt mit denen der Opposition ist, mehr Informationen haben als wir, mehr Informationen als der Bezirksvorsteher des 2. Bezirks und mehr Informationen als wir auf konkrete Nachfrage im Ausschuss bekommen. Ich habe ganz genau nachgefragt: Wie schaut es aus mit den alternativen Prüfungen? - Es konnte mir nicht einmal die Zahl genannt werden wie viele Alternativstandorte geprüft wurden! Dann habe ich - und ich habe mir das genau aufgeschrieben, nämlich wörtlich, weil es mir so wichtig war - auch gefragt, wer diese Prüfung gemacht hat. Da habe ich die Antwort bekommen: Grundstücksverwaltung. - Wer auch immer das ist. Offensichtlich gibt es eine Grundstücksprüfung, offensichtlich hat irgendjemand sich Alternativen angeschaut. Das ist ja gut, da bin ich ein Stück weit beruhigt. Aber warum bekommen die Menschen im 2. Bezirk, die BürgerInneninitiativen, warum bekommt der Bezirksvorsteher das nicht und warum bekommen wir auf konkrete Nachfrage im Ausschuss diese Informationen nicht? - Denn das haben sich die Wienerinnen und Wiener wenigstens verdient, sind wir der Meinung, wenn Sie 40 Millionen EUR für so einen Neubau eines riesigen Mistplatzes ausgeben wollen, dass Sie uns zeigen, warum das die einzige Möglichkeit war. Nächster Punkt: Sie haben auch gesagt, dass man das mit Stammersdorf überhaupt nicht vergleichen kann, das ist ja viel kleiner. 6 600 Quadratmeter werden das jetzt im 2. Bezirk, Stammersdorf sind 6 000. Ja, das ist 10 Prozent kleiner. Ob das jetzt das zehnfache Budget rechtfertigt, das würde ich schon in Frage stellen. (GRin Patricia Anderle: Das war kein Neubau!) Ich habe mir das sehr genau angeschaut. Sie können mir glauben, ich habe jeden Mistplatz in dieser Stadt abgemessen, wie groß die sind, um zu schauen, was das ungefähr kostet. Man findet ja keine Informationen darüber, was so ein Mistplatz kostet. Wie gesagt, die einzige öffentliche Information war 2017 Stammersdorf, das habe ich auch gesagt. Das ist schon ein Standort gewesen, und schauen Sie, da gibt es ein Zeitraffervideo, ein super Video der Baustelle, da sieht man, was dort umgebaut wurde. Es war vorher so groß und nachher war es so groß. (Der Redner zeigt mit den Händen zwei unterschiedliche Größendimensionen an.) Die ganze Fläche ist neu gebaut worden. Es ist nichts, was vor 2017 dort war, heute noch dort. Das ist ein Neubau an einem bestehenden Standort. Es ist ein kompletter Neubau. Warum der Neubau auf der einen Seite 4 Millionen EUR kostet und im 2. Bezirk 40 Millionen EUR, müssen Sie uns nachvollziehbar erklären. Zwei Punkte habe ich noch - die Freie Mitte und die Beziehung zu dem, was daneben ist. Im Leitbild für das Stadtentwicklungsgebiet Nordbahnhof ist dieser Standort gemischt und auch für geförderten Wohnbau vorgesehen. Natürlich - und das wird auch in den Unterlagen vom Leitbild dargelegt - war das auch so gedacht. Ein Wohnbau öffnet sich ja hin zu einem Park. Schauen Sie sich an, die ganzen Gebäude im Nordbahnhof haben keine Zäune, da geht der Park unmittelbar in das Grundstück der anderen Gebäude über. Da kann man zum Teil durchgehen. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Ja genau, der Park ... Kommen Sie zum ...park!) Durch die Grundstücke. Es ist ein Unterschied, ob ich da ein gemischtes Wohngebäude, das sich zum Park öffnet, habe oder - und davon gehe ich aus - ob ich eine Mauer haben werde und man nicht mehr von der Freien Mitte zur Innstraße hingehen wird können. Das ist ein großer Unterschied stadtentwicklungsmäßig. Genau. Sie haben in Frage gestellt, dass wir zur öffentlichen Dienstleistung stehen. Wir stehen fest zur Erhaltung und zur Weiterentwicklung der öffentlichen Dienstleistungen. Na selbstverständlich! Das zeigt unser ganzes Abstimmungsverhalten in diversen Fragen, dass wir selbstverständlich immer für die öffentliche Daseinsvorsorge und für die Leistungen dieser Stadt da sind. Aber das kann man auch zu den günstigsten Preisen machen. Da muss man sich schon anschauen, was sind die Alternativen: Renovierung eines bestehenden Standorts - günstiger, Neubau - teuer. Dann gilt es abzuwägen. Über fünf Jahre lang haben die Menschen dort keinen Mistplatz. Warum? - Weil Sie sich aus irgendwelchen Gründen, die uns nicht vorliegen, die Ihnen vielleicht vorliegen, weigern, diesen bestehenden Standort zu modernisieren. Das würde sicher schneller gehen. Warum? - Wissen wir nicht. Sie wissen es. Vielleicht werden wir es irgendwann erfahren. Aber wir stehen natürlich dazu, dass es dort einen Mistplatz braucht. Wir stehen dazu, dass es einen Grätzel- Mistplatz braucht, wo man zu Fuß, mit dem Rad, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto gut hinkommt, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut arbeiten können. Aber niemand zwingt Sie dazu, einen Standort, der nie dafür vorgesehen war, der immer unter anderem für gefördertes Wohnen vorgesehen war, jetzt als Mistplatz abzuwerten. Und das ist eine Abwertung! (GR Mag. Josef Taucher: Haben wir im Ausschuss erklärt.) Das kann mir niemand erzählen. Wo würde ich leistbaren Wohnraum hinbauen, wenn nicht an einem Park? Wo würde ich einen Mistplatz hinbauen? - Na eher an die Bahn, wo er jetzt ist. Das ist ein typischer Standort für so eine Infrastruktur. Neben der Bahn stört es niemanden. Niemand zwingt Sie zum Neubau statt zur Sanierung. Da müssen Sie uns erklären, warum das notwendig ist. Heute habe ich keine ausreichende Erklärung gefunden. Ich erwarte mir, dass diese Informationen, die der SPÖ- Fraktion vorliegen, auch allen Fraktionen und insbesondere auch der Opposition und den Bürgerinitiativen im Bezirk vorgelegt werden. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Stumpf. Sie haben noch 16 Minuten Redezeit. - Bitte. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist offenkundig so, das hat man in der gesamten Debatte bemerkt, dass es zwei Fraktionen in dem Haus gibt, die mehr Informationen über dieses Großprojekt haben als alle anderen zusammen. Je mehr man die Diskussionen und den Wortmeldungen gelauscht hat, wie ich es bei der Frau Kollegin Anderle gemacht habe, desto mehr Aha- Erlebnisse hat man als Zuhörer gehabt. Zum Beispiel als uns die Frau Kollegin Anderle erklärt hat, die 10 Millionen EUR sind ja nur die Planungskosten. Nur die Planung, das müssen Sie ja wissen. Die Herstellung wird natürlich ein Vielfaches mehr kosten. Na, habe die Ehre! Das wären vielleicht Informationen, die man in einen Akt schreiben könnte, damit er nicht nur eineinhalb Seiten hat. Das wären auch Informationen, die man im Zuge der Bürger ... (Zwischenruf von GRin Ing. Astrid Rompolt, MA.) - Jetzt nicht laut sein, Frau Kollegin Rompolt, im Bezirk waren Sie es auch nicht. (Zwischenruf von GRin Ing. Astrid Rompolt, MA.) Das wären Informationen, auf die vielen Menschen und die steuerzahlenden Wiener ein Anrecht haben. Je länger man Ihnen zuhört, desto mehr Aha-Erlebnisse hat man in diesem Haus. Danke nochmals. Dieses Projekt verdient noch einiges an Diskussion. Ich sehe sehr, sehr viele ungeklärte Fragen auf uns zukommen. Bitte nicht drüberwischen und einfach drüberfahren. Die Menschen haben es nicht verdient, die Steuerzahler haben es nicht verdient und auch die demokratischen Gepflogenheiten dieses Hauses nicht. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet, die Debatte ist geschlossen. Der Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort. Daher kommen wir jetzt zur Abstimmung über die Postnummer 15. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Diese Postnummer ist mit den Stimmen der SPÖ und der NEOS mehrstimmig angenommen gegen die Stimmen von FPÖ, GRÜNEN und ÖVP. Es liegt ein Beschlussantrag der GRÜNEN vor zur Offenlegung der Standortuntersuchung für diesen geplanten Mistplatz. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP, der FPÖ und der GRÜNEN. Damit bleibt dieser Antrag in der Minderheit und ist abgelehnt. Wir kommen zur Postnummer 29 der Tagesordnung. Sie betrifft eine Sachkreditgenehmigung für die Kühlung des Amtshauses Wien 1, Rathausstraße 9 mittels Fernkälte. Ich ersuche den Berichterstatter, Herrn GR Mader, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatter GR Thomas Mader: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist GR Niegl. - Bitte, Sie sind am Wort. GR Michael Niegl (FPÖ): Werte Vorsitzende, verehrte Kollegen und Kolleginnen! Wir sind ein wenig zwiegespalten. Einerseits sind wir schon dafür, dass die Bürger ihre Räumlichkeiten kühlen. Wir sind auch dafür, dass Amtsräume gekühlt werden. Aber es kann nicht sein, dass dem einen etwas verweigert wird, was dem anderen genehmigt wird. Wenn wir hergehen und den Mietern im Gemeindebau verweigern, Klimaanlagen zu installieren, aber dem System und der Verwaltung die Räumlichkeiten angenehm kühlen, dann sind wir auf dem Holzweg. Zuerst die Bürger und dann das System! (Beifall bei der FPÖ.) Ich weiß schon, dass es eine gewisse Ideologie ist, dass man sagt, ja die Fernkälte ist so klimaneutral und so schön, und deswegen muss das alles zentral geregelt werden, und die Klimaanlage des Bürgers ist schlecht. Bei der Ablehnung der Klimaanlagen werden oft relativ fadenscheinige Argumente vorgespielt. Man sagt, Gesundheitsgefährdung - wegen der vorhandenen Gasthermen kann es zu Rückkoppelungen kommen und der Bürger wird dann durch die Gase der Gastherme vergiftet. Das ist kompletter Unsinn, denn eine Klimaanlage wird logischerweise von einer Firma installiert und adaptiert auf die räumlichen Gegebenheiten und auf die anderen Geräte. Zu einer Vergiftung kann es da quasi nicht kommen. Das nächste Argument ist die Lärmerregung. Die Klimaanlage könnte die anderen Mitbewohner stören. Ich weiß nicht, welche Klimaanlagen ihr im Kopf habt, aber die Klimaanlagen des Jahres 2025 sind modern, leise, energieeffizient und kühlen auch so, wie es der Bürger braucht. Also da wollen wir 2,7 Millionen EUR in die Hand nehmen und Geld von jenen, denen wir nicht genehmigen wollen, ihre Wohnräume - noch dazu auf eigene Kosten - zu kühlen. Solange diese Verweigerung, die den Mietern von Wiener Wohnen nicht gestattet, Klimaanlagen zu errichten, aufrechterhalten wird, wollen wir auch nicht, dass die Amtshäuser gekühlt werden. Gleiches Recht für alle. Die Ideologie kann niemals über die Bedürfnisse der Bürger gestellt werden. Wien ist leider ein wenig wie die DDR. Ideologie wird über Ökonomie und über die Bedürfnisse der Bürger gestellt. - Danke. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich GR Guggenberger. - Bitte, Sie sind am Wort. GR Roland Guggenberger (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, werte Kolleginnen und Kollegen! Die Sommermonate in Wien werden insbesondere in dicht bebauten Stadtteilen zunehmend Jahr für Jahr zu einer wachsenden Belastung. Zwischen Betonwänden, engen Innenhöfen und versiegelten Straßen speichert sich die Hitze und viele WienerInnen erleben Tropennächte, in denen ihre Wohnungen kaum noch unter 27, 28 Grad abkühlen. Die Folgen sind Schlafmangel, Kreislaufprobleme, sinkende Leistungsfähigkeit und gesundheitliche Beschwerden - und das besonders bei älteren Menschen und Familien mit kleinen Kindern. Erholsamer Schlaf ist für uns alle essenziell. Wenn er über mehrere Wochen hinweg ausbleibt, dann gefährdet das unsere Gesundheit massiv. Im vorliegenden Poststück geht es um die Kühlung eines Amtshauses mittels Fernkälte. Es ist klar, ein angenehmes, klimatisiertes Arbeitsumfeld ist ein nachvollziehbarer Wunsch. Aber wir müssen schon die Frage stellen, warum da ein anderer Maßstab gilt als für die vielen Menschen in den Gemeindebauten. Dort wird Klimatisierung nur in Ausnahmefällen erlaubt, mit Pflegestufe 6. Für alle anderen heißt es: Begrünung genügt. Genau da entsteht ein Ungleichgewicht, das uns die Stadt erklären muss. Wenn Hitze im Amtshaus als so belastend betrachtet wird, dass man eine technische Kühlung als notwendig betrachtet, warum gilt diese Erkenntnis dann nicht für die Menschen in den aufgeheizten Gemeindebauten? (Beifall bei der FPÖ.) Hitze macht keinen Unterschied zwischen Arbeitsplätzen und Wohnräumen. Wir wollen kein Entweder-oder. Wir wollen Gleichbehandlung und ein vernünftiges Konzept, das die Lebensrealität der Menschen berücksichtigt. - Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet, die Debatte ist geschlossen, der Berichterstatter hat das Schlusswort. Berichterstatter GR Thomas Mader: Ich will kurz auf die Post 29 eingehen. Die Kühlung des Amtshauses Rathausstraße 9 mittels Fernkälte ist ein Projekt, das im Zuge des Grundsatzbeschlusses von Investitions- und Klimamaßnahmenprogramm Wiener Amtshäuser schon im September 2023 beschlossen wurde. Nun folgt seine Fortsetzung. Für die Realisierung des Vorhabens wurden im Förderprogramm Investitionen in Beschäftigung und Wachstum, das von 2021 bis 2027 gilt, EU-Förderungen abgeholt. Ich denke mir, dass im gegenständlichen Amtshaus sämtliche Büro-, Aufenthalts- und Veranstaltungsräume mittels Fernwärme gekühlt werden können. Mit dieser Erneuerung der Zwischendecken, die notwendig ist, ist gleichzeitig aber auch die Umstellung der Gangleuchten auf LED geplant, und die einzelnen Kühlgeräte werden mit Fensterkontakten, das heißt beispielsweise Reed-Contact, verbunden. Wenn die Fenster offen sind, schaltet sich die Kühlung ab. Ich denke, das ist in unser aller Sinn, eine Verbesserung für die Arbeitsbedingungen für die ArbeitnehmerInnen in dieser Stadt zu gewährleisten. Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 29. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ, der NEOS, der GRÜNEN und der ÖVP, womit diese Postnummer mehrstimmig gegen die Stimmen der FPÖ angenommen ist. Wir kommen zur Postnummer 21 der Tagesordnung, sie betrifft eine Bedeckungsänderung für die außerplanmäßige Überschreitung auf Gruppe 753, Transfers an Sozialversicherungsträgeransatz 5006 Gesundheitsplanung. Ich ersuche die Berichterstatterin, GRin Laschan, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Dr. Claudia Laschan: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort gemeldet hat sich GR Huemer. - Bitte, Sie sind am Wort. GRin Mag. Barbara Huemer (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! In den einleitenden Worten der Frau Vorsitzenden konnte man schon erahnen, dass es sich um ein sehr spannendes Poststück handelt. Aber keine Angst, es ist tatsächlich nur ein buchhalterisches Poststück. Ich werde mich dazu auch nicht weiter äußern. Aber ich nehme dieses Poststück zum Anlass, um über einen Antrag zu sprechen, den ich in diesem Poststück einbringen möchte, weil der Antrag Post 21 von der MA 24 kommt und mein Anliegen dort zu deponieren ist. Und zwar geht es um ein ganz wichtiges Thema, um die Frauengesundheit, um die Wechseljahre. Ein heißes Thema - und ich weiß, wovon ich spreche, meine sehr geehrten Damen und Herren. Warum ist mir das Thema Wechseljahre ein so wichtiges Anliegen? - Weil es nach wie vor tabuisiert ist. Weil noch viel zu wenig darüber geredet wird, obwohl es ein ganz natürlicher Prozess ist. Ich beobachte in der Stadt Wien Fortschritte. Immer mehr wird zu dem Thema gemacht. Das ist gut und richtig, wie ich finde, aber es bleibt leider Gottes doch bei einigen punktuellen Maßnahmen. Ich darf Sie erinnern, wir hatten am 18. Oktober den internationalen Menopause-Tag, der weltweit stattfindet, um Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen. Wir hatten im Herbst eine Menopausekonferenz, ich habe den Folder mitgebracht (Die Rednerin hält eine Broschüre in die Höhe.), das war eine sehr spannende Veranstaltung. Es gibt von Seiten des Wiener Programms für Frauengesundheit auch einen Folder, der heißt "Entspannt durch die Wechseljahre". Wie man aus dem Titel ableiten kann, gibt es dort Tipps für jede Frau, also auf individueller Ebene. Das sind alles für sich gute Sachen. Aber ich finde, es ist zu wenig. Darum haben meine GRÜNEN-Kolleginnen - tatsächlich mit kleinem i geschrieben - und ich heute einen Antrag für Sie mitgebracht, in dem wir eine Strategie zum Thema Wechseljahre für die Stadt Wien einfordern. Eine Strategie deswegen, weil es, wie gesagt, mit einzelnen Maßnahmen nicht getan ist, weil das Thema sehr umfassend ist und ein Public-Health-Thema, das nicht nur allein im Gesundheitsbereich bearbeitet werden kann, sondern weitreichendere Konsequenzen hat. Alle Frauen - hier im Saal sind sicher schon einige, wenn ich mir das Alter so anschaue - in einem gewissen Alter durchwandern die Wechseljahre. Das tun letztendlich wirklich alle Frauen, nicht alle mit denselben Problemen. Das ist erfreulich, aber tatsächlich sind zwei Drittel der Frauen von mehr oder weniger starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen. Wie vielleicht einige von Ihnen selbst die Erfahrung gemacht haben, wird man bei den GynäkologInnen, aber auch andernorts, mit den Problemen oft allein gelassen. Sie werden banalisiert, bagatellisiert, es wird gesagt: Naja, tun Sie sich nichts an, das haben andere auch geschafft., und so weiter. Wie wir wissen, muss es so nicht sein. Es gibt mittlerweile sehr gute Hormonersatztherapien, aber die sind nicht für jede Frau im gleichen Maße geeignet. Also braucht es viel Beratung, viel Unterstützung und Aufklärung. Deswegen ist es aus unserer Sicht wichtig, eine strategische Vorgabe zu machen, wo Maßnahmen angesetzt werden sollten. Ich möchte noch erwähnen, dass Frauen, wenn sie in den Wechseljahren sind, auch in der Arbeitswelt ganz massiv unter der oft tabuisierten Situation leiden, aber auch unter ihren Symptomen. Es ist schockierend, dass viele Frauen sich tatsächlich überlegen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, weil sie es einfach nicht schaffen, oder ganz auszusteigen, und wir auch feststellen, dass die Krankenstandstage zunehmen. Ich glaube, so muss es nicht sein. Da braucht es einfach viel Aufklärung, Sensibilisierung und vielleicht auch konkrete Maßnahmen, wie Frauen geholfen werden kann. Vielleicht haben Sie die Dokumentation gesehen - in Schottland gibt es dazu auch Initiativen. Beispielsweise sind diese Plastikgewänder besonders unangenehm, wenn man im Handel arbeitet und gerade so eine Hitzeattacke hat. Es sind oft kleine Maßnahmen, die helfen, wie, dass man zum Beispiel Baumwolltextilien als Arbeitskleidung einsetzt oder einfach in der Phase einmal kurz vor dem Kühlregal etwas einschlichten kann und nicht unbedingt an der Kassa schwere Packungen über den Counter ziehen muss. Also, es gibt viele Möglichkeiten der Hilfe. Auf die ÄrztInnenschaft bin ich schon kurz eingegangen. Auch da gibt es nach wie vor viel Unwissen, Aufklärungs- und Weiterbildungsbedarf. Ich habe Schottland erwähnt, es gibt noch andere Länder, wo VorreiterInnenschaft geleistet wird. In Großbritannien wurde 2022 die Leitlinie Menopause-friendly Workplaces verabschiedet. Ich würde mich freuen, wenn die Stadt auch so ein Menopause-friendly Arbeitsplatz werden würde. Auch die WHO hat gefordert, die Menopause endlich als Public-Health-Thema ernst zu nehmen. Was wir heute, gemeinsam mit Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, versuchen, ist, Wien eine weitere positive Geschichte im Bereich der Frauengesundheit hinzuzufügen und Wien zu einer Vorreiterin beim Thema Menopausenstrategie zu machen und damit Wien weiterhin als Stadt der Frauen gut zu positionieren. Wie gesagt, es handelt sich um ein Public Health-Thema, das die Ausbildung der MedizinerInnen umfasst, viel Aufklärungsarbeit, natürlich auch die gesellschaftspolitischen Bilder, die zu Frauen 40-, 45-, 50-plus existieren, die einfach auch angepasst und realistisch und zeitgemäß werden und jenseits von Vorurteilen und Stereotypen erfolgen müssen. Was ich abschließend noch sagen möchte, ist, wir werden den Antrag dem Ausschuss zuweisen lassen, weil das auch im Antrag drinsteht und es uns wichtig ist, dass das Thema mit ExpertInnen gemeinsam weiterdiskutiert wird, dass gesehen wird, was wir hier heute vorschlagen. Arbeitswelt, Ausbildung, Aufklärungssensibilisierung, Information sind ja nur einige Aspekte, da gibt es sicher noch mehr. Da mit ExpertInnen weiterzudiskutieren, ist ganz in unserem Sinne und absolut sinnvoll. Deswegen werden wir den Antrag dem Ausschuss zuweisen lassen. Wir hoffen sehr, dass dort dann gemeinsam mit den ExpertInnen es tatsächlich zu einer sehr wirkungsvollen Menopausenstrategie in Wien kommt. Ich hoffe auf breite Zustimmung zu unserem Antrag und freue mich, wenn wir in einigen Monaten oder vielleicht in einem Jahr tatsächlich hier eine gute Strategie verabschieden können. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN und von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist niemand gemeldet, die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen daher zur Abstimmung über die Post 21. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich stelle die Einstimmigkeit fest, diese Postnummer ist einstimmig angenommen. Es liegt ein Antrag der GRÜNEN zur Entwicklung einer Wiener Menopausenstrategie vor. Dieser Antrag ersucht um Zuweisung. Wer der Zuweisung zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Dieser Antrag ist einstimmig zugewiesen. Wir kommen nun zur Postnummer 23 der Tagesordnung, sie betrifft die Festsetzung der Tarife für die Leistungen des Hygienezentrums der Stadt Wien ab 1. Jänner 2026. Es hat sich niemand zu Wort gemeldet. Daher kommen wir sofort zur Abstimmung über die Postnummer 23. Wer dieser Postnummer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ, der NEOS, der GRÜNEN und der ÖVP, womit diese Postnummer mehrstimmig gegen die Stimmen der FPÖ angenommen ist. Wir kommen zur Postnummer 17 der Tagesordnung. Sie betrifft eine Förderung an die Stadt Wien Kunst GmbH für die Jahre 2025 und 2026. Auch zu dieser Postnummer hat sich niemand zu Wort gemeldet. Das heißt, wir kommen sofort zur Abstimmung über die Postnummer 17. Wer zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der SPÖ, der NEOS, der FPÖ und der GRÜNEN, womit diese Postnummer mehrstimmig gegen die Stimmen der ÖVP angenommen ist. Wir kommen zur nächsten Postnummer, nämlich der Postnummer 20, sie betrifft eine Förderung an die Koproduktionshaus Wien GmbH, und ich ersuche die Berichterstatterin, GRin Samel, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Mag. Dr. Ewa Samel: Ich ersuche um Zustimmung. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort gemeldet hat sich StR Berger. - Bitte, Sie sind am Wort. StR Stefan Berger: Frau Vorsitzende, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Frau Stadträtin! Herzlich willkommen zu einer wahrscheinlich recht kurzweiligen Kulturdiskussion anlässlich der heutigen Gemeinderatssitzung. So viele Anträge aus diesem Geschäftsbereich haben wir ja heute nicht auf der Tagesordnung. Der Antrag auf eine Förderung für das Koproduktionshaus beziehungsweise die brut Wien GmbH ist ein Förderantrag, der eine Erhöhung darstellt zur ursprünglichen Förderung und grundsätzlich nicht so isoliert dargestellt werden kann, wie er auf der Tagesordnung steht. Denn es ist tatsächlich so, dass es sich bei diesem Antragsteller - das habe ich nachschauen lassen - immerhin um den 13. Förderantrag in den vergangenen fünf Jahren handelt, der adressiert war an die Stadt Wien, meine Damen und Herren, also nicht an den Bund oder andere Kooperationspartner, die sonst noch ausgenützt werden, um entsprechend an öffentliche Fördermittel zu gelangen. 13 Förderanträge rein an die Stadt Wien in den letzten fünf Jahren! Diese Frequenz an Förderanträgen und vor allem immer wieder die Urgenz um Fördererhöhungen zeigt doch, dass es sich da eher nicht um eine verlässlich kalkulierende Einrichtung handelt, sondern gewissermaßen um ein Dauerprojekt, das laufend nachjustiert werden muss und ständig nachfordert, meine sehr geehrten Damen und Herren. Tatsache ist auch, das wir mittlerweile seit Jahren eine gewissermaßen chronische Baustellensituation vorfinden. Die temporäre Hauptspielstätte momentan befindet sich im Bereich des Nordwestbahnhofviertels. Gleichzeitig wird parallel dazu im 3. Bezirk jetzt eine neue Hauptspielstätte errichtet. Was sehen wir mittlerweile auch seit geraumer Zeit? - Gewissermaßen eine Konstante sind bei diesem Förderantragsteller Verzögerungen, Kostensteigerungen und auch fehlende Klarheit. Deswegen haben wir auch schon in den letzten Abstimmungen bei diesem Antragsteller unsere Zustimmung verweigert - nicht aus Prinzip, möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, sondern einfach, weil wir schlichtweg Mängel im Bereich des Projektmanagements sehen und die Förderwürdigkeit entsprechend in Frage stellen. Jetzt ist auch noch die Situation die, dass es zu einem Wechsel im Bereich der künstlerischen Leitung kommt, verbunden natürlich womit? - Mit weiteren Förderansuchen schon in der Vergangenheit und mit zusätzlichen Budgetförderungen, selbstverständlich auch aus dem Bereich der Fördermittel der Stadt Wien. Wir sehen da durchaus, dass wir eine Ressortverantwortung haben, die diese Häuser entsprechend schützt, stützt und durchwinkt wie schon in der Vergangenheit - und zwar mit einer Konsequenz und einer Gutmütigkeit, von der andere Förderantragsteller anderer Projekte nur träumen können, wo oftmals Monate oder gar jahrelang um Subventionen gerungen werden muss. Offensichtlich aber genügt bei diesem Fördernehmer, bekommt man den Eindruck, schlichtweg das Handaufhalten und man ist dementsprechend erfolgreich. Denn ja, andere Fördernehmer bekommen durchaus über die Medien ausgerichtet, dass sie für die zukünftige Subvention rund 10 Prozent einzusparen haben. Die klamme Budgetsituation, nicht nur im Kulturbudget, sondern auch insgesamt in der Stadt Wien, ist ja mittlerweile allgemein bekannt. Und das ist natürlich auch eine Vorgangsweise, bei der sich der eine oder andere Künstler in der einen oder anderen Situation mittlerweile schon nachdenklich am Kopf kratzt. Und ja, es gibt ja auch durchaus andere Bereiche. Jetzt ist ja unlängst auch die Streichung der Arbeitsstipendien publik geworden, die wir bekanntermaßen auch in den vergangenen Jahren hier einstimmig beschlossen haben. Auch dort kommt es zu massiven Streichungen. Und ja, viele fragen sich dann natürlich auch: Wozu und wofür kommt es zu diesen Streichungen? Und unlängst - weil wir schon diesen Antragsteller hier haben - habe ich mir erlaubt, in das Programm zu schauen. Sehr nahe in der Vergangenheit, nämlich am vergangenen Wochenende, ist dort ein - ich setze das einmal unter Anführungszeichen - "Künstlerkollektiv" unter dem Titel "Dragsau" aufgetreten. Der phonetische Gleichklang mit Drecksau ist wahrscheinlich nicht zufällig gewählt. Es ist selbstverständlich, wie mittlerweile in mehreren Bereichen der Stadt Wien, eine Veranstaltung, bei der Personen als Dragdarsteller auftreten, bei der es dann entsprechende Einlass- oder Rahmenbedingungen gibt, dass Leute nur mit einem negativen Corona-Test hinkommen sollen - wohlgemerkt: am 15. November 2025 -, ansonsten, bitte, eine FFP-2-Maske mitnehmen sollen. Es gibt auch Masken zum Verleih. Also wer da vielleicht noch einen Maskenfetisch pflegt, der soll ihn vielleicht nicht in einem öffentlich subventionierten Haus der Stadt Wien pflegen. (Beifall bei der FPÖ.) Ja, das Ganze - als Veranstaltungsbeschreibung - findet bei gedimmten Licht statt, und es gibt auch Stimulationstoys zum Verleih. Jeder, der eine Veranstaltung unter diesem Titel wahrnehmen wird, wird sich wahrscheinlich vorstellen können, dass es sich dabei nicht um im Bereich der darstellenden Kunst übliche Requisiten handelt, meine sehr geehrten Damen und Herren. Und ja, die Herrschaften - darauf bin ich auch zufällig gestoßen - setzen sich in ihrem Repertoire auch künstlerisch auseinander, zum Beispiel unter dem Titel "Drag me to Church", wobei dann Darsteller als "Heiliges Trans von Assissy" auftreten, in Anlehnung an einen christlichen Heiligen. Und ja, es ist, wie man es auch so oft sieht, in einer gewissen Blase ein besonders mutiges und heldenhaftes Abarbeiten an einer Religion, an der Kirche und so weiter. Ich habe es eh schon ein paarmal erwähnt: Ich würde es als besonders heldenhaft ansehen, wenn man sich vielleicht einmal eine andere Religion hernimmt. Und da meine ich nicht den Buddhismus, meine sehr geehrten Damen und Herren. Aber so heldenhaft, so couragiert und so mutig ist man dann unter dem Strich vielleicht doch nicht, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Und da sollen schlichtweg Fördernehmer, Arbeitsstipendiaten, die sich das anschauen, das ernst nehmen, wenn sie keine Aussicht mehr auf Unterstützung haben, aber diverse Bühnen halt für solche Auftritte doch Subventionen erhalten, ja. Was sollen sich junge Künstlerinnen und Künstler dabei denken, die seriös arbeiten, sich weiterentwickeln und nicht auf Provokation um der Provokation willen setzen? Meine sehr geehrten Damen und Herren, insbesondere in dieser klammen Budgetsituation, in der sich die Stadt Wien ja befindet, geht es vor allem um Fairness, um Fairness gegenüber denjenigen, die solide, verantwortungsbewusst und ernsthaft handeln und arbeiten, um Fairness auch gegenüber jenen, die in der Stadt ohne einen medialen Schutzschirm, ohne politische Sonderbehandlung durch die Ressortführung Kultur schaffen. Vor allem aber geht es im Sinne eines verantwortungsvollen Einsatzes von öffentlichen Mitteln auch darum, dass man sich an klaren Standards zu orientieren hat und nicht an persönlichen Vorlieben oder irgendwelchen ideologischen Sympathien. Unter diesen Umständen werden wir dieser Förderung dementsprechend, wie schon eingangs erwähnt, nicht zustimmen. Wir bleiben in dieser Hinsicht auf jeden Fall konsequent: keine Zustimmung zu Projekten, zu Organisationen, zu Institutionen, zu Plattformen, zu Bühnen, die nicht wirtschaftlich sauber geführt werden. Und das haben wir in den letzten Jahren schon immer wieder mit zusätzlichen Förderantragsstellungen gesehen, wobei inhaltlich die Ausgestaltung ja mittlerweile immer mehr Fragen aufwirft und unserer Ansicht nach auch im Vergleich zu vielen anderen Förderantragsstellern schlichtweg nicht fair mit den Kulturmitteln der Stadt umgegangen wird. - Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Weninger. Ich erteile es ihr. GRin Katharina Weninger, BA (SPÖ): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Gleich zu Beginn vielleicht einmal zu den Arbeitsstipendien: Die werden natürlich nicht gestrichen. Es kommt leider auch dort zu Kürzungen, ja, aber es wird auch umgeschichtet. Und zum Beispiel in der Literatur ist das nicht das Gleiche wie Streichen, weil auch umgeschichtet wird. Das heißt, dort, wo es wirklich benötigt wird, wo es auch besonders viele Einreichungen gibt, wie zum Beispiel in der Literatur, gibt es zukünftig sogar mehr. Und das ist keine Streichung, das ist sogar eine Erhöhung. Aber wir reden jetzt nicht über die Arbeitsstipendien, sondern über das brut, und das freut mich besonders, weil das eine wirklich tolle Einrichtung in Wien ist. Ja, es ist eigentlich sogar eines der wichtigsten Häuser für zeitgenössische Performance in Wien. Das brut steht vor einem großen Umbruch, das haben Sie auch schon angeführt. Bald ist Schluss in der Nordwestbahnstraße, dann kommt eine Übergangssaison ohne feste Spielstätte und dann der Einzug ins neue Zuhause in Sankt Marx. Das ist ein Kraftakt - planen, den Bauprozess begleiten, die neue Nachbarschaft kennenlernen, die Zwischensaison organisieren, die künstlerische Leitung übergeben - alles gleichzeitig. Und dafür braucht es 50 000 EUR mehr. Wofür? - Fürs Personal, weil das Team nebenbei auch noch den normalen Spielbetrieb stemmt, fürs Atelier brut in der Karl-Farkas-Gasse, ein Büro direkt neben der neuen Spielstätte, um den Bauprozess zu begleiten, um mit KünstlerInnen in Kontakt zu bleiben, und für die sogenannte brut box, einen Container als Infopoint, damit die Nachbarschaft schon jetzt weiß: Hier wird es bald was Neues geben. Ich finde, das brut macht es genau richtig. Sie warten nicht bis zum Einzug und hoffen, dass es dann klappt. Sie bereiten jetzt vor, sie vernetzen sich jetzt, sie etablieren den Standort jetzt - und deswegen braucht es auch jetzt dieses zusätzliche Geld. Das ist vorausschauend, das ist professionell, und das ist der Grund, warum das brut seit Jahren ein verlässlicher Partner für die freie Szene ist. (StR Stefan Berger: Besonders professionell ist, wenn man schon ... Förderung hineinkalkuliert! Das ist besonders professionell!) Die FPÖ wird natürlich auch diese Kulturförderung wieder ablehnen. Sie haben vorhin gesagt, das hat nichts mit dem Projekt an sich zu tun. In der weiteren Rede hat man dann gemerkt, dass dem nicht so ist. Es passt wahrscheinlich nicht in Ihr Kulturverständnis, nicht in Ihr Weltbild. Wir sehen das anders. Dieses zusätzliche Geld für einen geordneten Übergang, für eines der wichtigsten Häuser der freien Szene, ist gut investiertes Geld. Das brut hat sich den Ruf erarbeitet, experimentierfreudig, risikobereit und international vernetzt zu sein, ein Haus, das Wien als Kulturstadt stärkt. Diesen Übergang gut zu begleiten, kann nur ein Gewinn für Wien sein. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 20. Ich bitte um ein Zeichen der Zustimmung. - Die Zustimmung erfolgt bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN gegen FPÖ und ÖVP, mehrstimmig angenommen. Es gelangt nunmehr Postnummer 12 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Sachkreditgenehmigung für die Radwegherstellung in Wien 3, Landstraßer Hauptstraße (Juchgasse - Schlachthausgasse). Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Sucher, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Cornelia Sucher, BA: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Mag. Pipal- Leixner. Ich erteile es ihr. GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA (NEOS): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Liebe ZuhörerInnen via Livestream, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein lang erwartetes und erhofftes Projekt wird endlich Realität: die Umgestaltung der Landstraße Hauptstraße. Seit vielen Jahren wird dort über eine Verkehrsberuhigung und eine Fahrradinfrastruktur diskutiert, und heute können wir endlich sagen, sie wird umgesetzt. Mit neuen Radwegen und Begegnungszonen wird diese wichtige Einkaufsstraße eine echte Lebensader des Bezirks, künftig auch für jene attraktiv, die mit dem Fahrrad kommen - und das sind längst sehr, sehr viele. Gleichzeitig werden zahlreiche Schulen sowie das Vienna BioCenter sicher an das bestehende Radwegenetz angebunden. Das ist ein großer Schritt für die Verkehrssicherheit, für den Klimaschutz und für die Lebensqualität im 3. Bezirk. Ein zentraler Baustein für die Planung war ein Bürgerbeteiligungsprozess der Lokalen Agenda 21 gemeinsam mit der Gebietsbetreuung Stadterneuerung, bei dem Tausende BezirksbewohnerInnen und Landstraßer Kaufleute ihre Ideen eingebracht haben. Die Wünsche waren, wie meist bei solchen Beteiligungsprozessen, ganz klar und eindeutig: Verkehrsberuhigung, sichere Radverbindungen, mehr Begrünung und kühlende Maßnahmen, mehr Platz zum Zu- Fuß-Gehen, attraktive Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten, Vorrang für klimafreundliche Mobilität, also einfach ein öffentlicher Raum, der einlädt und nicht stresst. Diese Anliegen wurden dann im Vorjahr in einem Leitbild gebündelt, und genau dieses Leitbild bildet nun den Rahmen für die tatsächliche Neugestaltung. Der erste Beschluss dieses Projekts ist der heutige für einen Radweg, einen beidseitigen Ein-Richtungs-Radweg zwischen Juchgasse und Schlachthausgasse, 700 Meter lang, baulich getrennt und sicher. Baubeginn ist im Frühjahr nächsten Jahres, im Frühjahr 2026. Dazu kommen natürlich, wie üblich bei solchen Radwegeprojekten, auch neue Bäume, deren 28, zusätzlich zu den 69 bestehenden, neue Grünflächen, neue Hochstammsträucher. Und die Bäume werden auch mit einer automatischen Bewässerung versehen, damit sie vor allem als junge Bäumchen die Hitzeperiode besser überstehen. Noch dazu gibt es wieder neue Sitzgelegenheiten für mehr Aufenthaltsqualität - Bänke, Sitzmöbel, Tische - und 100 neue Radbügel. Gerade auf einer Einkaufsstraße sind die natürlich besonders wichtig, um geschwind einmal in ein Geschäft hüpfen und das Fahrrad direkt in der Nähe abstellen zu können. Auch zwischen Schlachthausgasse und Rennweg entsteht in Zusammenhang mit der Verlängerung der Straßenbahnlinie 18 ein Zwei-Richtungs-Radweg. Auch hier kommen neue Bäume dazu, die für Kühlung und Schatten sorgen. Und ganz wichtig: Auch der innere Teil der Landstraße Hauptstraße wird natürlich umgestaltet - zunächst mit zwei Begegnungszonen, einerseits rund um den Rochusmarkt und andererseits zwischen Barichgasse und Juchgasse. Die Begegnungszonen sollen auch hier mit Bäumen, Sträuchern, Sitzgelegenheiten, Wasserelementen, Verkehrsberuhigung einen attraktiven öffentlichen Raum schaffen und so zu echten Aufenthaltsräumen im öffentlichen Raum im Freien werden. An die Adresse der GRÜNEN gerichtet, weil ich vermute, dass sie kein gutes Haar an diesem Projekt lassen werden: Ja, das Projekt wird abschnittsweise umgesetzt, wie das bei solchen großen und langen Straßen üblich ist. Man macht das nicht alles auf einmal. Wichtig ist, es passiert endlich was, wir gehen es an. Der heutige Beschluss ist ja der Beweis dafür, dass wir hier was machen wollen. Jahrzehntelang ist hier, auch unter GRÜNEN Planungsstadträten, nämlich nichts passiert. Und der große Unterschied ist jetzt, wir machen was. - Danke schön. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GR Kilian Stark. Ich erteile es ihm. Kollege Kilian Stark ist nicht anwesend. Daher verwirkt er die Wortmeldung. Zu Wort gemeldet: GR Stumpf. - Bitte. (Zwischenruf bei der FPÖ.) - Ja, für mich auch Kollege. Tut mir leid, aber wenn der Vorredner nicht da ist, ist es so. - Bitte. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Kein Problem. - Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Berichterstatterin, meine geschätzten Damen und Herren! Ja, Landstraße Hauptstraße, ein viel diskutiertes Thema im Bezirk, der Marcus Schober schaut mich an und weiß es. Es war immer ein Thema: Wie kann man das einerseits so gestalten, dass möglichst alle glücklich sind? - Die Eier legende Wollmilchsau ist in dem Bereich noch immer nicht erfunden worden. Aber hier wandelt man in diesem Projekt auf den Spuren der GRÜNEN, die niemals dieses Bestreben gehabt haben, die Eier legende Wollmilchsau zu erfinden, sondern einfach nur Klientelpolitik verfolgt haben. Was meine ich damit? - Die Landstraße Hauptstraße ist, so wie es der Name auch sagt, eine Hauptstraße. Das heißt, wir haben entsprechend Durchzugsverkehr. Statistisch gesehen wird das auf 20 Prozent geschätzt, was für so eine wichtige Verbindungsstraße im Verhältnis mit anderen gesehen gar nicht so hoch ist, 20 Prozent sind ganz okay. Wenn aber diese Adaptierungsmaßnahmen kommen, die wieder einmal sündteuer und nicht durchdacht sind, dann wird es natürlich Umleitungen geben müssen - Umleitungen in die daneben liegenden Gassen, wie die Baumgasse, die Erdbergstraße, die Ungargasse, wo sich eben der Verkehr dann hinverlagert. Und das alles, obwohl man ja das große Kredo der Verkehrsberuhigung ausgerufen hat. Das ist das Gegenteil von Verkehrsberuhigung. Es belastet dann nur die umliegenden Bewohner, der Autoverkehr wird ja dadurch auch nicht weniger. Und was wir auch bereits aus der Stadtentwicklungskommission, hier aus dem Hause, wissen, ist, dass dieses teure Prestigeprojekt 36 Stellplätze vernichten wird, ja. Also 36 Parkplätze weniger in einem wichtigen Straßenabschnitt, wo Parkplätze sowieso schon seit vielen, vielen Jahren Mangelware sind und wo auch die Geschäftetreibenden sagen: Bitte, bitte, wir empfinden das als existenzgefährdend. Und sie haben auch recht. Ein Blick dorthin genügt. Die Geschäftetreibenden, die dort noch die Stellung halten, sagen, ihre Hauptkundschaft ist eben jene Personengruppe, die mit dem Auto anreist, die nicht Minieinkäufe macht, so wie die GRÜNEN das vielleicht in manchen Bobobezirken, wo sie ihre Dachterrassenwohnungen haben, machen, wenn sie einmal hinuntergehen, sich ein Sojapackerl kaufen und dann wieder verschwinden, sondern das sind Leute, die gleich ihren Wocheneinkauf für ihre Familie machen. Die kommen mit dem Auto und fahren auch gleich wieder weiter. Das heißt, das ist ein rollendes, ein mobiles Geschäft, in dem wegen dieser Umgestaltung viele wirtschaftliche Existenzen aufs Spiel gesetzt werden. Aber das "Beste" - unter Anführungszeichen, weil es ja gar nicht gut ist, sondern, ganz im Gegenteil, schlimm - ist natürlich der spürbare Parkplatzverlust für die Besucher des neuen Ärztezentrums, nämlich in unmittelbarer Nähe des Herz-Jesu Krankenhauses. Wer geht denn normalerweise zu diesen Einrichtungen? - Das sind Menschen, die ärztliche Hilfe brauchen, das sind Menschen die Therapie brauchen, das sind pflegebedürftige, ältere, gebrechlichere Leute. Die kommen nicht mit dem Lastenrad dahin. Die brauchen das Auto, ja, die brauchen das Auto. Und deswegen sind sie keine schlechten Menschen, aber schlecht sind jene, die ihre Politik des Drüberfahrens bis zur Perfektion betreiben. (Beifall bei der FPÖ.) Der Parkplatzdruck steigt gerade in diesem Abschnitt seit Jahren immer mehr. Der Verkehrskollaps ist mit dieser Maßnahme vorprogrammiert. In Zeiten einer budgetären Notsituation ist es auch ökologisch gesehen ein irrwitziges Projekt. Und übrigens zur viel zitierten Studie, die eine Vorrednerin genannt hat, in der sich alle dafür ausgesprochen haben: Schauen Sie es sich einmal an. Es gab einmal eine interessante Anfrage dazu, weil wir wissen wollten: Kann man die Teilnehmer dieser Onlinestudie, bei der sie ihre Meinung äußern können, irgendwie räumlich eingrenzen? Uns interessiert besonders, in welchem Viertel sie im 3. Bezirk wohnen. Sind sie unmittelbar Betroffene oder nicht? - Meine Damen und Herren, ein Großteil kam vom Boku-IP-Server, also von der Universität für Bodenkultur. So viel dazu, dass das wirklich die Meinung der Landstraßerinnen und Landstraßer abbildet. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Ing. Rompolt. Ich erteile es ihr. GRin Ing. Astrid Rompolt, MA (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Berichterstatterin! Zur Landstraße Hauptstraße ist, finde ich, vor allem zu betonen, dass es ein Beteiligungsprojekt ist. Es ist sehr lange durchgezogen worden. Es waren 7 000 Landstraßerinnen und Landstraßer beteiligt. Das finde ich besonders wertvoll. Und um gleich auch auf den Herrn Stumpf zu antworten - wo ist er? (GR Michael Stumpf, BA winkt.) Auch die Geschäftstreibenden waren eingebunden, genauso wie die Bevölkerung - und dementsprechend wurde natürlich geschaut, dass auf deren Bedürfnisse Rücksicht genommen wird. Das ist, denke ich, das Wertvolle an diesem Projekt. Meine Vorrednerin, die Kollegin Pipal-Leixner, hat es schon erwähnt, ich will es aber noch einmal widerholen. Die wichtigsten Wünsche betrafen die Verkehrsberuhigung, die sichere Radverbindung, die Begrünung und die Abkühlung. Und das Tolle ist, dass genau diese Dinge erreicht werden - und alles zusammen führt zu einer Attraktivierung der Landstraßer Hauptstraße. Diese 700 Meter, die hier angegriffen werden, sind der erste Schritt. Ja, es geht weiter. Da ist aber wichtig, dass das gut aufeinander abgestimmt wird. Wir gehen schon davon aus, dass diese 700 Meter dann insgesamt auch schon auf die Landstraßer Hauptstraße ausstrahlen werden, bevor die anderen Abschnitte umgesetzt werden. Und das ist auch gut so. Ich kann Ihnen auch zu der Kritik, die es im Vorfeld gegeben hat, sagen: Auch die Praterstraße ist nicht in einem umgesetzt worden. Auch bei der Praterstraße gab es mehrere Abschnitte. Sogar während der Bauzeit haben die Geschäftstreibenden und die Bevölkerung gesagt: Es ist jetzt schon viel besser, am liebsten wäre es uns, es würde überhaupt so bleiben! - Da ist nämlich zeitweise wirklich fast gar nichts gegangen (Zwischenruf bei der FPÖ), ja, weil es nur mehr eine Spur gab. In dem Fall wird es aber so sein, dass keine Spuren weggenommen werden, sondern es wird in jeder Richtung einen Ein-Richtungs-Radweg geben, es wird mehr Bäume geben, es wird mehr Schatten geben, und insgesamt wird der Aufenthalt in dieser Geschäftsstraße viel besser. Und wir wissen, wenn der Aufenthalt angenehmer ist, dann ist das auch gut für die Geschäftstreibenden, weil dann die Kundinnen und Kunden kommen und sich dort viel wohler fühlen. Ich möchte noch einmal betonen, dass hier wirklich sehr viel Herzblut hineingeflossen ist, nicht nur von den Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch von den Bezirkspolitikerinnen und von den Bezirkspolitikern. Und ich möchte mich an dieser Stelle beim Bezirksvorsteher Hohenberger und auch bei der GRin Patricia Anderle bedanken, die sich hier schon im Vorfeld sehr stark und wirklich jahrelang eingebracht hat. Die Baustelle wird eine Herausforderung - das gestehen wir ein, das ist keine Frage -, unter anderem auch, weil die ÖBB-Stammstrecke saniert werden muss, die auch noch zusätzliche Erschwernisse bringt. Aber gemeinsam werden wir das durchstehen. Wir freuen uns auf eine ganz tolle, verbesserte, erneuerte und kühlere Landstraßer Hauptstraße danach. - Danke. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu einer tatsächlichen Berichtigung zu Kollegen Stumpf hat sich Kollege Arsenovic gemeldet. - Bitte schön. GR Johann Arsenovic (GRÜNE): Herr Vorsitzender, danke! Ja, Herr Kollege, ich berichtige tatsächlich. Du hast gesagt, dass die Unternehmer auf der Landstraßer Hauptstraße und am Rochusmarkt sehr unzufrieden sind. Ich berichtige tatsächlich: Ich habe in den letzten zwei Jahre alle Unternehmen dort vier Mal besucht - alle. Ich kann dir sagen, dass 84 Prozent diese Maßnahme gutheißen, auch aus wirtschaftlicher Sicht. Das ist die eine Berichtigung, die ich dir sagen möchte. Und die zweite Sache, die ich tatsächlich berichtigen möchte, bezieht sich darauf, dass du gesagt hast, sie werden wirtschaftlichen Schaden erleiden. Das Gegenteil ist der Fall. Ich kann als Wirtschaftskammervertreter nur sagen, dass wir, die Wirtschaftskammer Wien, eine große Studie zu dem Bereich Einkaufsstraßen beziehungsweise verkehrsberuhigte - jetzt fällt mir das Wort nicht ein (Zwischenruf bei den GRÜNEN: Begegnungszonen!) - Begegnungszonen gemacht haben, in der eindeutig herauskommt, dass die Umsätze nach einer Sanierung sehr wohl für alle Unternehmer steigen, was logisch ist. Ich kann dir nur sagen, auch im Urlaub geht man nur in Straßen spazieren, flanieren, einkaufen, wo es angenehm ist, wo es verkehrsberuhigt ist. Man geht nicht auf einer Autobahn shoppen, sondern man geht auf einer Straße, wo es angenehmer, ruhiger, schöner, verkehrsberuhigter ist. Also deswegen diese beiden tatsächlichen Berichtigungen. - Danke, Herr Kollege. (Beifall bei GRÜNEN und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GR Kilian Stark. Ich erteile es ihm. GR Kilian Stark (GRÜNE): Danke schön, Herr Vorsitzender! Tut mir leid, es ist die Debatte dann doch schneller gegangen. Aber ich habe mir noch ein wichtiges Requisit geholt. Zunächst ganz kurz zur Vorrednerin von der SPÖ und zur Praterstraße. Ich bin total bei Ihnen. Viele Leute hätten dort gerne länger weniger Spuren gehabt, wir auch. Da hätte es ein bisschen mehr Mut gebraucht. Vielleicht beim nächsten Mal. Ich möchte aber einen wesentlichen Unterschied zur Praterstraße ... Natürlich, große Baustellen brauchen Zeit, das ist überhaupt keine Frage. Auch die U-Bahn braucht Zeit, auch jede Straßenbahn braucht Zeit und so weiter. Was ein wesentlicher Unterschied zwischen Praterstraße und Landstraßer Hauptstraße ist: Bei der Praterstraße hat man eine gesamte Planung gehabt, vom Praterstern bis zum Donaukanal. Hier haben wir keine Gesamtplanung - und das ist genau das, was wir heute wollen. Heute beschließen wir einen Radweg von draußen, von der Schlachthausgasse, bis zur Juchgasse. Das ist gut, das ist sinnvoll. Wir sind auch für den Radweg, wir werden auch zustimmen. Da kommen Bäume, da kommen Sitzgelegenheiten, das ist alles okay. Worauf sich unsere Kritik bezieht, ist - und das wurde schon gesagt -, es gab hier aus meiner Sicht - und mir ist kein anderer bekannt - den am breitesten getragenen Beteiligungsprozess zu einer Straße, bei dem die meisten Menschen bisher mitgemacht haben. Das war wirklich ein Superbeteiligungsprozess, über 7 000 Menschen - es ist schon gesagt worden - haben mitgemacht. Es wurde sogar ausgewertet - auch an die FPÖ. Was wollen die Gewerbetreibenden? Was wollen die Leute, die dort wohnen? Was wollen die Leute, die das dort nur so nutzen? - Das kann man sich auch ganz genau anschauen. Die Wünsche sind überall die gleichen - das brauche ich nicht zu wiederholen -, die Gewichtungen sind ein bisschen unterschiedlich, aber alle wollen das. Nur, worauf hat sich dieser Beteiligungsprozess bezogen? - Dieser Beteiligungsprozess hat sich auf die ganze Landstraßer Hauptstraße bezogen. Die Landstraßer Hauptstraße ... Die meisten - wenn sie nicht im 3. Bezirk wohnen oder so - werden wahrscheinlich oft in der Gegend von Wien Mitte unterwegs sein oder in der Gegend Rochusmarkt. Beim Abschnitt beginnend bei Wien Mitte gibt es überhaupt keinen Plan, nichts. Und ich möchte - weil uns ja immer wieder vorgeworfen wird, dass wir hier mit falschen Behauptungen oder so irgendetwas schlechtreden - Ihnen etwas zeigen. Das (einen vergrößerten Ausschnitt eines Stadtplans in die Höhe haltend) ist eine offizielle Karte von der Stadt Wien, von der Mobilitätsagentur, auf der man sieht: Was ist auf der Landstraßer Hauptstraße geplant? - Und ich zeige das auch speziell den KollegInnen von der SPÖ, die sich das vielleicht nicht angeschaut haben und dann behaupten, ich behaupte hier irgendetwas Falsches. Da haben wir das Rote, das ist der Radweg, den beschließen wir heute. Dann gibt es hier diese zwei grün-türkisen Abschnitte, da ist angedacht, eine Begegnungszone zu machen. Da gibt es ein grundsätzliches Konzept, wie das vielleicht ausschauen könnte. Da gibt es sogar Renderings, aber es gibt noch keinen Detailplan. Okay, da kann man sagen, das kommt erst. Ich würde vielleicht sagen, wir wollen früher die Detailplanung - aber geschenkt. Und dann gibt es diese zwei Abschnitte, die Sie wahrscheinlich schlecht sehen, weil da nichts eingezeichnet ist. Warum ist da nichts eingezeichnet? - Weil dort nichts passieren soll. Wir haben das vor dem Sommer schon gehabt. Ich habe mir genau angeschaut: Wo passieren die meisten Fahrradunfälle, vor allem diese gefährlichen Dooringunfälle, auf der Landstraßer Hauptstraße? - Und dann ist das Bild genau umgekehrt. Nämlich dort, wo nichts geplant ist, passieren die meisten Unfälle. Und es ist doch absurd, meine Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn man einen Radweg macht, um die Sicherheit zu erhöhen, dann fängt man doch dort an, wo es am gefährlichsten ist, wo am meisten Unfälle passieren. Und genau das fordern wir ein. Die Menschen wollen ein Gesamtkonzept für die Landstraßer Hauptstraße. Und was wir kritisieren ... Und Sie machen da gute PR, das muss man schon zugeben - auch letzte oder vorletzte Woche im ORF - große Umgestaltung der Landstraßer Hauptstraße. Und was war das Bild, das dort gezeigt wurde? - Ein Bild von der Begegnungszone beim Rochusmarkt, für die es noch keine Detailpläne gibt. Das passiert nicht. Wir haben dafür keinen Zeitplan. Ich habe bei der Stadträtin auch nachgefragt. Es gibt keinen Zeitplan, es gibt dafür keine Finanzierung. Es gibt nur die Aussage von Ihnen: Ja, das machen wir dann! Das, sehr geehrte Damen und Herren, ist uns zu wenig. 2023 war der Beteiligungsprozess. Sie haben vor der Wahl angekündigt, dass das kommt, Sie haben vor dem Sommer angekündigt, dass es kommt, Sie haben jetzt noch einmal im ORF angekündigt, dass es kommt - und es kommt ein 700-Meter-Radweg. Der ist schön und nett, aber die Menschen auf der Landstraßer Hauptstraße brauchen die Veränderung vor allem dort, wo die meisten Leute unterwegs sind - zwischen den Stationen Wien Mitte und dem Rochusmarkt -, dort, wo am meisten Menschen die Einkaufsstraße nutzen - das ist in diesem Bereich von der "Galleria". Auch die meisten Gewerbetreibenden hätten dort was davon. Und so, wie das hier abläuft, ist das wirklich eine Täuschung der Menschen. Ich glaube, die werden dann auch enttäuscht sein, wenn da nächstes Jahr die Baustelle kommt und von Wien Mitte bis zum Rochusmarkt immer noch nichts passiert ist. Da denkt man sich: Wieso? Die haben doch letztes Jahr gesagt, das kommt! Warum ist das noch nicht da? Ich empfehle Ihnen - und wir fordern das im Sinne der Menschen, die dort wohnen, im Sinne der Menschen, die an dem Beteiligungsprozess mitgemacht haben, auch ein: Holen Sie das nach, was Sie vor der Wahl ... Vielleicht ist es sich aus Zeitgründen nicht ausgegangen, Ich weiß es nicht. Holen Sie das nach! Machen Sie einen Plan für die ganze Landstraßer Hauptstraße! Wenn es nach uns geht, machen wir auch gleich einen Zeitplan und eine Finanzierung. Und machen wir die ganze Landstraßer Hauptstraße klimafreundlich, lebenswert, sicher zu Fuß, sicher mit dem Rad und vor allem - Kollege Arsenovic hat es schon gesagt - so, dass es der Einkaufsstraße etwas bringt! Wir wissen, der lokale Handel steht unter Druck, die Umsätze fließen ab in den Onlinehandel. Wir müssen etwas tun, um unsere Einkaufsstraßen zu sichern. Dort draußen gibt es auch Geschäfte, aber die meisten sind dort, wo jetzt nichts passiert. Das müssen wir dringend nachholen. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wer der Post 12 zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Die Zustimmung erfolgt bei SPÖ, NEOS und den GRÜNEN gegen FPÖ und ÖVP, mehrstimmig angenommen. Es liegt ein Antrag vor, und zwar einer der GRÜNEN: Umgestaltung der Landstraßer Hauptstraße über die ganze Länge. Wer dem beitritt, den bitte ich um ein Zeichen. - Die Zustimmung ist bei den Antragstellern allein, bei den GRÜNEN, und das ist nicht die erforderliche Mehrheit und daher abgelehnt. Bevor ich zum nächsten Tagesordnungspunkt komme, möchte ich eine Korrektur des Abstimmungsergebnisses bei Postnummer 20 vornehmen. Hier hat mir die ÖVP mitgeteilt, dass sie doch mitstimmt. Ist das so? - Ja. Also, das heißt die Postnummer 20 - und das, bitte ich, auch im Protokoll dann so anzupassen - ist mit den Stimmen der SPÖ, der NEOS, der GRÜNEN und der ÖVP gegen die Stimmen der FPÖ mehrstimmig angenommen. Es gelangt nunmehr Postnummer 13 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Sachkreditgenehmigung für Straßenbauarbeiten und Nebenarbeiten für das Stadterweiterungsgebiet 21.20.02 in Wien 21, Donaufeld Südost - Quartier an der Schanze. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Sucher, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatterin GRin Cornelia Sucher, BA: Ich ersuche um Zustimmung. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Sequenz. GRin Mag. Heidemarie Sequenz (GRÜNE): Liebe Kollegen und Kolleginnen, sehr geehrte ZuseherInnen via Livestream! Sie haben es schon gehört, es geht bei diesem Geschäftsstück um die Errichtung von Erschließungsstraßen im östlichen Donaufeld. Dort wird ja schon gebaut. Wir werden dem auch zustimmen, vor allem auch deswegen, weil wirklich auf die Bedenken von AnrainerInnern sehr, sehr vernünftig reagiert wurde. Ich möchte aber die Gelegenheit heute nützen, am Beispiel vom Donaufeld zu zeigen, wie langfristig solche Planungsprozesse sind, welche unerwarteten Entwicklungen eintreten können, dass eigentlich Stadtplanung darauf reagieren sollte. Ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, einige Fehlentwicklungen aufzuzeigen, die vor allem dort beim Donaufeld aufgetreten sind. Kurz zur Historie: Die ersten Überlegungen zur Verbauung des Donaufelds gab es schon in den Neunzigerjahren unter StR Swoboda. Sie kennen vielleicht alle die autofreie Siedlung an der Donaufelder Straße, also das ist am nördlichen Rand vom Donaufeld. 2005 wurde es dann zum Zielgebiet, fünf Jahre später wurde ein Leitbild entwickelt, und 2017 war dann endgültig die Widmung. Damals waren die GRÜNEN schon in der Regierung. Ich möchte wirklich hier betonen, dass es den GRÜNEN zu verdanken war, dass dort ein riesiger Grünzug gewidmet wurde - 16 Hektar -, weil schon damals klar war, dass Erderhitzung - und vor allem die Erhitzung der Städte - ein massives Problem sein wird. ich möchte Ihnen kurz ein sehr persönliches Erlebnis schildern, das mir wirklich im Donaufeld passiert ist. Ich bin mit dem Rad in einer sehr heißen Sommernacht die Donaufelder Straße entlang geradelt. Es hat gekocht, ja. Dann bin ich in Richtung Donau hinunter gefahren, am Donaufeld entlang - und mich hat gefroren. Und das zeigt wirklich, wie wichtig der Erhalt solcher unversiegelter Flächen im Stadtgebiet ist. 2020 hat sich dann ein neues Phänomen gezeigt, nämlich Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich herausgestellt, wie wichtig Ernährungssouveränität ist. Und wenn Sie die Schlangen von Menschen gesehen hätten, die damals bei der Biolandwirtschaft angestanden sind, um sich dort zu versorgen, dann hätten Sie ... Also das war eigentlich der beste Beweis dafür, wie wichtig diese lokale Landwirtschaft dort gewesen ist. Und das ist auch mein Plädoyer jetzt. Das östliche Donaufeld ist gewidmet. Ich sage auch nicht, dass gar nichts im westlichen Donaufeld jemals gebaut werden darf. Das kann ruhig an der Achse entlang der Donaufelder Straße entstehen. Aber worum es mir geht, ist, dass diese Biolandwirtschaft dort erhalten wird. Das ist nicht irgendeine Biolandwirtschaft. Und da unterscheidet es sich massiv vom östlichen Donaufeld, die hat es nämlich dort nie gegeben. Das ist ein sogenannter Demeter-zertifizierter Betrieb, das ist die strengste Zertifizierung, die es EU-weit überhaupt gibt. Und damit mir niemand vorwerfen kann, ich komme jetzt darauf: Den Erhalt dieser landwirtschaftlichen Flächen haben die GRÜNEN schon unter Rot-Grün gefordert. Und das ist übrigens auch der Grund, warum wir 2023 den AgSTEP abgelehnt haben. Weil eben im westlichen Donaufeld gar keine Sicherung der landwirtschaftlichen Flächen vorgesehen war. Und als letzten Punkt möchte ich noch auf einige wirklich krasse Fehlentwicklungen hinweisen, die dort passiert sind. Wir hatten 2020 im Planungsausschuss ein Geschäftsstück, da ging es um eine Ausnahmebewilligung. Es gibt zwar eine Widmung im östlichen Donaufeld, aber es gibt noch nicht überall Bebauungsbestimmungen. Es hat dort ein Bauträger, die Real One, sich wirklich das Filetstück gesichert, direkt am Grünzug. Die wollten natürlich loslegen, und der Bauausschuss hat auch diese Bewilligung erteilt. Wir haben natürlich dagegen gestimmt, weil das nicht Stadtplanung ist. Das ist ein Wunschkonzert. Und on top haben die dann noch eine Tiefgarage bekommen. Das war dort überhaupt nie vorgesehen. Die Garagen sollten am Rande dieses Stadtentwicklungsgebietes sein, damit wir nicht den ganzen Verkehr hineinziehen. Und ich wollte ganz bewusst noch einmal an diesen Vorfall erinnern. Vielleicht nutzt es was, sodass man das nächste Mal so was nicht wie Zuckerl verteilt. Abschließend möchte ich noch einmal hervorstreichen, dass ich wirklich dankbar bin, dass auf die Bedenken der AnrainerInnen Rücksicht genommen wurde. Es ist ganz konkret darum gegangen, einen Radweg mitten durch ein Feld zu bauen. Ich habe überhaupt nichts gegen einen Radweg, aber warum soll man den durch ein Feld bauen, wenn direkt daneben eine versiegelte Fläche ist? Und da, muss ich sagen, hat dann die Vernunft gesiegt. Der Radweg kommt jetzt dort, wo er hingehört. Deswegen stimmen wir auch zu. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GR Kreutzinger. Ich erteile es ihm. GR Thomas Kreutzinger (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Berichterstatterin, sehr geehrte Damen und Herren! Ich werde heute über den 21. Bezirk sprechen, und zwar über die Prager Straße. Die Prager Straße wurde im Frühling 2025 ab dem Floridsdorfer Spitz bis zur Hermann-Bahr-Straße umgebaut, mit neuem Radweg, natürlich wieder einmal mit Verlust von zahlreichen Parkplätzen, wodurch die Erreichbarkeit der Geschäfte und Lokale auf der Prager Straße sehr beeinträchtigt ist und es zu enormen Umsatzeinbußen für die dort ansässigen Unternehmer gekommen ist. Und als ob das nicht ohnehin schon genug wäre, wurde die Prager Straße von der Stryeckgasse bis zur Hermann-Bahr-Straße auch gleich zur Einbahnstraße. Dadurch ist es nicht mehr möglich, vom Spitz die Prager Straße stadtauswärts bis zur Auffahrt auf die Nordbrücke zu fahren. Und wir reden da über eine Strecke von 180 Metern. Der Verkehr einer Bundesstraße wird seitdem wegen einer Einbahnregelung von 180 Metern durch Wohngebiet umgeleitet. Das bedeutet einen Umweg von 2 000 Metern bis zur Nordbrücke. Und es ist klar, dass damit weder die Geschäftsleute der Prager Straße eine Freude haben, die dadurch noch schlechter erreichbar sind, noch die Anrainer, die jetzt den Verkehr einer Bundesstraße im Wohngebiet haben, und schon gar nicht die Autofahrer, die seitdem genötigt werden, statt einer Strecke von 180 Metern einen Umweg von 2 000 Metern zu fahren. Um das zu verdeutlichen, habe ich Ihnen das auf einem Plan eingezeichnet. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Kollege Kreutzinger, ich schätze Ihre Bemühungen zur Prager Straße sehr, aber es geht um das Donaufeld. (GR Thomas Kreutzinger: Ja, die Prager Straße befindet sich im Donaufeld!) - Nein, nein, die Prager Straße befindet sich nicht im Donaufeld. (GR Thomas Kreutzinger: In Floridsdorf, ja!) - Sie brauchen mit mir nicht zu diskutieren Kollege. Die Prager Straße befindet sich in Floridsdorf, das Donaufeld befindet sich auch in Floridsdorf, aber in einem ganz anderen Eck. Also Sie sind neu hier, ich darf Sie daher bitten, es ist schon üblich, dass man auch zum Akt spricht, ja. Das heißt also, Sie haben jetzt zwei Minuten über die Prager Straße gesprochen. Okay, Sie haben da ein Anliegen, Sie haben auch einen Antrag eingebracht (GR Thomas Kreutzinger: Richtig, ja! - StR Stefan Berger: Na eben! Wo ist das Problem?), aber ich darf Sie auch bitten, zum Akt zu sprechen. GR Thomas Kreutzinger (fortsetzend): Ich habe einen Antrag eingebracht, und darüber möchte ich sprechen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Herr Kollege, ich darf noch einmal wiederholen: In der Geschäftsordnung ist vorgesehen, dass Sie zum Geschäftsstück sprechen. So, und ich habe von Ihnen zum Geschäftsstück bis jetzt noch überhaupt nichts gehört, aber vielleicht kommt das ja jetzt. GR Thomas Kreutzinger (fortsetzend): Nein, das kommt auch nicht, nein. (Der Redner verlässt das Rednerpult. - Heiterkeit bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Na, Sie müssen jetzt nicht gehen, Kollege. Sie können das schon fertig machen, aber ... (StR Stefan Berger: Ich bin gespannt, ob du bei deinen Leuten auch so genau ...!) - Ich bin bei allen so genau. Sie können das gerne jetzt finalisieren, dagegen gibt es ja nichts zu sagen. (Der Redner kehrt zum Rednerpult zurück.) GR Thomas Kreutzinger (fortsetzend): Es geht (eine Fotografie eines Straßenabschnitts in die Höhe haltend) um die Prager Straße (Heiterkeit bei den GRÜNEN. - Beifall bei der FPÖ.) - und zwar genau um diesen Teil, um diese 180 Meter, wo der Radweg ist, wo keine Parkplätze mehr sind, wo jetzt die Lieferanten, die dort die Lokale und Firmen beliefern müssen, illegal auf dem Gehsteig parken müssen. Hier wird der Verkehr wegen 180 Metern gezwungen, links abzubiegen, sodass man nicht mehr auf die Nordbrücke kommt. Und genau hier auf dem Plan (einen vergrößerten Ausschnitt eines Stadtplans in die Höhe haltend) kann ich Ihnen zeigen, welchen Umweg das bedeutet. Wegen einer Strecke von 180 Metern ist man jetzt gezwungen, entweder links auszuweichen, das sind 2 000 Meter, oder rechts auszuweichen - und das sind auch wieder 2 000 Meter. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie werden erkennen, dass das ein Schildbürgerstreich ist. Und wir fordern daher die Aufhebung der Einbahnstraße in der Prager Straße von der Stryeckgasse bis zur Hermann-Bahr-Straße. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Gut. Also die Botschaft ist angekommen. Ich darf den Klub der FPÖ bitten, auch auf meine Anmerkungen Rücksicht zu nehmen. (StR Stefan Berger - auf die SPÖ weisend: Ich werde sehr genau ...!) - Ich glaube, die älteren Kolleginnen und Kollegen wissen schon, was ich meine, Herr Stadtrat. So, als Nächste zu Wort gemeldet: GRin Ing. Rompolt. - Bitte schön. GRin Ing. Astrid Rompolt, MA (SPÖ): Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nochmals: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrter Frau Berichterstatterin! Ich freue mich immer wieder, dass ich in solchen Debatten dann zum Akt reden kann, damit die Menschen, die über den Livestream zugeschaltet sind, auch ein bisschen eine Idee bekommen, worum es eigentlich geht. Es geht - und das ist sehr leicht zu verwechseln - um das Quartier an der Schanze, im Unterschied zu An den alten Schanzen, das ist im 22. Bezirk. Hier sind wir an der alten Donau, genau genommen zwischen der Oberen Alten Donau und der Donaufelder Straße beziehungsweise zwischen dem Drygalskiweg und der Dückegasse. Also das ist sozusagen die erste Entwicklungsstufe eines Stadtentwicklungsgebietes Donaufeld, wo es - und da gebe ich der Vorrednerin recht - schon sehr lange Beteiligungsverfahren gegeben hat. Jetzt wird es langsam etwas konkreter, aber eben nur step by step. Ich glaube, die wichtigen Botschaften sind: Sehr wichtig wird dort sein, dass es sehr viele Radwege geben wird, sehr viele eigenständige Radwege. In den Straßen, wo es keinen baulich getrennten Radweg gibt, wird man mit dem Fahrrad gegen die Einbahn fahren können. Da wissen wir, das ist eine der sichersten Fortbewegungsarten mit dem Fahrrad, weil die Autofahrerinnen und Autofahrer da ganz besonders aufmerksam sind, weil da ja etwas entgegenkommen könnte. Beim Abbiegen muss man selbstverständlich ganz besonders aufpassen. Es ist auch jetzt schon vorgesehen, Ladestationen für E-Bikes und auch Bikeservicestationen zu machen. Und was uns selbstverständlich besonders wichtig ist, ist das leistbare und lebenswerte Wohnen. Es werden hier 1 800 Wohneinheiten entstehen, leistbares Wohnen und sehr hochwertiges Wohnen. Wir befinden uns hier eigentlich mitten in einem Erholungsgebiet. Jetzt gibt es seit kurzem einen sehr tollen, also wirklich auch international jetzt schon anerkannten Park, der von André Heller gestaltet wurde. Auch gleich anschließend sollen weitere Grünräume entstehen. In diesem Sinne ersuche ich um Zustimmung. - Danke. (Beifall bei der SPÖ sowie von GRin Dipl.- Ing. Selma Arapovic.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet. Wer der Post 13 zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Die Zustimmung erfolgt durch SPÖ, NEOS und GRÜNE gegen FPÖ und ÖVP, mehrstimmig angenommen. Dann liegt der eine Antrag der FPÖ vor: Aufhebung der Einbahnstraße in der Prager Straße. Wer dem zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Die Zustimmung erfolgt bei der ÖVP und der FPÖ gegen SPÖ, NEOS und GRÜNE. Das ist nicht die erforderliche Mehrheit und daher abgelehnt. Post 6 der Tagesordnung betrifft die Beendigung der Mitgliedschaft im internationalen Netzwerk Organization of World Heritage Cities mit Ablauf des Jahres 2025. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Ludwig-Faymann, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatterin GRin Martina Ludwig-Faymann: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Dipl.-Ing Olischar. Ich erteile es ihr. GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc (ÖVP): Vielen Dank, Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Frau Berichterstatterin, Herr Bürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Bei dem Poststück soll der Gemeinderat die Beendigung der Mitgliedschaft im internationalen Netzwerk Organization of World Heritage Cities beschließen. Und ich muss gestehen, als ich das gelesen habe, haben zunächst bei mir ein bisschen die Alarmglocken geläutet, ob das ein Indiz dafür ist, was weiter mit dem Status Weltkulturerbe passiert und ob die Stadt jetzt schon neue Schritte setzt, um sich vom Weltkulturerbe zu verabschieden. Zumindest bei der Post hat sich die Vermutung nicht bewahrheitet. Ich habe mir die Begründung im Akt angesehen und kann die Argumente, die vorgebracht werden, auch nachvollziehen. Und ohne ins Detail zu gehen: Es ist eines von mehreren Netzwerken, um die es hier geht, die sich über Welterbe austauschen. Offensichtlich haben sich mit Vorsitzwechsel die Ausrichtung und Schwerpunktsetzung dieses Netzwerks verändert, sodass sie nun mit den Wiener Schwerpunkten nicht mehr vereinbar sind. Wir werden diesem Antrag zustimmen. Ich finde es auch gut, wenn prinzipiell Mitgliedschaften evaluiert werden und gegebenenfalls auch aufgelöst werden, wenn sich kein Mehrwert daraus ergibt. Der Antrag, den die FPÖ dazu einbringt, geht zwar in eine ähnliche Richtung, ist aber sehr pauschal formuliert. Und nur per se aus internationalen Netzwerken auszusteigen, halte ich für nicht sinnvoll, denn es ist aus meiner Sicht immer gut, sich auszutauschen, an einem Tisch zu sitzen, voneinander zu lernen und auch von Synergien zu profitieren. Daher werden wir den Antrag der FPÖ ablehnen. Ich möchte aber bei der Gelegenheit auch diese Thematik nutzen, um auf die aktuelle Situation am Heumarkt einzugehen. Anfang November haben ja die Medien über das aktuelle Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichtes berichtet. Dieses Erkenntnis bezieht sich auf den Entwurf Heumarkt neu 2021, die Variante mit der Höhe von 56,6 Metern. In diesem Erkenntnis sieht das Bundesverwaltungsgericht eine UVP als notwendig an, da mit - Zitat - "großen negativen Beeinträchtigungen" - Zitatende - gerechnet wird. Die Stadt hingegen hat davor per Bescheid festgehalten, dass keine UVP notwendig wäre. Und aus meiner Sicht ist es ein bisschen ein Treppenwitz, wie sich das jetzt hier gestaltet. Und um die ganze Situation noch komplizierter zu machen: Neben dieser Variante Heumarkt 2021 ist ja auch noch die Variante 2023 mit einer Höhe von 49,9 Metern behördenanhängig. Hier gibt es noch keine Entscheidung vom Bundesverwaltungsgericht. So, ansonsten tut sich gefühlt bei diesem Projekt in dieser Causa nicht sehr viel. Ich würde jetzt wieder einmal gerne von der Stadt wissen, wie der Status quo dazu ist. Früher hat uns der Kollege Woller ja immer wieder an dieser Stelle als Welterbebeauftragter Auskunft gegeben. Er ist zwar nach wie vor Weltkulturerbebeauftragter, aber nicht mehr Mitglied dieses Hauses. Ich habe gesehen, der Kollege Obrecht hat sich seitens der SPÖ noch zu Wort gemeldet. Ich hoffe, Sie können hier vielleicht für Aufklärung sorgen. Wie geht es jetzt weiter? Wird im Jänner wieder ein Statusreport eingeschickt? Mit welchem Inhalt? Was wird dort berichtet? Wie steht es jetzt um die UVP-Entscheidung der Stadt? Was sind die weiteren Schritte, und welche Auswirkungen haben sie? - Damit wir wirklich endlich zu einer welterbetauglichen Lösung kommen. - Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GR Bussek. Ich erteile es ihm. GR Andreas Bussek (FPÖ): Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Kollegin Olischar, jetzt muss ich aufpassen, dass wir nicht beide eine Themaverfehlung haben, ja, wie sie vorhin schon unserem Kollegen vorgeworfen wurde. Denn worum es eigentlich bei diesem Poststück geht, ist, dass wir aus diesem internationalen Netzwerk der Organization of World Heritage Cities, das ja angeblich dieses globale Prestigeprojekt war, ausgestiegen sind, nicht, weil wir über Weltkulturerbe, UNESCO ja oder nein diskutieren, sondern weil wir einfach draufgekommen sind - unabhängig von den 10 000 US-Dollar was das Ganze als Mitgliedsbeitrag kostet -, dass sich einfach all diese zentralen Anliegen, um die es uns gegangen ist, nämlich das Lobbying der unterschiedlichen Weltkulturerbestätten, die Arbeit mit jungen Menschen, sich verschoben haben und dass sich das Ganze jetzt immer mehr in Ländern zentralisiert, wo wir einfach keinen Mehrwert für Wien haben. Und darum geht es in diesem Poststück. Was Sie aber angesprochen haben ... (GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc: Haben Sie mir nicht zugehört?) - Ich habe Ihnen sehr gut zugehört. Sie haben aber nicht darüber gesprochen, warum wir ... Auch wir werden nämlich diesem Antrag zustimmen, weil es sehr positiv ist, dass man sich von etwas, das Geld kostet und keinen Nutzen hat, einfach verabschiedet und das Geld für andere Projekte verwendet. Sie haben aber gemeint, dass unser Antrag oberflächlich und nicht nachvollziehbar ist. Das kann ich Ihnen ganz einfach erläutern, sodass Sie es ganz sicher verstehen. Dazu brauche ich auch keine akademische Ausbildung, ja. Wir nehmen einfach diesen Fall, bei dem wir ja eigentlich alle gemeinsam der Meinung sind, dass wir Sachen, die unnötig sind, auslassen, und das Geld endlich für das verwenden, was wir brauchen, nämlich für Wien und für die Bürgerinnen und Bürger von Wien. Nur, leider Gottes haben wir bis heute keine Antworten auf unsere Fragen bekommen, welche Netzwerke wir noch unterstützen. Welche Mitgliedschaften haben wir? Welche direkten Kosten und Gebühren entstehen? Welche indirekten Kosten haben wir? Welchen konkreten Nutzen, welchen Vorteil und welchen Gewinn hat die Stadt Wien und haben vor allem ihre Bürgerinnen und Bürger? Und auch was ist geplant? Welche weiteren zukünftigen Mitgliedschaften sind derzeit angedacht oder treten innerhalb der nächsten Monate in Kraft? - Leider Gottes haben wir diese Antworten bis heute nicht bekommen. Für uns geht es einfach darum, alles - und seien die Kosten noch so klein - zu kappen, alles zu beenden, was unserem Wien und unseren Bürgerinnen und Bürgern nichts bringt, ganz einfach. - Danke schön für Ihre Zeit. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GR Dr. Obrecht. Ich erteile es ihm. GR Dr. Sascha Obrecht (SPÖ): Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Meinem Vorredner kann ich ein wenig zustimmen, tatsächlich geht es in dem Antrag weniger um das Weltkulturerbe als um den Austritt aus einer internationalen Organisation, von der wir erkannt haben, dass sie für die Stadt selbst keinen Mehrwert mehr in dieser Form bringt. Das war in der Vergangenheit anders gelagert, da ging es tatsächlich darum, Lobbying für das Weltkulturerbe zu betreiben. Mittlerweile hat sie sich nach Kanada verlagert, betrachtet sämtliche Themen aus dem Blickwinkel einer französischsprachigen Region Kanadas. Insofern sind die Reisekosten, die damit verbunden sind, und die Mitgliedsbeitragskosten, die sich nicht mehr dafürstehen, ein Punkt, weshalb wir diesen Schluss gezogen haben, aus dieser Organisation austreten zu wollen. Darum handelt es sich bei diesem Geschäftsstück. Vielleicht zu den beiden Anträgen in aller Kürze. Der eine Antrag von der FPÖ beinhaltet auch die Forderung, dass wir sämtliche Mitgliedschaften in internationalen Organisationen evaluieren und noch einmal überdenken oder zumindest schauen, wo es potenzielle Austrittsmöglichkeiten gibt. Das ist ein Schritt - das sieht man gerade an diesem Geschäftsstück -, den die Stadt ohnehin regelmäßig setzt, ansonsten wären wir gar nicht zu dem Schluss gekommen, heute hier vorzuschlagen, aus dem Netzwerk auszutreten. Insofern ist das ein Punkt, der bereits erfüllt ist. Und zum Wunsch der Kollegin Olischar, die mich gerade gähnend angesehen hat - ich hoffe, es ist jetzt ein bisschen spannender oder auch nicht: Es ist nicht gerade ein Treppenwitz, wenn Sie es so formulieren wollen, sondern es ist einfach der Rechtsstaat. Die Stadt Wien hat natürlich einen Bescheid erstellt. So ist das vorgesehen. Dagegen kann ein Rechtsmittel erhoben werden, das wurde gemacht. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, das soll es so auch tun. Und jetzt werden wir schauen, wie das Verfahren weitergeht. Das ist der momentane Stand, mehr kann man dazu auch nicht sagen. Insofern war das jetzt vielleicht nicht supererhellend, aber das ist einfach der Stand, den man berichten muss. Zum Geschäftsstück abschließend: Ich bitte um Zustimmung. Ich glaube, es ist ein wertvoller Beitrag. Da kann ich dem Kollegen von der FPÖ auch wieder zustimmen. Jeden Euro, den wir einsparen können und für die Wienerinnen und Wiener einsetzen können und besser einsetzen können, sollten wir uns überlegen. Und da ist dieser Austritt aus der Organisation ein total sinnvoller Schritt. - Herzlichen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet, die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wer der Post 6 zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Die Zustimmung erfolgt bei SPÖ, NEOS, FPÖ und ÖVP gegen die GRÜNEN, daher mehrstimmig angenommen. Antrag der ÖVP: Sicherstellung einer welterbetauglichen Lösung Heumarkt. Wer dem beitritt, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Zustimmung bei ÖVP, FPÖ und GRÜNEN gegen SPÖ und NEOS. Das ist nicht die erforderliche Mehrheit, abgelehnt. Antrag der FPÖ: Austritt aus internationalen Netzwerken und Organisationen ohne Mehrwert. Ich bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei den Antragstellern allein, bei der FPÖ. Das ist nicht die erforderliche Mehrheit, daher abgelehnt. Es ist 16.00 Uhr. Daher unterbrechen wir jetzt die Tagesordnung. Das heißt, die Postnummer 7 wird nach der Dringlichen verhandelt. Für das Protokoll darf ich noch bekannt geben, dass GR Bambouk von 16 Uhr bis 18 Uhr entschuldigt ist. Wir kommen nun zu dem Verlangen, dass die von den GemeinderätInnen Ellensohn, Mag. Huemer, Prack, Mag. Aslan, Schneckenreither und Dr. Kickert eingebrachte, an den Herrn Bürgermeister gerichtete, Dringliche Anfrage betreffend "Drastische Kürzungen im Sozial- und Gesundheitssystem dieser Stadt stoppen" vom Fragesteller mündlich begründet werde und hierauf eine Debatte über den Gegenstand stattfinde. Auf die Verlesung der Anfrage wurde verzichtet. Für die Begründung ist eine Redezeit von 20 Minuten vorgesehen. Herr GR Ellensohn hat sich zur Begründung gemeldet. Ich erteile ihm das Wort. - Bitte schön. GR David Ellensohn (GRÜNE): Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren! Herr Bürgermeister, an den diese Anfrage gerichtet ist! Das Thema lautet: "Drastische Kürzungen im Sozial- und Gesundheitssystem dieser Stadt stoppen." - Man kann es gar nicht dramatisch genug sagen, wie es ist. Wer kommt momentan dran? Wie glauben SPÖ und NEOS, das Budget sanieren zu können? - Alte, Kranke, Suchtkranke im Speziellen, Kinder, Menschen mit Behinderungen: All diese Menschen kommen zuerst dran. Wer kommt nicht dran? - Diejenigen, denen es gut geht. Sie hier müssen sich größtenteils keine Sorgen machen! Wenn man so viel verdient wie wir, ist man von den Maßnahmen der Bundesregierung - SPÖ und NEOS mit dabei sowie ÖVP - und von den Maßnahmen hier so gut wie nicht betroffen. - Ich komme noch genauer dazu. Alle müssen etwas beitragen. Das habe ich jetzt x-mal gehört. - Nein! Nicht alle müssen etwas beitragen. Der oberste Prozentsatz muss überhaupt nichts beitragen - und zwar in der Stadt nicht und sonst auch nirgends. Vorschläge dazu wird es geben: Leerstandsabgabe, Zweitwohnsitzabgabe, Flächenwidmungsabgabe. All das kann man in Wien machen. Das würde wohl wenige treffen, die in der Mindestsicherung, chronisch krank oder suchtkrank sind. Das würde auch Kinder in der Mindestsicherung nicht treffen. All das machen Sie nicht. Dabei haben Sie in Wien nicht einmal die Ausrede, dass das an der ÖVP liegt. Ich glaube kaum, dass die NEOS im Stande wären, Sie aufzuhalten, für den Fall, dass Sie etwas Sinnvolles machen wollten. Das wollen Sie aber nicht. Ich habe einen Vergleich angestellt. Zwei Erwachsene, zwei Kinder, eines mit Behinderungen. In einem Fall haben sie 10 000 EUR netto, im zweiten Fall haben sie 5 000 EUR netto. Einmal verdient nur einer von den beiden 2 000 EUR, die andere Person verdient nichts, einmal verdienen beide nichts und leben von den Unterstützungen, und einmal handelt es sich um eine subsidiär schutzberechtigte Familie. Wer verliert am meisten? Wen haben Sie sich ausgesucht, dem Sie am meisten Geld wegnehmen wollen? Das ist nämlich eine politische Entscheidung. Kommen Sie nicht immer mit diesem Satz: Das ist alternativlos. - Man muss das Budget konsolidieren. Okay! Da draußen ist aber so viel Geld. Da kann man sich überlegen, wohin man sich wendet. Man könnte wenigstens eine Kampagne machen und darüber reden. Doch davon höre ich auch nichts. Selbstaufgabe der Sozialdemokratie in der Frage, von den anderen nicht zu erwarten. Man kann es sich aussuchen, wo man es wegnimmt. Ich komme dann auch zur Wiener Situation. Die Bundesregierung streicht das dritte Drittel der kalten Progression, das wir entfernt haben. Wem haben wir das gegeben? - Dem unteren Drittel der Einkommen. Nein, das sind nicht Sie! Sie alle verlieren wieder nichts, Sie sind nicht dabei! Das wurde nur Menschen genommen, die uns zum Beispiel das Wasser bringen oder die die Klos aufräumen. Denen nimmt man das weg. Das ist eine Entscheidung der Bundesregierung. Das muss man nicht machen. Man hätte es auch anders machen können. Man hätte es zum Beispiel nur uns wegnehmen können. Das hat man aber nicht gemacht. Die Bezieher der 8 600-Gehälter haben Frieden hier. Die zahlen nichts, alle anderen ganz unten jedoch sehr wohl. Sie streichen den Klimabonus für alle - na immerhin, das hat jetzt auch Sie getroffen. Valorisierung der Familienbeihilfe und des Kinderabsetzbetrages - das trifft natürlich Leute mit weniger Geld prozentuell immer höher. Bildungsbonus für Sozialhilfebezug - weg. Arbeitslose dürfen nichts mehr dazuverdienen. Ewig hört man, wie wichtig es ist, dass man das darf. Ich höre keine Kritik mehr. Die SPÖ kritisiert das nicht, weil sie das ja selbst gemacht hat. Das wurde gestrichen. Pensionistinnen und Pensionisten dürfen jetzt mehr zahlen. Weniger Netto vom Brutto für Pensionistinnen und Pensionisten, weil man das mit den Krankenversicherungsbeiträgen hinaufgesetzt hat. So. Und was macht die Stadt Wien? - Sie setzt noch eines drauf. Wohnbauförderungsbeiträge werden erhöht - und es gibt wieder weniger Netto vom Brutto. Schon wieder wird bei allen hineingegriffen. Die Mindestsicherung wird gekürzt, wenn jemand in Dauerleistung ist. Das sind die Leute, von denen Sie selber sagen: Die können nicht arbeiten. - Das geht nicht! Man kann nicht sagen: Du bist in der Dauerleistung, weil du so krank bist, dass du nicht arbeiten kannst, als Nächstes aber sagen: Geh arbeiten! - Denen nehmen Sie vom Dreizehnten und vom Vierzehnten die Hälfte. Stellen Sie sich einmal vor, wir streichen Ihnen allen jetzt das Weihnachtsgeld. Wir nehmen das 14. Gehalt einfach weg. Das kommt genau aufs Gleiche heraus. Nicht einmal da herinnen hätten alle eine Freude und würden sagen: Das geht leicht. Wem wird es also nicht weggenommen? - Ihnen nicht, mir nicht. Wem nehmen Sie es hingegen weg? - Den chronisch Kranken, die nicht mehr arbeiten können, und anderen in der Dauerleistung. Betreffend Kindern in der Mindestsicherung haben Sie wahrlich etwas Schönes erfunden: Die zahlen jetzt Miete. Ein Vierjähriger, der in der Mindestsicherung ist und dessen Familie eine Mitunterstützung von der Stadt für die Wohnung bekommt, darf jetzt 80 EUR im Monat, also ein Viertel Miete zahlen. Nachdem diese Leute keine großen Wohnungen haben, sondern bei denen vielleicht - so wie ich - drei Kinder in einem Kinderzimmer aufwachsen - kann ja sein, ich war mit meinem Bruder und mit meiner Schwester in einem Zimmer -, zahlen sie für ein Kinderzimmer in Zukunft, weil die Stadt Wien das möchte und weil die SPÖ das möchte, 240 EUR Miete. Das ist eine politische Entscheidung, das muss man nicht machen. Sie müssen vielleicht das Budget konsolidieren, aber kein Mensch hat Ihnen das angeschafft. Ich höre dauernd den Satz: Der Bund hat das gesagt. - Möchten Sie mir sagen, dass der Vizekanzler und die Sozialministerin Folgendes gesagt haben? - Liebe SPÖ Wien! Kürzt doch bei den Behinderten, kürzt bei den Kindern in der Mindestsicherung, nehmt den Suchtkranken ihre Chance weg! Und nehmt noch zusätzlich neben dem, was diese Leute verlieren, auch allen, die für diese Menschen arbeiten, etwas weg! - Dort streicht ihr nämlich auch noch. Auch bei den gesamten Institutionen, dort, wo sich Leute den Arsch aufreißen, um bedürftigen Menschen zu helfen, wird ebenfalls gekürzt. - Das ist die Budgetkonsolidierung, die hier vorgeschlagen wird. Das ist zum Speiben! (Beifall bei den GRÜNEN. - Bgm Dr. Michael Ludwig: Warum ist das notwendig?) Das ist das Lieblingsargument. Warum ist das notwendig? (Bgm Dr. Michael Ludwig: Dank den GRÜNEN!) Herr Bürgermeister, ich habe ja gesagt: Über Budgetkonsolidierung können wir ja sprechen. Dass Sie sich aber die Ärmsten zum Aussackeln aussuchen, das hat Ihnen niemand angeschafft! Ich erwarte nicht, dass Sie den ganzen Tag da die Diskussionen verfolgen. Ein Teil des Problems ist aber jedenfalls, dass die Ertragsanteile des Bundes nicht so hoch ausgefallen sind. wie Sie es sich gewünscht hätten. (Zwischenruf von Bgm Dr. Michael Ludwig.) Achtung! Wer hat denn diese Prognosen gemacht? - Es werden offensichtlich die GRÜNEN dafür zuständig gemacht, dass die Prognosen von SPÖ-nahen Instituten und ÖVP-nahen Instituten - denn andere gibt es keine - hinten und vorne nicht gestimmt haben und dann die Ertragsanteile falsch waren. Und das hat mit den GRÜNEN genau gar nichts zu tun. Da müssen Sie bei sich selber nachschauen! Die Zahlen, die man Ihnen gegeben hat, auch von Leuten, die mit Ihnen befreundet sind, sind schlicht falsch gewesen, und darum fehlt es. Das hat aber mit uns nichts zu tun. Das hat mit uns gar nichts zu tun. Das ist ein SPÖ-interner Fehler, und den müssen Sie untereinander korrigieren. (Beifall bei den GRÜNEN.) In Summe macht das auch nicht drei Milliarden aus. Sie leben ja wirklich davon, dass man sagt: eine Million; und wie viel ist eine Milliarde? Wir kennen das. Eine Milliarde sind halt 1 000 Millionen. Und wenn 0,2 Milliarden wegen der Ertragsanteile fehlen, dann sind das noch nicht drei Milliarden drei Komma X oder zwei Komma X mal. Den Schmäh erzählen Sie Ihren Abgeordneten. Es muss ja nicht jeder Volkswirtschaft studieren, um das zu durchschauen. Diesen Schmäh erzählen Sie, anstatt den eigenen Leuten einfach einmal zu sagen: Dieses System wird so nicht mehr funktionieren. Heuer versuchen Sie, 500 Millionen klar zu machen, nächstes Jahr treffen Sie auch solche Maßnahmen, und glauben, damit alles zu sanieren. Das ist einfach Humbug! Das wird nicht funktionieren. Wenn wir nicht dazu übergehen, dass Leute, die sehr, sehr viel haben und im Überfluss leben, in diesem Zusammenhang Beiträge leisten müssen, dann wird das nicht funktionieren. Sie haben sich, glaube ich, die Labour Party in England als Vorbild genommen. Die ist gerade vollkommen ruiniert. In den Umfragen liegt sie hinter den Grünen. Die haben dort vier Mandate von 600. In den Umfragen liegt die Labour Party dort auf dem Boden, und die Konservativen im Übrigen auch. Die sind zu zweit so gut wie ausradiert. (GR Maximilian Krauss, MA: Und wer ist vorne?) Warum ist das so? Weil sie zum Beispiel Armut wie bekämpfen wollen? - Durch allgemeine Erhöhung der Lohnsteuer für alle, jedoch durch keine Extrasteuern für diejenigen, die ganz viel haben. Jede Krise der Vergangenheit wie etwa im Zusammenhang mit großen Kriegen wurde gelöst, indem man nachher die zur Kassa gebeten hat, die ganz viel haben, die das Glück hatten, dass sie nachher noch viel hatten, anstatt bei jenen zu nehmen, die viel zu wenig haben. Es gibt jetzt also keine Konsolidierung, sondern die absichtliche Herstellung einer politischen und sozialen Schieflage, und Sie haben das zu verantworten. (Beifall bei den GRÜNEN.) Zurück zu der Familie: Diejenigen mit 10 000 EUR verlieren ungefähr 1 200 EUR im Jahr, hauptsächlich über den Klimabonus, die mit 5 000 EUR netto Monatseinkommen ungefähr 1 000 EUR, also ähnlich viel. Diejenigen mit 2 000 EUR netto einmal und einmal nichts verlieren ungefähr 5 800 EUR, also viel mehr, und zwar nicht einmal nur im Vergleich, sondern ganz einfach netto. Nun betrachte ich noch diejenigen, die zweimal nichts und Mindestsicherung haben. Noch einmal zur Erinnerung: Das sind diejenigen mit zwei Kindern, wovon eines behindert ist: Diese Menschen verlieren ungefähr 6 300 EUR, also noch mehr. Und am allerhärtesten trifft es natürlich eine vierköpfige Familie, die subsidiär schutzberechtigt ist: Diese verliert ungefähr 13 000 EUR im Jahr. Fast nichts ist es also bei denen mit 10 000 EUR netto, und sehr viel, ein Vielfaches davon, ist es bei denen, die von der Mindestsicherung leben müssen oder sogar geflüchtet sind. Im Visier all dieser Maßnahmen sind also wirklich jene, die am meisten Unterstützung brauchen würden, und jene, die sich nicht wehren können. Leute, die jetzt 75 und in Pension sind, zahlen ein bisschen mehr, Leute, die flüchten, kommen voll ins Visier ebenso wie Leute, die krank geworden sind. Man wird einfach bestraft für etwas, wofür man nichts kann. Dafür, woher man kommt, ob man gesund ist oder nicht, ob man Glück hat oder nicht. Man wird bestraft für etwas, was man nicht ändern kann. Das ist wirklich ein Tiefpunkt von all dem, was ich in diesem Haus gehört habe, und die Ausreden sind kaum auszuhalten: Schuld sind die anderen. Der Bund hat es uns aufgetragen, das sind die Kriterien, die von dort kommen. - Darauf entgegne ich: Niemand - niemand! - hat Ihnen den Auftrag gegeben, Menschen mit Behinderung auszusackeln! Diesen Auftrag haben Sie sich selber gegeben. (Beifall bei den GRÜNEN.) Das ist politische Bestrafung von Menschen, die am wenigsten haben und sich nicht trauen, zum Beispiel den Vorschlag zu machen: Reden wir einmal über eine Leerstandabgabe, wie sie in anderen Dörfern und Gemeinden versucht wird. Sie versuchen das nicht einmal. Sie sagen nicht einmal, dass sie sich zusammengesetzt und das einmal probiert haben, obwohl es schwierig ist, um da ein bisschen Geld zu holen, vielleicht einen dreistelligen Millionenbetrag. Nein! Stattdessen überlegt man, ob man den Blinden die Fahrscheine wegnehmen könnte. Man sagt: Das machen wir! Dann gibt es aber einen Aufstand - und man tut es nicht. Sie haben sich jetzt lauter Gruppen ausgesucht, die halt schwer selber einen Aufstand machen können. Sie haben aber ohnedies Demonstrationen von Ihren eigenen Leuten. Sie wissen, was die Menschen, die zum Beispiel mit Suchtkranken arbeiten müssen, sagen und die das dreimal schreiben. - Dann kommt irgendwann wieder ein Framing, dass es nicht so ist. Und darauf folgt schon das nächste Mail, in dem steht: Davon wissen wir nichts. - Sie alle kennen das! Das ist nichts Neues. Ich werde jetzt aber aufhören, an die SPÖ zu appellieren. Es bringt nichts mehr. Es bringt nichts, denn Sie erklären ja sogar, dass das gut ist. Es ist einfach vorbei. Ich muss auch sehen, dass das nicht funktioniert. Das ist ja - für die, die sich erinnern können - ein bisschen wie beim Volksbegehren "Österreich zuerst" im Jahr 1993: Lauter fremdenfeindliche Forderungen, viele Unterschriften. Die ÖVP hat geschrien: Das geht nicht! Das spaltet das Land! Das ist unmöglich! Die SPÖ hat geschrien, die NGOs sowieso, und die GRÜNEN, die damals ganz neu waren, natürlich auch. Dann haben Sie aber schrittweise - ich könnte es ja vorlesen, wenn wir ewig Zeit hätten - eine Forderung nach der anderen umgesetzt mit einem Verschärfungspaket nach dem anderen. Deswegen ... (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) Schauen Sie: Mit Ihnen rede ich nicht, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht, denn Sie sind die Reichenpartei, da hilft nichts. Putin-Knechte und Reichenpartei! Vergessen Sie es einfach! (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenrufe bei der FPÖ.) Das Appellieren nützt aber nichts mehr, weil auch die Sozialdemokratie bei diesen Fremdengesetzen leider ständig eingeknickt ist - und jetzt ist es das Gleiche. Das ist irgendwie feig. Sie kommen mit irgendwelchen Umfragen und machen irgendeine Befragung, und dann laufen Sie den Positionen nach. Das haben sie beim Fremdenrecht lange so gemacht mit zero Erfolg. Das funktioniert nie. Und das machen Sie jetzt schon wieder. Sie schreien nach Konsolidierung und meinen: Nehmt die Armen aus! Sie könnten ja einmal sagen: Konsolidieren wir! Und dann könnte man das tun, was ihr alle einmal gelernt habt in der Sozialistischen Jugend oder wo Sie aus dem eigenen Betrieb herkommen. Das haben Sie aber alle vergessen, das interessiert keinen mehr. Ich weiß, was mit uns allen passiert. Irgendwann verdient man hier 8 600 EUR, die meisten oder viele von Ihnen haben noch einen Zweitjob, oder das hier ist der Zweitjob. Das muss man sich mal geben: Man hat 8 600 EUR brutto als Zweitjob. Das ist halt zur Normalität geworden in unserer politischen Landschaft. (StR Dominik Nepp, MA: Man bekommt aber auch als Afghane 9 000 EUR netto!) - Es ist schwierig jeden Satz zu widerlegen, weil man dann doppelt so viel Redezeit brauchen würde, wie ihr fast jeden Satz falsch versteht! Das ist ein Wahnsinn. (Beifall bei den GRÜNEN) Danke! Richtig. Wir könnten also bundesweit zumindest über eine echte Vermögenssteuer reden, wie sie diese in ein paar Ländern gibt. Wir könnten über eine progressive Erbschaftssteuer reden. Wir könnten über die Schließung der Schlupflöcher reden. Das tun Leute. (Zwischenruf von StRin Kathrin Gaál.) - Das geschieht sehr wohl! Das machen Leute. In den USA gibt es eine Gruppe, die sich "Patriotic Millionaires" nennt. Das sind momentan 80 Millionäre und einige Millionärinnen - und es werden immer mehr. Diese Leute fahren mit einem fetten Bus durchs ganze Land. Aus diesem Bus steigen nur Leute aus, die viel reicher sind als wir alle, die wir hier sitzen, und diese Leute sagen: Wir wollen selbst, dass ihr uns mehr besteuert, weil der soziale Zusammenhalt nicht mehr funktioniert, weil man überall im Land zusperrt und weil es so nicht geht. (Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Dort gibt es das! Und warum heißen sie "Patriotic Millionaires"? - Die anderen Reichen sagen nämlich ständig: Wenn ihr mir etwas wegnehmt, dann haue ich ab, dann bin ich weg. Das haben sie in Deutschland übrigens auch schon versucht. Herr Horten mit seinem Kaufhaus wollte in den frühen siebziger Jahren gehen. Was hat die SPD in der Regierung damals gemacht? - Es wurde eine Wegzugssteuer eingeführt. Heute heißt das Außensteuergesetz. Man kann in Deutschland nicht ganz einfach sein gesamtes Kapital anderswohin verlegen. Das ist nicht möglich, auch heute nicht. Das wurde nicht nur eingeführt, sondern auch immer wieder verschärft. Man kann nicht in die Schweiz gehen wie die Chefin der AfD und sein ganzes Geld ohne Probleme dorthin schieben. Dieses Gesetz funktioniert. (Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Ja. Allerdings sehe ich seitens der SPÖ kein Kämpfen im Bund, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht - und hier leider auch nicht. Sie kämpfen nicht mehr. Das ist ein Elend! (Beifall bei den GRÜNEN.) So. Noch einmal, was könnten wir hier machen - und zwar nicht nur Bund? - Ich habe es vorher schon gesagt, Zweitwohnsitze haben nicht die Allerärmsten. Das gilt ebenso für leerstehende Wohnungen. Ich habe keine leerstehende Wohnung, ich habe eine Wohnung, und in dieser wohne ich. Die meisten von uns wohnen irgendwo und haben keine zweite, dritte oder vierte Wohnung, und schon gar nicht leerstehend. Diesbezüglich könnte man in Wien etwas tun, doch das tun Sie nicht! Sie nehmen das Geld lieber dort weg, wo sich die Leute schlecht wehren können. Man kann Ihnen nicht oft genug vorrechnen, wie viel Geld das ist. Das passiert aber nur bei der Mindestsicherung, bei Kindern und Anrechnung auf die Mietbeihilfe. Eine Frau mit zwei Kindern verliert 2 000 EUR netto im Jahr. Fertig. (GRin Martina Ludwig-Faymann: Wollen Sie mit der Leerstandsabgabe das Budget sanieren?) Ein dreistelliger Millionenbetrag wäre drinnen! Sie wollten mit 750 000 EUR bei den Blinden und mit dem Streichen des Essens für Obdachlose in der Notschlafstelle das Budget sanieren. Das ist wirklich eine blöde Idee! (Beifall bei den GRÜNEN.) Die Wegzugssteuer hat übrigens in Deutschland einen großen Gegner. Die Freunde von denen in der AfD bringen dort Anträge in den Bundestag ein und sagen: Diese Wegzugssteuer muss man abschaffen, damit die Reichen wieder mehr haben. (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA. - Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) - Deswegen auch die Zwischenrufe. Etwas kann man jetzt schon versprechen. Es wird sich nämlich nun entscheiden: Entweder geht diese ruinöse Finanzpolitik quer durch Europa weiter ... (Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Das gilt auch für die Städte. Sie sind doch in der Bundesregierung und in der Stadtregierung! Mehr Macht kann man nicht haben! Ein solches Glück hatten wir noch nicht gleichzeitig in diesem Ausmaß. Das hatten wir noch nicht. (Heiterkeit bei Bgm Dr. Michael Ludwig.) Während wir zum Beispiel die kalte Progression abgeschafft haben und Sie der Meinung waren, man hätte viel mehr machen sollen, sagen Sie jetzt nur: Das hat ein Finanzloch gemacht. Sie sagen also: Nehmt den Leuten das wieder weg. Ist das die Position der SPÖ: Nehmt es ihnen wieder weg. Weniger Netto vom Brutto? Ist das die Position? (GRin Martina Ludwig-Faymann: Das kostet!) Ja! Das kostet Geld. Und von wem wird das gegenfinanziert? - Aber das höre ich nicht einmal mehr! Sie alle erklären mir die ganze Zeit, warum es notwendig ist ... (Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Ich verstehe wirklich nichts! Ich muss dazu zurückkehren, dass ich nicht an Sie appelliere, weil es wertlos geworden ist. Tut mir wirklich leid. (Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Ich wünsche mir etwas, was es nicht mehr gibt - und das ist die kämpferische Sozialdemokratie. Sie werden wie die Labour Party in Großbritannien einfach den Bach runtergehen, wenn Sie so weitermachen! Das sollte aber nicht mein Hauptproblem sein. (Beifall von StR Dominik Nepp, MA.) Das ist eher ein Appell an meine eigenen Freunde und Freundinnen. Wir müssen verstärkt die Klimakrise, die Demokratiekrise und die Sozialkrise beachten und zusammen denken, denn das ist es, wovor wir stehen. Das Nachlaufen hat Ihnen in den 90er Jahren bei der Ausländerfeindlichkeit der Freiheitlichen nichts gebracht. Und das Nachlaufen bei der Budgetkonsolidierung, wie Sie sie nennen, hilft Ihnen wiederum nichts. Mensch! Irgendjemand muss einmal anfangen, umzudenken. Ich glaube nach wie vor nicht, dass das 100 Prozent in der Sozialdemokratie so sehen und jeder Einzelne von Ihnen glaubt, dass es eine gute Idee war, der Alleinerzieherin mit zwei Kindern nächstes Jahr 2 000 EUR wegzunehmen (Zwischenruf von GRin Martina Ludwig- Faymann.) Das will ich nicht glauben! Der Herr Bürgermeister wird uns vielleicht jetzt die Fragen beantworten, die wir in unserer Anfrage an ihn gerichtet haben. Anschließend werden wir noch Anträge zum Beispiel zum Fernwärmepreis einbringen, der in Wien in einer Phase, in der die Wien Energie jeden Tag eine Million Gewinn macht, um 92 Prozent erhöht wurde, wie StR Peter Krauss neulich in einer Pressekonferenz mit Herrn Kaineder, der in Oberösterreich zuständig ist, festgehalten hat. Die Aussprüche "Das ist alternativlos" beziehungsweise "There is no alternative" und "There is no such thing as society" haben Sie von Margaret Thatcher gelernt. - Wir haben jedoch etwas ganz anderes: (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Unser Werkzeug ist Menschlichkeit untereinander. (Zwischenruf von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Die Leute wollen miteinander normal auskommen. Probieren wir das doch gemeinsam! (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich danke dem Herrn Gemeinderat für die Begründung. Bevor ich fortfahre, darf ich eine Delegation des Bayerischen Landtages bei uns hier im Wiener Gemeinderat begrüßen: Recht herzlich willkommen! (Allgemeiner Beifall.) Zur Beantwortung der Dringlichen Anfrage hat sich der Herr Bürgermeister zum Wort gemeldet. Ich erteile es ihm. Bgm Dr. Michael Ludwig: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Mitglieder des Gemeinderates! Bevor ich zur detaillierten Beantwortung der Anfrage komme, möchte ich noch vorausschicken, warum wir überhaupt eine Konsolidierung durchführen müssen. Im Hinblick darauf verrate ich hoffentlich kein Geheimnis, wenn ich Ihnen eröffne, dass in der letzten Bundesregierung die GRÜNEN mit dabei waren. (Zwischenruf von GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Wenn Sie sagen: Ja, es hat eine Abschaffung der kalten Progression gegeben, dann sage ich: Da kann man dafür oder dagegen sein. (Weiterer Zwischenruf von GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Man braucht aber eine Gegenfinanzierung, und diese Gegenfinanzierung hat es bei der Bundesregierung nicht gegeben. Das kostet uns allein in Wien 1 Milliarde EUR in der Legislaturperiode: 1 Milliarde EUR! (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Wenn Sie sich jetzt hier herausstellen und in Richtung Stadt Wien kritisch anmerken, dass Konsolidierungsmaßnahmen notwendig sind, dann sollten Sie immer auch dazusagen, warum das der Fall ist. Wenn man nämlich eine Politik nach dem Motto "Koste es, was es wolle!" betreibt, die Sie in den letzten Jahren auf Bundesebene mitverantwortetet haben, obwohl Sie an Verteilungsgerechtigkeit in der Gesellschaft interessiert sind, dann muss man festhalten: In den letzten Jahren haben vor allem jene profitiert, die Besserverdiener sind, und nicht die sozial Schwächeren. Das sollten Sie eventuell auch dazusagen, wenn Sie schon starkes Interesse an sozialer Gerechtigkeit haben. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Wenn wir uns heute mit Konsolidierungsmaßnahmen beschäftigen müssen, dann resultiert das daraus, dass vor allem keine Maßnahmen gesetzt worden sind, um die hohe Inflation einzudämmen, so wie andere europäische Länder das gemacht haben. Auch insofern könnten Sie Bezug nehmen auf vergleichbare Länder in der Europäischen Union, die sehr wohl Maßnahmen gesetzt haben, um die Inflation zu dämpfen. Das hat die letzte Bundesregierung nämlich nicht getan. (Zwischenruf von GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Das war ein Problem für die Haushalte und auch ein Problem für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Das wird uns - leider, wie ich sagen muss - in allen Gebietskörperschaften, also im Bund, in den Ländern und Gemeinden, noch längere Zeit beschäftigen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Wir haben somit erlebt, dass es in den letzten Jahren die längste Phase einer Rezession in der Geschichte Österreichs der Zweiten Republik gegeben hat. Diese längste Rezession ist ein Ergebnis Ihrer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene. Leider ist das nicht nur auf Ebene des Bundes so geblieben. Ich bin auch Präsident des Österreichischen Städtebundes, und ich kenne die Situation der Gemeinden in Österreich sehr gut. Mittlerweile ist die Hälfte aller Gemeinden in Österreich zu Abgangsgemeinden geworden. Diese müssen darüber befinden, ob sie das Hallenbad oder den Kindergarten zusperren. Sie haben keine Möglichkeit mehr für Investitionen. Und dazu kann man nur sagen: Das verhält sich so dank Ihrer Regierungsbeteiligung im Hinblick auf die Maßnahmen, die jetzt auf allen Ebenen und in allen Gebietskörperschaften getroffen werden müssen. Und in Anbetracht dessen stellen Sie sich hier heraus und kritisieren Konsolidierungsmaßnahmen, die ja auf Grund der Politik, die Sie in den letzten Jahren betrieben haben, notwendig geworden sind! (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Von daher wird es für uns wichtig sein, dass wir unseren Kurs der sozialen Gerechtigkeit weiterverfolgen, dass wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen klaren sozialpolitischen Kurs fahren, dass wir im Bereich der sozialen Infrastruktur, der Gesundheitsvorsorge, aber auch im Bereich der Ausbildung weiterhin Maßnahmen setzen und auch investieren, um deutlich zu machen, dass es uns wichtig ist, diesen sozialen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich komme jetzt im Detail zur Beantwortung Ihrer Fragen. Sie werden sehen, dass wir sehr wohl diesem Grundprinzip der sozialen Gerechtigkeit gerecht werden. Nun komme ich zu den einzelnen Fragen. Zur Frage 1.1: Die Budgetmittel, welche die Stadt Wien für den Bereich "Sucht und Drogen" im Jahr 2026 zur Verfügung stellt, entsprechen weitgehend den nominellen Werten von 2025. Zur Frage 1.2: Wie bereits festgehalten, entsprechen die Budgetmittel, welche die Stadt Wien für den Bereich "Sucht und Drogen" im Jahr 2026 zur Verfügung stellt, weitgehend den nominellen Werten von 2025. Zur Frage 1.3: Von notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen sind insbesondere arbeitsmarktintegrative Einrichtungen erfasst. Angebote zur Betreuung in arbeitsmarktpolitischen und sozialintegrativen Maßnahmen werden aber weiterhin in Kooperation mit dem AMS Wien finanziert. Die strategische Steuerung bleibt bei der Stadt Wien. Zur Frage 1.4: Die Kernleistungen der Suchthilfe Wien gemeinnützige GmbH sind nicht von Konsolidierungsmaßnahmen betroffen. In folgenden Bereichen kommt es daher zu keiner Minderleistung: Psychosoziale Betreuung, ambulante und tagesklinische Behandlung, Streetwork und Mobile Soziale Arbeit, Substitution, Schadensminderung, Krisenintervention, Digitalisierung. Lediglich im Bereich der Prävention gibt es eine Leistungseinschränkung von 10 Prozent. Nur ein Projekt wird gänzlich beendet, da dessen Ausgaben von den multiprofessionellen Teams an Wiener Schulen zur psychosozialen Unterstützung bereits vor einem Jahr übernommen worden sind. Zur Frage 1.5: Im Hinblick auf die gesamtstaatliche finanzielle Situation ist auch die Stadt Wien dazu aufgerufen, einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung zu leisten. Ziel ist es jedenfalls, die Versorgung und Betreuung suchtkranker Menschen auch unter veränderten Rahmenbedingungen nachhaltig zu sichern. Die Konsolidierungsmaßnahmen erfolgen nach drei Prämissen, die von den verantwortlichen Experten der Sucht- und Drogenkoordination Wien ausgearbeitet und transparent kommuniziert wurden. Erstens - Versorgungssicherheit. Die Behandlung von Menschen mit einer Suchterkrankung hat oberste Priorität. Der kontinuierliche Betrieb zentraler Behandlungs- und Unterstützungsangebote wird gesichert. Dies umfasst insbesondere die medizinische, psychologische und sozialarbeiterische Betreuung in ambulanter, tagesklinischer und stationärer Form. Keine Maßnahme darf zu Versorgungslücken führen, die den Zugang zur Behandlung, Substitution oder Krisenintervention gefährden würden. Zweitens - Soziale Verantwortung: Einsparungen erfolgen nach dem Prinzip der größtmöglichen sozialen Fairness. Sie werden dort umgesetzt, wo die Auswirkungen auf Patienten, Mitarbeiter sowie die Bevölkerung am geringsten sind. Dabei gilt: Die Qualität der Betreuung, der Schutz vulnerabler Gruppen und die Handlungsfähigkeit des Gesamtsystems stehen im Vordergrund. Sozial verträgliche Anpassungen und interne Umstrukturierungen werden strukturellen Kürzungen vorgezogen. Drittens - Zukunftsfähigkeit der Strukturen: Angesichts steigender psychosozialer Belastungen, der Teuerung und gesellschaftlicher Krisen ist davon auszugehen, dass der Bedarf an Behandlung und Unterstützung steigt. Deshalb werden insbesondere niedrigschwellige und lebensnahe Angebote auch im öffentlichen Raum erhalten, da sie eine entscheidende Schnittstelle zwischen akuter Hilfe, Behandlung und Stabilisierung bilden. Zur Frage 1.6: Dies erfolgt, indem es die strategische Steuerung des genannten Bereiches weiterhin gibt. Zudem werden unterschiedliche Angebote zur Betreuung in arbeitsmarktpolitischen und sozialintegrativen Maßnahmen in Kooperation mit dem AMS Wien finanziert. Das AMS finanziert die Wiener Berufsbörse vollständig. Sohin ist auch zukünftig die Betreuung von jährlich rund 500 suchtkranken Klienten gesichert. Strukturierte Angebote wie "Fix und Fertig" und "gabarage" bleiben bestehen und werden aus Mitteln der Stadt Wien und dem AMS Wien finanziert. Für instabilere Klienten stehen - ebenfalls aus Mitteln der Stadt Wien finanziert - zwölfmonatige behandlungsorientierte Leistungspakete zur Verfügung. Zur Frage 1.7: Die Budgetsituation führt einerseits zur Notwendigkeit von Einsparungen, während andererseits Leistungen und Angebote für Kunden mit Behinderung erhalten und für einzelne Zielgruppen erweitert werden. So ist auch für 2026 geplant, dass der Fonds Soziales Wien in die Bereiche Berufsqualifizierungsmaßnahmen, Lehre und Teilqualifizierung investieren wird, wobei Angebote, die vorranging in die Zuständigkeit des AMS fallen, nicht weiter durch den Fonds Soziales Wien kompensiert werden können. Laut Auskunft des Fonds Soziales Wien werden Förderungen bei zwei freiwilligen Angeboten - das sind solche ohne Rechtsanspruch nach dem Chancengleichheitsgesetz Wien - eingestellt. Dies betrifft das Angebot der Berufsintegration P.I.L.O.T. des Vereins "Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen - Integration Wien" sowie das Angebot der Berufsqualifizierung "KOMM Cafés & Minimärkte" der "Pro mente Gesellschaft für psychische und soziale Gesundheit". Zu der von Ihnen angesprochenen "Inklusionsstrategie 2023" wurde seitens des Fonds Soziales Wien darauf hingewiesen, dass dieses wording nicht bekannt ist und damit wohl die Strategie "Inklusives Wien 2030" gemeint ist. Im Rahmen von "Inklusives Wien 2030" gibt es verschiedene Maßnahmen, die seitens des Fonds Soziales Wien unter Berücksichtigung der budgetären Lage schrittweise bis 2030 umgesetzt werden, um die Inklusion von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu begünstigen. Eine dieser Maßnahmen betrifft den MentorInnenzuschuss des Fonds Soziales Wien. Der Fonds Soziales Wien fördert seit vielen Jahren die Beratung und Unterstützung bei der Arbeitsmarktinklusion von Menschen mit Behinderung durch den Integrationsfachdienst "Jobwärts" von Jugend am Werk und einen Lohnkostenzuschuss bei der Aufnahme von Menschen mit Behinderung in Unternehmen. Dieses Projekt findet weiter statt. Zur Frage 1.8: Wie mir mitgeteilt wurde, fanden bereits ab Frühjahr erste Gespräche mit Fördernehmern und der Sucht- und Drogenkoordination statt. Im September wurden diese schriftlich von anstehenden finanziellen Veränderungen informiert. Im Oktober wurden die Details der Förderhöhen im direkten Austausch mit den Geschäftsführungen besprochen. Dass diese laufenden Gespräche nicht öffentlich geführt werden, entspricht der üblichen Praxis zwischen Fördergebern und Trägern. Der Fonds Soziales Wien hat im Zuge der Einsparungsmaßnahmen ein wesentliches Augenmerk darauf gelegt, dass die gesetzten Maßnahmen ausgewogen und im Sinne der Bedarfe der Kunden gesetzt werden. Zentrales Anliegen ist es, die Unterstützung der Zielgruppen des FSW weiterhin sicherzustellen. Der Fonds Soziales Wien war dazu mit betroffenen Partnerorganisationen auf verschiedenen Ebenen im Austausch. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen, im Rahmen von Jour fixe-Terminen mit Geschäftsführern der Organisationen oder in Sitzungen mit der Interessenvertretung der Menschen mit Behinderung finden laufend Gespräche statt. Dem Fonds Soziales Wien war und ist es wichtig, die Organisationen miteinzubeziehen und ihre Expertise einzuholen. Ziel ist es, konstruktive, lösungsorientierte Vorschläge gemeinsam zu erarbeiten, Leistungen zu erhalten und diese noch treffsicherer zu gestalten. Zu den Fragen 2.1 bis 2.4: Die budgetären Mittel des Fonds Soziales Wien setzen sich neben der Dotation der Stadt Wien auch aus Mitteln des Bundes, Zweit- und Drittmitteln wie zum Beispiel Erlösen aus Kostenersätzen der Kunden beziehungsweise auch eigenen Mitteln zusammen. Die Dotation der Stadt Wien für den Fonds Soziales Wien wird im Rahmen der Voranschlagssitzung des Gemeinderates im Dezember beschlossen. Im Budgetvoranschlag für 2026 weist die Dotation des Fonds Soziales Wien ein leichtes Plus im Vergleich zu 2025 aus. Damit wird der Fonds Soziales Wien auch künftig ein verlässlicher Partner für die Menschen sein, die Unterstützung brauchen, und für die Organisationen, die diese Leistungen erbringen. Gleichzeitig trägt auch der Fonds Soziales Wien, wie alle Bereiche der Stadt, seinen Teil dazu bei, dass die finanzielle Stabilität der Stadt gewährleistet bleibt. Zahlreiche Projekte des Fonds Soziales Wien können 2026 trotz der allgemein budgetär angespannten Lage fortgesetzt werden. Dazu zählen etwa die Ausbildungsoffensive "Pflege Zukunft Wien", das FSW-Winterpaket mit seinen rund 1 000 zusätzlichen Notquartierplätzen, ein Ausbau der FSW-Tageszentren für Senioren sowie ein Ausbau im Bereich Wohnen für Menschen mit Behinderung. Selbstverständlich werden gesetzlich verankerte Leistungen des Fonds Soziales Wien im Sinne der sozialen Sicherheit für die Wienerinnen und Wiener fortgeführt. Ich komme nun kurz zu den angesprochenen Projekten. Pflege und Betreuung - Ausbildungsoffensive "Pflege Zukunft Wien": Vor dem Hintergrund des Personalbedarfs in der Pflege und Betreuung haben sich Fonds Soziales Wien, Hochschule Campus Wien und der Wiener Gesundheitsverbund zur "Pflege Zukunft Wien"-Ausbildungsoffensive zusammengeschlossen. Bis 2030 wird die Stadt Wien mehr als 16 000 Pflegekräfte ausbilden. Mit der Ausbildungsoffensive werden auch in den kommenden Jahren Pflegekräfte auf höchstem Niveau ausgebildet. Pflege und Betreuung - Ausbau der Tageszentren für Senioren: Die 18 Wiener Tageszentren für Senioren verbessern deren Lebensqualität und ermöglichen ihnen ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung. Gleichzeitig werden die Angehörigen entlastet. Aktuell laufen die Vorbereitungen für ein neues FSW-Tageszentrum in der Muthgasse im 19. Bezirk. Ab 2027 stehen dort neue Plätze für 40 Seniorinnen und Senioren zusätzlich zur Verfügung. Zur Wiener Wohnungslosenhilfe und dem FSW-Winterpaket: Das Winterpaket ist seit über 15 Jahren eine humanitäre Notmaßnahme mit dem Ziel, dass niemand auf Grund eines fehlenden Schlafplatzes in Wien auf der Straße nächtigen muss und damit sein Leben gefährdet. Für den Zeitraum von Ende Oktober bis Ende April gibt es rund 1 000 Plätze in Notquartieren im 24-Stunden-Betrieb. Die Angebote des Winterpakets stehen zusätzlich zum ganzjährig verfügbaren Regelangebot der Wiener Wohnungslosenhilfe zur Verfügung. In keiner anderen europäischen Millionenstadt gibt es ein vergleichbares Angebot. Zur Wiener Wohnungslosenhilfe - Mobil betreutes Wohnen: Der Housing First-Ansatz ist die nachhaltigste Lösung zur Bekämpfung von Obdach- und Wohnungslosigkeit. Auf Grund der klaren Haltung der Stadt zu Leistungen nach dem Housing First-Ansatz ist für das Jahr 2026 ein Ausbau dieser Leistungen geplant, um die Verfestigung und Vererbung von Wohnungslosigkeit zu verhindern. Wohnraum wird gesichert, und langfristig teure Folgekosten für die Stadt Wien können dadurch reduziert werden. Zum Thema Wohnen für Menschen mit Behinderung: 2025 hat der Fonds Soziales Wien in Garçonnièren- Verbünden - also Wohnmodellen, die das selbstbestimmte Leben für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermöglichen - 39 zusätzliche Plätze eröffnet. Auch im Jahr 2026 baut der FSW diesen Bereich mit der Eröffnung zweier Standorte um 30 Plätze aus. Hauptzielgruppe sind Menschen mit psychischer Erkrankung. Dieses Konzept des teilbetreuten Wohnens folgt der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen und ermöglicht ein inklusives Leben. Im Bereich der Wiener Flüchtlingshilfe reduziert der Fonds Soziales Wien sein Angebot für Integrationsmaßnahmen und konzentriert sich in Zukunft verstärkt auf seine Kernleistungen im Flüchtlingsbereich. Viele Jahre haben die Stadt Wien und der FSW dort kompensiert, wo der Bund und andere Bundesländer ausgelassen haben. Der Österreichisch Integrationsfonds ist vom Bund beauftragt, in ausreichender Form österreichweit Deutschkurse für geflüchtete Menschen anzubieten und damit Integration ab Tag eins zu bieten. Zur Frage 2.5: Selbstverständlich ist mit dem effizienten Einsatz von Geldmitteln gemäß der Satzung des Fonds Soziales Wien dafür gesorgt, dass Leistungen auch in Zukunft qualitätsvoll gefördert werden können. Wie bereits in der Vergangenheit ist es auch für die zukünftigen Budgetgestaltungen erforderlich, die Bedarfe, die Zielgruppen, die Ressourcen sowie externe Einflussfaktoren zu antizipieren und daraus Maßnahmen zu erarbeiten. Die Treffsicherheit und Wirksamkeit der Leistungen und Förderungen stehen dabei im Mittelpunkt. Zur Frage 3.1: Im Budget 2026 sind für die Finanzierung der Ordensspitäler um rund 7 Prozent mehr Mittel vorgesehen als 2025. Daraus eine Gefährdung der bewährten Zusammenarbeit der Stadt Wien mit den Ordensspitälern abzuleiten, ist nicht nachvollziehbar. Aber natürlich sind auch die Ordensspitäler so wie alle anderen Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich aufgefordert, ihren Beitrag zur Konsolidierung des Budgets zu leisten. Die Vertreter der Ordensspitäler sind auch an Mitglieder der Stadtregierung mit der Bitte um ein Gespräch zur Fördervereinbarung 2026 herangetreten. Dem kommt der amtsführende Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport natürlich nach. Zu den Fragen 3.2 und 3.3: Im Wiener Gesundheitsverbund liegen die Besetzungsgrade derzeit auf einem sehr hohen Niveau. Im Bereich der Pflege beträgt dieser über 93 Prozent, im Bereich der Ärztinnen und Ärzte über 92 Prozent, mit weiter steigender Tendenz. Diese Entwicklung ist das Ergebnis zahlreicher strategischer und nachhaltig wirksamer Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren gesetzt wurden. Dazu zählen unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen; gezielte Unterstützung von Fach- und Karrierewegen, um langfristige Entwicklungsperspektiven zu fördern; ein durchlässiges und modernes Ausbildungssystem, das unterschiedliche Bildungswege optimal miteinander verknüpft; Erhöhungen der Sonn- und Feiertagszulagen sowie der Nachtdienstzulagen, um die Attraktivität besonders belastender Dienste zu steigern; Einspringprämien für kurzfristig notwendige Zusatzdienste; die Möglichkeit zu Gehaltsfestsetzungen für neue Mitarbeiter; Anstellung von Auszubildenden während des Bachelorstudiums Gesundheit und Krankenpflege. Ein besonders bedeutender Schwerpunkt lag zudem auf dem Ausbau der Ausbildungsplätze. So wurde etwa die Zahl der Ausbildungsplätze in der Pflege auf 4 400 nahezu verdoppelt und die Zahl der Ausbildungsplätze im Bereich MTDG/MAG auf 2 400 erhöht, um den steigenden Personalbedarf nachhaltig abzusichern. Darüber hinaus wurden die Fortbildungstage für Ärztinnen und Ärzte erhöht sowie deren Fortbildungsgelder mit 1 000 EUR jährlich gesichert. Eingeführt wurden weitere zusätzliche Anreize wie der Anwerbebonus für alle Berufsgruppen, um die Gewinnung und Bindung von Fachkräften weiter zu stärken. Das 2024 eingeführte Personalpaket brachte eine deutliche Gehaltssteigerung in allen patientennahen Berufsgruppen. Zur Frage 3.4: Das Modernisierungsprogramm der Wiener Spitäler wurde 2022 hier in diesem Haus einstimmig beschlossen. Schon vor dem Sommer hat der zuständige amtsführende StR Peter Hacker öffentlich darauf hingewiesen, dass es im Bauprogramm zu einer Verschiebung der Zeitachse kommen kann. Zu dem kolportierten Fehlbetrag ist festzuhalten, dass bereits bei der Präsentation des Programmes 2022 darauf hingewiesen wurde, dass die Angaben zu den Kosten dem damaligen Wissensstand entsprechen und die Preisentwicklung nicht vorhersehbar ist. Bei der Planung und Umsetzung eines milliardenschweren Bauprogramms, das bis 2040 läuft, gibt es natürlich Entwicklungen wie Inflation und Baukosten, auf die es zu reagieren gilt. Daher wird es nun in der Umsetzung einerseits zu Verschiebungen kommen, andererseits werden auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten ausgelotet. Derzeit gibt es zu den Projekten des Modernisierungsprogrammes keine inhaltlichen Änderungen in den Projektzielen. Zu den Fragen 3.5 und 3.6: Der Regionale Strukturplan Gesundheit Wien 2030 basiert auf den Vorgaben des bundesweit gültigen Österreichischen Strukturplans Gesundheit. Beim Regionalen Strukturplan Gesundheit Wien 2030 handelt es sich um ein Planungsdokument, deshalb finden sich in diesem keine Finanzierungsaussagen. Zur Frage 4.1: Mit dem Gender Budgeting hat die Stadt Wien seit Jahren ein Instrument, mit dem der Budgeterstellungsprozess um die Geschlechterperspektive erweitert wurde. Das heißt, es wird genau beobachtet, wie die eingesetzten Budgetmittel auf die Lebensrealitäten von Frauen und Männern wirken. Natürlich beobachten wir auch die Lage von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt sehr genau und ist - wie Sie richtig anführen - der Gesundheits- und Sozialbereich weiblich dominiert. Die Befürchtung eines Stellenabbaus, der besonders Frauen trifft, wird von den hiesigen Experten aber nicht geteilt. Natürlich können die jetzt gesetzten budgetären Maßnahmen Auswirkungen auf einzelne Angebote haben. In Summe ist aber keine Stellenreduktion im Gesundheits- oder Sozialbereich zu erwarten. - All das sind Zeichen dafür, dass wir dem Prinzip der sozialen Gerechtigkeit folgen und den erfolgreichen Wiener Weg weiter beschreiten. (Anhaltender Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Nach Beantwortung der Dringlichen Anfrage durch den Herrn Bürgermeister eröffne ich die Debatte darüber, wobei ich bemerke, dass die Dauer der Diskussion maximal 180 Minuten beträgt. Zur Debatte über die Beantwortung der Dringlichen Anfrage hat sich Frau StR Pühringer zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr, wobei ich bemerke, dass die Redezeit mit 20 Minuten begrenzt ist. - Frau Stadtrat! Sie haben das Wort. StRin Mag. Judith Pühringer: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, ich bin eine Frau Stadträtin. So viel Zeit muss sein! (Beifall bei den GRÜNEN.) Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte StadträtInnen, liebe Kolleginnen und Kollegen! Danke für die Beantwortung der Fragen, Herr Bürgermeister! Trotzdem muss ich sagen, dass mich Ihre Beantwortung ein bisschen ratlos zurücklässt, weil Sie dabei den Eindruck erwecken, als ob sich nichts verändern würde. Gerade im Bereich der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der Suchthilfe entsteht ein bisschen der Eindruck, als ob alles beim Alten bliebe und alles gleichbleibt. Dem ist aber nicht so. Wenn ich Ihnen bei der Beantwortung zuhöre, dann verstärken sich leider mein Gefühl und mein Eindruck der letzten Wochen und Monate, dass nämlich die SPÖ Wien ihren sozialen Kompass und vor allem ihr Gespür auch dafür verloren hat, was geht und was nicht geht und wo man Prioritäten beim Konsolidieren setzt, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Sehr geehrter Herr Bürgermeister, ich möchte Sie gerne noch an eine Geschichte erinnern, die Sie vor einigen Wochen hier am Rednerpult erzählt haben. Ich habe Ihnen dabei sehr, sehr genau zugehört. Sie haben über Suchthilfe und darüber gesprochen, wie wichtig Sie es finden, dass marginalisierte Personen, Menschen, die auf die Suchthilfe angewiesen sind, auch tatsächlich wieder in die Gesellschaft integriert werden - und zwar auch mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Ich habe Ihnen, wie gesagt, sehr genau zugehört. Sie haben erzählt, dass sich, als Sie als Jugendfunktionär Flugblätter verteilt haben, eine Frau wahnsinnig beschwert hat, dass diese jedoch später zu Ihnen gekommen ist und gesagt hat: Ich entschuldige mich bei Ihnen, weil mein eigener Sohn jetzt eine Suchterkrankung hat, drogenabhängig ist und die Suchthilfe braucht. Sie haben damals auch klar gesagt, dass es gut und wichtig ist, dass es diese Beratungsstellen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in diesem Bereich gibt. Doch genau hier kürzen Sie jetzt diese Maßnahmen und Stellen zuallererst prioritär. (Beifall bei den GRÜNEN.) Das ist völlig unverständlich, das ist unverantwortlich, das ist unsozial, und das wird Ihnen auch nichts an Kosten ersparen. Die Kosten werden ganz woanders entstehen, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei den GRÜNEN.) Es geht um eine solidarische und eine gemeinsame Stadt. Das sagen Sie ja immer wieder in Ihren Reden. Und ich habe auch heute genau zugehört bei den Reden von Kolleginnen und Kollegen der SPÖ, die immer wieder sagen: Es geht darum, niemanden zurückzulassen. - Eine solidarische, gemeinsame Stadt zeigt sich ja genau daran, wie man mit den Schwächsten und jenen umgeht, die ohnehin schon am Limit sind. Es ist zumindest mein Bild von Wien, dass man Menschen, die schon am Rand stehen, nicht zurücklässt und im Regen stehen lässt. In einem solchen Wien will ich leben, aber genau dieses gemeinsame und solidarische Wien wird gerade Stück für Stück abmontiert, sehr geehrte Damen und Herren, und damit wird auch das große Versprechen gebrochen, niemanden zurückzulassen. Ich muss es leider sagen: Die Wiener SPÖ ist gerade dabei, das Erbe des Roten Wien zu verspielen. Das muss man leider ganz genau so sagen. Und das macht natürlich etwas mit den Menschen in der Stadt. Ich weiß nicht, ob Sie diese Stimmen hören oder nicht hören. Bei uns ist aber tatsächlich Alarmstufe Rot. Es rufen viele Menschen bei uns an, es schreiben uns sehr viele Menschen. Das sind Menschen, die am Limit sind. Wir beantworten gerade geduldig viele Mails und versuchen, Mut zu machen. Ich sage Ihnen aber ganz ehrlich, das ist schwierig, weil es sich dabei um Menschen handelt, die in Mindestsicherung sind, die chronisch krank sind, die eine Behinderung beziehungsweise eine Suchterkrankung haben. Oft fällt es wirklich schwer, gerade diesen Menschen Mut zu machen. Wir versuchen, zumindest zuzuhören. Ich weiß nicht, warum Sie diese Stimmen nicht hören. Wir hören sie klar und deutlich! Und eine Mitarbeiterin von uns, die im Dialog-Büro arbeitet, wo all diese Anfragen gerade eingehen - und ich sage Ihnen, es sind viele - sagt: Die ohnehin Verzweifelten sind jetzt noch verzweifelter. Das ist das, was wir in Wien gerade hören. Ich weiß nicht, ob Sie mitbekommen, wie es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den sozialen Organisationen gerade geht. Letzte Woche sind viele MitarbeiterInnen im Bereich der Suchthilfe und im Bereich der Arbeitsmarktintegration auf die Straße gegangen. Sie, Herr Bürgermeister, sagen, dass sich in diesen Bereichen nichts verändern wird und alles weiter finanziert wird. - Im Hinblick darauf frage ich mich: Warum gehen diese Leute auf die Straße? Warum sind sie so empört? - Ich meine, sie sind zu Recht empört. Das sind auch Menschen, die ich von früher kenne, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Das sind Menschen, die sehr viel Herzblut in ihre Arbeit stecken, die wirklich nicht einfach ist. Es ist nicht einfach, Menschen, die eine Suchterkrankung haben und denen es sehr schlecht geht, wieder eine Perspektive zu geben. Genau diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den sozialen Organisationen der Suchthilfe sind aber diejenigen, die das können. Und es wird sehr viel Spezialwissen und ExpertInnenwissen verlorengehen, wenn Sie diese Strukturen jetzt abbauen und bei diesen sozialen Organisationen kürzen. Wenn Sie diesen Menschen ihren Arbeitsplatz nehmen, geht dieses Spezialwissen verloren. Das finde ich wirklich erschütternd, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Etwas ist auch bemerkenswert: Es sind rote Funktionäre, die auf die Straße gegangen sind, es sind rote GewerkschafterInnen, die gerade gegen die Politik von Genossinnen und Genossen der SPÖ Wien auf die Straße gehen. Und viele dieser Menschen melden sich bei uns. Da hat ein Geschäftsführer einer Sozialeinrichtung angerufen und gesagt: Ich erkenne meine SPÖ nicht wieder. Eine andere Betroffene aus dem Sozialbereich erzählt uns, dass sie schon fix einen Job bei einer Beratungsstelle für suchterkrankte Menschen hatte. Sie sagt: Ich wurde angerufen, und mir wurde gesagt, dass ich wegen der budgetären Situation diesen Job nicht antreten kann, obwohl ich schon eine Zusage habe. Vorige Woche habe ich mit einem Mann telefoniert - oft haben wir keine Bilder von diesen Menschen -, und dieser Mann pflegt seine Tochter mit einer schweren Behinderung. Er hat mir am Telefon geschildert, was das für ihn bedeutet. Er hat sehr lange darum gekämpft, überhaupt Mindestsicherung zu bekommen. Jetzt bekommt er zwar seit Oktober Mindestsicherung, hat mich aber am Telefon gefragt: Wie kann es sein, dass ich seit Oktober Mindestsicherung bekomme, weil ich nicht mehr arbeiten gehen kann, weil ich meine Tochter pflegen muss, mir jedoch jetzt diese Mindestsicherung einerseits bei der Tochter, andererseits auch bei mir selber gekürzt wird, weil das eine Dauerleistung ist, weil ich nicht mehr arbeitsfähig bin? - Der Mann hat mir einiges erzählt, etwa dass er seine Tochter, die eine schwere Behinderung hat, mehrmals am Tag wickeln muss und dass er sich fragt, ob er sie wegen der Fernwärmepreise überhaupt noch dreimal in der Woche baden kann. - Ich glaube, an diesen Beispielen sieht man sehr gut, wie die Dinge zusammenhängen, wie sehr die Leute am Limit sind, wie verzweifelt sie sind. Sie aber lassen diese Leute im Moment einfach im Stich und allein, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich möchte noch einmal drei Bereiche herausgreifen, weil es jetzt bei der Anfragebeantwortung so geklungen hat, als ob sich nichts ändern würde. Sehen wir uns doch die Situation etwa in der Arbeitsmarktintegration an! - Ja, da wird gerade gekürzt. Und nein, wir wissen von den sozialen Organisationen, dass nicht über das AMS ausgeglichen wird. Die Betriebe und Organisationen sagen uns, dass nicht ausgeglichen wird, sondern dass einfach gekürzt und gestrichen werden wird und dass das auf diese Art auch nicht wieder kommen wird. Ich sage Ihnen, Sie waren in dieser Stadt zu Recht stolz auf diese sozialen, innovativen Unternehmen der Arbeitsmarktpolitik, auf die Vielfalt der Trägerorganisationen mit hoher Innovationskraft und auf diese Programme. Das war gewissermaßen die ausgestreckte Hand des sozialen Wien. Diese Hand ziehen Sie jetzt aber zurück, diese Hand zieht die SPÖ Wien jetzt ganz einfach zurück. Und das betrifft einige Projekte für Menschen mit Behinderung. Ich bin froh, dass die ÖVP einen Antrag zum Projekt P.I.L.O.T. einbringen wird. Dabei geht es um junge Erwachsene, die in den Arbeitsmarkt begleitet werden sollen. Dieses Projekt steht vor dem Aus. Oder auch das Projekt unik.at in 1080 Wien auf der Josefstädter Straße, das ebenfalls ein soziales Unternehmen ist, wo Menschen mit Behinderung eine Beschäftigung finden und wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden, das viele von Ihnen wahrscheinlich kennen, steht vor dem Aus. Ähnliches wissen wir seit ein paar Tagen auch von pro mente Wien. Im Rahmen dieses Projektes wurden mit viel Herzblut in der Klinik Hietzing, in der Klinik Penzing beziehungsweise in der Klinik Landstraße kleine Kommunikations-Cafés in den Kliniken aufgebaut und kleine Märkte dazu bespielt. Dort haben Menschen mit psychischen Erkrankungen gearbeitet und konnten durch diese Arbeit auch wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. - All das sind fantastische Möglichkeitsräume für Menschen gewesen, wieder den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden. Und all das fällt jetzt weg. Nun auch noch ein Punkt zur Sucht- und Drogenhilfe. Es sind jetzt ganz viele Namen gefallen, aber ich möchte das noch einmal wiederholen. Das Angebot "Standfest" von dialog wird geschlossen, das Beratungsangebot FÖBES wird geschlossen: Auch vom Projekt "Fix und Fertig" haben wir gehört. Es ist dies das älteste soziale Unternehmen in Wien. Ich weiß nicht, wie viele von Ihnen dort waren und "Fix und Fertig" besucht haben. Diese Einrichtung ist unglaublich wichtig. Es geht da sozusagen um Taglöhner-Jobs. Im Rahmen dieses Projekts können Menschen, die ganz am Beginn von Integration stehen, einen Tag lang von der Früh bis am Abend beschäftigt werden. Dabei geht es um niederschwellige Einstiege in den Arbeitsmarkt. Und auch wenn Sie sagen, "Fix und Fertig" wird es weiterhin geben, sage ich: "Fix und Fertig" wird es nicht weiterhin geben. Die Menschen dort bestätigen uns, dass sie zusperren werden müssen. Sie werden einen kleinen Bereich irgendwo eingliedern, aber "Fix und Fertig" in der jetzigen Form wird es nicht mehr geben. Außerdem hat der Bürgermeister auch über "gabarage" gesprochen. Die Einrichtung "gabarage" wird es mit zwei Projekten nicht mehr geben. Das Förderbudget wird um 50 Prozent gekürzt werden. Ich finde es wirklich arg, wie der Ball im Moment hin und her geschupft wird und die Verantwortung jeweils von den Zuständigen weggeschoben wird. Und das geschieht ganz einfach auf dem Rücken der Betroffenen. Wenn Sie einmal mit diesen Menschen gesprochen haben, dann wissen Sie, wie wichtig diese Organisationen wie "gabarage" oder "Fix und Fertig" für sie sind. Ich finde es wirklich beschämend, was gerade passiert. Dabei geht es um Strukturen, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden - und diese werden nun zerschlagen. Mein Eindruck ist, dass das keine kleinen Anpassungen sind. Vielmehr werden da jetzt gerade tragende Säulen des sozialen Wien einfach eingerissen, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich weiß, es geht um das Budget. Und ich weiß, es geht um Konsolidierungsbedarf. Aber auch, wenn ich das nicht auf der sozialen Ebene betrachte, auch wenn ich mir denke, dass ich diese Schicksale einmal beiseitelasse, und das nur auf der rein betriebswirtschaftlichen beziehungsweise volkswirtschaftlichen Ebene betrachte, sehe ich: Diese Rechnung geht sich nicht aus. Das ist tatsächliche einfache Mathematik beziehungsweise einfache Folgekostenabschätzung. Wenn man arbeitsmarktpolitische Unternehmen, die die Allerschwächsten in den Arbeitsmarkt integrieren, zusperrt oder kürzt, dann kann man damit kein Budget sanieren, weil die Kosten auf der anderen Seite explodieren werden. Man kann, wenn man verhindert, dass Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt begleitet werden, um den Sprung in ein selbstständiges Leben mit Lebensqualität und Existenzsicherung zu schaffen, damit kein Budget sanieren, weil die Kosten auf der anderen Seite explodieren werden. Es werden dann nämlich auf der anderen Seite Kosten entstehen - und diese werden höher sein. Das Gleiche gilt auch für den Fall, dass man bei chronisch Kranken kürzt, die nicht arbeitsfähig sind und eine Dauerleistung bekommen. Das muss man sich auch einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da geht es um Menschen, die nicht arbeiten können und die keine einzige andere Chance haben. Damit kann man kein Budget sanieren. Damit bringt man nur diejenigen, die eh schon verzweifelt sind, noch mehr zur Verzweiflung. Damit bin ich bei meinem dritten Punkt, nämlich beim Thema Dauerleistungsbezieher und Kürzungen. Wir haben das gestern thematisiert. "Dauerleistungsbezieher" ist auch so ein technischer Begriff, unter dem man sich nicht viel vorstellen kann. Dauerleistungsbezieher sind Menschen, die chronisch erkrankt sind, die eine schwere Behinderung haben, die nicht arbeitsfähig sind. Und bei diesen Menschen werden jetzt bis zu 3 000 EUR im Jahr ganz einfach gekürzt. Das betrifft einerseits die Kürzungen bei den Sonderzahlungen. Das sind 1 200 EUR pro Jahr. Und die Mietbeihilfe wird ebenfalls angerechnet, das sind bis zu 1 800 EUR im Jahr. Also noch einmal: Bei Menschen die eine Dauerleistung bekommen, bei chronisch kranken Menschen, die eine schwere Behinderung haben und nicht arbeitsfähig sind, wird um bis zu 3 000 EUR im Jahr gekürzt. Das sind 13 000 Menschen im Jahr, und das sind die verletzlichsten Gruppen in unserer Stadt. Damit zerschneidet die Wiener SPÖ das allerletzte soziale Netz für diese Menschen, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich habe es schon eingangs erwähnt, das Rote Wien hat einmal das Versprechen gegeben, niemanden zurückzulassen. Auch viele Kolleginnen und Kollegen haben das heute immer wieder in ihren Reden gesagt. Dennoch frage ich Sie: Meinen Sie das wirklich ernst? - Mein Eindruck ist nämlich, dass jetzt gerade sehr viele zurückgelassen werden. Da wird sozusagen ein Versprechen gekürzt. In Wirklichkeit wird auch bei der Würde und bei der Menschlichkeit gekürzt. Außerdem geht es natürlich auch immer um ganz viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich, die sich jahrzehntelang einsetzen, die einen Job machen, der wahrlich kein einfacher, sondern wahrlich schwierig ist. Nun noch vielleicht für uns alle gesprochen: Wer bei den Ärmsten kürzt, der kürzt immer auch beim Zusammenhalt, der kürzt immer auch beim sozialen Frieden, der kürzt immer auch bei der Solidarität, der kürzt immer auch beim Gemeinsamen, und das betrifft immer uns alle. Ich erinnere mich, dass schon bei meinen vorigen Reden zu den Kürzungen im Sozialbereich dann viele gesagt haben, dass ich nicht so dick auftragen und nicht so pathetisch sein soll. - Ich sage Ihnen aber ganz ehrlich: Wenn Sie das pathetisch finden, dann sagt das viel mehr über den Zustand der SPÖ aus, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich kann Ihnen nur sagen, ich weiß nicht, ob Sie die Zeichen gerade spüren. Ich spüre sie, und wir spüren sie. Ich kann nur sagen, es rumort gewaltig in dieser Stadt. Wenn man den Sozialbereich mit einem Haus vergleicht - heute gab es schon einige Hausvergleiche -, dann ist mein Eindruck, da wird nicht ein bisschen modernisiert und erneuert, sondern da werden gerade tragende Wände eingerissen. Ich will jedenfalls in einer Stadt leben, in der wir aufeinander schauen, in der wir auch auf die Allerverletzlichsten schauen, indem wir es ernst meinen damit, die Ärmsten nicht zurückzulassen. Wir werden jedenfalls nicht wegschauen, wir werden für eine gemeinsame, für eine solidarische Stadt kämpfen, weil wir an ein solidarisches, an ein soziales, an ein gemeinsames und an ein gerechtes Wien glauben. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste ist GRin Korosec zu Wort gemeldet. Ich bitte um die Ausführung. GRin Ingrid Korosec (ÖVP): Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren Stadträte, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen! Wir sind österreichweit, weltweit und natürlich wienweit in einer schwierigen Situation, was natürlich bedeutet, dass wir auch Maßnahmen setzen müssen, die uns nicht alle gefallen. Aber da ist es ganz besonders wichtig, Maßnahmen zu setzen, die sozial gerecht sind. Und ich habe dem Herrn Bürgermeister heute sehr genau zugehört. Das Wort soziale Gerechtigkeit hat er sehr oft erwähnt. Das ist gut so, aber da muss man sich halt auch daranhalten. Ich spreche heute für einen Bereich, der eigentlich - viele werden sagen - Pipifax ist - ältere Menschen in Wien, die für die Fahrscheine jetzt bei der Straßenbahn mehr zahlen müssen: Na, ist das so etwas Aufregendes? - Aber ich werde Ihnen sagen und ich werde Ihnen aufzeigen, was das für diese Personengruppe bedeutet. Es betrifft tausende ältere Menschen und das auf eine Weise, was mich als Mensch, aber natürlich auch als Vertreterin der Senioren und Seniorensprecherin der Wiener ÖVP zutiefst empört, menschlich zutiefst empört. Es geht um die geplanten Tarifänderungen bei den Wiener Linien ab 1.1.2026. Jetzt kann man sagen, ja, mein Gott, alle müssen ein bisschen nachlassen, warum nicht auch die Senioren. Aber was macht man in Wien? Wie sind die Fakten? - Die Wiener Linien schaffen Einzelfahrscheine überhaupt ab. Jetzt zahlt man 1,50 EUR für einen Einzelfahrschein, das gibt es ab 1. Jänner 2026 nicht mehr. Das heißt, man muss dann einen normalen Fahrschein kaufen, der kostet 3,20 EUR - um 113 Prozent mehr. Offenbar hat man das Denken verlernt ... (Beifall bei der ÖVP und von GRin Mag. Heidemarie Sequenz.) Und wissen Sie, was mich auch so empört? - Da geht es um Menschen, die ihr Leben lang für diese Stadt gearbeitet haben, die Wien mitaufgebaut haben. Aber nicht genug damit, auch die Jahreskarte bei Senioren wird um 25 Prozent teurer. Und wäre es jetzt nicht schlimm genug, ist es auch, dass man, wenn man in Zukunft analog Tickets kaufen will, mehr zahlen muss, obwohl immer zugesagt wurde - wir sind alle für Digitalisierung, das ist die Zukunft, das wissen wir alle, aber es war immer geklärt -, solange nicht wirklich alle Bürgerinnen und Bürger digital wirklich fit sind, muss es auch analog zu den gleichen Preisen gelten. (Beifall bei der ÖVP.) Nein, man erhöht. Das ist digitale Diskriminierung, meine Damen und Herren. Und wer sind diese Menschen, die da am härtesten betroffen sind. Das sind jene Seniorinnen und Senioren, die nicht laufend in der Welt herumfahren, in Wien herumfahren und täglich unterwegs sind, nein, das sind solche alte Menschen, und von denen gibt es sehr, sehr viele in Wien, die einsam sind, die allein leben, die ein- bis zweimal in der Woche vielleicht zum Arzt müssen, und vielleicht einmal in die Innere Stadt fahren, um einzukaufen. Die brauchen keine Jahreskarte, die brauchen einen Einzelfahrschein, der bisher mit 1,50 EUR tragbar war (Beifall bei der ÖVP.), in Zukunft: 3,20 EUR. Die wollen vielleicht auch einen Besuch bei ihren Enkelkindern machen, kann auch noch sein, wenn sie welche haben. Und es sind vielleicht Menschen, die gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, weite Strecken zu Fuß zu gehen. Also, ich muss Ihnen sagen, ich bin da wirklich empört, nämlich empört auch über das, was dann empfohlen wird. Es hat ja Aufregung gegeben, wir haben uns sofort dagegen gewehrt, als die Frau Reinagl, die Geschäftsführerin der Wiener Linien Folgendes sagte, ich zitiere sie: "Da kann ich nur empfehlen, auf das Jahresticket umzusteigen!" - Dann wird es noch dreister: "Und ganz ehrlich, wir haben bei den Pensionisten noch viele, noch sehr überzeugte Autofahrer, da schaut man ja offensichtlich auch nicht auf die Preise!" - Das ist die Aussage von der Frau Reinagl. Meine Damen und Herren, das ist nicht nur herablassend, das ist zynisch. (Beifall bei ÖVP und GRÜNEN.) Als würden unsere Seniorinnen und Senioren nicht auf jeden Euro schauen müssen, als ob alle über ein Auto verfügen, als wären sie alle in der Lage, eine Jahreskarte zu kaufen, die sich nicht mehr rechnet, wenn man nur gelegentlich fährt. Meine Damen und Herren, was sagt diese Aussage über das Menschenbild, das hier vorherrscht, was sagt sie über den Respekt gegenüber der älteren Generation? Lassen Sie mich ein konkretes Beispiel geben. Die Frau Müller, 72 Jahre, geht zweimal in der Woche zum Arzt, einmal zum Einkaufen, sie nützt Öffis. Bisher waren das im Monat 18 EUR, ab 1.1.2026 sind es 38,40 EUR, also mehr als das Doppelte. Das ist für die Frau Müller, die eine kleine Pension hat, eine enorme Belastung. Und jetzt wird ihr geraten, eine Jahreskarte zu kaufen, die zukünftig 315 EUR kostet. Das heißt, das ist wirklich zynisch und unglaublich. (Beifall bei der ÖVP.) Und das ist Wien. Wien rühmt sich ja gerne seiner sozialen Stadtpolitik, das haben wir ja heute auch vom Herrn Bürgermeister oftmals gehört. Die Stadt brüstet sich damit, eine Stadt für alle zu sein. Aber was zeigt uns diese Maßnahme? Sie zeigt, dass Seniorinnen und Senioren offenbar nicht zu diesen allen gehören. Sie zeigt, dass Senioren zur Kassa gebeten werden, während man sich gleichzeitig in Sonntagsreden mit sozialer Gerechtigkeit schmückt. Und meine Damen und Herren, noch etwas: Mobilität ist ein Grundbedürfnis. Mobilität bedeutet Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Mobilität bedeutet Würde im Alter. Und wenn wir älteren Menschen diese Mobilität erschweren oder sogar verunmöglichen, dann schließen wir sie aus der Gesellschaft aus, dann verurteilen wir sie zur Isolation. Und genau das ist es, was diese Preispolitik bewirkt. (Beifall bei der ÖVP und von GRin Mag. Heidemarie Sequenz.) Sie zwingt Menschen dazu, sich zu überlegen, ob sie sich einen Arztbesuch leisten können. Sie zwingt Menschen dazu, auf den Besuch ihrer Enkelkinder zu verzichten. Sie zwingt Menschen dazu, zu Hause zu bleiben und nicht am Leben teilzunehmen. Und, meine Damen und Herren, die Alterseinsamkeit ist grundsätzlich und insbesondere in Wien ganz enorm, und diese Alterseinsamkeit wird der Gesellschaft noch sehr, sehr viel Geld kosten. Wir sollten alles tun, um das zu vermeiden und zu helfen, dass es nicht stärker wird. (Beifall bei der ÖVP.) Der Herr Bürgermeister ist leider nicht mehr da, aber ich frage ihn trotzdem. Ist es das, was er unter einer sozialen Stadt versteht? Ist es das, wie Sie, Herr Bürgermeister, mit jener Generation umgehen wollen, die unser Wien aufgebaut hat? - Ich kenne den Herrn Bürgermeister schon sehr lange, und ich schätze ihn als sehr sozial denkenden Menschen. Daher kann ich mir nicht vorstellen, Herr Bürgermeister, dass Sie wirklich die Mobilität der älteren Menschen einschränken wollen. Daher, überlegen Sie noch einmal. Ich sage auch ganz offen, das ist nicht mein Wien, das ist nicht das Wien, für das ich stehe und für das die Wiener ÖVP steht, und es darf nicht das Wien sein, in dem wir alle Leben wollen. (Beifall bei der ÖVP.) Daher haben wir auch gemeinsam mit der GRÜNEN-Fraktion einen Antrag eingebracht, wo wir das aufzeigen und Sie ersuchen, diese geplanten Seniorentickets für die Einzelfahrt beizubehalten beziehungsweise natürlich die Wiener Linien dazu aufzufordern, das zu tun. Nachdem heute das Projekt P.I.L.O.T. auch vom Herrn Bürgermeister so hervorgehoben wurde, möchte ich das auch noch einmal erwähnen, denn es ist - und jetzt schon bald war - ein Projekt, das auch der StR Hacker immer sehr, sehr positiv hervorgehoben hat und das unglaublich erfolgreich ist. Immerhin haben von den, glaube ich, 15 Teilnehmern acht den ersten Arbeitsmarkt erreicht. Was das für Menschen mit besonderen Bedürfnissen bedeutet, das muss man sich vorstellen. Das kann nur jemand nachvollziehen, der in seinem Bereich damit zu tun hat. Frau Pühringer hat das ja sehr klar aufgezeigt. Dass man so etwas einstellt, wo es um 250 000 EUR im Jahr geht, wo man mit 250 000 EUR so vielen Menschen zum ersten Arbeitsmarkt verhelfen kann, die sonst nie eine Chance haben werden, ist für mich unverständlich. Soviel ich weiß, hat auch der Herr StR Hacker noch vor einigen Monaten gesagt, es kommt nicht in Frage, dass in diesem Bereich eine Veränderung kommt. Vielleicht gibt es noch eine Möglichkeit, das auch zu verändern. Bitte, denken Sie darüber nach! Es ist noch Zeit. Ich gehöre nicht zu jenen, die jetzt sagt, es geht uns eh so gut, wir brauchen keine Veränderungen. Veränderung ist notwendig, aber es kommt immer darauf an, wie man diese Veränderungen macht, wie sozial man sie macht, und da ist sicher noch etwas möglich. - Danke. (Beifall bei der ÖVP und von GRin Mag. Heidemarie Sequenz.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste ist GRin Bernecker-Thiel zu Wort gemeldet. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie haben das Wort. GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel (NEOS): Guten Abend, kann man fast schon sagen, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in den vergangenen Stunden einiges an Kritik gehört und die Tatsache, dass wir sparen, kommt bei der Opposition offenbar nicht gut an. Aber ich muss ehrlich sagen, ich bin auch gar nicht überrascht, denn es handelt sich dabei um Parteien, die in der Vergangenheit und in der Gegenwart nicht gerade durch Sparsamkeit aufgefallen sind - und zwar sowohl auf Bundesebene als auch auf Länderebene. (Beifall bei den NEOS.) Ich möchte jetzt auch gar keine Namen oder Projekte in diesem Zusammenhang nennen, aber Tatsache ist, dass wir jetzt so viel zu stemmen haben, sind definitiv die Folgen einer weit zurückreichenden Koste-es-was-es-wolle- Politik. Und die Folgen davon sehen wir heute in Form eines Defizits in noch nie dagewesener Höhe. Dieses Defizit müssen wir tragen, wir müssen es gemeinsam tragen. Veränderung ist notwendig - vielen Dank für diesen Satz. Ich möchte auch keine falsche Erwartungshaltung aufbauen oder mich mit falschen Tatsachen herstellen. Es wird uns alle betreffen, es wird keine Bevölkerungsgruppe geben, die nicht in der einen oder anderen Form von den Sparmaßnahmen betroffen ist. Wer heute am Vormittag Zeit hatte, die Nachrichten anzuschauen, der Herr Bürgermeister hat ja auch angekündigt, es wird auch für die Wiener Politiker eine Nulllohnrunde geben. Also auch wir sind Teil dieses Sparpakets. Das ist übrigens eine Forderung, die wir NEOS schon seit einiger Zeit stellen. Wir sind froh, dass (Zwischenruf von GR Felix Stadler, BSc, MA.) dieser Forderung jetzt auch nachgekommen wird. (Beifall bei den NEOS.) Haben wir es uns ausgesucht, jetzt in dieser finanziell prekären Situation zu sein? - Die Antwort ist natürlich ein klares Jein. Nein, wir haben uns nicht ausgesucht, dass wir mit den Folgen, mit den Weichenstellungen und Entscheidungen konfrontiert sind, die weit vor unseren Regierungsbeteiligungen liegen. Und da muss ich natürlich anmerken - das muss man mir jetzt zugestehen -, wir NEOS haben schon vor Jahren auf eine finanzielle Schieflage hingewiesen und gefordert, dass es Einsparungen und eine realistische Ausgabenpolitik gibt. Und jetzt komme ich zum Ja. Ja, es waren zwar im Juni die Budgetzahlen ganz klar - wir haben nicht ganz genau gewusst, um welche Beträge es geht, aber wir haben gewusst, dass Einsparungen nötig sind. Wir haben uns dazu bekannt, hier in die Verantwortung zu gehen, diese Herausforderung anzunehmen und gemeinsam mit der SPÖ daran zu arbeiten, dass gespart wird und dass es auch so schnell wie möglich wieder zu einem Aufschwung kommt. Wir haben uns dazu entschieden, uns nicht wegzuducken und den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Das wird in allen Bereichen der Stadt sichtbar werden und nötig sein und dazu gehört auch Soziales. Das Thema Soziales ist ein extrem wichtiges Thema in Wien. Wien ist eine Stadt, die nicht nur im österreichischen, sondern auch im internationalen Vergleich relativ einzigartig dasteht, was Sozialleistungen betrifft, wir haben es ja auch vorher in der Rede vom Bürgermeister gehört. Das wird auch in Zukunft so sein, aber Hand in Hand damit geht natürlich auch, dass es sich bei den Sozialleistungen um einen riesigen Brocken im Budget handelt und deswegen hier gespart werden muss, auch wenn es sich um ein besonders sensibles Thema handelt. Wie diese Einsparungen im Sozialbereich ausschauen, haben wir gehört, ich will nicht wiederholen, was vor einer Stunde vom Bürgermeister bereits präsentiert wurde. Wir werden es auch morgen noch diskutieren. Aber ich will trotzdem noch einmal unterstreichen, was eigentlich das Zentrum ist. Das Wichtige ist, dass das Konzept der sozialen Verantwortung das Leitprinzip für alle Einsparungsmaßnahmen ist und bleibt. Das heißt, überall, wo im Sozialbereich gespart werden muss, werden wir das Prinzip der größtmöglichen sozialen Fairness anwenden. Und dabei geht es nicht um die Versorgungssicherheit in sozialen Kernbereichen, sondern durchaus auch um die Zukunft, um die Zukunftsfähigkeit der Strukturen im Hinblick auf die steigenden Kosten durch Inflation und steigenden Bedarf. Ich fasse zusammen, auch wenn es ein abgedroschener Ausdruck ist, ich verwende ihn trotzdem: Die fetten Jahre sind vorbei! Ich übersetze es für die GRÜNEN: Die Jahre der Gürtelpools sind vorbei! (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Und zusammengefasst, als Schlusswort: Gespart muss überall werden, aber mit Maß und Ziel und vor allem mit sozialer Fairness. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster ist Herr GR Brucker zu Wort gemeldet. - Bitte, Herr Kollege, Sie haben das Wort. GR Lukas Brucker, MA (FPÖ): Herr Vorsitzender, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte ganz kurz auf die NEOS zurückkommen. Sie haben jetzt gerade in Ihrem Debattenbeitrag, aber auch schon im Laufe des Tages immer wieder bewiesen, was für eine beliebige Partei Sie geworden sind. Sie sind nur mehr Mehrheitsbeschaffer in Wien und im Bund, und deshalb werden Sie genauso enden wie die FDP in Deutschland. Und das ist so nur gerecht, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Außerdem finde ich es schon sehr respektlos, dass der Herr Bürgermeister hier herkommt, quasi die Verantwortung abschiebt, kurz die Fragen beantwortet und dann gleich wieder geht. Der Herr (sich auf Amtsf. StR Peter Hacker beziehend) Stadtrat geht jetzt offenbar auch, also offenbar will man sich diesen sozialen Kahlschlag in dieser Stadt gar nicht anhören. Aber dass der Bürgermeister hier immer wieder die Verantwortung abschiebt, das ist ja eigentlich sein Programm und sein Modell. Er hat damit überhaupt nichts zu tun, er hat nichts zu tun mit dem Schuldenstand der Stadt, er hat auch offenbar nichts zu tun mit dieser Bundesregierung, die gerade hier am Werk ist. Offenbar kennt er auch den Herrn Babler gar nicht, den er offenbar gar nicht installiert hat, obwohl er eigentlich seine Erfindung war. Und immer, wenn ich dem Herrn Bürgermeister so zuhöre, muss ich irgendwie an das Lied von Shaggy denken, "It wasn't me". Ich weiß nicht, wer das noch kennt von Ihnen, aus den 2000ern. Und genau das ist es. Aber in Wahrheit schaut es ja genau anders aus, wenn man sich den Schuldenstand der Stadt Wien und das Defizit für 2024 und 2025 anschaut. Das Schuldensorgenkind Wien, das Defizit verdoppelt sich von 1,7 Milliarden auf über 3 Milliarden EUR. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist das Werk der SPÖ-NEOS-Koalition in Wien. Das ist Ihr Werk, dieser soziale Kahlschlag, der jetzt auf die Wienerinnen und Wiener zukommt (Beifall bei der FPÖ.) In Zeiten von Budgetknappheit, Geldknappheit muss man sich eigentlich immer fragen, wo setzt man die Prioritäten. Wie setzt man das Geld, das noch vorhanden ist, fair und sicher ein? - Eigentlich sollte man es dort einsetzen, wo es die Wienerinnen und Wiener am allernotwendigsten brauchen und den Leuten geben, die es sich auch wirklich verdienen. Aber wo setzen Sie von der rot-pinken Stadtregierung die Prioritäten? - Sie zahlen nach wie vor 700 Millionen EUR Mindestsicherung an nichtösterreichische Staatsbürger aus. Das sind hauptsächlich Menschen, die hier keinen einzigen Tag gearbeitet haben, die noch keinen einzigen Cent in das Sozialsystem eingezahlt haben. Diesen Leuten geben Sie nach wie vor tausende Euro an Mindestsicherung. Wo geben Sie auch Geld hin? - Beispielsweise 31 000 EUR für ein Imkereiprojekt in Burkina Faso. Geld für Bienenzucht in Afrika, kein Geld für sozialbedürftige Wienerinnen und Wiener. Wo geben Sie noch Geld aus? - 37 000 EUR für straffällige Jugendliche in Bhutan. Die Stadt Wien bezahlt - man glaubt es kaum - ein Projekt im Bhutan, das kriminellen Jugendlichen Resozialisierungsaufenthalte ermöglichen soll. 37 000 EUR. Für Wiener Familien und sozialbedürftige und behinderte Menschen kein Geld, aber 37 000 EUR werden nach Bhutan überwiesen. Weiters gibt es Millionen für SPÖ-nahe NGOs und Ideologieprojekte - wir haben es heute gehört -, etwa COURAGE, WIENXTRA oder das Koproduktionshaus, aber für junge Menschen mit Behinderung wird beispielsweise das Geld gestrichen. Und das ist der Skandal in dieser Stadt, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Es wurde heute schon von meinen Vorrednern ein Projekt hervorgehoben, das ich ein bisschen näher beleuchten möchte. Es geht um das Projekt P.I.L.O.T, das jetzt in dieser Stadt dem Sparstift zum Opfer fällt. Es ist ein Projekt für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die in den Arbeitsprozess eingegliedert werden. Das wird jetzt zum Paradebeispiel einer brutalen Kürzungspolitik durch die rot-pinke Stadtregierung. Dieses Projekt begleitet junge Erwachsene bei der Teilhabe am Arbeitsmarkt. Es fördert die Selbstständigkeit, es dient dem Aufbau von Selbstvertrauen, und es hat schon große Erfolge geliefert. Acht von 15 Teilnehmern der letzten Monate haben echte Jobs gefunden. Dieses Projekt hat 250 000 EUR gekostet. Ich möchte Ihnen kurz vorlesen, was die Teilnehmer über dieses Projekt schildern. Ein Teilnehmer schreibt: Ich habe einen Neun-Stunden-Job an der MedUni Wien gefunden, dazu helfe ich im Sozialmarkt. Das macht mich stolz und meine Eltern sind stolz auf mich. P.I.L.O.T. hat das ermöglicht! Jonas, 19 Jahre, schildert, wie sich sein Leben durch P.I.L.O.T. verändert hat. Er ist Autist und hatte während der Pandemie keine Perspektive. Durch die behutsame Begleitung entdeckte er seine Leidenschaft für Filmbearbeitung. Er führt die Kamera bei Interviews, schneidet Videos, absolviert Praktika. Sein Selbstvertrauen wuchs enorm. Dann kam die Nachricht der Einstellung des Projektes und Jonas sagt: Ich habe wieder meine Perspektive verloren und somit auch die Freude an der Zukunft! Stella, 18 Jahre alt: Ich habe gelernt, alleine mit den Öffis zu fahren, ich bin selbstbewusster geworden, das Projekt muss weitergehen! Romina, eine junge Frau mit Lernschwäche war immer zurückhaltend, ängstlich, unsicher. Sie schreibt nicht selbst, aber ihre Mutter beschreibt das Bild deutlich. In Gruppen war sie überfordert, sie hatte Angst, Fehler zu machen, sie zog sich zurück. Durch P.I.L.O.T. hat sie Erfolg gehabt. Sie hat jetzt eine Anstellung und verdient ihr eigenes Geld! Liebe SPÖ und liebe NEOS, sehr geehrter Herr Bürgermeister - der jetzt nicht im Saal ist -, was denken Sie sich dabei, wenn Sie diese Stimmen hören? Ist Ihnen das wirklich alles wurscht, dass Sie genau diesen Leuten das Geld wegnehmen? - Das kann doch nicht sein in einer sozialen Stadt wie Wien, sehr geehrte Damen und Herren (Beifall bei der FPÖ.) Mit Ihrer Politik sorgen Sie dafür, dass junge Menschen wieder in die Isolation rutschen, dass sie wieder in die Mindestsicherung fallen, dass sie wieder von Sozialleistungen abhängig werden, anstatt zu arbeiten und ein stolzes eigenes Einkommen zu haben. Das ist falsch, kurzsichtig und unverantwortlich. (Beifall bei der FPÖ.) Wir haben ja am vergangenen Samstag auch gemeinsam mit Vertretern von Ihnen - der Herr Bürgermeister hat dazu geladen - den Christbaum illuminiert. Es war eine sehr schöne feierliche Veranstaltung, ein schöner heller Moment und ein schöner Start in die Adventzeit. Aber ich sage Ihnen, für viele Menschen in dieser Stadt und besonders für die Betroffenen von diesem Projekt P.I.L.O.T. wird es ein dunkler Advent und werden es dunkle Weihnachten werden, denn sie wissen nicht, wie es mit ihren Kindern weitergeht. Sie wissen nicht, ob sie diese Jobs behalten können. Sie wissen nicht, ob diese mühsam erkämpfte Selbstständigkeit durch die Einstellung dieses Projekts wieder verlorengeht. Und ich sage es Ihnen zum Abschluss: Das Geld gehört genau dorthin, wo es gebraucht wird, nicht nach Burkina Faso, nicht nach Bhutan, nicht in linke NGOs und nicht in eine grenzenlose Mindestsicherung. Geben wir das Geld wieder denjenigen, die es verdient haben, nämlich diesen Teilnehmern von P.I.L.O.T. und allen anderen sozial bedürftigen Menschen, die es sich in dieser Stadt verdient haben. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster ist GR Trinko zu Wort gemeldet. -Bitte, Herr Gemeinderat, Sie sind am Wort. GR Mag. Dr. Michael Trinko (SPÖ): Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielleicht einen kurzen Satz zum Kollegen von der FPÖ. Wenn Sie das Schüdl noch da haben, das müssten Sie korrigieren. Sie haben die Gemeinde bei den anderen Bundesländern vergessen, aber das kann mal passieren, dass man was übersieht. Wir behandeln ja heute die Dringliche Anfrage der GRÜNEN, in der es um Sparmaßnahmen geht. Ich glaube, bei der Erstellung der Dringlichen ist Ihnen auch der Sparstift untergekommen, vor allem was die Rechtschreibung und die Grammatik betrifft. Aber keine Sorge, es ist nicht meine Aufgabe, mich da jetzt oberlehrerhaft hinzustellen und Ihnen zu erklären (Anhaltende Zwischenrufe von GR David Ellensohn.), was Sie falsch gemacht haben, das machen nämlich Sie. Man hat es schon gesehen von Ihnen, wie Sie sich herstellen und uns allen erklären, was alle anderen können und was alle anderen nicht können, wie super Sie nicht sind und mit dem Zeigefinger auf uns zeigen. Das Oberlehrerhafte, das überlasse ich Ihnen, das liegt nämlich, glaube ich, in Ihrer DNA, wenn man Ihnen zugeschaut hat, Herr Ellensohn. Aber einen Punkt würde ich schon noch gerne dazu sagen - Sie können gerne nachher nochmal rauskommen, wenn Sie so schreien -, vor allem einen Punkt. Schauen wir es uns einmal an. Das ist wahrscheinlich dem Kollegen oder der Kollegin von Ihnen, der die Dringliche Anfrage geschrieben hat, genauso gegangen wie mir, wenn man in den ersten Punkt nochmal reinschaut. Erster Punkt, 2.2., da schreiben Sie von Suchhilfeeinrichtung. Das passiert öfters, Tippfehler passieren mir laufend. Mir geht es gar nicht um den Tippfehler, aber ich glaube, das war ein Freud'scher Verschreiber von der Person, die das geschrieben hat. Mir geht es ähnlich, ich brauche ja auch Hilfe bei der Suche nach der Seriosität, wenn ich Ihnen zuhöre, welche Aussagen Sie da getroffen haben. (Beifall bei der SPÖ. - GR David Ellensohn: Das ist wirklich peinlich!) - Nein, peinlich wird es dann, wenn wir weiter darüber reden, was Sie nämlich mit Ihrer Politik machen. Wir können gerne gleich in medias res einsteigen. Was haben Sie gemacht mit Ihrer Politik? - Sie schreiben eine Dringliche Anfrage, bei der Sie in der Einleitung reinschreiben, wie die Welt nicht untergeht, was nicht alles passiert. Die können Sie lesen, die haben Sie wahrscheinlich selber geschrieben. Und dann im zweiten Punkt, erst in den Anfragen: Na, vielleicht wird da gespart, wie hoch wird da gespart und was kommt denn eigentlich erst raus? (Zwischenruf von GR David Ellensohn.) - Das ist der erste Punkt. Und lassen Sie mich ausreden, ich habe Sie auch ausreden lassen. Ich glaube, soweit können wir schon sein, dass wir uns gegenseitig ausreden lassen. - Und dann bekommen Sie die Antwort drauf, wo gespart wird und wo nicht gespart wird. Und das lässt nachher die Frau Stadträtin, die Judith Pühringer sprachlos zurück. Und das verstehe ich im Grund, weil nämlich das, was Sie machen, die Verunsicherung der Menschen und politisches Kleingeld zu machen, nicht aufgegangen ist. Und das können wir uns Punkt für Punkt auch noch anschauen, was Sie gesagt haben. Es wurde nämlich vom Bürgermeister auch schon klargestellt, teils in der Anfragebeantwortung, dass die Budgets der Stadt Wien für den Bereich im Jahr 2026, die zur Verfügung gestellt werden, weitgehend im nominellen Wert von 2025 bleiben, also sprich, das Budget, das die Stadt Wien im Bereich der Sucht- und Drogenförderung ausgibt, bleibt nominell gleich. Sie behaupten, es wird in diesen Bereichen gekürzt. Das stimmt einfach nicht, das ist in der Anfragebeantwortung ja auch erklärt worden. Und das, was nämlich da passiert, und das, was noch gesagt worden ist, war, dass die Kernleistungen nicht angegriffen werden. Das ist immer außer Streit gestanden, und das werden Sie auch nicht. Das wurde auch gesagt (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) - Lassen Sie mich einmal ausreden. Die Kernleistungen werden in keinster Weise von Einsparungsmaßnahmen betroffen. Das bedeutet, dass es zu keiner Minderleistung kommen wird, was die psychosoziale Betreuung, ambulante und tagesklinische Behandlung betrifft, Streetwork und mobile und soziale Arbeit. Und vor allem auch die Substitution ist nicht davon betroffen, das können wir darstellen. Und was behaupten Sie? (Beifall bei der SPÖ. - Anhaltende Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) - Sie verunsichern die Menschen. Ich werde es Ihnen gleich sagen, dass Sie die Menschen verunsichern. Es gibt 5 000 Menschen, die gerade in Suchthilfeeinrichtungen behandelt werden und 6 000 Wienerinnen und Wiener, die sich gerade in Substitutionsprogrammen befinden. Und Sie erklären mit Ihrer Politik, die Sie machen, da ist zusammengespart. Und wissen Sie, was Sie damit auslösen? - Da können Sie sich schon lustig darüber machen, ich lese Ihnen was vor. Ich weiß nicht, ob Sie nachher noch lachen, was nämlich die Leute schreiben, was Sie mit Ihrer verantwortungslosen Politik machen, die Leute einfach zu verunsichern, die Angst haben. Ich lese es Ihnen vor, vielleicht gibt Ihnen das zu denken in Ihrer Politik der Verunsicherung, die nicht der Wahrheit entspricht, sage ich. Es ist ein Schreiben gekommen: "Liebes Team, ich habe mitbekommen, dass der Staat plant, die finanziellen Mittel für die Wiener Unterstützungsangebote für Drogensüchtige enorm einzuschränken. Als langjährige Substituierte machen ich mir nun Sorgen, ob diese Sparmaßnahmen auch die Substitution betreffen könnten. Könnte es sein, dass dieses Angebot auch darunter leiden wird? Könnte es sein, dass Sie Substituierte auf billigere Medikamentation umstellen wollen? Oder könnte es im schlimmsten Fall sogar sein, dass das ganze Substitutionsprogramm gestrichen wird? Ich bitte euch dringend um eure Hilfe, Antwort auf diese Fragen zu finden. Mein Freund und ich sind echt grad am Weg der Besserung, aber trotzdem beziehungsweise gerade deswegen machen wir uns Sorgen, ob wir weiterhin gut betreut werden können. Liebe Grüße!" Das schreibt uns jemand. Es ist nie zur Frage gestanden, dass die Substitution eingestellt wird (Anhaltende Zwischenrufe bei den GRÜNEN.), das ist nie zur Frage gestanden. Wenn Sie sagen, es wird alles von uns eingespart und zu Grunde gerichtet, so wie Sie das suggerieren, haben Sie damit auch eine Verantwortung, was Sie bei diesen Menschen anrichten. Die wenden sich dann an uns, es wenden sich nicht nur Leute an Sie, sondern auch an uns. Und das muss Ihnen schon bewusst sein, dass Sie Politik auf dem Rücken jener Menschen machen, die das betrifft. Und das muss man sich halt auch einmal anschauen, wenn die das sagen. Und das geht ja noch weiter in diesem Bereich. Dann hat es geheißen, Geschäftsführer melden sich, man weiß ja nicht, was passiert. Und ich habe jetzt in der Zwischenzeit unter anderem mit dem Stadtrat, aber auch mit dem Ewald Lochner, dem Geschäftsführer von der Sucht- und Drogenkoordination telefoniert. Und er hat gesagt, es wird morgen ein Treffen stattfinden, wo man sich zusammensetzt und genau anschaut, welche Maßnahmen getroffen werden. Ist Ihnen das auch mitgeteilt worden, dass das Gespräch morgen stattfindet und dass es wahrscheinlich sinnvoll ist, wenn sich die Player, die es betrifft, zusammensetzen, und sich dann nicht über die Medien ausrichten lassen. Ist halt spannend. Haben Sie gewusst, dass morgen ein Treffen stattfindet, oder haben Sie es halt weglassen (Zwischenruf bei den GRÜNEN.), dass hier die Leute zusammengeführt werden, um miteinander zu reden, um was es geht? Oder ging es eigentlich nur um die Schlagzeile, die Sie generieren wollten? Kommen wir zum Zweiten. Die Kollegin Vasold wird auch noch weiter dazu ein paar Sachen ausführen. Es wurde so lapidar vom Kollegen Ellensohn erwähnt: "Und dann streichen Sie das Mittagessen für die Obdachlosen und in den Notschlafstellen!" - Da vielleicht noch zwei Punkte, denn das haben Sie in Ihren Ausführungen so erwähnt. Es geht um das 16. Winterpaket. Es sind das Winterpaket und die Notschlafstellen thematisiert und auch von Ihnen in den Medien gebracht worden, dass es da zu Kürzungen kommt. Das Winterpaket gibt es seit 2009, dass Menschen, die auf der Straße schlafen, im Winter die Möglichkeit haben, die Nacht wo zu verbringen. Da werden zusätzliche Schlafplätze zur Verfügung gestellt. Als es eingeführt worden ist, konnten die Menschen nur in den Abend- oder Nachtstunden dort verweilen. 2020 wurde es im Zuge der Corona-Pandemie dahingehend erweitert, dass man es von Ende Oktober bis Ende April 24 Stunden geöffnet hat. Und der Hintergrund, warum es dort auch Mittagessen gibt, war die Corona-Pandemie. Man wollte nicht, dass sich die Menschen vermischen - Sie kennen die ganze Geschichte, wir brauchen jetzt Corona nicht mehr diskutieren. Das war der Hintergrund, warum das in dem Bereich eingeführt worden ist. Man hat seit 2020 die Notschlafstellen 24 Stunden für den Winterbetrieb aufrechterhalten. Das ist aufrecht geblieben. Und das Mittagessen, das vorher nicht gegangen ist, wird weiter angeboten, nur nicht mehr in den Notschlafstellen, sondern in Wärmestuben und in den Tageszentren. Es wurde nicht gestrichen, das gibt es nur woanders. Was Frühstück betrifft, Basisversorgung, Unterkunft und alles andere bleibt in diesen Zentren aufrechterhalten. Und da haben Sie halt auch wieder mit Ihrer Politik einfach erzählt, man streicht alles nieder und man spart. Und es stimmt halt einfach nicht. Das ist die Wahrheit, und die müssen Sie sich halt einfach einmal gefallen lassen. (Beifall bei der SPÖ.) Und wenn wir schon bei dem Punkt sind, ergänzend zu den Wintermaßnahmen gibt es ein ganzjähriges Regelangebot, ungefähr 140 Einrichtungen, die mit über 30, 40 Partnerorganisationen vom Fonds Soziales Wien zusammenarbeiten, unterstützen in dem Bereich 13 000 Menschen. Die Bundeshauptstadt nimmt hier im Ganzen 160 Millionen in die Hand, 20 Millionen gehen nur an das Winterpaket. Und wenn wir dann beim Winterpaket sind, vielleicht noch eine kleine Information. Sie merken selber, es wird ein bisschen kälter, was das Wetter betrifft. Wenn Sie die KälteApp der Stadt Wien noch nicht kennen, dann lege ich Ihnen das jetzt ans Herz. Denn wenn es draußen kälter wird und Sie auf der Straße Menschen sehen, die frieren und denen es nicht so gut geht, dann bitte sofort die Rettung rufen. Aber wenn Sie glauben, die brauchen Unterstützung, dann können Sie über die KälteApp den Standort bekanntgeben. In kürzester Zeit werden SozialarbeiterInnen dort vorbeikommen, sich um die Menschen kümmern und ihnen quasi einen Platz zur Verfügung stellen beziehungsweise sie in ein Notschlafquartier bringen. Denn, was für uns ganz klar ist, wir machen nicht billige Politik am Rücken jener Menschen, die es nötig brauchen. Wir schauen hin, was die Menschen brauchen, wir rutschen zusammen, wenn es nötig ist. In diesem Sinn - herzlichen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste ist GRin Hu zu Wort gemeldet. - Bitte, Frau Kollegin, Sie haben das Wort. GRin Jing Hu, BA, MPharm (NEOS): Sehr geehrter Herr StR Hacker, lieber Herr Vorsitzender, liebe KollegInnen und ZuschauerInnen hier im Saal und im Livestream! Wir führen heute eine sehr emotionale Debatte über das Wiener Gesundheitssystem. Und das ist verständlich, denn es ist ein sensibles und wichtiges Thema. Die von den GRÜNEN und auch von der FPÖ in den letzten Tagen und Wochen getätigten Aussagen basieren auf Behauptungen, die mit der Realität gar nichts zu tun haben. Und genau deshalb möchte ich in meiner heutigen Rede darauf eingehen. Ich möchte einen nüchternen und ehrlichen Blick darauf bringen, was Wien tatsächlich vorhat. Die Stadt Wien entwickelt das Gesundheitssystem so umfassend weiter wie seit Jahrzehnten nicht. Und der regionale Gesundheitsplan 2030, den wir letzte Woche vorgestellt haben, zeigt genau, wo die Reise hingeht: digital vor ambulant vor stationär. Was machen wir? - Wir schaffen mehr wohnarztnahe Versorgungen, mehr Gesundheitszentren, einen massiven Ausbau der Primärversorgung. Und wir stärken gezielt die Bereiche, wo es den größten Bedarf gibt, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Frauenmedizin und chronische Erkrankungen (Beifall bei den NEOS.). All das wird ausgebaut und nicht reduziert. Ein zentraler Teil der Zukunftsstrategie ist auch die Ausbildungsoffensive im Pflege- und Gesundheitsbereich. Bis 2030 werden 16 000 Pflege- und Gesundheitskräfte ausgebildet. Das sind genau die wichtigen Schritte für die Ausbildung, für die Umschulung und berufsbegleitende Qualifikationen, die dadurch erleichtert werden. Das ist die größte Ausbildungsoffensive, die die Stadt jemals gestartet hat. Sie ist zwingend notwendig, weil wir einen Fachkräftemangel haben, den wir auch entschlossen angehen wollen. Also, wer von Abbau spricht, sollte anerkennen, dass Wien im Gegensatz zu anderen Bundesländern hier nicht reagiert, sondern vorausschaut. (Beifall bei den NEOS.) Ein großartiges Beispiel für die Ausbildungsoffensive ist das Programm der PflegestarterInnen, welches kürzlich in die Wege geleitet wurde. Das ist ein Programm, das dazu beiträgt, dass Personal in Wien langfristig gesichert wird. Und wir setzen auch wirklich auf die Frauenförderung. Ich möchte gerne ein Beispiel dafür geben. Es gibt das Programm wie die neue Frauenarbeitsstiftung des waff, das sind kostenlose Ausbildungen - und ein monatlicher Zuschuss wird auch dazu gegeben. Das Programm FRECH, falls Sie das nicht kennen, wird Frauen beim beruflichen Einstieg oder bei Neustarts unterstützen. Wir schaffen also wirklich reale Chancen für Frauen im Gesundheits- und Pflegebereich um Fuß zu fassen. Genau diese Maßnahmen sind wichtig in der Ausbildungsoffensive. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Die Gesundheit ist weiblich und das stimmt, denn Frauen bilden schon heute einen unverzichtbaren Teil in der Arbeit im Gesundheits- und Pflegebereich. Es sind genau die gezielten Förderungen, die zusätzlich Chancen ermöglichen - für Weiterbildung, für neue berufliche Wege oder für den Wiedereinstieg. Ich möchte an dieser Stelle allen Frauen danken, die im Gesundheitsbereich tätig sind, die täglich ihren Einsatz leisten, Erfahrungen und Empathie einbringen und dieses System erhalten. (Beifall bei den NEOS.) Modernisierung endet nicht bei der Ausbildung, sondern vielmehr werden die Wiener Spitäler zukunftsfit gemacht. Wir haben große Neubauprojekte und auch begonnene Projekte, die wir trotz Budgetkonsolidierung weiterführen. Zum Beispiel in der Klinik Ottakring, in Hietzing, Penzing oder in das AKH investieren wir als Stadtregierung in die Strukturen. Gleichzeitig entwickeln wir Vorsorge weiter, Schritt für Schritt, digitaler, effizienter und erreichbarer. Die Rufnummer 1450 vermittelt ja bereits Termine, es gibt Telemedizin, Videoberatung, diverse Hotlines werden auch gebündelt, und diese Plattform soll in Zukunft auch digitalisiert werden. Das alles entlastet Notaufnahmen und bietet rasche Koordination für Termine für WienerInnen. Darüber hinaus werden wir auch zusätzliche Digitalisierungsmöglichkeiten für das Wiener Gesundheitssystem evaluieren und umsetzen. Es ist mir auch wichtig zu betonen, dass die Ordensspitäler nicht gefährdet sind. Der regionale Gesundheitsstrukturplan 2030 ist derzeit in Begutachtung. Und wie der Herr Stadtrat schon gesagt hat, es gibt die Möglichkeit, da noch zu evaluieren und gegebenenfalls anzupassen. Wir sprechen auch mit diversen Personen, die angefragt haben. Was den Bettenabbau betrifft, ist im regionalen Strukturplan eine Reduktion vorgesehen, aber das folgt nach einem klaren Grundsatz, digital vor ambulant vor stationär, das haben wir auch mehrmals gesagt, das ist fachlich gut fundiert und begründet. (Beifall bei den NEOS.) Viele Behandlungen können heutzutage mit der modernen Medizin viel schneller ambulant durchgeführt werden. Das ist sicherer und patientenfreundlicher. Das ist genau der Grund, warum wir im stationären Bereich die Sachen dorthin verlagern, wo es medizinisch sinnvoll ist, nämlich in den ambulanten Bereich. Gleichzeitig schaffen wir zusätzliche Tageskliniken in der Remobilisation, in der Geriatrie und in spezialisierten Bereichen wie der Psychiatrie und der Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Es handelt sich hier also um gezielte Modernisierung der Versorgungsstrukturen. Eines möchte ich hier auch noch klar sagen: Die Qualität eines Spitals bemisst sich nicht an dessen Betten, sondern an dessen Leistungen. Entscheidend ist nicht die Menge allein, sondern die medizinische Notwendigkeit. An dieser Stelle ist mir wichtig zu betonen, politische Verantwortung nicht unter einen Tisch zu kehren. Die GRÜNEN, die heute am lautesten hier waren, waren auf Bundesebene jahrelang für die Gesundheit zuständig, stellten den Gesundheitsminister und hatten die Möglichkeit steuernd durchzugreifen. Und was ist in dieser Zeit passiert? (Zwischenruf von GRin Dr. Jennifer Kickert.) - Sie brauchen jetzt nicht so schreien und können mich ausreden lassen. - Die bundesweite Versorgung wurde nicht gestärkt, viele Kassastellen blieben unbesetzt, viele Reformen sind verschoben oder blockiert worden. Der Reformstau belastet bis jetzt das gesamte österreichische Gesundheitswesen. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - Anhaltender Zwischenruf von GRin Dr. Jennifer Kickert.) Und nicht nur das, Sie waren auch zehn Jahre in der Regierung in Wien und kein einziges Mal haben Sie etwas für den Aufbau der Kinder- und Jugendlichen- und Frauenversorgung gemacht. Und jetzt, die Aufschwungskoalition mit uns SPÖ und NEOS, wir schaffen es mit den School Nurses und mit dem Schwerpunkt auf Frauen-, Kinder-, Jugendgesundheit. Das ist im neuen Strukturplan abgebildet, da geht was voran. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Die FPÖ wird hier auch nicht unverschont bleiben. Diese reine Alarmrhetorik, die Sie heute den ganzen Tag betreiben, bringt uns wirklich nicht weiter. Es ist unverantwortlich, Menschen gegeneinander auszuspielen. Und etwas möchte ich noch zu dem Antrag sagen, den Sie gestellt haben: Die ÖGK ist bundesrechtlich geregelt und wird nicht im Gemeinderat gesteuert. Das bedeutet, wenn Sie sich da nicht auskennen, können Sie gerne mit Ihrem FPÖ- Kollegen, dem ehemaligen ÖGK-Obmann Matthias Krenn sprechen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Damit komme ich auch zur Suchthilfe, einem Bereich, der mir persönlich sehr am Herzen liegt. Auch hier werden Dinge behauptet, die ganz und gar nicht stimmen. Bei Menschen, die suchterkrankt sind, wird bei der medizinischen Versorgung nicht gekürzt, ganz im Gegenteil, das ist absolute Priorität. Sie lösen hier sehr viel Verunsicherung aus. Auch meine Kunden in der Apotheke, die bei uns täglich ihr Suchtmittel abholen, sind verunsichert, weil sie glauben, dass es das in Zukunft nicht geben wird. Die fragen auch ständig, was da los ist. Diese Einrichtungen werden bleiben. Besonders bei schwachen Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind, und das sind nicht nur die Menschen mit Suchterkrankung, sondern auch Menschen mit Behinderung, erzeugen Sie Verunsicherungen. Diese sollen auch nicht die Verlierer der Strukturreform sein. Daher arbeitet die Stadt ganz eng mit dem AMS zusammen, damit genau diese Angebote für den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt weiterverlaufen, Perspektiven erhalten und Menschen, die an Beschäftigungs- und Tagesstrukturprojekten teilhaben, gesichert werden. Und wenn man all diese Punkte zusammenfasst, dann ergibt sich ein klares Bild. Wien verzichtet weder auf gesundheitliche Versorgung, noch auf soziale Verantwortung. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Die Stadt Wien richtet ihr System neu aus, vorausschauend aus. Ja, wir müssen in manchen Bereichen effizienter werden. Nicht, weil wir die Leistungen reduzieren wollen, sondern weil wir die vorhandenen Strukturen so ordnen müssen, dass sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen tragfähig bleiben. Effizienz bedeutet hier Prozesse zu straffen, Verantwortlichkeiten klar zu organisieren, Mittel so einzusetzen, dass sie die größte Wirkung auf die PatientInnen entfalten. Wir stärken die ambulante Versorgung, entlasten die Spitäler und treiben die Digitalisierung voran, bilden auf höchstem Niveau neues Personal aus und stellen sicher, dass die Suchthilfe trotz Anpassungen weiterhin die Betroffenen erreicht. Und das ist Verantwortungspolitik, das ist moderne Politik, meine Damen und Herren. Es ist die richtige Antwort auf die Herausforderungen, die wir derzeit haben. Wir lassen niemanden zurück, wir verbessern die Versorgung und wir sorgen dafür, dass Wien auch in Zukunft die beste Gesundheitsversorgung des Landes hat. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste ist GRin Huemer zu Wort gemeldet. - Frau Kollegin, Sie haben das Wort. GRin Mag. Barbara Huemer (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Stadtrat, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir GRÜNEN haben, nicht weil uns fad ist und weil wir uns das einbilden, sondern weil draußen viele Menschen Tatsächliches erleben, das Thema der drastischen Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich heute als Dringliche Anfrage eingebracht. Und auch wenn SPÖ und NEOS meinen, das sei unsere Erfindung, dann sollten Sie wirklich einmal mit Ihren eigenen Leuten reden, denn ich glaube nicht, dass in Sucht- und Drogeneinrichtungen, die seit 20 Jahren existieren, die eingefleischten alten GRÜNEN drinnen sitzen. Das sind SPÖlerInnen, und die sind deswegen so laut, weil sie einfach wahnsinnig enttäuscht sind, dass eine so tragende Säule - denn es ist ja auch wirklich innovativ, Arbeitsmarktpolitik für suchtkranke Menschen zu machen, hier verschiedene Themen zusammenzubringen und integrativ zu arbeiten - jetzt einbricht. Die sind wirklich entsetzt. Die wenden sich an uns, weil sie bei Ihnen kein Gehör mehr finden. Das ist ja das Drama. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wir haben auch bei den NEOS heute ziemlich genau hingehört. Ich muss schon sagen, diese Aussage, die fetten Jahre sind vorbei, ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) StRin Pühringer hat Ihnen von diesem Vater in der Mindestsicherung mit seinem behinderten Kind erzählt. Und dann sagen Sie dem, die fetten Jahre sind vorbei? Echt wahr? - Also es ist wirklich an Zynismus nicht mehr zu überbieten (Beifall bei den GRÜNEN.) Und dieser Sager, alle müssen gleichermaßen beitragen, ist doch auch grundfalsch. Sie kennen doch alle das umgekehrte Bild mit den Tieren bei der Diversity-Politik, den Baum mit den Früchten ganz oben. Es meinen ja die meisten, das ist ja für alle gleich weit weg, gleich oben, überall oben - aber natürlich, kleine Menschen können nicht so hoch rauf. Insofern heißt Gleichstellung tatsächlich Chancengleichstellung. Und umgekehrt muss man das genau so sehen. Man kann nicht sagen, alle müssen ihren Beitrag tragen, denn alle können nicht diesen gleichen Beitrag leisten. Man muss dort anfangen, wo der Beitrag zu leisten am leichtesten fällt. Das hat David Ellensohn Ihnen ganz klar vorgerechnet: bei den oberen Prozent. Aber da greifen Sie nicht hin. Und das, meine sehr geehrten Damen und Herren, das entsetzt uns, das enttäuscht uns einfach auch maßlos, denn viele von uns haben eine rot-grüne Regierung sehr gerne mitgetragen. Wir haben uns immer auch ein bisschen als gallisches Dorf verstanden. Dass hier die SPÖ von diesen Grundpfeilern abfällt, das tut uns einfach auch weh, muss ich einmal so sagen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich möchte aber jetzt in weiterer Folge eigentlich doch ein bisschen mehr auf das Gesundheitssystem eingehen. Der Herr Bürgermeister hat viele Fragen beantwortet, aber oft sehr dünn, muss ich sagen, und manche Sachen auch nicht beantwortet. Ich glaube, Sie erleben das alle trotzdem, dass die Unzufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung steigt ist mittlerweile auch im OECD-Bericht "Health at a Glance 2025" festgehalten. Da kann die eine Seite sagen, das ist schon ein Jammern auf hohem Niveau. Das stimmt, Österreich hat hier sicher eine überdurchschnittliche Gesundheitsversorgung. Es stimmt, die OP-Technologien nehmen zu, die Medikamente werden besser, Therapien werden besser und so weiter. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Alarmzeichen, und die nehmen die Menschen nämlich auch war, dass die Gesundheitsversorgung in gewissen Bereichen zu erodieren beginnt. Ich nenne einfach die chronische Unterversorgung von Kinder- und Jugendgesundheit - ja, gut, wenn hier nachgebessert wird, aber wir starten ja von einer Unterversorgung. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie hat massive Probleme, aber auch die Gerontopsychiatrie, also ein Thema, das uns zukünftig noch viel mehr beschäftigt, brauchen hier viel mehr Ressourcen. All das, meine sehr geehrten Damen und Herren, zusammen mit dem demografischen Wandel, dass die Menschen heute einfach andere Bedürfnisse haben, dass sie einfach selbstbewusster als PatientInnen sind, zeigt, dass hier einfach mehr getan werden muss. Und um die Mehrklassenmedizin nicht zu vergessen, die Menschen nehmen wahr, wenn sie eine Leistung wollen, dann müssen sie selbst in die Tasche greifen - oder sie warten halt ewig lange oder bekommen etwas gar nicht. Das macht zu Recht Unmut. Ich finde, wenn jetzt so getan wird, sehr geehrter Herr Bürgermeister, es kommt zu keinen Kürzungen im Personalbereich oder auch zu keinen Kürzungen im Gesundheitsbereich, dann würde ich Ihnen das ja wahnsinnig gerne glauben, aber ich höre einfach andere Fakten. Ich nehme hier einen wahnsinnigen Gap wahr, eine Kluft. Wir werden in den nächsten Wochen sehen, wo hier wirklich die Wahrheit liegt. Ich jedenfalls nehme war, wenn so ein großer Unterschied ist zwischen den Demonstrierenden da auf der Straße und hier herinnen von Seiten der Stadtregierung, alles ist gut und alles bleibt so wie es war, dass hier Vertrauen verspielt wird. Das macht mir, ehrlich gesagt, die größte Sorge. Denn es ist Vertrauen in unsere Demokratie, die sowieso gerade am Prüfstand steht. Hier braucht es eigentlich wirklich Verlässlichkeit, dass es in der Daseinsvorsorge, in der Gesundheitsversorgung tatsächlich nicht schlechter wird. Und gute Worte, schöne Worte helfen hier nicht. Hier braucht es die Fakten, und die werden wir auch in den nächsten Wochen und Monaten und wahrscheinlich Jahren - denn ich glaube nicht, dass der Aufschwung so schnell da ist, sondern dass das Einsparpaket die nächsten Jahre gehen wird - sehen. Ich würde Ihnen liebend gerne recht geben, dass es besser wird, aber ich fürchte leider, die Situation wird sich verschlechtern. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich möchte an dieser Stelle an die Pandemie erinnern, die ist ja noch nicht so lange vorbei. Die Pandemie hat in unserem Gesundheitssystem ziemlich genau gezeigt, wo die Schwächen liegen, dass die Pflege extrem am Limit ist - nicht erst seit damals, sondern schon vorher -, dass wir veraltete Versorgungsstrukturen haben, eigentlich teure Versorgungsstrukturen mit vielen Stakeholdern, komplizierte Finanzierungsstrukturen, wo eigentlich viel Geld verschwindet, dass wir in die Prävention viel zu wenig investieren, dass wir Lücken in der Gesundheitskompetenz haben, dass viel Platz für Desinformation ist, dass große Wissenschaftsskepsis bis hin zu Wissenschaftsfeindlichkeit herrscht. All das, meine sehr geehrten Damen und Herren, sollte Ihnen ja eigentlich nicht neu sein. Die Frage ist, was haben wir seit damals getan, was haben wir seit damals gelernt? Wie schaffen wir es, dass unser Gesundheitssystem, unser Pflegesystem tatsächlich krisenresilienter wird? - Und ich muss ehrlich sagen - sagen Sie mir etwas anderes -, ich sehe in diesem Bereich eigentlich recht wenig. Wir tun so weiter, als hätte es diese Pandemie nicht gegeben. Das finde ich eigentlich ein hochriskantes Verhalten. Dieses Gesundheitssystem ist nicht krisenfest. Das haben wir erlebt. Was offenbar jetzt auf uns zukommt, wird diese Krisenfestigkeit nicht stärken, das ist alarmierend. Ich möchte Sie auch an den Applaus für die Pflege erinnern, der in der Pandemie erfolgt ist, und zu dem wir alle gesagt haben, Applaus ist zu wenig, wir brauchen mehr Ressourcen für die Pflege, wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, wir brauchen mehr Wertschätzung und eine angemessene Bezahlung. All das, was ich später noch ausführen werde, geht eigentlich nicht in diese Richtung. Es ist besorgniserregend, dass jetzt, wo gerade durch die Pflegereform die ersten Schritte gemacht wurden - von wegen, Kollegin Hu, was hat der grüne Gesundheitsminister gemacht, er hat zumindest die Pflegereform einmal auf den Weg gebracht -, das Rad wieder zurückgedreht wird. Die Ausbildung der Pflegekräfte ist gut und wichtig, aber wir wissen, es gehen sehr viele, wenn die Arbeitsbedingungen schlecht sind, wieder aus dem Pflegeberuf heraus, und außerdem steigt die Nachfrage enorm. Es ist also nicht damit getan, nur auszubilden, wir müssen auch die Arbeitsplätze so gestalten, dass die Pflege in den Berufen drinnen bleibt. Und die Tatsache, dass Sie Pflegekräfte aus Drittstaaten anheuern - das kostet doch einige Millionen -, zeigt ja auch, dass Sie selbst nicht ganz glauben, dass Sie mit der eigenen Ausbildungsoffensive das Auslangen finden werden. Ich möchte auch noch kurz das Thema Klima und Hitze streifen, weil auch das ein gesundheitsrelevantes Thema ist. Es geht da nicht nur darum, die CO2-Emissionen zu senken, sondern es geht auch darum, die Krankenhäuser klimafit zu machen. All das wird nicht ohne zusätzliche Ressourcen gehen. Auch hier braucht es einfach weitere Investitionen, ein Weiter-wie-bisher ist gefährlich und teuer. Wir können es uns eigentlich nicht leisten, auf Grund von Sparmaßnahmen weitere Hitzetote zu riskieren. Sie, Herr Bürgermeister, möchte ich an ein Versprechen erinnern. Sie haben im Jänner 2025 in einer Presseaussendung gesagt: "Die medizinische Versorgung muss oberste Priorität haben. An der Gesundheit der Menschen darf nicht gespart werden. Im Gegenteil, es muss investiert werden." (Bgm Michael Ludwig: Stimmt!) - Genau, finde ich auch, gute Sache, sollte sich daran nichts ändern. Ich erlebe es, ehrlich gesagt, gerade ein bisschen anders. Sie haben weiters auch gesagt: "Die bestmögliche Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist nicht verhandelbar." (Bgm Michael Ludwig: Stimmt!) - Was wir erleben, ist tatsächlich verhandeln. "Die Stadt Wien setzt auf ein starkes Miteinander in der Gesundheitsversorgung. Wir benötigen die Ordinationen im niedergelassenen Bereich genauso wie die städtischen Krankenhäuser bis hin zu den Ordensspitälern und den Privatkliniken. Zusammenarbeit auf allen Ebenen zeichnet eine gelungene Gesundheitspolitik aus." (Bgm Michael Ludwig: Stimmt nach wie vor!) Ja, stimmt, dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen, aber wir müssen diese Aussagen mit der Realität konfrontieren. Und da sehen wir doch, dass es mit diesem Wahlkampfversprechen jetzt nach der Zeit der vorgezogenen Wahl und nach der Offenlegung des Budgetdesasters in dieser Stadt anders ausschaut. Denn Kürzungen im Sozialbereich sind Kürzungen bei der Gesundheit der Menschen. Armut macht Kranke, meine sehr geehrten Damen und Herren. Wenn Sie da den Sparstift ansetzen, dann riskieren Sie einfach mehr kranke Menschen, kranke Kinder. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn Sie den Suchtkranken den Existenzboden entziehen, dann geht das massiv auf deren Gesundheit. Ja, es ist wichtig, die ambulante Versorgung auszubauen, keine Frage, aber Gesundheit beginnt einfach früher. Gesundheit beginnt bei unseren Lebensbedingungen, und die sind sehr umfassend zu sehen. Gesundheit ist umfassend zu sehen. Wir können uns nicht einfach nur auf das Krankenhaus konzentrieren, dort ist eigentlich schon mehr die Krankheit zu Hause, sondern Gesundheit braucht ein breiteres politisches Engagement. Ich komme aber trotzdem noch einmal auf die Wiener Spitäler zurück. Hier zeichnet sich nach wie vor ein massiver Personalmangel ab, obwohl Sie gemeint haben, dass im Wiener Gesundheitsverbund das Personal um die 93 Prozent abgedeckt ist. Das sind aber doch noch einige Prozent nach oben. Es herrscht nach wie vor eine hohe Fluktuation. Also es muss da einfach geschaut werden, dass die Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden. In der Pflege schaut es auch so aus, dass sich die Arbeitsbedingungen in der letzten Zeit trotz dieser Personalpakete zum Teil nicht wirklich verbessert haben. Und das ist nur der Wiener Gesundheitsverbund. Wenn wir auf die Pflege im Langzeitbereich schauen, dann haben die einen anderen Kollektivvertrag, den Kollektivvertrag des SWÖ. Dort laufen die Verhandlungen, und die ersten Angebote waren 1 Prozent. 1 Prozent für die soziale Pflege. Das ist absolut zynisch und höhnisch, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Inflation ist viel, viel höher. Wenn der Abschluss tatsächlich nur bei 1 Prozent liegt und der FSW tatsächlich nur 1 Prozent bereit ist zu bezahlen, dann können Sie sich bitte ausrechnen, was das in der Pflege, in der Langzeitpflege bedeutet, was das für die Träger bedeutet. Sie müssen billigeres Personal, das heißt unqualifizierteres Personal nehmen. Sie müssen ihre Angebote einschränken, sie müssen bei der Qualität sparen. Also das bleibt nicht folgenlos. Ich wünsche wirklich und ich fordere, dass zumindest bei den Gehältern nachgebessert wird. Es sollte einen höheren Abschluss bei den Kollektivverträgen geben. Der FSW muss wirklich die Träger dabei unterstützen, denn sonst schaut es wirklich schlecht aus. Es wurde angesprochen, die Pflege ist weiblich, die Gesundheit ist weiblich. Wenn hier tatsächlich nur ein so geringer Abschluss gegeben wird, dann wird wieder einmal auf dem Rücken der Frauen gespart. Das ist für uns GRÜNE absolut inakzeptabel. (Beifall den GRÜNEN.) Wenn die institutionalisierten Pflegeressourcen zurückgefahren werden, dann steigen auch die Belastungen für die pflegenden Angehörigen. Und auch da sind es einmal mehr die Frauen, die diesen Job machen. Die sind jetzt schon am Limit. Es braucht eigentlich mehr und nicht weniger, und diese Tendenz in Richtung weniger sehe ich nach wie vor nicht gehemmt. Die Vida hat gemeinsam mit dem Betriebsrat der Ordensspitäler vor kurzem eine Pressekonferenz gegeben. Der Anlass war, dass 70 Millionen EUR in den Ordensspitälern fehlen. Jetzt haben Sie gesagt, Herr Bürgermeister, die Ordensspitäler bekommen ein Plus, 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist so ein Gap, von dem ich spreche. Minus 70 Millionen EUR, das sind ungefähr 10 bis 15 Prozent, die dort budgetär fehlen und ein Riesenloch reißen. Der Betriebsrat spricht davon, dass es bedeuten kann, dass Häuser gesperrt werden, dass es jedenfalls Kündigungen bedeutet, Kündigungen von hochqualifizierten GesundheitsarbeiterInnen. Natürlich geht das letztendlich auf die Versorgungsqualität der Patientinnen und Patienten in Wien. Ich bin gespannt, was da herauskommt. Sie haben es angesprochen, es gibt ein Gespräch mit dem Herrn Gesundheitsstadtrat. Jedenfalls ist das Delta dieser Finanzierungslücke momentan enorm und besorgniserregend. Ich kann verstehen, dass der Betriebsrat da alarmiert ist. Der Regionale Strukturplan Gesundheit wurde angesprochen. Kollegin Hu und auch die SPÖ, auch der Gesundheitsstadtrat haben im Gegensatz zu uns allen diesen Regionalen Strukturplan offenbar schon in der Hand gehabt. Wir alle kennen ihn noch nicht. Insofern ist es auch ein bisschen schwierig, daraus wirklich Beurteilungen abzuleiten, weil wir nicht wissen, wie versorgungswirksam diese gesamten Maßnahmen werden sollen. Grundsätzlich ein Ja zur ambulanten Versorgung - das ist sicher richtig, unser Gesundheitssystem ist zu spitalslastig -, aber wie gesagt, wir haben eine Unterversorgung. Bis jetzt ist das für uns alles nur Ankündigungspolitik. Die 36 PVEs, die es bis 2025 geben hätte sollen, gibt es auch noch nicht. Wenn ich an das Zentrum für postvirale Versorgung denke, eine Farce, fast vier Jahre Planungszeit, von 2024 bis 2028, bis es dann letztendlich im Vollbetrieb ist. Dann kann ich mir kaum vorstellen, dass all das Angekündigte im RSG tatsächlich bis 2030 umgesetzt werden soll. Aber ja, wenn das Papier tatsächlich einmal auf unserem Tisch ist, dann können wir genauer darüber reden. Ich möchte auch noch die 800 Spitalsbetten ansprechen, die abgebaut werden sollen. Dabei ist natürlich auch die Frage, was das für Spitalsbetten sind. Auch hier seien noch einmal die Ordensspitäler zitiert. Dort geht es um 50 Prozent Bettenreduktion. Das sind keine Betten, die auf Grund von Personalknappheit gesperrt sind, sondern das sind Betten, die tatsächlich die Versorgung einschränken. Das heißt, die können einfach um 50 Prozent weniger operieren. Das betrifft das orthopädische Spital Speising und das betrifft auch das Herz-Jesu-Krankenhaus, das sind hoch spezialisierte Einrichtungen. Hier zu sagen, es gibt keine Kürzungen, das kann ich nicht nachvollziehen, nachdem die Ordensspitäler wirklich Alarm schreien. Die sagen, das ist ein Kahlschlag, das gefährdet deren Existenz. Und was mich in diesem Bereich der Orthopädie auch wirklich ärgert, ist, wir haben in diesem Bereich enorme Wartezeiten. Wenn bei den Ordensspitälern gerade im Bereich der Orthopädie eingespart wird - niemand kann mir einreden, dass man Hüften und Knie zumindest in den nächsten Jahren rein ambulant versorgen kann -, wenn man dort die Betten einspart, wenn man dort die medizinische Versorgung kürzt, dass das nicht zu einer Versorgungsverschlechterung in Wien führt, dann muss ich ehrlich sagen, dann versteht diese Person dieses System nicht. Natürlich wird es zu Verschlechterungen kommen, und hinzu kommt noch ein Weiteres: Das Böhler-Krankenhaus, auch das war für Orthopädie und Traumatologie hochspezialisiert, wird in dieser Art, wie wir es kennen, nicht mehr hochgefahren werden. Medienberichten zufolge wird es ein Heeresspital. Also auch dieses Spital steht den WienerInnen nicht mehr zur Verfügung. Es wird massive Verschlechterungen geben, meine sehr geehrten Damen und Herren. Alles, was Sie bis jetzt gesagt haben, ist eigentlich Sand in die Augen streuen. Und weil Sie gemeint haben beim Personal, dass die Ausbildungsplätze so wichtig sind. Die klinischen Psychologen schreiben in einem offenen Brief an StR Hacker, es fehlen Ausbildungsplätze. Also auch hier gibt es sehr viel zu tun. Meine sehr geehrten Damen und Herren, uns ist wirklich wichtig, dass diese unsozialen Kürzungen zurückgenommen werden, dass wirklich ordentlich mit den Ordensspitälern verhandelt wird, dass hier die Bettenkürzungen, die Streichungen in der Orthopädie zurückgenommen werden - wir brauchen sie in Wien ganz, ganz dringend -, auch dass der FSW die Mittel zur Verfügung bekommt, dass zumindest die kollektivvertragliche Anpassung ausbezahlt wird, sonst ist das wirklich ein Eingriff in die Kollektivvertragshoheit, und dass in der Prävention mehr gemacht wird. Ich sage nur Alkohol und Tabak, dort wäre ganz, ganz viel zu holen und auch bei einer Gesundheitsreform, die diesen Namen verdient, damit nicht die Ressourcen in die Organisationen fließen, sondern tatsächlich in die Versorgung der Wienerinnen und Wiener. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Resch. - Sie haben das Wort. GR Klemens Resch (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren! Seitens der GRÜNEN wird heute der Stadtregierung beziehungsweise dem Herrn Bürgermeister und der gesamten SPÖ vorgeworfen, dass sie den sozialen Kompass verloren hätten. Ich kann mich dem nicht anschließen, dass Sie den sozialen Kompass verloren haben. Ich glaube vielmehr, dass Ihr sozialer Kompass kaputt ist. Denn Ihr sozialer Kompass zeigt irgendwie immer nur in den Osten und da vor allem in den Mittleren Osten und den Nahen Osten, nach Afghanistan und nach Syrien. Für diese Menschen machen Sie Sozialpolitik. Es ist also höchste Zeit, dass Sie Ihren Kompass wieder einnorden und wieder vernünftige Politik für die Österreicherinnen und Österreicher machen. (Beifall bei der FPÖ.) Sie belasten die Österreicher immer mehr. Seien es jetzt die Einschnitte für Behinderte, für chronisch Kranke oder bei den Pensionisten, also genau bei jener Gruppe, die dieses System aufgebaut hat, beispielsweise die Streichung des Einzelfahrscheins für Senioren. Dabei wäre genug Potenzial da, bei jenen zu kürzen, die keinen Cent in dieses System eingezahlt haben. Kollege Brucker hat es schon angesprochen, 700 Millionen EUR im Jahr gehen an Nicht- Staatsbürger, an Asylanten, die keinen Cent beigetragen haben. Es wäre vernünftig, diese Menschen in die Grundsicherung überzuführen, mit Sachleistungen, denn das würde gleich auf zweierlei Arten Einsparungen bringen. Einerseits die direkten Zahlungen, die wir uns ersparen würden, aber vor allem - und das ist der weitaus größere Teil - würden wir uns viel dadurch ersparen, dass diese Menschen weiterziehen würden, wenn hier nicht mehr Milch und Honig für sie fließen. Sie würden weiterziehen oder im besten Fall zurück in ihre Heimatländer gehen. Das muss unser Ziel sein, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Doch Sie machen das genaue Gegenteil. Sie kombinieren eine hohe Mindestsicherung - wir alle kennen die Fälle von 6 000, 7 000, 8 000 EUR netto im Monat - mit hohen Sachleistungen. Sie haben sich nicht für das eine oder das andere System entschieden, sondern Sie kombinieren das Maximum beider Systeme. Das zeigt im Bereich der Sachleistungen ganz klar der Mobilpass. Der Mobilpass in Wien ist nämlich leider nicht nur österreichischen Staatsbürgern zugänglich, sondern auch Nicht-Staatsbürgern und Asylanten. Dieses System führt dazu, dass diese Familien, die wir alle aus den Zeitungsberichten kennen, Asylantenfamilien mit 6 000, 7 000, 8 000 EUR netto im Monat, zusätzliche Vergünstigungen in dieser Stadt bekommen, sprich Vergünstigungen im Freizeitbereich, Vergünstigungen im Sportbereich, Vergünstigungen im Sozialbereich, sogar die Hundesteuer wird halbiert. Das wird aber vermutlich in dieser Zielgruppe keine große Rolle spielen, denn Hunde sind, soweit ich weiß, haram. Im Bereich der Wiener Linien spielt das jedoch eine ganz, ganz große Rolle. Da gibt es massive Vergünstigungen für Asylanten mit Mobilpass. So zahlt beispielsweise der Asylant mit Mobilpass 21,90 EUR für das 31-Tage-Ticket. Der Österreicher, der jeden Tag arbeiten geht oder der Pensionist, der sein Leben lang gearbeitet hat, zahlt für das idente Ticket 75 EUR, also mehr als das Dreifache. Wenn man das hochrechnet, kommt der Asylant mit Mobilpass im Jahr, also wenn er sich zwölfmal das 31-Tage-Ticket kauft - und das muss er gar nicht, weil er im Gegensatz zum Jahreskartenbesitzer keine Bindung hat -, auf gesamt 262 EUR. Der Österreicher zahlt nach der Verteuerung der Jahreskarte für die Jahreskarte mit Bindung 506 EUR und selbst der Pensionist zahlt 315 EUR. Wenn der Österreicher das gleiche Modell wie der Asylant mit Mobilpass anwenden möchte, sprich zwölfmal das 31-Tage-Ticket kauft, zahlt er im Jahr 900 EUR, also 600 EUR mehr im Jahr als der Asylant mit Mobilpass. Sie schröpfen die Österreicher und gleichzeitig schieben Sie den Asylanten das Geld mit der Scheibtruhe hinterher. Das ist eine asoziale Politik gegenüber den Österreichern. Beenden Sie diese Art von Politik und stellen Sie den Österreicher endlich wieder in den Mittelpunkt. - Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Vasold. - Bitte. GRin Mag. Stefanie Vasold (SPÖ): Danke schön, Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen, sehr geehrter Herr Stadtrat, lieber Herr Bürgermeister! Es ist jetzt eine schon lange Debatte mit vielem, das gesagt wurde. Ich versuche, einen Bogen zu spannen, ohne dass mir gelingen wird, auf alles einzugehen, aber vielleicht beginnen wir einmal so: Es ist nicht lustig, es ist die budgetäre Situation nicht lustig, es sind die Maßnahmen nicht lustig, die wir hier diskutieren, und es ist die Debatte dazu nicht lustig. Umso erstaunlicher ist es, ehrlich gesagt, wie von manchen Seiten in diesem Haus sich lächerlich gemacht wird über die Rahmenbedingungen, wie die gezeichnet werden, die uns in diese Situation gebracht haben. Auch ich will schon mit dem Großen und Ganzen starten, weil es eben nicht aus Jux und Tollerei, aus unserem Gutdünken heraus entsteht, dass wir uns einfach denken, jetzt ist einmal Zeit für Budgetkonsolidierung, für ein paar Sparmaßnahmen quer durch alle Bereiche, sondern es hat eben mit Rahmenbedingungen zu tun, die maßgeblich nicht von uns gestaltet wurden, sondern, es ist heute schon ein paarmal gefallen, koste es, was es wolle. Ich darf noch ein anderes Zitat in einem ähnlichen zeitlichen Horizont erwähnen: "Lassen Sie die Kirche im Dorf.", hat der damalige Finanzminister einige Wochen vor der Nationalratswahl gesagt, als es um die Frage ging, wie es jetzt wirklich ums Budget steht. "Lassen Sie die Kirche im Dorf.", hat er gesagt. Einige Wochen nach der Nationalratswahl haben wir festgestellt, wir befinden uns im höchsten Defizit der Zweiten Republik, mit einem EU- Finanzverfahren und der längsten Rezession, die es je gegeben, und ja, das schlägt sich tatsächlich auf Wien nieder - und zwar nicht unerheblich. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Sie wissen das natürlich, insofern ist es umso bedauerlicher, dass Sie sich da eine Spur lächerlich machen, wenn diese Zusammenhänge angesprochen werden. (Zwischenrufe von GR David Ellensohn und GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Zum Beispiel, wenn es um die Inflation geht, die man hat durchrauschen lassen. Das bedeutet im Wiener Budget nicht nur eine massive Steigerung für Investitionen, sondern eben auch für Gehälter. Wenn Frau Huemer hier steht und sagt: "Was, nicht einmal eine Inflationserhöhung bei den Gehältern? Das ist ja zynisch.", dann muss ich Ihnen sagen, die Rahmenbedingungen sind zynisch, dass wir es mit einer Inflation in so ziemlich allen Bereichen des Wiener Budgets zu tun haben (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.), die Sie mitzuverantworten haben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Es geht aber auch darüber hinaus um eine Steuerreform und um Fördermaßnahmen, für die es keine Finanzierung gab. Kollege Ellensohn fragt, na, wäre es Ihnen lieber, wir hätten es nicht gemacht. Nein, uns wäre es lieber, man hätte es mit einer Perspektive gemacht, die auch eine Finanzierung dazu sichert. Ich sage Ihnen, das ist nicht nur relevant, was das Fördervolumen betrifft oder die ökosoziale Steuerreform oder die kalte Progression, sondern wenn es darum geht, es ist zum Beispiel auch jetzt gerade aufgeschlagen, dass der Ausgleichstaxenfonds ausgeräumt ist. 100 Millionen EUR Lücke im Ausgleichstaxenfonds, weil die grün-schwarze Bundesregierung in den letzten Jahren Maßnahmen und Ausschüttungen getroffen hat, ohne zu belegen, wie das weitergehen wird. Das sind nur zwei, drei Punkte, vielleicht eines noch, wenn wir bei Menschen mit Behinderungen sind. Wir sind absolut der Meinung, dass man die Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit erhöhen soll im Alter. Das hat der grüne Sozialminister gemacht, auf 25 zu erhöhen. Ich finde das richtig. Das Ergebnis ist, das wird Sie jetzt überraschen, dass wir mehr Leute haben, die Berufsqualifizierung bis 25 brauchen. Die Berufsqualifizierung ist eigentlich in der Kompetenz des Bundes, Wien macht dazu eine ganze Reihe von Maßnahmen. Sich jetzt hinzustellen und zu sagen, das ist aber nicht ausreichend, wenn man gleichzeitig auf einer anderen Ebene Maßnahmen setzt, die die Nachfrage massiv erhöhen, ist zynisch, sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Also nach Ihrer Hinter-uns-die-Sintflut-Mentalität und -Maßnahmen sich hier herzustellen und uns die Misere an den Kopf zu werfen, die Sie maßgeblich verursacht haben, das ist wirklich eine Chuzpe. (Zwischenruf von GRin Mag. Barbara Huemer.) Ich finde das Thema ist zu ernst für eine solche Debatte und ehrlich gesagt auch zu ernst für diese billige Polemik, die Sie hier heute abgezogen haben, aber nicht nur heute, sondern auch in den letzten Wochen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Wochenlang war die Rede davon, wir werden den Gratiskindergarten abschaffen, es wird kein Mittagsessen mehr geben, im Winter gibt es kein einziges warmes Mittagessen mehr im Winterpaket. (Zwischenrufe von GRin Mag. Barbara Huemer und GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Jetzt stellen Sie sich her und sagen radikaler Kahlschlag, die Menschen kriegen alle nichts mehr, den Ärmsten der Armen, den Behinderten, nehmen wir ihr letztes Brot. So ist es nicht. So ist es nicht, und es würde Ihnen gut anstehen, diese Debatte ernsthafter zu führen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Jetzt stehe ich nicht an, zu sagen, ja, es gibt Konsolidierungsmaßnahmen. Nicht in allen Bereichen gleich, denn wenn das so wäre, dann würde das im Sozial- und Gesundheitsbudget ganz anders ausschauen. Tatsächlich ist es so, dass nach wie vor im aktuellen Voranschlag ein Drittel des Wiener Budgets für Soziales und Gesundheit vorgesehen ist. Das sind sogar 600 Millionen EUR oder 23 Prozent mehr, als im Voranschlag 2025. Es reicht nur nicht, um erstens den gestiegenen Bedarf und zweitens die gestiegenen Mehrkosten im vollen Umfang zu decken. Ja, ich würde mich auch gerne herstellen und sagen, es braucht mehr in allen Bereichen. Das geht sich nicht aus. (Zwischenruf von GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Sie können uns glauben, wir würden es tun, wenn wir es könnten. Das bedeutet, wir haben mit gestiegenen Bedarfen in manchen Bereichen zu tun und sehen Entwicklungen - und wir haben mit massiver Teuerung zu tun. Deshalb muss man mit einem Budget - selbst dann, wenn es im Vergleich zum Vorjahr prozentuell erhöht wird oder wenn es eingefroren wird - Prioritäten setzen und sich anschauen, wo ist Versorgung absolut notwendig zu erhalten, wo muss man sie auch ausbauen, wo kann man strukturelle Veränderungen machen oder wo sind möglicherweise historisch Angebote gewachsen, die andere ergänzen oder vielleicht sogar doppelt fahren. Das machen wir, und wir bauen dabei auf sehr hohen Standards. Vielleicht kurz zu ein paar einzelnen Dingen, eines ist die Mindestsicherung. Der große Bereich bei der Reform der Mindestsicherung - die werden wir auch morgen noch diskutieren, nehme ich an - ist der Umgang mit den subsidiär Schutzberechtigten, dass diese eben nicht mehr Anspruch auf Mindestsicherung haben. Auch das ist nichts, was wir gerne von uns aus machen, sonst hätten wir diese Aufzahlung die letzten Jahre nicht gemacht. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Wir stellen aber fest, wir sind inzwischen in ganz Österreich die einzigen, die das tun, in einem Bereich, in dem grundsätzlich der Bund zuständig ist. Wir stellen aber auch fest, dass 66 Prozent der Gruppe der subsidiär Schutzberechtigten grundsätzlich arbeitsfähig sind. Das heißt, wir haben es mit zwei Drittel in dieser Gruppe zu tun, die wir versuchen wollen, in Qualifizierung zu bringen, in den Arbeitsmarkt und/oder in legale Beschäftigungsverhältnisse. (Zwischenruf von GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Darüber hinaus hoffen wir, dass der Bund seine Verantwortung in diesem Bereich wahrnimmt. Spätestens mit der neuen EU-Richtlinie muss er etwas tun, wir hoffen, dass das auch früher der Fall sein wird. Zweite Schraube, an der bei der Mindestsicherung gedreht wird, ist die Anrechnung von 25 Prozent der Mindestsicherung an die Mietbeihilfe. Da haben Sie recht, das betrifft jene Gruppe, die Mindestsicherung und Mietbeihilfe gleichzeitig bezieht. Und es wird sich unterschiedlich auswirken, je nachdem, wie hoch die Wohnkosten und die Mietbeihilfe sind. Wir sehen, dass sich da in den letzten Jahren durch die Erhöhung, aber auch durch die Reform der Mietbeihilfe neu, inzwischen relativ hohe Mindeststandards, relativ hohe Sätze ergeben haben. Darauf reagieren wir mit dieser Maßnahme. Drittes Rad, an dem wir bei der Mindestsicherung drehen, ist die Gleichstellung von Wohngemeinschaften mit Familien beziehungsweise Bedarfsgemeinschaften. Auch hier reagieren wir darauf, dass die WGs in den letzten Jahren stark gestiegen sind und dass wir dieser Gruppe tendenziell Anreize schaffen wollen, in Qualifizierung und legale Beschäftigung zu gehen. Da gibt es Ausnahmen, nämlich die von Ihnen heute ganz viel zitierten DauerleistungsbezieherInnen. Das sind Personen im Regelpensionsalter, das sind dauerhaft arbeitsunfähige Menschen, das sind Menschen in betreuten Einrichtungen, nämlich zum Beispiel behinderte Menschen in teilbetreuten Wohnverhältnissen, das sind aber auch Frauenhäuser, Wohnungslosenhilfe. Auch da haben Sie ja die letzten Wochen über Social Media und sonstige Kanäle und auch hier im Haus behauptet, dass wir den Menschen in Wohnungsloseneinrichtungen ihre Mindestsicherung reduzieren. Das ist schlicht nicht der Fall. Der vierte Bereich sind die Sonderzahlungen, auch hier gibt es Ausnahmen. Derzeit ist es so, dass wir 14-mal im Jahr den Satz auszahlen - und das wird sich reduzieren, bei diesen zwei Sonderzahlungen um jeweils 50 Prozent. Auch hier sind die Ausnahmen Menschen mit Behinderungen, auch Kinder mit Behinderungen und dauerhaft erwerbsunfähige Menschen. (GR Georg Prack, BA: Das stimmt nicht!) - So und jetzt stellen Sie sich vor, Kollege Ellensohn, es gibt Bundesländer, in denen es überhaupt keine Sonderzahlungen gibt, sondern in denen die Mindestsicherung grundsätzlich zwölfmal ausgezahlt wird. (Zwischenruf von GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Ich erlaube mir, anzumerken, es ist sogar im Burgenland so, wo die GRÜNEN in Regierungsverantwortung sind. (GRin Theresa Schneckenreither, MSc: Das ist der Maßstab?) Ich gehe davon aus, dass diese Debatte zur Mindestsicherung morgen weitergeführt wird. Ich freue mich darauf, auch wenn das Thema wirklich kein erfreuliches ist, aber ich bin schon der Meinung, dass man hier bei den Fakten bleiben muss. (Beifall bei der SPÖ und NEOS.) Ein weiterer Themenbereich, der bei Ihnen auch irgendwie fünfmal zwischen den Zeilen gekommen ist, sind die Angebote für Menschen mit Behinderungen. Ich muss sagen, wie Sie das machen, ist wirklich unseriös und Ihrer nicht würdig. Es ist uns in den letzten Wochen gelungen, mit vielen Gesprächen und Verhandlungen, die Budgets für die allermeisten Einrichtungen zu erhalten. Gut, jetzt kann man sagen, die Erhöhung des FSW ist ja viel zu wenig, das eine Prozent für die Trägerorganisationen ist viel zu wenig. (Zwischenruf von GRin Theresa Schneckenreither, MSc.) Tausend Rosen, es wäre gut, wenn wir mehr hätten. Wie gesagt, wir bewegen uns in Rahmenbedingungen, in denen wir halt nicht aus den Vollem schöpfen, sondern uns im Gegenteil überlegen, wie wir ein Budget konsolidieren. Ich kann Ihnen aber sagen, die Selbstvertretungsstrukturen bleiben erhalten, die Freizeiteinrichtungen bleiben erhalten, der Stundensatz für die persönliche Assistenz bleibt erhalten, der Fahrtendienst in der Freizeit bleibt erhalten. Der FSW wird das selbstbestimmte Wohnen für Menschen mit Behinderungen in Garçonnièren-Verbänden ausbauen. Der FSW wird außerdem Berufsqualifizierung, Lehre und Teilqualifizierung ausbauen, weil wir es eben auf Grund der Arbeitsunfähigkeit ab 25 mit einer größeren Gruppe zu tun haben. Wir werden sukzessive die Projekte des Inklusiven Wiens 2030 - auch da ein kurzer Seitenhieb zu Ihrer Dringlichen Anfrage, Inklusionsstrategie 2023, das kann ja dann nicht einmal mehr ein Tippfehler sein - weiterverfolgen und Schritt für Schritt umsetzen - so gut es halt unter den bestehenden budgetären Rahmenbedingungen geht. Es sind aber einige Dinge dabei, die, glaube ich, auch in einem strukturell laufenden Prozess möglich sind. Ansonsten befürchte ich, dass es eben durchwegs auch auf Bundesebene Einschnitte geben wird, der schon genannte Ausgleichstaxenfonds ist ja kein Klacks. Es gäbe noch ganz viel zu sagen, auch zur Gesundheit. Wir attraktivieren nicht nur seit Jahren die Rahmenbedingungen für die Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten und schaffen eine massive Ausweitung der Pflegeausbildung. (Zwischenruf von GRin Mag. Barbara Huemer.) - Das kann man jetzt glauben oder nicht, Kollegin Huemer. Wir haben mit dem Regionalen Strukturplan auch eine Strategie vorgelegt, wie wir ganz klar die ambulante Versorgung deutlich aufstocken, zum Beispiel um neue Frauengesundheitszentren, die Erhöhung der Kinder- und Jugendheilkunde um weitere drei, um ein Diabeteszentrum von eins bis drei, und wir werden auch 500 zusätzliche Betten für Remobilisierungs- und Akutgeriatrie schaffen. Es wird um 50 Prozent mehr tagesklinische Plätze geben. Der Herr Bürgermeister hat schon ausgeführt, es gibt Gespräche auch mit den Ordensspitälern, um da eine sinnvolle Abstimmung zu finden. Es sind außerdem alle eingeladen, auch das hat der Stadtrat gesagt, zu dem Plan, der jetzt vorliegt, Stellung zu nehmen. (Zwischenruf von GRin Mag. Barbara Huemer.) Wir bemühen uns auch, das dürfte Ihnen nicht entgangen sein, intensiv um eine Lösung, was die Gastpatienten und Gastpatientinnen betrifft, weil es eben auch in diesem Bereich nicht sein kann, dass Wien aus eigenen budgetären Mitteln das stemmt, während die anderen Bundesländer sich abputzen und der Bund dabei zuschaut. (Erneuter Zwischenruf von GRin Mag. Barbara Huemer.) Zusammenfassend, die budgetäre Situation ist nicht lustig, die Maßnahmen sind nicht lustig und die Debatte ist nicht lustig. Umso mehr wäre es angebracht, ernst zu diskutieren. Was Sie hier machen, das sind wir, ehrlich gesagt, sonst von der FPÖ in diesem Haus gewohnt, nämlich aufs Übelste Ängste zu schüren. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN. - Beifall bei SPÖ und NEOS.) Kollege Trinko hat schon erwähnt, was es bei den Menschen auslöst, wenn Sie sich da herstellen und sagen, das letzte Hemd wird den Behinderten genommen, die Suchthilfe wird zugesperrt, Mittagessen gibt es keines mehr. Was von Ihnen heute und in den letzten Wochen gekommen ist, ist wirklich ganz schön schwer zu verdauen. Mir bleibt abschließend zu sagen, wir werden diesen Wiener Weg, der ein gut gepolsterter Weg ist, der international in unterschiedlichsten Richtungen ausgezeichnet ist, der Vorbild ist von New York bis zum Starnberger See, beschützen, beibehalten und weiter umsorgen. Und wir werden auf einem sehr hohen Niveau auch die Gesundheits- und Sozialpolitik in dieser Stadt aufrechterhalten. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Prack. - Sie haben das Wort. GR Georg Prack, BA (GRÜNE): Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Stadtrat! Ich muss jetzt doch auf einiges eingehen, was hier gefallen ist. Also zunächst einmal wird uns hier immer vorgeworfen, dass wir auf mediale Ankündigungen reagieren. Nur, was sollen wir denn sonst tun? Sie haben zum Beispiel ein Mindestsicherungsgesetz im September mit verschiedenen Punkten angekündigt, das uns in keiner Weise in einer Begutachtung vorgelegen ist, sondern das uns jetzt vor nicht einmal einer Woche als Initiativantrag zugegangen ist. Das heißt, wir führen die Debatte über die Vorschläge, die Sie in kleinen Interviewansagen veröffentlichen. Wenn Sie ein ordentliches Begutachtungsverfahren sicherstellen, dann können wir die Debatte natürlich qualifizierter führen, aber dann machen Sie das bitte und beschweren Sie sich nicht nachher darüber. (Beifall bei den GRÜNEN.) Der zweite Punkt, den ich hier auch ansprechen will: Wir haben in Wien die Situation, dass der wesentliche Teil der sozialen Dienstleistungen ausgelagert ist - das wissen Sie so gut wie ich -, in den Fonds Soziales Wien. Dort sitzen dann auch zugegeben ParteienvertreterInnen im Kuratorium und fragen zum Beispiel nach, was denn geplant ist, wie denn die Einrichtungen nächstes Jahr finanziert sind. Dann sagt man uns, alles noch in Verhandlung, wir können nichts sagen. Wir werden uns aus dem Arbeitsmarktbereich zurückziehen, aber ansonsten können wir dazu nichts sagen. Und gleichzeitig melden sich die GeschäftsführerInnen, die Betriebsvertretungen bei uns und sagen uns, bei uns wird zehn bis 15 Prozent gekürzt, das hat man uns schon gesagt. Bei uns wird überhaupt die Förderung eingestellt, das hat man uns schon gesagt. Das heißt Sie, informieren die Opposition auch in diesen Gremien nicht, die dafür vorgesehen sind, und beschweren sich dann darüber, dass wir nicht jeden einzelnen Punkt nachprüfen können. Dann machen Sie das, und informieren Sie uns ordentlich. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich habe nach der Beantwortung des Bürgermeisters von einem Betriebsrat aus dem Bereich der Suchthilfe eine Nachricht bekommen. Die hat gelautet, das vom Bürgermeister Gesagte sollte man dringend einem Faktencheck unterziehen. Das ist richtig, denn wenn ich zum Beispiel die "Kronen Zeitung" von heute lese, wo ein Betriebsrat der Suchthilfe mit der Information zitiert wird, dass 51 Personen aus dem Bereich "Fix und Fertig" bereits beim AMS- Frühwarnsystem zur Kündigung vorangemeldet sind, dann frage ich mich, was hat das mit dem zu tun, was uns der Bürgermeister gerade erzählt hat. Also ehrlich, können Sie dem widersprechen, was der Betriebsrat dort sagt? Ich meine, Sie sind selber Gewerkschafter, Sie können wohl irgendwie vielleicht nachfragen. Also offensichtlich ist hier etwas im Gange bei den Arbeitsmarktintegrationsmaßnahmen im Suchthilfebereich. Wenn Sie uns dann vorwerfen, wir würden Leute verunsichern, dann muss ich Ihnen schon auch zurückgeben, vielleicht ist es auch dieser Whataboutism, der da immer wieder kommt, der die Leute verunsichert. Wenn der Koordinator für Suchthilfe behauptet, dass es keine Kürzungen im Behandlungsbereich gibt, dann hat das nie jemand behauptet, dass es Kürzungen im Behandlungsbereich für Suchtkranke gibt. Das ist das, was er in den Raum stellt, um davon abzulenken, wo es die Kürzungen gibt. Das ist Whataboutism. (Beifall bei den GRÜNEN.) Genauso behauptet Kollege Lochner in der "Kronen Zeitung", es stimmt nicht, dass 50 Prozent der Angebote gestrichen werden. Wer soll das behauptet haben? - Es hat niemand behauptet, dass 50 Prozent der Angebote gestrichen werden. Das heißt, Sie selbst verunsichern mit Ihrem Ablenkungsmanövern die Menschen. Und es ist tief, das uns dann vorzuwerfen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Schauen wir kurz auf die Geschichte der Arbeitsmarktintegrationsprojekte für Suchtkranke. Da hat man in den Neunzigerjahren festgestellt, als es die letzte Opioidkrise gegeben hat, dass es eine Lücke bei der Arbeitsmarktintegration gibt. Dann sind Projekte wie "Fix und Fertig", wie "gabarage", wie "Standfest" etabliert worden und die leisten etwas, was das AMS nicht leisten kann. Denn in einem Beratungsgespräch kann man solchen Menschen, die tief in einer Suchtkrankheit sind, nicht helfen, wieder den Weg in den Arbeitsmarkt zurückzufinden. Das heißt, die leisten etwas, damit diese Abwärtsspirale durchbrochen wird und die Leute nicht auf der Straße landen, damit die Menschen wieder eine Stabilität im Leben finden und damit die Betroffenen irgendwann zurück in den Arbeitsmarkt finden. Um es mit einem Betriebsrat der betroffenen Unternehmen zu sagen, man kann natürlich sagen, man braucht das alles nicht, es gibt ja einen Beratungstermin beim AMS. Man kann natürlich auch sagen, man braucht Nachhilfe nicht, denn es gibt ohnehin die Schule oder man braucht keine Polizei, denn es gibt ohnehin Verkehrsschilder. Nur, wir wissen alle, dass das so nicht funktioniert. Und deswegen ist die Zerschlagung der Arbeitsintegration für Suchtkranke kurzsichtig und planlos, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Denn was wird passieren? - Der Beratungstermin beim AMS, Überraschung, wird nicht ausreichen. Für viele Betroffene wird sich die Abwärtsspirale fortsetzen, mehr Suchtkranke werden auf der Straße landen. Wir werden diese Auswirkungen am Schluss dann wieder mit mehr Polizei bekämpfen statt Menschen frühzeitig zu helfen. Das ist die viel teurere Variante als das, was wir jetzt machen. Die Zerschlagung dieser Arbeitsmarktintegration für Suchtkranke ist teuer für die Gesellschaft und katastrophal für die Betroffenen. Stoppen Sie das. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wenn Sie das durchziehen, werden wir die Folgen bald zu spüren bekommen. Dann ist es aber zu spät, denn die betroffenen Einrichtungen haben teilweise über Jahrzehnte Erfahrung und Know-how aufgebaut. Das geht zu einem guten Teil verloren. Das kann man nicht mit einem Fingerschnippen wieder aktivieren, wenn man glaubt, man braucht das wieder. Das ist wie mit einer Zahnpasta, die aus der Tube ist. Man bekommt sie nicht wieder in die Tube hinein. Also stoppen Sie die Zerschlagung dieser seit Jahrzehnten funktionierenden Strukturen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Ähnliches gilt, das ist uns schon im FSW-Kuratorium bestätigt worden, man fühlt sich nicht mehr zuständig für Arbeitsmarktintegration, denn das ist ja Bundessache. Das hat man nur seit 30 Jahren gemacht, aber jetzt auf einmal fühlt man sich nicht mehr zuständig. Ähnliches gilt für die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Behinderung, Ähnliches gilt für die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen. Wir hören aus Einrichtungen, die vom FWS gefördert wurden, dass der FSW völlig aus der Finanzierung von Arbeitsmarktintegrationsmaßnahmen für Flüchtlinge aussteigt. Wir hören von unzähligen Arbeitsmarktintegrationsprojekten für Menschen mit Behinderungen, denen die Mittel gekürzt werden. Und Kollegin, Sie haben jetzt gerade diesen Fonds erwähnt, der ist im Doppelbudget der Bundesregierung, jetzt wird der von 65 Millionen EUR Förderung rückgeführt auf 15 Millionen EUR. (Zwischenruf bei der SPÖ.) - Na, schauen Sie es sich an, schauen Sie es sich an im Bundesbudget. Das hat Ihre Partei mitbeschlossen. Na dann ist klar, dass kein Geld mehr da ist. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Dann ist klar, dass kein Geld mehr da ist und dass auch hier massiv gekürzt wird, auf Kosten von Menschen mit Behinderung. (Beifall bei den GRÜNEN.) Dass man dann sagt, wir sind halt nicht mehr zuständig für den Arbeitsmarkt, wir waren nie zuständig, wir haben das seit 30 Jahren gemacht, das soll jetzt der Bund machen. Das ist eine Haltung, mit der könnte man genauso schnell den Wiener Arbeitsmarktförderungsfonds auflösen. Es ist zum Glück nicht der Fall, dass das geplant ist, aber zeigt die Inkonsequenz dieser Argumentation, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Man darf sich von einer sozialdemokratischen Regierung erwarten, dass sie auch in budgetär schwierigen Zeiten Prioritäten setzt und bei den sozialen Dienstleistungen zu kürzen, ist eine völlig falsche Prioritätensetzung, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenrufe von GRin Mag. Stefanie Vasold und GRin Ing. Astrid Rompolt, MA.) Und jetzt noch eine Einordnung zu diesen Fragestellungen, die immer auf die letzte Bundesregierung schielen. Was Sie nie erwähnen, ist, dass Sie bis April erzählt haben, wir haben kein Problem. (GR Mag. Thomas Reindl: Das stimmt ja nicht!) Sie haben überhaupt keine Maßnahmen zur Konsolidierung gesetzt in Wien. Und jetzt machen Sie es mit voller Härte. (GRin Mag. Stefanie Vasold: Wann hat der Bund das Budget vorgelegt?) Sie haben uns erzählt, dass Sie ein steigendes Defizit ein bisschen zurückführen, aber Sie haben keine (Zwischenruf von GR Mag. Thomas Reindl.) substanziellen Maßnahmen zur Konsolidierung gesetzt, sehr geehrter Herr Vorsitzender des Gemeinderates. (GR Mag. Thomas Reindl: Das stimmt überhaupt nicht! - Weiterer Zwischenruf von GR Mag. Thomas Reindl.) Nein, aber das erwähnen Sie nie, das erwähnen Sie nie, Sie haben nichts gemacht bis September. Da war offensichtlich alles in Ordnung, und jetzt auf einmal wird massiv gekürzt bei den sozialen Dienstleistungen. Das verschweigen Sie halt. (Beifall bei den GRÜNEN.) Der zweite Punkt, den Sie gerne verschweigen, ist, als Sie die Bundesregierung übernommen haben, war die Inflation auf beinahe 2 Prozent zurückgeführt. Was haben Sie dann gemacht? - Sie haben die Stromkostenbremse abgedreht. Jetzt wissen wir alle, die Stromkosten und die Energiekosten sind einer der größten Treiber der Inflation. Überraschung, was ist passiert? - Man dreht die Stromkostenbremse ab, und die Inflation steigt wieder. Dann tut man in Wien noch ein paar Sachen dazu, wie die Jahreskarte zu erhöhen, man greift nicht ein bei den Fernwärmepreisen, wie es zum Beispiel Oberösterreich gemacht hat. (GR Mag. Thomas Reindl: Sie ist nicht erhöht worden!) Überraschung, die Inflation steigt wieder. Was ist erhöht? (GR Mag. Thomas Reindl: Die Jahreskarte kann keine Inflationswirkung haben!) - Die Jahreskarte, das wird sich nächstes Jahr auswirken. (GR Mag. Thomas Reindl: ... hat doch heuer keine Inflationswirkung! - GR Mag. Dietbert Kowarik: Keine Zwiegespräche, Herr Vorsitzender!) - Ja, heuer hat sie keine Inflationswirkung, Herr Vorsitzender, ab nächstem Jahr hat sie dann Inflationswirkung. Das werden wir auch spüren bei der Inflation. Genauso wie es heuer eine Wirkung hat, dass Sie bei den Fernwärmepreisen erneut nicht eingreifen, wie es zum Beispiel Oberösterreich macht. Die größte Wirkung auf die Inflation aber hat, das gestehe ich Ihnen gerne zu, dass Sie die Stromkostenbremse abgeschaltet haben und damit den Schutz für die WienerInnen, den Schutz für die Unternehmen - und damit steigt auch die Inflation wieder. (GR Mag. Thomas Reindl: Nein!) - Na, schauen Sie sich an, wie die Inflationswirkung ist. Also erzählen Sie nicht immer, dass Sie nichts damit zu tun haben. (Heiterkeit bei GR Mag. Thomas Reindl.) Schauen Sie vielleicht auf den eigenen Beitrag, den Sie dazu geleistet haben, dass die Situation so ist wie sie ist, und kürzen Sie nicht bei den Ärmsten. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau GRin Sequenz. - Bitte. GRin Mag. Heidemarie Sequenz (GRÜNE): Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Windschatten der Erhöhung der Jahreskarte hat diese rot-pinke Regierung still und heimlich auch den Einzelfahrschein für SeniorInnen abgeschafft. Sie zahlen jetzt ab 1.1.2026 um 113 Prozent mehr für den Einzelfahrschein. Für die gleiche Gruppe wurde auch die Jahreskarte um 30 Prozent erhöht. 113 Prozent, 30 Prozent, Leute, das ist nicht nichts. Ich bin neugierig auf den Nächsten, der jetzt herauskommt und sagt, ich mache hier eine schamlose Skandalisierung. 113 Prozent sind nicht nichts, und was sagt die SeniorInnensprecherin der SPÖ dazu? - Sie meint, dass eine Erhöhung um 113 Prozent ein Vorteil für die SeniorInnen ist, weil es einfacher ist. Das ist kein Schmäh, Sie können es im "Standard" nachlesen. Und da frage ich mich jetzt wirklich, welches Bild die SPÖ von Menschen über 65 hat? Sind die für sie irgendwelche senilen Tschopperln, die nicht mehr zwischen zwei Fahrscheinen unterscheiden können? - So kommt mir das wirklich vor. Ich weiß nicht, welche Mails Sie bekommen, aber die Mails, die wir bekommen, sind von wütenden Menschen, die sich in ihrer Verzweiflung an uns wenden und sagen, tut etwas und sagt etwas im Gemeinderat. Ich nehme an, euch wird das auch nicht verborgen geblieben sein. Schauen wir uns jetzt einmal an, was eine Erhöhung von 113 Prozent für ältere Leute bedeutet. Menschen in dem Alter, vor allem jene, die nicht so viel Geld haben, die womöglich Mobilitätseinschränkungen haben, für die zahlt sich eine Jahreskarte nicht aus. Wenn der Herr Kollege von der FPÖ fantasiert, die fahren alle mit dem Auto ins Krankenhaus, dann würde ich Ihnen einmal empfehlen, schauen Sie sich die Statistik über das Mobilitätsverhalten der verschiedenen Generationen an. Es könnte erhellend sein für Sie. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Für wen jetzt?) Noch einmal, SeniorInnen fahren nicht täglich durch die Stadt, sondern sie fahren gezielt. Sie fahren auf Besuch zu Verwandten, sie fahren zum Arzt, und sie besuchen Freunde. Da sind diese geplanten Erhöhungen nicht nur eine Frage einer finanziellen Belastung, sondern sie sind auch eine Frage von sozialer Teilhabe. Kann ich ins Theater fahren, kann ich meine Freunde treffen? Darum geht es nämlich auch. Mobilität, was bedeutet das im Alter, das muss man sich genau anschauen. Das ist auch die Frage, bin ich isoliert oder wie komme ich aus der Einsamkeit heraus. Das sind Themen, die ältere Menschen beschäftigen. Was jetzt noch zusätzlich geplant ist, dass der digitale Einzelfahrschein billiger sein soll als der analoge, das mag vielleicht auf den ersten Blick sehr modern klingen. Wenn man sich aber die Realität vieler älterer Menschen anschaut, dann geht das an dieser Realität vorbei. Es mag vielleicht für uns ein bisschen unverständlich sein, aber die haben nicht alle ein Smartphone und tun sich vielleicht ein bisschen schwer bei bestimmten Applikationen. Es kann wirklich nicht sein, dass bei den Fahrscheinen ein Unterschied zwischen analog und digital gemacht wird. Das darf auf keinen Fall passieren, denn das wäre wirklich eine ungleiche Behandlung, eine ungerechtfertigte. (Beifall bei den GRÜNEN.) Abschließend noch einmal, eine Erhöhung von 113 Prozent ist kein Vorteil für SeniorInnen. Es ist genau das Gegenteil, es ist ein Verlust an Freiheit und Teilhabe. Wien ist so stolz darauf, eine sozial gerechte Mobilität zur Verfügung zu stellen. Ich glaube, wir sind uns alle hier einig, dass diese Mobilität allen Menschen, vor allem jenen, die die Öffis benützen, zusteht - egal, welches Einkommen, egal, welches Alter oder egal, welche technische Ausrüstung sie haben. Und deshalb bin ich auch überzeugt, dass Sie sich alle unserem Antrag, den ich gemeinsam mit der ÖVP eingebracht habe, anschließen werden. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. - Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte zur Beantwortung der Dringlichen Anfrage ist somit beendet. Wir kommen zur Abstimmung über zwölf Beschluss- und Resolutionsanträge. Wir starten mit dem ersten Antrag der GRÜNEN betreffend Preiskommission einsetzen - Fernwärmepreise wirksam senken. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das ist mit den Stimmen der GRÜNEN, der ÖVP und der FPÖ gegen die Stimmen von SPÖ und NEOS in der Minderheit. Antrag der GRÜNEN betreffend Erhalt des ermäßigten Einzelfahrscheines für SeniorInnen. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind wieder die GRÜNEN, die ÖVP und die FPÖ gegen die Stimmen von SPÖ und NEOS. Antrag der FPÖ betreffend Kahlschlag in orthopädischen Fachkliniken. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das ist mit den Stimmen der FPÖ und der ÖVP in der Minderheit. Antrag der FPÖ betreffend Senkung der Lebensmittelpreise. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind die AntragstellerInnen alleine, der Antrag bleibt somit in der Minderheit gegen die Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und GRÜNE. Antrag der FPÖ betreffend Patienten dürfen keine Bittsteller werden. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das ist Zustimmung bei der FPÖ gegen die Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und GRÜNE. Antrag der FPÖ betreffend Aufwertung der Pflege. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das ist Zustimmung bei der ÖVP und bei der FPÖ gegen die Stimmen von SPÖ, NEOS und GRÜNE. Antrag der FPÖ betreffend kein Sparen bei Pflichtaufgaben. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind ÖVP und FPÖ gegen die Stimmen von SPÖ, NEOS und GRÜNE und bleibt somit in der Minderheit. Antrag der FPÖ betreffend Sparen auf dem Rücken der Pensionisten. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind die ÖVP und die FPÖ gegen die Stimmen von SPÖ, NEOS und GRÜNE. Antrag der FPÖ betreffend Beendigung der Anspruchsberechtigung von Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten auf den Mobilpass der Stadt Wien. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind die AntragstellerInnen alleine gegen die Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und GRÜNE. Antrag der ÖVP betreffend drohender Wegfall der FSW-Finanzierung 2026. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind ÖVP, FPÖ und GRÜNE gegen die Stimmen von NEOS und SPÖ. Antrag von ÖVP und GRÜNEN betreffend Rücknahme der Abschaffung des vergünstigten Seniorentickets für Einzelfahrten und keine Benachteiligung älterer Menschen durch digitale Tickets. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind ÖVP, FPÖ und GRÜNE gegen NEOS und SPÖ und bleibt damit in der Minderheit. Antrag der FPÖ betreffend P.I.L.O.T. - Förderung & Finanzierung von Behindertenprojekten erhalten. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind die FPÖ und die ÖVP gegen die Stimmen von SPÖ, NEOS und GRÜNE. Wir kommen damit zurück zur Tagesordnung und steigen wieder ein bei der Postnummer 7, die zur Verhandlung gelangt. Sie betrifft den 4. Periodischen Bericht im Jahr 2025 über zusammengefasste Überschreitungen für das Finanzjahr 2025, und ich darf den Berichterstatter, Herrn GR Mag. Thomas Reindl ersuchen, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatter GR Mag. Thomas Reindl: Bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank. - Zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Schütz. - Bitte. GRin Angela Schütz, MA (FPÖ): Frau Vorsitzende, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer, Herr Berichterstatter! Wir haben hier einen Antrag des 4. Periodischen Berichts über die zusammengefassten Überschreitungen des Finanzjahres 2025 von über 67,5 Millionen EUR vorliegen. Den werden wir ablehnen, denn auf der einen Seite wirft die Regierung das Geld mit vollen Händen hinaus als gäbe es kein Morgen, und auf der anderen Seite spart sie bei den Ärmsten. Wir haben heute schon viel diskutiert und viel gehört. In Wien gibt es seit Jahren für Obdachlose in der kalten Jahreszeit dieses sogenannte Winterpaket, gemeinsam vom Fonds Soziales Wien mit verschiedenen Partnerorganisationen, damit Obdachlose nicht auf der Straße schlafen und frieren müssen. Von Ende Oktober bis Ende April steht das in mehreren Notquartieren, gemeinsam mit dem FSW, als Schlafplätze zur Verfügung. Was es auch weiterhin gibt, sind die sogenannten Wärmestuben. Jetzt ist bekannt geworden, dass auch beim Winterpaket der Sparstift angesetzt wird. Das heißt, bei den Menschen, die sowieso auf der Straße leben, wird jetzt auch gespart - und zwar spart die Stadt Wien das warme Mittagessen in den Notquartieren für Obdachlose ein. Es bleiben die Wärmestuben erhalten, aber für viele Menschen ist das Pendeln zwischen Wärmestuben und Notquartieren auch nicht zumutbar, vor allem in der kalten Jahreszeit, wenn vielleicht nicht unbedingt ausreichende Kleidung oder unzureichende Möglichkeiten, auf die Straße zu gehen, gegeben sind. Das heißt, Sie sparen hier wirklich bei den armen Menschen ein. Und wenn man wirklich eine warme Mahlzeit in den Notquartieren einspart, anstatt an anderen Stellen einzusparen, dann würde ich das nicht als sozial bezeichnen. Wir haben daher den Antrag eingebracht, warme Mahlzeiten für Obdachlose in den Notquartieren auch weiterhin zur Verfügung zu stellen, damit diese warm, gesund und vor allem gesättigt über den Winter kommen. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Der Herr Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen somit zur Abstimmung über die Postnummer 7 und ich bitte jene Damen und Herren des Gemeinderates, die zustimmen, um ein Zeichen. - Das ist mit den Stimmen von ÖVP, NEOS, SPÖ und GRÜNEN mehrstimmig angenommen. Wir kommen zur Abstimmung über die Anträge. Antrag der ÖVP betreffend Tourismuszonen für Wien. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das sind die AntragstellerInnen alleine und bleibt somit in der Minderheit. Antrag der ÖVP betreffend Öffnung der Geschäfte am Feiertag beziehungsweise am Sonntag während des Song Contests. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das ist wieder die ÖVP alleine gegen die Stimmen von FPÖ, SPÖ, NEOS und GRÜNE. Antrag der ÖVP betreffend Effizienzsteigerungen und Einsparungen im Verwaltungshaushalt. Wer dem Antrag zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das ist mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ gegen die Stimmen von NEOS, SPÖ und GRÜNE. Antrag der FPÖ betreffend kostenloses Mittagessen in Notquartieren für Obdachlose. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen. - Das ist mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ gegen die Stimmen von NEOS, SPÖ und GRÜNE. Die Tagesordnung ist somit erschöpft, und wir kommen nun zum Verlangen, eingebracht von den GemeinderätInnen Zierfuß, Taborsky, Juraczka, Gorlitzer, Olischar und Korosec an den Herrn Bürgermeister, an die Frau amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales, an die Frau amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke sowie an den Herrn amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Sport. Es geht um einen Dringlichen Antrag betreffend "Transparenz und Kostenkontrolle bei Großprojekten der Stadt Wien". Auf die Verlesung ist verzichtet worden, das heißt, wir kommen zur mündlichen Begründung. Ich darf für die nun folgende Begründung des Verlangens auf dringliche Behandlung dieses Antrages Herrn GR Zierfuß zum Rednerpult bitten. - Sie haben eine Redezeit von 20 Minuten. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadträtin, werte Kolleginnen und Kollegen! Wir haben heute in der Früh schon im Rahmen der Aktuellen Stunde sehr viel über die Folgen der Misswirtschaft von SPÖ und NEOS diskutiert. Rekordschulden, die jedes Jahr neu aufgestellt werden, aber gleichzeitig auch Rekordabgaben, die von den Menschen eingehoben werden. Alleine 2020 bis 2026 hat sich der Schuldenstand der Stadt Wien trotzdem von 10 Milliarden EUR auf 20 Milliarden EUR und dann nächstes Jahr verdoppelt und jetzt sind die Wienerinnen und Wiener gleich doppelt die Leidtragenden dieser Politik. Auf der einen Seite mit mehr Schulden, die für die Zukunft ein Schuldenrucksack sind, und auf der anderen Seite mit mehr Abgaben, um jetzt auch schon die Zinsenlast, die immer größer wird, zu tragen. Die Öffis werden teurer, das Parken wird teurer, die Hotels werden teurer, Fernwärme wird teurer und mit dem neuen Wohnbauförderungsbeitrag führen Sie über die Hintertür eine neue Leistungssteuer auf das Arbeiten und auf das Arbeitsplätzeschaffen ein. Mit dieser Misswirtschaft auf Kosten der arbeitenden Menschen in dieser Stadt muss endlich Schluss sein, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Mit unserem Dringlichen Antrag wollen wir uns die Kostentreiber in der Stadt ansehen, einen riesigen Kostentreiber, nämlich das Baumanagement. Schauen wir uns an, was die Kostentreiber der letzten Jahre gewesen sind: die Mindestsicherung, die von 700 Millionen EUR auf 1,2 Milliarden EUR in den letzten fünf Jahren angestiegen ist, wo ihr eigener Finanzdirektor der Stadt schon sagt, dass sich das die Stadt so nicht mehr leisten kann. Es sind Förderungen für absurde Projekte wie auch zuletzt eine Anti-Muttertags-Lesung, finanziert von der Stadt. Wir könnten noch viele andere Projekte anführen, wo man sagen muss, da ist sicher das Geld nicht richtig eingesetzt, bis hin zu Großprojekten, wo Milliarden in der Stadt versickern. Egal welches Projekt SPÖ und NEOS anrühren, zwei Dinge sind immer gleich: Es wird viel teurer als geplant, und es kommt viel später als ursprünglich geplant. Dieser rot- pinke Faden zieht sich durch alle Großprojekte in der Stadt. Teurer und zu spät, das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist die Realität in Wien. (Beifall bei der ÖVP.) Sehen wir uns ein paar Projekte an, meine Kolleginnen und Kollegen werden nachher noch im Detail darauf eingehen. Wien Holding Arena: 2019 angekündigt für eine Eröffnung 2024, die erste Kostenschätzung waren 250 Millionen EUR, zwischendurch hat der Stadtrechnungshof schon 742 Millionen EUR geschätzt. Sie selber gehen von 500 Millionen EUR aus. Fertig ist sie noch lange nicht. Gestern hätten wir noch gedacht, 2025 ist Baubeginn, heute in der "Kronen Zeitung" lesen wir, 2027 soll der Spatenstich sein - viel später und vor allem viel teurer als geplant. Hannes Taborsky wird später noch darauf eingehen. So kann es nicht gehen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Im Verkehrsbereich das Gleiche. Kollegin Olischar, unsere Verkehrssprecherin, wird noch darauf eingehen. Fernbus-Terminal: für 2025 angekündigt, um 200 Millionen EUR, jetzt heißt es Baubeginn 2025 - mal sehen, wann es wirklich ist -, und 2029 soll er fertig sein. Über die Kosten gibt es keine Auskünfte. U2/U5-Ausbau: heute schon mehrfach gefallen, Kostenüberschreitungen wahrscheinlich in Milliardenhöhe, statt Inbetriebnahme 2023 soll es 2030 eine neue U-Bahn-Station geben. Viel später, viel teurer als geplant. Auch hier wieder das Gleiche, was SPÖ und NEOS hier liefern. Modernisierung der Wiener Kliniken: Wir haben Krankenhaus Nord schon oft gehört, das ist, glaube ich, das Paradebeispiel für Großprojekte im Spitalsbereich. Energieringe werden bezahlt, da wird so geplant, dass Rettungsautos nicht einmal hineinfahren können, Inbetriebnahme statt 2015 dann 2018 Fertigstellung, Kosten natürlich überschritten. Und wenn man sich die neuesten Ankündigungen zur Sanierung der Wiener Spitäler anschaut - unsere Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec wird darauf eingehen -, ist vollkommen klar: Es ist wieder teurer und später als geplant der Fall sein. Alle diese Projekte haben das gemeinsam: teurer und später als geplant. Und wir reden hier von Milliardenbeträgen, die es die Menschen in Wien mehr kostet. So kann es nicht gehen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Ja, die Wahrheit ist, wir wissen eigentlich nicht einmal, um wie viel später diese Projekte kommen. Wir wissen auch nicht, um wie viel teurer es wird. Und ich sage Ihnen ganz offen, bei der derzeitigen Lage in all diesen Bereichen - und vor allem bei der budgetären Lage - können wir uns nicht länger einen Blindflug leisten. Wir brauchen Klarheit in dieser Stadt. Und deswegen gibt es unseren Dringlichen Antrag, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Wir fordern also die zuständigen Stadträte mit unserem Dringlichen Antrag auf, offenzulegen, wie es um die Verzögerungen steht. Wir wollen auch wissen, wie es sich auf das Budget auswirkt. Wir wollen von der Finanzstadträtin wissen, wie generell die budgetäre Lage auf Grund dieser Großprojekte, die nicht gut abgewickelt worden sind, ausschaut. Und wir wollen, dass der Stadtrechnungshof entsprechend prüft. Es hat also das hier vor allem einen Zweck: Wir wollen Klarheit statt Blindflug und Effizienz statt Misswirtschaft, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Danke für die Begründung. - Ich eröffne die Debatte, wobei ich bemerke, dass die Dauer der Diskussion maximal 180 Minuten beträgt. Zur Besprechung des Dringlichen Antrages hat sich die Frau Abg. Olischar zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr und möchte noch einmal darauf aufmerksam machen, dass die Redezeit mit 20 Minuten begrenzt ist. GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc (ÖVP): Vielen Dank, Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Stadträtinnen, Werte Kolleginnen und Kollegen! Es gibt einen Filmklassiker - und zwar "Und täglich grüßt das Murmeltier". In dem Film erlebt der Hauptdarsteller in einer Zeitschleife ständig ein- und denselben Tag, und dabei durchlebt er ein Wechselbad der Gefühle, geprägt durch Verwirrung und Frustration. Und ich muss Ihnen sagen, ähnlich geht es mir, wenn es um die Großbauprojekte in der Stadt Wien geht. Besser kann man die Situation gar nicht beschreiben, es ist einfach jedes Mal dasselbe: große Pläne, dann Verschiebungen und damit verbunden Kostenüberschreitungen. Und dieses Programm rennt in Wien dank der SPÖ in einer Dauerschleife. Und die Stadt ist nicht in der Lage, diese Schleife zu durchbrechen. Und im Gegensatz zum Hauptdarsteller im Film, der immer versucht, aus dieser Schleife auszubrechen, drückt die Stadt Wien jedes Mal, wenn der Wecker läutet, auf Snooze. Es ist wirklich, wirklich frustrierend zu sehen, dass auch immer dieselben Fehler gemacht werden. Ein treffendes Zitat beschreibt aus meiner Sicht die Lage ganz gut: Einen Fehler zu machen, ist menschlich, denselben Fehler zweimal zu machen, ist nachlässig, und - die Erweiterung - beim dritten Mal spricht man dann von Absicht. Jetzt möchte ich nicht unbedingt immer Absicht unterstellen, aber ich frage Sie schon: Wie soll man diese Dauerschleife an Pannen bei Großprojekten anders interpretieren, sehr geehrte Damen und Herren? (Beifall bei der ÖVP.) Natürlich ist klar, dass Großprojekte Herausforderungen mit sich bringen. Es ist auch klar, dass sie komplexer sind. Aber was unklar ist, ist, warum dennoch immer dieselben Fehler passieren. Und diese Fehler sind in mehrfacher Hinsicht ärgerlich. Zunächst einmal die zeitlichen Verschiebungen: Es gibt in Wahrheit nur einzelne Ausnahmen in Wien, bei denen geplante und tatsächliche Umsetzung beziehungsweise Inbetriebnahme zusammenpassen. Bei den meisten Großprojekten gibt es Verzögerungen, entweder noch vor dem eigentlichen Spatenstich oder während schon gebaut wird. Zwei Projekte aus dem Verkehrsbereich sind hier exemplarisch - Klubobmann Zierfuß hat sie schon angesprochen: der Fernbus-Terminal einerseits und die U2/U5-Verlängerung andererseits, bei der wir erst letzte Woche wieder von Verzögerungen hören mussten. Zur Chronologie des Fernbus-Terminals. Er sollte ja zum SPÖ-Prestigeprojekt werden. Gefühlt ist er jetzt nur mehr lästig. 2019 wurde der neue Standort verkündet, 2021 hieß es, 2025 soll die Inbetriebnahme erfolgen. Und der Zeitplan - ich meine, wir haben November 2025 - hat offensichtlich nicht gehalten, begleitet von Streitereien mit dem Investor mit dem Ergebnis, dass die Stadt meint, sie setzt das Projekt jetzt selber um. Wir haben bei anderen Projekten schon gesehen, wie super das funktioniert. Und was jetzt 2025 noch passiert, das bleibt ehrlich gesagt eine Weihnachtsüberraschung. Aber apropos Überraschung - beziehungsweise ist es eigentlich keine Überraschung: Letzte Woche gab es wieder ein Update zu U2/U5. Es ist frühestens 2030 mit der neuen U-Bahn zu rechnen, rechtzeitig zur Wahl. Welch Überraschung! Damit haben wir bei diesem Projekt bisher die dritte Verzögerung, die uns mitgeteilt wurde. Und die Station Frankhplatz, an der derzeit gebaut wird, wird zwar fertiggestellt, wird aber vier Jahre auf die Inbetriebnahme warten. Die U5 wird damit zur Geisterbahn. Ja, mit den Verzögerungen sind natürlich steigende Kosten verbunden. Verschärfend ist dabei natürlich auch die angespannte Budgetsituation. Und anstatt dass man sich hinsetzt, sich frühzeitig überlegt, durch welche systemischen Reformen und Entscheidungen das Budget gesund gestaltet werden kann, werden Verantwortlichkeiten abgeschoben und Ausreden gesucht. Dabei warnen wir mittlerweile seit Jahrzehnten vor den wachsenden Schulden, dem Schuldenberg, den die Stadt hier ohne Not weiter und weiter anhäuft (Beifall bei der ÖVP), denn das Problem, sehr geehrte Damen und Herren der rot-pinken Stadtregierung, gibt es nicht erst seit gestern, seit Corona oder seit der hohen Inflation, sondern das ist einfach System SPÖ, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Immer wieder werden wir vertröstet. Warnungen haben Sie stets ignoriert, sogar belächelt. Wien-Bashing wird uns vorgeworfen, aber die Wahrheit ist doch, sehr geehrte Damen und Herren: Ihre Schuldenpolitik ist wahres Wien- Bashing, denn Ihre jahrelange Schuldenpolitik, die Haltung, immer mehr auszugeben als man zur Verfügung hat, ist Zukunftsraub und schränkt sämtliche Gestaltungsmöglichkeiten ein, für heute und für die nächsten Generationen. (Beifall bei der ÖVP.) Natürlich haben Verzögerungen bei Großbauprojekten nicht nur finanzielle Auswirkungen, sondern sie setzen auch Impulse nach außen, vor allem auch an die Wirtschaft. Und ich glaube, ich brauche jetzt niemanden zu erklären, dass der Bau von Großprojekten grundsätzlich Arbeitsplätze schafft, dass die Infrastruktur wichtig für den Standort ist, aber auch Planungssicherheit braucht. Und die schafft man nicht, indem man kurzfristig immer von Verzögerungen und von Verschiebungen berichtet. Wir haben heute am Vormittag schon das Thema adressiert, und dann kam: Na ja, aber ihr bringt ja nie Vorschläge, ihr seid ja immer nur am Kritisieren! - Ich kann Ihnen nur empfehlen, unseren Antrag, den wir heute einbringen, genau zu lesen, weil genau da entsprechende Vorschläge drinnen stehen. Erstens: Ausgabenseitig sparen, nicht mehr ausgeben als man hat! Das wäre einmal überhaupt das Gebot der Stunde. Zweitens: Eine laufende Übersicht über den Status Quo der Bauprojekte. Drittens: Ein Frühwarnsystem bei Kostensteigerungen inklusive Auswirkungen auf das Budget. Und viertens - und das ist ja in Wahrheit der große Kostentreiber bei diesen Projekten: das Planungsmanagement. Das muss aus unserer Sicht definitiv professioneller aufgezogen werden, denn es werden nur zusätzlich Mehrkosten produziert, wenn hier nicht von vornherein professionell geplant wird. Ich kann Ihnen nur empfehlen: Stimmen Sie diesem Antrag zu, und leisten Sie somit einen Beitrag, dass vor allem in die Großbauprojekte endlich Bewegung, aber auch Planungssicherheit hineinkommt! (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Pipal-Leixner. GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA (NEOS): Vielen Dank, Frau Vorsitzende! Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer - falls uns noch jemand lauscht! Ich möchte jetzt konkret auf den U-Bahn-Bau eingehen, der unter anderem in Ihrem Dringlichen Antrag angesprochen wurde. Ja, es gefällt mir auch nicht, dass der U-Bahn-Bau an der Budgetsanierung mitwirken soll, einerseits bei den Betriebskosten durch ein Streichen des Parallelbetriebs von U2 und U5 und andererseits bei den Baukosten, indem nicht an so vielen Stellen gleichzeitig gebaut wird. Dass es keinen Parallelbetrieb von U2 und U5 zwischen Rathaus und Karlsplatz geben wird, ist verschmerzbar, weil dieser Bereich ohnehin schon allein durch die U2 hervorragend erschlossen ist. Was aber wirklich unglücklich ist, ist der verspätete Baustart der Baustufe 2 der U5 nach Hernals und der U2 auf den Wienerberg. Ich hoffe sehr, dass wir dank der nun fortgesetzten Vorarbeiten den geplanten Fertigstellungshorizont rund um 2035 nicht weiter verlieren. Ich finde es bemerkenswert, dass gerade die ÖVP hier große Empörung zeigt und die Erstreckung beim U- Bahnbau kritisiert, bei jenem U-Bahn-Bau, den es mit Ihnen als erklärter Autofahrerpartei wahrscheinlich nie gegeben hätte, mit einer Partei, die seit 40 Jahren durchgehend in der Bundesregierung sitzt und damit maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass die wirtschaftliche Situation in Österreich so ist, wie sie ist. Wenn die Inflation nicht seit Jahren höher wäre als im Rest der Eurozone, dann würden heute auch Personal- und Baukosten nicht derart explodieren. Nun präsentiert uns ausgerechnet die ÖVP diesen Dringlichen Antrag unter anderem zum Thema U-Bahn- Ausbau, eine Partei, der es gar nicht schnell genug damit gehen kann, etliche Milliarden Euro in eine wenige Kilometer lange Autobahn mit einem baulich hochriskanten Tunnel zu investieren, die in Wien seit Jahrzehnten alles daran setzt, klimafreundliche Mobilität möglichst schwer zu machen, die gegen die Parkpickerlausweitung war, die sichere Radwege ablehnt und deren Mobilitätsverständnis in vielen Bereichen noch tief im letzten Jahrhundert steckt. Aber wenn es um Milliarden für eine Autobahn geht, gibt es kein Problem. Ich sage, öffentlicher Verkehr muss Vorrang vor Schnellstraßen- und Autobahnausbau haben. Ich halte es für ein sehr unglückliches Bild, dass auf Bundesebene das ASFINAG-Autobahn-Ausbauprogramm hinsichtlich der S1 gleich weitergeführt wird, während es bei der U-Bahn womöglich zu Verzögerungen kommt. (GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc: Das zahlen aber schon die Autofahrer!) Der Klimaschutz muss weiterhin Priorität haben, trotz Budgetdrucks. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass alle Bereiche zur Budgetsanierung beitragen müssen, aber ich sage ebenso klar: Unser Engagement für Klimaschutz und nachhaltige Mobilität bleibt. Selbst wenn in der politischen und medialen Wahrnehmung immer wieder aktuelle Krisen und Kriege die Situation überlagern, ist doch die Klimakrise immer noch eine der größten Herausforderung unserer Zeit, der wir uns weiterhin mit Hochdruck annehmen. - Danke schön. (Beifall bei den NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Sequenz. - Sie haben das Wort. GRin Mag. Heidemarie Sequenz (GRÜNE): Liebe Kollegen und Kolleginnen! Ich möchte Sie jetzt auf eine kleine gedankliche Reise mitnehmen: Wir haben das Jahr 2014. Sie beschließen, Sie bauen ein Haus, ein großes Haus, und wohlmeinende Freunde meinen: Na ja, wollen wir es wirklich so groß? Vielleicht würde es etwas Kleineres auch tun! - Nein, Sie wollen das unbedingt. Sechs Jahre später kostet das Ding bereits das Doppelte, fertig ist es immer noch nicht. Zwölf Jahre später: Schön langsam zeichnet sich ein Ende ab. Sie feiern sich, und dann passiert etwas, das eigentlich noch nie da war: Sie sagen, wir bauen das Haus jetzt fertig, nächstes Jahr ist es fertig, aber wir ziehen nicht ein. Wir ziehen nicht ein, weil wir uns die Stromkosten, die Heizkosten ersparen wollen. Was würden Sie so einer Person sagen? - Wahrscheinlich würden Sie sie fragen, ob sie nicht alle Tassen im Schrank hat. Aber genau das passiert jetzt bei der U5. Die ist nächstes Jahr fertig, aber sie fährt bis 2030 nicht, einfach so. Und was ist die Erklärung? - Man will sich die Betriebskosten ersparen, 15 Millionen EUR im Jahr. Schauen wir uns einmal an was kostet 15 Millionen EUR im Jahr? - Ich glaube, das hat heute schon jemand erwähnt: das Haus- und Hofblatt der SPÖ "Mein Wien". Wir kennen diese Berichterstattung. Ich hätte da einen netten Vorschlag: Wir plakatieren einfach irgendwas auf die U5, dieselben Gesichter, die in "Mein Wien" vorkommen. Dann hätten die Wiener zumindest die U5, für die sie ja auch zahlen. Es sind ja Steuergelder, mit denen das finanziert wird. Also Leute, diese Geschichte ist einfach wirklich nur grotesk. Und was sagt die Stadträtin bei der Pressekonferenz - oder war es die Dame von den Wiener Linien? Ich weiß es jetzt nicht genau. Ja, es macht wirklich keinen Sinn, zwei Linien parallel fahren zu lassen! Also ich habe mir die Fotos von der Pressekonferenz angeschaut und habe den Eindruck gehabt, dass die Journalisten tellergroße Augen bekommen haben, ja, weil das schon einmal ganz anders geklungen hat, nämlich, als das Ganze geplant wurde. Da hat es geheißen: Wow! Wir brauchen das Linienkreuz U2/U5, weil es die U6 entlasten wird! Und die fährt ja bekannterweise auch parallel, ja. (Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Ja, eh, wenn es fertig ist, aber nicht vier Jahre vorher! Oh, mein Gott!) Aber es ist ja nicht nur ein desaströses Bild bei den Terminen, sondern auch bei den Kosten. 2023 hätte sie am Frankhplatz ankommen sollen. Wir haben jetzt gehört, fertig wird sie nächstes Jahr, aber halt nur fertig. Fahren wird sie nicht. Sie brauchen eh nur beim Fenster hinauszuschauen. Was Sie dort sehen, ist eine riesige Baustelle. Sieben Jahre Verzögerung. Passt! Das verzögert natürlich auch die Bauphase des nächsten Abschnittes. Aber damit möchte ich Sie jetzt nicht langweilen, weil das eine reine Zeitverschwendung wäre, weil alles, was wir darüber reden, einfach absolute Fiktion ist, weil auch diese Zahlen nicht halten werden. Und, Leute, das ist kein Pech, und es ist kein Schicksal, sondern es ist ein strukturelles Problem, das in der Wiener Stadtpolitik zur Gewohnheit geworden ist. Das ist etwas, das wir wirklich seit Jahrzehnten kennen. (GR Anton Mahdalik: Ja, seit 2010!) Ein paar Worte noch zur Kostenexplosion. Anfangs hat es geheißen, das Ding kostet 950 Millionen. 2020, als die Verhandlungen mit dem Bund stattgefunden haben, waren wir bei 2 Milliarden. 2024 haben die Wiener Linien gesagt: noch einmal 300 Millionen! Und im letzten Monat hat die Stadträtin gemeint: Na ja, es fehlen 265 Millionen! Also tröpferlweise wird es immer mehr. (Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Das stimmt einfach nicht, was Sie sagen! Das ist die Inflation! Das ist so ein Blödsinn!) Und ich frage Sie jetzt wirklich: Wie kann man mitten im Tunnel feststellen, dass das Geld ausgeht? Das verstehe ich nicht. Das ist quasi Versagen im Voraus, könnte man sagen. Und wer so plant, der plant nicht schlecht, sondern der plant verantwortungslos. Aber das ist ja noch nicht alles. Es gibt noch zwei andere Projekte hier, die total aus dem Ruder gelaufen sind: den Fernbus-Terminal und die Eventhalle. Zum Fernbus-Terminal: Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal mit dem Fernbus in Erdberg angekommen sind. Ich würde Ihnen dieses Erlebnis wirklich empfehlen. Ich habe letztens Besuch aus Bosnien gehabt. Ich habe sie im Voraus gewarnt: Das ist nicht Wien, liebe Leute, das ist wirklich nicht Wien! (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: O ja, das ist Wien!) Fürchtet euch nicht, fürchtet euch nicht! Das ist wirklich nur der Busterminal in Erdberg, ja! Ich weiß nicht, ob Sie den Terminal - ich weiß nicht, ob man so dazu sagen kann - am Hauptbahnhof kennen. Das ist eine Hütte, ja, wirklich. Da steht oben "Internationaler Busbahnhof". Das ist schon fast wieder lustig. Also ich weiß nicht, ob Sie Bukarest in der 1980er-Jahren gekannt haben. Das hat damals mehr Charme gehabt, wirklich. Gut, deswegen hat es dann 2019 geheißen, wir bauen einen neuen Busbahnhof im 2. Bezirk beim Stadioncenter. Der hätte heuer fertig sein sollen, dort sollten jetzt mittlerweile die Busse aus- und einfahren. Gut, nach irgendwelchen Querelen mit dem Investor ist auch diese Sache den Bach hinuntergegangen. Die Stadt Wien zahlt das jetzt allein, 100 Millionen, auch das unerwartet, weil das Projekt jetzt ohne privaten Investor finanziert wird. Und was wir überhaupt nicht wissen, ist, was eigentlich an Zahlungen an den abgesprungenen - ich weiß ja gar nicht, wie man formulieren soll, was da wirklich passiert ist - Investor zu zahlen ist, weil das geheim ist. Im März hat es geheißen, die zwei Parteien haben sich geeinigt, ein gerichtlicher Vergleich wurde erzielt. Aber mehr wissen wir nicht darüber, wie viel Geld das kosten wird. Und nun zur nächsten Baustelle, zur Eventhalle. Die hätte heuer fertig werden sollen. Aber da, muss ich sagen, ist vielleicht gar nicht so sehr die Verzögerung das große Ärgernis, sondern einfach, wie mit den explodierenden Kosten, also mit dem Steuergeld, umgegangen wird. Vielleicht erinnern sich manche: Zuerst hat es geheißen, Wien stellt Grund und Boden zur Verfügung, das Ganze kostet nichts. Dann war ein sehr günstiger Bieter da, und es hat geheißen 50 Millionen wird die Stadt beisteuern. Dann kam es zu einem Getögel zwischen den zwei Bietern. Der Zweitbieter kam zum Zug, ohne, dass das neu ausgeschrieben wurde, und plötzlich kostet es die Stadt Wien 260 Millionen, mitten in einer Zeit, in der das Budget total aus dem Ruder gelaufen ist. Jeder private Haushalt, der so wirtschaften würde ... Also ich würde das nicht so wollen. Und was gerade bei diesem Projekt wirklich ärgerlich ist: Wir machen die Öffis teuer. Wir haben gerade gehört, beim Einzelfahrschein für die SeniorInnen sind es 113 Prozent mehr. Und dann wird so das Geld beim Fenster hinausgehaut. Ich kann mich jetzt noch an eine Rede von Martin Margulies voriges Jahr hier erinnern, als, glaube ich, der Kollege Ornig gesagt hat: Wow! Diese neue Eventhalle wird eine Cashcow! Die Stadt Wien ist an den Erlösen beteiligt! Und der Martin Margulies hat uns - ich habe mir das angeschaut - das vorgerechnet. Das hat er wirklich gut gekannt. Er hat gesagt, die 2 Millionen machen nicht einmal die Zinsen aus! Also ich möchte so eine Cashcow nicht in meinem Stall stehen haben (Beifall bei den GRÜNEN.) Und last, but not least, was halt sonst dort noch so nebenbei passiert. Der 3. Bezirk wollte eine Bürgerversammlung haben. Die wurde in der Demokratiehauptstadt nicht zugelassen. Ein Verkehrskonzept? - Nicht vorhanden. 20 000 Leute sollen dort gleichzeitig ein- und ausfahren. Ich frage Sie: Mit welchem Mobilitätsplan? Mit dem der guten Hoffnung? Was gleichzeitig jetzt passiert: Dieses Areal wurde zwischengenutzt, kann man sagen. Da sind interessante Dinge passiert. Die Leute werden jetzt abgesiedelt, der Großkonzern kommt dorthin. Diese Firma heißt TSM Event, die haben jetzt den Zuschlag bekommen. Der ehemalige Stadtrat hat uns noch gesagt: Wow! Das wird wirklich die Wiener Wirtschaft stärken! Schauen wir uns das einmal an. Das Merchandising wird weltweit gemacht, und die Gastronomie ist drinnen - und zwar zu Mondpreisen. Das heißt, die umliegenden Betriebe werden davon nicht wahnsinnig viel profitieren. Das heißt: Was bleibt am Ende über? - Intransparenz, Kostenexplosion und ein fehlendes Konzept. Das ist ziemlich vernichtend, würde ich sagen. So verspielt man Vertrauen, liebe Leute. - Und das war's. Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Resch. - Sie sind am Wort. GR Klemens Resch (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren! Ja, wenn wir heute über Kostenexplosionen und Transparenz bei Großprojekten in Wien reden, dann muss man natürlich über das Chaosprojekt U2/U5 sprechen, weil dieses Projekt sich tatsächlich zum größten Bauskandal der Zweiten Republik entwickelt. Und dennoch wird jeden Tag den Wienerinnen und Wienern sehr viel Sand in die Augen gestreut, wenn es um dieses Projekt geht. (Beifall bei der FPÖ.) Deswegen lohnt sich ein ganz, ganz kurzer historischer Rückblick. Das Projekt U5 - und zwar die U5 bis Hernals - wurde ursprünglich erstmals 1967 den Wienerinnen und Wienern versprochen. 2014 wurde das Projekt dann unter der damaligen Stadträtin Brauner präsentiert. Also vermutlich stand das Projekt von Anfang an unter keinem guten Stern. Damals hieß es noch, dass das Projekt 2023 bis zur Station Frankhplatz fertiggestellt sein wird, und die Ausbaustufe Hernals, hieß es damals, werde 2025 fertig sein. Das war der Stand 2014. 2017 wurde die U5 bis Frankhplatz von 2023 auf 2024 verschoben. Damals, 2017, hat man noch groß getitelt (einen Zeitungsausschnitt in die Höhe haltend), die U5 werde von 2023 auf 2024 verschoben. Da dachte man noch, dass das das Problem sein wird. 2024 wurde auf 2026 verschoben, und jetzt wird von 2026 auf 2030 verschoben. Und das betrifft wie gesagt nur den Ausbau bis zur Station Frankhplatz. Über die Ausbaustufe Hernals spricht man eher ungern, das lässt man gerne unter den Tisch fallen. Da ist man sich gar nicht mehr so sicher, wann das kommt und ob es jemals kommt. Meine Vermutung ist, die Ausbaustufe Hernals wird niemals kommen, zumindest nicht in den nächsten 15 Jahren, weil Wien auf Grund Ihrer Misswirtschaft schlicht pleite ist. (Beifall bei der FPÖ.) Und dann kommen Sie daher und sagen ernsthaft, nachdem ich Ihnen gerade diesen historischen Abriss mit dieser Vielzahl an Verschiebungen gegeben habe, und behaupten, das Hochwasser im September 2024 sei schuld an den zeitlichen Verzögerungen. Das Hochwasser war nach dem geplanten Fertigstellungstermin. Also hören Sie doch auf, den Wienerinnen und Wienern dauernd Märchen zu erzählen! (Beifall bei der FPÖ.) Aber dass Sie bei dem Projekt U2/U5 möglichst keine Transparenz wollen, dass Sie da vollkommen intransparent agieren, zeigt auch unsere Anfrage, besser gesagt, die Beantwortung unserer Anfrage an den Herrn Bürgermeister zu diesem Projekt. Wir haben da eine Vielzahl an Fragen gestellt, die Licht ins Dunkel, Licht in die rote Misswirtschaft bringen sollen hätten. Und jetzt kam die Antwort vom Herrn Bürgermeister. Seitenmäßig, würde ich einmal sagen, ist das mit eineinhalb Seiten eh schon das Maximum - da ist man noch Schlimmeres gewöhnt -, aber der Inhalt hat es leider nicht in sich, sondern ist vollkommen inhaltsleer. Der Bürgermeister gibt uns die Auskunft - natürlich auf eineinhalb Seiten -, dass er unsere Fragen nicht beantworten wird. Er beruft sich auf die Rechtsexperten des Hauses und meint, dass unsere Fragen nicht vom Interpellationsrecht erfasst seien. Und da möchte ich Ihnen nur einen ganz kleinen Auszug unserer Fragen geben, die angeblich nicht vom Interpellationsrecht erfasst sind. Das ist zum Beispiel die Frage Nummer 2: Wie hoch sind die aktuellen Gesamtkosten des Projekts? Frage 8: Welche finanziellen Auswirkungen haben die Bauverzögerungen auf das Stadtbudget? Frage 34: Bis wann ist die Finanzierung des Projekt U2/U5 aktuell gesichert, und ab welchem Zeitpunkt droht eine Finanzierungslücke? Bleibt es beim Zeitplan für die U5 bis Hernals in der Baustufe 2? Falls nicht, bitte eine neue Planung offenlegen! Frage 42: Ist die U2-Verlängerung bis Wienerberg weiterhin bis 2033 vorgesehen? Welche Vorarbeiten laufen? - All diese Fragen sind laut Ihnen nicht vom Interpellationsrecht erfasst. Doch der wahre Kern Ihrer Anfragebeantwortung ist, dass Sie verschleiern und vertuschen, weil Sie wissen, dass Sie hier ein riesiges Chaos aufgeführt haben. (Beifall bei der FPÖ.) Und diese Intransparenz sieht man ja auch bei der Kostenfrage. Es wurde zuerst schon kurz ausgeführt: Die Kosten waren ursprünglich mit 2 Milliarden EUR budgetiert - eh schon mit einer hohe Summe -, dann stieg das Ganze an auf 6,4 Milliarden EUR, Stand jetzt. Laut Experten wird es am Ende um die 10 Milliarden EUR kosten - also eine Verfünffachung der ursprünglichen Kosten. Und dann wird Frau StRin Sima in den Medien gefragt: Na, was wird das Gesamtprojekt jetzt wirklich kosten?, und die Antwort von der Frau Stadträtin war: Na, habe ich eine Glaskugel? - Also so agiert diese Stadt, das ist die rote Misswirtschaft. Sie planen nicht, sondern Sie setzen auf eine Glaskugel, wenn Sie wissen möchten, wie viel ein Projekt am Ende kosten wird. So wirtschaftet man nicht mit dem Steuergeld der Wienerinnen und Wienern, das ist das Gegenteil einer verantwortungsvollen Politik. Stellen Sie die Interessen der Wienerinnen wieder in den Mittelpunkt, und wirtschaften Sie in Zukunft vernünftiger! - Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich GR Deutsch. - Sie sind am Wort. GR Christian Deutsch (SPÖ): Frau Vorsitzende, Frau Stadträtin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn ich die Begründung dieses Dringlichen Antrages gehört und dann den ersten Satz der Begründung auch gelesen habe, in dem so generalisierend festgestellt wird, die Stadt Wien habe in den letzten Jahren wiederholt gezeigt, dass sie nicht in der Lage ist, Großprojekte im geplanten Zeit- und Kostenrahmen abzuwickeln, dann fehlt mir hier schon die ernsthafte Auseinandersetzung und eigentlich auch die ernsthafte Debatte über das Management von Großprojekten. Wenn man der Opposition zuhört, dann hat man den Eindruck, in dieser Stadt wird kein Projekt gebaut. Es wird nur skandalisiert, und, meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist nicht seriös. Es ist ein politisches Theater, wenn die Stadt schlechtgeredet wird. Die Realität ist eine andere. Wien baut, Wien investiert, setzt Projekte auch erfolgreich um. Manchmal braucht man - ja, das möchte ich zugestehen - auch etwas länger, dann aber oft aus gutem und nachvollziehbarem Grund. Und nicht jede Plananpassung auf Grund veränderter Rahmenbedingungen ist automatisch ein Skandal. Also sollten wir nicht lieber eine Frage stellen, die so lautet: Waren die Entscheidungen, die getroffen wurden, sachlich begründet, transparent und im Interesse der Bevölkerung? Und ich bringe Ihnen ein Beispiel: die Sportarena Wien, ein Projekt der Wien Holding, bei dem der Spatenstich im Sommer 2022 war. Bauende war 2024, Probebetrieb im Sommer 2025, für den Vollbetrieb wurde es im September 2025 eröffnet. Also der Zeitplan wurde eingehalten. Der Kostenrahmen von rund 133 Millionen EUR wurde eingehalten. Das ist eine Erfolgsgeschichte, die Sie nicht hier generalisierend schlechtzureden brauchen, sodass eine moderne, barrierefreie, multifunktionale Sportstätte vorhanden ist, hochmodern, mit Trainingsflächen, Wettkampfbetrieb und Raum für den Breiten- und den Spitzensport. Was die Modernisierung ... (Zwischenruf von GR Harald Zierfuß.) - Ich komme schon noch zu den anderen Beispielen. Das wäre einmal das ... (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) - Ha! Ja, dann müssen Sie aber davon reden, wovon ursprünglich ausgegangen wurde. Da hat man ursprünglich davon geredet, dass es ein kleines Ballsportzentrum wird. Aber wenn letztendlich dann natürlich ein Projekt erweitert wurde (Neuerlicher Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.), bei dem an Stelle des früheren Dusika-Stadions nicht eine Halle war, sondern drei - wenn Sie es sich angesehen haben, Herr Kollege, wissen Sie, dass es drei Hallen übereinander sind -, eine Sporthalle, wie es sie in ganz Mitteleuropa nicht gibt, na, dann sind das genau die 133 Millionen, die transparent auch im Sportstätten-Entwicklungsplan als Investition für die Arena genannt wurden. Betreffend die Modernisierung der WIGEV-Spitäler kann ich mich insofern kurz halten, da das ja ohnehin bereits bei der Behandlung der Dringlichen Anfrage auch eingehend diskutiert wurde. Aber auch hier basiert die Modernisierung auf einem einstimmigen Beschluss im Gemeinderat von 2022 und - ich betone das ausdrücklich - mit dem Hinweis damals, dass das entsprechend dem Wissensstand, dem Wissensstand nämlich zum Zeitpunkt der Beschlussfassung war und zukünftige Preisentwicklungen nicht vorhersehbar sind. Also hier grüßt kein Murmeltier, wie es die Kollegin Olischar formuliert hat, sondern bei jedem Projekt ist auf die jeweilige Preisbasis hingewiesen worden. Ich brauche hier nicht extra zu betonen, dass StR Peter Hacker auch öffentlich und transparent darauf hingewiesen hat, dass es in diesem Bauprogramm eben auch zu Verschiebungen kommen kann. Also nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Planung und Umsetzung eines milliardenschweren Bauprogramms, das sich bis zum Jahr 2040 zieht, eben durch Inflation, durch höhere Baukosten im Verlauf beeinflusst werden und dass es dadurch auch zu zeitlichen Verschiebungen kommen kann! Aber das Wesentliche für die Bevölkerung, für die Wienerinnen und Wiener ist doch wieder, dass es hier keine inhaltlichen Änderungen in den Projektzielen gibt. Die schon laufenden Bauprojekte sind unberührt, wie die Neubauprogramme in der Klinik Hietzing, in der Klinik Ottakring. In der Klinik Donaustadt etwa sind die Fertigstellung der zentralen Notaufnahme und der Baustart für die Sanierung der OPs für 2028 vorgesehen. Die Umsetzung des Projektes zum Neubau wird verzögert erfolgen. In der Klinik Landstraße läuft das Sanierungsprogramm - da brauchen Sie nicht Panikmache zu betreiben - wie vorgesehen weiter. Hier sind von den 17 Stationen bereits sieben vollständig abgeschlossen, drei werden derzeit saniert, und für sieben weitere erfolgt die Sanierung bis Ende 2026. Die Planungen für den Neubau werden verschoben, aber verschoben ist hier nicht aufgehoben. Und in der Klinik Favoriten ist der Neubau der Forensik zeitlich nach hinten verlegt, aber alle anderen Projekte am Standort laufen wie vorgesehen. Was den Bereich der U2/U5 betrifft, wird der Kollege Worotynski noch ausführlich Stellung nehmen. Für die Wien Holding Arena, für die es einen Beschluss im Gemeinderat vom 26. März 2025 gibt, also vom heurigen Jahr, ist, wie Sie richtigerweise gemeint haben, ein europaweites Vergabeverfahren zur Suche eines strategischen Partners zur Planung, Errichtung, für den Betrieb und die Finanzierung durchgeführt worden. Es ist aus dem Vergabeverfahren die Bauherrin CTS EVENTIM als strategischer Partner hervorgegangen, aber seit Beginn des Vergabeverfahrens wurde eine allfällige Inbetriebnahme auf einen späteren Zeitpunkt gelegt. Und wenn Sie die heutigen Medien verfolgt haben, dann werden Sie gelesen haben, dass hier die Vertragsverhandlungen noch nicht abgeschlossen sind und man sich für seriöse Vertragsverhandlungen auch im Interesse der Stadt die nötige Zeit nehmen muss. Betreffend den Fernbus-Terminal: Ja, das ist ein wichtiges Infrastrukturprojekt für die Stadt. Auch hier wurde ein europaweites Vergabeverfahren zur Investorensuche durchgeführt. Bestbieter war ein Konsortium, bei dem es allerdings dann Differenzen gab, die nicht vorhersehbar sind. Also ich weiß nicht, ob Sie hier hellseherisch tätig sind, aber Differenzen sind in der Regel nicht vorhersehbar - auch hier grüßt kein Murmeltier -, sodass es zu einer Vertragskündigung gekommen ist. Aber gleichzeitig wurde festgehalten, dass eine neuerliche Investorensuche keine vertretbare Option ist. Das heißt, die Umsetzung läuft jetzt seit dem Frühjahr 2025 bei der Wien Holding Fernbus- Terminal Projektentwicklung GmbH selbst. Die Fertigstellung ist bis Ende 2028 terminisiert. Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte aber noch etwas Grundsätzliches auch zu diesem Dringlichen Antrag sagen und darauf hinweisen, dass die Stadt Wien ihre Strukturen und Prozesse für Projekte im Sinne eines professionellen Managements bei Großprojekten ja spürbar nachgeschärft hat. Erstens: das Projektmanagement in eigenen Spezialgesellschaften mit Expertinnen und Experten, die große Infrastrukturprojekte planen, steuern und kontrollieren. Ich erwähne hier die Wiener Infrastruktur Projekt GmbH, die für die Stadt die Projektleitung und Steuerung als zentrale Schnittstelle zu Planung, Baufirmen-Aufsicht und Controlling durchführt, oder die Projektentwicklungs- und Baumanagement GmbH mit zentralen Vergabestellen für Bauleistungen. Da sind klare Verantwortlichkeiten festgelegt, da geht es um ein professionelles Projektmanagement und eine transparente Finanzierung. Zweitens: zentrale Vergabestellen und standardisierte Verfahren, um Doppelgleisigkeiten und Intransparenz zu vermeiden, sowie der Einsatz einer externen örtlichen Bauaufsicht und begleitende Kontrolle bei vielen Großbauprojekten. Drittens: auch die Nutzung von Digitalisierung, um den Baufortschritt, die Kosten und die Qualität laufend nachzuvollziehen. Und last, but not least: Die Kritik und die Empfehlungen von Rechnungshof und Stadtrechnungshof bei früheren Projekten hat auch dazu geführt, dass hier eine zentrale Steuerung der Vergaben, professionelles Controlling, strengere Dokumentation und präzisere Definition von Verantwortlichkeiten im Gesamtprozess verankert sind. Also, jemand, der behauptet, meine sehr geehrten Damen und Herren, man könne große Projekte ohne Planabweichung, nämlich Zeitplan und Budgetplan betreffend, fixieren, erzählt den Leuten ein Märchen, denn es ist gibt kein großes Bauprojekt ohne Risiko. Bestimmte Risiken lassen sich nicht vollständig ausschließen, das haben Sie in Ihren Beiträgen und auch im Dringlichen Antrag völlig außer Acht gelassen. Wenn es etwa um Bau- und Preisrisiken geht - also seit dem Jahr 2021 etwa sind Bau- und Materialkosten in Österreich stark gestiegen. Hier zeigen Fachanalysen sprunghafte Anstiege der Baukostenindizes durch explodierende Materialpreise. Also solche Entwicklungen können bei mehrjährigen Projekten selbst bei den bestkalkulierten Budgets unter Druck setzen. Niemand von uns hier steuert Weltmarktpreise, und niemand verhindert globale Krisen, die beispielsweise Lieferketten zerreißen. Es gibt Vergabe- und Rechtsrisiken - ich habe auf die EU-weiten Vergabeverfahren hingewiesen - und komplexe Bauaufträge, die natürlich das Risiko von Nachprüfungsverfahren, von Einsprüchen, von Gerichtsverfahren aufweisen, die Zeitpläne verschieben und Kosten erhöhen können. Es gibt technische und bauliche Unabwägbarkeiten und keine Murmeltiere, die grüßen. Es gibt eben oft unerwartete Bodenverhältnisse, Altlasten, zusätzliche Brandschutzauflagen und vieles mehr. Neue Normen können hier auch zu Verzögerungen und Mehrkosten führen, aber auch Nutzungsänderungen. Wenn es zu einer Nutzungsänderung auf Grund einer politischen Entscheidung kommt, die ja transparent getroffen wird, wie etwa hier im Gemeinderat, dann kann das im Laufe des Projektes auch die Anforderungen ändern, was damit Umfang, Zeit und Kosten verändern kann. Ja, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich komme damit zum Schluss. Jedes Großprojekt ist für sich einzigartig und trotz professionellen Projektmanagements, strenger Vergabe, digitalen Controllings bleiben hier wie erwähnt Risiken, wie sprunghafte Baukosten, unerwartete technische Probleme oder Rechtsstreitigkeiten, die nicht vorhersehbar sind. Wichtig ist, dass wir diese Risiken frühzeitig erkennen, transparent machen und hier auch aktiv steuern. Genau dafür haben wir in Wien in den letzten Jahren auch unsere Strukturen deutlich verbessert, wie ich im Einzelnen anführen konnte. Das ist zwar weniger spektakulär als der nächste künstliche Skandal, aber das ist seriöse Politik - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Korosec. - Sie sind am Wort. GRin Ingrid Korosec (ÖVP): Frau Vorsitzende, Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Deutsch, ein Dringlicher Antrag ist es, wenn es dringlich ist, ja. Wenn Sie von politischem Theater sprechen, dann muss ich Ihnen schon sagen: Für uns ist es dringlich, weil es um die Gesundheitsversorgung von immerhin zwei Millionen Menschen in dieser Stadt geht, ja, um die Gesundheitsversorgung. (Beifall bei der ÖVP.) Und da von politischem Theater zu reden, wenn man manches aufzeigt, finde ich sehr eigenartig. Und eigentlich müssten Sie dankbar sein, Herr Kollege Deutsch. Wir sind beide schon lange da, daher können wir auch ein bisschen in die Vergangenheit schauen. Wenn Sie jetzt sagen - was auch stimmt, bitte -, dass sich hier manches verändert und verbessert hat: Warum ist das so? - Wir haben eine Untersuchungskommission gehabt - und zwar wissen Sie genau, welche Untersuchungskommission das war -, und damals wurde das verlangt. Es ist dann auch gemacht worden, zwar sehr zögerlich - es hat lang gedauert, bis die Fachleute gekommen sind -, aber im Lauf der Jahre hat sich das entwickelt. Und das ist gut so, weil es heißt, manchmal sind Fehler auch dazu da, dass man sie bereinigt. Aber politisches Theater ist das wirklich keines. Also ich muss ehrlich sagen, ich hätte um die Zeit etwas ganz anderes zu tun, als hier zu stehen, aber es ist notwendig, weil es um viele Menschen geht - und gerade die Gesundheit ist das Wichtigste im Leben, für jeden Einzelnen von uns und für jeden anderen auch (Beifall bei der ÖVP) - und weil es natürlich auch um Vertrauen in die Fähigkeit der Stadtregierung geht, große Zukunftsprojekte verantwortungsvoll umzusetzen. Und da haben wir eben schon sehr negative Erfahrungen gemacht: Verzögerungen, Kostenexplosionen und so weiter. Und eines ist auch klar: Wenn man heute in ein Spital kommt, dann sollte dort ja, abgesehen davon, dass einem geholfen wird - wie soll ich das ausdrücken? - eine Atmosphäre sein, in der man sich nicht im eigentlichen Sinn wohlfühlt - wohl fühlt man sich zu Hause -, die aber doch annehmbar ist. Und wenn Sie sich erinnern, Herr Kollege Deutsch, eigentlich hätte all das, wovon wir jetzt ankündigen, dass es 2040 - mit einem großen Fragezeichen, würde ich sagen - hoffentlich erfolgreich abgeschlossen sein wird, 2030 fertig sein müssen, ja. Das heißt, wir haben zehn Jahre ... Und viele Menschen werden das gar nicht erleben, die gedacht haben, 2030 gibt es die neuen Häuser, so wie es ja eigentlich geplant war. Es ist anders gekommen. Jetzt müssen wir das Beste daraus machen. Daher soll man das aber nicht vergessen - und vor allem soll man nicht von politischem Theater reden. (Beifall bei der ÖVP.) Im Jahr 2011 hat die damalige Stadträtin tiefgreifende Spitalsreformen angekündigt, mit dem Ziel, eben 2030 aus zwölf Standorten sieben moderne Schwerpunktkliniken zu machen. Das ist immerhin fast 15 Jahre her. Dann wurde das Enddatum relativ still auf 2040 verschoben, aus 19 Jahren werden mindestens 30 Jahre. Eine Reform, die sich selbst überlebt, bevor sie umgesetzt ist. Und das ist kein Einzelfall, meine Damen und Herren. Wer sich gerade in Floridsdorf ... Ich muss das doch immer wieder erwähnen, weil es ja so ein Paradefall war. Grundsteinlegung war 2012, geplant waren damals 825 Millionen, Teilbetrieb ab 2015. Schon 2015 war klar, das wird nichts. Die Endabrechnung liegt bei 1,262 Milliarden, also das ist fast eine halbe Milliarde Euro mehr als geplant. Das ist keine Panne, sondern ein systematisches Versagen. (Beifall bei der ÖVP sowie von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Und im Juni 2022 hat uns StR Hacker ... Wir haben alle zuge-... Weil Sie erwähnt haben einstimmig: Bitte, warum soll man nicht zustimmen? Das ist ja etwas, das wir brauchen. Aber wenn man bei etwas zustimmt, dann stimmt man zu, dass dann alles dementsprechend gut funktioniert, ja, und dass man da informiert wird, dass eine Transparenz da ist, dass jeder ein Interesse daran hat, dass alle immer informiert werden, und dass man auch noch Weichenstellungen machen kann, wenn es nicht funktioniert. Aber dann ist einmal Ruhe, da wird nichts mehr geredet, da ist es still. Alles muss man sich in irgendeiner Form von irgendwoher holen und kriegt es nur teilweise. Da sehe ich den Fehler. Und ich verstehe es bis heute nicht. Anstatt froh zu sein, wenn es Leute gibt, die Interesse haben, die sich auch auskennen, sodass man sagt: Das ist ja der Gemeinderat, wir haben Interesse daran, die besten Voraussetzungen für die Menschen zu schaffen!, wird dann immer so eingeschachtelt: Das darf der hören, das darf er nicht hören. Ich find es eigentlich kindisch, muss ich ganz offen sagen, und verstehe es bis heute nicht - und jetzt bin ich schon so lang da. (Beifall bei der ÖVP.) Ja, und jetzt erfahren wir, dass es verändert werden muss. 450 Millionen EUR fehlen jetzt. Das wird verschoben und verschoben. Dabei kann ich das gerade in der Situation jetzt auch noch verstehen. Ja, wir sind in einer schwierigen Situation. Es ist zwar traurig, dass man das jetzt verschiebt, aber das ist noch irgendwo nachvollziehbar. Und wenn wir es uns im Detail anschauen, Sie haben es ja schon teilweise ausgeführt: Landstraße, die ehemalige Rudolfstiftung. Der Neubau wird auf nach 2030 verschoben, obwohl der Neubau schon starten sollen hätte. Jetzt sind wir nicht einmal mehr bei der Planung, soweit ich informiert bin, aber vielleicht bin ich nicht total informiert. Donaustadt: Der Bettenturmneubau wird vertagt, erfolgt ebenfalls erst im nächsten Jahrzehnt. Klinik Favoriten: Der Forensik-Neubau, ursprünglich für 2029 vorgesehen, wird auch zeitlich nach hinten verlegt. Und die finanziellen Dimensionen, ja, 6,27 Milliarden. An sich ist das richtig, das wissen wir, weil ja jeder von uns rechnen kann. Klarerweise haben wir eine höhere Inflation. Dadurch werden die Baustoffe und so weiter teurer, natürlich auch, je länger man wartet. Und daher sage ich: Wie viel Geld hätten wir uns erspart, hätten wir 2030 das alles erledigt, wäre es so gekommen wie geplant? - Jetzt haben wir es halt nicht, klarerweise sind die Kosten natürlich dementsprechend höher. Und daher ist das eine Untergrenze - gar keine Frage -, was heißt, es kostet auf jeden Fall mehr. Und ich gebe auch zu, dass das heute wirklich niemand wissen kann. Es wäre unseriös, wenn man heute sagen würde, in zehn Jahren sind wir ... Das ist unseriös. Aber eines muss man halt sagen - und das sollte allen klar sein: Hinter all diesen Zahlen stehen Menschen - Patientinnen, Patienten, die in veralteten Strukturen behandelt werden müssen, Ärztinnen und Ärzte, die in maroden Gebäuden arbeiten, Pflegekräfte, die unter schwierigsten Bedingungen Höchstleistungen erbringen. An die muss man auch denken. Und ich denke mir, 2022 stellt man fest, die Häuser sind zum Teil in einem sehr schlechten Zustand. Das hat man ja offen gesagt. Besonders wurden damals Ottakring und Hietzing genannt. Und was war die Antwort? - Die Sanierungen erfolgen bedarfsgerecht. Wissen Sie, allein das Wort bedarfsgerecht, das ist so ein Politikerdeutsch, das ich sehr schlecht vertrage. Wir reparieren nur das Nötigste, wenn es gar nicht mehr anders geht. So ist es nämlich tatsächlich, und das ist nicht hinnehmbar. (Beifall bei der ÖVP.) Unsere Spitäler, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sind keine zweite Wahl, sondern die Orte, wo Menschen in schwierigsten Situationen Hilfe suchen. Sie verdienen die beste Ausstattung, die modernste Technik, die optimalen Bedingungen. Und Wien, wie wir alle wissen, wie wir auch alle fühlen, ist eine großartige Stadt, und daher brauchen wir auch eine großartige Gesundheitsversorgung. Und dazu braucht es mehr als schöne Worte und vollmundige Ankündigungen. Es braucht solide Planung, realistische Kosteneinschätzungen und den Mut - ich verstehe es auch gar nicht, weil ich damit überhaupt kein Problem habe -, auch Fehler einzugestehen und zuzugeben und daraus zu lernen. Das wäre nämlich wichtig. Und die Geschichte vom Krankenhaus Nord sollte uns wirklich eine Lehre sein. Ich hoffe, sie ist es auch. Die gescheiterten Spitalskonzepte müssen der Vergangenheit angehören, die aktuellen Verzögerungen müssen auch ein Alarmsignal sein. Wir können nicht zulassen, dass wir wieder Jahre warten müssen, dass Milliarden versenkt werden und am Ende die Patienten die Leidtragenden sind. Und daher sage ich noch einmal: Die Wienerinnen und Wiener haben ein Recht auf eine erstklassige Spitals- und Gesundheitsversorgung. Sie haben ein Recht darauf, zu erfahren, was mit ihren Steuergeldern passiert. Und sie haben ein Recht auf Transparenz und Ehrlichkeit. - Danke (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster zu Wort gemeldet hat sich GR Ornig. - Sie sind am Wort. GR Markus Ornig, MBA (NEOS): Vielen Dank, werte Frau Vorsitzende! In zirka 45 Minuten wird im Ernst-Happel-Stadion ein Fußballspiel beginnen, das, glaube ich, einige von uns sehen möchten. (Amtsf. StRin Barbara Novak, MA winkt ab.) Trotz alledem werde ich das Wort jetzt hier ergreifen. Die Frau Stadträtin interessiert sich nicht für Fußball, ich werde aber trotzdem ganz kurz den Bogen anspannen und sagen, was die Diskussion bis jetzt ein bisschen auch mit Fußball zu tun hat. Erstens: Ich habe mir jetzt kurz noch einmal den Dringlichen Antrag hergenommen und durchgelesen. Worum geht es eigentlich? - Bei den ersten fünf RednerInnen hat jeder quer durch die Bank in seine Rede ein bisschen etwas anderes hineininterpretiert. Ich bin aber von der Kollegin Sequenz direkt angesprochen worden, die gesagt hat, ich habe damals, 2015 - übrigens damals auch noch in Opposition - gesagt, dass eine Wien-Arena eine Cashcow wäre. - Ja, die Wien-Arena wäre definitiv eine Cashcow, wenn sie schon da wäre. Sie ist leider noch nicht da. Und die WH Arena haben wir, glaube ich, hier in diesem Haus in den letzten zehn Jahren 20-mal durchdiskutiert. Deswegen verstehe ich die Dringlichkeit nicht ganz, aber ich gehe natürlich sehr gerne noch einmal auf diese Sache ein, weil sie mir enorm wichtig ist. Mittlerweile, zehn Jahre später, hätten wir natürlich alle alles ganz anders gemacht. Ich persönlich würde mittlerweile, wenn nicht schon Verträge unterschrieben wären, auf das Happel-Stadion ein Dach bauen. Es würde wahrscheinlich einen Bruchteil kosten, würden wir dieses altehrwürdige Stadion, von dem wir mittlerweile wissen, dass es noch 70 Jahre locker halten wird, dementsprechend sanieren. Es gibt ja auch einen Prozess dazu, das ohnedies zu tun. Und schon hätten wir auch eine große Eventarena - und die brauchen wir. Und auch, Frau Sequenz, wenn Ihr Zugang ist, wir brauchen das als Stadt alles nicht, finde ich, wir brauchen es sehr wohl, weil wir in einem stetigen Wettbewerb mit anderen Städten um Entertainment sind. Man sieht auch, wenn jetzt gerade im Prater eine neue Musicalstätte gebaut wird, dass da ein Markt da ist. Und der Markt wird gesucht. Da sind wir weltweit, europaweit in einem Wettbewerb. Diesem Wettbewerb muss man sich stellen, aber das kann man nicht, wenn man immer noch quasi ... Und jetzt muss die altehrwürdige Stadthalle wieder für den Songcontest herhalten, und sie wird auch ihres dazu beitragen. Ich durfte beim Erste Bank Open auch ein bisschen Tennis schauen. Das geht schon, aber wenn man sich eine O2 Arena in London ansieht oder eine neue Eventlocation oder Eventhalle in Turin oder in Berlin und in anderen Städten unterwegs ist, wenn man sieht, was sich da abspielt, muss man sagen: Da backen wir in Wien wirklich noch kleine Brötchen. Und deswegen würde ich jederzeit wieder hier stehen und sagen, wenn wir eine Eventarena hätten, dann wäre das eine Cashcow - und zwar nicht nur für den Betreiber dieser Eventarena, sondern für jeden Hotelier, für jeden Gastronomen. Glauben Sie wirklich, Frau Sequenz, dass 30 000 Besucher nur dort in der Kantine essen und nur für ein Konzert dorthin fahren? Das ist ja, bitte, ein völlig gestriges Denken. Es hat einen Impact auf die gesamte Stadt, wenn eine Arena mit 30 000 Sitzplätzen geführt wird. Also da zu sagen: Na ja, aber da verdient dann eh nur der Betreiber und sonst niemand!, hat - sorry to say - überhaupt nichts mit irgendeinem Zugang zu dem ganzen Thema zu tun. So, aber das Thema ist ja, dass sie noch nicht da ist (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.), und darauf muss man auch eingehen, so offen muss man sein. Wir haben, glaube ich, dreimal einstimmig beschlossen, dass sie gebaut ... Ich glaube, beim letzten Mal war es nicht mehr einstimmig, weil da die Summen schon so hoch waren und die Enttäuschung der Opposition, die ich durchaus nachvollziehen kann, auch schon da war, sodass man sagt: Na, was passiert da jetzt? Diese ganze Ausschreibung ist nicht gut gelaufen. Beim ersten Mal, als man das geplant hat, waren die Zeiten noch völlig andere, und man ist mit einer Euphorie herangegangen. Damals wurde es übrigens sogar noch unter Rot- Grün geplant. Trotzdem habe ich es in Opposition abgefeiert, möchte ich dazusagen. Dann ist lange nichts passiert. Dann hat man gemerkt: Okay, die Ausschreibung beim ersten Bieter ist nicht so gelaufen, wie wir alle uns das vorgestellt haben. Dann habe ich zum Beispiel hier gesagt - wie viele andere auch -, wir müssen zurück an den Start. Und dann haben leider die Gerichte entschieden, und nichts war es mit Zurück-an-den-Start, sondern es wurde der Zweitbieter mit einer Summe genommen, die halt jetzt zu Buche steht. Ich bin der Meinung - und ich glaube, viele mögen so denken -, dass wir im Moment mit diesem Vertrag durchaus darüber nachdenken müssen, ob wir das so bauen oder nicht, auch wenn ich noch sage, wir brauchen es. Aber - und ich kann da jetzt nur auf die Juristen vertrauen - es werden alle Möglichkeiten geprüft. Und ich weiß auch von der Frau Stadträtin, dass wir uns ganz genau anschauen, wie und in welcher Form wir das Thema umsetzen werden. Was allerdings nicht stimmt, ist: Wo fehlen bei dem Projekt die Kostenkontrolle und die Transparenz? - Also das Projekt hat ja noch gar nicht angefangen. Insofern finde ich es etwas polemisch, es in diesen Topf zu werfen. Ich möchte gleich zum nächsten Projekt weitergehen, das Sie hier angesprochen haben, zum Fernbus-Terminal, weil zur U-Bahn die Kollegin Pipal-Leixner eh schon gesprochen hat. Beim Fernbus-Terminal ist die Sache auch nicht so einfach gelagert. Da hat es auch ein PPP-Modell gegeben. Und der Investor ist schlicht und ergreifend abgesprungen. Das ist jetzt kein Transparenz- oder Kostenkontrollversagen der Stadt, sondern schlicht und ergreifend ein Investor, der gemerkt hat, es wird ... (Zwischenruf.) - Eine Vertragssache, das ist richtig. Sie kennen aber vielleicht den Vertrag und wissen auch, dass es sich seitens des Projektwerbers um einen Vertragsbruch gehandelt hat. Den hat man nicht einfach so herausgelassen, sondern da ist ein Vertragsbruch passiert. Sie wissen auch, dass der Projektwerber eines getan hat, nämlich hinsichtlich der Verantwortung, die dann die Stadt genommen hat. Er hat gesagt: So wie es bei der derzeitigen Inflation ausschaut, wird mir das alles viel zu teuer. Das wird sich wahrscheinlich nicht mehr rentieren. So wie viele Private hat er dann gesagt: Okay, ich lasse es gut sein. Was unser letzter Herr Stadtrat, der für das Thema verantwortlich war, dann getan hat, ist das, was man im Grunde in einer Kommune macht. Denn über den Zustand des Fernbus-Terminals haben wir schon genug gehört. Damit sind wir alle nicht happy. Er hat gesagt: Okay, versuchen wir zumindest den Fernbus-Terminal zu bauen, den wir ja brauchen, fernab von den Bürogebäuden und dem ganzen anderen Schnickschnack, wo ja der ehemalige Projektwerber hätte investieren wollen. Dann bauen wir das. Dann haben wir das beschlossen. Jetzt im Moment haben wir die Flächenwidmung. Es ist aber immer noch in Projektierung. Das Projekt hat also noch gar nicht gestartet. Auch da gibt es also noch keine Transparenz und keine Kostenkontrolle, denn wenn man noch nicht angefangen hat, kann man sich das noch gar nicht anschauen. Ich glaube, auch in Zeiten wie diesen kann man viel darüber diskutieren, ob man das Projekt baut oder nicht. Ich glaube, den Fernbus-Terminal brauchen wir. Wie er jetzt gebaut wird, in welcher Form und mit welchen Kosten, wird die Projektierung ergeben. Die dauert schon ein bisschen lang. Da bin ich bei Ihnen. Im Moment sind nicht gerade rosige Zeiten für Großprojekte. Jetzt aber alles über einen Kamm zu scheren und uns hier zu dieser Zeit diese Dringliche zu bescheren ... Ich sehe die Dringlichkeit nicht. Alle wünschen sich, dass diese Projekte vonstattengehen. Alle wünschen sich, dass das in einem Kostenrahmen ist, der erträglich ist. Wir brauchen aber zumindest die zwei Projekte, zu denen ich heute gesprochen habe. Ich glaube, das ist überhaupt keine Diskussion. - Vielen Dank. (Beifall.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Huemer zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Mag. Barbara Huemer (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadträtin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Auch jene, die via Livestream jetzt oder später zuschauen, herzlich willkommen! Ich würde einmal zusammenfassen, was die Charakteristiken eines Großprojektes sind. Ich glaube, da sind wir uns einig. Leider ist es tatsächlich so, dass der Kostenplan selten eingehalten wird. Herr Deutsch hat ja ausgeführt, warum das so ist oder möglich sein kann. Auch der Zeitplan wird selten eingehalten. Da fragt man sich schon: Na ja, geht man in der Planung von der superoptimalen Zeit aus? Muss man also, wenn das Projekt vorgestellt wird, immer von der superoptimalen Zeit ausgehen oder könnte man da nicht ein bisschen einen Polster drauflegen? Denn dann würde man zumindest sagen können: Wow, wir sind früher fertig geworden. Eigentlich ist aber der Ehrgeiz immer, bei den Kosten möglichst tief anzusetzen und auch beim Zeitplan möglichst tief zu bleiben, weil das einfach besser klingt. Ich würde dann auch noch einmal feststellen, dass gewisse Großprojekte in der Vergangenheit doch ein gewisses Skandalpotenzial bewiesen haben. Wenn wir beispielsweise im Gesundheitsbereich zurückgehen - das ist noch weit vor meiner Zeit gewesen -, so hat das Thema AKH-Untersuchungsausschuss die Spitalsbaugeschichte, glaube ich, ziemlich geprägt. Ich habe jetzt einfach auf Wikipedia nachgelesen. Da begannen die Planungen 1955. 1970 haben dann die Bauarbeiten begonnen. Tatsächlich ist das AKH erst 1994 in Vollbetrieb gegangen. Thema des Untersuchungsausschusses waren die Kostenexplosion und die Schmiergeldaffäre. Jetzt will ich nicht hoffen, dass das wieder passiert, aber möglich ist eigentlich alles. Ich will jetzt nicht sagen, dass es auch bei der Erbauung der Klinik Nord oder des Floridsdorfer Spitals einen Skandal gegeben hat, aber es gab von der ersten Vorstellung bis zum Ende doch große Abweichungen von der Planung. Pleiten, Pech und Pannen kann es bei Großprojekten also immer geben. Es gibt aber natürlich auch Potenzial darüber hinaus. Das liegt einfach an der Komplexität und Größe sowie an der Undurchschaubarkeit und Undurchsichtigkeit. Dann möchte ich noch einen Aspekt hervorstreichen: Großprojekte sind für die Politik - zumindest, wenn sie sie ankündigt - immer ziemliche Prestigeprojekte. Da kann es gar nicht groß genug sein. Es kann gar nicht genug Potenzial haben. Man rühmt sich einfach sehr gern damit, dass es groß, fantastisch und das Beste, Größte, Tollste und Teuerste ist, wenn es denn nur gut genug ist. Wenn ich das jetzt konkret auf den Modernisierungs- und Sanierungsplan für die Wiener Spitäler herunterbreche, so hätte ich das auch ein bisschen gesehen. Es war für StR Hacker schon recht sexy - so habe ich das Gefühl gehabt -, sich hinzustellen und zu sagen: Bis 2040 investieren wir 7,9 Milliarden EUR für neue, moderne Spitäler in Wien. Er hätte das so nicht tun müssen. Das Modernisierungs- und Sanierungskonzept für die jetzige Phase hat auch eine lange Vorgeschichte. Der Ziel- und Gesamtplan hätte uns eigentlich schon 2020 vorgestellt werden sollen. Dann kam die Pandemie, und er wurde uns erst 2022 vorgestellt. Die Planungen hinter diesem Konzept sind aber schon fast zehn Jahre früher passiert, acht bis zehn Jahre früher. Da haben viele ExpertInnen mitgearbeitet. Da wurde eine Ist-Analyse gemacht. Man kann also sagen, die ganze Grundlage ist eigentlich jetzt schon bald wieder 15 Jahre alt. Insofern ist es einerseits verwunderlich, dass uns dieser Ziel- und Gesamtplan inklusive der Finanzierungsideen dazu 2022 vorgestellt wurde und das alles drei Jahre später praktisch nicht mehr stimmt. Ich denke mir - ich habe es vorhin ja ausgeführt -, dass immer etwas passieren kann. Wie kann es aber sein, dass innerhalb so kurzer Zeit - wir haben das heute schon diskutiert -, beim Budget vorher alles nicht teuer genug war und ein Jahr später plötzlich massivste Einschnitte vorgenommen werden? Wie kann es sein, dass derartige Fehleinschätzungen passieren? Der Ziel- und Gesamtplan wurde uns ja vorgestellt. Dieses Rahmenbauprogramm wurde uns mit den Worten vorgestellt, dass die Bevölkerung wächst, der demographische Wandel voranschreitet und sich die Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Gesundheitsversorgung geändert hat und es daher notwendig ist, das medizinische Leistungsangebot entsprechend anzupassen und zukunftsfit zu machen. Jetzt, drei Jahre später, gilt vieles davon nicht. Es wird eigentlich lapidar gesagt: Na ja, das eine kommt eh, aber den Neubau müssen wir halt nach hinten schieben. Was nach hinten schieben heißt, wissen wir gar nicht. Das macht es aber eigentlich insgesamt einfach unseriös. Es ist aus meiner Sicht nicht verwunderlich, dass man sich Großprojekten - zumindest aus Oppositionssicht - doch skeptisch nähert. Ich bin der Meinung, es ist nach wie vor richtig, dass wir alle diesem Plan zugestimmt haben, denn wir wollen moderne Spitäler. Wir wollen Spitzenmedizin. Wir haben ja auch gesehen, wie kaputt die Pavillons teilweise sind. Da sind einem ja fast die Steine auf den Kopf gefallen. Der Sanierungsbedarf ist ja tatsächlich enorm. Wir wissen: Großprojekte haben eine Vorlaufzeit. Insofern war es auch nicht verwunderlich, dass bis 2040 einmal so ein Wurf vorgelegt wurde. Was mich aber wirklich verwundert, ist, dass der eigentlich nur drei Jahre gehalten hat. An sich würde ich einmal sagen, von außen betrachtet wurden wir - ich spreche zumindest für die Mitglieder des Sozial- und Gesundheitsausschusses - über die Fortschritte bei den Bauvorhaben bis jetzt auch immer wieder informiert. Ich habe mich da an sich ganz gut betraut gefühlt. Es war eigentlich nie die Rede davon, dass es bald stocken könnte. Das ist aber jetzt der Fall. Das macht mich skeptisch, weil einerseits natürlich die Versorgung der Wienerinnen und Wiener mit Spitzenmedizin auf dem Prüfstein steht und in diesen Spitälern andererseits ja auch über 30 000 Menschen arbeiten. Die haben eigentlich auch einen modernen Arbeitsplatz verdient. Gerade wenn man an die Hitze denkt, ist es für sie wirklich unzumutbar, bis zum Sankt Nimmerleinstag warten zu müssen bis Klimaschutz und Hitzeschutz dort endlich kommen. Mein Fazit ist also: Skandal gibt es noch keinen. Wir als GRÜNE werden aber genau hinschauen, wie sich das Sanierungskonzept für die Wiener Spitäler weiterentwickelt. Wir werden darauf schauen, dass die Versorgungsqualität weiterhin hoch ist und dass die Menschen in den Spitälern gern an den Arbeitsplatz gehen, weil er einfach schön und modern ist und nicht aus einem völlig anderen Jahrhundert. Ich hoffe, es bleibt so skandalfrei, aber wie gesagt, wir werden die Sache genau im Auge haben. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist GR Worotynski zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Filip Worotynski, MA (SPÖ): Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates! Der heutige Dringliche Antrag der ÖVP betrifft große Projekte, die unsere Stadt jahrzehntelang prägen werden. Dass dazu Fragen gestellt werden, ist selbstverständlich und gut. Gleichzeitig ist es aber wichtig, sich die Dinge in Ruhe anzuschauen und über Fakten zu sprechen. Ich werde daher versuchen, ein realistisches Bild davon zu geben, wo wir stehen, was uns herausfordert und warum Wien weiterhin gut aufgestellt ist. Wir sprechen heute über Großprojekte wie den Ausbau der U2 und der U5 sowie über Investitionen in Gesundheits-, soziale und technische Infrastruktur. Das sind Bereiche, die man nicht in zwei Jahren abwickelt. Das sind Vorhaben, die Generationen beeinflussen. Genau so müssen wir sie auch behandeln: mit langfristiger Perspektive und verantwortungsvollem Umgang. Die ÖVP zeichnet im Dringlichen Antrag stellenweise ein Bild, als würde dieses Großprojekt ins Wanken geraten. Das ist aber nicht der Fall. Die Arbeiten laufen weiter. Die erste Baustufe schreitet gut voran. Bei der zweiten Baustufe wurden die Baustarts bewusst und nachvollziehbar angepasst, um auf die wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre zu reagieren. Wir alle wissen: Die massiven Kostensteigerungen im Bauwesen waren europaweit spürbar. Darauf musste und darf eine Stadt wie Wien reagieren. Gemeinsam mit dem Bund wurde daher beschlossen, die Umsetzung zeitlich zu strecken. Das entlastet das Budget, ohne dass das Projekt selbst irgendwie verändert wird. Das klare Bekenntnis bleibt aber bestehen: Die U2 und die U5 werden gebaut. Sie werden das Öffi-System stärken, das U-Bahn-Netz entlasten und die CO2-Emissionen massiv reduzieren. Die Aussage im Antrag über eine Kostenexplosion ist schon ein wenig überspitzt und braucht aus meiner Sicht auch eine sachliche Einordnung. Der innerstädtische Tiefbau ist eine der komplexesten Aufgaben, die man sich vorstellen kann. Das ist sozusagen die Königsdisziplin des Bauwesens. Geologische, ich nenne es jetzt Überraschungen kommen vor, veränderte Preisentwicklungen und internationale Lieferketten. All das wirkt sich aus. Dazu kommen Ereignisse, die man nicht völlig kontrollieren kann. Ein Beispiel ist das Hochwasser im Bereich der künftigen U2-Station Pilgramgasse im September 2024. Große Wassermengen sind in den Baustellenbereich eingedrungen, haben Geräte beschädigt und die Arbeiten verzögert. Die Stadt hat rasch reagiert und die Baustelle entsprechend neu organisiert, wie es in solchen Fällen notwendig ist und wie es sich die Wienerinnen und Wiener erwarten. Vielleicht lohnt sich an dieser Stelle auch ein Blick über Wien hinaus. Verzögerungen bei großen Tunnel- oder Infrastrukturprojekten sind kein Wiener Einzelfall. Auch bundesweit hat es in den letzten Jahren mehrfach Anpassungen gegeben, etwa beim Semmering-Basistunnel, wo die Öffnung damals von Grün und Schwarz schrittweise von 2026 auf 2028 verschoben wurde, oder bei der Koralm-Bahn, deren Fertigstellung vom damaligen blauen Verkehrsministerium für 2026 neu festgelegt wurde. Diese Beispiele zeigen vor allem eines: Bei komplexen Bauvorhaben sind Zeit- und Kostenanpassungen nichts Ungewöhnliches. In Wien sprechen wir zusätzlich vom innerstädtischen Tiefbau, einer der technisch anspruchsvollsten Disziplinen überhaupt. Wichtig ist: Alle diese Entwicklungen wurden transparent gemacht. Der Gemeinderat wurde regelmäßig informiert. Wenn ein unerwartetes Ereignis eingetreten ist oder sich die Rahmenbedingungen geändert haben, dann sind wir dazu gestanden und haben die Verantwortung übernommen, so wie wir das letzte Woche getan haben. Die Prozesse bleiben nachvollziehbar und offen. Bei all der Diskussion über einzelne Herausforderungen darf man eines nicht übersehen: Wien liefert laufend. Wien liefert zum Beispiel neue Straßenbahnlinien wie die Linie 12, die Linie 27 und kommendes Jahr die Linie 18, aber auch viele Weiterentwicklungen im Gesundheitsbereich und im Sozialbereich. Viele dieser Vorhaben wurden in den letzten Jahren pünktlich, qualitätsvoll und im vorgesehenen Budgetrahmen umgesetzt. (Beifall bei der SPÖ.) Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines funktionierenden Systems und einer Verwaltung, die ihre Aufgaben ernst nimmt. Natürlich gibt es Projekte, die komplizierter sind als andere. Das ist in jeder wachsenden Großstadt so. Entscheidend ist aber, wie man mit diesen Projekten umgeht. Wien geht damit professionell um. Im Dringlichen Antrag wird mehr Kontrolle gefordert. Kontrolle ist wichtig, aber genau diese Instrumente existieren ja bereits: der U-Bahn-Lenkungsausschuss, die unabhängige begleitende Kontrolle, regelmäßige Berichte an die politischen Gremien. Diese Strukturen sind aktiv, sie funktionieren, und sie werden genutzt. Es gibt also keinen Mangel an Transparenz oder Aufsicht. Großprojekte in Wien sind auch in langfristige Strategien eingebettet. Diese langfristige Perspektive sorgt auch dafür, dass wir Entscheidungen nicht impulsiv treffen, sondern mit Blick auf die Zukunft dieser Stadt. Dadurch bleibt Wien Hauptstadt für Lebensqualität heute und für kommende Generationen. (Beifall bei der SPÖ.) Zum Abschluss möchte ich noch kurz auf das Herzstück der Mobilität in Wien blicken und einen positiven Ausblick auf das Netz der Wiener Linien geben. Täglich nutzen rund 2,4 Millionen Fahrgäste unseren öffentlichen Verkehr. Mit der U-Bahn verfügen wir über eine der leistungsstärksten Infrastrukturen Mitteleuropas. Über 850 000 Menschen steigen im Schnitt täglich in eine U-Bahn ein. Rund 83 Kilometer Streckenlänge und mehr als 100 Stationen bilden eine zentrale Säule der Wiener Mobilität. Genau deshalb ist der Ausbau von U2 und U5 keine symbolische Entscheidung, sondern eine notwendige Weiterentwicklung eines Systems, das unsere Stadt Tag für Tag verlässlich in Bewegung hält. Die Dringliche Anfrage spricht Themen an, die wichtig sind: Kontrolle, Transparenz und klare Prozesse. Genau das ist aber Teil unseres gelebten Alltags. Wir arbeiten an diesem Projekt verantwortungsvoll, strukturiert und mit einem breiten Blick auf die gesamte Stadtentwicklung und mit einem verantwortungsvollen Blick in die Zukunft. - Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächster ist Herr GR Taborsky zu Wort gemeldet. - Bitte. GR Hannes Taborsky (ÖVP): Meine sehr verehrten Damen und Herren, werte Zuschauer zu Hause via Livestream! Ich glaube, das Match schaffen wir noch, und wir werden zur WM fahren. Das hoffe ich nach dem heutigen Ergebnis einmal auf alle Fälle. Zuerst sei es mir aber erlaubt, noch einige Punkte anzubringen. Wo fange ich an? Ich habe sämtlichen Wortmeldungen ergriffen gelauscht. Ich habe jetzt eine Reihe von Berichtigungen vorzunehmen, die, wenn ich sie wirklich mache, fast schon die Redezeit in Anspruch nehmen würden. Denn das, was von dieser Stelle hier behauptet wurde, entbehrt teilweise jeder Grundlage, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Ich fange vielleicht bei den NEOS und bei der geschätzten Frau GRin Pipal-Leixner an. Ich weiß nicht, ob Sie eine gewisse Maria Schaumayer kennen. Ich weiß nicht, wo die Frau Kollegin gerade ist. Die Frau war Nationalratspräsidentin, aber davor war sie Stadträtin in Wien und von 1965 bis 1973 unter anderem für bautechnische Vorhaben zuständig. Immer dann, wenn die ÖVP in der Regierung ist, passieren entsprechend gute Dinge. Jetzt lese ich kurz etwas über Frau Maria Schaumayer vor, denn uns wurde vorgeworfen, dass wir als Autofahrerpartei gegen den U-Bahn-Ausbau sind und es diese U-Bahn nie geben würde. Ich darf kurz vorlesen: "Maria Schaumayer setzte als Stadträtin für die städtischen Unternehmungen viele Akzente, die Wien bis in die Gegenwart prägen. Unter ihrer Amtsführung wurde der Startschuss für den Bau der Wiener U-Bahn - einer alten ÖVP-Forderung, der sich die SPÖ lang widersetzte - gegeben." (Beifall bei der ÖVP.) Meine sehr verehrten Damen und Herren, man muss halt ein bisschen Geschichte lesen, dann kann man solche Dinge auch finden. Es war also nicht die böse ÖVP, die die U-Bahn verhindern wollte, sondern wir waren es, die sie initiiert haben und auch den Baustart gegeben haben. Natürlich sind wir für einen modernen öffentlichen Verkehr in dieser schönen Stadt. Die nächste Geschichte war mit dem Lobautunnel. Wir müssen ja zur Kenntnis nehmen: Die NEOS in Wien sind gegen den Lobautunnel. Die NEOS im Bund sind für den Lobautunnel. Entsprechend darf ich nur kurz aufklären: Wir alle hier herinnen wissen hoffentlich, wer den Tunnel baut und auch zahlt. Das ist die ASFINAG, das sind die Autofahrer. Wenn Sie sich also vielleicht einmal ein bisschen näher in diese Thematiken einlesen, dann wird es vielleicht auch entsprechend leichter. Es hat in diesem Fall relativ wenig mit dem Wiener Budget zu tun. Dass der Baustart jetzt endlich erfolgt, ist, glaube ich, dringend notwendig gewesen und auch gut für die Infrastruktur in dieser Stadt, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Dann komm ich zum Herrn Bürgermeister, der hier unter dem frenetischen Jubel der SPÖ-Abgeordneten festgestellt hat, dass die kalte Progression und die fehlende Gegenfinanzierung am Defizit der SPÖ- und NEOS- Stadtregierung schuld sind. Entsprechend habe ich da gelauscht. Meine sehr verehrten Damen und Herren, erstens, was ist die kalte Progression? - Die Abschaffung hat ab 2023 jeder Österreicherin und jedem Österreicher 300 EUR netto mehr ins Geldbörsel gebracht. Sie versuchen verzweifelt, es wieder herauszunehmen. Das ist natürlich die Gegenposition. Es sind seit 2023 1 000 EUR, die die Österreicherinnen und Österreicher entsprechend mehr bekommen haben. Was ist allerdings gleichzeitig mit den Ertragsanteilen des Bundes für Wien passiert? - Es ist nicht so gewesen, wie es der Herr Bürgermeister dargestellt hat, dass das eine komplette Katastrophe war, sondern sie sind in diesem Zeitraum um 100 Millionen EUR mehr gestiegen als veranschlagt. Ich darf Ihnen vielleicht diese Grafik zur Verfügung stellen. Da steht das sehr klar drinnen. Sie hatten in den Jahren 2022 und 2023 sogar eine Überschreitung dieses Voranschlages. 2024 waren Sie in etwa ausgeglichen. Sie machen ja diese Kalkulation öfter, dass Sie irgendwelche Zahlen in den Raum stellen und dann behaupten, dass es sich für Sie selber nicht ausgegangen ist. Jetzt war das irgendwie anders. Es stimmt schlichtweg nicht. (Zwischenruf.) Hören Sie mit diesen Geschichten auf! Ich habe es schon letztes Mal gesagt, ich sage es Ihnen jetzt wieder. Ich kann Ihnen diese Grafik gern zur Verfügung stellen: Ertragsanteile des Bundes. Es ist klar. Es steht im Bundesfinanzbericht. Lesen Sie dort nach! Sie haben mehr bekommen als vorher, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Wir haben jetzt ein neues Thema entdeckt: die Inflation als Treiber. Denn irgendjemand muss ja schuld sein. Inflationstreiber in Wien - ich darf nur kurz erinnern: Valorisierungsgesetz, Leistungssteuer und so weiter und so fort. Sie tragen durch Ihre Maßnahmen massiv zur Inflationsbeschleunigung bei, meine sehr verehrten Damen und Herren, nicht irgendeine Bundesregierung aus irgendeiner Zeit oder sonst irgendetwas, die da angeblich etwas nicht unternommen hat. (Zwischenruf.) Das ist alles Ihre eigene Geschichte, die Sie hier gemacht haben. (Beifall bei der ÖVP.) Dann gibt es natürlich noch die Geschichte, dass Wien gleichzeitig Land und Gemeinde ist und man das Defizit deswegen anders berechnen würde. Unser Klubobmann hat es schon gesagt: Wien hat 63 Prozent des Defizites in Österreich. Wenn man die Gemeinden dazurechnet, sind es 43 Prozent des Defizites. Wien hat aber nur 20 Prozent der Einwohner dieser Republik Österreich. Sie haben also noch immer eine Marge von 23 Prozent, bei der Sie mehr Minus einfahren als alle anderen Bundesländer zusammen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das schaffen Sie als SPÖ- und NEOS-Stadtregierung ganz allein. (Beifall bei der ÖVP.) Jetzt noch zu den Murmeltieren. Uns beziehungsweise meiner Vorrednerin wurde ja vorgeworfen, dass die böse Opposition behauptet, dass es beim U2- und beim U5-Ausbau Kostenüberschreitungen gibt. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich darf den Stadtrechnungshof zitieren. Er bestätigt massive Kostenüberschreitungen. Laut den Prüfern wird die vierte Ausbaustufe statt 950 Millionen EUR nun 2,09 Milliarden EUR kosten. Das sind um 1,14 Milliarden EUR mehr. Das ist eine 100-Prozent-Inflation. Die haben wir, glaube ich, in den letzten paar Jahren nicht gehabt. Sie haben sich bei diesen Dingen schlichtweg verrechnet. Die fünfte Ausbaustufe wird statt 2,7 Milliarden EUR laut Stadtrechnungshof auf 4,36 Milliarden EUR geschätzt. Das sagt nicht die Opposition, das sagt der Stadtrechnungshof: "[...] konnten die Wiener Linien nicht schlüssig darstellen, warum die Kosten höher sind als angenommen. Stadtplanerisch und kostenmäßig weitreichende Entscheidungen wurden nur von einem kleinen Kreis getroffen." - Das ist im Bericht vom November 2021 nachzulesen. Ich empfehle Ihnen die Lektüre dieses Dokuments, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Herr Kollege Deutsch hat mich auch ein bisserl provoziert, weil er gesagt hat, in Wien würde ja alles so wunderbar geplant. In der Kürze der Zeit - zwischen den Reden ist sich nicht mehr ausgegangen - darf ich da jetzt kurz vorlesen: Debakel Krankenhaus Nord: 387 Millionen EUR, eine mehr als dreijährige Verzögerung, 8 000 Baumängel; Kostenüberschreitung beim technischen Management AKH: 76,9 Millionen EUR; Planungsfehler beim Hauptbahnhof: 136 Millionen EUR; Kostenexplosion bei der Sanierung der Zentralfeuerwache: 33 Millionen EUR; Fehlplanung beim Bau eines Geriatrie-Zentrums: 13,39 Millionen EUR. Besonders gschmackig: Die Kühlung allein hat 6,5 Millionen EUR gekostet. Das Management war sich während der Bauphase nicht im Klaren, wie viele Betten benötigt werden. Das ist auch eines der Ergebnisse aus diesen Berichten. Das Vertrauen in die Großprojektplanung der Stadt Wien ist also enden wollend. Da geht es nicht um Murmeltiere. Da geht es um Realitäten im Stadtrechnungshofbericht, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Vielleicht auch noch zur Wiener Budgetkonsolidierung bevor ich dann auch noch zur Wien Holding komme: Sie kündigen Zahlen an, um dann zu erklären, dass es leider anders gekommen ist, als es Ihre eigene Ankündigung vorgesehen hat. Das ist ja das, was ich gerade vorhin gesagt habe. Das ist in etwa auch bei unserem Budget so. Denn Ihre Budgetprognose am 10. Jänner 2025 hat 3,8 Milliarden EUR ausgemacht. Jetzt haben Sie sich im November 2025 hingestellt und haben gesagt: Hervorragend, wir haben eingespart, es sind nur 3,23 Milliarden EUR. - Wenn ich dieser Logik folge, dann müssten wir nächstes Mal behaupten, das Budgetdefizit beträgt 10 Milliarden EUR, denn dann könnten wir sagen, wir haben ein Defizit von nur 5 Milliarden EUR und hätten 5 Milliarden EUR eingespart - ganz hervorragend. Binnen weniger Monaten hätten wir das Budget auf diese Art und Weise saniert, indem wir hier mit Zahlen jonglieren. Das ist aber keine seriöse Budgetpolitik, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Laut dem Voranschlag vom 14. November soll das Defizit nun 3,25 Milliarden EUR betragen. Na, schauen wir einmal! Wir haben dann ja noch eine Budgetdebatte, auf die ich mich schon sehr freue. Verschwendung und Verzögerung bei Großprojekten ist der Inhalt unseres Antrages, meine sehr verehrten Damen und Herren. Wien Holding Arena Eventhalle Sankt Marx - eine kurze Timeline zu dieser Geschichte. Kollege Ornig hat es schon angesprochen, ich möchte aber noch einmal kurz auf der Zunge zergehen lassen, was da wirklich passiert ist. Im Jänner 2019 hat es die Vorstellung der Pläne mit einem geplanten Eröffnungstermin im Jahr 2024 gegeben. Damals stand eine Prognose von 250 Millionen EUR im Raum. Im November 2021 hat der Stadtrechnungshof auf Ersuchen der ÖVP einen Bericht abgeliefert und hat mit Projektabschluss 2029 Kosten von 742 Millionen EUR prognostiziert. Auch das ist also eine ganz massive Erhöhung. Im Juli 2023 präsentiert Wien die OVG Bristol als strategischen Partner, Fertigstellung bis Ende 2029. Im Oktober 2023 widerruft das Landesverwaltungsgericht Wien die Zuschlagentscheidung an die OVG Bristol aus formalen Gründen. Dann vergeht ein Jahr, in dem nichts geschieht. Im November 2024 wird die Eventarena vom deutschen Konzern CTS EVENTIM errichtet, geplante Eröffnung im Jahr 2030. Im März 2025 erfolgt der Beschluss im Gemeinderat - das wurde schon gesagt: 215 Millionen EUR. Davon gehen einmal 153 Millionen EUR an die CTS EVENTIM für die geplante Eröffnung im Jahr 2030. Jetzt kommt es: Im August 2025 berichtet der "Kurier" vom Baubeginn Ende des Jahres. Im November 2025, also wenige Monate später - die Verträge zwischen der Wien Holding und CTS EVENTIM sind noch nicht unterzeichnet - wird von einem Spatenstich 2027 berichtet. Ein Schelm also, wer daran denkt, dass Zahlungen erst zum Spatenstich geltend gemacht werden müssen und man sich deshalb ganz einfach über die Budgetauswirkung hinwegturnt, um erst 2027 etwas zu bezahlen. Denn der Eröffnungstermin ist mit 2030 gleichgeblieben. Das ist die Meldung der "Kronen Zeitung" von gestern. So bekommen wir also auch diese Informationen. Erste Kostenschätzungen: 250 Millionen EUR, laut Stadtrechnungshof 742 Millionen EUR. So geht das weiter fort. Meine sehr verehrten Damen und Herren, das ist kein Budget, das sind Taschenspielertricks, die Sie hier zu Lasten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler machen. Denn Geld hat an sich kein Mascherl, aber Steuergeld schon. Das ist das Mascherl der Leistungsträger und der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in dieser Stadt. Deren Anwälte sind wir, meine sehr verehrten Damen und Herren, von der ÖVP. (Beifall bei der ÖVP.) Noch zum Fernbus-Terminal, weil das schon angesprochen wurde - meine Vorrednerin, Frau Kollegin Olischar, hat es bereits ausgeführt -, aber noch zu den Kostenschätzungen. Das Problem ist, es ist ein Riesenprojekt, aber es gibt keine Kostenschätzung, denn es gibt auf Anfragen der ÖVP Wien keine Antworten, weder von Herrn StR Hanke noch von Herrn Maschek. Ein Projekt in dieser Größenordnung zu machen, wenn noch keiner weiß, was es kosten soll - es hat nur eine Kostenschätzung von 200 Millionen EUR gegeben -, ist ja wohl nicht das, was man als zweckmäßig, sparsam und wirtschaftlich bezeichnen kann. Das sollte die Maxime für alle unsere Handlungen sein, meine sehr verehrten Damen und Herren. Die NEOS sind einmal zum Thema Transparenz angetreten. Davon ist hier nichts zu sehen. (Zwischenruf.) Geld hat kein Mascherl. Das habe ich schon gesagt. In Wien gibt es für Steuergeld nicht nur kein Mascherl, sondern auch keine Verantwortung der Wiener Stadtregierung. Deswegen lehnen wir von Seiten der ÖVP diese Budgetpolitik ab. Wo bleibt die Ein-Drittel-Einnahmen-zwei-Drittel-Ausgaben-Rechnung im Budget? - Wir werden das dann noch im Dezember diskutieren. Die SPÖ kann mit Geld nicht umgehen. Das wissen wir. Die NEOS haben hier Beihilfentäterschaft, meine sehr verehrten Damen und Herren. Den Vorwurf werden Sie sich nicht ersparen können. Deswegen haben wir einen Beschlussantrag eingebracht, der ein Dreipunkteprogramm vorsieht. Das ist dringend, denn wir stehen vor einem Budgetdesaster, das Wien selbst verursacht hat und bei dem die Ausrede auf irgendeine Bundesregierung nicht zählt. Folgen Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, unserem Beschlussantrag! Ich ersuche Sie darum. Denn dann werden wir vielleicht auch 2026 und 2027 entsprechend umschiffen können. Es ist noch Zeit zur Umkehr. Vielleicht wäre jetzt die Gelegenheit, das zu beschließen, meine sehr verehrten Damen und Herren. - Danke schön. Ich wünsche uns einen tollen Verlauf des heutigen Ländermatches. Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Last, but not least ist GRin Schütz zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Angela Schütz, MA (FPÖ): Frau Vorsitzende, werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuschauer! Im Jahr 2022 wurden ja die Eckpfeiler für das Investitionsprogramm im Gesundheitsbereich 2030/2040 präsentiert. Dass die bauliche Infrastruktur nur einmal in die Jahre gekommen ist, ist nichts Neues. Auch dass sie dringend adaptiert gehört, um Pflege und Medizin auf Topniveau zu bringen und eine gute Versorgung der Wiener Bevölkerung zu gewährleisten, ist nichts Neues. Denn immerhin haben wir in Wien derzeit ja schon über zwei Millionen Menschen, und etwa 20 Prozent der Wiener Bevölkerung sind zumindest älter als 60 Jahre. Die benötigen oftmals vermehrt medizinische Betreuung, vor allem weil das aktuelle Gesundheitssystem ja in Bezug auf Wartezeiten auf Fachärzte, verschobene Operationstermine und nötige Untersuchungen, auf die man warten muss, et cetera nicht unbedingt gesünder älter werden lässt. Das vielgepriesene Rahmenbauprogramm sollte für die zukünftige Versorgung der Wiener Bevölkerung mit entsprechenden medizinischen Leistungen sorgen und diese sicherstellen. Diese Modernisierung kostet natürlich Geld - keine Frage - und wurde für alle Standorte und auch für Ybbs geplant. Jetzt galt für diese Planung das Role Model Floridsdorfer Krankenhaus. Man kann nur hoffen, dass dieses Role Model, wie es immer so schön genannt worden ist, nicht unbedingt Schule macht, weil das Floridsdorfer Krankenhaus ja - abgesehen vom Energiering - ein finanzielles Desaster war und lange Bauzeiten, lange Planungszeiten und natürlich auch sehr viele höhere Kosten mit sich gebracht hat. Wir haben Projekte in der Klinik Favoriten: Umstrukturierung, Neubau, Bettenaufstockung, laufende Sanierungen et cetera. Wir haben in der Klinik Landstraße einiges geplant wie die Untertunnelung des Vorplatzes und die Neugestaltung des Vorplatzes für Rettung und Notfallaufnahme. Wir haben heute schon gehört, dass das verschoben worden ist. Wir haben in der Klinik Hietzing Abrisse und Neubauten sowie eine Aufstockung der Betten und eine Zusammenlegung geplant. In der Klinik Ottakring können wir den Fortschritt langsam, aber doch sehen. Da passiert ja schon einiges. Da hat man ja schon mit der Umgestaltung und den Zusammenlegungen begonnen. In der Klinik Donaustadt sollten die Bettentürme erneuert werden. Auch das lässt auf sich warten. Im AKH sollten die Forschungszentren verbessert und neugestaltet werden, zusätzliche Forschungszentren sollten kommen. Das bringt internationale Reputation und natürlich auch Geld aus den Bundesmitteln. Auch da weiß man nicht wirklich, wie es weitergeht. Auch die Klinik Ybbs wartet darauf, dass man Um- und Zubauten macht und umstrukturiert, vor allem bei der Trennung von psychiatrischer Versorgung und Sozialtherapie. Geplant waren bis 2030 3,3 Milliarden EUR. Als wir das letzte Mal bei StR Hacker nachgefragt haben, wie es ausschaut, hat er gesagt: Es ist alles in Ordnung, es ist alles im Lot. Die 3,3 Milliarden EUR werden bis 2030 verplant. Es gibt zwar geringe Verzögerungen, aber im Großen und Ganzen steht alles. Es wird alles so wie geplant und vorgegeben gemacht. Von den Gesamtkosten bis 2040 haben wir heute auch schon gehört. Die waren mit 6,6 bis 7,9 Milliarden EUR eingepreist. Da war schon einkalkuliert, dass sich alles auch inflationsmäßig erhöhen kann. Die Baukostenerhöhungen sind also einkalkuliert worden. Jetzt ist alles anders. Es wird verschoben, es wird abgespeckt. Es fehlen schon jetzt 450 Millionen EUR. Was die Gesundheitsversorgung und die Planung betrifft, haben wir vor kurzem eine Gesundheitsplattform gehabt. Wir haben heute sehr viel über den RSG gehört und gesprochen. Er wurde dort mit so einem Zweiseitenpapier präsentiert, in dem man uns mitgeteilt hat: Es ist alles im Laufen. Es ist alles vollkommen okay. Wir sind am Erarbeiten neuer Gegebenheiten. Wir werden sie zeit- und fristgerecht erfahren. Was nicht erwähnt oder diskutiert worden ist: Es ist nicht davon gesprochen worden, dass Bauvorhaben, die bis jetzt im Rahmenbauprogramm festgelegt waren, in irgendeiner Form gefährdet sind oder verschoben oder verändert werden. Dann kam letzte Woche die große Pressekonferenz. Da haben wir dann anderes gehört. Da hat man dann gehört - eigentlich sind wir vor vollendete Tatsachen gestellt worden: Im RSG hat sich etwas massiv geändert. Ein paar Tage davor war noch die Rede davon, dass noch etwas erarbeitet wird, dass noch etwas gemacht wird und es nichts Neues gibt. Dann war auf einmal alles komplett anders. Man hat die Leute dort einfach vor vollendete Tatsachen gestellt und einfach etwas geändert. Eines ist schon klar und auch sicher: Der RSG, so wie er dort präsentiert worden ist, ist dem Gemeinderat bis heute nicht präsentiert worden. Er ist auch in der Gesundheitsplattform nicht präsentiert oder vorgelegt worden, sodass man wirklich anschauen kann, was es gibt. Sondern er ist nur einigen wenigen zugegangen. Das heißt, Faktum ist: Wir kürzen im Gesundheitssystem. (Zwischenruf.) Mit dem, was aktuell geplant ist, leiten wir den schleichenden Ausverkauf unseres Gesundheitssystems ein. Sie sparen bei Investitionen und bei der Versorgung auf Kosten der Wiener Bevölkerung. Anstatt die wohnortnahe Hausarztversorgung zu stärken, öffnet die Stadt Wien privaten Großinvestoren die Türen zur Stadt, obwohl die private Hausversorgung gerade in Zeiten, in denen Verschiebungen von Großprojekten an der Tagesordnung sind, wichtiger denn je wird. Die Folge ist eine zunehmende Konzernisierung des Gesundheitswesens auf Kosten der Wiener Bevölkerung. Das ist ein massiver Eingriff in die bewährten Strukturen der freien Ärzteschaft und in die aktuelle Planung für unsere Spitäler. Sie streichen notwendige Betten. Sie verlängern Wartezeiten auf notwendige Operationen. Damit verschlechtern Sie unsere Gesundheit. Sie gefährden Arbeitsplätze und Standorte. Damit steht nicht mehr der Mensch im Mittelpunkt, sondern das Geschäft. Das lehnen wir ab. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte über die Besprechung des Dringlichen Antrags ist somit beendet. Diesen Antrag weise ich zur weiteren Behandlung dem Bürgermeister, der Amtsführenden Stadträtin der Geschäftsgruppe für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales, der Amtsführenden Stadträtin der Geschäftsgruppe für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke sowie dem Amtsführenden Stadtrat der Geschäftsgruppe für Soziales, Gesundheit und Sport zu. Nun kommen wir zu den letzten drei Abstimmungen des heutigen Tages. Es liegt ein Antrag der ÖVP vor: Transparenz und Kostenkontrolle bei Großprojekten der Stadt Wien. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP, der FPÖ und der GRÜNEN, womit dieser Antrag in der Minderheit bleibt und abgelehnt ist. Der nächste Antrag von der ÖVP betrifft das professionelle Management bei Großprojekten. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe wieder die Zustimmung der ÖVP, der FPÖ und der GRÜNEN. Auch dieser Antrag bleibt in der Minderheit und ist abgelehnt. Der nächste Antrag kommt von der FPÖ und betrifft die Öffi-Jahreskarte um 365 EUR. Wer diesem Antrag zustimmen kann, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe die Zustimmung der ÖVP und der FPÖ. Auch dieser Antrag bleibt in der Minderheit und ist abgelehnt. Damit haben wir die heutige Tagesordnung durchgearbeitet. Ich verabschiede mich von den wenigen Zuschauern via Livestream und wünsche Ihnen einen schönen Abend. Wir sehen uns morgen im Landtag. (Schluss um 20.40 Uhr.) Gemeinderat, 22. WP 18. November 2025 7. Sitzung / 21