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Gemeinderat, 47. Sitzung vom 22.10.2004, Wörtliches Protokoll  -  Seite 72 von 82

 

Wer dafür ist, den ersuche ich um ein Zeichen mit der Hand. – Das ist mehrstimmig, mit den Stimmen der SPÖ, der ÖVP und der GRÜNEN, angenommen.

 

Postnummer 50. Sie betrifft einen zweiten Teilbetrag der Subvention für das Jahr 2004 an den Wiener Film Fonds. Frau GRin Dr Vitouch, bitte.

 

Berichterstatterin GRin Dr Elisabeth Vitouch: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Meine Damen und Herren!

 

Ich ersuche um Ihre Zustimmung zum vorliegenden Akt.

 

Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer: Danke schön.

 

Die Debatte ist somit eröffnet. Herr Dr Salcher.

 

GR Dr Andreas Salcher (ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Wir haben ja schon im letzten Gemeinderat einen Antrag gestellt, dass die Filmförderung zumindest auf einmal am Beginn des Jahres ausbezahlt werden soll, weil Film, und da sind wir uns, zumindest die meisten Fraktionen in diesem Haus, einig, etwas ganz Wichtiges für den Standort Wien ist.

 

Wir haben auch einen Antrag gestellt, dass im Prinzip die Filmförderung, so wie wir das in anderen Bereichen tun, mehrjährig vergeben wird, zumindest nach Drei-, im Optimalfall nach Vierjahresverträgen.

 

Was machen Sie? Ich weiß nicht, ob Sie es uns zu Fleiß machen. Ich glaube eher, weil es leere Kassen gibt, weil man offensichtlich schon für das Ronacher Geld braucht und Geld spart. Was machen Sie? Statt die Filmförderung wie im letzten Jahr zweimal auszuzahlen, in zwei Raten zu zahlen, zahlen Sie es jetzt in drei Raten aus. Na, das Filmgeschäft ist ja nicht irgendwie ein Geschäft, wo plötzlich eine internationale Firmfirma daherkommt und sagt, super, im nächsten Monat würden wir gern einen Film machen, habt ihr noch ein Geld, sondern wo sehr, sehr langfristig geplant werden muss.

 

Ich habe gestern ein Gespräch mit dem Chef des Produzentenverbandes gehabt, und er hat mir auch gesagt, dass ich ihn hier durchaus zitieren kann, nämlich dass der Herr StR Mailath-Pokorny den Filmproduzenten versprochen hat, die Filmförderung zu erhöhen, und zwar schon letztes Jahr, dass aber angekündigte derartige Gespräche nie stattgefunden haben, weil hier ja auch schon im Gemeinderat gesagt wurde, dass die Filmproduzenten und der Film Fonds ohnehin so glücklich sind mit dieser Regelung, dass das auf drei Mal ausgezahlt wird. Das ist aber definitiv nicht so, sondern ein wichtiges internationales Filmprojekt wäre fast gescheitert, weil Wien nicht rechtzeitig die Zusage geben konnte. Herr Stadtrat, ich unterstelle Ihnen nicht, dass Sie sich im Filmgeschäft nicht auskennen, ganz im Gegenteil, Sie wissen ganz genau, wie die Finanzierung passiert, wo es ganz notwendig ist, um internationale Co-Finanzierungen zustande zu bringen, nachweisen zu können, dass man sozusagen regional schon Geld aufgestellt hat, und dass das natürlich ein sehr, sehr langwieriger Prozess ist, der nicht in Dritteljahren zu machen ist, sondern der nur langfristig zu tun ist.

 

Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich habe daher null Verständnis dafür, schon dass Sie es nur in zwei Raten ausgezahlt haben, ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, warum Sie das in Dreierraten auszahlen. Es kann ja ganz offensichtlich nur das Ende und die Ebbe in den Kassen sein.

 

Ich stelle daher den Antrag:

 

„Der Gemeinderat spricht sich dafür aus, dass das Kulturamt der Stadt Wien dem Film Fonds die Jahressubvention am Anfang des Jahres als Einmalzahlung zur Verfügung stellt, um so für eine optimale Planungssicherheit zu sorgen und die gewohnte Qualität gewährleisten zu können.

 

In formeller Hinsicht wird die sofortige Abstimmung beantragt.“ (Beifall bei der ÖVP.)

 

Sehr geehrter Herr Stadtrat! Sie reden immer in Presseaussendungen davon, wie wichtig Ihnen der Film ist. Hier hätten Sie wirklich eine Möglichkeit, etwas zu tun. Hier würden Sie jede Unterstützung von uns bekommen, wenn Sie erstens die Dotierung für den Film, eine der wichtigsten kultur- und finanzpolitischen Positionierungen der Stadt, erhöhen und langfristig sicherstellen würden. Sie investieren Ihr Geld lieber ins Ronacher, und da sind Sie sehr stolz drauf. Ich halte das wirklich für eine kulturpolitische Fehlentscheidung. Und ganz offensichtlich kommt ja auch die Finanzmathematik des Kulturressorts durcheinander, weil sonst ist es ja wirklich unvorstellbar, dass Sie hier nicht einmal in der Lage sind, dem Film Fonds langfristig die Sicherheit zu garantieren, die er benötigt.

 

Wir als ÖVP Wien bekennen uns klar und deutlich zum Filmstandort Wien, und der benötigt natürlich auch eine entsprechende langfristige finanzielle Absicherung. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer: Ich danke.

 

Die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin.

 

Berichterstatterin GRin Dr Elisabeth Vitouch: Ich glaube nicht, dass die Dinge klein beginnen und dann groß werden, sondern dass das Große von vornherein groß ist. 50 Jahre lang hat man uns eingeredet, wartet ab, seid nett, das Fernsehen steckt noch in den Kinderschuhen, seine Zukunft ist großartig. So ist es nicht. Das Fernsehen ist zwar groß geworden, aber es ist dick und fett geworden, vermutlich eine Drüsenstörung. Das Kino hingegen ist schon groß auf die Welt gekommen, und es bleibt auch groß, selbst wenn es tot ist. Das hat vor mehr als 10°Jahren der französische Filmessayist Serge Danay gesagt in seinem Aufsatz "L'amour du cinéma". Und um die Liebe zum Kino geht es hier. Ich glaube dem Herrn Dr Salcher, dass er das Kino liebt, aber meine Fraktion und ich, wir lieben es auch, vor allem der Herr Stadtrat, was uns nicht daran hindert, eine redliche Gebarung in Sachen Film Fonds Wien wie auch bei anderen Subventionen an den Tag zu legen. Ich kann eigentlich nur Erfolgreiches berichten, denn im Jahr 2003 haben 33 heimische Filmproduktionen aufgrund der Förderung durch den Film Fonds Wien über 250 Einladungen zu internationalen Festivals bekommen. Höhepunkt war Cannes, wo die österreichische Produktionsfirma Amour

 

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