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Gemeinderat, 12. Sitzung vom 05.10.2006, Wörtliches Protokoll  -  Seite 31 von 83

 

kümmern soll! Reden wir von dem, was wirklich Sache ist! Was wir hier ausnützen, ist unser Mitwirkungs- und Zustimmungsrecht, und das hat zum Beispiel dazu geführt, dass wir uns alle gemeinsam sehr vehement dafür eingesetzt haben, dass die Arbeitsmedizin auch in Zukunft ein Schwerpunkt in diesem Haus bleibt.

 

Die Professur wird – wir haben sie schließlich vom zuständigen Rektor – mit der Emeritierung des jetzigen Professors Ende 2007 nachbesetzt. Wir haben auch eine Vorgangsweise entwickelt, wie wir die Ausschreibung dieser Stelle früher vornehmen können, damit es bei der Nachbesetzung keine Lücken gibt et cetera. Das heißt, wir haben uns alle gemeinsam sehr massiv dafür eingesetzt, dass es die Arbeitsmedizin als Forschungsschwerpunkt weiterhin geben wird.

 

Zu den Betten sei offen gesagt, dass diese seit Gründung dieser Klinik nicht immer zu 100 Prozent mit arbeitsmedizinischen Fällen belegt wurden, sondern auch mit vielen anderen Fällen, was gut, okay und notwendig ist. Fakt ist aber, dass es all das, was mit der Arbeitsmedizin in Zusammenhang steht – die Professur und die gerade in der Arbeitsmedizin sehr notwendigen interfraktionellen Forschungsschwerpunkte –, weiterhin geben wird.

 

Ich darf die einzelnen Fraktionen einladen, ein solches Engagement auch in Innsbruck und in Graz zu entwickeln, denn an diesen beiden Universitätskliniken ist Arbeitsmedizin ein Fremdwort, die gibt es dort nicht. Ich glaube, wir müssen uns diesbezüglich alle gemeinsam anstrengen!

 

Weiters möchte ich hier auch ein Gerücht aufarbeiten: Das St Anna-Kinderspital will ins AKH! Es ist nicht so, dass das AKH das St Anna-Kinderspital quasi hinterrücks einkauft. Vielmehr hat das St Anna-Kinderspital einen weltweiten Ruf, einen Behandlungsschwerpunkt und einen Forschungsschwerpunkt, die es abzusichern gilt. Im Hinblick darauf hat der jetzige Leiter des Hauses sehr viel an Engagement investiert, um mit dem AKH noch näher zusammenzuarbeiten. (Amtsf StRin Mag Renate Brauner: So ist es!) Es ging ihm darum, die Schwerpunkte seines Hauses, die kindergerechte Onkologie und die Hämatologie, abzusichern. Das steht hinter diesem Konzept! (GRin Dr Sigrid Pilz: Der Preis dafür ist die Aufgabe der Unabhängigkeit!)

 

Das können Sie doch uns nicht vorwerfen, Frau Dr Pilz! Wir haben als Stadt die verdammte Verpflichtung, alles daran zu setzen, dass die Inhalte des St Anna-Kinderspitals in dieser Stadt bleiben! Das ist unsere Verpflichtung, und wenn es über den Weg der stärkeren Integrierung ins AKH geht, dann tun wir das, wenn es aber über einen anderen Weg geht, dann machen wir es anders.

 

Das Rote Kreuz als Träger des St Anna-Kinderspitals hat schon vor Jahrzehnten die Zusammenarbeit mit der Stadt und mit dem AKH gesucht. Sonst würde es die heutigen Affilierungsverträge und Zusammenarbeitsverträge, den gemeinsamen Einkauf, die gemeinsame Abrechnung der PatientInnen und so weiter nicht geben. Das besteht ja bereits alles! Jetzt hat man nur weitere Entwicklungsschritte gesetzt, um die Forschungsschwerpunkte und die PatientInnenversorgung abzusichern.

 

Wir könnten natürlich sehr großkopfert sein und sagen: 20 Prozent der Kids im St Anna-Kinderspital sind aus Wien, der Rest ist uns wurscht. Das tun wir aber nicht, denn das ist uns nicht wurscht, das ist nicht das Ziel! Das Ziel ist, das St Anna-Kinderspital in dieser Stadt und in diesem Land aufrechtzuerhalten, und wenn es der geeignete Weg ist, es noch stärker ins AKH zu integrieren, dann werden wir das mittragen. Da geht es überhaupt nicht darum, die Unabhängigkeit aufzugeben! Dieses Argument ist doch lächerlich und an den Haaren herbei gezogen, weil man krampfhaft irgendeine Möglichkeit sucht, gegen eine gute Idee zu sein. Sprechen Sie doch mit den Forschungsmenschen oder dem wissenschaftlichen Leiter des St Anna-Kinderspitals! Das ist der Hintergrund und nichts anderes!

 

Ich kann es nur immer wieder sagen: Frau Dr Pilz! Es nützt nichts, wenn Sie uns die sehr schwierige Geschichte der Kinderklinik noch fünf Mal erzählen! Ich kann Sie nur um das bitten, worum wir Sie schon bei zwei Ausschusssitzungen gebeten haben: Übergeben Sie dem Patientenanwalt die Unterlagen. (Zwischenruf von GRin Dr Sigrid Pilz.) Dann ist das auch schon längst erledigt!

 

Ich wiederhole meine Bitte: Mischen wir nicht immer wieder alte Dingen auf! Hier gab es einen Missstand, dieser Missstand ist aufgearbeitet und abgestellt. Der Generaldirektor hat seine Rechtsabteilung entsprechend instruiert, Patientenanwalt Dr Dohr hat ebenfalls alles in die Wege geleitet. Wir alle sind uns einig, dass dieser Missstand Geschichte ist und auch Geschichte bleiben soll. Es hilft uns nichts, wenn wir das jetzt hier immer wieder aufwärmen!

 

Zum Abschluss möchte ich sagen: Man sieht, dass man sich mit diesen Themen seitens der Opposition beschäftigt. Mich würde es freuen, wenn wir uns alle gemeinsam darum kümmern könnten, den Universitätszugang so zu ermöglichen, dass man in diesem Land wirklich Medizin studieren kann, und uns alle gemeinsam dafür engagieren, dass nicht rund 320 Jungmediziner, die den ersten Studienabschnitt absolviert haben, jetzt im zweiten Studienabschnitt in der Warteschleife stehen müssen. Wir sollten uns hier gemeinsam zusammensetzen und entsprechende Dinge entwickeln. Wir sollten uns gemeinsam darum kümmern, dass uns das heutige System nicht in einigen Jahren auf den Kopf zu fallen droht, wenn wir uns nicht gemeinsam zu Lösungen durchringen können, dass wir nämlich zu wenig Medizinerinnen und Mediziner ausgebildet haben. Ich möchte bei dieser Gelegenheit anmerken, dass mich das freuen würde, auch wenn es jetzt darum geht, sich mit dem Aspekt Allgemeines Krankenhaus zu beschäftigen.

 

In diesem Sinne ersuche ich um Zustimmung zu diesem Geschäftsstück. Den Antrag werden wir entsprechend ablehnen. Die Nachrednerin von meiner Fraktion wird das noch begründen. – Ich danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

 

Vorsitzende GRin Inge Zankl: Als nächster Redner

 

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