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Gemeinderat, 27. Sitzung vom 04.10.2012, Wörtliches Protokoll  -  Seite 33 von 70

 

Rosa Lila Villa geredet – da waren Sie nicht da, aber ich kann es Ihnen jetzt auch sagen; die Rosa Lila Villa wird am 17. November 30 Jahre alt, sie hat wunderbare Arbeit geleistet für die Anerkennung von Homosexuellen, Transsexuellen und so weiter –, und er hat eine Aktion im Waschsalon kritisiert.

 

Ich glaube, dass niemand von Ihnen dort war, denn es ist nicht wahnsinnig groß dort, und ich glaube, ich habe alle gesehen. Sie hätten das sehen sollen, was da im Waschsalon gemacht wurde. Es ist der Waschsalon Schnell & Sauber in der Westbahnstraße 60. Da kann man noch hinschauen. Die haben dort das Thema „Frauen und Waschen“ auf künstlerische Art und Weise thematisiert. Frauen aus unterschiedlichsten Ländern sind dort aufgetreten. Da hat man dann Frauen aus Bulgarien, aus Österreich, aus Kenia erlebt, die kenianische Lieder, österreichische Lieder, bulgarische Lieder zum Thema Waschen gesungen haben. Dazu haben sie Videoinstallationen gemacht. Die haben die Waschmaschinen einbezogen. Das ist eine 24-Stunden-Wäscherei. Es sind dort Leute auf die Bühne gekommen, die zufällig da waren, weil sie Wäsche gewaschen haben. Die haben dann auch das Mikrofon in die Runde gegeben, man hat selber etwas dazu sagen können, irgendwie seine persönliche Sicht vom Waschen. Es haben sich Leute dort selbst in der Waschmaschine gewaschen. Es war unglaublich lustig, und von der performatischen Qualität her kann man das eins zu eins neben die Festwochen stellen. (Lebhafte ironische Heiterkeit bei der FPÖ, insbesondere bei GR Mag Wolfgang Jung.) Also es hatte von der künstlerischen Qualität ... (GR Mag Wolfgang Jung, lachend: Der Waschsalon und die Festwochen!) Das ist super! Man kann auch im Gemeinderat mit der „Wienwoche“ den Herrn Jung so erheitern. Es ist irrsinnig schade, dass man das nicht am Livestream sieht, denn die schauen, glaube ich, gerade zu. Die hätte so eine Freude mit Ihnen.

 

Hier wurden wirklich schwierige politische Themen thematisiert. Ich meine, das waren 30 Gruppen – das muss man vielleicht auch dazusagen –, die innerhalb von 8 Monaten ein 17-tägiges Kulturprojekt mit 70 Veranstaltungen auf die Füße gestellt haben, und das sind 30 Gruppen, die seit vielen Jahren in dieser Stadt am Rande der Unsichtbarkeit wunderbare Arbeit leisten. Das ist nicht nur die Rosa Lila Villa, die ein bisschen bekannter ist, sondern da war zum Beispiel der Verein Exit dabei. Das ist ein Verein, der sich um die Opfer von Frauenhandel kümmert. Das sind jene Nigerianerinnen, die im Prater zu Sexarbeit gezwungen werden. Das sind Opfer von Frauenhandel, die von diesem Staat – und das betrifft vor allem die Innenministerin, die Justizministerin der ÖVP – nicht geschützt werden. Es gibt zwar einen § 69a, der die Opfer von Menschenhandel schützen müsste, aber das geschieht nicht. Dieser Verein Exit kümmert sich um diese Frauen. Das sind Frauen, die wirklich an der alleruntersten Grenze der gesellschaftlichen Skala leben müssen, die Opfer von Frauenhandel sind, die wirklich in einem Elend leben mitten in einer der reichsten Städte der Welt, in der lebenswertesten Stadt der Welt, die wirklich hier in furchtbaren Zuständen leben. Dieser Verein Exit kümmert sich um diese Frauen, er ermächtigt sie, selbst aus diesen Zwangsverhältnissen auszusteigen, hilft ihnen bei Behördenwegen und versucht, zuerst einmal das Wichtigste zu erreichen, nämlich die Legalisierung, damit sie überhaupt ihre Rechte wahrnehmen können.

 

Das passiert, das weiß jeder, und trotzdem tun wir so, als ob wir es nicht sähen, weil es uns unangenehm ist, so wie die Bettler und Bettlerinnen. Das passiert in der Unsichtbarkeit, und die „Wienwoche“ hat es geschafft, das sichtbar zu machen. (GR Mag Wolfgang Jung: Und das nennen Sie Kultur?) Die „Wienwoche“ hat das thematisiert, sie macht das sichtbar, genauso eben wie andere sozial schwache Gruppen.

 

Das sind 30 Vereine, Gruppen (Zwischenruf von GR Mag Wolfgang Jung.) – Sie können sich bewerben; Sie müssen mit der Isabella Leeb sprechen, ob Sie ihr nachfolgen können als Pressesprecher, Herr Jung –, die haben das sichtbar gemacht, und allein das ist eine enorme Leistung. Wenn ich mir dagegen anschaue, was das Parteifest der ÖVP bietet – wobei wir überhaupt darüber reden müssen, wie lang das noch ein Parteifest sein soll; ich werde immer sehr für das Stadtfest kämpfen, aber ich denke mir, dass es endlich aufhören müsste, eine Parteiveranstaltung zu sein –, das bietet Rainhard Fendrich und Trackshittaz. 400 000 EUR. Doch hier wurde mit 450 000 EUR eine Plattform geschaffen, die in höchster künstlerischer Qualität Gruppen sichtbar macht, Probleme der Stadt thematisiert, sich mit der Stadt auseinandersetzt, und das in einer ganz, ganz hervorragenden, spannenden Weise, die auch nachhaltig sein wird.

 

Das wird in der Stadt nachwirken. Das ist kein Festival, wo man hingeht und sich amüsiert, sondern das sind Gruppen, die etwas thematisieren. Deswegen stehen jetzt zum Beispiel auch noch Obstbäume herum, die sie gepflanzt haben im Rahmen der „Wienwoche“. Das ist auch ein schönes Thema, das kann man ja politisch einmal thematisieren: Warum stehen nicht mehr Obstbäume in der Stadt, wo man sich dann die Äpfel pflücken kann, also sogenannte Common Goods? Das ist ja ein schönes Thema, über das man auch reden kann.

 

Übrigens den Fendrich haben sie auch thematisiert. Der HOR 29 Novembar, der übrigens auch bei den Festwochen schon aufgetreten ist, ist auch mehrmals für die „Wienwoche“ aufgetreten, gestern vorm Innenministerium. Sie haben dort „Die ArbeiterInnen von Wien“ gesungen, und sie haben auch gesungen „Amen se andar e Austria!“, das ist die Übersetzung von „I am from Austria“ auf Romanés. Also sie definieren das für sich um. Das sind Menschen, die zugewandert sind, die sagen, ich will Österreich zu meiner Heimat machen. Ich lasse mir das aber nicht von wem anderen sagen, wie das geht, sondern ich nehme das für mich in Anspruch, dass Wien, dass diese Stadt meine Heimat ist, und ich trage dazu bei, ich arbeite daran, das auch für alle gut lebbar zu machen.

 

Ich glaube, es kann keine schönere Aufgabe für ein urbanes, für ein städtisches Kulturprojekt geben, als zum Zusammenleben in dieser Stadt beizutragen mit den wirklich enormen Möglichkeiten, die Kultur hat. Die Kultur

 

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