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Gemeinderat, 33. Sitzung vom 30.01.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 13 von 97

 

che Leute sucht.

 

Was ich aber schon anmerken möchte, ist, dass man die Eltern halt auch nicht ganz aus der Verantwortung entlassen kann, was die Mehrsprachigkeit der Kinder betrifft. Denn wenn ich daran denke, dass mein Sohn in einer Volksschule war, wo es über 20 verschiedene Muttersprachen bei den Kindern gegeben hat, ist die Kommune schon überfordert, für alle Sprachen in dieser Stadt einen Unterricht anzubieten.

 

Ich würde Sie aber gerne fragen, weil mein Kollege Nepp vorhin auch über Deutsch vor Schulbeginn gesprochen hat. Frau Brandsteidl hat eine Woche, bevor diese Einschulungen begonnen haben, ich darf zitieren, gemeint: „Wer nicht versteht, was gesagt wird oder geschrieben steht, hat in der Schule keine Chance. Schüler mit mangelhaften Deutschkenntnissen sollen daher ein zusätzliches Jahr Zeit bekommen, um somit sprach- und schulfit zu werden.“ - Sie hat damit zum Ausdruck gebracht, dass auch das Beherrschen der deutschen Sprache Einfluss nimmt, ob das Kind eingeschult wird oder Vorschule oder 1+1-Fördermodell bekommt. Aber, Herr Stadtrat, ich habe dann am Freitag, bevor die Schuleinschreibungen begonnen haben, eine Mail eines Direktors bekommen. Dieses hat er von einer ihm übergeordneten Dienststelle, aus dem Stadtschulrat, bekommen. Darin steht: „Liebe Direktoren, liebe Direktorinnen! Vor Beginn der Einschreibungen und im Hinblick auf die täglichen Informationen in der Presse bezüglich Vorschulklassen, Beherrschung der Unterrichtssprache, möchte ich klar feststellen, dass die Einschreibmodalitäten wie im vergangenen Jahr durchzuführen sind.“

 

Jetzt frage ich mich schon. Schulreife hat ja nichts mit Sprachfeststellung zu tun. Man kann schulreif sein, wenn man nicht Deutsch versteht. Was hat sich da jetzt wirklich getan? Bleibt alles so, wie es war? Oder hat man bei der Schuleinschreibung heuer schon andere Maßstäbe zur Anwendung gebracht?

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Herr Stadtrat.

 

Amtsf StR Christian Oxonitsch: Frau Gemeinderätin!

 

Ich kann noch einmal auf die Fragestunde, aber auch durchaus auf die letzte Beantwortung verweisen.

 

Wir haben in dem Bereich der Sprachförderung in den vergangenen Jahren, und das wirklich schon über Jahre hindurch, noch einmal, seit 2008, mit einer Vielzahl von Maßnahmen in dem Bereich reagiert. Ich denke, und da sind wir uns alle einig, ein ganz wesentlicher Bereich war, mit Sprachförderung schon früher zu beginnen, eine Maßnahme, die wir in Wien ganz intensiv durch die 15a-Vereinbarung und den gemeinsamen Kampf für die 15a-Vereinbarung möglich gemacht haben, und letztendlich, aber auch, durch die Einrichtung von verstärkten Vorschulklassen, und wir sind im Bereich der Vorschule bereits in der Schule, ein entsprechendes zusätzliches Fördermodell auf die Beine zu bringen, welches eben nicht nur die Sprache betrifft - aber es verkürzt sich dann halt immer sehr stark auf diesen Bereich -, das es möglich macht, Kindern, die in der Sprache oder in anderen Bereichen Defizite haben, zusätzliche Förderung und Unterstützung im Rahmen dieser Vorschulen zu geben.

 

Insofern sage ich noch einmal das, was ich das letzte Mal auch gesagt habe. Es hat sich hier nichts verändert. Es ist hier für uns ein ganz wesentlicher Bereich, darauf hinzuweisen, dass wir Kindern, die einen entsprechenden Förderbedarf haben, Kindern, die im Bereich der Schulpflicht auf der einen Seite die Schulpflicht zu erfüllen haben, auf der anderen Seite aber eine Schulreife, und es ist auch klar definiert, in welchen Bereichen, nicht vorweisen, jene Förderung auch schon im System Schule geben wollen, die wir für gut und richtig halten und mit der wir ganz maßgebliche Erfolge haben. Ich habe zuerst schon auf die OECD-Studie hingewiesen. Da wird explizit dieser Bereich der Mehrsprachigkeit und vor allem der Förderung für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache hervorgehoben, als auch die anderen Maßnahmen.

 

Insofern glaube ich, wir haben hier seit Jahren ein gutes Modell am Laufen, das aber immer verbessert werden kann. Ich würde mir zum Beispiel wünschen, dass gerade die 15a-Vereinbarung für die frühe sprachliche Förderung sich nicht nur auf das letzte Kindergartenjahr bezieht, sondern auf zwei. Das ist für mich eine wesentlich wichtigere Diskussion, als das zweite verpflichtende Kindergartenjahr. Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir uns hier gemeinsam rasch finden können, dass diese 15a-Vereinbarung zumindest auf die letzten zwei Kindergartenjahre gefördert wird. Das würde durchaus auch mehr Kindern möglich machen, direkt in die Schule einzusteigen. Das ist der richtige Weg. Solange wir das nicht haben, werden wir weiterhin das gute Modell mit den Vorschulklassen weiterfahren.

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Die letzte Zusatzfrage zu dieser Anfrage stellt GR Akkilic. - Bitte.

 

10.07.50

GR Senol Akkilic (Grüner Klub im Rathaus): Herr Stadtrat!

 

Ich finde es sehr schade, dass in der Debatte von Seiten der ÖVP und auch von Seiten der Freiheitlichen Partei immer der negative Ansatz gesucht wird, nämlich, dass man sich auf die Kinder, die nicht Deutsch können, konzentriert. Selbstverständlich muss man hier einiges tun, wird auch geschehen. Ich glaube nicht, dass die Vorschulklassen die Lösung dafür sind. In Deutschland ist man mit diesem Konzept gescheitert.

 

Darüber hinaus haben wir die Mehrsprachigkeit in mehreren Bereichen, im AHS-Bereich, im Universitätsbereich. Mittlerweile haben wir einen internationalen Arbeitsmarkt. Auch die Aktivitäten österreichischer Firmen in Osteuropa oder in anderen Ländern zeigen, dass mehrsprachiges Personal mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat.

 

Gibt es von Ihrer Seite Überlegungen, dieses Potenzial in Zusammenarbeit mit dem AMS, übergeordnet in der Region, wie zum Beispiel die Donauregion, einzusetzen, um für diese Leute mehr Raum zu schaffen, um Mehrsprachigkeit auch in diesem Bereich, im Arbeitsmarktbereich, aufzuwerten?

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Bitte, Herr Stadtrat.

 

Amtsf StR Christian Oxonitsch: Herr Gemeinderat!

 

Ich denke, dass Mehrsprachigkeit, gerade von Seiten der Wirtschaft, durchaus etwas ist, was mehr Anerken

 

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