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Gemeinderat, 34. Sitzung vom 01.03.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 44 von 83

 

Seiten 21, 22. Es geht um die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen, wo besonders die Hürden angesprochen sind. Dazu ist festzuhalten: Studien im In- und Ausland sind häufig nicht vergleichbar, das ist ganz einfach so! Sie sind nicht auf dem gleichen Niveau und sie gehen oft auch von verschiedenen Voraussetzungen aus. Wer, meine Damen und Herren, einen österreichischen Abschluss haben möchte, der muss sich eben den österreichischen Bestimmungen und Vorgaben unterwerfen und diesen nachkommen. Ich denke, man kann diesen Leuten nicht anders helfen. Das ist ganz einfach so. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Seite 23, zur „Rückwanderung von hochqualifiziertem Personal“, die hier gefordert wird. Das, meine Damen und Herren, wäre nicht nötig, wenn die Abwanderung schon eingeschränkt würde. Wir wissen, ich zitiere das ohnehin immer wieder, und ich werde nicht müde, es zu sagen, man muss es offenbar immer wieder sagen: Für Professorenstellen an österreichischen Universitäten kommen bekanntlich nur Personen in Frage, die eine Zeit lang im Ausland nicht nur tätig gewesen sind, sondern dort auch bezahlt worden sind. Und das ist für eine Reihe von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern mit Familien praktisch unmöglich und ihnen zum Teil auch unzumutbar. Diese können dann keine entsprechende Karriere in Österreich machen.

 

Ich habe mir hier vom Beauftragten in diesem Punkt eine etwas klarere Stellungnahme und auch eine Einflussnahme erwartet – bei allem Respekt selbstverständlich vor der Internationalität der Wissenschaften und der einzelnen Wissenschafterinnen und Wissenschafter.

 

Und damit verbunden in diesem Zusammenhang, Seite 25, wird unter „Berufliche Perspektiven und NachwuchswissenschafterInnen“ auch die Verbesserung von Karrierechancen angesprochen. Dort wird gesprochen vom Nepotismusverdacht, der eben bei den sogenannten Hausberufungen, nämlich wenn jemand als Österreicher auf eine österreichische Professorenstelle vor- oder nachrücken soll, angesprochen ist. Ich glaube selber nicht, dass es der Nepotismusverdacht alleine ist, der diese ungeliebten Hausberufungen verhindert. Ich sehe eher ein familienfeindliches Vorgehen, das unter dem Deckmantel der Internationalität Familienväter, Familienmütter in ihren Karrierechancen doch grob eingrenzt.

 

Seiten 28 bis 31: „Zusammenarbeit auf europäischer und regionaler Ebene.“ Ich bin selber Wissenschafter, ich weiß, wie das ist. Das ist selbstverständlich sehr wichtig. Aber es sollte nicht das einzige ausschlaggebende Kriterium für eine Unterstützung zum Beispiel von Projekten sein, so wie es nämlich bisher der Fall ist.

 

Wenn ich als österreichischer Wissenschaftler eine gute Idee für ein Projekt habe und auch bereit bin, das selber durchzuführen – eventuell mit den vom Fonds oder von wem auch immer bezahlten Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen –, dann bin ich heute gezwungen, mir einen Mitantragsteller zu suchen, möglichst aus einem fachnahen Bereich und am besten auch, ich erfinde das jetzt einmal, aus Albanien oder Tadschikistan, das ist vielleicht noch besser. – Das sollte eigentlich der Vergangenheit angehören! Das könnte ich in Prinzip auch alleine machen, habe aber keine Chance nach den derzeit geltenden Bestimmungen und Regelungen, so wie es eben gehandhabt wird, das allein wirklich durchzuführen. Da würde ich mir erwarten, dass der Beauftragte besser und schwerer eingreift.

 

Seiten 32 bis 36: „Gemeinsames Profil für die Hochschulen der Region Wien.“ Klingt gut, basiert aber auf dem gleichen Fehler – und dieser Bericht macht auch den gleichen Fehler, wie ihn meiner Meinung nach die Bundesregierung und das zuständige Bundesministerium machen, nämlich alles über einen Kamm zu scheren.

 

Unterschiedliche Studien mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Studien, zu denen man unterschiedliche Begabungen haben muss, kann man nicht um jeden Preis gleichschalten! Denken Sie bitte an das Bachelor-System, das zwar für alle gilt, aber keineswegs für alle passt. (Beifall von GRin Uta Meyer.) Umso weniger kann man verschiedene Hochschulen, Universitäten und andere Forschungseinrichtungen auf eine Linie bringen und auf einer Linie führen. Sie werden immer in irgendeiner Form auseinanderdriften. Ich fürchte, dass der vorgesehene Maßnahmenkatalog daher ein weiteres Stück Papier bleiben wird.

 

Zu den „Vorschlägen und Empfehlungen“ auf den Seiten 37 bis 41, die ja den eigentlichen Bericht des Beauftragten im engeren Sinne vorstellen beziehungsweise darstellen, habe ich zwei oder eigentlich drei Bemerkungen. Es ist hier die Problematik der Kettenverträge angesprochen. Ich erkläre jetzt nicht, was das ist, Eingeweihte wissen, worum es dabei geht. Diese Kettenverträge rufen weiterhin Ungerechtigkeiten hervor, und diese Ungerechtigkeiten bleiben leider bestehen. Der Beauftragte hat auch dazu keinerlei Initiativen gesetzt.

 

Ein Zweites ist der geplante Lehrgang für Politische Bildung an der Universität Wien. Dem begegne ich, meine Damen und Herren, mit allergrößter Skepsis. Ich befürchte da eine Verherrlichung linken Gedankenguts in marxistischer Tradition, wie sie eben bei den entsprechenden Pflichtlehrveranstaltungen über Marxismus-Leninismus-Theorie und so weiter an Hochschulen in den ehemaligen Ostblockstaaten gang und gäbe waren. Ich dachte, wir hätten das bereits überwunden, aber offenbar nicht, wir führen das in Österreich wieder ein – so nach dem Willen des Beauftragten. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Die übrigen Vorschläge und Empfehlungen sind weitgehend ohnehin Wiederholungen von früher Gesagtem oder eben Ähnlichem. Zum Beispiel die Anerkennung von Bachelor-Abschlüssen. Ich sage es noch einmal: Diese sind im Berufsleben leider ohnehin oft unbrauchbar. Wir haben nun einmal in Österreich keine Bachelor-Kultur. Wir hätten vielleicht zuerst eine Bachelor-Kultur schaffen und dann Bachelor-Abschlüsse zulassen sollen, aber nicht umgekehrt. So ist es eben.

 

Resümee aus dem Bericht, der mich jetzt auch in die Zukunft blicken und Erwartungen an die Zukunft knüpfen lässt: Der Beauftragte hat letztlich keine brauchbaren Lösungen für die Entwicklung der Universitäten und damit des Universitätsstandorts Wien. Er hat keine nen

 

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