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Gemeinderat, 47. Sitzung vom 13.12.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 25 von 104

 

anderen Universitätsstädten kosten. (StR Mag Manfred Juraczka: Was für ein Vergleich! – GR Dipl-Ing Roman Stiftner: Äpfel und Birnen haben mehr gemeinsam!)

 

Und halten wir einmal ganz nüchtern fest: 12 000 Studierende aus Deutschland und, noch einmal, einige Zehntausend aus anderen europäischen und außereuropäischen Städten tragen wesentlich dazu bei, dass die Qualität Wiens so hoch ist, wie sie ist. Sie sind willkommen, sie nützen Wien; und diese Aktuelle Stunde soll auch ausdrücken, dass das gut ist und dass das auch weiter ausgebaut werden soll. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Ausdrücklich würdigen, ja, mehr als würdigen, will ich jetzt die Rolle des Bundes. Jeder, der in den letzten Wochen die Chance hatte, durch den Bereich der neuen Wirtschaftsuniversität zu gehen, sagt, boah, das ist was Besonderes! Anerkennung an alle, die das mitverantwortet haben. Da will ich auch den heutigen Klubobmann Schicker nennen, der als Planungsstadtrat mitentschieden hat, dass diese Wirtschaftsuniversität errichtet wird.

 

Zur Diskussion zum Thema Privat und Staat möchte ich anführen: Die Wirtschaftsuniversität ist nicht nur hervorragend, sondern sie wurde auch laut Zeit- und Kostenplan errichtet, was zeigt, dass auch die öffentliche Hand – in diesem Fall ist es nicht die Stadt Wien –, zu derartigem im Stande ist und nicht nur ausschließlich Privatisierungsideen gemacht werden. All jenen, die daran mitgewirkt haben, gehört der ausdrückliche Dank Wiens. Das ist eine große Tat, die Wien langfristig nützen wird.

 

Was kann Wien beitragen? Obwohl die Universitäten Bundessache sind, kann und soll Wien da einiges tun. Ich erinnere an eine Großtat eines vergangenen, schon verstorbenen Finanzstadtrates Mayr: Vor vielen Jahrzehnten hat er das Alte AKH dem Bund geschenkt. Heute ist das alte AKH ein vitaler Bereich der Stadt. Und ohne dazu Dinge zu versprechen oder abgesprochen zu haben, denke ich, dass die Stadt Wien für dieses wachsende Wien Beiträge beziehungsweise auch Räumlichkeiten in Kooperation anbieten kann. Mir fallen da einige Areale ein, die auch heftig umstritten sind, die sich möglicherweise als universitäre Standorte gut eignen würden. Ja, wir können überall mehr tun, Wien kann mehr tun; und gerade weil Wien davon so profitiert und weil wir eine Universitätsstadt sind, sollen wir da was beitragen.

 

Ein Letztes in den letzten 35 Sekunden: 2015 ist für uns nicht nur ein Wahljahr, sondern da haben wir auch drei ganz große Jubiläen. 2015 heißt 650 Jahre Universität Wien, 200 Jahre Technische Universität und 250 Jahre Veterinärmedizinische Universität. Ich würde mich – nein, nicht freuen, freuen ist mein Privatthema; ich fände es angemessen, wenn wir uns gemeinsam zusammensetzen und einen Beitrag Wiens überlegen würden, was die Stadt Wien zu diesem großen Jubiläum der Universitätsstadt Wien beitragen kann. Wir sollten die nächsten Monate dafür nützen, nämlich für dieses große Fest, das es schwierig haben wird, in einem Wahljahr Gehör zu finden. Morgen werden wir viel über die Mariahilfer Straße lesen. Das ist gut so. Ich bin neugierig, ob man auch über diese Diskussion etwas lesen wird. Wir werden uns dafür einsetzen.

 

Ich richte meinen Appell an alle vier Parteien, das mitzutragen, nämlich dieses große Jubiläum der Universitätsstadt Wien 2015 gebührend zu feiern; und zwar nicht nur zu feiern, um jemanden hochleben zu lassen, sondern vielleicht, um den einen oder anderen Samen zu säen, der die Universitätsstadt Wien gebührend feiert. Ich hoffe, dass Sie daran Interesse haben. Wir werden uns dafür einsetzen. – Danke schön. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Vorsitzender GR Mag Dietbert Kowarik: Als nächster Redner hat sich Herr GR Dr Eisenstein zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihm.

 

11.05.17

GR Univ-Prof Dr Herbert Eisenstein (Klub der Wiener Freiheitlichen)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie!

 

Ich komme auf diese Studie zu sprechen, die der Herr Prof Van der Bellen eingangs vorgestellt hat. Ich schicke voraus: Keine der Erhebung, keine der Daten stelle ich in Frage, nicht einmal die Ergebnisse; aber die Schlussfolgerungen, die in dieser Studie gezogen werden, muss ich schon deutlich relativieren.

 

Wir sprechen von den – auch das ist heute schon gesagt worden – 187 000 Studierenden und 32 000 Beschäftigten der Universitäten in Wien, die direkte Wertschöpfungseffekte in der Höhe von 2,29 Milliarden EUR ergeben. Dazu ist Folgendes zu sagen:

 

Erstens: Ein Teil der genannten Studierenden und Beschäftigten wäre auch so in Wien, ohne zu studieren, ohne an einer Uni oder Fachhochschule zu arbeiten; und auch diese würden dann eine Wertschöpfung erbringen und für eine Wertschöpfung sorgen. Somit stimmt der Gesamtbetrag von 2,29 Milliarden EUR nicht mehr.

 

Zweitens: Auf den Seiten 22 und 23 dieser Studie ist sehr richtig angesprochen die Dominanz des Hochschulstandortes Wien innerhalb der gesamten österreichischen Hochschullandschaft. Aber das Bild wird insofern verzerrt, als ja die Fachhochschulen und Privatuniversitäten voraussichtlich in Zukunft noch attraktiver werden. Somit kann ja diese Studie nur eine Momentaufnahme sein, die im Augenblick ihres Entstehens, etwas überspitzt gesagt, auch schon wieder überholt ist. Und auch wenn das im Augenblick in den Koalitionsverhandlungen kein Thema war, wird eine Einführung von Studiengebühren die Studierendenlandschaft noch einmal deutlich verändern.

 

Drittens: Der steigende Ausländeranteil bei den Studierenden, der stärker wächst als der Inländeranteil, bedeutet bitte keine starke Anziehungskraft auf hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten, wie ich auf Seite 31 der Studie lese, da nämlich diese Migrantinnen und Migranten ihre Qualifikationen erst erwerben müssen, und da nicht gesagt ist, dass sie dann auch hier in Österreich bleiben.

 

Viertens, zum Thema Hochschulen als Arbeitgeber, ab Seite 51 der Studie, gebe ich zu: Alles vollkommen richtig, die Universitäten, Fachhochschulen, Privatuniversitäten sind ein sehr, sehr wichtiger Arbeitgeber in der Stadt Wien, wahrscheinlich einer der wichtigsten überhaupt. Aber bei den Hochschulen als Arbeitgeber wird

 

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