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Gemeinderat, 47. Sitzung vom 13.12.2013, Wörtliches Protokoll  -  Seite 57 von 104

 

auch genügend Platz für die Bestattung seiner Toten haben.

 

Von der Wiener Friedhöfe GesmbH gab es auch auf mehrfaches konkretes Nachfragen im Bauausschuss des Bezirks keine eindeutige Auskunft, wie viele Gräber auf Grund der ständig steigenden Bevölkerung im Raum Aspern in Zukunft benötigt werden. Dafür gab es die kuriose Aussage: Die Leute, die jetzt nach Aspern ziehen, sterben ohnehin erst in 50 Jahren.

 

Das finde ich sehr interessant: Bis dorthin stirbt keiner, und dann hat man eh noch Zeit, dass wir es uns richten. Meine Damen und Herren von der SPÖ und von den GRÜNEN, geben Sie es zu: Es gibt schlichtweg kein Konzept und keine solide Planung, wie viel Platz man in den nächsten Jahren für Gräber benötigt!

 

Genauso chaotisch hat sich diese Causa auch im Bezirk widergespiegelt. Der Bezirksbauausschuss fand keine Einigung, es wurde nicht einmal abgestimmt. Im Gegenteil, der Vorsitzende versprach eine Überarbeitung des Aktes, die - man wundert sich nicht - natürlich nicht erfolgte. Umso größer die Überraschung bei der letzten Bezirksvertretungssitzung, wo dann doch abgestimmt wurde - no na, einzig die SPÖ war dafür! Nicht einmal die GRÜNEN im Bezirk sind für diese Verbauung.

 

Unverständlich ist mir sowieso, warum man dieses Grundstück in der Donaustadt, das verhältnismäßig klein ist, unbedingt verbauen muss und die Roten und die Grünen im Bezirk ständig darüber raunzen, warum man so wenig Grünanteil hat. Es wäre doch sinnvoller, in diesem dicht verbauten Gebiet rund um den Friedhof in Aspern eine kleine grüne Oase - das meine ich nicht politisch - zu erhalten.

 

Wir haben in der Donaustadt jetzt schon unterdurchschnittlich an Friedhofsfläche pro Bewohner zur Verfügung. Mit knapp über einem Quadratmeter ist es die geringste Friedhofsfläche pro Einwohner in Wien und in vielen Städten. Die Donaustadt ist der am stärksten wachsende Bezirk - es kann nicht unsere Zukunftsperspektive sein, ständig den Wiener Zentralfriedhof zu besuchen und den Verstorbenen dort die letzte Ehre zu erweisen!

 

Im Bezirksausschuss wurde auch von einem Trend zur Feuerbestattung gesprochen. Ich weiß zwar nicht, was daran trendig ist, aber bitte: Urnenbestattungen machen in Wien im Durchschnitt nur zirka 5 Prozent aus - in einem Beachtungszeitrum von 1990 bis 2012 -, und es wird sich in nächster Zeit vermutlich nicht so rasend schnell daran etwas ändern.

 

Die Reserveflächen des Asperner Friedhofs müssen nicht zwingend herangezogen werden, um diese zu verbauen. Es gibt in der Donaustadt genug andere Flächen. Wir werden mit aller Vehemenz dafür weiterkämpfen, dass das Verscherbeln von Friedhofsflächen so rasch wie möglich gestoppt wird. Ich bitte Sie, dieser Umwidmung nicht zuzustimmen, es ist wirklich nicht sehr sinnvoll. - Danke sehr. (Beifall bei der ÖVP.)

 

Vorsitzende GRin Dr Monika Vana: Zum Wort gemeldet ist Herr GR Mag Chorherr. Ich erteile es ihm.

 

14.44.43

GR Mag Christoph Chorherr (Grüner Klub im Rathaus)|: Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Wir erleben eine Wiederauflage eines bekannten Stückes. Dieses Stück heißt: Wenn es um den Wohnbau geht, geht der Kollege Walter heraus und sagt, 10 000 Wohnungen für Wien, diese Regierung versagt, weil sie nicht genügend Wohnungen baut! (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Jetzt muss man neue Wohnungen für eine stark wachsende Stadt auf dem Boden bauen, und überall - ja, Sie haben recht, Herr Kollege - gibt es Gründe, warum es ausgerechnet dort jetzt nicht sein soll. Überall gibt es Menschen, die aus verständlichen Gründen sagen, warum hier, warum nicht woanders? Nur, woanders sind die, die wiederum sagen, warum nicht woanders?

 

Wir sind von diesen 10 000 Wohnungen unter anderem deswegen entfernt, Herr Kollege Walter, weil es Menschen wie den Vorredner gibt, die genau diese Argumente bringen. Jetzt gehe ich auf die Argumente ein und werde sagen, warum die Grüne Fraktion dafür stimmen wird.

 

Erstens ist es keine Friedhofsfläche, sondern eine Friedhofserweiterungsfläche. Das ist ein nicht unwesentlicher Unterschied. Die Widmung erfolgt auch nicht aus Jux und Tollerei, sondern ein Liegenschaftseigentümer - das sollten Sie aus dem ökonomischen Bereich kennen - meint und begründet - zu den Begründungen komme ich dann noch -, dass es diese Flächen für den eigentlichen Zweck nicht mehr braucht, und möchte sie einer anderen Nutzung zuführen.

 

Ich sage Ihnen, was diese Nutzung ist: Diese Nutzung ist der Wohnfonds. Und dieser Wohnfonds macht was? Er sorgt dafür, dass dort sozialer Wohnbau entsteht, den wir in Wien dringend brauchen, meine Damen und Herren!

 

Wie argumentieren die Friedhöfe Wien? Ich kann jetzt nur deren Argumentation weitergeben. Ja, jetzt reden wir einmal über das Sterben, über die Kultur des Sterbens beziehungsweise in dem Fall der Friedhöfe in Wien. Die Friedhöfe Wien argumentieren wie folgt, es sind zwei Gründe, warum sie glauben, dass diese Erweiterungsflächen nicht mehr notwendig sind.

 

Den einen Grund haben Sie erwähnt: Es gibt einen langsamen, aber stetigen Trend, dass Menschen Feuerbestattungen vorziehen gegenüber den in Wien und Österreich historischen Gräbern. Ganz nüchtern, in aller Wertschätzung vor dem Thema Friedhöfe und Todeskultur, braucht das weniger Platz. - Das ist Grund Nummer 1.

 

Es gibt noch einen zweiten Grund: Dass im Unterschied zu Jahrzehnten früher, wo ein Grab über viele Generationen in der Familie gehalten wurde, auch gepflegt wurde, auch dafür gezahlt wurde, die Zeit, die durchschnittlich eine Familie ein Grab hält, geringer wird. Das ist ein wesentlicher Punkt. Das heißt, dass - wie sage ich das jetzt pietätvoll? - es eine ökonomische Frage ist, dass sozusagen der Wechsel auf einem Grabesstandort kürzer wird.

 

Das heißt, dass auch dann, wenn die Zahl der Menschen - also auch die Zahl der Toten - steigt, die Wiener Friedhöfe davon ausgehen, dass die Fläche, die sie dafür benötigen, nicht in dem Ausmaß steigt wie in der Vergangenheit. Das ist ein Grund, warum Friedhöfe

 

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