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Gemeinderat, 62. Sitzung vom 29.01.2015, Wörtliches Protokoll  -  Seite 7 von 103

 

Ausdruck gebracht. Selbstverständlich ist es auch seine Aufgabe, Kinder und Jugendliche, die Trauer oder Betroffenheit zum Ausdruck bringen, entsprechend zu begleiten, zu stützen und zu beraten. Er nimmt dies ernst und geht auch auf ihre zahlreichen Fragen ein.

 

Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft ist hier gerade auch durch entsprechende Vorbereitungen in den letzten Monaten zu einem wirklichen Kompetenzzentrum für Gesamt-Österreich geworden. Denn ich finde es ein gutes Zeichen, dass Wien gerade mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft hier ein wirkliches Kompetenzzentrum hat.

 

Es kommt ja nicht von irgendwo her, dass es gerade der Wiener Kinder- und Jugendanwalt war, der immer wieder als Experte mit Rat und Tat nicht nur den Wiener Jugendlichen in der Einrichtung, sondern letztendlich als Experte auch den Medien zur Verfügung gestanden ist. Er macht das - wie viele JugendarbeiterInnen in der Stadt, wie viele SozialarbeiterInnen und LehrerInnen in Wien - mit einem sehr großen Engagement.

 

Paris stellt zweifellos einen traurigen Höhepunkt einer Entwicklung dar, einer Entwicklung aber, die wir natürlich auch schon in den vergangenen Wochen und Monaten gespürt haben und die international beobachtbar war. Es ist ein trauriger Höhepunkt, aber letztendlich eine Entwicklung, die wir schon länger verfolgt haben.

 

Es ist auch eine Entwicklung, auf die Wien entsprechend reagiert hat. Bereits zu Beginn des letzten Sommers habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin StRin Frauenberger den Auftrag erteilt, ein Netzwerk für Deradikalisierung und Prävention zu installieren. Wir haben das als erstes Bundesland sehr engagiert gemacht, und letztendlich sind die zahlreichen Kontaktnahmen gerade auch aus anderen Bundesländern ein gutes und deutliches Zeichen, dass wir es hier eigentlich in sehr kurzer Zeit geschafft haben, große Expertise aufzubauen, wenngleich auch international etwas wie Ratlosigkeit, wie mit diesem Phänomen umzugehen ist, selbstverständlich auch bei den vielen engagierten SozialarbeiterInnen da ist.

 

Zu tun, wie wenn irgendjemand das große Patentrezept hätte, wäre falsch. Daher war es auch ganz besonders wichtig, den internationalen Dialog zu forcieren und sich darüber auszutauschen, welche Rezepte in welcher Art und Weise am besten angebracht werden können.

 

Dieses Netzwerk in Wien umfasst die ExpertInnen der MA 10, also der Wiener Kindergärten, der MA 11, der Wiener Jugendwohlfahrt, der MA 13, der MA 17 und des Wiener Stadtschulrates, unter der Koordination der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft. Es arbeitet auf der Grundlage der Kinder- und Jugendrechte. Darüber hinaus wird auch mit Kooperationspartnern wie dem Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, dem AMS Jugendliche, dem WAFF und „Neustart“ sehr eng zusammengearbeitet.

 

Die Rechte und Interessen von Kindern und Jugendlichen haben für uns in der Stadt höchste Priorität. Unser sozialer Frieden, der Wohlstand und Fortschritt für die Zukunft hängen auch davon ab, wie wir heute mit Kindern und Jugendlichen umgehen. Daher müssen wir unsere Kinder und Jugendlichen vor jeder Form des Extremismus und der Radikalisierung schützen und ihnen ein offenes Ohr bieten, Gespräche und Zukunftsperspektiven bieten.

 

Der wesentliche Bereich der Beziehungsarbeit ist etwas, das letztendlich immer im Mittelpunkt der Jugendarbeit auch in diesem Bereich steht. Das ist die Aufgabe der Jugendarbeit. Polizeiliche Instrumente sind andere, die wesentlich sind, aber für den Bereich der Jugendarbeit geht es für uns maßgeblich immer wieder auch um Beziehungsarbeit. So verhindern wir, wie ich denke, am besten, dass Jugendliche auf Tricks und manipulierende Rhetorik von Fanatikern hereinfallen. Wir stellen damit sicher, dass auch in Zukunft Werte wie Solidarität, Gemeinschaft, gegenseitiger Respekt und Unterstützung einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft behalten.

 

Wir benötigen aber - und auch darauf hat der Wiener Kinder- und Jugendanwalt hingewiesen - Reformen im Bildungsbereich, die letztendlich auch mit einem Kulturwandel einhergehen müssen und nicht nur reaktiv sein können. Humanistische und politische Bildung, Demokratieerziehung, Aufklärung über Sexismus, Rassismus, Antisemitismus müssen ein wesentlicher Teil letztendlich auch im Unterricht sein, aber auch im gesellschaftlichen Diskurs entsprechend verankert sein. Auch die Umsetzung der Chancengerechtigkeit im Bildungsbereich war, ist und bleibt weiterhin eine unserer wesentlichen Prioritäten. Sie ist einer der Garanten für Partizipation, für Demokratiefähigkeit und auch für Perspektiven für Jugendliche.

 

Umso erfreulicher ist es, dass gerade auch zum Beispiel durch Aussagen von Vizekanzler Mitterlehner letztendlich auch in die gesamte Diskussion rund um einen Ethikunterricht an den Schulen wieder Bewegung gekommen ist. Ich hoffe, dass es bald auch zu entsprechenden Einigungen in diesem Bereich kommen kann.

 

Wien ist im Hinblick auf Prävention vor Radikalisierung und Extremismus letztendlich auch ein wesentlicher Ansprechpartner im europäischen Vergleich geworden. Wir investieren europaweit am meisten in städtische Jugendarbeit, und wir haben eben, wie schon angesprochen, als erstes Bundesland in Österreich auf diese neue Form von Radikalisierung auch mit folgenden Maßnahmen reagiert.

 

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft fungiert als zentrale Informations- und Anlaufstelle für Jugendliche, Eltern und LehrerInnen. Die Kinder- und Jugendanwaltschaft ist hier tatsächlich auch für viele Kinder und Jugendliche die erste Anlaufstelle, und sie war auch österreichweit die erste Anlaufstelle. Individuelle Einzelfallbetreuung durch Jugend- und SozialarbeiterInnen in den Jugendzentren, den Regionalstellen der MA 11 sowie den zahlreichen Angeboten der außerschulischen Jugendarbeit sind ein weiterer ganz wesentlicher Baustein. Familien werden bei der Bewältigung des Alltagslebens unterstützt. Gerade auch Familien- und Schulsozialarbeit, die Schul- und Familienpsychologie und die Jugendarbeit übernehmen hier eine wesentliche Rolle.

 

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