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Gemeinderat, 68. Sitzung vom 29.06.2015, Wörtliches Protokoll  -  Seite 105 von 140

 

träglich irgendwie lernen und damit umgehen –, aber sie haben schon auch ein großes Gefahrenpotenzial. Diese total digitalisierte Welt, ich weiß nicht, ob das das Ideale ist. Auch Gehirnforschungen zeigen, der Mensch ist nicht der ideale Multitasker, es ist schon auch wichtig, dass man sich auf eine Sache konzentriert und den Rest beiseitelässt. Wenn man sich auf nichts mehr konzentrieren kann, dann macht man nichts gut und nichts in Ordnung. Deswegen meine ich auch, eine gewisse Vorgabe, eine gewisse Richtlinie, die man vorgibt, muss man sich überlegen. Daran hängt vielfach der Bildungserfolg.

 

Der Bildungserfolg hängt natürlich auch mit Wissbegier zusammen und hängt auch damit zusammen, dass man Schule und Elternhaus zusammenspannt und sagt, es ist uns wichtig, dass die Kinder etwas lernen.

 

Ein nächstes Problem: Heute sagen einem viele Schüler: Warum soll ich das lernen, wenn ich es wissen will, brauche ich es nur zu googeln? Warum muss man gewisse Dinge lernen? – Wir werden total abhängig von Google, und was in Wikipedia steht, das ist dann das Evangelium, obwohl es nicht von ganz oben kommt, sondern auch nur Machwerk aus Menschenhand ist. Auch Google ist eine Manipulationsmaschine. Es muss das Wissen auch noch irgendwo einen Wert haben. Man muss gewisse Dinge wissen, damit man sich auch kritisch damit auseinandersetzen kann. Einfach zu sagen, wir haben ohnehin das Internet, da können wir uns die Schule und viele Dinge sparen, denn dann gehen wir ins Google und bekommen eben dort das Halbwissen, ist falsch. Ich glaube, in diesem Bereich müssen wir gemeinsam nachdenken, denn wir stehen in einer Wettbewerbsgesellschaft. Der Wettbewerb wird nicht weniger, er wird immer härter. Schauen Sie sich die Rankings an, schauen Sie sich an, wo die wirtschaftliche Dynamik hingeht. Ich glaube – ohne dass wir jetzt südkoreanische oder japanische Verhältnisse bei uns haben wollen –, Leistung muss etwas zählen, es müssen auch gute Manieren etwas zählen, das ist im Wirtschaftsleben extrem wichtig. Das muss man sagen, es ist unbezahlbar, wenn sich jemand einigermaßen zu benehmen weiß, wenn jemand Umgangsformen hat.

 

Das sind große Herausforderungen, die die Schule nicht allein leisten kann, da sind auch die Eltern gefordert und auch all jene, die sagen, die Menschen, die aus einem guten Umfeld kommen, haben einen Vorteil. Natürlich ist es ein gewisser Vorteil, aber wir wollen ja nicht den Eltern verbieten, sich um ihre Kinder zu bemühen und sagen: Macht nichts für eure Kinder, damit die anderen keinen Nachteil haben! (Beifall bei der FPÖ.)

 

Im Endeffekt müssen wir alle zusammenhalten, damit wir eine Jugend haben, die leistungswillig ist, die leistungsfreudig ist, die sich den Herausforderungen stellt und der auch bewusst ist, dass der Wohlstand, den wir derzeit noch genießen können, nicht selbstverständlich ist. Der Wohlstand ist uns nicht in den Schoß gefallen und wird uns auch in Zukunft überhaupt nicht in den Schoß fallen. Das wäre, glaube ich, ein gemeinsames Anliegen.

 

Da reden wir nicht über Schulorganisation, denn diese organisatorischen Fragen sind meines Erachtens ziemlich sekundär. Wenn man sich die ländlichen Umlandgemeinden ansieht, die Schüler, die aus der sogenannten Hauptschule oder Neuen Mittelschule kommen, sind hervorragend ausgebildet, da ist das überhaupt keine Einbahnstraße. Es hängt nicht vom Taferl ab, das an der Schule hängt, was herauskommt, sondern es muss im Endeffekt auch der Leistungsgedanke gegeben sein.

 

Ich glaube, da ist auch die Frau Präsidentin des Stadtschulrates durchaus dafür zu haben. Sie hat gesagt, es dürfen Noten nicht hergeschenkt werden, es muss auch ein Spiegel da sein. Es nützt nämlich gar nichts, wenn man Noten herschenkt, denn dann kommt die nächste Institution und sagt, dann machen wir Aufnahmetests. Das ist ja jetzt schon so. Man kann mit allen möglichen Zeugnissen herumlaufen und man wird nichts, man kann nicht einmal studieren, wenn man nicht irgendeinen Aufnahmetest schafft.

 

Es bleibt den jungen Menschen nicht erspart, deswegen vermiesen wir ihnen die Leistung nicht! Ich glaube, die Jugend möchte Wettbewerb. Das ist ja beim Sport genauso, wer schaut sich einen Slalom an, bei dem keine Uhr mitläuft? Das schaut sich kein Mensch an. Ein Zeugnis, in dem keine Note steht, ein Zeugnis, aus dem nichts hervorgeht, das ist im Endeffekt uninteressant. Ich glaube, da ist bei der Jugend sozusagen doch ein gewisses Empfinden da, und das sollte man entsprechend fördern; auch im Interesse der Allgemeinheit.

 

Eine weitere Sache, die mir auch in diesem Haus immer ein großes Anliegen war, ist die außerschulische Jugendarbeit. Da habe ich strukturelle Kritik anzubringen. Ich habe große Skepsis gegenüber all diesen Vereinsgründungen. Ich habe das hier schon oft gesagt, kommunale Aufgaben sind von der Kommune wahrzunehmen, und wenn man die Zivilgesellschaft hereinholen will, dann soll man richtige Vereine gründen, denen dann auch Menschen beitreten können, aber nicht von der Stadt aus Vereine gründen, die zu 100 Prozent von öffentlichen Geldern leben, in die man die eigenen Funktionäre setzt und wo man im Endeffekt kommunale Aufgaben in eine privatrechtliche Struktur hineinverlagert. Das haben Sie gemacht, und das machen Sie weiterhin, und das ist etwas, das zu kritisieren ist. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Das geht ja dann bis zur Donauinsel – da gründet man einen Verein der Donauinsel, bitte, ganz Wien ist ein Verein der Donauinsel, auch jene, die seinerzeit nicht dafür waren, sind froh, dass sie die Donauinsel haben. Warum muss man da einen Verein gründen? Dann hört man, wozu wir den Verein brauchen: Ja, weil dann geht es schneller, weil der Magistrat arbeitet so langsam. – Das haben wir jetzt auch bei manchen Jugendsubventionen gehört. Da hat es geheißen, wir müssen das einem Verein geben, weil da geht es schneller, weil der Magistrat nicht schnell genug arbeitet. (GR Ing Udo Guggenbichler, MSc: Sieben Tage!)

 

Entweder arbeitet der Magistrat langsam und korrekt oder nicht korrekt, aber einfach zu sagen, ich brauche Vereine, denn über die Stadt geht das nicht, das glaube ich Ihnen nicht. Im Endeffekt glaube ich, dass Sie diese

 

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