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Gemeinderat, 34. Sitzung vom 22.03.2018, Wörtliches Protokoll  -  Seite 49 von 97

 

heitliches Konzept umzusetzen und zu einer Verbindung von verschiedenen Bereichen zu kommen.

 

Ich möchte auf das eine Projekt kurz eingehen. Hemayat ist eine Beratungsstelle. Hier ist der Zugang der, zu sagen, es gibt einen sehr großen Bedarf hier nämlich ganz fokussiert auf die Unterstützung von Folter- und Kriegsüberlebenden. Hemayat ist auch die einzige Beratungsstelle, die es dazu hier in Wien gibt, die mit Traumatisierungen arbeitet und die hier umfassend Unterstützung anbietet, nämlich medizinische, psychologische und psychotherapeutische Betreuung für Folter- und Kriegsüberlebende, und auch mit einem ganzheitlichen Konzept arbeitet. Das ist ein wesentlicher Beitrag im Integrationsbereich, weil es nicht nur eine Unterstützung von Einzelpersonen ist, sondern insgesamt auch dazu führt, dass hier Personen mit ihren Familien, mit ihrer Umgebung, mit ihren sozialen Netzwerken gestützt werden und auch dabei unterstützt werden, hier Fuß zu fassen beziehungsweise teilzunehmen und teilzuhaben an der Gesellschaft, an den gesellschaftlichen Strukturen, die es hier gibt.

 

Ganz besonders hervorheben möchte ich den Schwerpunkt, den es hier für Frauen beziehungsweise für Asylwerberinnen und geflüchtete Frauen gibt, die nahezu die Hälfte der Personen ausmachen, die von Hemayat unterstützt und betreut werden. Insbesondere gibt es hier auch für Kinder und Jugendliche ein Angebot von systemischer Familientherapie über Kinderspieltherapie bis hin zu Kunsttherapie.

 

Aber nicht nur die direkte Unterstützung der betroffenen Personen ist wichtig, sondern auch eine Sensibilisierung in der Öffentlichkeit und eine Bewusstseinsarbeit dafür, dass es hier die Notwendigkeit braucht, tatsächlich Unterstützung anzubieten und wie die Situation der betroffenen Menschen sich gestaltet, dass Folter eine Realität ist, die von Menschen erlebt wird, die flüchten und hier nach Österreich kommen, um um Schutz zu bitten. Das ist auch die wörtliche Übersetzung dessen, was Hemayat bedeutet, nämliche Schutz, Unterstützung, Betreuung. Das ist der Verein Hemayat, den wir mit einem Teil unterstützen. Die Stadt Wien ist hier nur eine der FördergeberInnen.

 

Ebenso verhält es sich auch bei den anderen Projekten. Das zweite Projekt ist bekannt als Brunnenpassage, das ist der bekannteste Projektteil, hat aber auch noch zwei weitere Standorte der Caritas der Erzdiözese Wien. Dieses Projekt, auch schon vor über zehn Jahren gegründet, die anderen Standorte sind etwas jünger, ist mit einem sehr guten Konzept, was auch wiederum ganzheitlich ist und versucht, verschiedene gesellschaftliche Bereiche miteinander zu verbinden und sagt, Integration ist nicht ein Bereich für sich, es ist ein Querschnittsbereich, der eben verschiedene andere Bereiche berührt und nur dann funktioniert, wenn es zusammen gedacht wird. Die Brunnenpassage eben als der bekannteste Teil und auch der längste Teil dieses Integrationsprojektes, das aber gleichzeitig auch ein Sozialprojekt und ein Kunst- und Kulturprojekt ist, ist eine Begegnungsmöglichkeit, ein Begegnungsraum, aber auch tatsächlich so etwas wie ein Berührungsraum, wo unterschiedliche Realitäten, unterschiedliche Bevölkerungsteile aufeinander treffen können und dort in Austausch miteinander kommen. Es ist eine Möglichkeit für ganz praktische Angebote wie zum Beispiel Deutsch lernen in unterschiedlichen Gruppen, in unterschiedlichen Kontexten, auf verschiedenen Ebenen, aber natürlich ganz stark auch der kulturelle Teil von Tanzkursen, ein Hip-Hop-Angebot, Musik, Film, Theater. Hier gibt es eine ganz breite Palette, niederschwellig, diese Angebote an eben unterschiedliche Bevölkerungsgruppen heranzubringen und hier vor allem auch den Mehrwert des Austausches dieser Bevölkerungsgruppen untereinander und miteinander zu betonen. Grundsätzlich geht es hier ganz stark um den Abbau von Vorurteilen, weil durch dieses gegenseitige Kennenlernen ist tatsächlich viel möglich und ein besseres Verständnis dessen, nicht nur, wo das Gegenüber steht, sondern auch, wo man selber steht. Und auch ein Hinterfragen dieser Positionen ist möglich. Von daher sei tatsächlich jeder Person, die sich in der Politik bewegt, ein Besuch in der Brunnenpassage ans Herz gelegt. Es gibt ja heute bestimmte Anträge, glaube ich, die ein Praktikum oder Ähnliches in dem einen oder anderen Bereich vorsehen. Also da wäre ein Praktikum in der Brunnenpassage vielleicht sehr lohnend. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Danke. Um das noch einmal aufzugreifen, was ich vor der kurzen Pause gesagt habe: Also ein Praktikum in der Brunnenpassage wäre sicherlich sehr lohnend, weil es da möglich ist, nicht nur anderen Menschen zu begegnen, die es seltener hier in den Gemeinderatssitzungssaal schaffen oder mit denen auch nicht immer ein Austausch gepflegt werden kann, sei es auf Grund sprachlicher Barrieren oder anderer Unterschiede, und tatsächlich sind nicht nur dieses Einander-Begegnen möglich und der Austausch miteinander, sondern eben auch, was ich auch noch einmal betonen möchte, das Reflektieren der eigenen Position, des eigenen Standpunktes und vielleicht auch das Verrücken dieser eigenen Position oder dieses Standpunktes. Das mag tatsächlich auch gewinnbringend und bereichernd sein, nämlich etwas anderes kennen zu lernen und auch zu verstehen, also ein Projekt, das dem Abbau von Vorurteilen dient, einem sehr guten nachbarschaftlichen und respektvollen Miteinander und in der Hinsicht ein sehr wertvolles Integrationsprojekt darstellt, das nämlich insbesondere die niedrigschwellige Zugänglichkeit von Kunst und Kultur ermöglicht und das über sämtliche Bevölkerungsgruppen und Bevölkerungsschichten hinweg.

 

Das dritte Projekt ist das Beratungszentrum für Migrantinnen und Migranten, eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme, die schon seit 1983 existiert, also sehr, sehr lange und auf sehr viel Expertise und Erfahrung in diesem Bereich zurückblicken kann und darauf auch aufbaut. Darin begründet sich auch, dass der Verein mittlerweile Träger für eine Vielzahl von zusätzlichen arbeitsmarktpolitischen Initiativen und von Projekten ist, die im Laufe der Zeit und im Laufe der Jahre entstanden und auch notwendig geworden sind. So zum Beispiel das Projekt oder die Initiative „Perspektive“, ein Projekt zur

 

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