«  1  »

 

Gemeinderat, 34. Sitzung vom 22.03.2018, Wörtliches Protokoll  -  Seite 67 von 97

 

frühzeitiger hätte handeln können. Aber das Problem, das dahinter steht, ist ja, dass wir mit dem Raimund Theater eine der Bühnen der Vereinigten Bühnen Wien sanieren und noch immer kein Zukunftskonzept für die Vereinigten Bühnen Wien am Tisch liegt. Und solange das nicht am Tisch liegt, kann ich einem doch sehr großen Brocken von 12,76 Millionen EUR, die in diese Sanierung fließen sollen, keine Zustimmung geben.

 

Wir haben im Zusammenhang mit den Vereinigten Bühnen Wien einige Sachen mehrfach angesprochen, die uns jetzt auch hier wieder fehlen: Es fehlen uns ganz konkrete Zielvereinbarungen zwischen der MA 7 und den Vereinigten Bühnen Wien. Mir fehlt dieses umfassende Zukunftskonzept, bei dem man sich grundsätzlich überlegt, wie man denn eigentlich mittel- bis langfristig diese Vereinigten Bühnen Wien aufstellen will. Wir haben im Ausschuss auch keine, zumindest für meine Begriffe zufriedenstellende Antwort auf die Frage bekommen, wieso denn, wenn eine Bühne von Sommer 2019 bis 2020 geschlossen ist, 13 Monate lang, eigentlich die gleiche Subvention bezahlt wird, wenn wir ja wissen, dass ein Kostenfaktor die Produktionen an sich sind, die getätigt werden. Da wurde mir im Ausschuss mitgeteilt, man müsse ja die nächsten Produktionen vorbereiten. Nun, da muss sich aber die Frage stellen, dann hätte man ja die Subventionssumme im Jahr davor kürzen können, denn da fallen ja dann sozusagen diese Vorbereitungskosten weg. Denn, vereinfach gesagt, ist es ja in diesem Bereich - und das ist ja auch ein Kritikpunkt, den wir immer wieder anbringen -, der zwar mit einem tollen Orchester geführt wird und man zumindest den Anspruch hat, hochqualitativ Musical zu machen, und nicht nur aus der Konserve, was mit Kosten verbunden ist, billiger, wenn ich nichts spiele. Wenn ein Haus zu ist, ist es günstiger. Daher sehe ich nicht ein, wieso hier die Subventionen eigentlich gleich bleiben. Und die Frage, wieso man das über ein Gesellschafterdarlehen löst, ist auch nicht zufriedenstellend beantwortet worden.

 

Aber ich möchte das jetzt auch noch einmal in diesen gesamten Kontext der kurzen Debatte von vorhin stellen. Wir haben große Kulturtanker, wir haben die Vereinigten Bühnen Wien, wo wir eigentlich Jahr für Jahr sehr viele Subventionen geben. Das läuft im Moment gut, weil offensichtlich „I am from Austria“ eine wirkliche Cashcow ist. Das entspricht möglicherweise auch nicht dem, was man gesagt hat, mit wirklich hochqualitativen Eigenproduktionen, aber ich bin ja keine Kulturkritikerin. Es wird vom Publikum angenommen, okay, gut so. Aber so ein wirkliches Konzept für die Zukunft, was man will, hat man nicht. Daneben werden immer wieder Musicalproduktionen eingekauft und gespielt, auch in der Stadthalle. Die Stadthalle ist zu klein, das haben wir auch beispielsweise beim Song Contest gesehen. Daher teile ich grundsätzlich den Gedanken, dass es in Wien eine größere Mehrzweckhalle braucht, die auch überdacht ist, wo größere Veranstaltungen stattfinden können. Aber man muss sich hier schon die Frage gefallen lassen: Gibt es ein Konzept dafür, was passiert, wenn in so einer Mehrzweckhalle zum Beispiel große Musical dargebracht werden? Diese soll ja auch für kulturelle Zwecke dienen, wie schaut es da aus mit etwaigen Kannibalisierungen?

 

Wir reden von einer Seebühne oder von einer (Amtsf. StR Dr. Andreas Mailath-Pokorny: Open Air!) offenen Bühne im 22. Bezirk, feine Sache. Grundsätzlich kommt es natürlich ganz massiv darauf an, wie das programmiert wird, aber auch das wird finanziert werden müssen. Gleichzeitig haben wir, anders, aber doch, eine Diskussion zum Wien Museum, bei dem wir nicht wissen, wie wir das finanzieren und ob es überhaupt irgendwann kommt. Oder Sanierung Volkstheater verschoben, Probleme bei der Sanierung der Sezession, Kosten explodieren. Noch ist die Frage - meines Wissens nach, vielleicht kann das der Herr Kulturstadtrat besser beantworten - nicht gelöst, wie man jetzt mit diesen Mehrkosten umgeht.

 

Ich habe in dieser Stadt ein wenig den Eindruck, dass sehr viel passiert, und es muss zweifelsohne viel passieren, weil ja auch Wien eine wachsende Stadt ist, man aber weder eine Ahnung hat, was man zukünftig will, wo man eigentlich zukünftig Schwerpunkte setzt, noch wirklich eine Ahnung hat, wie man das Ganze finanzieren soll. Und das ist mir definitiv für diese so wichtige Frage für die Zukunft dieser Stadt zu wenig. - Danke. (Beifall bei den NEOS.)

 

Vorsitzende GRin Gabriele Mörk: Zu Wort gemeldet ist Herr GR Woller, und ich erteile es ihm.

 

16.12.11

GR Ernst Woller (SPÖ)|: Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Nun, der Akt ist ja weitgehend unumstritten, denn es ist ja wohl außer Zweifel, dass das Raimund Theater saniert werden muss. Es ist die letzte Sanierung nun fast 40 Jahre her, und es besteht Gefahr von Schäden, die uns einfach gar nicht anders entscheiden lassen, als dass wir jetzt eine Sanierung durchführen müssen. Es ist insbesondere eine Funktionssanierung, die eine Trockenlegung des Gebäudes garantiert. Unter dem Raimund Theater gibt es einen Bach, einen Fluss, einen Grundwasserstrom, der da schon seit über 100 Jahren ist, aber irgendwann muss man das so trockenlegen, dass es keine Schäden für das Gebäude macht. Bei dieser Gelegenheit werden wir auch die Qualität für die Zuschauerinnen und Zuschauer so verbessern, dass wir eigentlich im Inneren ein neues Theater bauen werden, und das Ganze um 12,7 Millionen. So gesehen ist das auch kein Betrag, von dem man sagen könnte, er sei irgendwie undenkbar hoch.

 

Warum wir das über ein Gesellschafterdarlehen machen? Ja, ganz einfach deshalb, das ist die günstigste Form der Finanzierung. Wir haben uns alles angeschaut, wie man es am günstigsten finanzieren kann. Wir werden das dann über sechs Jahre zurückzahlen, und das sind Raten von maximal drei Millionen pro Jahr. Genau das zahlen wir derzeit übrigens noch immer zurück für die Sanierung des Ronacher. Diese Ronacher-Raten fallen jetzt dann weg, und wir werden dann diese Ratenzahlung verwenden, um stetig, aber sicher alle Häuser, alle wichtigen Kultureinrichtungen der Stadt Wien zu sanieren.

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular