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Gemeinderat, 15. Sitzung vom 25.11.2021, Wörtliches Protokoll  -  Seite 63 von 99

 

Der Managementplan Wien ist die Basis für den Erhalt des Welterbes, für den Schutz des Außergewöhnlichen Universellen Werts des Wiener Welterbes. Mit diesem Managementplan Wien werden wir von der Roten Liste kommen und dadurch das Welterbe langfristig absichern. Der Managementplan Wien ist eine sehr umfassende, 140 Seiten starke Darstellung des Außergewöhnlichen Universellen Werts aller drei Kriterien des Wiener Welterbes, die zur Einschreibung geführt haben, nämlich die architektonische Qualität des Historischen Zentrums, die drei Schlüsselperioden der Wiener Stadtentwicklung - Mittelalter, Barock und Gründerzeit - und der Fakt, dass Wien uneingeschränkt als Musikhauptstadt Europas gilt.

 

Alle diese Attribute sind in diesem Managementplan dargestellt und da sieht man sehr deutlich, dass das Welterbe viel mehr ist, als wir in der öffentlichen Diskussion immer glauben, nämlich, es sei ein Haus am Heumarkt. Das Welterbe ist eine ganz wichtige große Kernzone, sie besteht aus 1.600 Objekten und hat eine Fläche von 3,7 km², mit der Pufferzone aus insgesamt weiteren 3.000 Objekten und noch einmal 4,6 km². Es ist ein Gebiet, das sich über insgesamt 10 Wiener Bezirke erstreckt. Und alle diese Attribute des Wiener Welterbes sind aufgeführt: die Stadtstrukturen, die Bauten und Sakralbauten, die Gärten und Parks, die Dachwerke der Wiener Innenstadt und die Stadtansichten.

 

Und ja, wir haben auch eine selbstkritische Einleitung an den Beginn dieses Managementplans gestellt, weil wir gesagt haben, es wäre besser gewesen, man hätte ihn vor 10 oder vor 15 Jahren beschlossen. Aber es ist so, wie es ist. Wir haben 2017, mit dem Eintrag auf die Rote Liste, mit diesem umfassenden Prozess begonnen und werden ihn heute hier zu einem guten Zwischenabschluss führen.

 

Wir haben auch alle internationalen und nationalen Grundlagen dargestellt, und es stimmt natürlich nicht, was die Kollegin Olischar gesagt hat, dass da irgendwelche Launen entscheiden. Das ist absolut lächerlich, auch ganz ohne Managementplan gibt es Planungsgesetze in dieser Stadt. Es gibt den Denkmalschutz, es gibt die Schutzzonenregelung, es gibt die Altstadterhaltung - seit 50 Jahren eine einzige Erfolgsgeschichte in unserer Stadt -, und es gibt viele Planungsgesetze und Regelungen, die immer gegolten haben, die weiter gelten werden, mit oder ohne Managementplan. Aber der Managementplan führt das sehr gut zusammen, und wir werden das jetzt auch mit konkreten Inhalten füllen. Wir haben bereits gestern beschlossen, dass das Prinzip Welterbe-Schutz in die Bauordnung der Stadt Wien aufgenommen wird, dass nämlich der Outstanding Universal Value und der Erhalt dieses Werts oberste Priorität in der Stadt haben. Es geht um die Aufwertung des Fachbeirates. Dieser Fachbeirat ist seit Jahrzehnten ein sehr wichtiges unabhängiges Gremium für die Stadtgestaltung und Stadtplanung und wird nun um das Thema Welterbe aufgewertet. Es wird auch der Welterbe-Manager Rudi Zunke - den ich auch hier bei uns im Saal begrüßen darf - aufgewertet, und seine Stabstelle in der Planungsdirektion wird zusätzliche Kompetenzen und Aufgaben erhalten. Und wir haben alle wichtigen Handlungsfelder dargestellt, die beim Management und beim Umgang mit dem Wiener Welterbe wichtig und entscheidend sind.

 

Mit dem Managementplan Wien ist es uns aber vor allem gelungen, zum Thema Welterbe und dem behutsamen Umgang damit zu einem neuen öffentlichen Bewusstsein zu kommen, mit all den wesentlichen Beteiligten einen positiven Diskurs aufzubauen und zu pflegen: mit den internationalen Organisationen wie UNESCO und ICOMOS in Paris, mit nationalen Stellen wie den Vertretern der State Party, dem Bundesministerium für Kunst und dem Außenministerium, mit der österreichischen UNESCO-Kommission und ICOMOS Österreich, mit allen Ressorts und Fachdienststellen dieser Stadt und auch mit den betroffenen Bezirken. Der heutige Beschluss ist daher nicht der Abschluss der Diskussion, sondern der Beginn der Umsetzung. Wir werden jetzt damit beginnen, diesen Managementplan mit Leben zu erfüllen und in der Praxis zu leben.

 

Der Managementplan ist das Ergebnis einer langen und zweieinhalbjährigen intensiven Diskussion. Wir haben im Juni 2019 im Planungsausschuss den Beschluss gefasst, den Managementplan zu erstellen, und haben ihn jetzt im November zu Ende gebracht - nach zweieinhalb Jahren intensiven Dialogs mit VertreterInnen der Wissenschaft sowie mit nationalen und internationalen ExpertInnen. Wir haben ein Sounding Board unter Einbeziehung der State Party, der österreichischen UNESCO-Kommission und von ICOMOS eingerichtet. Wir haben über 100.000 Stück einer Publikation über das Wiener Welterbe herausgegeben, die wir über eine Pressebeilage verteilt haben. Und wir haben eine Enquete durchgeführt. - Ja, und es stimmt, Sie hatten damals drei Minuten Redezeit, so wie alle anderen TeilnehmerInnen dieser Enquete. Und es war schon ein nicht selbstverständliches Wunder, dass wir mitten in der ärgsten Pandemiebeschränkung hier im Festsaal des Rathauses eine vierstündige Konferenz durchgeführt haben, mit 60 nationalen und internationalen TeilnehmerInnen, und jeder hat seine Redezeit gehabt.

 

Es stimmt nicht, dass wir keinen Dialog mit der Opposition geführt haben. Genau das Gegenteil ist der Fall. Bei einem normalen Akt und Beschluss im Gemeinderat und im Gemeinderatsausschuss gibt es eine dreitägige Einsichtsfrist. In diesem Fall haben wir über ein halbes Jahr lang offen und offensiv mit allen fünf Parteien im Gemeinderat diesen Dialog geführt. Es stimmt einfach nicht, dass wir kein Gespräch geführt haben. Liebe Elisabeth Olischar, du warst bei mir im Büro, und ich weiß es genau, es war am 27. Mai 2021 von 14 Uhr bis 15.30 Uhr, und wir haben intensiv über den gesamten Plan diskutiert. Wir haben das auch mit allen anderen im Gemeinderat vertretenen Parteien gemacht. Von den GRÜNEN haben wir eine Stellungnahme bekommen, und die haben wir auch eingearbeitet. Ich danke daher den GRÜNEN sehr, dass sie heute diesem Managementplan zustimmen. Die ÖVP hat immer nur öffentlich Polemik betrieben - so wie übrigens auch die FPÖ -, hat keine einzige Stellungnahme abgegeben, und daher ist es auch kein Wunder, wenn die ÖVP heute meint, sie

 

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