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Gemeinderat, 17. Sitzung vom 20.12.2021, Wörtliches Protokoll  -  Seite 94 von 137

 

Auch betreffend Kinder und Jugendliche, ihre Zukunft und die Themen, die sie beschäftigen, gibt es, glaube ich, vieles, was hier gar nicht angesprochen wurde. Die Kinder und Jugendlichen leben jetzt auch seit zwei Jahren in einer Pandemie. Wir alle sind schon müde davon, finden es anstrengend, möchten nicht den nächsten Lockdown haben und hoffen, dass er nicht notwendig sein wird. Für Kinder und Jugendliche fühlt sich diese Zeitspanne aber noch viel länger an. Sie sind noch viel mehr fremdbestimmt, als das bei uns der Fall ist. Und da gibt es auch ganz viele Ängste: Auch Kinder und Jugendliche haben Angst, sich selber anzustecken. Sie haben Angst, andere Menschen anzustecken. Sie bekommen mit, dass die Eltern Sorgen haben, vielleicht den Job zu verlieren.

 

Darüber würde ich auch in diesem Haus gerne wieder mehr reden: Es geht um junge Menschen, die darauf hoffen, dass sie die Schule schaffen und jetzt wieder nicht wissen, wie die Matura heuer ausschauen wird. Sie wissen nicht, wie ihr Lehrplatz sozusagen weiterlaufen wird. Sie wissen nicht, ob sie, wenn sie irgendwann ausziehen wollen, leistbaren Wohnraum in dieser Stadt finden werden. Sie hoffen, einen Job zu finden und sich eine gute Zukunft zu gestalten.

 

Um all das kämpfen wir in dieser Stadt schon seit vielen Jahren, und wir werden das auch weiterhin tun. Wir arbeiten jeden Tag hart für die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen. Wir arbeiten aber auch ganz stark an der Verbesserung ihrer Lebensumstände in der Gegenwart.

 

Damit möchte ich zum Schluss kommen: Ich freue mich, dass im Saal wieder ein bisschen mehr Ruhe eingekehrt ist. Vielleicht konnte ich doch die eine oder andere Perspektive einbringen, die wir nicht schon 15 Mal in diesem Haus diskutiert haben. Ich freue mich, dass wir diese Stadt weiterhin mit unseren Kindern und Jugendlichen in der Stadt weiterentwickeln werden, und zwar in ganz vielen Bereichen im Hinblick auf all die verschiedenen Themen, die sie beschäftigen, die sie berühren, die sie bewegen. - Herzlichen Dank.

 

Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Danke für die Desinfektion. - Ich möchte kurz festhalten, weil meine beiden Schriftführerinnen sich nicht sicher waren: Die Debatte zur dringlichen Initiative dauert maximal bis 20.43 Uhr. Das sage ich jetzt, damit wir sozusagen eine Endzeit haben. - Als nächste Rednerin zu Wort gemeldet ist GRin Otero-Garcia. Ich erteile es ihr.

 

19.49.36

GRin Dipl.-Ing. Huem Otero Garcia (GRÜNE)|: Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Vorsitzende! Liebe Stadträtinnen! Ist der Stadtrat noch da? - Ja, der Stadtrat ist auch noch da: Sehr geehrter Herr Stadtrat!

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind 13 Jahre alt und gehören zu jener Generation, die in dem Wissen aufgewachsen ist, dass die Erderwärmung menschengemacht ist. Stellen Sie vor, Sie gehören zu jener Generation, die machtlos mitansehen muss, wie in einer UN-Klimakonferenz nach der anderen immer nur Minischritte erfolgen, wenn es darum geht, die Klimakrise aufzuhalten, und das, obwohl die wissenschaftlichen Fakten himmelschreiend sind. Stellen Sie sich vor, Sie hätten kein Wahlrecht, weil Sie noch zu jung sind, wären aber von der Tatenlosigkeit der Politik, die nicht genug für den Klimaschutz unternimmt, nicht nur frustriert, sondern auch noch betroffen.

 

Stellen Sie sich vor, dass Sie dann in Anbetracht all dessen von einem fossilen Bauvorhaben in Ihrer Stadt erfahren, von dem Sie wissen, dass es klimaschädlich ist. Sie beginnen, sich zu engagieren, weil Sie besorgt sind um Ihre Zukunft, und zwar zu Recht um Ihre Zukunft besorgt sind. Damit verschwindet langsam dieses Gefühl der Machtlosigkeit. Sie merken, dass Sie Teil der Veränderung sind, dass Sie Teil der Lösung sind. Sie merken, dass Sie etwas bewirken können. Sie merken, dass plötzlich Ihre Stimme doch etwas zählt, weil sich die Politik damit auseinandersetzt, was Ihnen wichtig ist. Sie merken, dass es sich lohnt, für etwas zu kämpfen. Doch dann bekommen Sie im Namen des Bürgermeisters Ihrer Stadt einen Drohbrief von einer Anwaltskanzlei. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie 13 Jahre alt sind und einen Drohbrief von einer Anwaltskanzlei bekommen?

 

Ich glaube, Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viel Angst und wie viel Wut in jungen Menschen stecken muss, die genau verstanden haben, dass wir in der Klimakrise die Notbremse ziehen müssen. Sie haben verstanden, dass wir die Notbremse ziehen müssen, um das Leben, das menschliche Leben, das zukünftige menschliche Leben auf diesem Planeten irgendwie noch erträglich zu machen. Es geht nicht einmal mehr um den Status quo. Dieser Zug ist schon längst abgefahren. Es geht nicht darum, diese Welt, wie wir sie heute kennen, und das Klima, wie wir es heute kennen, zu bewahren. Das wird es nicht mehr geben in der Zukunft. Bei allen Anstrengungen, die wir heute unternehmen, geht es darum, mit einem blauen Auge aus dieser Krise herauszukommen. Und wenn man das verstanden hat, dann hat man auch verstanden, warum die Jugend in dieser Frage so stark auftritt.

 

Meine Damen und Herren! Wer keine Angst vor der Klimakatastrophe hat, der hat einfach noch nicht verstanden, was auf uns zukommt, wenn wir die Pariser Klimaziele nicht erreichen. Wer nicht konsequent für den Klimaschutz eintritt, alles Erdenkliche unternimmt und alles Schlechte unterlässt, was uns daran hindert, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, der ist entweder unwissend oder herzlos.

 

Die Jugend hat schon einen großen Rucksack an Sorgen zu tragen, was die Klimakrise betrifft. Statt jedoch diese Sorgen ernst zu nehmen und den jungen Menschen Hoffnung zu geben, legen Sie noch einen drauf mit einem Drohbrief beziehungsweise mit einer Klagsdrohung, als ob diese existenziellen Sorgen durch die Klimakrise und jetzt auch durch die Corona-Krise nicht genug wären.

 

Was die SPÖ bei dieser Klagsdrohung nicht verstanden hat, ist, dass diese Generation nichts zu verlieren hat. Diese Generation hat keine andere Wahl, als gegen diese klimaschädlichen Projekte aufzutreten. Diese Ge

 

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