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Gemeinderat, 30. Sitzung vom 24.11.2022, Wörtliches Protokoll  -  Seite 23 von 109

 

nächsten Jahr auch nur noch marginal steigen und die Arbeitslosigkeit eventuell wieder etwas zunehmen. Daher müssen wir aufmerksam bleiben und weiterhin die richtigen Schritte setzen, und genau das werden wir in Wien tun. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Vorsitzende GRin Gabriele Mörk: Als Nächste ist Frau StRin Mag. Pühringer zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr. Bitte, Frau Stadträtin.

 

10.55.21

StRin Mag. Judith Pühringer|: Sehr geehrte Frau Vorsitzende! Liebe Kolleginnen und Kollegen!

 

Wir haben es jetzt von allen Vorrednern gehört, ja, die Zahl der Beschäftigten in ganz Österreich steigt und die Arbeitslosigkeit sinkt. Auch in Wien verzeichnen wir tatsächlich eine Rekordbeschäftigung, den höchsten Anstieg der Anzahl der unselbstständig Beschäftigten in Wien. Gut, dass es so viele neue Arbeitsplätze in Wien gibt, Kollege Meidlinger, gut, dass die angeboten werden, wir brauchen sie auch, weil es natürlich viel mehr Menschen gibt, die einen Arbeitsplatz brauchen, weil diese Stadt wächst.

 

Diese Rekordbeschäftigung nimmt die Stadtregierung zum Anlass für diese Aktuelle Stunde, nimmt das zum Anlass, das auch zu feiern. Und ja, wir freuen uns mit ihr, weil sich der Arbeitsmarkt tatsächlich sehr gut entwickelt hat, dank einer trotz widriger Umstände immer noch guten nationalen und auch internationalen Konjunkturentwicklung und dank großer Anstrengungen auf wirklich allen politischen Ebenen, sowohl im Bund als auch in Wien. Besonders erfreulich an dieser Situation finde ich, dass die großen arbeitsmarktpolitischen Programme wie zum Beispiel das Programm „Sprungbrett“, das die Bundesregierung am 1. Juli 2021 gestartet hat, um 50.000 langzeitarbeitslose Menschen in Österreich wieder in Beschäftigung zu bringen, tatsächlich wirken. Worum geht’s beim Programm „Sprungbrett“? Es geht darum, dass es einerseits eine sehr individuelle Beratung gibt, andererseits ein Arbeitstraining für Menschen, die lange arbeitslos sind, die ganz besonders stark auch unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden. Um diese Probleme abzufedern, um diese Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen, darum geht’s in diesem Programm. Und die Gruppe der langzeitarbeitslosen Menschen, und darüber freue ich mich, wurde auch von vielen Vorrednern jetzt mehrfach angesprochen, weil ich glaube, dass es genau die Gruppe ist, um die wir uns besonders kümmern müssen, die weiterhin besondere Unterstützung durch arbeitsmarktpolitische Programme braucht. (Beifall bei den GRÜNEN und von GRin Barbara Novak, BA.)

 

Die Zahlen wurden schon erwähnt. In Wien ging die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen um 22,6 Prozent zurück. Das ist sehr erfreulich, wenngleich man sagen muss, es liegt unter dem Gesamt-Österreich-weiten Wert, da liegt der Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit bei minus 26 Prozent. Die absolute Zahl an langzeitarbeitslosen Menschen in Wien ist eine Zahl, die uns aber tatsächlich nachdenklich stimmen muss und wo wir nicht aufhören dürfen, uns auf diesen arbeitsmarktpolitischen Erfolgen auszuruhen, denn es sind nach wie vor über 60.000 Menschen in Wien, die langzeitarbeitslos sind. Damit nimmt Wien auch einen Spitzenplatz ein. Ja, wir sind eine Stadt, ja, wir haben besondere Herausforderungen, aber meiner Meinung nach haben wir mit diesen 60.000 langzeitarbeitslosen Menschen in Wien tatsächlich ein strukturelles und auch ein soziales Thema, weil natürlich Menschen, die lange arbeitslos sind, besonders unter dieser langen Arbeitslosigkeit leiden. Wir wissen, dass Menschen, die lange arbeitslos sind, zu über 70 Prozent auch armutsgefährdet sind, also von Armut und sozialer Ausgrenzung gefährdet sind, und jede einzelne Wienerin und jeder einzelne Wiener, die lange arbeitslos sind, sind einer und eine zu viel, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN und von GRin Barbara Novak, BA.)

 

In Summe müssen wir sagen, dass wir immer noch 100.000 Menschen ohne Arbeit in Wien haben, insofern sind wir von Vollbeschäftigung weit entfernt und, ja, haben wir einfach ein großes Potenzial an Menschen, das wir nützen können. Morgen im Sondergemeinderat geht’s ja auch um das Thema Personalmangel. Die große Frage ist: Wie können wir dann gut passende Ausbildungen finden, um Menschen in die Pflegeberufe zu bringen, in den Bereich Gesundheit zu bringen, in den Bereich der Elementarpädagogik zu bringen, also wie können wir Menschen wirklich durch gute Ausbildungen dabei unterstützen, in diesen Zukunftsberufen Fuß zu fassen? Die Arbeitsstiftung „Aufleb“ ist ein gutes Beispiel dafür, das Fachkräftezentrum im WAFF wurde schon genannt, da wird’s auch Zeit, dass wir das mit Leben erfüllen. Der Kollege Konrad hat es gesagt - und ich danke ihm sehr dafür -, ganz wichtig finde ich es auch, dass wir die Frauen am Arbeitsmarkt nicht vergessen. Die Frauen, die nach wie vor am Arbeitsmarkt benachteiligt sind, die natürlich auch, durch Corona hat sich das nochmal sehr verstärkt gezeigt, von einer sehr ungerechten Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit leiden, darunter auch nicht so leicht in den Arbeitsmarkt einsteigen können.

 

Es gibt den Gender Pay Gap, es gibt die Teilzeitquote. Also bitte, liebe Kolleginnen und Kollegen, hören wir bitte nicht damit auf, Frauen am Arbeitsmarkt ganz besonders zu unterstützen, beim Berufseinstieg, beim Umstieg, beim Wiedereinstieg und dabei, in wirklichen Zukunftsberufen auch tatsächlich Fuß zu fassen. (Beifall bei den GRÜNEN und von GRin Barbara Novak, BA.)

 

Letzter Satz: Nützen wir die Chancen, die sich auftun, ruhen wir uns auf diesen guten Zahlen, auf diesen auch optimistisch stimmenden Zahlen nicht aus, und vergessen wir diese 100.000 Menschen nicht, vergessen wir nicht die 60.000 davon, die lange arbeitslos sind. Schaffen wir auch Jobs für diese Menschen, die nicht nur die Existenz sichern, sondern tatsächlich ein gutes Leben für diese Menschen ermöglichen.

 

Ermöglichen wir es diesen Menschen, Jobs anzunehmen, die dann entstehen, wenn wir eine Wirtschaft zukunftsfähig gestalten, nachhaltig gestalten, auf eine soziale Wirtschaft setzen. Ich glaube, das sind die Jobs, die tatsächlich zu einer guten und besseren Zukunft für die Menschen selbst beitragen, aber auch zu einer guten und besseren Zukunft in dieser Stadt Wien. Vielen Dank. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.)

 

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