«  1  »

 

Gemeinderat, 7. Sitzung vom 18.11.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 49 von 108

 

nichts in diesem Koalitionspapier ist so konkret drin wie, dass ausgerechnet am Park im Nordbahnviertel an der Freien Mitte dieser Mistplatz hinkommen muss. Wem bitte ist das so ein großes Anliegen?

 

Die Parteien im Bezirk sind sich einig, das ist keine grüne Agenda, da hat wahrscheinlich auch die Klubobfrau der NEOS damals mitgestimmt, als sie noch Bezirksrätin im 2. war, dass der 2. Bezirk diesen Mistplatz dort nicht haben möchte. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapović: Die Abstimmung war eine andere.) Ich nehme an, dass die Kollegin Rompolt, als sie noch Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin war, wahrscheinlich sich auch (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Abfallwirtschaft!) im Bezirk gegen den Mistplatz an diesem Standort ausgesprochen hat.

 

Es geht nicht darum, dass die dort keinen Mistplatz wollen. Es gibt ja einen Mistplatz, einen Grätzel-Mistplatz, einen kleinen, feinen Mistplatz, den man erweitern und modernisieren kann. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Da spricht der wirkliche Profi jetzt.) Das sagt auch der Bezirksvorsteher Nikolai so. Aus irgendwelchen Gründen möchte man aber diesen Standort durchdrücken.

 

Wie passiert das? Was wissen wir überhaupt? Warum das so ist? - Wir wissen in Wirklichkeit nichts über die Entscheidungsgrundlagen. Wir wissen nicht, wie viele Alternativen geprüft wurden. Wir wissen nicht, wer das gemacht hat. Wir wissen nicht, welche Standorte da geprüft wurden und nach welchen Kriterien. Es gibt einzig die apodiktische Aussage: Das ist die einzige Alternative für einen Mistplatz.

 

Bitte, das können Sie doch den Menschen nicht erzählen, dass Sie im ganzen 2. und 20. Bezirk keinen einzigen geeigneten Ort finden. Wir reden ja jetzt nicht vom Rathausplatz, wo man sagen kann, da findet man keinen anderen Ort. Im ganzen 2. und 20. Bezirk hat es keinen anderen geeigneten Standort gegeben für einen Mistplatz? - Das ist einfach unglaubwürdig, meine sehr geehrten Damen und Herren.

 

Es gab dort, direkt um die Ecke, schon einen Mistplatz in der Dresdner Straße. Den wollen die Menschen zurück. Da wird gesagt, das geht nicht, da ist das Tor zu eng, der ist zu klein. Wenn dann Lösungsvorschläge auf den Tisch gelegt werden, weil es da direkt daneben mögliche Erweiterungsflächen gibt und es auch die Möglichkeit einer anderen Ausfahrt gibt, sagt man: Das geht nicht. Warum? - Weiß ich nicht, schmeck's, wird nicht auf den Tisch gelegt!

 

Das alles, wie gesagt, ist keine grüne Agenda, das war einstimmig im 2. Bezirk - und auch die Menschen wollen das nicht. In einer großen Umfrage haben sich 83 Prozent der Menschen für die Wiedereröffnung des alten Standortes und gegen den Neubau ausgesprochen. Das so intransparent ohne öffentliche Information einfach vom Tisch zu wischen, ist eine undemokratische Vorgangsweise. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Jetzt sind wir ja schon lange gegen diese Standortentscheidung sturmgelaufen, und jetzt ist dieser Akt auf den Tisch gelegt worden. (Zwischenruf von Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky.) Da habe ich gelesen: 10 Millionen EUR für die Planung. Da habe ich mir gedacht, das klingt viel. Dann schaut man einmal nach, was Mistplätze in Wien so kosten. Was kostet der Mistplatz in Wien? - Man findet wenig Daten, muss man dazusagen, aber man findet zum Beispiel einen Medienbericht über den praktischen Neubau des Mistplatzes in Stammersdorf. Das war ein alter Standort, den gab es schon, aber der ist komplett neu gebaut worden. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Neue Rampe!) Das können Sie sich anschauen, da ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Was hat der, zugegeben 2017, gekostet? - 4 Millionen EUR. 4 Millionen EUR für die Renovierung eines bestehenden Standortes, 40 Millionen EUR soll der Bau des neuen Standortes kosten.

 

Jetzt lasse ich mir ja einreden, dass es in acht Jahren Inflation gegeben hat, und die Baukosten sind noch mehr gestiegen, also sollen sich die Kosten meinetwegen verdoppeln. Aber wir sprechen ja von einer Verzehnfachung! - 4 Millionen EUR für die Adaptierung, 40 Millionen EUR für den neuen Standort. Da muss man wirklich sagen, in einer Zeit, wo bei Sozialorganisationen der Rotstift angesetzt wird und sogar die U-Bahn um vier Jahre nach hinten verschoben wird wegen 20 Millionen EUR, baut man einen Mistplatz um 40 Millionen EUR an einem Standort, der eigentlich für geförderten Wohnbau vorgesehen ist? - Ich verstehe es nicht. Wir wollen wissen, warum wollen Sie das machen. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Bei den finanziellen Dimensionen zieht es einem die Schuhe aus, aber auch bei der Fläche: 6 600 Quadratmeter groß soll der werden. Solche Größenordnungen sind immer schwer zu fassen. Ich wohne in Hütteldorf, da gibt es einen der größten Mistplätze dieser Stadt, im Auhof. Das ist ein Mistplatz, der - wie sagt man - ein autogerechter Erlebnisspielplatz ist. Da darf man gar nicht mit dem Rad und zu Fuß hinkommen. Da ist nämlich rundherum Autostraße. Der hat ungefähr diese Größe, er ist ein wenig größer, ich glaube, 7 000 Quadratmeter sind es. 6 600 Quadratmeter soll dieser Mistplatz werden, den Sie uns als Grätzel-Mistplatz verkaufen.

 

Ich kann Sie alle nur einladen: Fahren Sie mit dem Auto in den Auhof, das ist ein richtiges Erlebnis, da gibt es ein Ringelspiel fürs Auto. Alleine auf dem Grund des Mistplatzes fährt man dort einen halben Kilometer von der Einfahrt bis zum Ende. Das ist kein Grätzel-Mistplatz, das ist einfach autogerechte Planung, wie wir sie jetzt schon bei vielen Mistplätzen gesehen haben. (Amtsf. StR Mag. Jürgen Czernohorszky: Du würdest es gern in eine Mulde werfen. Oder in eine Deponie vielleicht?!) - Da gibt es Zwischenrufe vom Umweltstadtrat. Sie können das ja auch in den Akt hineinschreiben.

 

Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass die Leute mit dem Auto hinkommen, aber Sie verkaufen uns das als einen Grätzel-Mistplatz und planen um 40 Millionen EUR einen 6 600 Quadratmeter großen Mistplatz, den dort niemand haben will. Das müssen Sie erklären, warum Sie das machen. (Beifall bei den GRÜ

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular