Landtag,
33. Sitzung vom 24.06.2010, Wörtliches Protokoll -
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wussten, wie man eine
Hausbetreuung einsetzt, Sie wussten, wie man eine Gartenbetreuung einsetzt,
aber Sie wussten nicht, wie man Hausbesorger einsetzt. Das ist ein großes
Versäumnis. Das muss ich Ihnen schon sagen! Tun Sie sich nicht immer
zurücklehnen! Sie haben auch eine Verantwortung!
Jetzt möchte ich ein bisschen
polemisch werden. (Abg
Dr Kurt Stürzenbecher: Das
sind Sie doch eh immer!) Mir kommt das Ganze vor wie beim Kasperltheater:
„Seid ihr alle da?" – „Ja!" - So war die Volksbefragung: „Wollen Sie
einen Hausbesorger?" – „Ja!" - Hätten Sie gefragt: „Wollen Sie einen
Porsche?", hätten auch alle Ja gesagt (Abg Dr Kurt Stürzenbecher:
Ein sehr schlechter Vergleich! Dieser Vergleich hinkt gewaltig!), aber
niemand hätte mehr gewusst. Wenn man nicht weiß, was das kostet, und man sich
nur Vorteile davon verspricht, dann ist es eben so, dass man dem gerne
zustimmt. Jetzt kommen aber schon die Konsequenzen.
Ständig wird von
Anwesenheitspflichten gesprochen, die nicht definiert, auch nicht wirklich
ausgesprochen werden dürfen, aber doch gegeben sein sollen. Dann muss man sich
schon einmal festlegen, soll jetzt jemand da sein oder soll jemand nicht da
sein.
Es wird von einer
Umkleidekabine mit WC gesprochen. Das ist sowieso das Größte. Glauben Sie
wirklich, wenn jemand nicht im Haus wohnt, dass er dann, nachdem er den Rasen
gemäht, die Büsche geschnitten und das Haus geputzt hat, verschwitzt dort
hineingeht, sich nicht duschen kann, sich einfach umzieht und wieder nach Hause
geht. Sie treffen keine Vorsorge!
Wo gibt es Geräteschuppen?
Gar nicht! Der kommt mit dem Wischmopp auf der Schulter, mit dem Kübel in der
Hand und hintennach zieht er den Rasenmäher, weil sonst kann
er seine Arbeit nicht erledigen.
Es ist auch keine Anwesenheit
vorgesehen. (Abg
Dr Kurt Stürzenbecher: Zur
Sache bitte!) - Das steht ja alles drinnen. Sie haben die Umkleidekabinen
hineingeschrieben, nicht ich.
Dann geht es insbesondere um
die Reinigung. Die Reinigung ist ein Hauptkriterium. Das ist nicht eines von
vielen, sondern das ist das Kriterium.
Dann haben Sie selbst gesagt,
ein modernes Gesetz beinhaltet auch die Mediation.
Wie viele Hausbesorger wollen Sie in einen Gemeindebau setzen? Sechs? Sieben?
Kann der Hausbesorger sechs, sieben Sprachen? Wie will der dem überhaupt
gerecht werden? Sie oktroyieren dem Aufgaben auf, dass
auch eine 40-Stunden-Woche gar nicht reichen würde, würde er sie erfüllen.
Irgendetwas kann sich da nicht wirklich ergeben oder ist nicht schlüssig
nachzuvollziehen.
Bei der Kündigung der Wohnung
sind es, wenn sie einvernehmlich ist - und das ist überhaupt nicht
nachzuvollziehen - sechs Monate. Das heißt auch, dass der Betreffende von Haus
aus ein bisschen kokettiert. Trotzdem darf er sechs Monate in der Wohnung
bleiben, obwohl die Kündigungsfrist nur einen Monat geht. Wer zahlt die
Differenz? Da muss dann die normale Miete fällig werden. Das ist aber nicht
definiert. Zahlen das die Mieter? Zahlt das der Eigentümer? Wer übernimmt das
alles? Es steht nichts drinnen.
Es ist schon sehr flachsig gemacht, weil Sie jetzt etwas machen wollten, was
nicht wirklich in Ihrer Kompetenz gestanden ist, weil es ja Bundesebene ist.
Wir stehen mit diesem Gesetz jetzt eigentlich dort, wo wir es auf Grund des groben
Unfugs, der damit getrieben worden ist, aufgelöst haben. Ich glaube, wenn wir
jetzt ein neues Hausbesorgergesetz wollen, und das steht außer Frage, dann
müssen wir uns auch ernsthaft Gedanken darüber machen und es nicht einfach nur
als Wahlschmäh der SPÖ in Wien mit teuren Inseraten, Kampagnen verkaufen. Das
wäre wirklich zu wenig!
Denn eines ist noch nicht
geklärt, Sie haben noch kein Profil für diesen Hausbesorger gezeichnet.
Schreiben Sie das dann auf? Bekommt das der Freund, weil er sonst vielleicht
keine Versorgung hat? Es sind wirklich wesentliche Dinge zu klären, wo, außer,
dass es die Mieter zahlen müssen, nichts übrig bleibt! (Beifall bei der
FPÖ.)
Präsident Heinz Hufnagl: Als nächster Redner hat sich Herr Abg Dipl-Ing Margulies
zum Wort gemeldet. Ich erteile es ihm.
Abg Dipl-Ing
Martin Margulies (Grüner Klub im
Rathaus): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrten Damen und Herren!
Es ist faszinierend, wenn sich
die ÖVP plötzlich als die Mieterschutzpartei generiert und davor warnt, dass
die Mieten steigen. Wenn wir wollen, dass die Mieten nicht steigen, sondern
ganz im Gegenteil, dass sich Menschen Wohnraum wieder leisten können, dann
machen wir klare Mietzinsobergrenzen und verhindern wir, dass immer mehr
Menschen bis zu 40 Prozent ihres gesamten Familieneinkommens bei reichen
Immobilienmaklern einfach abliefern müssen. Das ist eine Sauerei! Die
Immobilienpartei ÖVP tut überhaupt nichts, um die Mieten in Wien zu senken,
sondern regt sich über ein Hausbesorgergesetz auf! Das ist peinlich, liebe ÖVP!
Nichtsdestoweniger zurück zum Hausbesorgergesetz, wo
ich schon eines ein bisschen klarstellen will. Ständig wird gesagt, die Wiener
Bevölkerung hat über ein Hausbesorgergesetz abgestimmt. Die gänzlich
unverbindliche Fragestellung war: „Sind Sie dafür, dass in Wien die Möglichkeit
geschaffen wird, neue HausbesorgerInnen mit modernem
Berufsbild einzustellen?" - No na! Selbstverständlich! Es wundert mich
überhaupt nicht, dass die Mehrheit der WienerInnen
dafür war. Ich auch. Es macht Sinn. (StRin Ing Isabella Leeb: Das war
nicht die Mehrheit! Das war nicht einmal jeder Dritte!) Man könnte
natürlich bei jeder Wahl sagen, die Wahlbeteiligung ist vollkommen wurscht. Ich gebe Ihnen recht, auch die nachträglich
ausgefüllten Wahlkarten et cetera. Es haben zumindest
27 Prozent der Leute abgegeben, und das sind viele Leute. Wer nicht mitstimmt, stimmt einfach nicht mit. Das ist bei jeder Wahl
so. Das ist bei der
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