Landtag, 5. Sitzung vom 19.11.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 28 von 43
Da muss sich etwas ändern. Da braucht es Vorrang für Österreicher im Wiener Gesundheitssystem. (Beifall bei der FPÖ.)
Sehr geehrte Damen und Herren, die Situation ist ernst. Es braucht endlich eine umfassende Neuausrichtung und vor allem eine sofortige Personaloffensive, damit die Wienerinnen und Wiener die medizinische Versorgung bekommen, die sie auch verdienen. (Beifall bei der FPÖ.)
Präsident Anton Mahdalik: Als nächster Rednerin ist Frau Abg. Laschan gemeldet. - Bitte.
Abg. Dr. Claudia Laschan (SPÖ): Herzlichen Dank! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jetzt Richtung FPÖ: Mit den Totengräbern würde ich insgesamt vorsichtig sein.
Ich bin dafür bekannt, dass ich die kritischen Sachen immer auch ausspreche - und zwar auch von hier und ohne Rücksicht auf Verluste -, weil ich glaube, dass wir wirklich in einer Situation sind, die wir schon lang hätten ändern müssen, nämlich diese Aufspaltung zwischen dem niedergelassenen Bereich und dem Spitalsbereich, die halt immer ein Problem macht, Parallelstrukturen fördert und einfach viel Geld kostet. Da wird viel Geld verbrannt. Deswegen gehört das geändert.
Das hat bis jetzt niemand geschafft. Keine Regierung hat das geschafft, auch die GRÜNEN nicht. Da habe ich große Hoffnungen gehabt. Denn der grüne Minister hat angekündigt, dass er das ändern will. Er hat aber auch schon dazugesagt, dass das wahrscheinlich nicht gehen wird. Das ist schade.
Deswegen sollten wir wirklich einen Schulterschluss machen. Wenn wir das alle wollen, sollten wir das alle machen. Wir wissen schon, dass wir den Bund dazu brauchen. Da muss man halt Überzeugungsarbeit leisten. Ich bemühe mich, andere bemühen sich auch, aber es ist zu wenig.
Ich möchte mich mit dem niedergelassenen Bereich beschäftigen. Dort ist der kassenärztliche Bereich relativ schwach, vor allem in Bezirken wie jenem, aus dem ich komme und wo ich lebe. Im 15. Bezirk brauchen wir in Wirklichkeit keine einzige Privatordination, sondern viel, viel mehr Kassenordinationen. Das Problem ist aber, dass die Ärztekammer und die Krankenkassen, also die ÖGK, es sich natürlich miteinander ausschnapsen, wie viele Stellen geschaffen werden können.
Ich kann mich daran erinnern, dass wir in der äußeren Mariahilfer Straße über ein Jahr lang dafür gekämpft haben, dass der Vertrag eines Arztes, der 70 Jahre geworden ist, noch einmal verlängert werden konnte, weil wir massiven Druck ausgeübt haben. Der Bezirksvorsteher und ich haben überall hingeschrieben, sind überall aufgetaucht und haben überall alle bekniet, dass wir diese Ordination weiterführen können. Es hat sich dann Gott sei Dank doch noch ein Nachfolger gefunden. Dieser hätte sich ohnehin schon gefunden, nur ist er zunächst abgelehnt worden, was völlig absurd ist, nur weil ihm irgendwo ein Punkt gefehlt hat. Der ist jetzt Gott sei Dank der Nachfolger geworden, und der andere hilft dort mit.
Wenn man das aber bei jedem machen muss, dann braucht man eine ganze Heerschar von Menschen, die sich darum kümmern. Es wären ja genug Berufene aus der Ärztekammer und aus der ÖGK da, die das vielleicht irgendwie doch einsehen würden.
Es gibt keine Vernetzung zwischen dem niedergelassenen Bereich und den Spitälern. Das regt mich so auf. Ich bin - natürlich schon reduziert, aber immer noch sehr oft - in der Ambulanz in einem Krankenhaus im Westen. Dort ist es so wie in allen anderen Krankenhäusern, dass man keine Informationen hat. ELGA ist zu wenig. Da ist nichts drinnen. Da ist kein Dekurs drinnen. Die niedergelassenen Ärzte müssen und sollten dekursieren, machen es aber nicht. Wir haben nicht die Möglichkeit, dass wir da hineinschauen.
Konkretes Beispiel: Eine ältere Dame - sie ist wegen onkologischer Probleme immer wieder bei mir gewesen - kommt zu mir und sagt: Das Diabetes-Medikament ist abgesetzt worden. Ich habe jetzt ein anderes. Ich frage: Welches und warum? Sie weiß es nicht. Ich kann nirgends nachschauen. Das ist ja eigentlich unglaublich. Warum kann man das nicht ändern?
Das wird jetzt kommen. Wir müssen Leistungen erfassen. Wir müssen Diagnosen erfassen. Wir werden dann aber hoffentlich auch die Dekurse lesen können. Das wäre irrsinnig wichtig. Das ist wirklich ein großes Manko. Das muss geändert werden.
Wir haben viele regionale Gesundheitszentren in verschiedensten Disziplinen geschaffen. Ich möchte da schon noch erwähnen, dass diese ohne massive Subventionen durch die Stadt Wien nicht möglich gewesen wären, sondern nur durch massive Subventionen durch die Stadt Wien. Das möchte ich ganz klar festhalten, nicht dass irgendjemand glaubt, die Ärztekammer hätte sich da besonders engagiert. Es ist nämlich so: Wir haben mittlerweile viel mehr Ärzte, die Privatärzte sind, als Ärzte, die Kassenärzte und -ärztinnen sind.
Was wollen wir denn dagegen tun? Vielleicht motivieren, aber vielleicht auch mehr Medizinerinnen und Mediziner ausbilden - das wäre vielleicht auch nicht schlecht - und sie vielleicht anders ausbilden, nämlich schon beim Eingangstest.
Ich halte es nämlich für extrem wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte aus der Mitte der Gesellschaft kommen, nicht aus der Oberschicht, wie es jetzt ist, sodass man so blöde Fragen gestellt bekommt - Entschuldigen Sie das Wort -, wie etwa eine Vinaigrette zu Stande kommt. Da frage ich mich doch wirklich: Was soll das sein? Diese Fragen und Antworten sind dumm. Sie sind für einen normalen Menschen in Wirklichkeit nicht machbar. Da braucht man Seminare. Da braucht man Unterlagen. Da braucht man viel Geld.
Deswegen kommen nur Leute aus der Oberschicht in den Medizinberuf, die sich das leisten können. Das ist falsch, weil die Mitte der Gesellschaft wie gesagt das Wichtige ist. Ich hoffe, dass es irgendwann ein Einsehen gibt, dass wir mehr brauchen und keine Aussiebungsformen, durch die man die Leute einfach hinausschmeißt. Das muss sich ändern. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.)
Präsident Anton Mahdalik: Die Aktuelle Stunde ist beendet.
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