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Landtag, 6. Sitzung vom 12.12.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 10 von 39

 

Natürlich könnten wir jetzt sagen: Na ja, gut ist es gegangen, es ist eh nichts passiert. Wir wissen aber: Wenn wir einmal ein Hochwasser bekommen, das uns an die Kapazitätsgrenze der Anlage bringt, dann ist das für uns der Auftrag, sofort zu schauen, wie wir die Kapazitäten der Anlage erhöhen können.

 

Denn es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass das nächste, übernächste oder überübernächste - das wievielte auch immer - Hochwasser dann noch einmal eines draufsetzt. Das wissen wir aus der Vergangenheit. Das ist einfach so.

 

Die Aufräumarbeiten haben ja doch einiges in Anspruch genommen. Ich weiß nicht, wer von Ihnen einmal dort draußen war und geschaut hat. Man hat ja von der Wasseroberfläche in den Becken überhaupt nichts gesehen, weil diese komplett mit Holz bedeckt war. Wir haben dann unsere Mähboote aus der Alten Donau geholt, um dieses ganze Treibholz, das da drinnen war, zusammenzuschieben und aus dem Wasser herauszubringen. Das hat sich als recht effektive Methode gezeigt. Denn sonst wäre es sehr schwierig gewesen, das Zeug mit irgendwelchen anderen Booten herauszubringen.

 

Nachdem wir also mit den Aufräumarbeiten fertig waren, haben wir sofort begonnen, die Sanierung und die Erhöhung der Wehrmauern anzugehen. Das heißt, wir machen die Mauern der Becken um bis zu einem Meter höher. Weil das Hochwasser natürlich immer viel Schlamm und alles Mögliche an Sedimenten mit sich bringt, die sich dann unten ablagern, haben wir diese Sedimente dann natürlich ausgebaggert, um auch die Fassungskapazität der Becken wieder auf ihren ursprünglichen Zustand zurückzubringen.

 

Diese Arbeiten sind gerade mitten im Laufen. Wer von Ihnen einmal Zeit hat, sich das anzuschauen: Es ist extrem beeindruckend, was für große Mauern das sind, die dort errichtet werden, um eben das Hochwasser aus der Stadt fernzuhalten. Wenn wir mit diesen Arbeiten fertig sind, dann werden wir von einem Schutz vor einem fünftausendjährlichen Hochwasser ausgehen können. Das heißt, wir haben dann, glaube ich, einen gewissen Polster für die Zukunft, indem wir den Schutz vor einem tausendjährlichen Hochwasser - das ist der jetzige Stand - auf den Schutz vor einem fünftausendjährlichen Hochwasser erhöhen. Die Arbeiten sind noch bis Ende 2026 im Laufen und sollten dann abgeschlossen werden.

 

Ein Fluss, über den wir gar nicht so oft reden, der aber zu diesem Zeitpunkt auch ein Hochwasserereignis hatte, war der Liesingbach. Wir hatten 2024 auch dort ein hundertjährliches Hochwasserereignis. Auch am Liesingbach bauen wir technische Hochwasserschutzanlagen. Wir haben dort drei Rückhaltebecken - das ist meistens nicht so im Fokus - und arbeiten auch dort wirklich laufend an der Verbesserung des Hochwasserschutzes.

 

Wir haben die Dämme an einigen Stellen nicht nur erhöht, sondern auch ausgeweitet. Ich glaube, ein zentraler Punkt beim Hochwasserschutz ist dort die Renaturierung. Der alte Liesingbach war ja wirklich eine Flussautobahn: quasi links und rechts ein enges Steinbecken. Wenn da zusätzliches Wasser dazugekommen ist, kommt es natürlich sofort zu Überflutungen, weil das einfach auch nicht dem natürlichen Flusslauf entspricht. Die Teilstücke, die schon renaturiert sind, sind genau auf Hochwasserereignisse ausgerichtet.

 

Wie sieht das aus? - Wir weiten das Flussbecken auf. Das heißt, der Fluss bekommt mehr Platz außerhalb des engen Korsetts. Wir haben Mäandern, wir machen Ausweitungen, wir machen Inseln, wir machen Überflutungsbereiche. Das kann man sich auch anschauen, weil das in einigen Bereichen schon sehr schön anzusehen ist.

 

Es gibt noch ein paar sehr gute Stellen, finde ich, an denen man auf der linken Seite den alten Liesingbach und auf der anderen Seite den neuen Liesingbach sieht. Da sieht man: Wir führen den Fluss wieder dorthin zurück, wie er einmal natürlich war.

 

Das sind die Maßnahmen, die wir am Liesingbach setzen. Das wird uns auch noch einige Jahre beschäftigen, weil wir parallel dazu ja auch am Liesingbach einen Kanal einbauen, um eben die ganzen Einleitungen in den Liesingbach zu verhindern. Wenn jemand - ich weiß nicht - auf der Straße sein Auto gewaschen hat oder es für eine gute Idee gefunden hat, die Dispersion ins Kanalgitter zu leeren, so kommt das bisher sofort eins zu eins im Liesingbach heraus. Das kann in Zukunft nicht mehr passieren, weil wir dann ein getrenntes System und einen eigenen Kanal haben werden.

 

Wir haben noch ein paar andere Flüsse, die wir bearbeiten, zum Beispiel den Petersbach im Bereich der Ketzergasse, wo wir auch gemeinsam mit Niederösterreich Rückhaltebecken errichten. Auch beim Donaukanal wird die Hochwassermauer zur U-Bahn hin gestärkt. Natürlich kommt auch in der Ludwiggasse im 14. Bezirk eine zusätzliche Schutzmauer, die jetzt von den Anrainern sehr willkommen ist. Vorher gab es da eine gewisse Skepsis gegenüber dem Projekt.

 

Ich freue mich, dass ich Ihnen heute so viele gute Dinge berichten konnte, die wir schon an Maßnahmen im Bereich Hochwasserschutz gesetzt haben, weil das ein Thema ist, das man übersieht. Es ist eine langwierige, sehr mühevolle und sehr kostenintensive Arbeit. Ich bin wirklich froh, dass wir in den letzten 20 Jahren nicht geschlafen haben, sondern immer gut am Hochwasserschutz weitergebaut haben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.)

 

Präsident Ing. Christian Meidlinger: Danke für die Beantwortung. - Die 1. Zusatzfrage kommt von der Frau Abg. Olischar. - Bitte.

 

11.45.42

Abg. Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc (ÖVP): Guten Morgen, Frau Landesrätin! Es war durchaus eine Flut an Informationen (Heiterkeit der Rednerin), aber vielen herzlichen Dank dafür.

 

Sie haben es eingangs schon angesprochen: Das Hochwasser beginnt - um es jetzt überspitzt zu formulieren - ja nicht an der Wiener Stadtgrenze, ich sage einmal, im seltensten Fall. Das heißt, die Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden und auch mit Niederösterreich ist in dieser Thematik sicher auch essenziell.

 

Sie haben es auch angesprochen: Das Hochwasser 2024 war natürlich schon auch eine Herausforderung in der Kooperation mit den niederösterreichischen Ge

 

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