Landtag, 6. Sitzung vom 12.12.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 16 von 39
scheidungen, durch Überbelastung, durch fehlendes Augenmaß, und jetzt auch durch eine Entscheidung, die negativ ist, die Entscheidung nämlich der massiven Erhöhung der Ortstaxe. (Beifall bei der ÖVP.)
Die geplante Erhöhung der Ortstaxe ist nämlich nicht irgendeine Anpassung, sie ist ein Sprung von 3,2 auf 8,5 Prozent. Das ist ein Plus von 165 Prozent. Jetzt werden sich einige fragen: Wie kommt sie denn von 3,2 auf 8,5 auf 165 Prozent? Das ist ganz einfach: Es sind nämlich nicht 5,3 Prozentpunkte, sondern es ist eine Prozentpunktbasis von 3,2 Prozent.
Das heißt, die Abgabe wird mehr als verdoppelt, deshalb sprechen wir von einer Erhöhung von 165 Prozent, und das ist nicht gut, das ist nicht vernünftig. Denn damit ist Wien im internationalen und im europäischen Vergleich Spitzenreiter nicht in der Unterstützung der Hotellerie, sondern Spitzenreiter bei den Abgaben. (Beifall bei der ÖVP.)
Wien wird durch diese Ortstaxe teurer als fast alle anderen europäischen Metropolen, gleich nach Amsterdam. Doch das Problem geht weit darüber hinaus, nicht nur die Höhe ist problematisch, auch die Art des Modells, denn was berechnet wird, ist eine prozentuelle Abgabe auf den Zimmerpreis. Was bedeutet das? - Der Zimmerpreis wird höher. Was bedeutet das? - Die Provisionen, die an die ganzen Plattformen fließen, werden höher. Wer profitiert davon? - Booking.com, Expedia, die internationalen Onlineplattformen profitieren. Wer leidet darunter? Wer profitiert nicht davon? - Das ist die Wiener Hotellerie. Und das darf nicht sein, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
Wir verteuern unseren Standort und ausgerechnet internationale Plattformen, die ohnehin schon enorme Marktanteile haben, sind die einzigen Gewinner. Ja, es gibt Gespräche mit der Hotellerie, mit der Branche. Aber die Hoteliers sagen nichtsdestotrotz seit Wochen bereits, diese Erhöhung ist in Wirklichkeit nicht tragbar. Eine vollständige Weitergabe dieser Ortstaxe an die Gäste geht sich nicht aus, das sind ja 6 Prozent, die bei den Preisen angehoben werden müssten, dazugerechnet noch die Inflation ist das nicht realistisch. So müssen die Betriebe, unserer Wiener Hoteliers, diese zusätzlichen Kosten einmal mehr schlucken. Und das kann nicht sein, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
Die Marge in der Stadt-Hotellerie ist in Wahrheit seit Jahren bereits sehr klein. Statt da zu entlasten, zu unterstützen, ist das Einzige, wobei Sie, sehr geehrte Damen und Herren, unterstützen, dass diese Marge immer kleiner und kleiner und noch kleiner wird. Besonders gefährlich wird die Situation dann im Geschäftssektor. Denn Firmen sparen, wir hören das in Österreich, wir hören das international. Kongresse rechnen ganz scharf, die ganzen Meeting Planner müssen genau schauen und vergleichen die Standorte. Wenn Wien plötzlich teurer wird, was passiert dann? - Dann ziehen die Meeting Planner, dann ziehen die Kongresse weiter, dann verlieren wir an Prag, an München, an andere Standorte. Denn Kongresse, vor allem Kongresse - und Sie wurden ja von meiner Vorrednerin mehrfach erwähnt - wandern nicht aus Emotion, die wandern aus Kalkulation. Wenn wir beispielsweise an einen Radiologie-Kongress denken oder an einen Kardiologie-Kongress, ganz egal, wo auf der Welt wir sind, woran denken wir? - Wir denken dann an Wien. Damit das auch in Zukunft so ist, müssen wir diese Branche unterstützen.
Gerade nach den letzten Jahren - und das wundert mich so -, nach denen sich die Hotellerie endlich langsam erholt, dürfen wir sie nicht belasten. Wir müssen sie entlasten. Wir müssen dafür sorgen, dass dieser Standort Wien weiter gestärkt wird, und das geschieht nur durch Vertrauen und nicht durch Abgaben, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)
Präsident Ing. Christian Meidlinger: Als Nächster zu Wort gemeldet ist der Herr Abg. Ornig, und ich erteile es ihm. - Bitte.
Abg. Markus Ornig, MBA (NEOS): Sehr Herr Vorsitzender! Wir reden heute über etwas Schönes, nämlich die Wiener Tourismusstrategie und wie erfolgreich sie ist und dass wir auf Platz 1 gewählt wurden von einem internationalen Kongressranking.
Ich möchte das Ganze noch ein bisschen ergänzen, weil die Kollegin Greco ganz dunkle Zeiten ausmalt und so tut, als ob jetzt alles wahnsinnig schlecht wird, obwohl sie, glaube ich, ja auch in der Wirtschaftskammer ist und wir mit den Vertretern der Wirtschaftskammer eigentlich ganz gut im Austausch sind, was das Thema Ortstaxe betrifft.
Ich war erst vor zwei Wochen wieder bei der Österreichischen Hoteliervereinigung, und wir haben auch dort sehr intensiv diskutiert, weil wir, was Sie als große, fürchterliche Belastung der Hotels besprechen, lösen wollen, nämlich diesen Prozentsatz, der an Provision ausgezahlt wird an die Vermittlungsportale. Das müssen wir auf Bundesebene lösen, da sind wir eigentlich schon im Endspurt. Es freut mich sehr, dass genau das, was Sie hier als wahnsinnig schlimm an die Wand gemalt haben, eigentlich sehr produktiv mit den KollegInnen Ihrer Partei auf Bundesebene vorangeht. Ich bin guter Dinge, dass wir die Wiener Hoteliers deswegen nicht belasten werden. (Beifall bei den NEOS.)
Trotz alledem, ich gebe Ihnen recht, eine Gebührenerhöhung ist eine Gebührenerhöhung, und Gebührenerhöhungen sind nie toll, vor allem nicht für diejenigen, die sie bezahlen müssen. Aber, wie gesagt, sind wir da mit sehr viel Maß und Ziel und Verständnis für die Branche vorgegangen. Es freut mich sehr, dass erst heute Morgen um 8.55 Uhr - ich gehe davon aus, Sie haben es vielleicht noch nicht gesehen - in der "Presse" im Investmentbereich ein Artikel online gegangen ist, der fernab von den ganzen Zahlen, die die Kollegin zum Kongresstourismus schon genannt hat, die alle ganz, ganz großartig sind, ich wiederhole sie nicht, einen anderen Aspekt mit hereinbringt, der, glaube ich, für die Diskussion sehr wichtig ist.
Da geht es um ein Hotelmarktranking, darum, wie stark Wien in den Investitionen ist, das heißt, welche internationalen Ketten und welche Investoren sich in welchen Städten ansiedeln, um neue Hotels zu bauen. Da ist es erstmals so, dass Wien hier auf Platz 15 ist, das ist ein enormer Sprung. Wir sind erstmals auch unter
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