Gemeinderat,
17. Sitzung vom 25.06.2002, Wörtliches Protokoll - Seite 76 von 115
kann, weil Sie kennen alle das Gutachten von Dr Rust, wo
eindeutig über das toxische Wasser in den Wiener Bleirohren gesprochen wird.
Auch die Bevölkerung schließt sich dem nicht an, denn bei der Volksanwaltschaft
haben sich die Beschwerdefälle verdoppelt. Es wurden zugebenermaßen in den
letzten Jahren schon eine Menge Bleirohre ausgetauscht, aber der Kontrollamtsbericht
schreibt noch immer, dass bei 24 Prozent jener Objekte, die vor 1914
errichtet wurden, Handlungsbedarf, und bei 17 Prozent dringender Handlungsbedarf
gegeben ist, weiters, dass das Austauschprogramm für Anschlussleitungen aus
Blei fortzuführen ist, da dies eine echte Ursachenbekämpfung von Blei im Trinkwasser
darstellt.
Nun muss man sich auch einmal die Konsequenzen vor
Augen führen, denn all jene Leute, die in diesen Bauten wohnen, können nicht
ungehindert auf dieses Trinkwasser zugreifen, sondern, wenn es länger steht,
müssen sie dies mindestens mit fünf bis zehn Litern Wasser - nebenbei bemerkt,
Trinkwasser von an sich guter Qualität - ungenutzt aus der Leitung fließen lassen.
Das bedeutet aber auch, dass sie die Kosten für dieses ungenutzte Wasser in
voller Höhe mittragen müssen.
Wir Freiheitliche fordern daher, dass man den Mietern
solcher Wohnhausanlagen, wo es nicht deren Verschulden ist, dass sie noch immer
in Wohnungen leben müssen, die Bleirohre und damit ungenießbares Trinkwasser
haben, die Kosten für das Wasser reduziert, die zudem durch die Teuerungswelle
noch massiv gestiegen sind, und bringen hier einen entsprechenden Beschlussantrag
ein. (Beifall bei der FPÖ.)
Gerade im Zusammenhang mit der Kosten-Nutzen-Analyse
ist wieder einmal zu hinterfragen, wie die Gelder, die aus der Vermietung von
Flächen für Handymasten erwirtschaftet werden, den Mietern zu Gute kommen. Es
sind nicht unbeträchtliche Summen, wie wir kürzlich gehört haben, aber sie
fließen auch nicht zur Gänze in die Hauptmietzinsreserve der betreffenden
Wohnhausanlagen und kommen daher nicht den Mietern zu Gute.
Auch hier bringen wir einen Beschlussantrag ein, dass
an jenen Bauten, wo sich solche Handymasten befinden und womit Mieteinnahmen
erwirtschaftet werden, dies den Wohnhausanlagen zu Gute kommen soll. (Beifall bei der FPÖ.)
Für uns ist es nicht selbstverständlich, dass die Mieter
städtischer Wohnhausanlagen durch massive Erhöhungen ständig zur Kasse gebeten
und bei den Einnahmen mehr oder weniger ausgeschlossen werden. Wenn das Ganze
dann noch in der "Krone" von Ihnen, Herr StR Faymann, immer wieder
bei diesen Wohnhausanlagen mit "Wohnen wie im Paradies" verkauft
wird, so stelle ich mir das Paradies ein bisschen anders vor.
Kritik übte das Kontrollamt weiters auch daran, dass
durch die Abrechnung bei Sanierungen - Sie kennen diesen Skandal - generell
fixe Preise ausgeschrieben wurden und dass für einen relativ geringen Zeitraum
erheblichere Mehrkosten entstanden sind, als hätte man mit der Sorgfalt eines
ordentlichen Kaufmanns für kurze Dauer diese Ausschreibung auf Basis
veränderlicher Preise ausgeschrieben. Es ist hier wirklich zu hinterfragen, wie
wieder einmal die Mieter zum Zug kommen, denn auch sie müssen damit die
erhöhten Sanierungskosten tragen. Nicht genug damit haben Sie sich Baubetreuer
bedient und wenn Sie sich erinnern, habe ich sogar einmal im Wohnbauausschuss
kritisiert, dass hier die Prozentsätze, die die Baubetreuer für ihre Leistungen
bekommen, relativ hoch sind, denn durch diese höheren Abrechnungen bekommen
selbstverständlich auch die Baubetreuer ein höheres Honorar, aber sie kommen
ihren Leistungen nicht nach und das heißt, dass keine einzige Wohnanlage stichprobenweise
Prüfungen unterzogen wurde, ob die Abrechnungen der Professionistenleistungen
auch den Tatsachen entsprechen. Ich finde, man müsste hier auf jeden Fall
Sanktionen setzen, indem die Baubetreuerhonorare gekürzt werden. Man sollte
sich überhaupt überlegen, inwieweit man einerseits den Professionisten, aber
andererseits auch den Baubetreuern noch weiter das Vertrauen schenkt oder ob
man sie nicht von gewissen Listen ausschließen soll.
Ebenfalls im Internet ist noch die Blocksanierung und
wird hier definiert als "eine im Rahmen eines Sanierungskonzepts
erfolgende liegenschaftsübergreifende gemeinsame Sanierung von mehreren
Gebäuden oder Wohnhausanlagen in Verbindung mit Maßnahmen zur städtebaulichen
Strukturverbesserung". Das ist in Ordnung, aber ich meine, man sollte
sich, wenn es um Ensembles geht, die man sanieren will, nicht nur auf eine
Gasometercity stürzen, sondern es gibt in dieser Stadt noch sehr viele kleinere
Industrieprojekte, die aber leider oft bis zur Abbruchreife unbemerkt gelassen
werden und dann nicht mehr zu retten sind.
Es gibt international wirklich viele Beispiele, wie
man sehr attraktive Wohnungskonzepte entwickeln könnte. Das Ziel der
Freiheitlichen ist es, nicht mit Schlagworten über Sanierung zu operieren,
sondern diese in strukturell gewachsenen Gebieten gezielt voranzutreiben, wie
etwa durch Sanierungen gemeinsam mit Jung und Alt, damit sie den jeweiligen
Bedürfnissen angepasst werden können, durch Flachdachbegrünungen, um ökologisch
einen wichtigen Akzent zur Verbesserung des Raumklimas zu schaffen, Ensembles
stärker und auch Industriebauten zu berücksichtigen, vor allem verstärkt den
leistbaren Ausbau von Dachgeschossen voranzutreiben und vor allem durch
Kostenminimierung durch umsichtige Ausschreibung und Kontrolle.
Sie werden verstehen, Herr StR Faymann, dass wir bei der
Fülle von Unzulänglichkeiten, wie ich sie eben aufgeführt habe und die sich
nicht nur durch Fehlplanungen und Fehlleistungen im Budget der Stadt Wien
niederschlagen, sondern leider massiv die Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt
durch die erhöhten Sanierungskosten belasten, die wiederum oft eine Erhöhung
der Miete nach sich ziehen, durch die diversen Steuern wie Wasser und Strom, Verteuerung
der Müllgebühren
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