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Gemeinderat, 40. Sitzung vom 03.03.2004, Wörtliches Protokoll  -  Seite 16 von 78

 

einen Goldbarren liegen, nämlich den ältesten noch in Betrieb stehenden Vergnügungspark dieser Erde. Wer immer sich mit dem Wurstelprater, mit all seiner Geschichte, auseinander gesetzt hat, weiß, welche richtungsweisende Einrichtung das zum Zeitpunkt der Gründung war. Grundlegende Impulse sind von dem damaligen Konzept ausgegangen. Vieles, was im Themenparkbereich in der Zwischenzeit in der ganzen Welt umgesetzt wurde, hat seine Wurzeln seinerzeit von dem Gebiet im Prater genommen.

 

Der Wurstelprater – das weiß jeder, der in der letzten Zeit dort war – hat mit der Entwicklung nicht mithalten können. Das hat verschiedenste Gründe. Die Schwierigkeit dieses Areals liegt im großen Unterschied zu anderen Themenparks dieser Erde darin, dass wir eine ganz andere Unternehmerstruktur haben. Der Grund gehört der Stadt Wien. 80 Praterunternehmerinnen und Praterunternehmer betreiben derzeit 140 unterschiedliche Geschäfte im Wurstelprater. So unterschiedlich die Unternehmer sind, so unterschiedlich sind die Geschäfte, die sie betreiben.

 

Wir haben ein großes Zugpferd mit dem Riesenrad, das letztendlich für einen großen Zustrom sorgt, nicht nur seitens der Wienerinnen und Wiener, sondern vor allem der Touristinnen und Touristen, die nach Wien kommen. Es gibt einzelne der Praterunternehmer, die in den letzten Jahren sehr viel Geld investiert haben, um dem internationalen Trend Rechnung zu tragen, dementsprechend ihre Geschäfte zu thematisieren und all das zu erfüllen, was modernes Entertainment braucht. Aber ich gehe davon aus, wenn Sie Interesse bezeugen, kennen Sie auch die anderen.

 

Das, was wir uns vorgenommen haben, was in 20 Jahren Selbstbestimmung durch den Praterbeirat nicht wirklich gelungen ist, ist ein Gesamtkonzept zu entwickeln, systematisch den Wurstelprater als Goldstück des Wiener Entertainments, mit dem ungeheuren Vorteil, unmittelbar beim Stadtzentrum zu sein und in Zukunft mit der U-Bahn noch näher zu rücken, qualitativ aufzuwerten, ein Facelifting, eine Renaissance des Praters durchzuführen. Wir haben den internationalen Experten Emmanuel Mongon mit der Masterplanung beauftragt. Diese Masterplanung wird laut Plan Ende dieses Monats fertig sein und wie geplant im April der Öffentlichkeit präsentiert werden, wobei man sagen muss, eine Masterplanung – jeder, der sich damit befasst, weiß das – beschäftigt sich mit mehr als dem derzeit Vorhandenen. Eine Masterplanung hat viele Facetten zu erfüllen, auch unabhängig von derzeit vorhandenen Strukturen Richtlinien vorzugeben, wohin die Entwicklung gehen könnte. Themen wie Sicherheit, Sauberkeit, öffentliche Infrastruktur, PR und Marketing, die Fragen des Kulturellen, der gastronomischen Einrichtungen bis hin zu dem Schwerpunkt der Thematisierung und der Umsetzung in diesem Bereich werden Inhalt dieser Masterplanung sein.

 

Nun komme ich zu dem eigentlichen Teil Ihrer Anfrage, der sich mit den Praterunternehmerinnen und Praterunternehmern beschäftigt und für mich den Widerspruch aufzeigt, der sich hier manchmal auftut. Wenn Sie einerseits davon sprechen, dass wir ein tolles Konzept zur Freude der künftigen Praterbesucherinnen und Praterbesucher erwarten können, aber im gleichen Atemzug behaupten, dass eine große Unsicherheit bei den Praterunternehmerinnen und Praterunternehmern besteht und hinterfragt wird, warum die nicht dabei sind, muss man Folgendes sagen:

 

Erstens ist es ein gemeinsames Anliegen, diese Renaissance durchzuführen. Die Praterunternehmerinnen und Praterunternehmer waren schon in den letzten Jahren tätig, mit dem Ergebnis, das wir alle kennen, und werden es auch in Zukunft sein.

 

Punkt zwei: Sie sind bei der Erarbeitung des Konzepts natürlich involviert, denn beim Ideenfindungsprozess waren auch ihre Ideen eingebracht. Ich weiß, wie viele Stunden ich selbst, viele andere, aber vor allem auch Herr Mongon mit den Unternehmerinnen und Unternehmern verbracht hat, um mit ihnen und auch entlang ihrer Überlegungen den Masterplan zu entwickeln.

 

Das, was jetzt sozusagen vorgestellt wird, ist das Ergebnis all dieser Gespräche. Die Umsetzung beginnt danach. Das ist sozusagen das, wozu der gute Wille, die Innovation und das Engagement aller gefragt ist, um die Unsicherheiten möglichst rasch auszuräumen, vor allem entgegen jenem Wiener Trend, dem manche gerne folgen, nämlich sich über Dinge aufzuregen, die nie stattgefunden haben und auch nicht stattfinden werden, und so zu versuchen, Meinungen zu bilden.

 

Vorsitzender GR Rudolf Hundstorfer: Die erste Zusatzfrage, Frau GRin Cordon, bitte.

 

GRin Waltraud Cécile Cordon (Grüner Klub im Rathaus): Danke, Frau Stadträtin, für diese ausführliche Antwort. Aber damit stehen Sie ein bisschen im Widerspruch zu den Menschen, die dort, vor Ort, mit dem Prater befasst sind und sehr wohl seit langem, man kann für einige Familien sagen, seit 1945 den Prater aufgebaut und auch investiert haben. So wie es dort ankommt, ist es wirklich keine Gemeinsamkeit, wie mir von verschiedenen Stellen – ich muss sagen nicht nur von einem, das kann schon passieren – gesagt wurde, dass Herr Mongon zu einzelnen Unternehmerinnen und Unternehmern geht und sagt, sie sollen eine Kinderzone machen, weil es sonst keine Kommunikation gibt. Auch das Plenum, das Sie zum Ideenfindungsprozess eingeführt haben, hat nie stattgefunden. Der Beirat findet nicht mehr statt. Es ist ein Eingriff in bestehende Rechte, wenn man nicht mehr weiß, wie die Pachtverträge weitergehen.

 

Daher möchte ich schon die Frage stellen, wie Sie dann sehen, dass die Finanzierung des Praters weiter erfolgen kann, wenn die Menschen dort überhaupt keine Sicherheit mehr haben, denn ein Gerät kostet zum Beispiel 25 Millionen EUR, was sie nicht in einem Jahr abzahlen können und wozu sie Kredite benötigen. Wie sehen Sie in weiterer Folge die Finanzierung?

 

Vorsitzende GRin Mag Heidemarie Unterreiner: Frau Stadträtin, bitte.

 

VBgmin Grete Laska: Frau Gemeinderätin, ich freue

 

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