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Gemeinderat, 39. Sitzung vom 25.11.2008, Wörtliches Protokoll  -  Seite 97 von 106

 

bekommen haben, ohne auch nur im Ansatz den Anforderungen der Definition der Stiftungsprofessur der FTI-Strategie zu entsprechen beziehungsweise den Anforderungen, die auch der WWTF an Stiftungsprofessuren hat? Denn bei der zweiten Stiftungsprofessur, die beschlossen wurde, der Roland-Rainer-Stiftungsprofessur, ist keine Rede von dauerhaft, sondern jedes Semester soll jemand anderer kommen, und der soll dann aufarbeiten, und es ist keine Rede davon, dass es sich hier um eine herausragende Persönlichkeit der Wissenschaft handeln soll. Es ist auch keine Rede davon, dass eine kleinere Arbeitsgruppe folgen soll. Das war ganz klar nicht im Sinne dieser Definition.

 

Was wir wollen, ist, dass wir uns in dieser Stadt auf eine gemeinsame Definition von Stiftungsprofessuren einigen: Was soll das können? Wer soll das bekommen? Dann kann man darüber reden: Wer braucht das? Macht es Sinn, dass das die Stadt finanziert, oder ist nicht eigentlich der Bund - wie Kollegin Straubinger ja auch schon ausgeführt hat - dafür zuständig, dass die Universitäten nicht zur Stadt kommen und sagen müssen, wir brauchen eine Professur, gebt uns bitte das Geld, weil wir hier keine Möglichkeiten haben?

 

Deswegen die Arbeitsgruppe; deswegen unser Antrag, dass wir eine Arbeitsgruppe Stiftungsprofessuren mit interdisziplinären ExpertInnen und WissenschafterInnen sowie VertreterInnen aller im Gemeinderat vertretenen Parteien einrichten. Die Aufgabe dieser Arbeitsgruppe soll es sein, Kriterien zur Vergabe von Stiftungsprofessuren für das Impulsprogramm Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften im Rahmen der Wiener Strategie für Forschung, Technologie und Innovation zu erstellen. Die Arbeitsgruppe soll bis spätestens Ende März 2009 einberufen werden. - Hier beantrage ich die sofortige Abstimmung dieses Antrags.

 

Ich weiß nicht, was das Problem dabei ist, hier die im Gemeinderat vertretenen Parteien oder auch die in der Stadt ansässigen ExpertInnen einzubinden. Denn was jetzt passiert, ist, dass sich manche Institute fragen: Was muss ich tun, zu wem muss ich in dieser Stadt gehen, um zu einer Stiftungsprofessur zu kommen? Über den normalen Weg, über die Calls, die es ja gibt, über den WWTF geht es offensichtlich nicht - denn da gibt es die Jurys und, und, und -, sondern es gibt noch einen zweiten Weg, und dieser zweite Weg steht nicht allen Instituten zur Verfügung, sondern der bleibt offensichtlich nur manchen Instituten beziehungsweise manchen Professoren offen und anderen nicht.

 

Ich habe schon einmal erwähnt, dass die Art, wie hier damit umgegangen wird, uns immer wieder zu Verwunderung veranlasst beziehungsweise uns die Frage stellen lässt: Wo geht man in dieser Stadt hin, um Gelder für das Wissenschaftsbudget beziehungsweise für sein Institut, für sein Forschungsvorhaben zu bekommen? Offensichtlich nicht zum zuständigen Stadtrat! Denn sonst würden ja hier mehr Gelder budgetiert werden beziehungsweise könnten wir darüber reden, wie wir gemeinsam damit umgehen und was Sinn macht. Macht es wirklich Sinn, semesterweise wechselnde Gastprofessuren als Stiftungsprofessuren zu bezeichnen, oder geht es da um andere Dinge?

 

Ich möchte auch anlässlich dieser Geschäftsgruppe noch kurz zum Gender-Budget sprechen. Ich habe mir die Wiener Vorlesungen genauer angesehen. Ich halte diese Einrichtung für eine sehr, sehr gelungene, man sieht das ja auch an den BesucherInnenzahlen. Ich glaube, dass das eine sehr notwendige Form von Wissensvermittlung für Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt ist.

 

Was ich nach wie vor für verbesserungswürdig halte - und ich glaube, dass es auch Bestrebungen gibt, hier Verbesserungen zu machen -, ist, den Anteil der Frauen zu heben. Denn nach wie vor sind die weiblichen Vortragenden in der Minderheit, und auch bei den Publikationsförderungen ist der Frauenanteil mit 40 Prozent zu 60 Prozent nach wie vor in der Minderheit.

 

Ich glaube, dass wir hier verstärkt schauen sollten, bei den Wiener Vorlesungen weibliche Vortragende zu bekommen. Es gibt gute Wissenschafterinnen in dieser Stadt, aber auch in Österreich, die man einladen könnte und die sicher gern bereit sind, im Rahmen der Wiener Vorlesung ihre Vorträge zu halten und sich auch den Diskussionen zu stellen. Ich glaube, dass man mit ein bisschen mehr Engagement noch mehr Frauen dazu bringen könnte und damit in der Statistik beziehungsweise im Gender-Budget zumindest zu einer 50-zu-50-Aufteilung kommen könnte.

 

Das Gleiche gilt beim Frauenanteil in der Publikationsförderung, und hier schließt sich der Kreis: Würden wir das Budget bei der Wissenschaftsförderung erhöhen, könnten wir auch mehr Publikationen fördern, und dann würden auch mehr Frauen in den Genuss einer Publikationsförderung kommen.

 

Ich hoffe, dass sich beim Rechnungsabschluss in diesem Bereich einiges getan haben wird, und wünsche uns noch ein schönes Abstimmen. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Vorsitzender GR Günther Reiter: Eine Wortmeldung von einem Gemeinderat oder einer Gemeinderätin liegt mir nicht mehr vor. Am Wort ist Herr Amtsf StR Dr Mailath-Pokorny. - Bitte.

 

Amtsf StR Dr Andreas Mailath-Pokorny: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Meine Damen und Herren!

 

Eine solche Budgetdebatte sollte und könnte ja zumindest einmal im Jahr auch Gelegenheit sein, die Kulturpolitik ein bisschen grundsätzlicher zu diskutieren.

 

Bei der einen oder anderen Wortmeldung hatte ich den Eindruck, dass das der verlängerte Kontrollausschuss war. Was nicht gesagt wurde, war, dass in Wahrheit im letzten Kontrollausschuss das Gegenteil von dem, was über viele Monate und Jahre in eben diesem Kontrollausschuss behauptet wurde, nämlich dass das Kontrollwesen der MA 7 besonders schlecht sei, bewiesen wurde.

 

Lassen Sie mich in aller Kürze noch einmal das größere Bild zeichnen und entwerfen. Wir debattieren das Kulturbudget, und da gibt es eine einzige Zahl, die in den Vordergrund gestellt gehört: Es hat einmal mehr eine

 

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