Gemeinderat,
49. Sitzung vom 24.06.2009, Wörtliches Protokoll - Seite 74 von 89
Bereich der Öffnungszeiten überhaupt nicht Rechnung
getragen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, abschließend,
wir haben schon gestern darüber diskutiert, wir werden auch morgen darüber
sprechen. Wir wären sehr froh gewesen, wenn in diesem Poststück auch ein
rechtlicher Anspruch verankert worden wäre, nämlich ein rechtlicher Anspruch
nur für Staatsbürger. Das ist unsere freiheitliche Forderung. Dieser wurde zwar
nicht Rechnung getragen, trotzdem stimmen wir diesem Poststück, als ersten
kleinen Schritt hin zu einem kinder- und familienfreundlichen Wien, zu. (Beifall
bei der FPÖ.)
Vorsitzende GRin Inge Zankl: Als
Nächste am Wort ist Frau GRin Smolik.
GRin Claudia Smolik (Grüner Klub im
Rathaus): Sehr geehrte Frau Vorsitzende! Herr Berichterstatter! Meine Damen
und Herren!
Der Kollege Gudenus hat schon kurz eingeleitet, worum
es in diesem Geschäftsstück heute geht. Es ist quasi der zweite Teil für den
angeblichen Gratiskindergarten. So wie es im Moment aussieht und wenn die
Regelung heute so beschlossen wird, wird es nicht für alle Eltern den
kostenfreien Kindergarten geben. Der Herr Bürgermeister hat den Brief
geschrieben. Wie die Eltern darauf reagieren werden, wenn das, was in diesem
Brief vom Frühjahr diesen Jahres versprochen wurde, nicht gehalten wird, wird
man vor allem im Herbst sehen, wenn die Eltern entweder vor der Tatsache
stehen, dass sie doch einiges an Geld für den Kindergartenplatz zahlen müssen
oder wenn sie feststellen, dass es nicht so einfach sein wird, einen
Kindergartenplatz in Wien zu bekommen.
Wir werden diesem Geschäftsstück nicht zustimmen,
wobei ich sagen möchte, dass wir das auch als einen kleinen Schritt in die
richtige Richtung sehen. Es ist der Weg Richtung Gratiskindergarten zu gehen,
begonnen worden, aber er ist nicht fertig gegangen. Es ist so, dass Eltern
weiterhin nicht zu wenig Geld bezahlen werden und einen nicht so kleinen
Beitrag leisten müssen, wenn ihre Kinder in eine Kindergruppe geht, die zu den
so genannten kleineren privaten Betreibern gehört. Ich möchte Ihnen aus zwei
Kindergruppen vorrechnen und sagen, was herauskommt, wo die Eltern nicht in den
Genuss des kostenfreien Kindergartens kommen. Ich möchte Ihnen noch mal
eindringlich ans Herz legen, das zu überdenken, denn es ist schon so, dass sich
Eltern bewusst für Kindergruppen oder Kindergärten entscheiden. Es wird bewusst
gewählt, dass man zum Beispiel in elternverwalteten Kindergruppen sehr kleine
Gruppen hat, nämlich 14 Kinder in einer Gruppe, und das, was wir uns
eigentlich alle wünschen, einen BetreuerInnenschlüssel von drei BetreuerInnen und
so weiter und so fort. Genau jene Gruppen und genau jene Eltern bestrafen Sie
jetzt mit diesem so genannten Fördermodell.
In der ersten Kindergruppe haben wir eine Gruppe mit
drei Kindern unter dreieinhalb Jahren, zwölf Kindern über dreieinhalb Jahre und
in der anderen Gruppe sind zwei Kinder halbtags und dreizehn Kinder ganztags.
Die Eltern werden für die Kinder, die in beide Gruppen gehen, wenn sie den
geförderten Elternbeitrag bekommen, 100 EUR zahlen und wenn sie den
Essensbeitrag nicht bekommen, dann sind es 157 EUR. Das alles unter der
Annahme, dass es ein Träger ist, der Ihren so genannten Verwaltungszuschuss von
500 EUR pro Monat bekommt.
Bei einer anderen Kindergruppe, vierzehn Kinder im
Durchschnitt, zwei Kinder unter dreieinhalb Jahren, die anderen über
dreieinhalb Jahre, alle 40 Stunden, kommen die Eltern auf Kosten von
165 EUR, wenn der Essensbeitrag abgezogen wird, wenn es eine Subvention
gibt, dementsprechend weniger.
Was haben die Eltern aus der zweiten Kindergruppe
aber bist jetzt gezahlt. Das kann ich vorlesen. Die Namen der Kinder tun nichts
zur Sache, ich nenne sie jetzt Paul, Sophie und Emil, damit sie einen Namen
haben. Die Eltern von Paul haben bis jetzt 55,30 EUR gezahlt. Sie zahlen
mit Ihrem neuen Fördermodell 165 EUR. Die Eltern von Sophie haben bis
jetzt nichts bezahlt. Sie zahlen mit Ihrem Modell ab dem kommenden Herbst
165 EUR. Die Eltern von Emil detto, bis jetzt nichts bezahlt, ab Herbst
165 EUR. - Das ist Ihr Fördermodell, das Sie heute beschließen, mit dem Sie
uns weismachen wollen, dass für alle Eltern der Kindergartenplatz gratis werden
wird. Das ist nicht so, das wissen Sie ganz genau.
Jürgen hat am Tag der EU-Wahl mit mir auch zu dem
Thema diskutiert und hat die Wünsche, Beschwerden und Verwunderung ob dieses
eigenartig gestalteten Modells mitbekommen. Eigentlich dreht es sich in diesem
Modell hauptsächlich um den Verwaltungszuschuss. Sie führen in dem
Geschäftsstück, das zu beschließen ist, an, was über diesen
Verwaltungszuschuss, der ob der Gruppengröße gestaffelt ist, alles bezahlt
werden soll, nämlich die Kosten für die pädagogische Leistung, die Kosten fürs
Qualitätsmanagement, die Kosten fürs kaufmännische Personal, die Kosten für die
EDV, die Kosten für die Steuerberatung und Rechtsberatungskosten, für SpringerInnen
und Marketingkosten. Es ist gut, dass es für all das einen Verwaltungszuschuss
gibt, aber es ist nicht einzusehen, dass Sie die Träger und Vereine ungleich
behandeln, denn das machen sie hier. Sie behandeln jene, die Qualität anbieten
und die genauso Verwaltungskosten haben, ungleich denen, die größer sind und
die in den Genuss von 1 500 EUR kommen. Es ist nicht nachzuvollziehen
und nicht zu begründen, warum das so ist.
Ich weiß schon, wahrscheinlich werden der Kollege
Wutzlhofer, aber auch die Kollegin Riha erklären, dass, wenn man ein größerer
Betreiber ist, man mehr Verwaltungskosten hat. Da würde ich mich schon fragen,
wie das mit der Wirtschaftlichkeit ist, denn eigentlich wissen wir ja, dass man
Synergien besser nützen kann, wenn man größer ist, weil man braucht, egal, ob
man knapp 50 Gruppen oder 150 Gruppen hat, eine Buchhaltung. Wenn man
verschiedene Gruppen unter sich hat, braucht man halt pro Gruppe eine
Buchhaltung und das macht die Kosten nicht billiger, sondern höher.
Jetzt ist es so, dass Sie
offensichtlich auch in der
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