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Gemeinderat, 7. Sitzung vom 29.04.2011, Wörtliches Protokoll  -  Seite 60 von 69

 

schulwesens in Wien, und diese müssen, meine sehr geehrten Damen und Herren, so rasch wie möglich behoben werden, damit unsere Jugend das Umfeld zur Entfaltung ihrer musikalischen Anlagen und Fähigkeiten geboten werden kann.

 

Da bis heute den zahlreichen Initiativen der Freiheitlichen Partei seitens des zuständigen Stadtrates in keiner Weise Rechnung getragen wurde, stellen wir abermals einen Antrag gemäß § 27 Abs 4 der Geschäftsordnung für den Gemeinderat der Stadt Wien. Der Beschlussantrag lautet:

 

„Der Bürgermeister der Stadt Wien möge dafür Sorge tragen, dass eine Sonderdotierung im Musikschulbereich sofort zur Verfügung gestellt wird.

 

In formeller Hinsicht wird die Zuweisung dieses Antrages an den Herrn Bürgermeister beantragt.“ (Beifall bei der FPÖ.)

 

Vorsitzender GR Godwin Schuster: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Baxant. Ich erteile es ihm.

 

15.23.17

GR Petr Baxant (Sozialdemokratische Fraktion des Wiener Landtages und Gemeinderates)|: Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Vorsitzender!

 

Musik ist natürlich ein extrem wichtiges Thema, vor allem für mich ist es ein leidenschaftliches Thema. Wien ist Musikhauptstadt. Wie wir Musikhauptstadt oder eigentlich Weltmusikhauptstadt geworden sind, das wissen wir alle: durch harte, jahrhundertelange Arbeit. Aber natürlich müssen wir auch Musikhauptstadt bleiben, und das ist eine große Herausforderung.

 

Das geschieht natürlich über unsere Kunst- und Kulturpolitik. Wir erhalten viele Spielorte, wir bauen neue Spielorte auf, wir erhalten Tradition, verquicken sie mit der Moderne, weil wir natürlich das Neue wagen müssen, und – da bin ich auch schon beim Thema – wir fördern unseren Nachwuchs, und zwar nicht nur den ganz konkreten Musikernachwuchs. Denn was ist wichtig für eine Musikstadt? Drei Säulen sind es, würde ich sagen:

 

Einerseits das ganz normale Publikum, das heißt, die Konsumenten und Konsumentinnen von Musik. Warum ist es wichtig, dass diese Konsumenten und Konsumentinnen ein gewisses Qualitätsbewusstsein haben? Das ist deshalb wichtig, weil das jene sind, die unsere Musiker und Musikerinnen dann wiederum dazu auffordern und aufpeitschen, noch besser und besser zu werden. Wir wissen, dass sehr viele Opernsänger, Dirigenten, Dirigentinnen, internationale Superstars und so weiter immer sehr erstaunt sind, wie kritisch das Wiener Publikum ist. Das Wiener Publikum kann natürlich nur dann kritisch sein, wenn es sich in der Musik auskennt.

 

Damit komme ich zur zweiten Säule, und das ist meiner Meinung nach fast die wichtigste für eine Musikstadt. Ich nenne diese Menschen die unerfahrenen Musiklaien. Das sind jene Menschen, wie ich zum Beispiel, die irgendwann einmal ein Musikinstrument oder zwei, drei gelernt haben und dann halt nicht von der Musik leben, sondern irgendetwas anderes tun, die keine Profis werden oder bleiben, aber leidenschaftliche Musikbotschafter und -botschafterinnen.

 

Ich sage es von mir aus ganz konkret. Ich habe Musik nicht dann lieben gelernt, als ich sie in der Schule oder im Radio oder im Fernsehen zum ersten Mal gehört habe, sondern als mein Vater mir und meinen Geschwistern, als ich klein war, beim Schlafengehen auf der Gitarre Lieder vorgespielt hat. Ich glaube, das ist auch eine sehr wichtige Musikerziehungsarbeit, eine Arbeit, die junge Leute und kleine Kinder an Musik heranführt. Ich glaube, auch das ist etwas, was unser Musikschulwesen sicherstellt.

 

Die dritte sehr wichtige Säule sind die aktiven Künstler und Künstlerinnen, die professionellen Künstler und Künstlerinnen, jene, die davon leben können. Sie brauchen eine altersadäquate Ausbildung – die stellen wir sicher mit unserem Musikschulwesen –, und sie durchlaufen natürlich diese Pyramide, die wir alle kennen aus dem Musikschulwesen: Aus der großen Masse gibt es immer wieder eine Aussiebung auf Grund persönlicher Interessen oder auf Grund des Könnens beziehungsweise Nichtkönnens, und ganz am Ende, ganz on top stehen natürlich sehr gute und qualitätsvolle Ausbildungseinrichtungen in Wien für die – ich sage es ganz offen – Musikelite.

 

Diese drei Säulen haben unmittelbar mit dem Wiener Musikschulwesen zu tun, und deswegen ist es natürlich wichtig, dass das Musikschulwesen weiterhin ausgebaut wird, dass es adaptiert wird, aber – und da bin ich auch schon beim Kollegen Nepp – natürlich muss auch die finanzielle Basis sichergestellt werden. Und dass wir uns in Wien gerade von der FPÖ vorwerfen lassen müssen, dass wir Gebühren erhöhen, finde ich auch extrem lustig. Ich erinnere nur an die Zeiten der schwarz-blauen Bundesregierung auf Bundesebene. Das waren eigentlich die Belastungs-Master der Zweiten Republik. Also von euch müssen wir uns da diesbezüglich überhaupt nichts sagen lassen.

 

Dass man Gebühren irgendwann einmal evaluieren und valorisieren muss, das ist ja ganz klar, oder? Also wechseln Sie da nicht politisches Kleingeld, sondern wir wissen alle, dass das irgendwann einmal notwendig ist. Seit 2003 ist das übrigens nicht passiert. Es ist eine sozial verträgliche Erhöhung, und es ist weiterhin – und das ist mir als Sozialdemokraten so wichtig – ein niederschwelliger Zugang in das Wiener Musikschulwesen gesichert.

 

Aber wir erhöhen ja nicht nur Gebühren, sondern ab dem kommenden Semester erweitern wir das Angebot an den Wiener Musikschulen ganz massiv. Ich würde sogar sagen, es gibt jetzt einen Quantensprung im Musikschulwesen, nämlich dadurch, dass es in den meisten Bezirken in Zukunft möglich sein wird, dass jedes Kind, das möchte, ein gewisses Instrument erlernt. Das erreichen wir dadurch, dass wir an den 65 Singschulstandorten zusätzlich jetzt noch Instrumentenunterricht einführen werden.

 

Zusätzlich dazu ist es in Zukunft noch möglich, kostenfrei Ergänzungsfächer zu konsumieren, auch eine extrem wichtige Neuerung, aber der Schwerpunkt liegt – ich habe vorhin darüber gesprochen – auf der Sicherung und Weiterentwicklung einer breiten, niederschwelligen, an die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen ange

 

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