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Gemeinderat, 68. Sitzung vom 29.06.2015, Wörtliches Protokoll  -  Seite 100 von 140

 

die Situation der österreichischen Kindergärten beschämend, mit der Konsequenz, dass wertvolles Entwicklungspotenzial vernachlässigt wird. – Vollkommen richtig. Das hat das „profil“ geschrieben. Ich habe es Ihnen, glaube ich, schon einmal vor drei oder vier Jahren erzählt, und das Problem ist eines: Erstens das „profil“ hat damals recht gehabt, und das „profil“ hat jetzt noch immer recht, weil Sie nichts geändert haben in diesem Bereich.

 

Viele Pädagogen klagen das ja auch an. Die Vorsitzende der Berufsgruppe Kindergarten- und Hortpädagogen, Raphaela Keller, hat gesagt, das ist Massenkindhaltung, was da passiert. Eine einzige ausgebildete Kindergartenpädagogin – in der Regel sind es Frauen – für 25 Kinder. Wenn sie Glück hat, hilft eine Assistentin, et cetera, et cetera.

 

Also ausgerechnet die Leute, die die Kinder betreuen, klagen eigentlich dieses System an und sagen auch, dass dieser Kindergarten zu einer Aufbewahrungsanstalt verkommt. Und das muss ein Warnsignal sein. Davor haben wir immer schon gewarnt. Seit ich Jugend- und Bildungssprecher bin, seit fünf Jahren, warne ich davor. Sie reagieren nicht, Herr StR Oxonitsch, im Gegenteil, Sie tun immer alles ab, egal, was wir sagen. Konstruktive Kritik wird einfach so mit ein bisschen Schmäh weggeschoben. Das gibt es ja gar nicht, dieses Problem mit den Kindergartenpädagogen. Wenn wir sagen, es gibt ein zu schlechtes Gehalt, kommt immer, wenn man das mit Österreich vergleicht, ist das sehr viel, und wir haben jetzt eh 6 Prozent Lohnerhöhung gegeben. Gerade für diesen wichtigen Beruf sind 6 Prozent zu wenig, denn von nichts bleibt auch nichts. In dem Fall müssen wir uns auch etwas überlegen, damit die Kindergärtner nicht abwandern.

 

Wenn man sich internationale Standards anschaut, dann muss man schon sagen, dass dort in etwa 4 bis 5 Erwachsene auf 20 Kinder kommen. Ich glaube, Ziel von uns allen muss es sein, dass wir unseren Kindern auch das bestmögliche Umfeld bieten, damit sie sich entwickeln können, damit sie sich entfalten können. Solche internationalen Standards fordern wir Freiheitliche daher für Wien, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Chaos auch bei den Anmeldungen, wie auch die Frau Vassilakou sagt. Das haben ja nicht nur wir festgestellt, sondern auch das Kontrollamt hat diese gesamte Kindergartenanmeldung eigentlich zerlegt. Reagiert wurde bis jetzt eher wenig bis gar nicht. Schade, dass die Frau Kollegin Leeb nicht da ist und darüber reden könnte, denn die hat sich da wirklich gut reingearbeitet und hat das eigentlich auch aufgezeigt und auch konstruktive Vorschläge gemacht.

 

Aber auch die Sprachförderung fällt schwer laut den Pädagogen, und das sagen Sie ja selber, denn die Plattform EduCare sagt eben, gezielte Sprachförderung in den Kindergärten scheitert an den fehlenden Rahmenbedingungen. Es gibt immer weniger Berufsanfänger, immer mehr Krankenstände, et cetera, et cetera. Immer mehr Zusatzaufgaben werden den Kindergartenpädagogen zugeschoben, und die Praxis ist eben wieder meist, dass für bis zu 25 Kinder nur eine Person zuständig ist und dass dabei eben diese Entwicklungsdefizite und auch diese Sprachdefizite nicht erkannt werden, Begabungen nicht erkannt werden, auch nicht gefördert werden und dass eben keine ordentlichen pädagogischen Maßnahmen diesbezüglich ergriffen werden können und reagiert werden kann. Sie fühlen sich eben von der Politik und von Ihnen, Herr StR Oxonitsch, im Stich gelassen.

 

Immer, wenn dann medial eine gewisse Welle aufpoppt, wo es dann heißt, ja, die Zustände sind schlecht, vor allem auch an den Schulen, es wird immer weniger Deutsch gesprochen, meldet sich dann der Herr Häupl wortgewaltig in den Medien und legt sein gewichtiges Wort ein und sagt, es ist unglaublich, und er setzt jetzt alles daran, dass in den Schulen nur mehr Deutsch gesprochen wird. Es kommt kein Schüler mehr in die 1. Klasse, ohne dass Deutsch gesprochen wird.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das ist alles sehr schön, nur dem Herrn Bgm Häupl glaubt niemand mehr, denn alles, was er sagt, sind reine Ankündigungen, sind Lippenbekenntnisse. Und eines sage ich Ihnen auch: Ich glaube nicht, dass er in die Gelegenheit kommt, nach dem 11. Oktober das auch noch umzusetzen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)

 

Wenn es dann nach der Schule auf den Arbeitsmarkt geht, hat auch hier Wien eine der höchsten Jugendarbeitslosenzahlen in Österreich. 16 000 Schüler pro Jahr schlittern in die Bildungsunfähigkeit ab, und das ist ja auch das Erschreckende. Wenn jemand nämlich ohne Pflichtschulabschluss in diese Bildungsunfähigkeit abrutscht, hat er nicht die Möglichkeit, sich ein Leben lang weiterzubilden. Der wird nie mehr wieder eine Zeitung lesen können, weil er nicht versteht, was drinnen steht, sinnerfassendes Lesen gibt es nicht. Das sind dann alles Sozialfälle, die wir dann in Zukunft mehr oder weniger auf Steuerkosten leider durchfüttern müssen. Nicht umsonst steigt ja die Mindestsicherung in Wien so horrend, und dazu tragen natürlich auch die jungen Leute, die am Arbeitsmarkt dann keine Chance haben, wesentlich bei.

 

Am Lehrstellenmarkt hinkt Wien hinterher. Wir haben eine offene Lehrstelle auf vier Lehrstellensuchende, und da muss man Ihnen auch sagen, meine sehr geehrten Damen und Herren von der SPÖ, dass Ihre Ausbildungsgarantie hier kläglich versagt hat und wir vor einer der größten Bildungsmiseren in der Zweiten Republik stehen, meine sehr geehrten Damen und Herren.

 

Diesbezüglich gebe ich Ihnen aber dennoch die Chance, vielleicht nicht sich zu bessern, nicht, dass Sie schlimm gewesen wären, aber vielleicht gescheiter zu werden und unseren Anträgen zuzustimmen, denn wir haben eben ein Schulkonzept, das besagt, dass wir bei Eintritt in die 1. Klasse Volksschule eine Feststellungsprüfung der Sprachkenntnisse haben wollen. Wer die Sprache nicht genügend spricht, um im Regelunterricht folgen zu können, der soll vor Schuleintritt in eine eigene Deutschlernklasse gehen. Wir wurden noch vor Jahren geprügelt, wie wir so etwas nur fordern können. Ghettoklassen, hat es da geheißen, wollen wir. Jetzt ist auch

 

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