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Gemeinderat, 29. Sitzung vom 20.11.2017, Wörtliches Protokoll  -  Seite 91 von 135

 

Ausschankplätzen Essen und Trinken zu konsumieren. 87 Prozent! Und da frage ich mich: Wen schützen Sie? Die Händler wollen nicht geschützt werden. Die Gastronomen sagen, super, wir brauchen den Handel so, wie es auch die Gastronomie braucht, es geht um ein Miteinander. Jetzt frage ich mich: Was ist die Intention? Als mich Journalisten gefragt haben, habe ich es nicht erklären können. Die haben gefragt, warum ich glaube, dass die Frau Sima das macht. Ich weiß es nicht. Es fällt mir nichts ein. Ich hoffe, heute vielleicht Licht ins Dunkel bei dieser Angelegenheit zu kriegen. (Beifall bei den NEOS.)

 

Ein kleines Lob kann ich Ihnen aus der Umfrage auch weitergeben, immerhin 73 Prozent sind zufrieden mit dem Erscheinungsbild der Wiener Märkte. Jedoch 67 Prozent der Befragten sagen, dass sich das Angebot auf den Märkten immer stärker verengt und wieder vielfältiger sein muss. Dazu braucht es eben, wie bereits zu Anfang gesagt, ein bunteres und attraktiveres Angebot, und unserer Meinung nach geht das halt mit mehr Freiheiten für die Marktstandler. (Beifall bei den NEOS.) Hier werden aber ganz klar durch diese starren Regelungen Innovationen verhindert und deswegen haben wir auch einen Vier-Punkte-Plan, den wir in einem Antrag einbringen werden.

 

Ich möchte Ihnen ganz kurz unsere Forderungen zusammenfassen, denn ich habe nur mehr 2,5 Minuten, könnte aber noch eine Stunde reden. Es geht uns um Folgendes: Wir wollen die Wiener Marktordnung modernisieren - sie ist veraltet, ich glaube, da sind wir einer Meinung, Sie sagen ja auch, hier braucht es etwas Neues - und an aktuelle Gegebenheiten und Ansprüche anpassen. Sie muss gleichzeitig die Bedürfnisse der Marktstandler und die Wünsche der Kunden umfassend berücksichtigen. Die derzeitige Anweisung des Marktamts, bei Neuvergaben von Ständen keine Gastroverabreichungsplätze mehr zuzulassen, ein sogenanntes Nebenrecht, ist in der Marktordnung bloß eine Kann-Bestimmung. Und deshalb wird diese Situation auf den Märkten immer problematischer. Die Gastronomie soll als Partner und eben nicht als Gegner begriffen werden und deswegen muss diese Kann-Bestimmung unserer Meinung nach abgeschafft werden.

 

Punkt 2: Belebung durch kürzere Leerstände. Wir haben sehr oft die Situation, dass Markstände, vor allem auf den kleineren Märkten, nicht gemäß deren Zweckwidmung verwendet werden. Das heißt, zum einen als Lager, vielleicht auch als Spekulationsobjekt - wo wir wissen, dass größere Immobilienkonzerne plötzlich Marktstände kaufen und keiner weiß, warum. Dem muss man unserer Meinung nach entgegenwirken, denn das zerstört - und ich glaube, da sind wir auch einer Meinung - das Marktbild. Jetzt habe ich einen Stand, der offen hat, dann sind wieder drei leer, dann ist wieder einer offen. Das ist ja irgendwie nicht wirklich spannend für einen Besucher, der wünscht sich einen offenen Markt und diese Vielfalt. Hier fordern wir, dass das Angebot erweitert werden sollte und dass man ganz klar sagt, wenn ein Marktbetreiber einen Stand weitergibt, soll der neue Betreiber maximal sechs Monate Zeit haben - wir können auch weniger machen, aber ich sage, maximal sechs Monate -, um seinen Stand herzurichten, zu renovieren, dementsprechend auszustatten. Ich glaube, ein halbes Jahr ist dafür völlig ausreichend, um dann sofort wieder aufsperren zu können und tatsächlich den Stand nur für den Handel zu benützen.

 

Punkt 3: nichts Neues, flexible Öffnungszeiten. Wir haben die Wienerinnen und Wiener gefragt, was sie denn davon halten würden, wenn die Wiener Märkte auch sonntags offen haben? Und ganze 65 Prozent haben sich dafür ausgesprochen. Das heißt, wir wünschen uns sowohl eine Sonntagsöffnung, aber auch unter der Woche flexiblere Öffnungszeiten für die Marktbetreiber. Das heißt, man geht von Kernzeiten aus - da bin ich bei Ihnen, das ist auch wichtig für das Marktbild -, aber es kann auch sein, dass das abends dann vielleicht anders genutzt wird. Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen: In Jerusalem zum Beispiel haben tagsüber die Markthändler nur Handelsstände und am Abend, ab 19 Uhr ist das reine Gastronomie. Die bauen den Stand jeden Tag um. Aber wissen Sie, wie cool das ist? Tagsüber habe ich einen super Handel und am Abend habe ich eine Fressmeile, um beim Herrn Valentin zu bleiben, aber beides kann sehr gut miteinander existieren.

 

Punkt 4: Dynamik schaffen und Angebot attraktiveren. Das bedeutet, es gibt ja sehr viele freie Flächen auf den Märkten. Warum kann ich nicht hergehen und zum Beispiel Jungunternehmern aus dem Bereich Street Food - wir kennen diese Wägen, die machen mittlerweile eigene Märkte - anbieten, das ist die Fläche, kommt doch vorbei, wechselndes Angebot jedes Wochenende, oder von mir aus jeden Monat. So habe ich immer wieder Neugierde, kann als Marktbesucher sagen, ah, jetzt gibt es wieder Street Food am Samstag oder was auch immer, gehe hin, kann das konsumieren und kaufe natürlich auch im Handel in der Umgebung ein und in der Gastronomie konsumieren. Das heißt Belebung. Und vor allem, und das ist der Wunsch von immerhin 79 Prozent der Wienerinnen und Wienern, die sagen, es braucht mehr diese temporären Märkte, mehr Wochenmärkte, mehr Bauernmärkte. Es würde uns total taugen, wenn da einfach mehr Vielfalt ist. Und genau für diese Märkte soll einfach die Bürokratie wesentlich einfacher werden. Das Marktamt leistet ja gute Arbeit, wie gesagt, ich will ja den Beamten und Beamtinnen hier überhaupt keinen fehlenden Willen unterstellen, aber hier könnte man noch mehr in die Richtung gehen und strategisch mehr als Serviceeinrichtung für diese temporären Märkte agieren, damit ich sagen kann, okay, dadurch schaffe ich Dynamik und Vielfalt. Und kein Händler und kein Gastronom auf den jeweiligen Märkten wird irgendetwas dagegen haben.

 

Über die letzte Idee habe ich auch schon zum Beispiel mit der Wiener Wirtschaftsagentur geredet, die sie pfiffig findet. Es ist eine Einführung der „Langen Nacht der Märkte“. Das ist natürlich ein reines Prestigeprojekt, sage ich einmal. Wir haben die „Lange Nacht der Kirchen“, die „Lange Nacht der Museen“, warum nicht die „Lange Nacht der Märkte“? Wir könnten sehr viel Bewusstsein bilden, wie viele Märkte es eigentlich in Wien gibt. Und es gibt viele an der Zahl, ich glaube, keiner hier

 

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