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Gemeinderat, 59. Sitzung vom 19.11.2019, Wörtliches Protokoll  -  Seite 15 von 55

 

Ich denke, dass unser Leben in Zukunft einfach anders aussehen wird, als es bisher ausgeschaut hat. Neben diesen Naturkatastrophen und Auswirkungen auf die Gesundheit hat es natürlich auch Auswirkungen auf unsere Wirtschaft. Wien ist zwar wiederholt zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt worden, das wissen wir alle, und ich denke auch, dass der Wirtschaftsstandort gefestigt ist, aber damit es so bleibt, müssen wir jetzt handeln und dürfen keinesfalls warten

 

Ich denke, dass über Jahrzehnte lang funktionierende Geschäftsmodelle ganz schnell wegbrechen können, und glaubt da bitte einem Solariumbetreiber. Wer will schon bei 40 Grad im Schatten bummeln gehen oder einkaufen gehen, und auch Schanigärten im Hochsommer sind oft erst ab 22 Uhr interessant, wenn sie eigentlich schon bald wieder zusperren sollten.

 

Klimakrise - übrigens das Wort Krise kommt aus dem Griechischen und bedeutet Entscheidung beziehungsweise entscheidende Wendung. Es liegt an uns, diese Wendung zu schaffen. Es liegt an uns, Krise als Chance wahrzunehmen und im Speziellen die Klimakrise als Chance wahrzunehmen. Das ist das Gebot der Stunde, die Klimakrise als Chance wahrzunehmen. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ sowie von StR Dr. Markus Wölbitsch-Milan, MIM.)

 

Wir haben diese Krise verursacht, ich glaube, da gibt es mittlerweile keinen Zweifel mehr. Wir verbrennen immer mehr fossile Stoffe, und durch diese Verbrennung der fossilen Stoffe entstehen Treibhausgase, das wissen wir alle, hauptsächlich CO2, und diese Treibhausgase in der Atmosphäre treiben die Erderwärmung an. Das ist der Grund - Punkt. Diese Klimakrise haben wir hervorgerufen. Wir sind schuld an diesem Dilemma.

 

Wir sind die erste Generation, die diese Auswirkung der Klimakrise so stark zu spüren bekommt, wir sind aber gleichzeitig auch die letzte Generation, die eine Klimakatastrophe möglicherweise noch verhindern kann. Gerade hier in diesem Gremium, in dem ganz viele Entscheiderinnen und Entscheider sitzen, genau hier können wir etwas verändern. Wir sind von den Menschen als ihre Vertretung gewählt worden, und die Menschen sagen uns jetzt im Sommer: Es ist zu heiß. Unsere Kinder sagen uns: Wie kommen wir dazu, zukünftig euren Mist wegzuräumen? Und die UnternehmerInnen sagen uns: Bitte helft uns dabei, dass wir unsere Geschäfte erhalten können.

 

Es darf wirklich nicht an unserer Unentschlossenheit oder an irgendwelchen Parteiinteressen scheitern, hier schnell und umfassend zu handeln. Ich denke, es entspricht auch nicht unserem PolitikerInnen-Gen, zu warten, was passiert oder zu hoffen, dass eh nichts passiert. Eine Institution wie der Wiener Gemeinderat, denke ich, muss als Gestalterin der Zukunft auftreten. Machen wir Wien zur Klimahauptstadt und machen wir die Welt dadurch vielleicht ein bisschen besser.

 

Nutzen wir auch die Chancen, die sich dabei ergeben, und zeigen wir vor allem, dass wir die Vordenkerinnen und die Vordenker in dieser Stadt sind. Steigen wir um auf erneuerbare Energien, nutzen wir den Markt, der dadurch entsteht, werden wir Forschungsweltmeister auf diesem Gebiet. Bringen wir wieder vermehrt Wasser in den öffentlichen Raum zurück, begrünen wir die Stadt. (Beifall bei den GRÜNEN.)

 

Halten wir sie kühl, damit sich die BewohnerInnen wohlfühlen aber auch, damit in zehn Jahren TouristInnen weiterhin lieber nach Wien und nicht in den hohen Norden kommen. Lasst uns darüber sprechen, wie wir speziell unseren Kindern und Enkelkindern eine lebenswerte Stadt übergeben können. Wir haben diese Stadt, wir haben diese Erde von unseren Kindern nur geborgt und wir haben keine zweite im Kofferraum.

 

Als Unternehmer möchte ich euch sagen: Das ist nichts Wirtschaftsfeindliches und das ist schon gar nichts Weltfremdes. Das ist etwas Notwendiges, das wir entweder nutzen können oder auch nicht.

 

Was wir jetzt konkret brauchen, sind Maßnahmen, die Wien auf dem Weg zur Klimahauptstadt optimal unterstützen: Lehrstühle an Unis oder Fachhochschulen zu diesem Thema zum Beispiel, Förderungen der Wirtschaftsagentur für innovative Unternehmen, die an Lösungen im Bereich Klimawandel arbeiten, zum Beispiel eine Kampagne des WienTourismus, die Wien weltweit als innovativste Stadt zeigt, die sie dann hoffentlich eben ist. So, wie es eben KünstlerInnen nach Paris drängt oder ModeschöpferInnen nach Mailand oder Surfer nach Hawaii, so muss es jedem, der auf dem Gebiet forscht oder plant, ein Start-up in diesem Bereich zu gründen, nach Wien ziehen. In Wien spielt die Musi zukünftig, wenn es um Klimaideen und deren Umsetzung geht. Wir machen Wien zur Klimahauptstadt der Welt. Das ist das Ziel. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.)

 

Wir müssen Räume und Infrastruktur zur Verfügung stellen, und es braucht eine Willkommenskultur für Expertinnen und Experten und Unternehmen aus dem In- und Ausland. Wien kann da wirklich eine Vorreiterrolle übernehmen. Wir müssen alle Kräfte bündeln und alle Potenziale ausnutzen. Die Wiener Wirtschaft muss die Chance bekommen, sich hier ein zusätzliches Profil zu erarbeiten.

 

Die Klimakrise als Chance zu sehen, das wünsche ich mir von euch, das wünsche ich mir von uns, denn wir sind die Gestalterinnen und die Gestalter dieser lebens- und liebenswertesten Stadt der Welt. Ich denke, wir haben die Aufgabe - nein, das ist das falsche Wort -, wir haben sogar die Verpflichtung, diese Verantwortung wahrzunehmen. Lasst uns das bitte gemeinsam angehen! Danke. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ sowie von GR Christoph Wiederkehr, MA.)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Für weitere Wortmeldungen bringe ich in Erinnerung, dass sich die Damen und Herren des Gemeinderates nur ein Mal zu Wort melden dürfen und ihre Redezeit mit fünf Minuten begrenzt ist. Als nächster Redner hat sich Herr GR Dipl.-Ing. Dr. Gara gemeldet.

 

10.19.30

GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS)|: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Hans, nochmals herzlich willkommen!

 

Danke auch für deine Worte, und ja, ich nehme auch deine Worte auf, als Opposition bleiben wir kritisch konstruktiv.

 

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