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Gemeinderat, 6. Sitzung vom 22.10.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 15 von 114

 

beobachten. Das ist auch der Grund, dass wir Angebote stellen, freiwillig analysieren zu lassen, welche Drogen genommen werden, um einen Überblick über den Drogenmarkt zu haben. Im Hinblick darauf sehe ich insgesamt große Probleme auf Europa zukommen, die besonders in jenen Städten mit großen Häfen beginnen, weil ein Großteil dieser Drogen auch aus anderen Regionen der Welt angeliefert wird. Und obwohl diesbezüglich verstärkte Kontrollen stattfinden, kann man natürlich immer nur einen kleinen Teil aus dem Verkehr ziehen.

 

Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man insbesondere bei Jugendlichen auch durch Informationskampagnen dazu beiträgt, von Drogen überhaupt Abstand zu nehmen. Es offenbaren sich da nämlich furchtbare Schicksale. Wenn man sich die Personen anschaut, die auffällig werden und die wir auch sozialarbeiterisch begleiten, dann sieht man, welche furchtbaren Bedingungen der Drogenkonsum mit sich bringt.

 

Von daher ist sicherlich alles von Vorteil, was dazu dient, Sozialräume und Sozialsituationen zu beobachten, zu begleiten und entsprechende Schlüsse daraus zu ziehen.

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Herr GR Lugner, bitte.

 

10.13.40

GR Leo Lugner (FPÖ): Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

 

Sie haben jetzt hier ausgeführt, welchen enormen Aufwand die Stadt betreibt, um das Grätzel hier sicherer und lebenswerter zu machen. Auf der einen Seite haben Sie über die Sozialarbeiter berichtet, auf der anderen Seite über die enorme Polizeibestreifung, die dort stattfindet.

 

Ich darf Ihnen jetzt als betroffener Anrainer sagen, dass dieses Problem schon sehr lange existiert und nicht erst seit kurzem, wie Sie gerade ausgeführt haben. Vielmehr gibt es dieses schon seit 2012, seit Eröffnung dieser Einrichtung.

 

Es ist tatsächlich für die Anrainer unerträglich, zur U-Bahn-Station zu gehen beziehungsweise die U-Bahn-Station zu passieren. Es kommt regelmäßig vor, dass nicht nur vor Kinderspielplätzen Spritzen liegen. Ein Kind hat sich bereits auf einem Kinderspielplatz mit einer Spritze verletzt. Die Suchtkranken dringen bis in die Wohnhäuser vor, gehen dort in die Keller und lassen ihren Unrat zurücklassen. Die Suchtkranken lassen dort zum Beispiel auch das Spritzbesteck zurück.

 

Jetzt kommt man zu dem Schluss, dass der gesamte Aufwand, den Sie als Stadt in diesem Zusammenhang betreiben, nicht ausreicht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Mit Erstaunen habe ich jetzt vernommen, dass Sie überlegen, ein weiteres derartiges Haus auch im 19. Bezirk zu eröffnen. Das ist wieder eine Wohngegend und ein Gebiet, wo viele Menschen betroffen wären, deren Alltag sich dann unerträglich gestaltet.

 

Herr Bürgermeister, warum verlegen Sie diese Einrichtungen nicht einfach in ein Gewerbegebiet am Stadtrand? Sie haben selbst gesagt, dass die meisten Suchtkranken, die zu diesen Einrichtungen gehen, Menschen sind, die aus dem Ausland beziehungsweise aus den Bundesländern kommen. Das heißt, diese Menschen könnten genauso niederschwellig beispielsweise in ein Gewerbegebiet fahren. Das muss ja nicht unbedingt ein Wohngebiet sein, wo Menschen leben, wo Kinder leben und wo Schulen sind. Dort eine solche Einrichtung zu schaffen ist meines Erachtens verantwortungslos. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, das in die Gewerbegebiete zu verlegen? (GR Mag. Josef Taucher: Sicherlich nicht! Wie gehst du mit uns um?)

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Herr Bürgermeister, bitte!

 

Bgm Dr. Michael Ludwig: Es gibt ja auch immer wieder Überlegungen der Expertinnen und Experten der Drogenkoordination und der Drogenberatungsstellen, an welchen Stellen es möglich und auch sinnvoll ist, solche Einrichtungen zu eröffnen.

 

Ich kann mich aus eigener Erfahrung noch an eine Begebenheit gut erinnern. Ich habe als Jugendfunktionär damals in der Großfeldsiedlung im Zusammenhang mit einer Drogenberatungsstelle in der Wassermanngasse informiert. Das ist viele Jahre her, wenn man bedenkt, zu welcher Zeit ich in Jugendorganisationen tätig war! Wir haben versucht, die Bevölkerung dafür zu gewinnen und sie zu informieren, was auf sie zukommt.

 

Damals hat sich nach meiner Erinnerung eine Frau ganz besonders aufgeregt. Sie hat mich beschimpft, als wir die Flugzettel verteilt und entsprechende Informationen gegeben haben. Das hat mich sehr betroffen gemacht, denn ich war damals noch nicht wirklich gewohnt, solche politischen Auseinandersetzungen zu führen. Daher hat es mich dann aber auch mindestens genauso berührt, dass diese Dame mich Wochen später kontaktiert - ich war damals beruflich auch im Bezirk tätig - und sich einen persönlichen Termin geben lassen hat. Sie hat mich aufgesucht, um mir mit Tränen in den Augen zu sagen, wie sehr sie bedauert, dass sie mich damals beschimpft hat. Sie sei nämlich erst jetzt draufgekommen, dass ihr Sohn drogenabhängig ist und daher sei es gut, dass es jetzt eine Drogenberatungsstelle gibt, bei der ihr Sohn beraten werden kann, wie er von den Drogen wieder wegkommt.

 

Was will ich damit sagen? - Im Zusammenhang mit dem Drogenkonsum gibt es unterschiedliche Ebenen, Stationen und Biografien. Es kann nie ausgeschlossen werden, dass auch Personen aus dem unmittelbaren Umfeld, die man selber kennt, drogenabhängig werden. Es muss also unser gemeinsames Ziel sein, die Menschen, die Gefahr laufen, dem Drogenkonsum zu frönen, entweder im Hinblick darauf, dass sie beginnen oder weil sie nicht wegkommen, zu begleiten.

 

Das, wogegen wir massiv auftreten müssen, ist der Drogenhandel. Das ist ein kriminelles Delikt, das mit allen polizeilichen Maßnahmen unterbunden werden muss. Ich glaube daher, dass es wichtig ist, dass wir sicherstellen, dass wir Örtlichkeiten finden, wo das möglich ist. Es gibt an verschiedenen Stellen in unserer Stadt Drogenberatungseinrichtungen und auch die Möglichkeit zum Spritzentausch, was völlig problemlos verläuft. Das Hauptproblem dort besteht nicht so sehr in der Betreuung der Drogenabhängigen, die in manchen Fällen ein

 

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