«  1  »

 

Gemeinderat, 6. Sitzung vom 22.10.2025, Wörtliches Protokoll  -  Seite 18 von 114

 

Gerade im Bildungsbereich oder im Pflegebereich ist das In-Anspruch-Nehmen von Teilzeitlösungen eher präsent als vielleicht in anderen Berufsgruppen. Das hat mit den Lebensrealitäten der Menschen zu tun, die diesen Beruf ergreifen. Das sind hauptsächlich Frauen. Ich glaube, das ist eine Thematik, die wir alle kennen und auch sehr oft hier diskutieren. Ich unterstütze sehr, dass auch Frauen einer Vollzeittätigkeit nachkommen können. Bedingung dafür ist aber wiederum ein gut geeigneter Betreuungs- oder Bildungsplatz für ihre Kinder. Das geht für mich Hand in Hand. Das Ziel wird aber natürlich weiterverfolgt. Prinzipiell und trotzdem muss man im Hinblick darauf sagen: Es bleibt die individuelle Lebensentscheidung jedes Einzelnen, wie viele Arbeitsstunden geleitstet werden wollen und sollen.

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der SPÖ. - Frau GRin Anderle, bitte.

 

10.30.04

GRin Patricia Anderle (SPÖ): Schönen guten Morgen, Frau Vizebürgermeisterin.

 

Sie haben eingangs schon einiges ausgeführt, und ich möchte jetzt gerne noch einmal nachhaken. Wie stellen Sie sicher, dass Kinder im Kindergarten optimal beim Spracherwerb unterstützt werden und so die bestmöglichen Entwicklungschancen haben? Welche konkreten Maßnahmen gibt es im Hinblick darauf?

 

Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte.

 

VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage.

 

Ich habe eingangs erwähnt, dass es wichtig ist, dass Sprachförderung alltagsintegriert stattfindet. Man kann auch sagen: Jeder Kontakt und jede Kommunikation mit einem Kind im Kindergarten erfolgt natürlich in der deutschen Sprache und sollte daher wirklich auch als Sprachförderkontakt verstanden werden. Und das ist eigentlich das Ziel, wohin ich möchte.

 

Klar ist aber auch: So, wie der Kindergarten momentan aufgestellt ist, entspricht das nicht wirklich den Herausforderungen, die wir in der heutigen Zeit haben. Wir sehen, dass wir auch viel mehr multiprofessionelle Teams in den Kindergärten brauchen, und darunter, ganz gezielt, auch Sprachförderkräfte. Daher werden wir die Einrichtung der Sprachförderkräfte weiter ausbauen. Ich habe es ausgeführt: Es ist dies ein schwieriger Weg, aber wir gehen diesen konsequent weiter, weil wir das Ziel verfolgen, dass wirklich jeder Standort mit erhöhtem Sprachförderbedarf auch wirklich fix eine Person am Standort hat. Wir müssen uns momentan noch damit behelfen, dass da und dort die Kinder stundenweise quasi besucht werden. Das geschieht jetzt, doch als Ziel verfolge ich, dass an einem Standort jeweils eine fixe Kraft ist. Ich habe bereits erwähnt, dass jetzt die nächsten Lehrgänge der Sprachförderkräfte abschließen werden. Das heißt, wir werden heuer noch 50 ausgebildete Personen in den Kindergärten einstellen können, was natürlich wiederum ein großer Schritt ist. Wir werden das auch weiterverfolgen, und damit wird zu Beginn des nächsten Jahres auch ein weiterer Schritt gelingen, nämlich dass die ElementarpädagogInnen aus dem Kolleg, die im Februar abschließen, bereits ausgebildete Sprachförderkräfte sind. Es sind doch, glaube ich, 79 an der Zahl, die die bafep 21 abschließen, und diese werden dann, weil sie ElementarpädagogInnen, aber auch ausgebildete Sprachförderkräfte sind, im Kindergarten multiprofessionell agieren können.

 

Einen weiteren wichtigen Punkt möchte ich auch noch erwähnen. Wir sind schon im laufendem Jahr eine Kooperation mit dem Verein STARTKLAR eingegangen, weil wir gesehen haben, dass es im Hinblick auf die Anstellungserfordernisse bei Sprachförderkräften schwierig ist, entsprechendes Personal zu finden. Der Verein STARTKLAR hat uns unterstützt. Das konnte im heurigen Jahr auf zehn Kindergärten ausgeweitet werden, Standorte mit hohem Deutschförderbedarf erhalten zusätzliche Unterstützung. Das ist ebenfalls ein Erfolgsmodell, und ich bin mir sicher, dass wir das in dieser Form auch weiterführen müssen bis wir die wirklich große Anzahl an fixen Sprachförderkräften haben.

 

Eine weitere Maßnahme ist auch die Sprachberatung mit dem Ziel, dass wir das pädagogische Personal an den Standorten zum Thema Sprachförderung beraten, sensibilisieren und den Leuten auch klar übermitteln, wie Sprachförderung im eigentlichen Sinn vor allem für Kinder, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, besser funktionieren kann.

 

Weitere UnterstützerInnen im Kindergarten sind die LesepatInnen. Auch dieses Projekt werden wir weiterführen. Dieses wurde erst in diesem Jahr gestartet. Wir haben momentan rund 84 LesepatInnen, die in den Kindergärten beim Vorlesen unterstützen. Ich halte nämlich das Lesen per se auch für eine ganz wichtige Form der Sprachförderung. Dieses Modell beziehungsweise Projekt beruht auf dem Engagement von Freiwilligen. Ich bin froh, dass sich dazu doch viele melden. Ich wäre natürlich noch froher, wenn es immer mehr werden, weil ich glaube, dass die LesepatInnen neben der Schule, wo sie schon eine ganz wichtige Stütze sind, auch im Kindergarten eine sinnvolle Ergänzung sein werden. (Beifall bei NEOS und SPÖ.)

 

Vorsitzender GR Armin Blind: Die nächste Zusatzfrage wird Herr GR Zierfuß stellen. - Bitte, Herr Gemeinderat.

 

10.34.17

GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrte Frau Stadträtin!

 

Wir haben jetzt viel über Sprachförderkräfte diskutiert. Ich glaube auch, dass wir uns in diesem Punkt einig sein können, dass, selbst wenn Sie sich bemühen, zu wenige verfügbar sind. Sie haben gesagt, 250 hätten Sie gestartet. Es gab nur eine Steigerung um etwa 100. Im Dezember 2020 waren es 294, damals noch laut Christoph Wiederkehr. Im Wesentlichen beschäftigen Sie dann auch Zusatzvereine, und an zehn Standorten passiert jetzt etwas. Die Grundintention der GRÜNEN ist aber sehr richtig: Wenn nicht jedes Kind, das es braucht, eine Sprachförderkraft bekommt - und die Zahlen besagen ja je nach Jahr, dass rund 45 Prozent sie nicht bekommen -, dann kann das Ergebnis nur sein, dass die Kinder nachher nicht ausreichend Deutsch können. Wir sehen das ja auch an der Zahl der außerordentlichen

 

«  1  »

Verantwortlich für diese Seite:
Stadt Wien | Geschäftsstelle Landtag, Gemeinderat, Landesregierung und Stadtsenat (Magistratsdirektion)
Kontaktformular