Gemeinderat, 6. Sitzung vom 22.10.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 19 von 114
Schüler. Es ist vorher schon erwähnt worden, dass rund die Hälfte der Schulanfänger nicht Deutsch können, und davon waren zumindest 80 Prozent zwei Jahre im Kindergarten. Dieses Scheitern der Sprachförderung im Kindergarten ist also evident.
Ich wollte Sie vor allem auch etwas fragen hinsichtlich einer Anfragebeantwortung zu den außerordentlichen Schülern: Wir wissen von Christoph Wiederkehr, der eine Anfrage beantwortet hat, dass immer der 1. Oktober Stichtag für außerordentliche Schüler ist. Deshalb frage ich Sie, wann damit zu rechnen ist, dass wir wissen, wie die außerordentlichen Schülerzahlen für dieses Schuljahr ausschauen werden.
Vorsitzender GR Armin Blind: Bitte, Frau Stadträtin.
VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage.
Ich habe jetzt eigentlich mehrere Fragen mitgenommen. - Ich glaube, die Sichtweise auf den Problemaufriss teilen wir definitiv. Die Probleme bestehen definitiv. Ich möchte aber trotzdem sagen, dass es nicht so ist, dass die Kinder quasi keine Sprachförderung erhalten. Ich weiß, dass sie in vielerlei Hinsicht nicht ausreichen.
Und man muss auch ganz klar sagen - das möchte ich hier wirklich betonen -, dass natürlich der Kindergarten eine gute Grundlage bieten kann. Dieser hat, wie ich glaube, einen wichtigen Bildungsauftrag in der Sprachförderung. Wenn es jedoch kein unterstützendes Elternhaus gibt, wenn zum Beispiel auch der Sommer, der nicht im Kindergarten verbracht wird, gar nicht genutzt wird, wenn diese Kinder maximal 20 Stunden oder vielleicht sogar weniger im Kindergarten sind und wochenweise vielleicht nicht da sind, dann reicht das nicht. Dann können wir nicht allein dem Kindergarten und allen Pädagoginnen und Pädagogen überstülpen, dass sie ausschließlich für die Sprachförderung verantwortlich wären. Dafür braucht es nämlich mehr. Dafür braucht es die Einbeziehung der Eltern. Es muss das Bewusstsein bei den Eltern geschaffen werden, was es für ihre Kinder braucht, damit die dann einen guten Start in die Schule haben.
Und ich bin vollkommen bei Ihnen. Ja, die Zahlen von außerordentlichen Schülern sind zu hoch. Mein Ziel ist es ganz klar, diese Zahlen mit vielen Maßnahmen, die wir setzen, zu senken. Das geschieht mit dem Ausbau der Einrichtung der Sprachförderkräfte, mit dem Einsatz von LesepatInnen und so weiter, zum Beispiel aber auch dadurch, dass die Kinder länger im Kindergarten behalten werden beziehungsweise vor allem auch die Zeit im Sommer für diese Kinder genutzt wird. Wenn diese nämlich wirklich neun Wochen lang kein Wort Deutsch sprechen - und diese Kinder gibt es -, dann ist ganz klar, dass all das Sprachwissen, das im Kindergarten vielleicht schon erworben wurde, verloren geht und diese Kinder dann als außerordentliche Schülerinnen und Schüler eingestuft werden.
Wir haben deswegen im heurigen Sommer schon mit Interface, wo ja wie immer Sommerdeutschkurse angeboten werden, Extralehrgänge für Schulneulinge gestartet, also wirklich für Kinder, die aus dem Kindergarten kommen und in die Schule gehen werden. Das hat sich sehr gut bewährt. Die Resonanz war sehr positiv. Die Lehrgänge gerade für diese Zielgruppen waren zu 100 Prozent ausgelastet. Und wir werden im nächsten Jahr den Weg gehen, die betreffenden Eltern konkret und direkt anzuschreiben und das Angebot vor allem im Sommer noch einmal zu erhöhen. Ich bin mir sicher, dass das ein wesentlicher Baustein sein wird. Ob das ausreichend sein wird, wissen wir nicht, ich vermute aber, dass zwei Wochen im Sommer natürlich nicht ausreichen. Dafür braucht es ein umfassendes Paket.
Zu Ihrer eigentlichen Frage bezüglich außerordentliche Schülerinnen und Schüler: Wir haben damals telefonisch mitgeteilt, dass wir mit der Anfrage leider warten müssen. Mit 1. Oktober werden die Zahlen eingemeldet. Sie sind gerade bei der Bildungsdirektion zur Aufarbeitung und quasi auch zur Bereinigung. Ich habe, als ich den Eingang meiner Mails durchgeschaut habe, gesehen, dass ich die Anfragebeantwortung heute bekommen habe. Ich werde mir diese anschauen und vielleicht heute, spätestens morgen freigeben.
Vorsitzender GR Armin Blind: Danke, Frau Stadträtin.
Die 5. und letzte Zusatzfrage kommt von Herrn GR Ornig. - Bitte sehr.
GR Markus Ornig, MBA (NEOS): Schönen guten Morgen, Frau Stadträtin.
Beim Thema Deutscherwerb geht es sowohl um das Thema Fördern, aber natürlich auch Fordern. Im Hinblick darauf lautet meine Frage: Welche Maßnahmen setzen Sie bei den Kindern im Kindergarten, damit das Fordern sozusagen ein wenig verbindlicher wird?
Vorsitzender GR Armin Blind: Frau Stadträtin, bitte.
VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank für die Frage.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir haben in den letzten Jahren ja viel gefördert und ausgebaut. Dabei spreche ich nicht nur den Deutscherwerb im Kindergartenalter an, sondern auch in der Zeit darüber hinaus. Und wir sehen, dass ein breites Angebot auch gut genutzt wird, dass wir aber oftmals nicht die erreichen, die es besonders brauchen und die es besonders benötigen.
Ich habe vorher über die Kinder gesprochen, die vom Elternhaus her keine Unterstützung haben, deren Eltern nicht das Bewusstsein haben, dass sie ihre Kinder über die Kindergärten hinaus zusätzlich unterstützen müssen. Diesen Eltern müssen wir konkrete Angebote machen beziehungsweise nicht nur konkrete Angebote unterbreiten, sondern ihnen auch sagen, dass eine Unterstützung notwendig und klug wäre. Wir haben auch im Regierungsprogramm vereinbart, dass wir an einer Verpflichtung arbeiten, dass Kinder, die Sprachförderbedarf haben, länger im Kindergarten bleiben, und dass wir von 20 auf 30 Stunden erhöhen. Wir arbeiten gerade daran.
Gleichzeitig ist der Bund mit der Umsetzung des zweiten verpflichtenden Kindergartenjahrs beschäftigt, im Zusammenhang womit auch diese Frage der Erhöhung von 20 auf 30 Stunden mitbehandelt wird. Wir sind da im guten Austausch. Wir schauen uns das natürlich gemeinsam an. Wir streben diese Verpflichtung zur Erhöhung von 20 auf 30 Stunden an.
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