Gemeinderat, 6. Sitzung vom 22.10.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 99 von 114
Im Brief wird ein "Wir" bemüht, also welches "Wir" meint er? Wer wird von ihm in Geiselhaft genommen? - Das ist ein schwieriges Wortspiel, merke ich gerade. Es geht uns nicht darum, Hatz gegen eine einzelne Person zu machen, sondern es geht um eine Rollenklärung zwischen Festivalintendant und Privatperson. Es geht darum, wo die Grenze zwischen Inszenierung und Selbstinszenierung endet und die Verantwortung für ein Festival beginnt. Ich freue mich auf die Beantwortung, herzlichen Dank. - Und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Ich darf bekannt geben, dass GRin Hungerländer sich bis zum Ende der Sitzung entschuldigt hat. Nach dieser kurzen Durchsage ist der nächste Redner, GR Brucker am Wort. - Bitte.
GR Lukas Brucker, MA (FPÖ): Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Vorsitzende, liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich bleibe auch beim Thema Wiener Festwochen. Es ist ja wirklich bemerkenswert, dass wir heute hier einen Aktionsplan gegen Rassismus diskutieren, Sie uns auffordern, diesem zuzustimmen, aber gleichzeitig ein Festwochenintendant, der eindeutig antisemitische und antiisraelische Aussagen getätigt hat, von der Rathausmehrheit hier unterstützt wird. Also diesen Widerspruch müssen Sie uns einmal erklären, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Dieser Herr Rau ist ja mittlerweile ein Wiederholungstäter. Er hat schon oftmals für Wirbel in der Wiener Kulturlandschaft gesorgt. Ich glaube, man kann eindeutig feststellen, bei diesem Herrn Rau handelt es sich um einen Selbstdarsteller, der eigentlich nur sich selbst verkauft, und dem die künstlerische Qualität der Darbietung eigentlich ziemlich egal ist.
Und er ist ein Intendant, der mit Millionen an Steuergeldern finanziert wird. Er missbraucht diese Bühne für antiisraelische und antisemitische Propaganda und was macht die zuständige Kulturstadträtin? - Gar nichts. Sie schaut dabei einfach zu, gibt nicht einmal wirklich eine öffentliche Äußerung ab, dabei hätte sie eigentlich nur eines zu tun, nämlich diesen Herrn Rau sofort hochkant hinauszuschmeißen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Es wurde von Kollegen Gorlitzer und auch von Kollegin Berner von den GRÜNEN schon erwähnt, Herr Rau hat am 4. Oktober auf der Website der Wiener Festwochen in diesem offenen Brief einen Aufruf zum Widerstand gegen die Kriegsverbrechen von Gaza veröffentlicht. Er spricht wörtlich von Verbrechen des israelischen Militärs und fordert, die Bühnen in Orte des Widerstandes zu verwandeln.
Sehr geehrte Damen und Herren, das ist keine Kunst, das ist politische Agitation auf Kosten der Steuerzahler und wir sprechen hier nicht von irgendeinem privaten Blog oder irgendeinem Leserbrief, wie schon erwähnt wurde, nein, das ist eine Veröffentlichung auf der offiziellen Website der Wiener Festwochen, die 27 Millionen EUR an öffentlichen Mitteln für die Jahre 2025 und 2026 bekommen. Wer so handelt, tritt den Auftrag kultureller Verantwortung mit Füßen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
Ich habe es schon erwähnt, die Frau Kulturstadträtin macht eigentlich überhaupt nichts. Sie distanziert sich nicht von diesen Äußerungen, es gibt keinerlei Konsequenzen. Ich sage nur, wenn die Frau Stadträtin glaubt, sie kann das einfach so aussitzen und überhaupt nichts dazu sagen und davon ausgehen, dass das an ihr vorbeigeht, hat sie sich getäuscht. Wir werden sie da nicht aus der Verantwortung entlassen.
Es wurde schon erwähnt, es wird im Kulturbereich an allen Ecken und Enden gespart. Vereine, Musikschulen, Bezirkskulturinitiativen müssen um jede kleine Förderung kämpfen und gleichzeitig werden die Wiener Festwochen mit zig Millionen EUR Steuergeld zugeschüttet für eine reine linke Selbstinszenierung und ideologische Programme.
Die Frau Stadträtin hat bereits angekündigt, dass es bei den Wiener Festwochen keinesfalls Einsparungen geben wird, da bleibt das Budget so wie es ist. Ganz im Gegensatz zu den Vereinigten Bühnen Wien, da hat sie gesagt, da muss auf jeden Fall gekürzt werden. Da zeigt sich einmal mehr, wo die Priorität dieser Kulturpolitik liegt. Nämlich nicht bei Qualität, sondern bei Ideologie und Agitation. Das ist nicht nur politisch falsch, das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Steuerzahlers in Wien. (Beifall bei der FPÖ.)
Nicht nur wir üben Kritik, es hat auch eine Reihe von Künstlern Kritik an den Aussagen von Milo Rau geübt. Da ist kein einziger Künstler dabei, der irgendwie im Verdacht steht, der FPÖ nahezustehen, sondern ganz im Gegenteil. Und wenn sogar diese Kulturszene selbst sagt, dass eine Grenze überschritten wurde, dann sollte man das auch seitens der Kulturpolitik zur Kenntnis nehmen.
Ich komme jetzt noch zu jemandem, dessen Wort in der österreichischen Kulturlandschaft wirklich großes Gewicht hat, nämlich zu Ioan Holender, 18 Jahre lang Direktor der Wiener Staatsoper. Die Frau Stadträtin hat in der Fragestunde ein bisschen despektierlich gemeint, sie sei froh, dass dieser alte Mann noch lebt. Also jeder soll sich wirklich selbst einen Eindruck machen, was so eine Aussage bedeutet. Ich finde sie eigentlich wirklich despektierlich und mehr als unangebracht. (Beifall bei der FPÖ.)
Ioan Holender nennt den Intendanten Milo Rau einen Intendanten auf Abwegen und wirft auch der Stadträtin vor, durch ihr Nichtstun das Vertrauen in die öffentliche Kulturförderung zu beschädigen. Und da hat er völlig recht. Wenn jemand wie Ioan Holender, der jahrzehntelang für Qualität, Leistung und internationale Anerkennung steht, der SPÖ-Kulturpolitik derart scharfe Worte widmet, dann sollte das die Letzten in der Stadtregierung endlich einmal aufwecken.
Sehr geehrte Damen und Herren, was fordern wir? - Wir fordern, dass Milo Rau als Intendant der Wiener Festwochen sofort abberufen wird, dass die Fördermittel für die Wiener Festwochen für das Jahr 2026 sofort gestrichen werden, und wir fordern einen umfassenden Bericht über die Verwendung der bisherigen Mittel. Wir
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