Gemeinderat, 6. Sitzung vom 22.10.2025, Wörtliches Protokoll - Seite 111 von 114
eigentlich keine andere europäische Stadt. Wir haben auch das als Teil des Wiener Klimagesetzes verankert. Das ist eine ganz andere Priorität, als sie vielleicht in anderen Städten oder Regionen Europas etabliert ist.
Die Kreislaufwirtschaft ist mehr als eine Strategie. Sie ist für uns auch ein Innovations- und Standortmotor. Denn es bedeutet, dass hier sehr viele Unternehmen Innovationen entwickeln, wie wir Produkte wieder rückführen können und wie wir Produkte neu designen können, sodass sie auch leichter zerlegbar werden. Das bedeutet, wir schaffen damit auch neue Jobs. Das macht die Stadt Wien fit für eine zirkuläre Wirtschaft der Zukunft. (Beifall bei den NEOS.)
Ich habe es erwähnt, die Kreislaufwirtschaft ist ein Element in unserem Klimafahrplan. Wir sind ja gerade dabei, den Klimafahrplan zu aktualisieren und zu überarbeiten und dort auch die Kreislaufwirtschaft noch sehr viel stärker zu platzieren und damit auch stärker zu platzieren, was das Thema der Maßnahmen, der Ziele et cetera betrifft, also einen Punkt, auf den auch du eingegangen bist.
Ich glaube, es ist wichtig zu sehen, es ist ein großer Puzzlestein in einer übergeordneten koordinierten Strategie und einem Maßnahmenplan, den wir natürlich regelmäßig evaluieren und bei dem wir uns genau anschauen, wie wir diese konkreten Ziele auch erreichen. Daher finde ich, es ist wichtig, dass "Zirkuläres Wien: Eine runde Sache" auch ein Gesamtdokument ist, in dem man nicht einfach nur unsere Ziele sieht, sondern letztendlich auch viele, viele Beispiele, die wir in Wien bereits umsetzen.
Es ist ja nicht so, dass wir erst jetzt draufkommen, dass Kreislaufwirtschaft wichtig ist, sondern es gibt sehr viele Projekte, bei denen wir das auch ganz konkret machen. Da möchte ich zwei Beispiele geben. Ein Beispiel ist das Thema Phosphor. Auch Joe will wahrscheinlich darauf eingehen.
Phosphor brauchen wir für die Nahrungsmittelproduktion. Wo finden wir Phosphor? - Im Klärschlamm der Abwasseranlage in Simmering. Wir haben dort bereits eine Anlage errichtet - Joe, du kannst ergänzen -, wo wir diesen Klärschlamm trocknen. Der wird verbrannt. Aus dieser Restasche wird Phosphor gewonnen.
Man glaubt es nicht, aber allein aus dem Klärschlamm, den wir zurückholen, haben wir so viel, wie wir für die Nahrungsmittelproduktion für Wien und Niederösterreich brauchen, also eine riesige Menge. Wir werden also unabhängig von Phosphorlieferungen und können es so günstiger herstellen.
Ein anderes Beispiel: die neue Wiener Sportarena. - Hast du das auch im Programm? - Die finde ich ein wunderbares Beispiel für Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Bauen. Es ist nämlich eine Sportstätte, wo wir letztendlich 80 Prozent des Abbruchmaterials einschließlich Erdaushub und Beton für die neue Sporthalle recycelt haben. Das ist gigantisch. Das ist Abbruchmaterial aus dem alten Ferry-Dusika-Stadion.
Die gesamte Anlage als solches ist auch energetisch autonom, also in sich geschlossen. Wir versuchen, dort alles zu nutzen, was geht, und haben auch eine optimierte Flächennutzung. Man kann also entsiegeln und hat trotzdem mehr Fläche für die sportliche Nutzfläche. Auch das ist also ein schönes Beispiel für Kreislaufwirtschaft - etwas, das wir bereits machen.
In dieser Kreislaufwirtschaftsstrategie "Zirkuläres Wien" finden sich viele solcher Beispiele, die wir bereits umgesetzt haben. Viele andere werden folgen. Insofern glaube ich, wir können schon sehr stolz sein, dass hier in Wien irrsinnig viel passiert und wir irrsinnig viel umsetzen. Das ist durchaus auch ein Vorbild für viele andere Städte und Länder. Ich danke noch einmal allen, die hier an diesem wunderbaren Produkt mitgearbeitet haben. - Danke schön. (Beifall bei den NEOS.)
Vorsitzende GRin Dr. Jennifer Kickert: Als Nächste ist GRin Wirnsberger zu Wort gemeldet. - Bitte.
GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Herr Berichterstatter, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe KollegInnen und auch ZuseherInnen, die zu so später Stunde vielleicht noch vor dem Livestream durchgehalten haben!
Am Anfang ein kleines Zitat: "Es muss wohl noch mit Leben gefüllt werden, derzeit klingt das meiste noch ein wenig abstrakt." Das schreibt der ORF am 13. Oktober, als die Strategie den Medien präsentiert wurde. Ich muss leider sagen, das ist eine sehr treffende Zusammenfassung.
Lassen Sie mich aber mit dem Positiven beginnen. Die heute vorgelegte Strategie "Zirkuläres Wien: Eine runde Sache" ist ein notwendiger erster Schritt in die richtige Richtung. Die Stadt Wien bekennt sich damit zur Kreislaufwirtschaft - und das ist gut. Die Zielsetzung, unseren Material-Fußabdruck bis 2025 zu halbieren, ist richtig und wichtig. Wir GRÜNE begrüßen ausdrücklich, dass Ressourcenschonung damit als politisches Ziel formuliert wurde. Wir werden der Strategie auch zustimmen, aber - und es ist ein sehr großes Aber - für bloße Absichtserklärungen haben wir keine Zeit mehr. Wir brauchen Taten - und zwar jetzt. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Diese Strategie ist - das haben wir jetzt schon gehört - eine Zusammenschau. Sie ist ein Bekenntnis auf Papier. Ist sie ein guter Rahmen? - Ja. Reicht das? - Nein. Sie ist kein Werkzeug, sie ist kein Kompass, sie ist kein Fahrplan und ohne messbare Ziele, ohne Zeitplan und ohne lange Zuständigkeiten. So wird sich das wahrscheinlich im Kreis drehen, aber eine runde Sache wird es leider nicht werden.
Was wir brauchen, ist nicht noch ein Dokument, sondern was wir brauchen, ist die Umsetzung. Eines ist klar, wir haben heute hier in diesem Haus schon viel über Demokratie gesprochen. Eine Politik, die ihre eigenen Ziele nicht mit konkreten Taten unterlegt, macht sich unglaubwürdig. Das trägt zur Politikverdrossenheit bei. Nicht nur falsche Entscheidungen tragen dazu bei, dass der Vertrauensverlust in die Politik passiert, sondern auch jede Entscheidung, die wir nicht treffen oder die wir hinausschieben. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Durch das Verschieben und das Vertrösten auf später, auf irgendwann einmal, werden wir bald sehen: Dieses Irgendwann holt uns viel früher ein, als es uns lieb
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